Blumendecke, Blumenvase, Blumen-Group

Stell dir vor, du gehst in ein Geschäft. Du weißt schon, was du willst, deswegen sollte das eigentlich ganz fix gehen.

„Guten Tag, ich hätte gerne eine Decke mit Blumenmotiv.“

„Das freut mich zu hören. Hier ist diese wunderbare Vase.“

„Aber ich möchte eine Decke.“

„Haben Sie nicht gesagt, Sie mögen Blumen? Dann brauchen Sie bestimmt diese Vase. Hier, nehmen Sie!“

„Nein, danke. Ich hätte gerne eine Decke, auf der Blumen zu sehen sind.“

„Ah ja. Decke, Decke – hier, dieser Teppich ist doch wirklich schön, oder?“

„Ja, das ist er, aber …“

„Nehmen Sie! Da sind Blumen drauf! Zwanzig Prozent Rabatt, wenn Sie in den nächsten siebzehn Minuten kaufen! Es sind nur noch drei Stück da!“

„Ähm, hinter Ihnen ist ein ganzes Regal voll mit genau diesen Teppichen.“

„Zwanzig Prozent Rabatt!“

„Danke, aber ich hätte doch lieber eine Decke.“

„Decke? Warum sagen Sie das nicht gleich? Wir haben Decken! Bettdecken, Hundedecken, Decken mit Fransen und welche aus wasserdichtem Material für Sie-wissen-schon, Decken mit Mustern und Decken aus Eichhörnchenfell und …“

„Eichhörnchenfell?“

„Oder wenigstens etwas, das wie Eichhörnchenfell aussieht. Aus zehn Meter Entfernung mit schmutziger Brille. Riecht etwas künstlich und wird Ihnen, wenn Sie heute bezahlen, in den nächsten sechs Wochen geliefert.“

„So lange? Kommt die aus China oder was?“

„Wie kommen Sie nur darauf? Sehen Sie doch, dieses Geschäft ist komplett real und steht in Deutschland! Nur die Decke kommt … also, das dauert eben. Gar nicht verdächtig.“

„Haben Sie denn jetzt auch Decken mit Blumenmuster?“

„Bestimmt. Apropos Blumen, haben Sie Interesse an dieser Vase?“

An dieser Stelle verlässt du lieber den Laden, ehe du der Verkaufsperson die Vase über den Schädel ziehst.

So ähnlich fühlt es sich inzwischen an, wenn man online etwas kaufen möchte. Du musst wissen, oder vielleicht habe ich es gelegentlich schon erwähnt – ich gehe nicht gern shoppen. Es nervt. Ich will nicht stundenlang durch Geschäfte hoppeln und Regal durchwühlen und hoffen, dass es irgendwo genau das gibt, was ich brauche. (Eine Ausnahme sind Buchläden, da stöbere ich gern und stundenlang und gebe immer zuviel Geld aus.) Deswegen kaufe ich viele Dinge lieber online. Lange hat das auch gut funktioniert. Ich weiß, was ich brauche, möglicherweise sogar mit bevorzugter Marke. Ich gebe die entsprechenden Begriffe im Suchfeld ein, wähle einen der Top 3 Treffer, bezahle und warte auf den Paketdienst.

Ja nee, so ging das mal. Inzwischen kriegst man in beinahe allen größeren Shops erst einmal Werbung angezeigt. „Gesponsorte Produkte“ nennt sich das öfter mal. Da zahlen die Anbieter dafür, dass ihr Produkt bei bestimmten Suchbegriffen angezeigt wird, auch wenn es nur am Rand mit dem Gesuchten zu tun hat. Man könnte rein theoretisch eine benutzte Klobürste mit „Harry Potter“ verschlagworten, der Plattform dafür ausreichende Mengen Geld geben und taucht dann auf Seite 1 der Suchergebnisse auf.

Schnell klicken und kaufen ist also nicht mehr. Dann gibt es die Großen Roten Zahlen(TM), die einen zum Kauf verleiten, weil sie eine gigantische Ersparnis und/oder einen anstehenden Mangel und/oder Zeitdruck suggerieren. Auch das meist gelogen und im Hintergrund getrickst.

Von all den KI-generierten Angebotsbildern will ich gar nicht erst anfangen. Das Produkt ist also so hässlich, dass ich es nicht vorab sehen darf? Prima, dann will ich es nicht. Seitenweise über genau das gleiche Produktbild für Bettwäsche scrollen, bei dem sich nur das Muster des Materials ändert, aber nicht einmal der Faltenwurf … kein Stückchen verdächtig. Nee, das ist garantiert alles echt und sieht genau so aus, wenn ich das bekomme.

Ein Gutes hat das ja – mein Konsumverhalten hat sich zum Positiven verändert. Ich will keinen Schrott kaufen, ich will nicht stundenlang scrollen und mich durch gefälschte Angebote oder künstliche Rabattschlachten wühlen. Ich will meist genau dieses Produkt (oder ein Produkt für genau diesen Zweck) zu einem realistischen Preis. Wenn ich dafür also in die Stadt fahren muss, dann ist das eben so.

Glück wünscht man nicht, Glück kauft man

„Und zwar beim einzigen Glücksverkäufer weit und breit – Hans Kleemann. In seinem Traditionsgeschäft in 13. Generation findet sich ein schier unendliches Angebot an Glücksvarianten. Doch er selbst ist vom Pech verfolgt. Kein Regenschauer, der ihn verschont, kein herabfallender Blumentopf, der ihn verfehlt, und beim Glücksspiel verliert er sowieso. Und dann gerät er auch noch an die naseweise Marie, die sein Lehrmädchen wird, obwohl er gar keines gebrauchen kann. Als es ihn daraufhin nach Dreylindt verschlägt, ins berüchtigte Land des Unglücks, hat sich längst das Schicksal eingemischt – und verfolgt seine eigenen Pläne.“

Soweit der Klappentext des Romans von Susann Loevenich, mit der gemeinsam ich am 01.03. in der Grotesque Absinth-Bar in Aachen lesen darf. Klingt spannend? Glück ist ja immer Glückssache. Es warten rund 550 Seiten beste Cozy Fantasy mit viel Witz und einer Prise Philosophie, ein Märchen von Glück und Unglück, Schicksal und Hoffnung, und wie es sich leben lässt, wenn man von dem einen zuviel und vom anderen zu wenig hat.

Der Roman stand auf der Longlist des Wetzlarer Phantastikpreises 2024 und war nominiert für den SERAPH in der Kategorie Bestes Debüt 2025.

Falls du Susann vorab besuchen willst, kannst du das hier tun: LINK.

Tickets für die Lesung gibt es hier.

Ausnahmezustand, mal wieder

Die Jecken freuen sich, mich gruselt’s – Karneval steht vor der Tür. Auch nach mehr als zwanzig Jahren im Rheinland beobachte ich die zur Schau getragene Fröhlichkeit eher misstrauisch. Also greift mein traditioneller Notfallplan: Vorräte aufstocken, Gardinen zuziehen und Horrorfilme gucken. In unserer Bibliothek befindet sich unter anderem das Juwel „Clown in a Cornfield“, das ist für mich die einzig akzeptable Art Clown.

Früher ging das mit dem verlängerten Lotterleben ganz gut. Inzwischen verlangt mein Körper ab Sonntag Mittag nach gesunder Nahrung. Doch auch das habe ich eingeplant. Es wird einen kleinen Gemüse-Stash geben, ausreichend Snacks und verschiedene Getränke unterschiedlicher Grade an Ungesundheit. Gekocht werden unter anderem Chili Con Carne, Hähnchen in Erdnuss-Sauce und Linsen-Curry-Suppe. Nur was ich backe, weiß ich noch nicht. Zur Auswahl stehen Käsekuchen, Griestorte und Spekulatius. Früher habe ich manchmal Zimtschnecken gemacht, das ist jedoch schon sehr viel Aufwand. Und Berliner dürfen nicht fehlen. Da bin ich dann doch integriert.

Bis Freitag Abend müssen jetzt noch vier Läden aufgesucht werden (inklusive dem für Katzenfutter), ich muss die Menge an Kokosmilch daheim überprüfen – die kaufe ich immer auf Verdacht, das schlägt sich irgendwann im Regal nieder – und alle Wege minutiös so planen, dass ich nicht plötzlich Teil eines Karnevalsumzuges werde. Unser Auto hat eine Konfetti-Allergie.

Jaaaa, das klingt sehr gejammert. Ist es eigentlich nicht. Ich genieße mein Wochenende fernab von allem und gönne den Jecken ihre Freude von Herzen. Nur mitmachen will ich nicht.

Bist du eher Team Karneval oder Team Bleib-mir-damit-weg?

Sinnflut – Eindrücke

In bester Tradition habe ich keine Bilder gemacht, also gibt es hier nur eine sehr begrenzte Sinnflut. Aber ich wollte euch unbedingt von dem tollen Abend erzählen, den wir hatten!

Wie üblich war ich da ja nur versehentlich reingerutscht. Sandra und Robert, die die Aqua Obscura-Anthologie zu verantworten haben, hatten irgendwie mit den Leuten von Laserhirsch ausgeknobelt, dass man was zusammen machen könne. Also Musik, sozusagen. Und was lesen. Und als Robert mir erzählte, dass sie den Rheinpiraten lesen wollen, hab ich direkt gesagt: „Das kann ich auch selbst machen.“ Sind ja nur knapp zwei Stunden Anfahrt. Ich liebe solche Sachen!

Außerdem hatten sie noch eine Künstlerin aufgetan – sogar sehr spontan, denn der ursprünglich eingeplante Künstler war leider krank. Aber Svetlana vom Atelier Glücksbringer ist nicht nur direkt eingesprungen, sondern hat den Abend mit ihrem Gemälde wirklich bereichert.

Die Location, ein ehemaliges Kloster (heute ein Restaurant mit Kultur und Grill-Akademie) war unglaublich gemütlich. Wir hatten einen Raum unter dem Dach mit Catering, nicht zu groß und nicht zu klein … um es mit Goldlöckchen zu sagen: Genau richtig.

Die Veranstaltung an sich dauerte etwa eine Stunde, mit Musik und Lesungen im Wechsel, während Svetlana neben uns ein wunderschönes Bild auf die Leinwand zauberte (das ich nicht fotografiert habe, mein Fehler, Schande auf meine Kuh!). Und es hat alles so toll zusammengepasst! Besonders hat mich gefreut, dass ein Musikstück extra für den Rheinpiraten geschrieben wurde – ein echtes Lifegoal! Anschließend sind wir noch eine Weile mit allen dageblieben und haben uns nett unterhalten. Im Ernst, so etwas würde ich jederzeit wieder mitmachen.

Als nächstes freue ich mich jetzt auf die Lesung in der Grotesque Absinth-Bar in Aachen am 01.03. – soweit ich weiß, haben wir keine Musik, dafür aber drei tolle Geschichten von unterschiedlichen Autor*innen und überhaupt war ich noch nie in Aachen und es ist eine Bildungslücke, was meinst du? Also besorg dir ein Ticket damit die Veranstalter wissen, dass sich der Abend lohnt, dann gibt es vielleicht bald mehr davon.

Hach, es könnte überhaupt so schön sein. Ich mag diese Art Veranstaltungen, als Zuschauerin genau wie als Teil der Unterhaltung. Eigentlich sollte das viel einfacher möglich sein: Kunst machen für die, die diese Kunst mögen, ohne Blick auf die Zahlen dahinter. (Können wir uns den Raum leisten? Kommen genügend Leute? Kriegen wir die Kosten für die Bücher wieder rein?) Leider leben wir noch nicht in meiner Hippie-Utopie. Aber wann immer ich kann, rücke ich die Realität hinterrücks ein wenig in die richtige Richtung.

Für wen Aachen zu weit ist – auf der Leipziger Buchmesse bin ich auch, in erster Linie inoffiziell und als Sorgenwandlerin für PAN. Vielleicht finden wir einander?

Haushalts-Überraschungen der guten und der weniger guten Art

Foto eines Edelstahl-Ausgusses, rund, mit feinem Sieb.
Foto von Daniel Dan, gefunden auf Unsplash.

„Echt? Du hast den Geschirrspüler eingeräumt und angestellt?? WAS STIMMT MIT DIR NICHT???“

Mit dieser morgendlichen Begrüßung hat der Mann garantiert nicht gerechnet. Aber treten wir einen Schritt zurück.

Eigentlich müsste jeder Tag 28 Stunden haben. Deswegen entstopfe ich den Abfluss in der Küche, der „sich zusetzen“ als Hobby hat (16 Jahre alte Plastikrohre halten offenbar auch nicht ewig, diese Enttäuschung!), seit Wochen … was sage ich, seit Monaten! … immer so halbherzig mit dem Pömpel. Dann läuft das Wasser ab. Dann läuft es langsamer ab, und dann steht es wieder, bis ich mit dem Pömpel ankomme.

Weder die üblichen Hausmittel noch der von Stiftung Warentest hochgelobte gelförmige Rohrreiniger eines bekannten Discounters haben geholfen. Und das Pömpeln macht auch nicht so richtig Spaß. Aber meine Tage sind voll, die Energie ist begrenzt und meist läuft es ja. Irgendwie. Wenigstens ein bisschen.

Hat der Tag nicht genügend Stunden, hilft nur eins: Früher aufstehen. Fiele mir eigentlich im Traum nicht ein, nur konnte ich heute morgen sowieso nicht mehr schlafen. Schon vor sechs saß ich senkrecht im Bett. (Gut, das ist gelogen, aber ich hatte sehr wach einen flauschigen Katerhintern im Gesicht.) Und ich dachte mir: „Zweieinhalb Stunden, ehe du aus dem Haus musst – die perfekte Gelegenheit, den Abfluss auseinanderzureißen und festzustellen, was mit dem nicht stimmt.“

Hüpfe aus dem Bett, ziehe ranzige Schlonzklamotten an, binde mir die Haare zurück, betrete die Küche – und der Geschirrspüler läuft.

Der läuft um die Zeit sonst nie.

Ich stell den Abends einmal an und räume ihn morgens aus. Wenn wir viele große Teile haben, stell ich den am Morgen ein zweites Mal an und räum ihn nach der Arbeit wieder aus. Ich habe ein System. Und meist genügend sauberes Geschirr. Es ist ein gutes System.

Wo wir davon reden – das saubere Geschirr vom Abend davor stapelte sich auf der Anrichte, wo es nicht hingehört. Wir wohnen hier erst seit 13 Jahren. Ich kann nicht erwarten, dass der Mann jetzt schon weiß, wo was in der Küche steht.

Derjenige welche saß übrigens auf dem Sofa. Und guckte angemessen verwirrt, als ich ihm zur liebevollen morgendlichen Begrüßung die eingangs zitierten Sätze vorhielt. „Da stand noch soviel Geschirr – ich dachte, du freust dich!“

Er kann ja nichts dafür. Niemand, wirklich NIEMAND konnte damit rechnen, dass ich morgens dem Haushalt direkt Gewalt antun will. So blieb mir nichts anderes übrig, als mir einen Tee zu machen und ein wenig zu lesen. So schade.

Der Abfluss in der Küche muss von dem ganzen Drama übrigens irgendwie mitbekommen haben. Der lief heute morgen so gut wie schon lange nicht mehr.

Eine typische Bahnhofsbegegnung

Eine fahl beleuchtete Unterführung. Auf dem Boden liegt Dreck, an der Wand sind Graffiti geschmiert.
Foto von Krisztian Matyas auf Unsplash

Ab und zu habe ich in der Innenstadt in Bahnhofsnähe zu tun. Muss ich eigentlich nicht weiter beschreiben, du warst schon einmal an einem deutschen Stadt-Bahnhof. Leute, Läden, Dreck, die Ecken riechen nach Pipi. Ist nicht schön und lässt sich leider nicht immer vermeiden.

Wie ich so durch die Unterführung ging, die unter den fünf Gleisen durchführt – Bonn ist nicht direkt eine Großstadt – hörte ich in der Nähe jemanden gröhlen: „Ausländer raus! Wählt die AfD! Nieder mit dem ***-Pack! Deutsche Kultur!“

Kurz darauf sah ich den Urheber dieser … Äußerung: Ein etwas ungepflegt wirkender Typ etwa Mitte 50, der gerade, laut schimpfend, die Bierdose in der Hand, gegen eine Absperrung in der Unterführung pinkelte. (Ich schwöre, das klingt nach Klischee, ist aber genau so passiert. Hat auch nur wenige Augenblicke gedauert, ich musste nicht einmal langsamer werden.)

Der Mann in meiner Wohnung sagt immer, ich werde eines Tages sterben, weil ich im falschen Moment den Mund aufmache. So auch an dem Abend. „Gehört zur deutschen Kultur, betrunken in die Öffentlichkeit zu pinkeln und Leuten auf den Sack zu gehen?“ Ich hab ja Stimmtraining, also musste ich gar nicht dicht rangehen, damit er (und die anderen Passant*innen) mich sehr gut verstehen.

Der Typ guckt sich um, sieht mich, verzieht das Gesicht. „Du hast mir gar nix zu sagen! Bist du überhaupt Deutsche?“

„Deutsch genug.“ Der muss ja nicht wissen, dass meine Mutter aus den Niederlanden eingewandert ist. Und ich seh definitif aus wie die rosigste Kartoffel der Welt.

Natürlich schimpft der Typ weiter. „Ich bin bestimmt viel deutscher wie du!“ Man erinnere sich daran, er steht da immer noch mit offener Hose. Wahrscheinlich hat er inzwischen nasse Füße.

Kinners, ich kann so nicht arbeiten. „Das heißt deutscher ALS.“

Und dann musste ich leider weiter, Termin und so. Bei einigen Umstehenden hab ich Amüsement wahrgenommen, der Typ mit der offenen Hose (und dem Benehmen wie eine offene Hose) hat wahrscheinlich nichts dazugelernt und der Mann in meiner Wohnung hat mich später einmal mehr ermahnt, mich nicht leichtfertig in Schwierigkeiten zu bringen.

Nix darf man.

Erleuchtung, ein Drama in Akten

Kork-Pinnwand. Darauf ein gelber Zettel, angepinnt mit einem roten Pin, auf den jemand mit schwarzem Filzstift eine leuchtende Glühbirne gezeichnet hat.
Foto von AbsolutVision, gefunden auf Unsplash.

Ich kann alles schaffen. Manchmal muss ich allerdings erst pathetisch sein.

Schon eine Weile wusste ich, dass eines von drei Bremslichtern an unserem Auto den Geist aufgegeben hatte. Und ich konnte mich nicht so recht überwinden, das Leuchtmittel auszuwechseln. Ehrlich gesagt – ich gebe dem Autohersteller die Schuld. Wir haben den Wagen nämlich schon seit mehr als zwölf Jahren, und hintenrum war noch nie ein Licht kaputt. Frontscheinwerfer, da habe ich schon eine Menge Leuchtmittel ausgetauscht. Hinten? Alles paletti. Seh ich ja nie!

Neulich wollte ich mich dann aufraffen. Und bat den Mann, erst einmal genau zu bestimmen, welches der Bremslichter defekt sei, denn ich kann ja schlecht bremsen und zum Gucken aussteigen.

Seine etwas bedröppelte Antwort: „Die unteren sind beide defekt, da leuchtet nix.“

Ja, Mist. Wird also wirklich Zeit. Denn WENN ich einmal bremse, soll die Welt das auch mitbekommen. Sonst knautscht das so unschön.

Gut. Ich also erst einmal umständlich die passenden Leuchtmittel herausgesucht und bestellt. Die kamen nicht. Oder sie kamen dann doch, lagen aber vor der Kellertür, wo ich nie hingucke. Zum Glück lagen sie wenigstens trocken und waren auch noch nicht geklaut, als ich sie am Sonntag Abend dann doch fand, eher so aus Zufall.

Dann – wie komm ich wohl an die Bremslichter ran? Geguckt, keine Klappe oder so gefunden. Das Internet konsultiert: Ah, da sind Schrauben, die schraubt man auf. Werkzeug brauch ich also auch. Zum Glück habe ich direkt mehrere Werkzeugkoffer, die ich regelmäßig verlege.

Gestern war es dann endlich so weit. Morgens auf dem Weg zur Arbeit Werkzeugkoffer und Leuchtmittel eingesteckt und im Kofferraum verstaut, damit ich das nach der Arbeit im Hellen direkt erledigen kann. Wenn ich nämlich zwischendurch erst hochgehe, dann sind da die Katzen und das Sofa, das wird kompliziert.

Zuhause auf dem Parkplatz nachmittags noch in Büro-Klamotten (nicht nach oben gehen, du erinnerst dich) – Stiefel, langer Rock, selbstgehäkelte Bandana auf dem Kopf – also das Werkzeug ausgepackt und die Schrauben rausgedreht. Aber die Scheinwerfer wollten sich nicht direkt bewegen. Ich also geflucht und probiert und gedrückt und geschoben und mehr geflucht. Die Nachbarn kennen jetzt ein paar neue Ausdrücke! Mit ein wenig Hebelwirkung kamen die Teile schlussendlich wirklich los, und der Rest ging genau so einfach wie bei den Frontscheinwerfern – Fassung aufdrehen, Leuchtmittel rauspulen, neues Leuchtmittel reinfriemeln und den ganzen Käse in rückwärts.

Bei der Gelegenheit habe ich auch direkt die eine Kennzeichenleuchte neu bestückt, die war nämlich auch ausgefallen. Nach zwölf Jahren schon, kannst du dir das vorstellen??? Das ging ganz einfach mit so Klemmfix-Laschen-Dingsies, dafür war das Leuchtmittel winzig.

Anschließend war mir das Drama ein wenig peinlich. Man gebe mir einen Schraubendreher und eine ausreichende Menge Kraftausdrücke, dann bin ich unaufhaltbar! Muss nur erst fertigjammern.

Noch eine Ankündigung: Sinnflut in Ingelheim/Rhein am 07.02.2026

Das neue Jahr lässt sich doch nicht ganz so entspannt an, wie ich eigentlich geplant hatte. Auftritt Projekt Sinnflut in Wasems Kulturscheune: Lesungen aus „Aqua Obscura“ (mit moi!), Musik und Live-Painting, außerdem gibt es Wein und Snacks – ich finde, das klingt nach Riesenspaß!

Buchcover "Aqua Obscura - In der Tiefe lauert die Dunkelheit - Carpathia Verlag". Den Hintergrund bildet ein unheimlicher Meeresboden mit Quallen, Luftblasen, Korallen und einem antiken Steuerrad. Von oben fällt ein Lichtstrahl ins Wasser.

Wer die „Aqua Obscura“-Anthologie in den Händen gehalten hat, weiß, dass das ein ganz besonderes kleines Kunstwerk ist – die Illustrationen! Die Geschichten! Der Glitzer auf dem Cover! Am 07.02.2026 lesen die Herausgeber*innen aus der Anthologie, und ich darf auch etwas beisteuern … meinen „Rheinpirat“ natürlich.

Wusstet ihr, dass ich zu jeder lustigen Idee erst einmal „ja“ sage? Das ist der Beweis. Ich bin schon total gespannt, wie das so wird und wen ich da alles treffe.

(Erinnert mich daran, noch schnell eine Geschichte für die zweite Anthologie einzureichen – diesmal geht es um Feuer.)

Ankündigung: Lesung in Aachen am 01.03.2026

Den Hintergrund bildet ein dunkles, gemütliches, altmodisches Zimmer mit zwei Sesseln, einem Kamin, einer Lampe, Büchern und Kleinkram. An der Wand hängt ein stilisierter Oktopus. Im Vordergrund sieht man von oben links nach unten rechts drei Buchcover: "Zuflucht in Schattenfall" (Diandra Linnemann - Winterfarben, Magiefunken, eine Frau, ein Drache, eine Katze, Berge), "Der Auftrag der Zauberer (Manuel Otto Bendrin - Flammen vor einem buchartigen Rahmen, aus dem eine Figur herausschwebt), "Der Glückskrämer und die Suche nach dem Unglück" (Susann Loevenich - eine verspielt und gleichzeitig mysteriös wirkende Ladenfront mit einem goldenen Schwein vor dem Schaufenster). Beschriftung: "Fantasy Leseabend in der Grotesque Absinth-Bar Aachen".
(c) Manuel Otto Bendrin

Die Details: Die regionalen AutorInnen Susann Loevenich, Manuel Otto Bendrin und Diandra Linnemann laden zu einem gemütlichen Fantasy-Leseabend im 20er Jahre Ambiente der Grotesque Absinth-Bar Aachen ein.

Hört Auszüge aus den Romanen
„Der Glücksrämer und die Suche nach dem Unglück“ (Modernes Märchen / Cozy Fantasy) von Susann Loevenich, in der Glück eine käufliche Ware ist – wobei der Unterschied zwischen Glück und Unglück am Ende doch reine Definitionssache ist.
„Der Auftrag der Zauberer“ (Sword&Sorcery) von Manuel Otto Bendrin, in der die Protagonisten auf dem Weg der Weltrettung zuerst sich selbst aus dem Lügennetz ihrer Kindheit befreien müssen.
„Zuflucht in Schattenfall“ (Cozy Fantasy) von Diandra Linnemann, in der Rosalind auf der Flucht vor ihrem Schicksal diesem erst in die Hände zu laufen scheint.

Für Bewirtung sorgt das freundliche Personal der Grotesque-Absinthbar.

Wann: So, 01.03.2026, 18:00 Uhr bis 20:00 Uhr; Einlass: ab 17:00 Uhr

Wo: Grotesque Absinth-Bar, Rennbahn 1, Aachen

Tickets kosten 10,00 Euro und können hier erworben werden: EVENTFROG-LINK.

Ich war noch nie in dieser Bar – hmm, ich war noch nie in Aachen, fällt mir dazu ein – und bin sehr gespannt, wie dieser Abend sich gestaltet. Falls du in der Nähe bist, komm vorbei und sag hallo!

Vorschlag für 2026: Lerne Smalltalk!

Das höre ich immer wieder von Leuten, mit denen ich mich unterhalte: „Ich hasse Smalltalk!“ Entweder er ist zu schwierig oder überflüssig oder man weiß einfach nie, worüber man reden soll, und sollten wir uns nicht alle grundsätzlich viel tiefsinner unterhalten?

Erstens: Ja, Smalltalk IST schwierig. Aber für überflüssig halte ich ihn nicht. Denn eigentlich geht es beim Smalltalk darum, eine Unterhaltung zu führen, die für keine der beteiligten Parteien unangenehm ist. Man verwendet ihn, um soziale Nähe und eine Verbindung herzustellen – oft in Vorbereitung auf größere, „wichtige“ Gespräche. Dazu gehört etwa die Frage nach der Anfahrt beim Vorstellungsgespräch.

Zweitens: Smalltalk kann man tatsächlich lernen. Natürlich kann man ganz klein beim Wetter anfangen, das ist gar nicht wild. Oder man überlegt sich eine ergebnisoffene Frage, deren Antwort keine große Konsequenz hat, um Leute in ein Gespräch einzubeziehen.

Natürlich ist beim Smalltalk die Antwort genau so wichtig wie die Eröffnung – auch die Antwort sollte niemanden verstimmen. Wenn jemand das Wetter kommentiert, ist die Antwort: „Ja, Regen ist kacke, aber nicht einmal im Gewitter würde ich mit so einem hässlichen Hut, wie Sie ihn tragen, auf die Straße gehen!“ … nicht besonders diplomatisch.

Smalltalk ist das Äquivalent zum Beschnuppern bei Hunden, da pinkelt man einander üblicherweise auch nicht direkt auf die Nase.

Für den Anfang kann man sich drei oder sieben unverfängliche Fragen zurechtlegen, auf die die meisten Personen eine Antwort parat haben könnten, etwa:

  • Was war Ihr absurdestes Erlebnis im Supermarkt?
  • Wenn Sie jetzt den Koffer packen und verreisen MÜSSTEN, wohin würde die Reise gehen?
  • Womit würden Sie in einer Notsituation einen sterilen Tupfer ersetzen? (Gestern erst so verwendet. Ich bin schamlos.)

Komplimente sind auch ein guter Einstieg. Als Faustregel: Am besten etwas kommentieren, bei dem man erkennt, dass die andere Person sich damit große Mühe gegeben hat (Outfit, Frisur, Balkondekoration, …) oder eine Errungenschaft (neues Buch, Besteigung des Mount Everest, perfektes Einparken in die kleinste Lücke der Welt).

Oder man geht, das ist für Fortgeschrittene, auf die aktuelle Situation ein – von mir aus mit Bemerkungen wie: „Beim Smalltalk stelle ich mich immer ungeschickt an und sage ewas total Peinliches. Geht es Ihnen auch so?“ Und von da aus improvisiert man eben. Übrigens bin ich wirklich ungeschickt und sage beim Smalltalk oft etwas Peinliches. Aber das ist nicht schlimm, damit nehme ich direkt die erste Hürde und mache den anderen das Gespräch einfacher. Und oft ergeben sich aus harmlsoen oder absurden Einstiegen die interessantesten Gespräche, wenn man sich am Gegenüber kalibriert hat.

Wie stehst du zu Smalltalk? Yay, nay, hey?