Man könnte meinen, ich sei ein Geheimtipp

So schlecht bin ich nämlich darin, euch zu sagen, wann es etwas Neues gibt. Wie etwa die Paradiesische Lesenacht am Freitag in der Therme in Euskirchen, bei der ich neben einigen anderen bekannten und wirklich guten Autor*innen lesen darf. Ich bringe „Willkommen in Schattenfall“ und „Andrea die Lüsterne und die lustigen Tentakel des Todes“ mit, es wird also direkt doppelt lustig.

(Vorbereitet habe ich noch nichts! Deadline-orientiertes Last-Minute-Arbeiten! Yippieh!)

Unter Erscheinungen versuche ich übrigens, einen ungefähren Überblick darüber zu geben, wann ich offiziell wo bin. Das sind nicht viele Termine, üblicherweise, aber vielleicht begegnet man einander dann ja.

Ach, Marketing ist schwer. Einerseits möchte ich, dass alle Welt meine Bücher liest, andererseits möchte ich am liebsten nie darüber sprechen, das macht mich nervös. Aber Gerüchten zufolge funktioniert das so nicht. Also: Ich übe Sprechen, und ihr könnt ja Lesen üben. Oder allen Leuten, die ihr kennt, von meinen Büchern erzählen. Dann muss ich das nicht tun. Ja? Nee? Kein Stress!

„Jeder hat nur 24 Stunden, du musst Prioritäten setzen!“

Wisst ihr, wie sehr ich diese Aussage hasse?

Gerade heute bin ich da wieder irgendwo drüber gestolpert, als sich in SoMe eine Person beklagte, dass sie mit Job/Haushalt/Sport/Sozialleben überfordert sei. Und in den Kommentaren tummelten sich Dutzende(!) Leute, die ungefragt und ohne Kenntnis der Situation erklärten, die Person müsse ja nur ihr Leben besser strukturieren und dann „einfach machen“.

Joah, Frittenhorst, so einfach ist das nicht.

Völlig überraschend haben Leute nämlich unterschiedliche Mengen an Energie und Resilienz, um mit den Anforderungen des Alltags umzugehen. Manche könnten an einem Donnerstag Abend nach Vollzeitjob und Ehrenamt noch clubben gehen. Andere Leute fragen sich Dienstag Morgen schon, wie sie das ganze Elend noch vier weitere Tage durchhalten sollen.

Wahrscheinlich hab ich das schon einmal erwähnt: Ich leide an Schilddrüsenunterfunktion. Die ist nicht besonders schlimm und gut eingestellt – inzwischen. Als ich nämlich noch als Schülerin mit den entsprechenden Symptomen zu unserem Hausarzt gingen, hatten wir leider einen eher schlechten. „Ja, die Werte sind zu hoch, aber ich möchte ihr noch keine Tabletten verschreiben. Da gewöhnt sich der Körper nur dran und dann muss sie die immer nehmen.“

Angeblich hatte der Medizin studiert. Aber weißte was, du Rezeptblockverweigerer? Schilddrüsenunterfunktion geht nicht einfach weg. Der Körper lernt nicht, das zu kompensieren.

Damals wusste ich das noch nicht, und auch meine Eltern vertrauten dem Fachmann. Ich ging also in die weite Welt hinaus, begann ein Studium und wunderte mich immer, dass alles, was meine Freund*innen machten, so mühelos aussah. Unser Studium bestand aus im Schnitt 36 Kursstunden mit Anwesenheitspflicht pro Semester, plus Vor -und Nachbereitung. Nebenbei sollte man eigentlich auch noch arbeiten und ein Leben haben, aber das war für mich nicht drin. Zum Glück hatte ich Bafög und ein günstiges Studierendenwohnheimszimmer!

Ich war felsenfest davon überzeugt, eigentlich sei ich ja nur faul. Alle anderen schafften das schließlich auch! Ich war erst Anfang zwanzig, da sollte man nicht so müde sein! Also entwickelte ich eine unglaubliche Selbstdisziplin, um alles, was gemacht werden musste, auch wirklich zu schaffen – keine Abgabefristen zu versäumen, keine Klausuren zu verhauen, alle Vorträge ordentlich vorzubereiten. Ich war Expertin darin, mich selbst durch die Woche zu schleifen, und brauchte das ganze Wochenende, um mich zu erholen.

Gegen Ende des Studiums geriet ich dann an einen Arzt, der mir ohne weitere Bedenken Schilddrüsenhormone verschrieb. Und innerhalb weniger Wochen entwickelte ich mich zu Wonderwoman – oder es fühlte sich wenigstens so an. Plötzlich hatte ich soviel Energie wie ein ganz normaler gesunder Mensch!

Die Selbstdisziplin ist geblieben. Das ist der Grund, warum ich heute vergleichsweise viel im Alltag schaffe: Bürojob, Schreiben, Sport, ein wenig Haushalt (nicht besonders gut, reine Zeitverschwendung) und eine Art Sozialleben. Außerdem bringe ich mich ehrenamtlich ein, wenn mich ein Anliegen interessiert, und bin in mehreren Verbänden aktiv. Nur das mit dem Clubben hab ich mir geschenkt, zu viele Leute auf einen Haufen. Ich steh morgens auf und mache dann Dinge, bis ich Abends umfalle. Gewohnheitssache.

Und es wäre jetzt leicht, mir mit 15 oder so Jahren Abstand einzureden, es sei ja gar nicht so schlimm gewesen und ich hätte gar nicht so viel kriechen und kämpfen müssen. Glücklicherweise hatte ich im Winter einen Reminder. Ein Nahrungsergänzungsmittel, dass ich auf Empfehlung einer Fachperson nehmen sollte, machte nämlich meine künstlichen Schilddrüsenhormone wirkungslos. Und ich natürlich wieder – denk mir nichts dabei. Du bist müde und deine Haare fallen aus? Ist ja auch Winter. Und du bist nicht mehr die Jüngste. Bis ich dann doch mal ein wenig recherchierte. Nahrungsergänzungsmittel auf den Abend verlegt, und schon ging es mir wieder wonderwomanös.

Hätte jemand meinem 20jährigen Ich gesagt: „Du musst nur organisieren und priorisieren“, hätte ich mir gewünscht, die Energie zu haben, diese Person zu erwürgen. Den meisten Leuten mit chronischen Einschränkungen oder einfach nur weniger Resilienz geht es in diesen Situationen wahrscheinlich ähnlich.

Darum an dieser Stelle stellvertretend für alle und mein früheres Ich: Fick dich, Frittenhorst. Du hast ja keine Ahnung.

Organisatorisches: Erscheinungen

Ja, ich bin schlecht in Werbung. Ankündigungen, Termine, Neuigkeiten – wenn ich sie weiß, glaubt mein Gehirn du wüsstest das alles automatisch auch. Was kann ich sagen? Mein Gehirn ist nicht so schlau.

Damit du eine Chance hast, auch wirklich zu wissen, was ich weiß, habe ich eine kleine Neuerung auf die Seite gebaut. Hier kannst du aktuell sehen, wo ich in nächster Zeit offiziell in Erscheinung trete. Das gibt dir die Chance, mich zu treffen oder zu vermeiden, ganz nach Wunsch. (Außerdem kann ich da selbst auch nachschlagen, denn ich merk mir doch nix.)

Der nächste Termin ist übrigens schon nächste Woche Samstag, da darf ich auf der Lennie Con in Hohenlimburg zu Gast sein. Ich bin schon ganz aufgeregt!

Nicht tot!

Genialer Schachzug von mir, oder? Erst groß ankündigen, dass ich in eine unheimliche Waldhütte fahre, und dann vom Erdboden verschwinden. War natürlich keine Absicht – und ich will euch auch noch unbedingt von meinem Urlaub erzählen, nur muss ich vorher die geschätzt 700 Bilder sortieren und alles dramatisch kürzen, damit sich niemand langweilt. Aber seid versichert: Der Urlaub war toll, so etwas werde ich unbedingt wiederholen und ich bin auch echt, wirklich, ganz sicher nicht tot.

Natürlich arbeite ich seitdem daran, im privaten und beruflichen Umfeld lauter Schiet aufzuholen. Lässt sich leider nicht vermeiden. Aber ich bin supermotiviert, einige Projekte voranzubringen, und freue mich aktuell sehr darauf, mich Hals über Kopf in den nächsten „Schattenfall“-Band zu stürzen und alle mal so richtig in Schwierigkeiten zu bringen.

Auch dazu demnächst mehr. Erst einmal Chaos beseitigen, dann neues Chaos anrichten.

Er versteht mich einfach nicht

Ich: „Ich habe eine Hütte im Wald gemietet, mitten im Nichts, ohne Internet und Fernseher.“

Er: „Dann nimm wenigstens ein LAN-Kabel mit.“

Ich: „Es. Gibt. Dort. Kein. Internet.“

Er: „Auch nicht im Haupthaus? Dann müssen wir dir Dokus auf den Kindle laden.“

Ich: „Ich nehme den Kindle nicht mit.“

Er: „Aber wie willst du dann fernsehen, ohne Fernseher?“

Ich: „Das ist genau so gewollt.“

Er: „Und was machst du dann die ganze Zeit?“

Und dann weiß ich auch nicht. Was könnte eine häkelnde, lesebegeisterte Autorin, die gern wandern geht, nur ohne Internet und Fernseher mit ihrer Freizeit anstellen? Hast du irgendwelche Vorschläge? ^^

Also, diese Jugend, näch? Echt wahr!

Die Beschwerde ist so alt wie die Welt, nehme ich an. Vor 2.500 Jahren bereits beschwerten sich Leute über die jungen Leute, die glauben, dass sie alles wissen, und sich so respektlos benehmen. Und eine Bekannte erzählte das neulich auch. „Im Bus machen die auch nie Platz für alte Leute, und überall spucken die hin!“

Das mit dem Spucken ist auch wirklich nicht so knorke.

Aber wenn ich mich mal in Ruhe umgucke, wisst ihr, welcher Teil der Gesellschaft wirklich unangenehm ist? Die Mittelalten. Die aus meiner Altersgruppe.

Junge Leute in den Bussen, mit denen ich fahre, bieten ihren Platz an. Die halten die Tür auf und tragen Taschen für die Nachbar*innen. Möglicherweise sehe ich auch nur immer die wirklich Wohlerzogenen, wer weiß? Zu Silvester beispielsweise war der Mann mit Feuerwerk etwas spät dran. (Ich mag kein Feuerwerk, er liebt es, also sag ich nicht viel.) Die meisten Leute hatten schon gelärmt, besonders beliebt waren diese garstigen Batterien – und davon stand noch ein halbes Dutzend brennend mitten auf der Straße. Keine Ahnung, wer die abgefeuert hat. Auf jeden Fall war ich kurz hochgelaufen, einen Eimer Wasser zu holen, da kamen dem Mann mehrere dunkel gekleidete junge Leute entgegen. Wünschten ihm ein frohes neues Jahr, halfen ihm beim Löschen und räumten auch die Glassplitter mehrerer Sektflaschen beiseite.

„Die waren voll nett und zivilisiert und so!“ Das ist allerdings auch kein Wunder. Die sind noch frisch erzogen und voller Ideale und so.

Wir hingegen – also, ich bin über vierzig – also wenn du ein paar Jahre durch die Gegend gegangen bist, sind die Chancen gut, dass du jede Woche (metaphorisch gesprochen) einmal vom Leben auf die Fresse bekommen hast. Irgendwas hat nicht geklappt, wie es sollte. Irgendwer war grundlos scheiße zu dir. Das Finanzamt schreibt einen bösen Brief und auf dem Supermarktparkplatz hat dein Auto plötzlich eine neue Delle, aber keine Nachricht vom Dellenverursacher.

So etwas nutzt einen ab. Wie emotionales Schmirgelpapier. Und irgendwann steht man dann da und denkt sich: „Näää, wenn alle kacke zu mir sind, dann bin ich auch kacke zu allen anderen. Da sehter mal, wasse davon habt!“ Sind schließlich noch 25 Jahre bis zur Rente, die Karriere liegt flach auf dem Bauch und röchelt und entgegen aller Pläne aus jungen Jahren sind wir weder reich noch berühmt.

Ehrlich, ich versteh das total. Es braucht konstante harte Anstrengung, angesichts des Alltags – des Lebens, quasi – weich und mitfühlend und optimistisch zu bleiben. Sich immer wieder anzustrengen und zu überlegen, wie man das Leben für alle etwas besser machen kann. Wie sich die anderen Personen im Raum gerade fühlen. Ob einem echt ein Zacken aus der Krone bricht, wenn man die leere Klopapierrolle im Büro wechselt. (Was die anderen natürlich nie tun, leben die alle auf Bäumen und halten den Hintern zum Trocknen in die Höhe?)

Während wir an Silvester noch feuerwerkten, kamen also aus dem Nachbarhaus zwei Leute etwa in unserem Alter und fingen an zu möpern. Kein „Frohes Neues!“ zur Begrüßung, kein „Entschuldigen Sie bitte“, sondern: „Hörnsema, wie lang soll das noch gehen? Wir wollen schließlich schlafen!“ Und ja, ich versteh das, aber a) es ist einmal im Jahr und b) wir waren definitiv noch im gesetzlich vorgegebenen Rahmen. Wir haben ihnen freundlich erklärt, dass wir in wenigen Minuten durch sind.

„Ja, und nehmense gefälligst Ihren Dreck wieder mit!“

– „Natürlich nehmen wir das wieder mit, das machen wir jedes Jahr.“

(Ich bin ein fucking ray of sunshine. Der Mann weiß das und lässt mich in solchen Situationen machen.)

Nach wenigen Minuten haben die Leute sich dann auch beruhigt und sind wieder abgezogen, wir waren kurz darauf fertig, haben unseren Kram eingepackt und sind reingegangen. Und ich will gar nicht darüber meckern, dass die sich gestört gefühlt haben. Mir geht Feuerwerk auch auf den Sack, aber einmal im Jahr darf man halt und der Mann freut sich wie ein kleines Kind. Der Ton andererseits war nicht okay. Was für ein Leben haben die, wenn das offenbar der Standardton für eine Begegnung mit fremden Leuten ist? Ah well.

Also, meine Theorie: Die wirklich respektlosen, gesellschaftsstörenden Leute sind die mit den paar Jahren auf dem Buckel und noch mehr Jahren bis Feierabend. Die von ihrem Alltag deformierten, demotivierten Frustrierten. Die sich nicht jeden Morgen wieder aufraffen und die Macht, die der Kaffee ihnen verleiht, fürs Gute einsetzen können. Die einen Schuldigen für ihre Misere suchen.

Die jungen Leute, die ich kenne, die sind dufte. Aber keine Angst, das wächst sich aus.

„Endlich deutsche Urban Fantasy!!!“

In einem verlassenen Raum steht ein einsamer Holstuhl neben einem abgetragenen Paar Stiefeln. Von schräg rechts fällt Sonnenlicht in den Raum. Der Boden ist schmutzig, eine Kette liegt herum. Der Raum wirkt verlassen. Möglicherweise handelt es sich um einen Dachboden.
Foto von Nathan Wright, gefunden auf Unsplash.

„Endlich deutsche Urban Fantasy!“ Das sagte neulich eine Bekannte zu mir. Sie war völlig aus dem Häuschen und begeistert – von „Kohlrabenschwarz“, einigen hier vielleicht ein Begriff. Falls nicht: Hörspiel von u. a. Tommy Krappweis, seit 2020 bei Audible als Hörspiel und für eine Zeit auch bei Paramount als Serie.

Ja, endlich deutsche Urban Fantasy. Hat es bis jetzt ja noch gar nicht gegeben. Also, bis auf „Magie hinter den sieben Bergen“ (seit 2013) oder „Alchemy & Blood“ von Sabine Osman oder die „Astoria Files“ von Brida Anderson oder die Bücher von Isa Theobald oder … ihr versteht, worauf ich hinaus will. Und ich bin wenig neidisch, aber in solchen Momenten fällt es schwer, sich dann nur über den Erfolg anderer Schreibender zu freuen, anstatt die Bekannte zu packen und zu schütteln und ihr ins Ohr zu brüllen: „Ich schreibe seit über zehn Jahren Urban Fantasy und erzähl dir da auch andauernd von!“

Kann in diesem konkreten Fall echt nicht daran liegen, dass sie von den Sachen nix wusste.

Was meinte sie also?

Erfolgreiche Urban Fantasy?

Gute Urban Fantasy?

Urban Fantasy mit dem medienpolitischen „Gütesiegel“?

Ich weiß nicht, wie das bei anderen Schreibenden ist. Ich bin chronisch unsicher, was meine Geschichten angeht. Eigentlich ist das ja keine Literatur, um damit einmal anzufangen. Das sind nur so Geschichten halt, zum Unterhalten. Und ich bin nicht so gut in Sachen Buchsatz, oder Cover, oder Marketing. Ehrlich? Ich mach das überhaupt nicht richtig, und bei all den Ideen, die ich gleichzeitig verfolge, hab ich auch gar keinen echten Plan. Und in so einem Moment, wenn mir dann jemand vorschwärmt, jetzt gebe es ja „endlich deutsche Urban Fantasy“, denk ich mir: Joah.

Eigentlich könnt ich es ja auch sein lassen.

(Spoiler: Kann ich natürlich nicht.)

Genug gejammert, zurück ans Werk. Bis Ende des Jahres möchte ich euch Schattenfall 2 präsentieren, komplett mit Hexe, Katze und Götterstatue. In meinem Kopf ergibt das alles Sinn. Ist dann halt wieder keine Literatur. Ich erzähl euch nur ein wenig was. Wird magisch!

Niemand hat vor, sich aus dieser Breduoille herauszukonsumieren

Großaufnahme von vier nebeneinander stehenden, gefüllten Einkaufstüten aus Papier. Aus zweien ragen oben pastellfarbene Seidenpapiere heraus.
Foto von Denisse Leon, gefunden auf Unsplash.

Sind wir uns alle einig, dass wir eine kleine Umwelt- und Klimakrise haben? Gut, dann muss ich mir da den Mund nicht fusselig reden. Und ich gehe hart davon aus, wir wollen das auch alle irgendwie wieder besser machen, nicht wahr? Auch gut.

Aber wie? Die Umwelt schützen, das klingt ehrenhaft und nicht besonders spaßig. Gut, einige Dinge sind inzwischen schon zur zweiten Natur geworden. Wir trennen Müll und bringen leere Glasflaschen zum Container. An den Einwegpfand haben wir uns auch gewöhnt. Inzwischen sind sogar die Deckel fest an den Flaschen, damit die auch um Himmels Willen bitte unbedingt mitrecyclet werden.

(Für wen das eine Veränderung darstellt – was habt ihr vorher mit den Deckeln gemacht? Werden die irgendwann als Währung relevant?)

(Der Mann reißt die Deckel übrigens von den Flaschen ab, weil er es nervig findet, wenn die da so dran rumbammeln. Wenn die Flasche leer ist, schraubt er sie dennoch wieder drauf. Ein vobildliches Vorbild.)

Andere Dinge sind möglicherweise etwas schwieriger. Weniger (oder gar keine) Tierprodukte mehr konsumieren, das Auto öfter mal stehenlassen und stattdessen das Fahrrad oder den Nahverkehr verwenden, nicht für jedes lange Wochenende nach Malle fliegen und überhaupt essen wir wahrscheinlich alle zu viele Avocados.

Und dann sind da all diese Dinge, die man KAUFEN kann, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Armbänder, mit denen Schildkröten geschützt werden. Schuhe aus alten Autoreifen. Taschen aus alten Schuhen. Die ultimative Bambuszahnbürste, jetzt auch elektrisch (oder mit dressierter Hummel im Griff).

Leute, ich habe eine schlechte Nachricht: Wir können uns aus dieser Jauchegrube, in die wir uns hineingekauft haben, nicht wieder hinauskonsumieren. Oder wenn, dann nur auf eine Weise: Indem wir WENIGER kaufen und Dinge länger verwenden. Anstatt auf hippe Glasdosen fürs Mittagessen umzustellen, verwende ich einige meiner Pseudotüpperchen (aus dem guten alten Plastik) schon seit fünfzehn Jahren – und ich ersetze die auch wirklich erst, wenn sie kaputt sind. Ähnliches gilt für Kleidungsstücke (auftragen oder weiterverkaufen), Elektrogeräte (gestern habe ich ein zehn Jahre altes Handy wieder in Betrieb genommen), Möbel und eigentlich so ziemlich alles. Viele Dinge kann man reparieren, anstatt sie direkt zu ersetzen, auch wenn die Reparatur nicht viel günstiger ist als ein neues Gerät. Manche Sachen kann man selbst flicken oder langlebigen Ersatz für normalerweise gekaufte Einwegartikel wie Spültücher herstellen. Ja, auf dem letzten BuCon habe ich hinterm Stand drei Spültücher aus Baumwollgarn gehäkelt, die seitdem zuhause regelmäßig verwendet werden. (Ab und zu spül ich tatsächlich von Hand!) Und natürlich gibt es die Möglichkeit, sich Dinge zu leihen, entweder professionell oder von Freunden. Die Tage im Jahr, an denen ich eine Kreissäge brauche, beispielsweise, sind irgendwo im Bereich von 0 bis 1, die würde ich nicht direkt selbst kaufen.

Und erst, wenn man etwas wirklich neu kaufen muss, wird es spannend, wie etwas hergestellt wurde – langlebig? Aus umweltfreundlichen Materialien? Möglichst lokal? Unter ethischen Arbeitsbedingungen? Übrigens gibt es dabei auch viel Betuppung, wie man landläufig sagt. Gerade Bambus war ja eine Weile groß in Mode, für alles von der Socke bis zum Mehrweggeschirr. Wie viel davon letzten Endes Bambus ist, wie der gewachsen ist und ob nicht doch möglicherweise die Hälfte von dem Material Kunststoff und Füllmaterial ist, darüber hüllen sich Firmen oft in Schweigen.

Irgendwer hat mir übrigens mal – und ich bin sicher, darüber habe ich schon mehrfach öffentlich geschimpft, weil das einfach zu strunzig war – vorgerechnet, dass man eine Baumwoll-Einkaufstasche mehrere hundert Male verwenden müsse, ehe sie umweltfreundlicher sei als eine Einweg-Plastiktüte, und bis dahin sei die ja schon voll eklig. Für diese Person (und alle anderen, die eventuell verunsichert sind) habe ich eine tolle Nachricht: BAUMWOLLTÜTEN KANN MAN WASCHEN!!! Und auch von diesen Exemplaren habe ich einige seit mehr als zehn Jahren in Verwendung. Das soll mir jemand mit einer Plastiktüte erst einmal nachmachen!

Kommen wir zu den Dingen, die wir gerne HÄTTEN, aber nicht BRAUCHEN. Ja, die gibt es auch, und niemand soll in Sack und Asche gehen, weil sonst irgendwo ein Vögelchen weint. Es ist okay, es sich im Leben ein wenig schön zu machen – mit Büchern, Dekoartikeln und Schmuck, einer hübschen Handtasche oder mehr Tassen, als man gleichzeitig benutzen kann. Allerdings sehe ich manchmal, wie das auch in bester Absicht dann wieder ausartet und man beispielsweise bei der Buchbestellung eimerweise Flyer, Gummibärchen, in Sondereditionen Kerzen und Kram mitbekommt, der wahlweise Staub fängt oder Platz im nächsten Altpapier wegnimmt. Und da würde ich dann wieder gerne zu etwas mehr Zurückhaltung mahnen. Goodies sind toll, ich hab auch immer mal wieder welche (Gänsepins, anyone?), aber die Menge sollte begrenzt sein und man sollte Goodies auf jeden Fall verwenden können, anstatt sie nur einmal durchzugucken und dann irgendwo abzulegen, bis man sie doch wegwirft. Deswegen habe ich so gern Postkarten bei meinen Büchern, denn die verschicke ich auch regelmäßig.

Damit wäre ich, denke ich, auch schon am Ende meiner moralisch nicht eindeutigen Position zu Sachen Klima, Umwelt und Konsum. Und denkt bitte dran: Keine Enten schubsen!

Faule Schreiber*innen

Hab ich darüber schon einmal geschimpft? Keine Ahnung, wird offenbar mal wieder Zeit.

Für jedes Genre gibt es bekanntermaßen „Tropes“. Das sind Erzählmuster und Konventionen, die sehr häufig vorkommen oder sogar vorausgesetzt werden.

Und dann gibt es Erzählfiguren, die sind nur faul. Eine befreundete Autorin hat darüber geschimpft, dass in historischen Medien Bösewichte oft darüber charakterisiert werden, dass sie Frauen schlecht oder abwertend behandeln oder ihnen gegenüber sogar (sexuell) übergriffig sind. Und sie hat völlig Recht. Für viele schreibende Personen scheint das so eine Art Abkürzung zu sein: „Die Figur ist gemein zu Frauen, da ist sofort klar, dass sie böse ist.“ Und ehrlich gesagt … ich finde das einfallslos.

Zum einen erleben fast alle Frauen regelmäßig übergriffiges Verhalten. Wir wissen, wie das funktioniert. Und in den meisten Fällen funktioniert es definitiv nicht so, wie es geschrieben wird. Ergo haben die schreibenden Personen schlecht recherchiert.

Zum anderen: Dieses Pferd ist totgeritten. Genau so gut könnte man jede*n Schurken*in eben schnell einen Hundewelpen treten lassen, um zu zeigen, wie böse und gemein er*sie ist. Oder Gänseblümchen mit dem Flammenwerfer niedermetzeln.

(In dem Zusammenhang ein kleiner Exkurs: Es macht deinen „guten Kerl“ auch nicht automatisch zu einem guten Kerl, dass er Frauen wie Menschen behandelt. Das ist ja wohl das Mindeste, was wir erwarten können.)

Denk immer daran, die meisten Schurk*innen begreifen sich selbst ja nicht als böse – egal ob in fiktiven Konflikten oder in der realen Welt. Die wissen, dass es schlecht ist, Frauen schlecht zu behandeln. Sogar die RAF-Leute dachten, sie tun der Welt einen Gefallen und nehmen dafür einige notwendige kleinere Übel in Kauf. Und Leute, die wissen, dass sie etwas Schlechtes tun (wie Einbrecher oder Diebe) können abgesehen davon ganz hinreißende Menschen sein. Möglicherweise bringen sie sogar eine subjektiv gute Begründung für ihr schlechtes Handeln mit.

Umgekehrt wird übrigens auch ein Schuh draus: Es gibt Menschen, die sich für das Gute für die Allgemeinheit einsetzen und gleichzeitig toxische Charakterzüge haben. Niemand ist nur gut oder nur böse. Natürlich ist es schwierig, eine Protagonistin mit internalisierter Misogynie sympathisch zu machen (solche lege ich meistens direkt wieder weg) oder zu erklären, warum der Komissar jetzt seine Frau betrügen muss, aber … Menschen sind kompliziert. Auch (und gerade!) die in Geschichten. Sie stattdessen als Ausstechförmchen-Figuren zu erzählen, die man nicht mal mit Details glasiert hat, wird der Geschichte in den meisten Fällen nicht gerecht.

Neues Jahr, neue Bücher

Eine Wiese ist beinahe komplett mit herbstlichem Laub bedeckt, darauf liegen aufgeschlagene Bücher und bilden einen sich schlängelnden Weg. Die Lichtstimmung ist abendlich.
Foto von Laura Kapfer, gefunden auf Unsplash

Ein neues Jahr ist da, und damit ist Zeit, mir zu überlegen, was ich mit den kommenden zwölf Monaten anstellen will.

Zuerst einmal möchte ich den nächsten Band der „Schattenfall“-Serie veröffentlichen. Insgesamt sind vier Geschichten geplant. Im Moment kämpfe ich damit, dass der zweite Band düsterer werden will, als ich es für die Reihe geplant hatte, und ich die Pläne der Charaktere mit meinen eigenen in Einklang bringen muss. Lustigerweise weiß ich bei Band 2 den Plot und kämpfe mit der Stimmung, bei Band 3 kenne ich die Stimmung und habe noch keinen Plot und für Band 4 weiß ich nur, wie es enden soll. Üblicherweise ergeben sich die Details unterwegs und passen am Ende dann so wunderbar zusammen, als hätte ich das alles meisterlich geplant.

(Beispielsweise wusste ich bis fast zuletzt nicht, welche Rolle der Taubenmann in „Magie hinter den sieben Bergen“ spielen würde. Die Autorin wird offenbar immer zuletzt informiert.)

Außerdem muss ich mir überlegen, was ich mit zwei kompletten weiteren Manuskripten machen möchte, die hier liegen. Beide brauchen noch ordentlich Politur und möchten dann hinaus in die Welt, aber wie mache ich das am besten? Selfpublishing oder Verlagssuche? Für die Verlagssuche spricht, dass ich dann viel mehr Expertenunterstützung bei allem habe, womit ich mich nicht auskenne. Allerdings bin ich echt nicht die geduldigste Person der Welt. Als Selfpublisherin kann ich Dinge viel schneller machen, aber es kostet nun einmal Geld, gewisse Dienstleistungen einzukaufen, wenn ich sie nicht selbst lernen will, und seien wir ehrlich – die meisten SP-Autor*innen, die professionell investieren, sehen die paar tausend Euro pro Buch nicht wieder. Wenigstens haben wir so nie Geld für Drogen.

Das Hörbuchprojekt ist auch noch offen. Im Moment bin ich mit meiner Leistung auf hohem Niveau nicht zufrieden, was meist bedeutet, dass ich demnächst einen Lernsprung durchmachen werde. Wenigstens „Allerseelenkinder“ möchte ich wirklich endlich dieses Jahr fertigkriegen, aber auch das braucht seine Zeit. (Als Faustregel habe ich gelesen, dass man pro fertiger Stunde Hörbuch etwa zwei Stunden Material aufnimmt und vier Stunden schneidet. Nach meiner begrenzten Erfahrung könnte das durchaus stimmen.)

Dann möchte ich wieder mehr Kurzgeschichten schreiben. Letztes Jahr konnte ich Geschichten in zwei Projekten unterbringen und habe mich dabei daran erinnert, wieviel Spaß solche Projekte machen können.

Über ein anderes Projekt, das sich in der Schwebe befindet, sag ich an dieser Stelle lieber nichts. Wenn es funktioniert, wird es episch. Und lustig. Und bunt. Und arbeitsintensiv. Aber vor allem episch.

Hatte ich erwähnt, dass das verflixte Jahr nur zwölf Monate hat? Und dass mein Notebook aktuell Zeichen vorangeschrittenen Alters zeigt und DRINGEND ersetzt werden muss? Ich bin jetzt schon gestresst. ^^

Einige Dinge werde ich hingegen wahrscheinlich nicht machen. Dazu gehören etwa bunte Buchschnitte. Darüber, was gute Bücher für mich ausmacht, schreibe ich vielleicht demnächst einmal. Bunte Farbe gehört in den meisten Fällen nicht dazu.

Zum Ausgleich gibt es eine kleine Lesechallenge: Ich möchte alle 41 Scheibenwelt-Romane hintereinander lesen. Nein, mit halben Sachen geben wir uns gar nicht erst ab. Wo kämen wir denn da hin?

Welche (Lese-/Schreib-/Weltherrschafts-)Pläne hast du?