Unsere lokale Tageszeitung ist eigentlich ganz okay. Natürlich kann man immer was kritisieren, doch wer ist schon perfekt? Und im Rahmen der externen Qualitätskontrolle schreibe ich – ja, ich bin in dem Alter – gelegentlich eine Mail. So wie die hier:
Liebes Zeitungs-Team,
ja, alles ist schwer und niemand hat mehr Zeit für nix. Dennoch frage ich mich, ob man tatsächlich einen Artikel über das 100jährige Bestehen von Bad Godesberg mit KI-generierten Bildern illustrieren muss. Gab es damals keine Fotos? War es im Archiv zu heiß? Oder ist nur jemand der Versuchung erlegen, schnell „etwas für nix“ zu kriegen?
Am besten lassen wir als nächstes auch die Artikel generieren. Einfach ein paar Schlagworte zu den Fakten eingeben, den Rest erledigt die KI. Ach was, wozu überhaupt noch Schlagworte? Bestimmt können ChatGPT, Claude und wie sie alle heißen uns glaubwürdig darstellen, was in der Region rein theoretisch hätte passieren können. Dann sparen wir Journalisten, Redakteure, Lektoren und was man sonst noch alles brauchen könnte. Die Fotos werden auch direkt generiert anstatt tatsächlich aufgenommen – nie wieder verwackelte Staatsoberhäupter! Und wen stört es schon, wenn wegen der fehlerbehafteten Halluzinationen der Milliardärsmaschinen in weit entfernten Orten das Wasser knapp wird? Hauptsache, man kann uns keine Technikfeindlichkeit vorwerfen.
Podcasts kriegen KIs übrigens auch schon viel besser hin als Menschen. Von der „Recherche“ über das Skript bis hin zur garantiert menschlich klingenden Stimme, die wir uns dann auch nicht mehr selbst anhören müssen, denn eine andere KI fasst uns fix zusammen, was wir hätten wissen müssen, wenn es denn wahr wäre.
Eigentlich bin ich zu müde, diese Mail zu schreiben. Sie wissen schon, die Hitze! Ob da nicht die KI eben schnell … ? Nein, mein Gemecker kommt noch nicht vom Band. Ich wünsche Ihnen alles Gute und viel Erfolg bei der journalistischen Arbeit, ehe die KI uns alle überflüssig macht.
Mit freundlichem Gruß
Diandra Linnemann
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