Angst vor großen Projekten? Nicht mit mir!

Auf einer gehäkelten Decke liegt ein schwarzweißer Kater und schaut aufmerksam nach links. Die Decke besteht aus mehrfahrbig-bunten Kreisen, die mit schwarzem Garn warbenartig verbunden sind. Die Farben reichen von cyanblau über grün, gelb, orange bis rot.
Kurt findet, die Decke steht ihm gut.

Manchmal unterhalte ich mich mit Leuten übers Schreiben, und die erzählen mir: „Ich würde ja so gerne einen Roman schreiben, aber das ist so ein riesiges Projekt! Das krieg ich ja nie fertig!“ Und zum einen verstehe ich das, zum anderen … du musst dir einfach kleinere Stücke abbeißen.

Seit einer Weile schon wollte ich mal eine Decke häkeln. Nur um zu gucken, ob ich das kann. Aber so eine Decke ist ja groß, und ich weiß, wie lange ich schon für die Schultertücher brauche. Bestimmt schaffe ich das nie, so ein großes Projekt!

Glücklicherweise hatte die Garnmanufaktur letztes Jahr das perfekte Set für mich – eine Anleitung mitsamt Garn für eine Temperaturdecke. Temperaturdecken (oder Schals, oder …) funktionieren immer nach dem gleichen Prinzip: Für jeden Tag wird ein Abschnitt gestrickt oder gehäkelt, und die Farbe sucht man nach dem Wetter des jeweiligen Tages aus. Dieses Projekt gefiel mir besonders, weil jede Kachel drei Informationen enthält: Wenn es an dem Tag geregnet hat, ist das Zentrum der Kachel schwarz. Die innere Farbe steht für die Mindesttemperatur, die äußere für die Höchsttemperatur – und verbunden wird alles wieder wabenartig mit schwarzem Garn. Und das Schöne – du hast es erraten – man macht jeden Tag nur eine Kachel. Das hat am Anfang bei mir etwa eine halbe Stunde gedauert, die letzte Kachel heute morgen habe ich in 15 Minuten gehäkelt.

(Meine Decke geht von einer Wintersonnenwende zur nächsten, mit schwarzen Kacheln für den Neumond und Kacheln mit silbernem Rand – mit Hilfe von Beilaufgarn – für Vollmondtage, deswegen ist sie heute morgen fertig geworden.)

Rein theoretisch musste ich mich also nur jeden Tag für etwa eine halbe Stunde hinsetzen und die Kachel für den Vortag machen. Klingt völlig realistisch, oder? Also habe ich das Set gekauft und mich drangesetzt. Und natürlich lief es NICHT immer so schön regelmäßig. Manchmal war ich Abends zu müde, um mit mehreren Farben zu häkeln. Manchmal hatte ich keine Zeit. Manchmal musste ein anderes Projekt fertig werden – oder ich war auf Reisen, da nimmt man lieber nur ein Knäuel mit statt einer Box voller Garn.

Karton mit mehreren kleinen Garnknäueln in unterschiedlichen Stadien des Verbrauchs. Von oben links (blau) bis unten rechts (rot-pink) insgesamt 13 Knäuel. Unten links in der Box außerdem zwei Spulen mit Beilaufgarn, eines davon silberfarben, eine Bastelschere und eine schlichte Häkelnadel. Schwarzer Faden ragt zwischen den anderen Knäueln hervor.
Die Reste vom Feste. Reicht wahrscheinlich für drei weitere Tücher.

Und zu guter Letzt – als es im Sommer so warm war, dass die Temperaturtabelle der Garnmanufaktur nicht mehr ausreichte, um das Wetter abzubilden, und ich kupferfarbenes Beilaufgarn für die beiden heißesten Tage hinzugenommen habe, hatte ich längere Zeit einfach keine Lust, dann auch noch schwitzend unter so einem halbfertigen Ding zu sitzen. Also habe ich mir nur fleißig Notizen zu Niederschlag und Temperatur gemacht (dieser Homepage sei Dank!) und mich, als es wieder kühler wurde, ans Werk gemacht, um wieder aufzuholen. War auch gar nicht schlimm, als ich zeitweise 40(!!) Kacheln zurück lag. Ich wusste allerdings, dass ich am 21.12. die letzte Kachel häkeln wollte.

Das habe ich heute morgen auch gemacht. Also ein Jahr lang jeden Tag im Schnitt 25 Minuten Arbeit, und am Ende hat man eine Decke.

Genau das gleiche kannst du mit einem Roman machen. Sagen wir, der soll etwa 80.000 Wörter lang werden. „Carrie“ von Stephen King hat im Original etwa 62.000 Wörter, mit 80.000 bist du also schon wirklich gut dabei. Wenn du das innerhalb eines Jahres schreiben wolltest und würdest dich dafür jeden Tag dransetzen, wie viele Wörter wären das pro Tag?

Ich hab’s für dich ausgerechnet: Etwa 220.

220 Wörter – dieser Blogpost ist schon länger! Das ist etwa eine Normseite. Die schafft man ganz fix! Am besten machst du dich also direkt heute ans Werk. Und wenn du mal an einem Tag nichts schreibst, ist das nicht wild – du kannst aufholen, und an anderen Tagen schreibst du dafür bestimmt mehr, wenn du einmal im Fluss bist. Beiß dir von dem Mammutprojekt „Roman“ also einfach jeden Tag 220 Wörter ab und schau, dass du die fertig kriegst.

(Natürlich ist es gut, wenn man für solche Projekte einen Plan hat. Das muss kein Plot sein, wenn du lieber drauflos schreibst, aber ein Plan wäre gut.)

Und wenn du das durchziehst, hast du am Ende des Jahres eine wunderbare Wortdecke, in die du deine Leser einwickeln kannst.

Aufsicht von oben auf die Decke. An den Rändern erkennt man, dass sie aus Sechsecken besteht, und dass die Farben grob diagonal verteilt sind. Auf der Decke liegt der schwarzweiße Kater und fühlt sich sehr wohl. Am Rand des Bildes herrscht Chaos.
Fertiger Roman (Symbolbild).

Das bisschen Übersetzen … (ihr habt es erraten, ein Rant)

Schwarzer Hintergrund, hölzerne Tischplatte. Darauf liegt, schräg gestützt, ein aufgeschlagenes Wörterbuch.
Foto von Pisit Heng, gefunden auf Unsplash

Orr, ich hab Schnappatmung. Stellt euch eine wütende Forelle vor, oder von mir aus eine Flunder. Möglicherweise wisst ihr das, aber ich schreibe ja nicht nur Bücher und merkwürdige Blogposts – im Brotjob bin ich Übersetzerin für medizinische Fachtexte. Und ich behaupte, ich bin darin gar nicht mal so schlecht – möglicherweise fast schon ein bisschen gut. Auf jeden Fall mache ich das seit vielen Jahren mit anhaltender Begeisterung und bin mitunter sogar stolz auf das Endergebnis.

Jemand, dem ich eigentlich relativ viel Sachverstand zutraue (oder bis gerade eben zugetraut habe), hat in einem Artikel jetzt sinngemäß erklärt, Übersetzen sei ja nicht so schwer. Wer eine Sprache auf B-Level könne, könne definitiv auch schon übersetzen. (Weiter ging es dann darum, dass das ja deswegen keine Kunst sei und es keine KI-Regulierungen für KI-basierte Übersetzungen brauche, das ist ein anderes Thema … BTW, wusstet ihr, dass Übersetzer*innen das Urheberrecht an ihren Übersetzungen halten, weil die als eigenständige Texte gelten? Jetzt wird es kompliziert, ich lass das mal so stehen.)

Wer wissen möchte, was „B-Level“ bedeutet, ich kopier euch mal eben eine Definition:

B1 – Fortgeschrittene Sprachverwendung
Kann die Hauptpunkte verstehen, wenn klare Standardsprache verwendet wird und wenn es um vertraute Dinge aus Arbeit, Schule, Freizeit usw. geht. Kann die meisten Situationen bewältigen, denen man auf Reisen im Sprachgebiet begegnet. Kann sich einfach und zusammenhängend über vertraute Themen und persönliche Interessengebiete äußern. Kann über Erfahrungen und Ereignisse berichten, Träume, Hoffnungen und Ziele beschreiben und zu Plänen und Ansichten kurze Begründungen oder Erklärungen geben.
B2 – Selbständige Sprachverwendung
Kann die Hauptinhalte komplexer Texte zu konkreten und abstrakten Themen verstehen; versteht im eigenen Spezialgebiet auch Fachdiskussionen. Kann sich so spontan und fließend verständigen, dass ein normales Gespräch mit Muttersprachlern ohne größere Anstrengung auf beiden Seiten gut möglich ist. Kann sich zu einem breiten Themenspektrum klar und detailliert ausdrücken, einen Standpunkt zu einer aktuellen Frage erläutern und die Vor- und Nachteile verschiedener Möglichkeiten angeben.

(Quelle)

Das klingt doch schon nach etwas, oder? Klaro kann man mit diesem Level an Sprachverständnis/-verwendung übersetzen!

(Plattenscratschgeräusch.)

Ähm, ja, möglicherweise nicht. Zum einen enthält erst Level C auch das Verstehen implizierter Textinhalte (das, was zwischen den Zeilen steht), flexiblen Sprachgebrauch (verschiedene soziale Levels, Stilvariationen, …) und das Wiedergeben komplexer Sachverhalte. So etwas ist für eine ordentliche Übersetzung unabdingbar. Aber damit ist es nicht getan.

Gut, ja, wenn es darum geht, für Tante Walburga ein Chocolate-Chip-Cookie-Rezept zu übersetzen, kommt man mit B-Level-Englisch möglicherweise schon hin (schnell: Wie schwer ist „one stick of butter“ in US-amerikanischen Rezepten? Wie schwer ist „1 cup of flour“? Was verwendet man als „Sour Cream“?), aber Übersetzen ist viel mehr als: „Ich nehme dieses Wort in der Fremdsprache und schlage nach, was es in meiner Sprache bedeutet.“

Nicht umsonst studiert man Übersetzen üblicherweise an der Uni, und zwar auch mehrere Jahre. (Ich habe fürs Diplom sieben gebraucht, das war etwas mehr als die Regelstudienzeit.) Und das Studium besteht nicht nur aus Sprachkursen. Man studiert auch kulturelle Besonderheiten der anderen Kulturen. Und ein wesentlicher Teil der Zeit geht für Sprach- und Übersetzungswissenschaften drauf. Das war mein Lieblingszweig, ein wirklich spannendes Gebiet, ich habe die Fachbücher zuhause und schmökere da gerne drin. Man lernt eine Menge darüber, wie Kommunikation funktioniert und welche Arten von Kommunikation es gibt, auf welche Bedeutungsebene man sich bewegen kann, welche Funktionen eine Übersetzung erfüllen kann/muss, ob das Zielpublikum von Bedeutung ist etc. Viel davon verwendet man später im Übersetzungs-Alltag, etwa bei der Textanalyse oder wenn man sich für einen Stil für die Übersetzung entscheidet.

(Abschweifend: Mir persönlich fehlt im ÜS-Studium ja noch der verfeinerte Gebrauch der Muttersprache – viele erwachsene Menschen (auch solche mit Uni-Abschluss) scheitern am genauen Lesen und Erfassen komplexer Texte, da sollte man auch bei Übersetzer*innen vorbauen. Aber ich jammere gern auf hohem Niveau.)

Und eine weitere Superkraft von Übersetzer*innen: Wenn die Person, die den Ausgangstext verfasst hat, dabei so richtig Mist gebaut hat (Stichwort Speech-to-text-Hasshölle), können wir das wieder geradebiegen. Je nachdem, was das Ziel der Übersetzung ist, finden wir glaubwürdige Methoden, die Textfehler in der Zielsprache nachzubauen, oder wir merzen sie aus und verbessern den Zieltext gegenüber dem Ausgangstext sogar.

Wer wissen will, wieviel Einfluss Übersetzer*innen auf Texte haben, soll sich mal einen Buchklassiker nehmen und verschiedene Übersetzungen dazu anschauen. Ein häufiger genanntes Beispiel hierfür ist „Der Meister und Margarita“ von Michail Bulgakow. Ich bleib hier so lange sitzen, schaut euch das mal an.

Halte ich KI-Tools als Übersetzungshilfe denn jetzt für böse? Natürlich nicht. Irgendwann können sie möglicherweise sogar menschliche Übersetzer*innen vertreten. Aktuell fehlt aber noch das tiefere Textverständnis. Sogar wenn ein KI-übersetzter Text auf den ersten Blick solide klingt, merkt man beim analytischen Lesen schnell, wo Bezüge nicht richtig hergestellt werden oder Hintergrundwissen fehlt, um den Text (und die Übersetzung) im kulturellen Kontext einzuordnen.

Langer Schimpftirade kurzer Sinn: Wenn man von etwas keine Ahnung hat, sollte man vielleicht öfter mal die Fresse halten. Und auf keinen Fall sollte man auf die fachlichen Leistungen in Bereichen, von denen man keine Ahnung hat, spucken. Ich geh doch auch nicht Buchcover kritisieren oder erzähle Automechaniker*innen, das bisschen Schrauben sei keine Leistung, so einen Ölfleck auf der Hose könne sich jeder holen.

Andererseits … ich war in Bio ganz gut, und ich habe auch schon mal „Dr. Bibber“ gespielt. Wer von euch würde sich von mir operieren lassen? So schwer kann das gar nicht sein, das bisschen Aufschneiden und Herummatschen.

Merkwürdige Begegnungen oder: Wie ich auf einem Spaziergang im Wald gewhamt wurde

Nahaufnahme eines geschmückten künstlichen Weihnachtsbaumes, man sieht im Fokus eine goldene und eine rote Kugel sowie ein messingfarbenes Gläckchen mit einer Schleufe, unscharf im Hintergrund weiteren goldfarbenen und roten Christbaumschmuck.
Foto von Rodion Kutsaiev, gefunden auf Unsplash.

Gestern war eine Schrottladung Zeug zu erledigen: Papierkram, Feiertagsgrußkarten, Päckchen packen, Bücher verschicken, Kuchen backen. Was sich so auf der To-do-Liste sammelt, wenn man professionell prokrastiniert. Jetzt kann ich nicht den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen, und die 20 Minuten in der Küche zählen einfach nicht als Ausgleich. Also habe ich mich aufgerafft, mit schmerzendem Rücken, und bin eine Runde durch unseren zauberhaften Wald spaziert.

Es war Sonntag und sonnig, also hatten viele andere Leute die gleiche Idee. Von Ruhe und Entspannung nicht viel zu sehen. Auf einer Lichtung tobten einige Kinder, Stockschwerter schwingend, von Baum zu Stumpf. Hunde und ihre Menschen knäuelten sich an strategisch günstigen Punkten zur obligatorischen Unterhaltung. In den Baumkronen schimpften die Eichelhäher über die unerwartete Unruhe.

Ehrlich gesagt, ich war müde. Sehr müde. Wär ich vorwärts aufs Gesicht gefallen, wäre ich liegengeblieben. Allerdings lässt man so ein schönes Wetter ja nicht einfach verkommen. Und die Runde hinterm Haus ist auch nur etwa fünf Kilometer lang, also gut zu bewältigen. Ich wich anderen Leuten aus, so gut es ging, und schlurfte vorwärts – in Gedanken immer bei der Tasse Kaffee, die ich mir zuhause als erstes machen würde.

Und irgendwann ist auch der längste Spaziergang zu Ende. Die Hochhäuser tauchten zwischen den unbelaubten Baumkronen auf, rechterhand konnte ich den Friedhof sehen. Das ist die Stelle, an der viele Spaziergänger, die extra für ihre Portion Wald auf den Berg kommen, ihre Autos abstellen. Und während ich weiter Richtung Heimat schob, tauchte um die Ecke auch eine ältere Mercedes-Limousine auf. Wurde langsamer, wendete in einer Einfahrt, hielt am Bordstein.

Die Tür ging auf. Dampfschwaden erhoben sich in die Lüfte.

Kindheitserinnerungen an lange Autofahrten mit meinen rauchenden Eltern suchten mich heim.

Ein schick angezogener Mensch mit asiatischem Aussehen stieg aus dem Wagen. Er reckte sich und machte ein paar Tanzmoves, bei denen ich nicht weiß, ob sie in Mode sind. Aus dem Wageninneren erschall Gelächter.

Und dann passierte es!

„Last christmas I gave you my heart …“ – in bester Autolautsprecherqualität.

Die Szene dauerte nur einen Augenblick.

Der junge Mann stieg wieder in den Wagen, die Türen schlossen sich und der Mercedes rollte davon.

So wurde ich dieses Jahr also gewhamt. Wie in einer Twin-Peaks-Episode.

Ach, es könnte bestimmt noch schlimmer sein.

Zurück zur Schule – wieder und wieder und wieder und …

Tisch mit Knete in Töpfen, großen Holzbuchstaben, Stiften und Papier. Ein niedriger Holzstuhl mit rosa Lehne steht am Stuhl, im Hintergrund ein Spielzeugklavier.
Von Gautam Arora, auf Unsplash

Es ist ein fauler Tag. Ich hab nicht viel gemacht und ruhe mich jetzt davon aus. Im Hintergrund laufen Failvideos auf Youtube, die Katze schnarcht neben mir und ich scrolle durch Instagram.

Innerhalb von zehn Minuten habe ich vier(!) verschiedene(!) Vorstellungen von Büchern gelesen, die an magischen Internaten spielen.

Warum???

Abklatsch der Serie, die nicht genannt werden wird? Nostalgischer Self-Insert? Oder bauen die Schreibenden darauf, dass alle wohl mal auf einer Schule waren und sich deswegen bestimmt grandios abgeholt fühlen?

Keine Ahnung. Aber gerade im Fantasy-Bereich geht mir der Mangel an Fantasie auf den Zeiger. (Minuspunkte, wenn die Story grundlos in Schottland spielt, das hatte ich diese Woche schon zweimal.) Und auf den ersten Blick ist es auch immer die gleiche Geschichte: X kommt später an die magische Schule als alle anderen, alle finden sie doof, gezwungenermaßen arbeitet sie mit dem mysteriösen Y zusammen, wird versehentlich zur Schulbesten und klärt dabei noch ein finsteres Geheimnis auf.

Laaaaaangweilig!

Stellt die verdammte Schule doch wenigstens mal in den Ruhrpott – und macht ein Finanzamt draus. Nehmt eine*n Protagonisten*in, der*die den Führerschein nicht erst seit zwei Wochen hat. Erspart mir den Love Plot mit dem (wenig) überraschend feinfühligen Bad Boy. Und steckt mehr Überlegung ins Worldbuilding als „… und Magie!“

Gut, möglicherweise bin ich nicht die Zielgruppe für diese Art Romane. Andererseits lese ich YA/NA Fantasy durchaus gern, wenn sie gut gemacht ist – von Frances Hardinge habe ich bestimmt schon das eine oder andere Mal geschwärmt? Oder kennt hier wer „A wizard’s guide to defensive baking“ von T. Kingfisher?

Vielleicht bin ich auch nur alt und grummelig. Ich sollte meinen Tee trinken und ins Bett gehen, wie es sich für eine alte Frau gehört. Nur ein Hoffnungsschimmer bleibt mir: Wenigstens muss ich morgen früh nicht ins Internat, um mit den Mean Girls zu konkurrieren, während Brad mich finster anschmachtet.

(Oh, Brad!)

Keine Macht den Drogen! (Aus finanziellen Gründen)

Jeden Monat um den Fünfzehnten herum aktualisiere ich meine Buchhaltung. Da sind nämlich die Vormonats-Berichte von Kindle Direct Publishing verfügbar, und das ist für Selfpublisher*innen wie mich nun einmal eine relevante Einnahmequelle. Und was kann ich sagen? Es könnte schlimmer sein. Es könnte aber auch viel, viel besser sein.

Weißer Hinter- und Untergrund. IM Zentrum des Bildes groß fünf Münzstapel, von links nach rechts: Ein-Cent-Münzen, Zwei-Cent-Münzen, Fünf-Cent-Münzen, Zehn-Cent-Münzen, zwanzig-Cent-Münzen. Der Gesamtwert der Münzen liegt unter vier Euro.
Foto von Ibrahim Rifath, gefunden auf Unsplash.

Bestimmt hast du schon öfter darüber jammern hören, doch meine Stimme fehlt gerade im Chor: Die meisten schreibenden Personen werden durch das Schreiben nicht reich – es sei denn, sie schreiben einen Erpresserbrief, das soll ganz lukrativ sein. Bücher hingegen … na ja. Wir machen das ja nicht für den Mammon, sondern für die Kunst. Oder wenigstens rede ich mir das gerne ein.

Wenn mir Leute erzählen, dass ihre Kinder beruflich Bücher schreiben wollen, bemühe ich mich stets, etwas Ermutigendes zu sagen: „Toll! So hat dein Kind nie Geld für Drogen!“

Natürlich wissen wir alle, dass Leute wie Stephen King im Lauf ihrer Karriere durchaus Geld für Drogen hatten, nur ist das leider eher die Ausnahme als die Regel. Dennoch hegen alle, die Bücher schreiben, diesen heimlichen Traum: Ich will zu den finanziell erfolgreichen zwei Prozent gehören! Wer behauptet, dem sei nicht so, betrügt die anderen und sich selbst nur gründlicher als die meisten.

Auf meinem gemütlichen Bürojob-Polster kann ich es mir natürlich leisten, genau das zu schreiben, was ich schreiben will, in meinem Tempo zu arbeiten und aktuelle Trends zu ignorieren. Anderen Leuten geht es da wesentlich weniger rosig. Welches Genre, welche Art Geschichte wird das nächste große Ding? Ohne den Zauberlehrling, der nicht genannt werden darf, gäbe es aktuell wahrscheinlich sehr viel weniger einförmige Zauberschulenbücher. (Wer für diese lästigen Love Triangles zuständig ist, da bin ich mir noch nicht sicher. Aber wenn ich den*die erwische, dann … ! (Droht mit der Faust.)) Und klaro, alle behaupten, sie schrieben nur Herzensprojekte, denn da das alles hier ja Kunst ist, redet niemand über finanziellen Erfolg oder die Frage, wie man das nächste Lektorat bezahlt.

Ich denke mir: Wenn ich damit schon nicht reich werde, will ich in all den Stunden, die ich am Schreibtisch sitze und tippe, wenigstens Spaß haben. Deswegen gibt es hier keine aktuellen Trends und leider wohl auch nicht „das nächste große Ding!“ (von dem ich natürlich auch träume, siehe oben), dafür aber viele kleine und größere Geschichten, die mir auch bei der dritten Überarbeitungsrunde noch viel Spaß gemacht haben. Natürlich würde ich lieber noch viel mehr Zeit in diese Geschichten stecken, aber da irgendwer das Katzenfutter bezahlen muss, geht das leider nicht.

Und jetzt Butter bei die Fische – was würdest du mit deinem Leben machen, wenn Geld überhaupt keine Rolle spielte?

Und Action!!!

Um im Internet Aufmerksamkeit zu erregen, sind Bilder angeblich von größter Bedeutung. Und das ist, wenn man keine Ahnung von Design und so ’nem Schmuh hat, manchmal ein Problem.

Ich kann nicht malen.

Fotografieren ist Glückssache, und Bildbearbeitung wurde mir verboten (aus gutem Grund!).

Mit meinen Selfie-Künsten ist es auch nicht weit her, siehste?

Selfie im Wald. Im Hintergrund dunkles, herbstliches Grün. Im Vordergrund eine sichtlich müde Autorin: Rote Pumuckl-Frisur, blasse Haut mit Falten und Sommersprossen, große Brille mit Drahtgestellt, ungepflegte Augenbrauen, Lächeln. Die Autorin trögt eine violette Allwetterjacke und einen weinroten Sweater mit buntem geometrischem Aufdruck, von dem man nur die Kapuze aus dem Jackenkragen herausragen sieht.

Deswegen mag ich Action Shots am liebsten. Fotos von Leuten, die wissen, was sie tun, auf denen ich in Aktion zu sehen bin – am liebsten in einem Moment, in dem ich nicht einmal mitkriege, dass ich fotografiert werde. Und genau so ein Foto habe ich heute bekommen. Es stammt vom Pott-Phantastika-Wochenende und ich wollte es euch keinesfalls vorenthalten.

Tadaa!!!

Ausschnitt aus einem amtlichen Schreiben, im Wesentlichen sieht man den Schwarzweiß-Abdruck eines Fotos. Darauf zu sehen ist die Autorin am Steuer eines Autos, konzentriert fahrend. Ebenfalls im Bild sind ein Navi und ein Stofftier, das vom Rückspiegel baumelt.

Ein echter „Action Shot“. War auch gar nicht so teuer. Zugegeben, ich bin die zweitlangweiligste Autofahrerin der Welt und war sagenhafte 8(!!!) km/h zu schnell. Na ja, erwischt ist erwischt. Ich konnte eben kaum erwarten, wieder zum Schloss Horst und zur Pott Phantastika mit all ihren wundervollen Menschen zu kommen.

Vom Gutes-Tun und vom Gutes-Fühlen

Ein Obdachlosenlager. Kartons, eine Matratze, mehrere abgenutzte Decken und Kissen. Auf dem Boden davor ein Schild aus Pappe (nicht lesbar) und ein Becher für Mpnzen. Der Boden ist mit Unrat bedeckt.
Foto von Jon Tyson, gefunden auf Unsplash.

Manchmal wundere ich mich über Menschen.

Seit einiger Zeit geistert ein Text im Internet herum. Ich verlink den nicht – warum, wird gleich hoffentlich klar – aber in Kurz erzählt jemand aus der Ich-Perspektive, wie er*sie vor einem Café saß und beobachtete, wie einige junge Leute zu einem Obdachlosen gemein waren. Dann ging die Person in den nächsten Laden und kaufte Lebensmittel, Socken etc. für den Obdachlosen. Der wollte die Sachspende erst nicht geschenkt nehmen, sondern mit den Spenden des Tages (Centbetrag) bezahlen. Der Text ist garniert mit Ausdrücken echter Empörung und Betroffenheit. Am Ende folgt ein Aufruf, wir sollten doch alle bessere Menschen sein.

Dieser Text wurde mindestens seit Anfang des Jahres im exakten Wortlaut von etlichen Profilen, die nicht zur gleichen Person gehören, kopiert. Ohne Quellenangabe, ohne zeitliche Einordnung. Es klingt immer so, als habe die postende Person das Beschriebene „gestern“ erlebt. Natürlich frage ich mich: Warum tut jemand so etwas? Klar, da soll Aufmerksamkeit generiert werden. Mehr dazu gleich.

Eine Bekannte bei Facebook teilte gestern den nämlichen Text, den ein weiteres Profil kopiert hatte. Das ist erst einmal nicht verwerflich, denn es ist wichtig, auf soziale Missstände wie Obdachlosigkeit aufmerksam zu machen. Als ich sie allerdings darauf aufmerksam machte, dass das Beschriebene nicht authentisch sei, geschah etwas merkwürdiges. Sie war sauer auf _mich_, weil ich nicht betroffen ob der Obdachlosigkeit und der Gemeinheit der jungen Leute war, sondern mich darüber empörte, dass von er postenden Person gelogen wurde. Es sei doch gut, wenn jemand über ernste Themen schreibe, und letztendlich zähle das Gefühl und nicht, ob das da echt sei oder nicht.

Äh, nein.

Zugegeben, ich verbringe einen großen Teil der Zeit damit, mir Geschichten auszudenken und sie Leuten unterzujubeln. Allerdings deute ich niemals auch nur an, dass irgendwas von dem, was ich schreibe, wahr und so tatsächlich gerade eben erst passiert sei.

Was macht dieser Text denn? Wird damit tatsächlich etwas gegen Obdachlosigkeit getan? Werden praktikable Lösungen für ein ernstes Problem aufgezeigt? Oder geht es vielmehr darum, dass die postende Person so tut(!), als habe sie etwas total Selbstloses für jemanden getan, zu dem alle anderen echt voll gemein waren? Ich meine – klar, mit so einem Post kannst du eine Menge Aufmerksamkeit online generieren. Jede Menge Menschen werden dir zustimmen, dich loben, über die gemeinen anderen Leute schimpfen, Obdachlose bedauern und den Quark eben weiter teilen, weil der Text Gefühle in ihnen auslöst.

Wem so ein Text nichts bringt? Logo, den Obdachlosen.

Und ich rede noch nicht einmal davon, wie herablassend es ist, für eine vollkommen fremde erwachsene Person einen Großeinkauf zu tätigen, was da ja angeblich passiert ist. Das ist sowieso so ein Pet Peeve von mir – Leute, die Obdachlosen und anderweitig bittenden Personen aus Prinzip nur Sachspenden geben, weil „sonst versaufen die das ja eh nur“. Bevorzugt gesagt von Leuten, die gerade auf dem Weg in die Kneipe sind, denn wenn du einen festen Wohnsitz hast, darfst du natürlich Nervengifte konsumieren, soviel du magst. Nur bei den Leuten, die wir als sozial schwächer aufgestellt wahrnehmen, ist das ein Problem. Genau wie bei rauchenden Arbeitsuchenden, da wird auch immer der mahnende Zeigefinger erhoben. Es scheint ein menschliches Grundbedürfnis zu sein, andere Leute zu belehren und zu verurteilen.

(Disclaimer: Ja, ich bin judgemental as fuck. Würde nie etwas anderes sagen. Es ist eine meiner besseren Eigenschaften.)

Und warum teilen Leute so etwas? Warum sind sie empört, wenn solche Texte kritisiert werden? Ich vermute, dass diese Texte ihnen ein diffus gutes Gefühl verpassen. Sie lesen, wie jemand (angeblich!) etwas Gutes getan hat, und dann fühlt das Gehirn sich ganz warm und flauschig an. Sie stellen sich vor, dass sie natürlich ähnlich handeln würden, also macht sie das zu besseren Menschen. Das Gehirn unterscheidet nicht notwendigerweise zwischen dem, was wir lesen/hören/sehen und dem, was wir tatsächlich tun.

Einmal mehr: Wem hilft das nicht? Obdachlosen Personen.

Während man sich also total solidarisch und selbstlos fühlt, ist man eigentlich nur auf die eigenen Bedürfnisse konzentriert.

Und wo wir gerade dabei sind – was kann man Obdachlosen denn nun wirklich Gutes tun?

Zuerst einmal sage ich natürlich NICHT, dass du mit den persönlichen Spenden aufhören sollst. Aber Spenden sind eine temporäre Lösung für ein chronisches Problem. Das gilt auch für Spenden an ehrenamtliche Organisationen, die sich um die Bedürfnisse Obdachloser kümmern. Bitte dennoch weitermachen! Schau, ob du dich irgendwo ehrenamtlich engagieren kannst (Bahnhofsmission o. ä.), wenn du die Kapazität hast. Und vor allem: Engagier dich auf politischer Ebene. Obdachlosigkeit ist nämlich nicht gottgegeben, sondern ein Ergebnis dessen, wie unsere Gesellschaft aufgebaut ist. Inzwischen gibt es gute Studien dazu, dass man Obdachlosigkeit viel effizienter (und günstiger!) bekämpfen kann, indem man den obdachlosen Personen Zugang zu einem festen Wohnsitz und einem eigenen Bankkonto verschafft und sie dabei betreut, sich wieder ein geregeltes Leben aufzubauen.

Natürlich eine kleine Sob Story zum Schluss: Als ich noch Studentin war, saß an der Uni immer ein Obdachloser und bettelte. Ich hatte nicht viel (Bafög plus Kindergeld), aber wenn ich etwas übrig hatte, gab ich ihm. Außerdem haben wir uns ab und zu unterhalten, wenn ich zwischen Kursen etwas Zeit hatte. Er hatte angefangen, zu viel zu trinken, nachdem seine Frau gestorben war, hatte Job und Wohnung verloren und musste nun gucken, wie er irgendwie durchkam. Irgendwann saß er nicht mehr an seinem üblichen Fleck. Aber einige Jahre später sah ich ihn zufällig auf dem Weg ins Büro im Bus – und in wirklich präsentablem Zustand. Er hatte es tatsächlich geschafft, wieder Fuß zu fassen, und war selbst auf dem Weg zur Arbeit. Damit hatte ich kein Stück zu tun, und ich weiß auch nicht, wie diese Wendung zustande gekommen ist (ich musste zwei Stationen später wieder aussteigen), aber ich war extrem erleichtert zu sehen, dass er nicht aus traurigen Gründen verschwunden war.

Jetzt können wir uns alle kurz gut fühlen, und dann machen wir bitte weiter damit, die Welt tatsächlich zu verbessern.

Niemals geht man so ganz

Oft spotte ich über Autor*innen, die ihre Charaktere einfach nicht gehen lassen können. Ihr habt das bestimmt schon einmal gesehen – Serien, die entweder in Belanglosigkeit oder in immer skurrileren Abenteuern versanden, mit Charakteren, die sich irgendwann nicht mehr weiterentwickeln können und nie zur Ruhe kommen.

So eine bin ich nicht. Behaupte ich wenigstens steif und fest.

Und auch wenn immer mal wieder Leute danach fragen: „Magie hinter den sieben Bergen“ ist abgeschlossen. Es war eine schöne Reise mit tollen Charakteren und großartigen Abenteuern, aber jetzt ist Zeit für etwas Neues.

Aber so richtig, echt, wirklich GANZ sind sie ja doch nicht weg.

Aufmerksame Lesende haben den Gastauftritt in „Willkommen in Schattenfall“ bestimmt bemerkt – mein liebster Moment im Buch, glaube ich.

Gelegentlich überlege ich, wie Helenas Leben heute wohl aussehen würde. Seit „Grimmwald“ sind fünf Jahre vergangen. Die Welt hat sich verändert. Helenas Familie hat sich verändert. Und ganz gelegentlich kriege ich Splitter mit – Szenen, kurze Episoden, Minigeschichten.

Nein, ich schreibe kein komplettes neues Buch, oder wenigstens behaupte ich das heute. Aber es kann doch nicht schaden, die eine oder andere winzige Kurzgeschichte … ?

Offenbar ist sie also doch nicht ganz weg. Listige Hexenbiester.

Ein Stern, der deinen Namen trägt – auf Amazon!!!

Im Moment wird unter Autor*innen wieder verstärkt über Rezensionen geredet. Gut, ganz weg ist das Thema nie, aber gerade falle ich öfter drüber als in den letzten Wochen. Und das Thema dreht sich natürlich im Kreis.

Natürlich sind unsere Bücher für uns die tollsten, besten, schönsten der Welt. Also wollen wir, dass alle anderen Menschen sie bitte genau so sehr lieben sollen wie wir selbst. Und am besten teilen die das auch allen anderen Menschen durch öffentliche Lobhudeleien mit.

Außerdem sind Rezensionen wichtig fürs Marketing, und damit auch für Ruhm und Ehre. Ein Buch mit vielen guten Rezensionen wirkt auf Käufer*innen vertrauenswürdiger, verheißungsvoller. Und man rechnet sich natürlich aus: Je mehr Rezensionen ein Buch hat, desto mehr Leute haben es gelesen, also kann es nicht ganz furchtbar sein.

Ein Ding vergessen Autor*innen aber leider oft: Rezensionen sind für uns wichtig, aber sie sind nicht für uns geschrieben. In Rezensionen teilen Lesende anderen Lesenden mit, wie sie ein Buch fanden, was gut oder nicht so gut war, was ihnen aufgefallen ist. Wenn man eine Rezension schreibt, tut man am besten so, als sei die Person, die das Buch geschrieben hat, tot. Dann muss man sich mit ihren Gefühlen nicht mehr auseinandersetzen und kann sich auf das konzentrieren, was wichtig ist: Das Buch.

Was man als Autor*in NICHT machen sollte: Sich öffentlich über „schlechte“ Rezensionen auslassen. Über sie schimpfen, sie analysieren, möglicherweise gar die eigenen Fans dazu aufrufen, sie sollten die entsprechende Rezension auf den Plattformen „downvoten“. Großes No-No.

Denkt immer daran: Ihr seid nicht das Zielpublikum. Genau so wenig, wie ich das Zielpublikum für Liebesfilme bin. Deswegen habe ich keine öffentliche Meinung über Liebesfilme. (Spoiler: Ich mag sie nicht.)

Und denkt auch daran: Lesende schulden euch nichts. Sie DÜRFEN euer Buch blöd finden, oder langweilig, oder unlogisch. Nicht jedes Buch ist für jede Person gedacht. Ich finde manche Bücher auch richtig, richtig schlecht – solche in Genres, die ich selten lese, aber auch vielgelobte Bücher in „meinen“ Genres. Und das ist keine wertvollere Meinung, weil ich selbst schreibe. Zwar verkneife ich mir negative Rezensionen meist, damit nicht der Eindruck aufkommt, ich wolle „der Konkurrenz“ schaden, aber im stillen Kämmerlein schimpfe und fluche und lästere ich mit mir selbst schon ausgiebig. Und wenn andere Leute diese Bücher dann total toll finden, haben die nicht automatisch unrecht, denn Geschmack ist subjektiv.

Okay, und was macht man als Autor*in mit einer negativen Rezension?

Zuerst einmal überlegt man sich genau, ob man sie lesen will. Für manche Leute ist der beste Weg, Rezensionen generell zu vermeiden.

Und wenn man sie liest, kann man sie im Stillen auch richtig blöd finden. Jedoch sollte man sich auch die Details genau anschauen – hat die Person vielleicht mit dem einen oder anderen Punkt sogar Recht?

Nur öffentlich drüber aufregen sollte man sich nicht. Das wirkt, finde ich, immer ein wenig traurig. Als sei die Person eigentlich noch nicht bereit, ihr Buch in die große weite Welt zu entlassen. Also lieber Zähne zusammenbeißen. Und dann setzt man sich hin und schreibt das verdammt beste nächste Buch der Welt, um die Fans zu unterhalten und die Kritiker zu überzeugen. (Ob das klappt, wird man natürlich nie wissen, wenn man die Rezensionen nie liest, und auch damit befinden wir uns wieder in einem Teufelskreis. Die nächste Runde geht rückwärts!)

An dieser Stelle natürlich auch noch einmal ein herzliches Dankeschön an alle Leute, die meine Bücher wichtig genug fanden, um eine Rezension zu hinterlassen. Ihr seid großartig!

Dann mach ich mich mal unbeliebt

Immer wieder gibt es Beschwerden in der „Buch-Bubble“, dass deutsche Verlage (oder Verlage generell) ja einfach nur Einheitsbrei veröffentlichen würden. Als Verfasser*in origineller Werke habe man ja sowieso keine Chance. Alles, was bei (bevorzugt „großen“) Verlagen veröffentlicht werden wolle, müsse mit Liebesgeschichte, „starken Frauen“, Happy Ending, … ausgestattet sein.

Und ich schau mir die jüngsten Veröffentlichungen an und denke mir so: Joah, teilweise stimmt das schon. Ein Glück, dass wir das Selfpublishing haben.

Wenn ich dann allerdings gelegentlich ein Werk in Händen halte, bei dem die verfassende Person hoch und heilig verkündet, sie werde von Verlagen ja nur ignoriert, weil ihr Stoff so unglaublich originell und einzigartig und „non-mainstream“ sei, denke ich mir auch schon einmal: „Zum einen das, und zum anderen schreibst du einfach schlecht.“

Das klingt jetzt gemein. Und ich halte mich üblicherweise mit solchen Aussagen zurück, denn a) ich habe den Stil nicht gepachtet, nicht einmal stundenweise; b) Geschmäcker sind verschieden; c) alle schauen irgendwann auf ihre Erstlingswerke zurück und haben dieses nostalgisch aufgewärmte Cringe-Gefühl, weil sie sich inzwischen massiv weiterentwickelt haben. Ich auch. Wenn mir also ein Buch nicht gefällt, muss das nicht an meinem über alle Maßen exquisiten Geschmack oder einem absoluten Mangel an Talent bei der schreibenden Person liegen.

Oft ist es allerdings schon so, dass sich diese aufgrund ihrer Genialität abgelehnten Stoffe lesen wie der goldsternbewehrte Aufsatz in der vierten Klasse. Da kann die Idee noch so toll sein – wenn die schreibende Person die grundlegenden Regeln des Erzählens nicht einhält, landet sie doch flach auf der Nase.

Manche Geschichte strotzt nur so vor Logikfehlern, Haupt- oder Schachtelsätzen (die Mischung macht’s!), üppigen Adjektivgebinden, grammatischen Zeitfehlern, fehlender Motivation bei den Charakteren, komplettem Unverständnis der menschlichen Psyche. Ein gern herbeigezerrtes Beispiel sind die Bösen, die halt böse sind, weil: Sie sind böse, also bösigen sie böse kichern um ihr Bösigtum herum.

Während ich also durchaus der Meinung bin, dass originelle Stoffe es am Buchmarkt schwerer haben können – schließlich finden die schwieriger ihr Publikum, wie soll man sie bloß vermarkten??? – gilt außerdem: Je weniger „Mainstream“ deine Geschichte ist, desto grandioser muss sie geschrieben sein. Nicht nur (aber auch!) auf grammatischer und Rechtschreib-Ebene, sondern auch auf dem Gebiet des Stils.

Und versteh mich nicht falsch – wenn du schlechten Mainstream schreibst, werden die Entscheidermenschen in der Buchbranche dich immer noch ignorieren, denn auf jedes veröffentlichte Manuskript kommen ein paar tausend, die auf den Slushpiles des Vergessens liegenbleiben.

Was kannst du also machen?

Besser schreiben natürlich!

Ärgerlich ist an der Stelle natürlich, dass es wenig gutes Lehrmaterial für so schlecht greifbare Dinge wie „Stil“ gibt, aber behilf dir halt: Lies gute Bücher und analysiere, was sie gut macht. Lies schlechte Bücher und schau dir an, warum sie schlecht sind. Sammle gelungene Sätze und Absätze in einem speziellen Notizbuch. Spiel mit deinen eigenen Texten. Versuch dich am unzuverlässigen Erzähler, an Foreshadowing (dem Andeuten meist finsterer Wendungen), enthalte dem Publikum Informationen vor oder sag ihnen Dinge, die deine Charaktere noch nicht wissen. Experimentier mit Sprachrhythmus, bis der Text rund klingt. Und bleib dir dabei immer im Klaren, dass dein Text nicht perfekt werden wird – aber er wird besser sein, als er es jetzt ist, und irgendwann bist du so gut, dass all die fiesen Verlage und luschigen Lesenden und bösartigen Buchmenschen dich nicht mehr ignorieren KÖNNEN.