Nervenpflege

Der Begriff „Selfcare“ ist so überstrapaziert, der verursacht mir kalten Bröckchenhusten. ABER. Das ist kein Grund, sich nicht um sich selbst zu kümmern. Und gerade im Moment ist die Nervenpflege besonders wichtig. Wir hatten Feiertage, wir hatten Treffen und Nicht-Treffen, auf die wir gut hätten verzichten können, und diese lästige Pandemie ist überraschenderweise am ersten Januar nicht in lila Rauch aufgegangen. Na ja, kommt, wir hängen da noch einen Moment lang gemeinsam drin. Und damit uns die Zeit nicht lang wird, habe ich einige Nervenpflege-Tipps gesammelt:

  1. Niemand hat ein Recht auf deine Aufmerksamkeit. Schwurbelnde Verwandte oder schimpfende Kolleg*innen – du darfst dich jederzeit aus dem Gespräch verabschieden. Probier mal, mit dem Ausruf: „Da ist ein Kätzchen auf einem Pterodactylus!“ das Thema zu wechseln. (Im schlimmsten Fall halten sie dann dich verrückt und meiden deine Gesellschaft.) Oder mach dir einen Spaß daraus, ihre Verschwörungstheorien noch zu toppen. „Ich glaube ja nicht, dass die Erde eine Kugel ist.“ – „Ich glaube nicht einmal, dass die Erde existiert!“
  2. Verzichte auf die Nachrichten, wenn sie dir nicht guttun. Ja, klar, es ist wichtig, auf dem Laufenden zu sein, allerdings passieren die ganzen schrecklichen Dinge auch, wenn du nicht hinguckst.
  3. Sagt dir der Begriff „Comfort Food“ etwas? Das sind all die Dinge, die du auch essen würdest, wenn du Liebeskummer hast. Also Schokolade und Eiscreme, aber auch Kartoffelpüree, Nudeln mit Tomatensauce und Würstchen oder Risotto. Im Moment ist der Alltag für viele Leute Stress, und wenn wir dann angeblich „ungesundes Essen“ wollen, ist das tatsächlich „Nervennahrung“, denn unser Gehirn verbraucht nun einmal am liebsten Kohlenhydrate.
  4. Und damit zum Kummer über Corona nicht noch der Kummer über die Kurven kommt, raus mit euch! An die frische Luft! Natürlich nicht unter Leute, sondern in die Felder oder den Wald, so ihr die denn in der Nähe habt. Passt bitte auf, dass ihr nicht stolpert und euch was brecht, denn wir brauchen die Krankenhausbetten gerade für andere Dinge, aber Bewegung und frische Luft sind gut gegen Stress und machen auch glücklich.
  5. Kramt eure alten Schätze raus! Lieblingsbücher, -filme und -serien, halbvergessene Brettspiele, die Fotoalben aus eurer Kindheit, falls ihr so etwas habt. Angesichts so vieler neuer anstrengender Dinge ist es zwischendurch ganz gut, sich mit etwas abzulenken, das man bereits kennt und von dem man weiß, dass es einem gefällt.
  6. Lernt etwas Neues, wenn es euch ablenkt – fühlt euch jedoch bitte nicht verpflichtet, die Lockdownzeit „sinnvoll“ zu nutzen, indem ihr die Lösung für den Welthunger sucht oder so. Manche Leute werden von neuen Dingen nur zusätzlich gestresst. Falls ihr dazu gehört, ist „existieren und niemanden umbringen“ ein gutes Tagesziel und das Sofa euer bester Freund. Lasst euch nichts anderes einreden.
  7. Seid nicht so streng mit euch. Niemand wird alle Regeln andauernd einhalten. Und auch mehr „freie“ Zeit bedeutet nicht, dass ihr auf einmal die Wohnung, den Haushalt und/oder euer Leben im Griff haben müsst.
  8. Klingt lächerlich, aber befreit: Sucht jeden Tag irgendetwas in eurer Wohnung, das ihr wegwerft, verschenkt oder spendet. Ich weiß, das klingt wie ein Reiche-Leute-Tipp, aber aus irgendeinem merkwürdigen Grund wirkt dieser Vorgang auf mich extrem beruhigend. Jeden Tag verschwindet ein altes Feuerzeug, ein ungeliebtes Buch oder auch eine eingestaubte Deko aus meinem Leben. Merkwürdig, dass ich trotzdem noch soviel Kram habe. Aber versucht das einmal, vielleicht ist das auch etwas für euch.

Was sind eure Tipps gegen den aktuellen emotionalen Stress?

Autor*innen als Marke und Authentizität

In den letzten Tagen konnte ich am Rand einer interessanten Diskussion – oder wohl eher mehreren verschiedenen, sich miteinander verflechtenden und verknäuelenden Diskussionen – folgen. Es ging um „Autor*innen als Marke“ und ob man bei der Selbstvermarktung zwangsläufig an Authentizität verlieren müsse.

Jetzt habe ich in grauer Vorzeit auch ein wenig Soziologie studiert (nicht viel, nur im Neben-Nebenfach und mehr zum Vergnügen als für den Ruhm) und mache mir meine eigenen Gedanken.

Disclaimer: Wenn ich irgendwo als Autorin auftauche, egal ob in echt oder in digital, dann ist das, was ihr zu sehen/lesen kriegt, eine „Persona“ und nicht mein ungefiltertes, unterkoffeiniertes Privat-Ich.

Heißt das, dass ich euch konstant anlüge?

Natürlich nicht.

Dafür hätte ich gar nicht die Energie.

Ich betrachte es gerne als ein Professionalitäts-Level. So wie ich meinen Chef im Büro niemals begrüßen würde mit den Worten: „Yo, welcome back, du alter Sack!“, nicht einmal auf die liebevollste Weise, die man da draninterpretieren kann, und so, wie ich meine Bankfachfrau nicht zur Begrüßung high-fiven würde, so lege ich beim Auftauchen als Autorin eine Art selektiver Quasisemiprofessionalität an den Tag. In meinem konkreten Fall heißt das: Ich bin fröhlicher und agiere mild extrovertierter, ich rede nichts Schlechtes über meine Kolleg*innen und deren Bücher und ich verwende mild, minimal bereinigtes Fluchvokabular (räusper).

Auslöser der ganzen Diskussionen, von denen ich eingangs erzählte, waren übrigens SoMe-Auftritte nicht namentlich genannter Schreibender, die für sich selbst werben, indem sie andere Schreibende schlechtmachen. Und mal im Ernst, das geht mal gar nicht. Wie käme es euch vor, wenn der Bäcker auf der linken Straßenseite euch erzählte, dass der Bäcker am Markt in den Brötchenteig pinkelt? Sowas macht man nicht. Ich habe öffentlich diverse politische Meinungen und eine ganze Menge Fangirl-Crushes, aber ich lege großen Wert darauf, die Bücher anderer Schreibender nicht runterzumachen. Denn ich denke mir: Würde ein*e Autor*in, den*die ich online beobachte, so etwas machen, wäre die betreffende Person mir direkt unsympathisch.

Betreibe ich viel Arbeit mit der „Persona-Pflege“? Nö, eigentlich nicht. Letztendlich behalte ich nur manche Dinge für mich, die ich auch im Büro nicht einfach so herausposaunen würde. Große Schauspielleistungen oder Märchen würde ich nie durchhalten, das wäre viel zuviel Arbeit. Wenn ich euch Märchen erzählen will, packe ich sie zwischen Buchdeckel.

Endgegner Klappentext

Seit mehr als zwei Jahren habe ich nichts Neues veröffentlicht.

Ist das überhaupt legal?

Darf man das als Selfpublisher_in?

Tja, verklagt mich doch. (Bitte, verklagt mich nicht. Gibt eh nix zu holen!)

Und während das magische Kinderbuch mich kräftig in den Poppes tritt – wer hätte gedacht, dass es so schwierig ist, über Puppen zu schreiben? – habe ich eine Sache ganz und gar nicht vermisst: Klappentexte.

Klappentexte sind, zusammen mit dem Exposé, der Endgegner für Schreibende. Und obwohl sie eigentlich komplett das Gegenteil voneinander sind, bereiten sie uns die gleiche Art Kopfzerbrechen. („Uns“ bezeichnet Schreibende generell – bis auf die wenigen Perversen, die sich gerne mit Klappentexten etc. befassen, denen sollte man nicht trauen.)

Ein Exposé zeigt alles. Auf wenigen Seiten soll die komplette Romanhandlung inklusive Ende verständlich dargestellt werden. Mit einem Exposé beweist man, dass man sein eigenes Buch verstanden hat. (Lacht nicht, mir sind bei den Puppen viele Dinge erst jetzt beim dritten Anlauf klargeworden.) Das Exposé ist eher schnörkellos und voller Informationen.

Ein Klappentext soll neugierig machen, darf also nicht zuviel verraten. Aber die wesentlichen Informationen sollen natürlich da sein: Erwartet mich etwas Lustiges? Spannendes? Romantisches? Blutrünstiges? Ein wenig wird der Klappentext dabei vom Cover unterstützt, aber die Worte leisten schon den Hauptteil der Arbeit. Sie zeigen nämlich auch schon, wenn man den Job gut gemacht hat, den Stil der Geschichte.

Immer wieder tauchen sogenannte „Erfolgsformeln“ für Klappentexte auf. Und mal unter uns: Die meisten davon erfüllen eben gerade das Minimum, damit man einen Klappentext als solchen erkennt. Einmal abgesehen davon, dass Lesende ja nicht kurzdenkig sind und solchen Tricks schnell auf die Schliche kommen. Wenn man also den eigenen Klappentext aus „Erfolg garantierenden“ Versatzstücken zusammenpuzzlet, tut man sich keinen großen Gefallen. Originalität ist gefragt – aber bitte auf maximal einer halben Normseite.

Und weil der Klappentext meistens darüber entscheiden hilft, ob jemand das Buch kauft oder nicht, bereitet er uns Schreibenden schlaflose (vielleicht gar hasenhirnige?) Nächte. Wir zeigen, fragen, zerpflücken, analysieren, bekritteln und tüfteln so lange, bis wir … nein, meistens nicht zufrieden sind, sondern uns um der lieben geistigen Gesundheit willen mit dem bestmöglichen Kompromiss zufriedengeben.

Eigentlich sollte man es ja anders herum machen: Erst schreiben wir den ultimativen Klappentext und dann den passenden Roman dazu. So schwer kann das ja nicht sein. (Hust. Abgang links.)

Fantastische Feiertage(1)!

Quadratische Grafik mit einer diagonalen Aufteilung (links oben nach rechts unten): Rchts eine gefrorene Seifenblase auf einem Bett aus Eiskristallen, überwiegend weiße und dunkelblaue Farbtöne. Lins grau-blauer Hintergrund, darauf weiße Schrift: "Fantastische Feiertage! Ich wünsche euch kalte Nasen, heiße Getränke und alles Gute für das kommende Jahr!"

Sagen wir es, wie es ist – das Jahr 2020 war … überraschend. Und nicht nur auf die gute Art. Wir hatten keine großen Buchmessen, wenig Sozialkontakte und ernüchternde Einblicke in die Bereitschaft unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen, sich zum Wohl der Allgemeinheit einzuschränken. Aber es war nicht alles schlecht. Wir haben tolle Bücher bekommen, abwechslungsreiches Streamingprogramm und einen Vorwand, möglichst viele neue Brotrezepte auszuprobieren. Alle haben sich gesorgt: Um die eigene Existenz, um die Gesundheit von Familien und Freunden, um unsere kollektive geistige Gesundheit. Manche von uns hatten es dabei sicherer als andere, aber wir wurden alle auf eine Art erschüttert, die wir nicht vorhergesehen hatten. Konzerte wurden verschoben, Events abgesagt, Reisen storniert. Wir haben sehr, sehr viel Zeit daheim verbracht und sind unseren Haustieren auf den Sack gegangen.

Ich wünsche mir, dass ein Ende dieses internationalen Multi-Experiments nicht mehr lange auf sich warten lässt. Und ich wünsche euch trotz allem und mit allem ruhige, sichere Feiertage mit der nötigen Entspannung und dem Rückhalt, den wir alle gerade brauchen.

Nach den Feiertagen starten wir dann wieder durch. Schön mit Abstand, wie es sich gehört.

Passt auf euch auf!

(1) Meine Finger tippen immer „Feuertage“ und ich hoffe sehr, dass die nicht etwas wissen, das ich noch nicht weiß.

Hasenhirnig

Harebrained“ ist so ein schönes englisches Wort, mit dem ich bis jetzt nicht so richtig etwas anfangen konnte. Es wird übersetzt mit „konfus“ oder „närrisch“. Nach heute Nacht finde ich den Ausdruck „hasenhirnig“ aber schön UND treffend.

Es fing damit an, dass ich ins Bett ging, der Mann aber nicht. Der folgte mit (räusper) minimaler Geräuschkulisse morgens um vier. Fragt nicht. Auf jeden Fall weckte er mich dabei unabsichtlich, und während er schnell und tief entschlummerte, setzte mein Hirn zum hakenschlagenden Hasengalopp an.

„… Flugzeuge in meinem Bauch … orr, ich hätte nicht soviel essen dürfen. Wann mache ich wohl dieses Rastapasta-Rezept? Hmm, Rastas … darüber sollte ich mehr lernen. Bestimmt gibt es da spannende Artikel. Gib mir mein Herz zurück … ich hasse dieses Lied. Was könnten wir morgen im Büro wohl hören? Da gab es doch neulich diesen Artikel über 2raumwohnung. In der Zeitschrift gab es auch einen Artikel über Puzzles. Ich hasse Puzzles. Und merkwürdig, was bei Computerspielen alles unter „Puzzle Games“ zusammengefasst wird. Vieles davon wären ja eher Mystery Games. Ich muss dringend diese Mystery Romance Story schreiben. Zirkus-Artisten. Flugzeuge im Bauch …“

Auf einer grünen Wiese vor einem unspektakulär ausgeleuchteten, eher farblosen Natur-Hintergrund mit mehreren unscharf dargestellten Gebäuden sitzt ein Hase mit gespitzten Ohren und schaut schräg Richtung Kamera.
Foto von Philipp Lansing, gefunden auf Unsplash

Und so ging es immer weiter im Kreis – ach, was sag ich, im Möbiusband! Bis morgens um sechs, als mein Wecker klingelte. Nächstes Mal spreche ich das alles live auf Band, das wird lustig!

Buch- und altersübergreifende Beziehungen

Bei Kinderbüchern, habe ich gelernt, gibt es eine Faustregel: Das Alter der Hauptcharaktere sollte etwas höher sein als das der Zielgruppe – damit die Lesenden zu ihnen aufsehen können.

Jetzt, wo ich schon seit längerem an meinem Kinderbuch laboriere, bringt mich das in Schwierigkeiten. Ich weiß ungefähr, wie alt meine Protagonistin ist. Daraus ergib sich durch Subtraktion die Zielgruppe, wenigstens ungefähr. Aber in diesen Jahren entwickeln sich junge Menschen unglaublich schnell. Das, was meine Protagonistin sagt und tut, ist für das etwas jüngere Zielpublikum also eventuell gar nicht angemessen.

Dann denke ich an die Kinder-, Teenie-, Young-Adult- und New-Adult-Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Wenn es dort eine gefühlte Diskrepanz zwischen dem Alter und dem Verhalten gab, hat mich das gestört. Kinder und Jugendliche sind schließlich nicht einfach nur naivere Versionen von Erwachsenen, sondern komplette Menschen mit Ideen und Theorien und Erfahrungen und Beobachtungsgabe. Im echten Leben überraschen sie mich eher damit, wie klug sie sind und was für Rückschlüsse sie aus dem ziehen, was sie um sich herum beobachten.

Der eingangs genannten Faustregel zufolge bin ich aber ja gar nicht die Zielgruppe für diese Bücher (und das schon seit etlichen Jahren nicht mehr!). Wieviel zählt meine eigene Einschätzung also? Wie wahrscheinlich ist es, dass sowohl Zielgruppen-Mitglieder als auch erwachsene Lesende wie ich sich einem Charakter gleichermaßen verbunden fühlen können?

Ich persönlich mag es bei dieser Art von Büchern, wenn das Entdecken und Dazulernen noch einmal mit-erlebbar wird, wenn man daran erinnert wird, wie es ist, wenn man eben noch nicht (wenigstens gefühlt) alles gesehen hat. Jungen Charakteren verzeiht man auch eher, wenn sie nicht immer kaltschnäuzig und kalkulierend vorgehen, die Welt hat sie noch nicht abgehärtet.

Zugegeben, manchmal denke ich aus meiner Erwachsenenwarte auch: Meine Güte, was für eine vorwitzige Rotznase! Du gingest mir ja so sehr auf den Zeiger, wenn ich mit dir auskommen müsste! Gleichzeitig bin ich mir fast immer sicher, dass mein früheres, jüngeres Lese-Ich mit genau diesen Charakteren gerne befreundet gewesen wäre, und das versöhnt mich dann wieder ein bisschen.

Wie ist das bei euch? Lest ihr überhaupt noch Kinderbücher? Oder habt ihr alte Lieblinge, von denen ihr euch nicht trennen könnt? Überhaupt, haut ruhig mal ein paar Empfehlungen raus. ^^

Da haben wir den Lockdown-Salat

Schwarz-weiß-Bild: Ein Vorhängeschloss und eine verschlungene Kette aus blankem Metall sichern ein metallenes Tor.
Foto von John Salvino, gefunden auf Unsplash

Es musste ja so kommen. Hätten wir mal auf die Experten gehört.

Bereits im Frühjahr haben die Experten vor der „zweiten Welle“ im Herbst gewarnt. Und spätestens seit September wurden Forderungen nach einem zweiten Lockdown mit Kontaktbeschränkungen laut.

Stattdessen, meinten die Politiker an den relevanten Stellen, könne man doch bitte an die Eigenverantwortung der Leute appellieren.

Das hat ja wunderbar geklappt.

„Eigenverantwortung“ nutzt mal gar nichts, wenn es keine ordentlichen Konzepte für sicheren Schulbetrieb gibt. Oder Anweisungen für die Arbeitgeber, Risikopatienten zu schützen und möglichst viel Home-Office zu ermöglichen. Oder Möglichkeiten für Eltern, Sonderurlaub zu nehmen und ihre Kinder zuhause zu betreuen. Oder Verdienstausfall-Ersatz für Leute, die ihre Geschäfte wohl schließen würden, wenn sie es sich leisten könnten.

(Einmal abgesehen davon, wie verwirrend es ist, wenn jemand sagt: „Natürlich dürft ihr das alles tun, und es ist auch wirtschaftlich wichtig, dass ihr das tut – aber tut es bitte nicht.“)

Und ich muss sagen: Ich bin schon ein wenig angefressen. Nicht weil ich so große epische Feiertagspläne gehabt hätte – nö, aber für viele Leute ist ein Lockdown ausgerechnet jetzt schon eher Kacke. Und wenn man Anfang November einmal alles gründlich für sechs Wochen dicht gemacht hätte, hätte man die Beschränkungen spätestens zum 20.12. kurzzeitig lockern können, ohne hunderte Tote zu riskieren.

(Oh, und wo wir schon einmal dabei sind: Kauft um Himmels Willen nicht wieder das ganze Klopapier und die Nudeln weg!)

Na ja, auch das werden wir überstehen. Es ist nur dieser eine Winter. Der wird hart, und eventuell arg langweilig, aber es ist nur für eine begrenzte Zeit. Passt aufeinander auf, macht es euch so gemütlich wie es irgend geht und guckt ein wenig, wie es den Leuten rund um euch her geht.

Zwei orange und in der Mitte eine grüne Stumpenkerzen auf einem hölzernen Sims, im Hintergrund etwas herbstliche Deko mit kleinen Kürbissen und Pilzen und Pailletten.
Foto von Elena Mozhvilo, gefunden auf Unsplash

Die Sache mit dem Spaßhirn und dem Nörgelhirn

Neulich fragte jemand auf Twitter, wie Leute beim Schreiben überhaupt Musik hören könnten und ob das nicht ablenken würde?

Bei mir – ja. Und das ist auch der Plan. Nicht nur mit Musik, an schlimmen Tagen mache ich mir auch den Fernseher an.

Das lenkt mein Nörgelhirn ab.

Das Nörgelhirn ist der größte Feind dieser Autorin. Es nörgelt nämlich in einer Tour. Das ist aber ein hässlicher Satz. Fällt dir nichts Besseres ein? Komm, diese Wendung hat JEDER schon gesehen. Da ist eine Wortwiederholung. WORTWIEDERHOLUNG! Deine Charaktere haben nicht soviel Glück beim Denken, oder? Ich sag euch, es macht keinen Spaß.

Das Spaßhirn hingegen, das für so lustige Dinge wie Schreiben zuständig ist, lässt sich vom Nörgelhirn leicht einschüchtern. Es ist sehr sensibel. Und wenn das Nörgelhirn loslegt, kann es sein, dass das Spaßhirn mich spontan im Stich lässt. Da hilft dann auch keine Schokolade mehr.

Glücklicherweise hat mein Nörgelhirn keine besonders große Aufmerksamkeitsspanne. Also kann ich es ablenken. Ich habe ganze Bücher geschrieben, während im Hintergrund eine Serie in Endlosschleife lief. Einzige Bedingung: Sie darf nicht in der Sprache sein, in der ich gerade arbeite. Dann schleichen sich nämlich Wörter, Sätze und Namen ins Manuskript, die dort nicht hingehören. Aber ich kann ohne weiteres auf Englisch „Gilmore Girls“ sehen/hören und gleichzeitig Mord und Totschlag schreiben. Oder mir „Scrubs“ auf Deutsch reindrücken, während ich mich selbst ins Englische übersetze.

Man muss ja nur wissen, wie man’s macht.

Es hätt‘ so schön sein können! „Tödlicher Kohldampf“ – ein Gejammere

Manchmal wildere ich in fremden Genres. Wenn mich der Titel reizt oder der Klappentext, wenn ich eine Idee für witzig oder spannend halte, wenn die Gelegenheit günstig ist.

So eine Gelegenheit war – dachte ich wenigstens – als ich vor einigen Wochen „Tödlicher Kohldampf“ von Helga Bürster günstig bekommen konnte. Ein norddeutscher Krimi um Grünkohl, mit aktuellen politischen Themen und angeblich auch noch sehr witzig. Bitte her damit!

Und ich schwör, die Idee hätte grandios werden können. Leider bleiben viele Charaktere (vor allem, aber nicht nur der dichtende Polizist) durch die Bank hinter ihrem Potenzial zurück – mit anderen Worten: Sie verhalten sich dumm. Da werden Beweismittel weggeworfen, beschlagnahmte Geräte offen rumliegen gelassen, der Polizist kriegt wegen jeder weiblichen Person, mit der er redet, Hitze im Kragen, … – und keine einzige der weiblichen Figuren ist sympathisch. Bei einigen ist das offensichtlich gewollt, aber auch die „Heldin“ Moni wirkt mit ihren Stimmungsschwankungen und ihrer Eifersucht, sobald jemand ihren Mann auch nur anguckt (wenn er mit Handtuch um die Hüften durch die Gaststätte spaziert *augenrollgeräusch*), machen sie zu einer unangenehmen Person, mit der ich nicht Tee trinken wollen würde.

Hinzu kommt offensichtliches Unwissen der Autorin in Bezug auf einige Dinge, die man heutzutage eigentlich entweder weiß oder leicht rausbekommen sollte. Beispielsweise dass Smartphones üblicherweise mit einem Code o.ä. geschützt sind, wie man die Adresse eines eBay-Verkäufers herausbekommt, Dinge wie Fernzugriff und Cloudsicherung – hach, es ist rundum ärgerlich.

Eines muss man dem Buch allerdings zugute halten: Sprachlich ist es sehr schön. Allein wegen des Wortes „breegenklöterich“ (tüdelig) hat sich die Lektüre schon gelohnt. Damit schrammt es knapp, aber wirklich sehr, sehr knapp daran vorbei, reine Zeitverschwendung gewesen zu sein.

Neue Traditionsideen

Eine lebensgroße Weihnachtspyramide auf dem Bonner Weihnachtsmarkt.
Dieser Glühweinstand ist in anderen Jahren ein beliebter Treffpunkt auf dem Bonner Weihnachtsmarkt – ist ja auch nicht zu übersehen.

Nachdem wir es neulich über meine Lieblingstraditionen hatten, habe ich mich diesmal auf die Suche gemacht, was es noch für schöne, lustige oder abwegige Traditionen gibt, die man zu Weihnachten pflegen könnte. Hier ist eine Auswahl:

  • Weihnachtsbrot – am 24.12. wird ein spezielles Brot für die Feiertage gebacken, zum Beispiel mit Nüssen oder Äpfeln und Gewürzen.
  • Socken und Bücher verschenken – in Island kommt angeblich die Weihnachtskatze und frisst alle, die zu Weihnachten keine neue Kleidung bekommen haben. Außerdem ist es in Island Brauch, einander Bücher zu schenken und die Nacht vom 24. auf den 25. Dezember lesend zu verbringen. Ich finde es ja verlockend, mit warmen Weihnachtssocken, einem neuen Buch und einer heißen Schokolade im Bett zu liegen. Und ihr?
  • Ahnentafel – ein bulgarischer Brauch: Man lässt die Reste des Weihnachtsessens über Nacht an einem Ort stehen, an dem die Ahnengeister (aber nicht die Katzen!) sich daran laben können. Wobei diese Tradition eventuell von einer Hausfrau erfunden wurde, die nicht Abends noch den Abwasch machen wollte. ^^
  • Weihnachtsspinnen – in der Ukraine werden spinnenförmige und spinnennetzförmige Ornamente in den Weihnachtsbaum gehängt, das soll Glück bringen.
  • Weihnachtskaffee – diesen grönländischen Brauch mag ich besonders, denn der wird traditionell von den Männern für die Frauen gemacht, und wer lässt sich nicht gelegentlich gerne verwöhnen? ^^
  • Weihnachtstorte – in Japan, das kein traditionell christliches Land ist, wird Weihnachten trotzdem gefeiert. Unter anderem mit weiß-roten Torten, die als Geburtstagstorte für das Christkind gelten. Und mal im Ernst – mehr Torte ist immer gut, oder?

Kennt ihr andere Weihnachtsbräuche, die wir uns unbedingt angewöhnen sollten?