Überleben light! (Besser spät als nie)

Buchcover: "The Zombie Survival Guide - Complete Protection from the Living Dead - A bloody-minded, straight laced manual for evading the grasp of the undead (Time Out) - Max Brooks". Das Cover ist rot mit weißer und schwarzer Schrift und collagen-artiger Anordnung von einem Maschinengewehr und einer Machete (in Schwarz-Weiß und körniger Auflösung). Das Buch liegt auf einem Küchenbrett, oben am Rand erkennt man noch ein Brotmesser.
Hat nix mit dem Seminar zu tun, lag gestern im Bücherschrank.

(Ich war komplett davon überzeugt, dass ich diesen Beitrag schon veröffentlicht hätte. Spoiler: Ich habe überlebt. ^^)

Da waren sie wieder, meine selbstgemachten Probleme. In diesem Fall: Ein Survival-Seminar in Baden-Württemberg, organisiert über den BVjA. Der ist ja schon dafür verantwortlich, dass ich mich jetzt mit Kneipenschlägerei, Schwertkampf und Schusswaffen ein bisschen besser auskenne. Und diesmal ging es in die Wildnis – oder doch so wild, wie man es an einem Wochenende mit neun Autorinnen eben schafft.

Weil das Seminar doch ein Stück entfernt stattfand, bin ich die ca. 400 Kilometer schon am Freitag gefahren und habe die ersten Teilnehmerinnen beim Abendessen im Hotel getroffen. (Nein, ich verwende nicht das generische Femininum. Merkwürdigerweise waren wir mal wieder nur Autorinnen. Die Autoren kennen wohl alle Tricks und Tipps schon.) Ich fand die Fahrt ja schon abenteuerlich: Mit 16 % Steigung und einem guten Blick nach unten in die Berge, das ist nicht so mein Ding. Mach ich natürlich trotzdem, aber ich fluche dabei die ganze Zeit. Frag den Mann, so lief das in der Schweiz damals auch.

Am nächsten Morgen gab es noch ein üppiges Frühstück und einen letzten Blick in den gepackten Rucksack, ehe wir uns am Wanderparkplatz gegenüber vom Hotel mit unserer Survival-Coach traffen. Natürlich verquatschten wir uns direkt beim Feuermachen (nur in Theorie! Es war rundum so trocken, dass reale Feuer verboten waren, und das war auch klug so) und gingen erst nach Mittag los. Geplant war eine Wanderung von ca. 17 Kilometern.

Ehrlich gesagt, die Strecke hat mir im Vorfeld die größten Sorgen bereitet. Ich kann tagelang geradeaus wandern und habe keine Probleme mit 12, 13, 14 Kilometern. Aber 17 hatte ich eben noch nicht versucht, erst recht nicht mit Gepäck und in hügeligem Gelände. Aber das Seminar hieß schließlich nicht „Gemütlicher Spaziergang im Park“. Und das Gepäck fürs Lager konnten wir zum Glück am Hotel lassen, denn es war eine Rundwanderung geplant.

Wenn ich für längere Touren packe, plane ich immer für drei imaginäre Katastrophen und einen kleinen Umweg. Also hatte ich gut drei Liter Wasser dabei, ein kleines Päckchen Verbandsmaterial und Blasenpflaster, Regenzeug inklusive Rettungsdecke und eine Kniebandage. Außer dem Wasser habe ich davon nichts gebraucht, aber das ist ja auch der Idealfall. Und bei der Verpflegung plane ich immer auf „Maximale Kalorien bei minimalem Gewicht“ – also viel Studentenfutter und Trail Mix, wenig Gemüse. Einige Expert*innen empfehlen aus dieser Überlegung heraus als Wanderproviant ja Snickers. Das kommt mir persönlich grundsätzlich entgegen, doch verspricht bei 30 Grad eine eher klebrige Angelegenheit zu werden.

Mit einigen kleinen Pausen war die Strecke dann überraschend gut zu meistern. Schattig war es meistens auch, trotzdem war ich sehr froh über meine ultraleichte, nicht aufheizende UV-Schutz-Jacke, die ich garantiert noch öfter verwenden werde. Ja, ich bin eine von diesen hellen teigigen Personen, die nur rot und dann wieder weiß werden, das muss ich nicht andauernd erleben. An einem Punkt gab es eine längere Pause, während einige aus der Gruppe in eine Höhle hinabgestiegen sind. Ich habe lieber auf den Eingang aufgepasst, damit die anderen nicht hinterrücks überfallen werden (Höhenangst!). Von dem Abenteuer habe ich mir lieber erzählen lassen.

Abends gab es Verpflegung vom gut gesicherten Gasgrill (erlaubt), einen unglaublichen Sternenhimmel und eine kleine Lichtshow von unserer Coach, ehe diejenigen, die draußen nächtigen wollten, ihre Lager aufgebaut haben. Ich hatte komplett ohne Ahnung ein Ein-Personen-Zelt gekauft, das sich als Glücksgriff erwiesen hat: Ohne Vorwissen und im Dunkeln war es sogar müde noch in 20 Minuten aufgebaut, und am nächsten Morgen genau so einfach wieder abgebrochen und in der Tasche verstaut. Allerdings wurde es mitten in der Nacht doch etwas frisch. Kurz war ich versucht, aus dem Auto eine zusätzliche Decke zu holen. Dafür hätte ich hoch ins Hotelzimmer, um den Autoschlüssel zu holen, und dann weiter zum Auto und zurück zum … – da bin ich doch direkt lieber ins Hotel. Und hab mitten in der Nacht noch geduscht, denn so staubig und klebrig und verschwitzt hätte ich mich nicht in das schöne weiße Bett legen wollen.

Den Sonntag Morgen haben wir mit weiteren Überlebensfähigkeiten verbracht: Wie improvisiert man einen Unterschlupf? Wie würde man ein Feuer bauen, wenn man eines legen dürfte? Und dann hat unsere Coach noch die Waffen herausgekramt: Pfeil und Bogen, Wurfmesser und ein Blasrohr. Ich bin also schon wieder ein wenig gefährlicher geworden. Natürlich haben wir die Zeit überzogen und uns erst am frühen Nachmittag widerwillig voneinander getrennt, weil die Heimfahrt ja genau so lang dauert wie die Hinfahrt. Auf jeden Fall ist mein Wunschzettel schon wieder länger geworden und ich träume davon, spätestens im nächsten Jahr mal eine mehrtägige Tour durch die Eifel zu unternehmen. Schließlich soll das Zelt nicht nur herumliegen, gell?

(Den Montag habe ich fast komplett verschlafen.)

Auftritt Radfahrerin

Es ist schon ein paar Tage her. Es ist sonnig und trocken, und nach der Arbeit radle ich gemächlich nach Hause. Das geht – ich habe es schon erwähnt – streckenweise bergauf, und nicht zu knapp. An der Stelle, von der ich heute erzählen möchte, gibt es eine markierte Spur je Fahrtrichtung und auf der (bergauf betrachtet) linken Seite einen Gehweg, der für Radfahrer freigegeben ist.

Das heißt, ich darf da drauf fahren, aber ich muss nicht.

Meist tu ich es nicht.

Zum einen ist diese Straße nicht soooo hart befahren.

Zum anderen ist der Gehweg mit Schlaglöchern übersät, häufig voll mit Spaziergängern mit Kinderwagen und/oder Hunden, und dort parken regelmäßig Autos. Direkt hinter diesem Gehweg befinden sich nämlich belebte Nutzgärten, und irgendwo müssen die Autos ja hin.

Soweit die Szene. Ich radle also, schnauf, in meinem sommerlichen Kleid bergan. Hinter mir höre ich ein Auto näherkommen. Ein zweites Auto kommt uns entgegen. Und weil da diese Frau mittleren Alters auf ihrem Citybike ist, kann das ebenfalls bergauf fahrende Auto nicht ungebremst durchbrettern. Nein, der Fahrer verliert wertvolle 15 Sekunden, während er darauf wartet, dass das entgegenkommende Auto uns passiert.

Jetzt ist der Zeitplan eh im Eimer, denkt er sich. Er zieht neben mich und bleibt im Rad-Tempo. Lässt das Beifahrerfenster herunter und ruft: „Fahren Sie doch auf dem Radweg!“

Es ist nicht so steil. Ich habe Luft zum Antworten. „Das ist kein Radweg, sondern ein für Radfahrer freigegebener Gehweg. Ich darf dort fahren, muss aber nicht.“

Er gibt nicht auf. (Es ist ein silberfarbener Mercedes Kombi, bestimmt nicht günstig, der Fahrer ist vielleicht etwas älter als ich. Ist das wichtig? Wer weiß?) „Aber dort wären Sie viel sicherer!“

„Ich finde, Sie fahren sehr vorbildlich“, antworte ich überaus freundlich.

Und IN DEM MOMENT, ich hätte es fürs Kino nicht besser planen können, kommt uns einer der Nutzgarten-Besucher mit seinem BMW entgegen. Auf dem Gehweg fahrend, ganz links am Straßenrand.

Ich gucke, zeige auf den BMW und fange an zu lachen.

Der Autofahrer guckt. Schließt das Beifahrerfenster und fährt wortlos von dannen.

Ob er manchmal an mich denkt?

Ich liebe Flohmärkte!!!

Was man da nicht alles findet!

Beispielsweise schwebende Hüte.

Ein Strohhut schwebt über einem auf einem Holzbügel aufgehängten Kleidungsstück.

Oder einen Korb, bei dem der Henkel zu 80 % nach links verschoben ist. Komplett mit gruseligem Bären.

Ein Stoffbär sitzt in einem merkwürdig dysproportionalen Weidenkorb. Der Henkel ist fast komplett links.

Oder fünfeckige Bücher. Ich denke, das wird der nächste BookTok-Trend.

Ein Stapel Hardcover-Bücher, bei denen die linke untere Ecke fehlt, wie abgeschnitten.

Wo ihr all diese aufregenden Dinge findet?

Plakat: Nächsten Sonntag Familienflohmarkt auf der Rigalschen Wiese

Am Sonntag beim Flohmarkt auf der Rigalschen Wiese in Bad Godesberg. Sagt das Stadtmarketing

Gut, vielleicht übertreiben sie. Oder vielleicht lügt die grottenschlechte KI, mit der das Stadtmarketing in letzter Zeit alles Mögliche bebildert. Keine Ahnung. Ich weiß nur – offenbar hat die Praktikantenperson nicht gut aufgepasst, als sie diesen Driss hat generieren lassen.

Warum???

Es gibt hier nichts zu sehen!!!

Wirklich nicht. Was für ein Driss.

Ja, wir waren auf Wacken. Und ja, wir streiten mit der Krankenkasse des Mannes. Aber das ist alles gerade für meinen Kopf nicht spannend. Der ist nur (wie meistens) müde. Überall Katastrophen. Der Rhein ist fast trocken, es brennt nördlich, südöstlich und südwestlich von uns (westlich eventuell auch?). Beim Wandern vor ein paar Tagen habe ich statt der versprochenen abwechslungsreichen Landschaft nur braune Wiesen und graue Felder gesehen. Die Kollegin erzählt, in Tunesien sei das Mittelmeer zu warm, um angenehm darin zu baden, und tagsüber erreichen die Temperaturen 50 Grad. Bei uns im Wald hinter dem Haus (ursprünglich ein Hochmoor) gehen sogar die Brombeerranken allmählich ein – der Regen heute ist da wirklich nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Also: Wenig Schwung, um Kleinigkeiten zu erzählen, wenig Energie fürs Schreiben und Überarbeiten und wenig Nerv für irgendwas außer den absoluten Notwendigkeiten.

Immerhin habe ich heute Morgen das erste Set neuer Bettlaken aufgezogen, das ist doch schön. Und mein Kopfkissen gewaschen, denn bei den Temperaturen schwitze ich alles (ALLES!!!) direkt mehrmals pro Nacht durch. Und bei uns im Wald sammeln Privatleute nicht nur den Müll ein, sondern stellen auch Untersetzer mit Wasser für die kleinen Tiere auf. Es ist nicht alles schlecht.

Aber sagt mal – wäre jetzt der richtige Moment für Klima-Hysterie?

Anderes Thema – ich arbeite mich immer noch durch die ersten beiden Schattenfall-Bände, um Notizen zu machen. Und von wegen, ich hätte nur winzige Casts. Das behaupte ich zwar immer, aber in Band 1 bin ich schon bei fast fünfzig Figuren. Kein Wunder, dass ich mir nicht alles merken kann. Ich schwöre, irgendwann mache ich aus den Notizen etwas, was ihr auch durchblättern oder -scrollen könnt. Die Mühe muss sich ja lohnen, nicht wahr?

Und jetzt zurück zur Realitätsverweigerung.

Wie man sich bettet und so

Auf einem bunten Bett sitzt ein orangefarbener Plüsch-Oktopus, der einen Hai als Hut trägt.
Es gibt hier nichts zu sehen.

Da der Mann heute mal wieder besonders früh aus dem Haus musste, habe ich die unnötig wache Stunde zwischen „Er ist weg“ und „Ich muss weg“ mit Hausarbeit verbracht. Konkret habe ich die Betten bezogen und den Bettwäsche-Schrank aufgeräumt.

Meine Güte, die Bezüge habe ich von … puh, da waren die noch nicht verheiratet. Und ich habe noch studiert. Joah, die sind alt. Und die da, das waren die ersten, die wir in der gemeinsamen Wohnung gekauft haben, damals war der Winter so kalt. Und die Bettlaken erst …

Ich sag’s, wie es ist: Wir haben kein einziges Bettlaken, das nicht von Katzenkrallen durchlöchert ist. In einigen Fällen sind es die Krallen der vorherigen Katzen gewesen. Und so ein Bettlaken kostet ja auch nicht die Welt. Dennoch ersetze ich sie einfach nicht. Keine Ahnung, warum. Ich mag schönes Bettzeug. Beim Aufziehen denke ich mir: Hmpf, noch dieses eine Mal und dann kommt es aber weg. Und dann kaufe ich einfach keine nach, wasche die alten Bettlaken und benutze sie doch weiter.

(Wie man unschwer erkennen kann, bügeln wir unser Bettzeug auch nicht. Das liegt sich schon glatt.)

Nachdem ich jetzt alles, was mehr als 20 Jahre alt und verschlissen ist, aus dem Schrank in einen großen Sack gestopft habe, müssten als nächstes eigentlich die Bettlaken dran sein. Vielleicht bestelle ich mal zwei Sets nach und mach endlich Nägel mit Köpfen.

Wusstet ihr übrigens, dass man auch Handtücher angeblich alle drei bis fünf Jahre ersetzen soll? Ich will ja nicht angeben, aber ich habe bis vor kurzem ein Sporthandtuch benutzt, das hatten meine Eltern schon, als ich noch gaaaaaaaanz klein war. Und die Kollegin turnt auf einem „Made in West Germany“-Handtuch.

MADE IN WEST GERMANY.

Wer nicht weiß, was es damit auf sich hat, ist … nicht alt. ^^

Und jetzt beichte: Was ist deine größte Haushalts-„Sünde“?

Alles, was ich wissen sollte.

In meinem Kopf ist Schattenfall ein kompletter, real existierender Ort. Die können ganz schön komplex sein. Ärgerlich nur: Ich merk mir nicht, was wo ist. Oder was wie aussieht. Oder wer wo wohnt. Und bei einem Buch ist das auch nicht sooo wichtig. Aber jetzt, wo ich „Chaos in Schattenfall“ überarbeite? Ich könnte verzweifeln!

Wie weit ist es noch gleich von der Kichernden Nymphe zum Zirkus? Wie heißt der Typ, der sich für einen Werwolf hält? Und was für Bäume stehen rund um die Kirche? Die ist übrigens weiß – ach nee, gelb.

Manche Leute können sich das alles merken, und das ist schön für sie.

Wer das nicht kann, macht sich am besten beim Schreiben Notizen.

Hört auf meinen Rat und tut nicht, was ich getan habe.

Ich habe mir keine Notizen gemacht.

Damit jetzt trotzdem alles einigermaßen zusammenpasst, gehe ich gerade die ersten beiden Bücher durch und schreibe mir alles auf, was ich mir schon beim Schreiben hätte aufschreiben sollen. Wenn du verwirrt bist: Das geht uns beiden so.

Und für den kreativen Kopf an mir fühlt sich das wie Zeitverschwendung an. Quasi Papierkram.

Deswegen überlege ich jetzt, ob ich die gesammelten Notizen in hübsch nicht irgendwo hier auf der Website ablege, damit man schnell Dinge nachschlagen kann. Für ein ganzes Wiki reicht es nicht, aber für eine alphabetische Liste bestimmt. Da könnten auch Dinge drin stehen, die nicht explizit in den Büchern auftauchen, die ich aber weiß. Wenn ich mich an sie erinnere.

Hach, ich muss nachdenken.

Sie schreibt wieder Leser*innenbriefe

Unsere lokale Tageszeitung ist eigentlich ganz okay. Natürlich kann man immer was kritisieren, doch wer ist schon perfekt? Und im Rahmen der externen Qualitätskontrolle schreibe ich – ja, ich bin in dem Alter – gelegentlich eine Mail. So wie die hier:

Liebes Zeitungs-Team,

ja, alles ist schwer und niemand hat mehr Zeit für nix. Dennoch frage ich mich, ob man tatsächlich einen Artikel über das 100jährige Bestehen von Bad Godesberg mit KI-generierten Bildern illustrieren muss. Gab es damals keine Fotos? War es im Archiv zu heiß? Oder ist nur jemand der Versuchung erlegen, schnell „etwas für nix“ zu kriegen? 

Am besten lassen wir als nächstes auch die Artikel generieren. Einfach ein paar Schlagworte zu den Fakten eingeben, den Rest erledigt die KI. Ach was, wozu überhaupt noch Schlagworte? Bestimmt können ChatGPT, Claude und wie sie alle heißen uns glaubwürdig darstellen, was in der Region rein theoretisch hätte passieren können. Dann sparen wir Journalisten, Redakteure, Lektoren und was man sonst noch alles brauchen könnte. Die Fotos werden auch direkt generiert anstatt tatsächlich aufgenommen – nie wieder verwackelte Staatsoberhäupter! Und wen stört es schon, wenn wegen der fehlerbehafteten Halluzinationen der Milliardärsmaschinen in weit entfernten Orten das Wasser knapp wird? Hauptsache, man kann uns keine Technikfeindlichkeit vorwerfen.

Podcasts kriegen KIs übrigens auch schon viel besser hin als Menschen. Von der „Recherche“ über das Skript bis hin zur garantiert menschlich klingenden Stimme, die wir uns dann auch nicht mehr selbst anhören müssen, denn eine andere KI fasst uns fix zusammen, was wir hätten wissen müssen, wenn es denn wahr wäre.

Eigentlich bin ich zu müde, diese Mail zu schreiben. Sie wissen schon, die Hitze! Ob da nicht die KI eben schnell … ? Nein, mein Gemecker kommt noch nicht vom Band. Ich wünsche Ihnen alles Gute und viel Erfolg bei der journalistischen Arbeit, ehe die KI uns alle überflüssig macht.

Mit freundlichem Gruß

Diandra Linnemann

Hitzefrei? Hättste wohl gern!

Nee, für uns Erwachsene ist das nicht vorgesehen. Wenigstens fangen die von der städtischen Müllabfuhr im Moment morgens extrafrüh an, damit die nicht in der größten Hitze den ganzen Driss durch die Gegend karren müssen, das gefällt mir. Für alle anderen gilt wahrscheinlich: Sieh halt zu, wieste nicht in Flammen aufgehst.

Auf der Arbeit haben wir es dank Klima-Anlage eher angenehm, und auch zuhause – ich sag nur: Dachgeschosswohnung, Flachdach! – steht inzwischen ein Klimagerät, um wenigstens das Wohnzimmer auf erträgliche 27 °C abzukühlen. Solange man also nackt flach in Seesternposition liegt, lässt es sich aushalten. (Zuhause. Nicht im Büro. Ich darf die Kolleg*innen nicht verstören!)

Für alles andere gibt es so grandiose Tipps wie: Bleiben Sie an kühlen Orten. Meiden Sie die Hitze. Wie man das machen soll, wenn man Termine hat oder so, wird nicht verraten. Deswegen an dieser Stelle meine persönlichen ernstgemeinten Tipps für gegen Hitze, falls man ihr denn schon nicht entgehen kann.

  • Viel trinken. Also, es ist natürlich komplizierter, aber kurz: Wenn du viel schwitzt, solltest du mehr trinken. Gestern war ich mit dem Rad in der Stadt unterwegs (Bonn hat da so eine … Situation, darüber die Tage vielleicht mehr Spott), insgesamt drei Stunden bei fröhlichem Sonnenschein. Du kannst deinen linken Ellbogen darauf verwetten, dass ich mindestens fünf Liter getrunken habe. Und alles wieder ausgeschwitzt. Ich war ein Springbrunnen.
  • Wenig (und das richtige!) anziehen. Und es ist mir schnurz, ob du faltig, dick, haarig, … bist – niemanden kümmert das. Wenn du vor Hitze kollabierst, ziehst du viel mehr Aufmerksamkeit auf dich. Und wenn ich nicht dafür verhaftet werde, den Mann in pinkfarbenen Shorts und Tank Top vom Bahnhof abzuholen, passiert dir auch nix. Ich empfehle Leinen und Baumwolle … oder Funktionskleidung, bei dieser Hitze liebe ich meinen Vorrat an Sportsachen direkt doppelt. Leider ist das „Definitely not a zombie!“-Shirt nicht bürotauglich, aber wenn ich in meiner Freizeit ausgehe, leistet es gute Dienste. Und wie gesagt: Daheim trage ich höchstens ein Handtuch zum Draufliegen.
  • Strategischer Durchzug, wenn du keine Klima-Anlage hast, und dichte Vorhänge helfen, die Wohnung wenigstens ein bisschen abzukühlen. Ventilatoren sind auch toll.
  • Iss Eis. Und Wassermelone. Und vielleicht noch Salat. Und wenn du magst, Milchprodukte, aus irgendeinem Grund halten die mich kühl. Buttermilch ist doppelt toll, denn die reduziert auch meine „Sonnenallergie“ (so lustige flüssigkeitsgefüllte Quaddeln, wenn ich zuviel Sonne abbekomme, ohne Sonnenbrand).
  • Geh früh morgens oder spät abends raus, wenn es kühler wird. Der Wald ist gut, da ist es schattig. Aber denk trotzdem an den Sonnenschutz!

Und der wichtigste Hinweis: Bitte nicht sterben! Das verursacht nur Papierkram. (Ich mag dich. Pass auf dich auf.)

La Dolce Vita

Es gibt Probleme mit der Nordbrücke. Da fährt nix mehr, aktuell, von höchster Stelle angeordnet. Und da drunterher fährt auch kaum noch was.

Du weißt nicht, wer die Nordbrücke ist? Das ist fix erklärt: Eine von drei Brücken in Bonn, die den Rhein überqueren. Und die einzige, für die man nicht nach Bonn reinfahren muss. Eine ganz gewöhnliche Autobahnbrücke eben. Bis gerade eben fuhren da pro Tag mehr als 100.000 Fahrzeuge drüber. Für alles über 7.5 Tonnen war die Brücke schon eine Weile gesperrt, weil sie in die Jahre gekommen ist und dringend saniert werden müsste. Das weiß man ungefähr seit 2007. Völlig überraschend ist sie jetzt, nur 19 Jahre später, so marode, dass am besten gar nix mehr geht. Oder fährt. Und überhaupt.

Über den Rhein drüber müssen all diese Fahrzeuge und Leute natürlich trotzdem. Und die Auswahl an Alternativen ist hier nicht so groß. Also staut sich aktuell alles (ALLES!) in Bonn. Von Nord nach Süd und von Ost nach West, gern auch in die Gegenrichtung. Gestern war ich mit einer Freundin auf dem Rad stadteinwärts unterwegs. Kilometerweise Stau auf drei Fahrbahnen je Richtung, alle Kreuzungen aus sämtlichen Richtungen blockiert (unabhängig von der Ampelschaltung) und jeder hupt. Denn wir wissen ja, durch Hupen setzt man für 30 Sekunden sämtliche Verkehrsregeln außer Kraft.

Auf der Kennedybrücke – das ist eine der beiden anderen Brücken, die führt vom Beueler Zentrum ins Bonner Zentrum, also wirklich MITTEN durch die Stadt – kamen uns dann plötzlich Fußgängertrauben entgegen. Das Wetter war schön genug, doch das allein reicht als Erklärung eigentlich nicht. Allerdings: Der Nahverkehr war zum Erliegen gekommen wegen eines Unfalls. Busse fuhren eh schon nicht mehr in nennenswertem Tempo, aber jetzt waren auch Straßen- und Stadtbahnen betroffen. Mitten in der Stadt. Also ging, wer irgendwie konnte, zu Fuß. Auf den verwaisten Schienen kam uns ein Rettungswagen entgegen, denn auf den regulären Fahrbahnen ging natürlich nix, auch keine Rettungsgasse. Meine Empfehlung: Falls du in Bonn bist, krieg gerade besser mal keinen Herzinfarkt.

Abgaswolken überall, Schimpfen und Hupen, die Kugel Eis kostet um die zwei Euro. Und spätestens, wenn sich die 50er-Roller auf Rad- und Fußwegen hindurchschlängeln, breitet sich ein Gefühl römischer Dekadenz aus. Vielleicht ist das ja gar nicht mehr der Rhein, sondern schon der Tiber? Mein Fahrrad und ich waren auf jeden Fall sehr zufrieden, gemeinsam dieses Schauspiel beobachten zu können. Genau passend zur Urlaubszeit.

Falls du dir jetzt Sorgen machst: HIER kann man regelmäßig überprüfen, ob die Nordbrücke noch steht. Mit Webcam.

Sprich mit (oder besser noch: vor) Autor*innen!

An einer etwa hüfthohen, weiß getünchten Mauer hängt ein großes Schild in Form eines Bleistifts mit der Aufschrift: Love to learn.
Foto von Tim Mossholder, gefunden auf Unsplash.

Hast du ein Spezialgebiet, von dem deine Familie schon lange nichts mehr hören will? Verdreht dein Freundeskreis die Augen, wenn du ihnen etwas Spannendes erzählen willst, das du über dein Lieblingsthema gelesen hast? Solche Dinge können ziemlich ätzend sein. Zum Glück habe ich die perfekte Lösung für dich! Erzähl’s den Autor*innen in deinem Umfeld! Wir hören uns alles an, wir finden alles spannend und haben meist auch noch richtig spannende Fragen parat.

Wenigstens ist das meine Erfahrung aus diversen Workshops, die ich über die Jahre besucht habe. Beispielsweise sind wir nie pünktlich fertig, denn alle Teilnehmenden kommen mit Notizbüchern voller Fragen und Ideen, die sie mit der Expertenperson durchsprechen wollen. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, das Burgfräulein, das man mit dem Schwert beschützt, im Kampf versehentlich zu enthaupten? Wie findet man am besten heraus, ob eine Pflanze essbar oder giftig ist? Kann man in voller Polizeimontur einen Marathon rennen? Und welche Waffen kann man unter Wasser abfeuern?

Stell dir also vor, du hast dein Thema vorbereitet, alle Zuhörer*innen sind pünktlich, sie hängen an deinen Lippen, stellen eine Frage nach der anderen, kommen dabei von Höcksken auf Stöcksken und gehen am Ende des Wochenendes spät und nur murrend nach Hause, weil die Reinigungsfachkräfte jetzt WIRKLICH in den Raum müssen, hier ist morgen wieder Schule, wisst ihr?

Mein Freundeskreis amüsiert sich immer darüber, was ich alles wissen will. Es ist gefährlich, mit mir in ein Museum zu gehen, denn vielleicht landet der winzige Goldstecker aus Schaukasten 17 später in einer Kurzgeschichte. Ich kann Fachleute in allen Lebenslagen von der Arbeit abhalten, weil ich immer noch eine Frage habe. Und wenn jemand mir von einem neuen Spezialinteresse erzählen möchte, finde ich das höchstwahrscheinlich tatsächlich faszinierend.

Falls du also geduldige, enthusiastische Zuhörer*innen suchst, leg dir einen schreibenden Bekanntenkreis zu. Es lohnt sich!