Das Gesicht hinter den Büchern

Wie ihr wisst, sind Autor_innen meistens eher schüchtern. Wir wollen, dass ihr unsere Geschichten lest, uns mit Lob und Schokolade überhäuft, uns vielleicht mal einen Kaffee schickt und uns sonst nie direkt ansprecht. Das Risiko, wenn man sich einer Autorin überraschend nähert, besteht durchaus, dass sie einfach in Schockstarre fällt und den restlichen Tag nur noch Unsinn von sich gibt.

Da kann man nicht viel gegen tun. Aber ab und zu muss man doch hinaus. Für Lesungen, für Buchmessen – also, irgendwann, offensichtlich nicht dieses Jahr – und die Entgegennahme diverser Preise. Und weil ich finde, dass das durchaus mehr geübt werden dürfte, überlege ich gerade, mich gelegentlich experimentell vor die Kamera zu setzen und für euch zu lesen. Das Ganze muss dann noch verhübscht und semiprofessionalisiert werden, und vielleicht macht mir das so wenig Spaß, dass ich das alles in einem halben Jahr wieder einstampfe, aber haltet mal die Augen offen … vielleicht gibt es demnächst videolastige Neuigkeiten. Als sei wenigstens diese Autorin im zwanzigsten Jahrhundert angekommen. ^^

Symbole in Geschichten

Geometrisches Muster in Flieder, Lachs und Dunkelrot, in der Mitte eine Türkise Fläche mit einer Neonleuchtschrift: "This must be the place".
Foto von Tim Mossholder, gefunden auf Unsplash

Wenn man überlegt, wie man seinen Geschichten gut Tiefe verleihen könne, stößt man in Ratgebern oder auch im Internet schnell auf einen bestimmten Tipp: Verwende Symbole.

Symbole sind Dinge, die etwas Bestimmtes anderes bedeuten. Schrift besteht aus Symbolen. Das Kreuz im Christentum (oder dieser eine Fisch) sind Symbole. Das Hakenkreuz ist ein Symbol.

Beim Schreiben sollte man vielleicht ein wenig subtiler vorgehen – keine Fische oder Halbmonde auf die Seiten drucken! (Wobei, warum eigentlich nicht … ? Na gut, Buchgestaltung ist ein anderes Thema.) Aber natürlich kann man in seine Geschichten bestimmte Symbole einbauen, die sich dem Leser beim genauen Hinlesen erschließen und der Geschichte zusätzliche Dimensionen verleihen.

Ich erinnere mich noch an meine Schulzeit (damals war alles schwarzweiß!), als wir im Englisch-Unterricht Kurzgeschichten schreiben sollten. Unser Lehrer hatte gewisse literarische Ideen und Ambitionen für uns, wir lasen und besprachen diverse Geschichten und analysierten sie auch, so gut Oberstufenschüler*innen das eben können. Und eine Freundin war sehr überfordert mit der Aufgabe, ihre eigene Geschichte zu schreiben – bis ihr im Unterricht gratuliert wurde dafür, wie schön sie den weißen Schnee als Symbol für Unschuld eingebaut habe. „Wow, ich hatte sogar ein Symbol!“

Jetzt ist es so, dass man als Autor*in eine gewisse Kontrolle über die eigenen Geschichten haben sollte. Man fällt idealerweise nicht zufällig von einem Handwerkstopf in den nächsten. Stattdessen überlegt man sich genau, was man wie sagen will, ob man etwas hier oder lieber erst da andeutet und wie subtil man charakterisieren kann, ohne den Leser komplett im Dunkeln tappen zu lassen.

Allerdings sollte man sich auch nicht der Angst vor der Literaturanalyse komplett ausliefern. Manchmal ist eine blaue Tür nur eine blaue Tür. Manchmal ist die Tür blau, weil das böse Hexen abhalten soll.

Und da kommen wir zu einem weiteren interessanten Punkt: Viele Symbole speisen sich aus der Kultur, in der wir aufgewachsen sind. Ist weiß die Farbe der Unschuld oder des Todes? Ist die Sonne gütig oder vernichtend? Geht von Wasser eine Bedrohung aus oder rettet es Leben? Sind Füchse schlau oder verschlagen? Woran erkennt man Hexen oder Dämonen?

Solcher Unsicherheiten wird man sich oft erst bewusst, wenn man Geschichten liest, die in anderen Kulturen spielen. Ist es wichtig, dass die Figuren in genau dieses Viertel in Tokio gehen? Wenn es heißt, die Hütte hat ein spitzes Dach, soll mir das etwas sagen? Einer guten Geschichte kann man oft auch folgen, ohne jedes Symbol und jede kulturelle Anspielung zu verstehen, aber der Genuss wächst mit dem Verständnis.

Wenn man eine Geschichte dann auch noch in einer phantastischen Welt spielen lässt, wird es noch ein wenig komplizierter. Denn Symbole entstehen aus der Kultur heraus, und wer sich eigene Religionen, Städte, Ständesysteme und Länder ausdenkt, kann dann natürlich nicht plötzlich Kirchtürme als Symbol für drohendes Unheil verwenden oder Weihnachtsbäume in die Häuser stellen. Für eine Seefahrergemeinde haben Möwen eine andere Bedeutung als für den Heiligen Kult der Autowäscher. Und ob eine schwarze Katze Pech bringt …

Und dann gibt es noch die Symbole, die nicht universell gelten, sondern für diese eine Geschichte oder diesen einen Charakter eine Bedeutung haben: Die Melodie des Schlaflieds, das die Großmutter immer gesungen hat, das Lieblingssandwich, das Schmuckstück der bösen Stiefmutter, ein bestimmter Edelstein, dieser unheimliche gelbe Vogel, …

Ihr seht, man kann sich viel den Kopf zerbrechen. Letztendlich sind Symbole aber nur das Sahnehäubchen. In erster Linie sollte man eine gute Geschichte schreiben.

Mein liebstes Kinderbuch

Himmel mit Abendstimmung, Violett- und Goldtöne. Davor im Scherenschnitt-Profil ein lesendes Kind, das sitzend sich an einen Buamstamm lehnt.
Foto von Aaron Burden, gefunden auf Unsplash

Da ich ja im Moment an einem Kinderbuch schreibe – das sich hartnäckig wehrt, soviel dazu – beschäftige ich mich natürlich auch als Leserin verstärkt mit Kinderbüchern. Und ich muss sagen: So richtig grandiose Werke für Frühlesende kenne ich nicht, weder aus eigener Erfahrung noch als Empfehlung von befreundeten Eltern. Eine Ausnahme bildet vielleicht noch der Grüffelo, der wirklich süß und sowohl sprachlich als auch vom Design hervorragend umgesetzt ist. Aber sonst … ?

Für fortgeschrittene Lesende, so ab vielleicht zehn oder zwölf Jahren aufwärts, gibt es schon einiges mehr. Wobei ich selbst in dem Alter schon viel „Erwachsenenbücher“ (z.B. Sherlock Holmes oder den Grafen von Monte Christo) gelesen habe, meine Buchauswahl war ziemlich willkürlich. Als Erwachsene habe ich mich dann in die Bücher von (nicht schon wieder!) Frances Hardinge verliebt, und Bücher wie „Wintersmith“ von Terry Pratchett oder „Coraline“ von Neil Gaiman bedienen ein ähnliches Publikum. Wobei ich mich da natürlich frage, ob das nicht Bücher mit jugendlichen Protagonist*innen für erwachsene Lesende sind. Hach, es ist schwierig. Gut, „Coraline“ wird, glaube ich, immer gruseliger, je älter man ist. Das Ende habe ich am hellichten Tag auf dem Balkon meiner Studentinnenbude gelesen und danach schön alle Türen und Fenster zugemacht, nur zur Sicherheit.

Übrigens hat mich schon sehr früh im Leben gestört, wenn in Kinderbüchern geredet wurde, als seien die Rezipient*innen ein wenig blöd. „Jetzt musst du noch einmal ganz gut aufpassen!“ – ein Zitat aus der Kinderbibel, das ich schon mit vier Jahren unerträglich fand. Möglicherweise ist es schwierig, Kinder weder zu über- noch zu unterschätzen. Und das, obwohl fast jede*r von uns selbst mal ein Kind war.

Habt ihr Lieblings-Kinderbücher? Oder Kinderbücher, mit denen ihr schöne Erinnerungen verbindet?

Ich will sprechen lernen

Gut, der eine oder die andere von euch lacht jetzt. „Wenn es eins gibt, das die kann, dann ist es sprechen!“

Zugegeben, aus meinem Mund quillt ein steter Strom hörbarer und meist leicht interpretierbarer Geräusche. Ich kann mich ganz gut verständigen.

Aber ist das ordentliches Hochdeutsch?

Wie kriege ich beim Sprechen die Zähne auseinander? (Und wie schaffe ich es, dabei nicht „Zeehne“ zu sagen, sondern „Zähne“?)

Und welche Mittel gibt es, einen Text hörenswert zu gestalten?

Heller Hintergrund, davor ein Prof-Mikrofon auf der rechten Bildseite.
Gefunden auf Pixabay

Um das und anderes zu lernen – ja, unter anderem für meine eigene höchstpersönliche und überaus rebellische Hörbuchproduktion – habe ich mich bei einem Kurs an der Sprecher-Akademie angemeldet. Natürlich alles angemessen online und mit Abstand. (Und ja, fast hätte ich mich reflexartig in die erste Online-Sitzung mit MNS gesetzt, ich hab halt manchmal Pech beim Denken.) Die Hälfte des Kurses ist inzwischen rum, und was kann ich sagen? Ooooh ja, ich hab Macken. Auch sprachliche. Aber inzwischen erkenne ich sie manchmal, wenn ich ihnen begegne, und im nächsten Schritt hoffe ich, dass ich sie auch abstellen kann. Zur lupenreinen Sprecher-Karriere taugt es noch lange nicht, aber wenigstens hört ihr mir demnächst dann etwas angenehmer zu. Und das ist doch auch schon was wert, oder?

Verschärfung? Ich seh hier nirgends eine Verschärfung.

Viele bläuliche Gesichtsmasken auf dunklem Hintergrund.
Foto von Markus Winkler, gefunden auf Unsplash

Habt ihrs inzwischen auch so leid?

Nicht die Pandemie. Die ist zwar lästig, aber sie ist nun einmal da. Wie das Wetter, dagegen motzt man ja auch nicht ernsthaft an.

Aber dieses Rumgeeiere der Entscheidungsträger*innen geht mir schon auf den Schleimbeutel. Schulen auf? Kitas zu? Home Office? Masken? Wie viele Tote verkraftet die Wirtschaft?

Jetzt sollen wir uns also privat mit noch weniger Menschen treffen. Und am besten nur tagsüber.

Ich kann die Zahl der Leute, mit denen ich mich seit März 2020 privat verabredet habe, an einer Hand abzählen – und hab noch einen Finger übrig. (Falls ihr euch das fragt: Nein, ich bin kein exotischer vielfingriger Mutant.) Normalerweise gehen wir dann spazieren. Wenn ich nicht gerade ins Büro gehe, weil unser Chef das so sinnvoll findet, bin ich also entweder zuhause, im Supermarkt oder im Wald. Und eigentlich finde ich diesen Bewegungsradius auch ganz gut, denn ich bin in einer vergleichsweise privilegierten Situation: Gutverdienend, introvertiert, keine Kinder, keine zu pflegenden Angehörigen. Ich kann mir den Tag mit all den Dingen vollpacken, die ich gerne allein machen möchte, und vielleicht noch ein wenig putzen.

Natürlich sorge ich mich um Freunde und Familie und vermisse so Luxusgüter wie meine Pediküre oder das ausgiebige Buchladenbestöbern (und möglicherweise auch die Fitnessstudio-Verabredungen mit der Kollegin, aber das werde ich natürlich leugnen!), aber im Großen und Ganzen bin ich immer noch gut versorgt. Nur die ganzen Katzenhaare in jeder einzelnen verflixten Gesichtsmaske gehen mir doch hart auf den Senkel.

Die Eltern, die ich kenne, hingegen sind am Rand der Belastbarkeit. Sogar die „Zwei Leute im Home Office, ein Kleinkind“-Konstellationen. Und von außen betrachtend muss ich sagen: Das sieht wirklich hart aus. Hut ab! Die mit mehreren Kindern und „eLearning“ (was für ein famoser Witz!) sind noch einmal ganz anders gearscht, wenn ich das richtig beurteile.

Und es soll ja sogar Leute geben, die sich gerne mit anderen treffen, die das für ihr seelisches Wohlbefinden vielleicht sogar brauchen. Was machen wir mit denen? Nicht viel, wenn ich das richtig sehe. Zoom und Skype sind kein ordentlicher Ersatz für ein gepflegtes Sozialleben. Wer vorher sechs bis acht Freizeittermine pro Woche hatte, fühlt sich jetzt so allein in seiner Wohnung möglicherweise ein wenig hart isoliert.

Dann wären da die ganzen Winz-, Klein- und mittelständigen Betriebe, die seit Monaten geschlossen bleiben müssen, und die Freiberufler, deren Einkommen davon abhängt, dass andere Läden offen und/oder ihre Kunden Geld übrig haben.

Nicht, dass ich gegen diese Maßnahmen wäre – wir müssen dringend etwas tun, um die Infektionsrate zu senken, ehe wir von den aufregenden neuen Mutationen überrannt werden. Aber dieses Rumgeeiere, wie wichtig es doch sei, die Wirtschaft mit moderat riskantem Verhalten am Laufen zu halten, während es im Privaten Einschränkungen auf Einschränkungen gibt, ist … tja, kurz gedacht. Wer soll denn die ganzen aufregenden Wirtschaftsgüter kaufen, wenn das Privatleben erst einmal so richtig abgewürgt ist und alle mit ihren eigenen Problemen alleingelassen sind? Und mal im Ernst, was ich beispielsweise über die Wunder der Kurzarbeit im letzten Frühjahr gehört habe … tja, wer hat, der windet sich aus den gutgemeinten Regelungen wohl irgendwie wieder raus.

Oy, ich rante schon wieder. Sorry. Demnächst gibt es wieder sinnstiftenden Mehrwert. Aber das musste jetzt mal eben raus. Bleibt gesund, passt auf euch und eure Mitmenschen auf und denkt daran: Auch das geht vorbei.

Das beste Haushaltsgerät aller Zeiten, nach objektiven Kriterien

Was, habe ich mich neulich gefragt, ist wohl das beste Haushaltsgerät, das wir besitzen? Welches Gerät bringt für den geringsten Preis den größten Nutzen und macht dabei am wenigsten Ärger?

Leichte Frage.

Lacht mich ruhig aus, aber der Gewinner dieser Nützlichkeits-Olympiade ist: DER EIERSCHNEIDER.

Denn der Name ist irreführend. Mit diesem kleinen, handlichen Ding, das man für weniger als zehn Euro auch in guter Ausführung (kauft einen aus Metall, keinen aus Plastik!) bekommen kann und das nicht einmal in der Besteckschublade viel Platz wegnimmt, kann so viel mehr als nur Eier schneiden.

Beispielsweise schneide ich damit auch rohe Champignons. Perfekte Scheiben, jedesmal.

Oder gekochte Kartoffeln für Salate oder Bratkartoffeln. Geht schnell und schmiert nicht. Solange das zu schneidende Teil einigermaßen weich ist, und keine nennenswerte Haut hat, ist alles prima.

Am Wochenende habe ich in wenigen Sekunden eine ganze Packung Mini-Cabanossi in praktische Münzform geschnitten.

Sogar stifteln kann man diese Sachen damit – einfach einmal schneiden, um neunzig Grad wenden und noch einmal schneiden. Für unseren feingemanschten Hüttenkäse-Eier-Salat ist das unverzichtbar.

Ja, werdet ihr euch jetzt denken, das ist vielleicht gar nicht mal schlecht, aber … ist das schon alles? Man kann ja nicht die ganze Welt in Scheiben schneiden.

Darauf antworte ich: Erstens steht das noch gar nicht fest und zweitens – das lustige Eierschneider-PLÖNKPLOING-Geräusch lockt jedesmal einen freudestrahlenden Mann in die Küche, der verzückt meinen haushaltsmusikalischen Darbietungen lauscht und sich dabei fast wegömmelt. Das heißt, ich habe anschließend nicht nur perfekte Champignonscheiben, sondern auch einen zufriedenen Mann.

Und das alles für weniger als zehn Euro.

Da kann man nicht meckern.

Schreiben über die Zukunft – im Hier und Jetzt

Foto von Lucas Santos, gefunden auf Unsplash

Wer von euch hat die Bücher von Jules Verne gelesen? Oder von mir aus auch die entsprechenden Filme gesehen?

Als diese Geschichten geschrieben wurden, handelten viele von ihnen von möglichen Zukünften. Zukunften? Auf jeden Fall von dem, was Jules Verne sich vorstellte, was passieren könne. Von möglichen Erfindungen und Entdeckungen. Von Dingen, die zu seiner Zeit so noch nicht möglich waren, und den Auswirkungen, die diese Erfindungen und Entdeckungen auf die Menschheit haben könnten.

Aus heutiger Sicht ist viel davon eher drollig. Ist es möglich, eine Art futuristischer Nostalgie zu empfinden?

Und, anders herum gedacht, wie können wir selbst über die Zukunft schreiben, wenn wir nur das Hier und Jetzt kennen? Selbstverständlich gibt es Zukunftsforscher und Wissenschaftler, die uns erklären können, welche Auswirkungen unser aktuelles Handeln als Gesellschaft auf unsere Umgebung hat. Es gibt Trends und Theorien dazu, wie sich die Gesellschaft weiter entwickeln könnte. Und natürlich machen wir uns auch selbst Gedanken. Wie wird es mit der Raumfahrt weitergehen und was finden wir auf anderen Planeten? Wie geht es in der Zwischenzeit mit unserem eigenen Planeten weiter? Werden wir Probleme wie Hunger und Krankheiten lösen? Oder holzen wir auch noch die letzten Regenwälder ab, werden von wütenden gigantischen Ameisen versklavt und flüchten in unterseeische Kuppelstädte, wo verrückte Wissenschaftler Mensch-Qualle-Hybriden züchten? Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Allerdings hilft es, wenn man sich ein wenig mit den Themen Naturwissenschaft und Technik auskennt. Je mehr man weiß, desto mehr kann man weiterdenken. Ob man angesichts der aktuellen Erkenntnisse dann eher utopisch (yay!) oder dystopisch (och nö) weiterdenkt, ist wahrscheinlich auch eine Charakterfrage. Wobei meiner Meinung nach gerade nur wenig zu utopischen Ideen inspiriert. Oder sehe ich das zu schwarz?

Fast hätt‘ ich’s getan …

Ein dicht gepacktes Bücherregal mit vielen verschiedenen ordentlich aufgestellten englischsprachigen Titeln, überwiegend Taschenbücher.
Foto von Ugur Akdemir, gefunden auf Unsplash

Sicher kennt ihr eines meiner liebsten Mantras: „Das Leben ist zu kurz für schlechte Bücher.“ Und mit „schlecht“ meine ich nicht objektiv schlechte Bücher, sondern die Bücher, die nicht zu mir als Leserin passen. Wenn das Lesen keinen Spaß macht und ich auch keine neuen Einblicke gewinne, ist es nicht das richtige Buch für mich. Und angesichts der Mengen an Büchern, die es bereits gibt, und all der neuen Bücher, die jedes Jahr veröffentlicht werden, wird es noch wichtiger, eine Auswahl zu treffen.

Trotzdem habe ich mich drei Wochen durch ein Buch gequält, auf das ich mich nicht gefreut habe. Erkennt man leicht daran, dass ich erst zu gut der Hälfte durch war, als ich es heute morgen endlich von meinem Kindle gelöscht habe. Das Buch war nicht schlecht geschrieben und handelte auch von genau den Dingen, die im Klappentext erwähnt waren, aber der Funke sprang einfach nicht über.

Wenn ich jetzt daran denke, was ich in der Zeit alles Hübsches hätte lesen können … ich glaube, ich muss wieder rücksichtsloser vorgehen, was die Buch-Auswahl angeht.

Wie ist es bei euch – lest ihr alles aus, was ihr einmal angefangen habt? Wie viele Chancen gebt ihr einem neuen Buch? Und was macht ihr mit Büchern, die euch nicht gefallen, wenn ihr sie erst einmal zuhause habt?

Oh schleimiger Tannenbaum

(Seit einigen Tagen stelle ich mir vor, wie Andrea und Bob wohl Weihnachten gefeiert haben. Und einen Teil der Antworten auf diese Frage findet ihr heute hier. Viel Vergnügen beim Lesen!)

„Halt! Wieso baust du das alles schon wieder ab?“ Panisch hüpfend versuchte Bob, sich zwischen Andrea und den Weihnachtsbaum zu werfen. Jedes Mal, wenn er auf den Boden titschte, machte es ein Geräusch, als spiele jemand mit einem nassen Tennisball.

„Weil hier schon alles voller Nadeln liegt! Außerdem – Weihnachten ist vorbei!“ Andrea bemühte sich, das Lametta von den Zweigen zu sammeln, ohne über ihren tentakelbewehrten Mitbewohner zu stolpern. „Sven, hilf ruhig auch mal, wenn du mit Ausruhen fertig bist.“

Ihre spitze Zunge konnte gegen Sven nichts ausrichten. Er war vor dem Feiertagswahnsinn bei seinen Eltern einmal mehr in ihre Wohnung geflohen und residierte auf dem Sofa, wo er konzentriert auf den Knöpfen seiner neuen Mini-Spielekonsole herumdrückte.

Bob war immer noch nicht bereit, klein beizugeben. „Aber er ist so schön! Können wir ihn nicht das ganze Jahr über behalten?“

„Nein!“ Jetzt war Andrea dankbar, dass sie ihm nichts von künstlichen Tannenbäumen erzählt hatte. Sie schnipste gegen einen tiefhängenden Ast und ließ einen duftenden Nadelregen auf Bob niedergehen. „Noch ein paar Tage, dann ist das Ding komplett kahl.“ Sie versuchte es mit Bestechung. „Wenn wir schnell fertigwerden, hole ich uns eine Käseplatte im Supermarkt.“ Unter normalen Umständen hätte sie sich ja gar keinen Baum in ihre Zweizimmerwohnung gestellt. Die Dinger brachten nur Dreck und Arbeit und Parasiten mit sich. Aber nach drei Jahren, in denen Bob jeweils den ganzen Dezember über gebettelt hatte, war sie schwach geworden. Ein einziges Mal, hatte sie sich selbst geschworen, nur für die kulturelle Erfahrung. Hatte einen Baum besorgt, einen Ständer, einen Tisch für unter den Ständer – das alles natürlich auf drei Trips zum Baumarkt aufgeteilt. Woher sollte man auch beim ersten Versuch wissen, was man für einen Weihnachtsbaum alles brauchte? Auf teure Kinkerlitzchen hatte sie verzichtet. Lametta glitzerte genug, und Glaskugeln hätte Bob sowieso nur fallenlassen. Stattdessen hatte sie ihn mit einer anderen Tradition aus Kindertagen bekanntgemacht: Der gute alte selbstgebastelte Schmuck. An allen vier Adventswochenenden hatte sie zwischen Deadlines und Pressemeldungen versucht, ihn aus Tesafilm-Fallen und Glitter-Abgründen zu befreien, während Sven im Internet „zu Recherchezwecken“ bei TikTok vergammelte.

Immerhin hatten die beiden es irgendwie geschafft, in diesen schweren Zeiten dennoch über Videostreams und Fan-Aktionen eine Art Einkommen zu generieren. Schließlich hatten die Vergnügungsparks seit Monaten geschlossen. Auch deswegen hatte sie den Baum besorgt, zur generellen Aufmunterung. Bob war untröstlich, seit er nicht mehr regelmäßig mit Fans im Phantasialand für Fotos posieren konnte. Die Bauchrednernummer hatte sich zu einem Überraschungserfolg entwickelt, und er vermisste die täglichen Nebeneffekte des Ruhms. Aber jetzt musste es allmählich gut sein. In drei Tagen war der zweite – und letzte – Abholungstermin. Sie hatte wirklich keine Lust, den Baum mit dem Wagen zum Grünabfallsammelplatz zu schaffen.

Während sie ihren Gedanken nachhing und weiter Lametta pflückte, hatte Bob die meisten Nadeln von seiner schleimigen Haut geschüttelt. Auf dem Boden klebten winzige Schaumflocken. Heute war er handlich klein und klang ein wenig quietschig – eine Folge seiner Feiertags-Käse-Exzesse. Nur das mit dem Raclette wäre beinahe schiefgegangen. Für glitschige Tentakel waren diese winzigen Pfännchen einfach nicht das Richtige. Aber die Erinnerung daran, wie sich Bob selig schöpflöffelweise geschmolzenen Käse in den gierigen Schlund kippte, entschädigte sie auch für den Brandfleck in der guten Tischdecke.

Gute Tischdecken waren sowieso ein Relikt des letzten Jahrtausends.

Wenn sie in diesem Tempo weitermachte, stand das Ding noch am Valentinstag hier. So kamen sie nicht weiter. „Sven, kannst du uns ein paar Back-Camemberts besorgen? Und Cheddar? Und was zum Dippen?“ Wenn er schon nicht mit aufräumen wollte, sollte er sich eben anders nützlich machen.

Widerwillig legte er die Konsole beiseite. „Klar, hast du Geld?“

„Ich dachte, du wolltest dich für das Feiertagsessen revanchieren?“

Einen Moment lang sah es so aus, als wolle er widersprechen, doch dann gewannen seine Überlebensinstinkte die Oberhand. „Natürlich. Was auch immer die Frau Hausobermarschall sagt. Es ist mir eine Freude.“

Wenn er glaubte, dass die Sticheleien sie störten … „Und nimm das Altglas mit zum Container!“

Vor dem Fenster wurde es bereits wieder dunkel. Die Straßenlaternen erwachten zum Leben. Auch einer der Nachbarn hatte seiner Nordmanntanne den Kampf angesagt. Gebannt beobachtete Andrea ihn dabei, wie er den erbarmungswürdig kahlen Baum durch das weit geöffnete Wohnzimmerfenster zerrte. Die meisten Nadeln entschieden sich dafür, in der guten Stube zu bleiben.

Bob hüpfte auf das Fensterbrett. „Unserer ist sowieso viel schöner.“

„Ich glaube, im Januar ist das nicht mehr so wichtig.“ Sie machte sich daran, die Papiersterne von den Zweigen zu sammeln.

„Was machst du da?“, quäkte Bob entsetzt. „Den habe ich extra für dich gemacht!“

Verwirrt sah Andrea auf das zerkrumpelte Papier in ihrer Hand. „Was soll ich denn sonst damit machen?“

„Aufbewahren natürlich.“ Und schon wuselte der kleine Quälgeist davon, um einen leeren Schuhkarton zu finden. „Fürs nächste Jahr. Aber da werden wir einen größeren Baum brauchen, ich habe viele tolle neue Ideen! Habt ihr schonmal daran gedacht, Sterne aus Käserinde auszustechen?“

Das konnte ja heiter werden.

Gute Vorsätze? Pustekuchen! Hmm, Kuchen …

Vor einem strahlend blauen Himmel fliegen einer Pusteblume alle Samen davon.
Foto von Huzeyfe Turan, gefunden auf Unsplash

Oder vielleicht eher PusteBLUME?

Gute Vorsätze sind ja so ein fieses Ding. Wir wissen mehr oder weniger genau, was man alles tun könnte, um ein gesünderes, produktiveres, besseres, erfolgreicheres, … Leben zu führen. Problem: Dafür braucht man Zeit. Und jeder, der dir sagt: „Ach komm, die 20 Minuten für Sport hast du doch locker!“, der lügt. Denn natürlich muss man sich umziehen (und seine Sachen überhaupt zusammensuchen), hingehen/-fahren (oder alternativ die Yogamatte finden und ausbreiten, Katzen verscheuchen, den Tisch verschieben, …), anschließend ggf. duschen und wieder umziehen, alles zurückräumen – jetzt mal Buddha bei die Fische, allein dafür sind 20 Minuten weg, und geschwitzt hat man aus den völlig falschen Gründen.

Zum Glück habe ich die Lösung. Kommt und erquicket!

Denn: Anstatt im neuen Jahr Dinge zu planen, die noch zusätzlich in den vollgepfropften Alltag integriert werden „müssen“, um den zu „verbessern“ … lassen wir dieses Jahr einfach Dinge weg.

Wäre das hier ein Selbsthilfebuch, wäre ich jetzt reich. ^^

  • Stundenlang auf Reddit o.ä. hängen? Weg.
  • Auf den Regalen Staub wischen, obwohl kein Besuch kommt? Weg.
  • Sinnloses An-der-Glotze-Hängen? Weg.
  • Leute treffen, mit denen man sich irgendwann mal aus obskuren Gründen angefreundet hat? Weg.
  • Handtücher bügeln*? Weg.

Das sind natürlich nur völlig zufällig aus dem Leben gegriffene Beispiele und keinesfalls Hinweise darauf, womit ich Zeit verschwende (oder wo es demnächst in der Wohnung noch wilder drunter und drüber geht als eh schon). Garantiert habt ihr sowas auch. Und anstatt euch den Januar mit guten Absichten zu überfrachten, betrachtet euren Zeitplan doch lieber minimalistisch und schmeißt alles raus, was man nicht wirklich braucht und was einem keine Freude macht.

*Ich habe nie, nie, niemals nie nicht in meinem Leben ein Handtuch gebügelt, und ich fange garantiert nicht mehr damit an.