Soundbox oder Katerhöhle?

Soundbox aus grauen Umzugsdecken, darin stehen ein Notebook, ein Mikrofon und ein weiß-roter, dicker neugieriger Kater.
Greebo inspiziert das Equipment.

In solchen Momenten rächt es sich, dass mein Büro daheim gleichzeitig Greebos Rückzugsort ist. Ohne Kater geht hier nämlich gar nichts. Falls ich also, wie neulich, eine Tonaufnahme starten will, muss ich hoffen, dass er mir nicht mit seiner Neugier und seinen Sperenzien die Aufnahme ruiniert. Glücklicherweise ist er ja eher von der ruhigen Sorte – nach einer kurzen Inspektion hat er sich in einen anderen Karton zurückgezogen und den Abend genossen, während ich aufgenommen habe.

Was ich aufgenommen habe? Ich habe doch neulich von meinem Patreon-Feed erzählt. Langfristig will ich dort die „Magie hinter den sieben Bergen“-Reihe als Hörbücher aufnehmen (und dann sehen wir weiter), und dafür übe ich im Moment Vorlesen. Also gibt es in unregelmäßigen Abständen Kurzgeschichten zu hören, schon für die niedrigste Stufe. Falls ihr euch also diesen Monat gruseln wollt … „Charybdis“ gibt es jetzt auch auf die Ohren.

Die 100 besten Fantasy-Titel …

… sucht Fischer Tor gerade – und nein, wahrscheinlich bin ich nicht dabei. Harte Konkurrenz, ist mir klar. Aber ich habe über Twitter natürlich meine Top 5 kundgetan – und mich dabei auf Autorinnen konzentriert.

Überhaupt achte ich ja seit einiger Zeit verstärkt darauf, welches Geschlecht die Autor*innen von Büchern haben, die ich lese resp. vorgeschlagen bekomme. Früher waren das nämlich zu einem Großteil (bis auf bei Thrillern, merkwürdigerweise) Männer. Und da grob die Hälfte der Menschheit nicht Männer sind, käme es mir merkwürdig vor, wenn dort das komplette schriftstellerische Talent läge. Also lese ich zum Ausgleich verstärkt nicht-cis-männliche Schreibende. Und ich muss auch ehrlich sagen … bei Büchern von cis-Autoren überlege ich aktuell oft länger, ob ich meine Zeit darauf verwenden will – es sei denn, natürlich, ich weiß, dass mir sein Schreibstil gefällt (z.B. Terry Pratchett, Neil Gaiman – und ja, ich habe immer noch nicht alle Bücher von Terry Pratchett gelesen, Schande auf mein Haupt).

Ist das diskriminierend? Ich weiß es nicht. Ja. Nein. Vielleicht.

Ich weiß nur: Ich habe begrenzte Lesezeit. Für alle Bücher auf der Welt wird es nicht reichen – nicht einmal für alle Bücher auf der Welt, die zu meinen präferierten Genres gehören. Also muss ich eine Auswahl treffen. Und wenn ich die Sichtbarkeit von Schreibenden erhöhen will, die nicht als cis-männlich gelesen werden, kann ich da bei mir genau so gut anfangen wie an jedem anderen Ort. Schließlich sollte ich die Bücher kennen, von denen ich euch vorschwärme.

Und tröstet euch – wenn mir ein Buch gut genug gefällt und/oder ich ausreichend enthusiastische Empfehlungen bekomme, dann lese ich nach wie vor auch Bücher von cis-Autoren, die ich vorher nicht auf dem Schirm hatte. Die haben es halt ein wenig schwieriger. Bei mir. Einer kleinen einzelnen Einzelperson. Hoffentlich tut das deren Karriere keinen Abbruch. [/sarkasmus]

Pa-was? Wie bitte?

Patreon.

Habt ihr bestimmt schon von gehört.

So eine Bettelplattform, auf der man Leuten regelmäßig Geld gibt, und dafür machen die dann Kunst oder Unsinn oder so.

Da bin ich jetzt auch.

LINK

In erster Linie soll es dort um das lang angeschobene Hörgeschichten-Projekt gehen. Falls euch das also interessiert, seid ihr herzlich eingeladen, mich zu unterstützen!

Der Film zum Buch

Kinners, ich bin gerade mit Harrow the Ninth von Tamsyn Muir durch. Und ich muss ganz ehrlich sagen – wenn es eine Reihe gibt, die eine Verfilmung verdient, dann diese. Von Gideon the Ninth war ich komplett geflasht – und ehrlich, ohne diesen megastarken Einstieg hätte ich „Harrow“ vielleicht nicht ausgelesen, denn der Anfang ist anstrengend und verwirrend. Aber ich sage euch jetzt schon: Es lohnt sich. Und angesichts all dieser tollen Ideen und Settings und überraschenden Wendungen kann ich nur sagen: Da sollte jemand unbedingt eine Serie draus machen.

Normalerweise bin ich ja nicht so enthusiastisch. Und bei beispielsweise den Büchern von Frances Hardinge (hört sofort mit dem Augenrollen auf!) bin ich nicht sicher, ob eine Verfilmung gut funktionieren würde – viele der tollen Dinge finden in den Charakteren statt, und da guckt man ohne Röntgengerät und MRT ja eher selten hin. Verfilmungen anderer Lieblingsbücher habe ich mir teilweise absichtlich nicht angeschaut, um nicht ausgiebig schimpfen und meine eigenen Augen rollen zu müssen.

Aber an dieser Stelle: Ihr solltet sofort „Harrow the Ninth“ lesen. Also, zuerst natürlich „Gideon the Ninth“. Dann „Harrow“. Und dann solltet ihr allen Leuten so lange mit eurer Begeisterung auf den Zeiger gehen, bis es eine gigantische neue Netflix-Serie gibt – Science Fiction mit Nekromanten und Spukhäusern. Na?

Eigentlich sollte ich dich mögen. WARUM MAG ICH DICH NICHT???

Das frage ich mich oft bei Büchern, von denen ich erwartet hatte, sie zu mögen – vielleicht sogar zu lieben. Sie erfüllen auf den ersten Blick sämtliche Kriterien, die ein gutes Buch für mich ausmachen.

Der Klappentext klingt interessant.

Die erste Leseprobe ist spannend.

Es gibt keine sprachlichen Stolpersteine.

Thema und Setting interessieren mich.

Und trotzdem … springt der Funke einfach nicht über. 

Vielleicht ist es dann nur das falsche Buch zur falschen Zeit. Vielleicht habe ich zufällig erst vor kurzem ein Buch gelesen, das diesem zu ähnlich ist. Vielleicht kenne ich meine aktuellen Buchbedürfnisse nicht so gut, wie ich dachte. Vielleicht hat das Äußere des Buches falsche Erwartungen an das geweckt, was drinnen auf mich warten würde. Vielleicht bin ich wegen der Lobeshymnen aus dem Freundeskreis so gehyped, dass das Buch mich nur noch enttäuschen kann.

Einen exakten Titel nenne ich an dieser Stelle natürlich nicht. Dass ich ein Buch aktuell nicht mag, bedeutet ja nicht, dass es schlecht ist – oder dass ich es nicht doch noch in einem halben Jahr voller Begeisterung verschlinge. Zurück bleibt für den Moment immer nur ein Gefühl der Verwirrung. Was stimmt mit dir nicht, Buch? Und was stimmt mit mir nicht? 

Flauschezombies!!!

Nein, heute geht es nicht darum, ob Zombies in entsprechenden Klimazonen schimmeln würden. (Würden sie bestimmt. Stellt euch mal den Geruch vor!)

Heute geht es um dieses kleine Wunderwerk abwegiger Fantasie, in dem ich auch eine Geschichte unterbringen konnte:

Ihr könnt es beispielsweise hier erwerben – oder überall dort, wo ein Chaospony auftaucht.

Weinlese

Letzten Samstag hatte ich also meine erste buchbezogene Veranstaltung dieses Jahr. Ganz klein und hygienekonform. Der Chaospony Verlag und das Weingut Abel in Ingeheim hatten sich zusammengetan, um zwei Dinge zu kombinieren, die generell gut zueinander passen: Guten Wein und gute Bücher. Für einen kleinen Eintritts-Obulus konnte das Publikum ausgesuchte Weine probieren und dazu passenden Geschichten lauschen.

Biergarnitur mit vier Personen: Nicolas von Szadkowski (Autor), Sandra vom Chaospony Verlag, Nicolas' Partnerin Kat, Verlagsfee Dani.
Die (vor-)lesende Bevölkerung vor der Schlacht.

Abwechselnd wurde dann von Wein erzählt und Fantastisches gelesen. Den Auftakt machte Nicolas von Szadkowski mit einem Auszug aus seinen Legenden der Weber – einer auf gegenwärtig sieben Bände ausgelegten eher klassischen Fantasyreihe. Außerdem gab es einen kleinen Vorgeschmack auf die druckfrische Chronik der Zombieflauschapokalypse, in der ich auch mit einer Geschichte vertreten bin, vorgelesen von der Chefin daselbst.

Der Blick auf die Lesebühne: einige Biergarnituren unter einem gestreiften Festzelt, mehrere Leute sitzen und hören der Verlegerin zu. Die steht am Kopfende des Raumes neben dem Winzer.
Das Publikum wird von Fachleuten unterhalten.

Danach durfte ich den Leuten Andrea und Bob vorstellen – passend zu einem kurvigen Roten.

Ein Glas Rowein auf einem Tisch, neben dem Buch "Andrea die Lüsterne und die lustigen Tentakel des Todes", halb verdeckt von einem Mundnasenschutz mit Fledermausaufdruck.
Perfekt gekleidet ist man aktuell ja nur mit Maske.

Und zum Schluss gab es noch eine lustige Geschichte aus der Anthologie Verirrte Prinzen & bockige Prinzessinnen. Bei dieser Gelegenheit hatte Verlagsfee Dani ihre Vorlese-Premiere – und hat sich sehr tapfer geschlagen.

Tisch mit Buch, Landkarte und Blümchen als Deko, dahinter vorlesende Person mit Buch.
100 % professionell, sag ich doch.

Insgesamt war es – den Umständen und der Spontanität geschuldet – ein eher intimer Abend, aber wir haben uns sehr amüsiert. Vor allem konnte ich viel über Wein lernen, die ich ja traditionell eher aus einer Biergegend komme (und damit meine ich nicht das Rheinland mit Kölsch und Bönnsch und was die hier sonst in kleinen Gläschen kredenzen ^^). Wir saßen nach den Lesungen noch eine ganze Weile und unterhielten uns über alles mögliche. Ein wenig schwierig wurde es für mich, als es um alternative Heilmethoden ging – ich bin völlig dafür, der Schulmedizin nicht unbesehen zu vertrauen, und schon gar nicht den Ärzten. Alles ehemalige Medizinstudenten, tsk! Aber wenn es um so Dinge wie Schlacken im Körper oder elektromagnetische Blutuntersuchungen geht, muss ich mir schon hart auf die Zunge beißen. Andererseits wollte ich den netten Abend nicht mit hitzigen Diskussionen verderben, und … letztendlich ist es fast egal, wie man Leute dazu kriegt, gesund zu essen. Hauptsache, wichtige Behandlungen werden nicht wegen irgendwelcher esoterischer Ideen verschleppt.

(Innerlich habe ich natürlich trotzdem tausend Rants gehalten. Aber die sind mehr für mein eigenes inneres Gleichgewicht, ihr versteht.)

Abschließend kann ich sagen, dass mir so kleine Formate sehr gut gefallen, weil man mit den Leuten leichter ins Gespräch kommt. Ich könnte mir gut vorstellen, so etwas öfter zu machen. Bräuchte nur jemanden, der mir so ewas organisiert. ^^

Reisen durch Geschichten, Reisen mit Geschichten

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Bestimmt hatte ich euch schon von meinem Reise-Bücher-Trick erzählt: Wenn ich weiß, dass ich an einen bestimmten Ort reise, versuche ich, ein Buch zu finden, das an diesem Ort spielt. Das lese ich dann entweder kurz vor der Reise oder währenddessen.

Für Den Haag war das übrigens überraschend schwierig – ich habe kein einziges Buch gefunden, das vor Ort spielt. Dabei war ich nicht einmal genre-kritisch. Habe ich falsch gesucht? Oder ist diese wunderschöne, historisch interessante und politisch relevante Stadt in der Literatur einfach extrem unterrepräsentiert? Wir werden es vielleicht nie erfahren.

Aber für Island, Sizilien, Dublin, … hatte ich vorab immer schon das richtige Buch am Start.

Einige Freundinnen haben diesen Trick übrigens von mir übernommen und suchen sich vor dem Urlaub immer die lokal passende Lektüre aus. Das führt zum einen dazu, dass man ganz neue Autor*innen und Geschichten entdeckt – und zum anderen kann man vor Ort ganz anders in die Geschichte und in den Urlaub eintauchen.

In der aktuellen Situation hat sich noch ein anderer Vorteil ergeben: Wenn wir schon nicht reisen können, können wir mit Hilfe dieser Bücher beim Wieder-Lesen wenigstens auch die entsprechenden Urlaube noch einmal erleben. Und das ist doch auch etwas wert, findet ihr nicht?

Wein-Lese

Dass wir nicht reisen oder wild Party machen können, heißt ja nicht, dass man sich gar nicht amüsieren kann. Deswegen lese ich euch am Samstag etwas vor. Wer mich immer schon mal (wieder) live und in Farbe sehen wollte, oder hören, wie Bob klingt, wenn ihn die Autorin persönlich liest, der sollte unbedingt nach Ingelheim kommen. Und sogar wenn die Lesung ein Reinfall ist – zum einen gibt es noch andere Autor*innen, die vorlesen, und zum anderen haben wir Wein. Es kann eigentlich gar nicht schlecht werden.

(An das Universum: Das ist KEINE Herausforderung.)

Und schon wieder sind sie alle tot!!!

Aber wie erklärt man das der Polizei?

Manchmal überlege ich mir das, wenn ich abwegige Dinge für Geschichten recherchieren muss. Kann man mit Haushaltsdingen eine ordentliche Bombe improvisieren? Wie lange dauert es, eine menschliche Leiche zu zerstückeln? Was kostet eine funktionsfähige Niere auf dem Schwarzmarkt? Wie verabreicht man nichtsahnenden Menschen unbemerkt unterschiedliche Drogen? Und was hilft traditionell gegen Drachenfeuer?

Vielleicht sollte ich mir von einem Notar mal beglaubigen lassen, dass ich eigentlich harmlos bin – zusammen mit einer Unbedenklichkeitsbescheinigung von einem guten Therapeuten dürfte das doch helfen. „Die Patientin ist verrückt, aber auf die gute Art.“ Was meint ihr? ^^