Wie man sich bettet und so

Auf einem bunten Bett sitzt ein orangefarbener Plüsch-Oktopus, der einen Hai als Hut trägt.
Es gibt hier nichts zu sehen.

Da der Mann heute mal wieder besonders früh aus dem Haus musste, habe ich die unnötig wache Stunde zwischen „Er ist weg“ und „Ich muss weg“ mit Hausarbeit verbracht. Konkret habe ich die Betten bezogen und den Bettwäsche-Schrank aufgeräumt.

Meine Güte, die Bezüge habe ich von … puh, da waren die noch nicht verheiratet. Und ich habe noch studiert. Joah, die sind alt. Und die da, das waren die ersten, die wir in der gemeinsamen Wohnung gekauft haben, damals war der Winter so kalt. Und die Bettlaken erst …

Ich sag’s, wie es ist: Wir haben kein einziges Bettlaken, das nicht von Katzenkrallen durchlöchert ist. In einigen Fällen sind es die Krallen der vorherigen Katzen gewesen. Und so ein Bettlaken kostet ja auch nicht die Welt. Dennoch ersetze ich sie einfach nicht. Keine Ahnung, warum. Ich mag schönes Bettzeug. Beim Aufziehen denke ich mir: Hmpf, noch dieses eine Mal und dann kommt es aber weg. Und dann kaufe ich einfach keine nach, wasche die alten Bettlaken und benutze sie doch weiter.

(Wie man unschwer erkennen kann, bügeln wir unser Bettzeug auch nicht. Das liegt sich schon glatt.)

Nachdem ich jetzt alles, was mehr als 20 Jahre alt und verschlissen ist, aus dem Schrank in einen großen Sack gestopft habe, müssten als nächstes eigentlich die Bettlaken dran sein. Vielleicht bestelle ich mal zwei Sets nach und mach endlich Nägel mit Köpfen.

Wusstet ihr übrigens, dass man auch Handtücher angeblich alle drei bis fünf Jahre ersetzen soll? Ich will ja nicht angeben, aber ich habe bis vor kurzem ein Sporthandtuch benutzt, das hatten meine Eltern schon, als ich noch gaaaaaaaanz klein war. Und die Kollegin turnt auf einem „Made in West Germany“-Handtuch.

MADE IN WEST GERMANY.

Wer nicht weiß, was es damit auf sich hat, ist … nicht alt. ^^

Und jetzt beichte: Was ist deine größte Haushalts-„Sünde“?

Alles, was ich wissen sollte.

In meinem Kopf ist Schattenfall ein kompletter, real existierender Ort. Die können ganz schön komplex sein. Ärgerlich nur: Ich merk mir nicht, was wo ist. Oder was wie aussieht. Oder wer wo wohnt. Und bei einem Buch ist das auch nicht sooo wichtig. Aber jetzt, wo ich „Chaos in Schattenfall“ überarbeite? Ich könnte verzweifeln!

Wie weit ist es noch gleich von der Kichernden Nymphe zum Zirkus? Wie heißt der Typ, der sich für einen Werwolf hält? Und was für Bäume stehen rund um die Kirche? Die ist übrigens weiß – ach nee, gelb.

Manche Leute können sich das alles merken, und das ist schön für sie.

Wer das nicht kann, macht sich am besten beim Schreiben Notizen.

Hört auf meinen Rat und tut nicht, was ich getan habe.

Ich habe mir keine Notizen gemacht.

Damit jetzt trotzdem alles einigermaßen zusammenpasst, gehe ich gerade die ersten beiden Bücher durch und schreibe mir alles auf, was ich mir schon beim Schreiben hätte aufschreiben sollen. Wenn du verwirrt bist: Das geht uns beiden so.

Und für den kreativen Kopf an mir fühlt sich das wie Zeitverschwendung an. Quasi Papierkram.

Deswegen überlege ich jetzt, ob ich die gesammelten Notizen in hübsch nicht irgendwo hier auf der Website ablege, damit man schnell Dinge nachschlagen kann. Für ein ganzes Wiki reicht es nicht, aber für eine alphabetische Liste bestimmt. Da könnten auch Dinge drin stehen, die nicht explizit in den Büchern auftauchen, die ich aber weiß. Wenn ich mich an sie erinnere.

Hach, ich muss nachdenken.

Sie schreibt wieder Leser*innenbriefe

Unsere lokale Tageszeitung ist eigentlich ganz okay. Natürlich kann man immer was kritisieren, doch wer ist schon perfekt? Und im Rahmen der externen Qualitätskontrolle schreibe ich – ja, ich bin in dem Alter – gelegentlich eine Mail. So wie die hier:

Liebes Zeitungs-Team,

ja, alles ist schwer und niemand hat mehr Zeit für nix. Dennoch frage ich mich, ob man tatsächlich einen Artikel über das 100jährige Bestehen von Bad Godesberg mit KI-generierten Bildern illustrieren muss. Gab es damals keine Fotos? War es im Archiv zu heiß? Oder ist nur jemand der Versuchung erlegen, schnell „etwas für nix“ zu kriegen? 

Am besten lassen wir als nächstes auch die Artikel generieren. Einfach ein paar Schlagworte zu den Fakten eingeben, den Rest erledigt die KI. Ach was, wozu überhaupt noch Schlagworte? Bestimmt können ChatGPT, Claude und wie sie alle heißen uns glaubwürdig darstellen, was in der Region rein theoretisch hätte passieren können. Dann sparen wir Journalisten, Redakteure, Lektoren und was man sonst noch alles brauchen könnte. Die Fotos werden auch direkt generiert anstatt tatsächlich aufgenommen – nie wieder verwackelte Staatsoberhäupter! Und wen stört es schon, wenn wegen der fehlerbehafteten Halluzinationen der Milliardärsmaschinen in weit entfernten Orten das Wasser knapp wird? Hauptsache, man kann uns keine Technikfeindlichkeit vorwerfen.

Podcasts kriegen KIs übrigens auch schon viel besser hin als Menschen. Von der „Recherche“ über das Skript bis hin zur garantiert menschlich klingenden Stimme, die wir uns dann auch nicht mehr selbst anhören müssen, denn eine andere KI fasst uns fix zusammen, was wir hätten wissen müssen, wenn es denn wahr wäre.

Eigentlich bin ich zu müde, diese Mail zu schreiben. Sie wissen schon, die Hitze! Ob da nicht die KI eben schnell … ? Nein, mein Gemecker kommt noch nicht vom Band. Ich wünsche Ihnen alles Gute und viel Erfolg bei der journalistischen Arbeit, ehe die KI uns alle überflüssig macht.

Mit freundlichem Gruß

Diandra Linnemann

Hitzefrei? Hättste wohl gern!

Nee, für uns Erwachsene ist das nicht vorgesehen. Wenigstens fangen die von der städtischen Müllabfuhr im Moment morgens extrafrüh an, damit die nicht in der größten Hitze den ganzen Driss durch die Gegend karren müssen, das gefällt mir. Für alle anderen gilt wahrscheinlich: Sieh halt zu, wieste nicht in Flammen aufgehst.

Auf der Arbeit haben wir es dank Klima-Anlage eher angenehm, und auch zuhause – ich sag nur: Dachgeschosswohnung, Flachdach! – steht inzwischen ein Klimagerät, um wenigstens das Wohnzimmer auf erträgliche 27 °C abzukühlen. Solange man also nackt flach in Seesternposition liegt, lässt es sich aushalten. (Zuhause. Nicht im Büro. Ich darf die Kolleg*innen nicht verstören!)

Für alles andere gibt es so grandiose Tipps wie: Bleiben Sie an kühlen Orten. Meiden Sie die Hitze. Wie man das machen soll, wenn man Termine hat oder so, wird nicht verraten. Deswegen an dieser Stelle meine persönlichen ernstgemeinten Tipps für gegen Hitze, falls man ihr denn schon nicht entgehen kann.

  • Viel trinken. Also, es ist natürlich komplizierter, aber kurz: Wenn du viel schwitzt, solltest du mehr trinken. Gestern war ich mit dem Rad in der Stadt unterwegs (Bonn hat da so eine … Situation, darüber die Tage vielleicht mehr Spott), insgesamt drei Stunden bei fröhlichem Sonnenschein. Du kannst deinen linken Ellbogen darauf verwetten, dass ich mindestens fünf Liter getrunken habe. Und alles wieder ausgeschwitzt. Ich war ein Springbrunnen.
  • Wenig (und das richtige!) anziehen. Und es ist mir schnurz, ob du faltig, dick, haarig, … bist – niemanden kümmert das. Wenn du vor Hitze kollabierst, ziehst du viel mehr Aufmerksamkeit auf dich. Und wenn ich nicht dafür verhaftet werde, den Mann in pinkfarbenen Shorts und Tank Top vom Bahnhof abzuholen, passiert dir auch nix. Ich empfehle Leinen und Baumwolle … oder Funktionskleidung, bei dieser Hitze liebe ich meinen Vorrat an Sportsachen direkt doppelt. Leider ist das „Definitely not a zombie!“-Shirt nicht bürotauglich, aber wenn ich in meiner Freizeit ausgehe, leistet es gute Dienste. Und wie gesagt: Daheim trage ich höchstens ein Handtuch zum Draufliegen.
  • Strategischer Durchzug, wenn du keine Klima-Anlage hast, und dichte Vorhänge helfen, die Wohnung wenigstens ein bisschen abzukühlen. Ventilatoren sind auch toll.
  • Iss Eis. Und Wassermelone. Und vielleicht noch Salat. Und wenn du magst, Milchprodukte, aus irgendeinem Grund halten die mich kühl. Buttermilch ist doppelt toll, denn die reduziert auch meine „Sonnenallergie“ (so lustige flüssigkeitsgefüllte Quaddeln, wenn ich zuviel Sonne abbekomme, ohne Sonnenbrand).
  • Geh früh morgens oder spät abends raus, wenn es kühler wird. Der Wald ist gut, da ist es schattig. Aber denk trotzdem an den Sonnenschutz!

Und der wichtigste Hinweis: Bitte nicht sterben! Das verursacht nur Papierkram. (Ich mag dich. Pass auf dich auf.)

La Dolce Vita

Es gibt Probleme mit der Nordbrücke. Da fährt nix mehr, aktuell, von höchster Stelle angeordnet. Und da drunterher fährt auch kaum noch was.

Du weißt nicht, wer die Nordbrücke ist? Das ist fix erklärt: Eine von drei Brücken in Bonn, die den Rhein überqueren. Und die einzige, für die man nicht nach Bonn reinfahren muss. Eine ganz gewöhnliche Autobahnbrücke eben. Bis gerade eben fuhren da pro Tag mehr als 100.000 Fahrzeuge drüber. Für alles über 7.5 Tonnen war die Brücke schon eine Weile gesperrt, weil sie in die Jahre gekommen ist und dringend saniert werden müsste. Das weiß man ungefähr seit 2007. Völlig überraschend ist sie jetzt, nur 19 Jahre später, so marode, dass am besten gar nix mehr geht. Oder fährt. Und überhaupt.

Über den Rhein drüber müssen all diese Fahrzeuge und Leute natürlich trotzdem. Und die Auswahl an Alternativen ist hier nicht so groß. Also staut sich aktuell alles (ALLES!) in Bonn. Von Nord nach Süd und von Ost nach West, gern auch in die Gegenrichtung. Gestern war ich mit einer Freundin auf dem Rad stadteinwärts unterwegs. Kilometerweise Stau auf drei Fahrbahnen je Richtung, alle Kreuzungen aus sämtlichen Richtungen blockiert (unabhängig von der Ampelschaltung) und jeder hupt. Denn wir wissen ja, durch Hupen setzt man für 30 Sekunden sämtliche Verkehrsregeln außer Kraft.

Auf der Kennedybrücke – das ist eine der beiden anderen Brücken, die führt vom Beueler Zentrum ins Bonner Zentrum, also wirklich MITTEN durch die Stadt – kamen uns dann plötzlich Fußgängertrauben entgegen. Das Wetter war schön genug, doch das allein reicht als Erklärung eigentlich nicht. Allerdings: Der Nahverkehr war zum Erliegen gekommen wegen eines Unfalls. Busse fuhren eh schon nicht mehr in nennenswertem Tempo, aber jetzt waren auch Straßen- und Stadtbahnen betroffen. Mitten in der Stadt. Also ging, wer irgendwie konnte, zu Fuß. Auf den verwaisten Schienen kam uns ein Rettungswagen entgegen, denn auf den regulären Fahrbahnen ging natürlich nix, auch keine Rettungsgasse. Meine Empfehlung: Falls du in Bonn bist, krieg gerade besser mal keinen Herzinfarkt.

Abgaswolken überall, Schimpfen und Hupen, die Kugel Eis kostet um die zwei Euro. Und spätestens, wenn sich die 50er-Roller auf Rad- und Fußwegen hindurchschlängeln, breitet sich ein Gefühl römischer Dekadenz aus. Vielleicht ist das ja gar nicht mehr der Rhein, sondern schon der Tiber? Mein Fahrrad und ich waren auf jeden Fall sehr zufrieden, gemeinsam dieses Schauspiel beobachten zu können. Genau passend zur Urlaubszeit.

Falls du dir jetzt Sorgen machst: HIER kann man regelmäßig überprüfen, ob die Nordbrücke noch steht. Mit Webcam.

Sprich mit (oder besser noch: vor) Autor*innen!

An einer etwa hüfthohen, weiß getünchten Mauer hängt ein großes Schild in Form eines Bleistifts mit der Aufschrift: Love to learn.
Foto von Tim Mossholder, gefunden auf Unsplash.

Hast du ein Spezialgebiet, von dem deine Familie schon lange nichts mehr hören will? Verdreht dein Freundeskreis die Augen, wenn du ihnen etwas Spannendes erzählen willst, das du über dein Lieblingsthema gelesen hast? Solche Dinge können ziemlich ätzend sein. Zum Glück habe ich die perfekte Lösung für dich! Erzähl’s den Autor*innen in deinem Umfeld! Wir hören uns alles an, wir finden alles spannend und haben meist auch noch richtig spannende Fragen parat.

Wenigstens ist das meine Erfahrung aus diversen Workshops, die ich über die Jahre besucht habe. Beispielsweise sind wir nie pünktlich fertig, denn alle Teilnehmenden kommen mit Notizbüchern voller Fragen und Ideen, die sie mit der Expertenperson durchsprechen wollen. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, das Burgfräulein, das man mit dem Schwert beschützt, im Kampf versehentlich zu enthaupten? Wie findet man am besten heraus, ob eine Pflanze essbar oder giftig ist? Kann man in voller Polizeimontur einen Marathon rennen? Und welche Waffen kann man unter Wasser abfeuern?

Stell dir also vor, du hast dein Thema vorbereitet, alle Zuhörer*innen sind pünktlich, sie hängen an deinen Lippen, stellen eine Frage nach der anderen, kommen dabei von Höcksken auf Stöcksken und gehen am Ende des Wochenendes spät und nur murrend nach Hause, weil die Reinigungsfachkräfte jetzt WIRKLICH in den Raum müssen, hier ist morgen wieder Schule, wisst ihr?

Mein Freundeskreis amüsiert sich immer darüber, was ich alles wissen will. Es ist gefährlich, mit mir in ein Museum zu gehen, denn vielleicht landet der winzige Goldstecker aus Schaukasten 17 später in einer Kurzgeschichte. Ich kann Fachleute in allen Lebenslagen von der Arbeit abhalten, weil ich immer noch eine Frage habe. Und wenn jemand mir von einem neuen Spezialinteresse erzählen möchte, finde ich das höchstwahrscheinlich tatsächlich faszinierend.

Falls du also geduldige, enthusiastische Zuhörer*innen suchst, leg dir einen schreibenden Bekanntenkreis zu. Es lohnt sich!

Warum nur bin ich so müde?

[Räumt auf.]

[Backt.]

[Geht spazieren – Mental Health, du weißt ja.]

[Spielt mit den Katzen „Zerstörung!!!“.]

[Räumt wieder auf.]

[Macht die Wäsche.]

[Kocht.]

[Räumt ein Regal aus.]

[Sortiert den Balkon.]

[Kocht nochmal.]

[Hebt das Haus hoch, um drunter zu fegen.]

[Häkelt eine Tasche.]

Puh, keine Ahnung, was mit mir nicht stimmt. Wie kann man nur so müde sein??? War doch ein freier Tag. Warum bloß bin ich nicht erholt?

Wahrscheinlich das Alter.

Bücherbummel 2026

Bunter Hintergrund, darauf das Buch "Hirschkönig" (grün, waldig, Silhouetten von Mann mit Schwert, Hirsch und Vogel), darunter die Beschriftung: "Bücherbummel auf der Kö - 21.05. - 25.05.2026 - Düsselorf [sic!] - Lesungen, Musikbühne, Kinderprogramm"

Ist schon wieder Bücherbummel? Ja, es ist schon wieder Bücherbummel! Und zwar am Pfingstwochenende in Düsseldorf. Mit vielen Verkaufsständen, Musik, Streetfood und natürlich Lesungen. Ich hab das Programm schon gesehen, es lohnt sich! Und das sage ich nicht nur, weil ich am 25.05. um 16:45 h aus dem „Hirschkönig“ lesen darf.

Boostet deinen Glow!

Warte, wer macht was mit meinem was???

Okay, drei Schritte zurück.

Meine Haut tut aktuell, was weibliche Haut in ihren 40ern so tut – sie hat gleichzeitig Falten und Pickel, raschelt vor Trockenheit wie Seidenpapier und will bitte kein Milimü zuviel an Pflege, weil dann bricht sie aus und beginnt woanders ein neues Leben ohne mich.

Also hab ich mich aufgerafft und bin Montag nach dem Sport in den nächsten Drogeriemarkt gepilgert, um zu schauen, welche Wunderwerke der Kosmetik sie heutzutage anbieten. Meine bis dahin aktuelle Gesichtscreme hatte ich einige Jahre verwendet und mich in der Zeit herrlich wenig um Beauty-Konventionen geschoren. (Geschert? Es ging mir auf jeden Fall an der Interglutealfalte vorbei.)

Erste Erkenntnis: Es gibt Seren. Tonnenweise. Was ich bislang nur im Blut mit mir herumtrage (Blutserum, ist gut und braucht man), gibt es jetzt von Dutzenden Firmen in noch mehr Ausprägungen für jedes reale, angezüchtete oder eingebildete Hautproblem. Wahrscheinlich auch mit Minzgeschmack.

Zweite Erkenntnis: Werbesprech hat die nützliche Information auf der Verpackung ersetzt. „Boostet deinen Glow – für strahlende Haut!“ Schön, aber was ist drin? Wie wirkt es? Für welche Arten von Haut-Albtraum ist es geeignet? Habe ich einen Glow? Brauche ich ihn? Gibt es da nicht auch etwas von Ratiopharm?

Wahrscheinlich bin ich einfach nicht die Zielgruppe. Ich will wissen, welche Inhaltsstoffe was erreichen sollen und wann ich mir das Produkt auf keinen Fall in die Kniekehle schmieren sollte. Weil ich allerdings keine Spielverderberin sein will, habe ich mir am Ende doch zwei Produkte mitgenommen: Ein Serum gegen Falten und eine Creme gegen Pickel. Die können von mir aus um die dermatologische Vorherrschaft kämpfen. Jetzt muss ich nur noch herausfinden, in welcher Reihenfolge ich es auftrage, damit alles seinen Job tun kann. Und für den Glow versuche ich es vielleicht doch erst einmal mit bunten LEDs auf dem Balkon, da könnte der sogar ganz hübsch sein.

Quiz: Von wann sind wohl diese Bücher?

  1. Ein Kochbuch: Dieses Kochbuch richtet sich an Frauen, die normale Portionen essen. Wenn du Mister Right bekochst, solltest du die Portionsgröße also etwas nach oben anpassen, damit er auch satt wird.
  2. Ein Roman: Die Protagonistin ist übergewichtig und nicht sehr stylisch, damit hadert sie auch regelmäßig im Verlauf der Story – bis sie am Ende plötzlich ihren inneren Frieden findet, denn plötzlich ist sie nicht mehr (nur) fett, sondern (auch) schwanger.
  3. Ein Ratgeber: Als Frau musst du unbedingt dein Hormonlevel jugendlich halten, auch wenn du in ein gewisses Alter kommst, denn du musst zum einen „fuckable“ bleiben und dich zum anderen nach wie vor um die Belange aller anderen Menschen kümmern, das ist nunmal biologisch so gewollt. Und Genuss ist zwar wichtig, denn wir sind fancy moderne Frauen, aber wennste nicht fett werden willst, iss halt meist Salat mit Hähnchenbrust ohne Dressing.

Na, hast du es erraten?

Ich muss dich enttäuschen – all diese Bücher hatte ich dieses Jahr in der Hand, sie sind als Neuauflage erhältlich und wurden ursprünglich 2014 (Kochbuch), 2010 (Roman) und 2020 (Ratgeber) veröffentlicht. Das Frauenbild im 21. Jahrhundert lässt offenbar in Teilen der Gesellschaft immer noch zu wünschen übrig. Und ja, all diese Bücher wurden von Frauen geschrieben. Es ist zum Haare-Ausraufen (aber vorsichtig, wir wollen doch nicht unsere femininen Locken opfern!).

Der Mann meint übrigens, ich würde das zu ungnädig sehen. Aber der wird wahrscheinlich nicht (wie eine Freundin erst neulich) in Sachdiskussionen plötzlich gefragt, warum er eigentlich nicht lächle. Der hat wahrscheinlich wenig Mühe, aus einem zugegebenermaßen lächerlich gigantischen Angebot an Sommerschuhen diejenigen rauszufischen, die NICHT seine Fußstruktur zerstören, weil Absätze optisch schlanker machen. Der hat (und das nicht nur wahrscheinlich, das weiß ich zufällig genau) kein Sicherheits-Signal-System für den Heimweg nach einem Treffen mit Freund*innen, damit alle wissen, dass alle heile und unbelästigt zuhause angekommen sind.

Ist ja eigentlich auch kein Wunder. Wir sind alle in dieser Suhle, die sich „moderne Gesellschaft“ nennt, sozialisiert. Da rauszukommen ist eine schlüpfrige Angelegenheit. Aber trotzdem … aber trotzdem!

Ich habe keine Lösungsvorschläge. Nur Empörung. Und Müde. Und Wut.