„Endlich deutsche Urban Fantasy!!!“

In einem verlassenen Raum steht ein einsamer Holstuhl neben einem abgetragenen Paar Stiefeln. Von schräg rechts fällt Sonnenlicht in den Raum. Der Boden ist schmutzig, eine Kette liegt herum. Der Raum wirkt verlassen. Möglicherweise handelt es sich um einen Dachboden.
Foto von Nathan Wright, gefunden auf Unsplash.

„Endlich deutsche Urban Fantasy!“ Das sagte neulich eine Bekannte zu mir. Sie war völlig aus dem Häuschen und begeistert – von „Kohlrabenschwarz“, einigen hier vielleicht ein Begriff. Falls nicht: Hörspiel von u. a. Tommy Krappweis, seit 2020 bei Audible als Hörspiel und für eine Zeit auch bei Paramount als Serie.

Ja, endlich deutsche Urban Fantasy. Hat es bis jetzt ja noch gar nicht gegeben. Also, bis auf „Magie hinter den sieben Bergen“ (seit 2013) oder „Alchemy & Blood“ von Sabine Osman oder die „Astoria Files“ von Brida Anderson oder die Bücher von Isa Theobald oder … ihr versteht, worauf ich hinaus will. Und ich bin wenig neidisch, aber in solchen Momenten fällt es schwer, sich dann nur über den Erfolg anderer Schreibender zu freuen, anstatt die Bekannte zu packen und zu schütteln und ihr ins Ohr zu brüllen: „Ich schreibe seit über zehn Jahren Urban Fantasy und erzähl dir da auch andauernd von!“

Kann in diesem konkreten Fall echt nicht daran liegen, dass sie von den Sachen nix wusste.

Was meinte sie also?

Erfolgreiche Urban Fantasy?

Gute Urban Fantasy?

Urban Fantasy mit dem medienpolitischen „Gütesiegel“?

Ich weiß nicht, wie das bei anderen Schreibenden ist. Ich bin chronisch unsicher, was meine Geschichten angeht. Eigentlich ist das ja keine Literatur, um damit einmal anzufangen. Das sind nur so Geschichten halt, zum Unterhalten. Und ich bin nicht so gut in Sachen Buchsatz, oder Cover, oder Marketing. Ehrlich? Ich mach das überhaupt nicht richtig, und bei all den Ideen, die ich gleichzeitig verfolge, hab ich auch gar keinen echten Plan. Und in so einem Moment, wenn mir dann jemand vorschwärmt, jetzt gebe es ja „endlich deutsche Urban Fantasy“, denk ich mir: Joah.

Eigentlich könnt ich es ja auch sein lassen.

(Spoiler: Kann ich natürlich nicht.)

Genug gejammert, zurück ans Werk. Bis Ende des Jahres möchte ich euch Schattenfall 2 präsentieren, komplett mit Hexe, Katze und Götterstatue. In meinem Kopf ergibt das alles Sinn. Ist dann halt wieder keine Literatur. Ich erzähl euch nur ein wenig was. Wird magisch!

Niemand hat vor, sich aus dieser Breduoille herauszukonsumieren

Großaufnahme von vier nebeneinander stehenden, gefüllten Einkaufstüten aus Papier. Aus zweien ragen oben pastellfarbene Seidenpapiere heraus.
Foto von Denisse Leon, gefunden auf Unsplash.

Sind wir uns alle einig, dass wir eine kleine Umwelt- und Klimakrise haben? Gut, dann muss ich mir da den Mund nicht fusselig reden. Und ich gehe hart davon aus, wir wollen das auch alle irgendwie wieder besser machen, nicht wahr? Auch gut.

Aber wie? Die Umwelt schützen, das klingt ehrenhaft und nicht besonders spaßig. Gut, einige Dinge sind inzwischen schon zur zweiten Natur geworden. Wir trennen Müll und bringen leere Glasflaschen zum Container. An den Einwegpfand haben wir uns auch gewöhnt. Inzwischen sind sogar die Deckel fest an den Flaschen, damit die auch um Himmels Willen bitte unbedingt mitrecyclet werden.

(Für wen das eine Veränderung darstellt – was habt ihr vorher mit den Deckeln gemacht? Werden die irgendwann als Währung relevant?)

(Der Mann reißt die Deckel übrigens von den Flaschen ab, weil er es nervig findet, wenn die da so dran rumbammeln. Wenn die Flasche leer ist, schraubt er sie dennoch wieder drauf. Ein vobildliches Vorbild.)

Andere Dinge sind möglicherweise etwas schwieriger. Weniger (oder gar keine) Tierprodukte mehr konsumieren, das Auto öfter mal stehenlassen und stattdessen das Fahrrad oder den Nahverkehr verwenden, nicht für jedes lange Wochenende nach Malle fliegen und überhaupt essen wir wahrscheinlich alle zu viele Avocados.

Und dann sind da all diese Dinge, die man KAUFEN kann, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Armbänder, mit denen Schildkröten geschützt werden. Schuhe aus alten Autoreifen. Taschen aus alten Schuhen. Die ultimative Bambuszahnbürste, jetzt auch elektrisch (oder mit dressierter Hummel im Griff).

Leute, ich habe eine schlechte Nachricht: Wir können uns aus dieser Jauchegrube, in die wir uns hineingekauft haben, nicht wieder hinauskonsumieren. Oder wenn, dann nur auf eine Weise: Indem wir WENIGER kaufen und Dinge länger verwenden. Anstatt auf hippe Glasdosen fürs Mittagessen umzustellen, verwende ich einige meiner Pseudotüpperchen (aus dem guten alten Plastik) schon seit fünfzehn Jahren – und ich ersetze die auch wirklich erst, wenn sie kaputt sind. Ähnliches gilt für Kleidungsstücke (auftragen oder weiterverkaufen), Elektrogeräte (gestern habe ich ein zehn Jahre altes Handy wieder in Betrieb genommen), Möbel und eigentlich so ziemlich alles. Viele Dinge kann man reparieren, anstatt sie direkt zu ersetzen, auch wenn die Reparatur nicht viel günstiger ist als ein neues Gerät. Manche Sachen kann man selbst flicken oder langlebigen Ersatz für normalerweise gekaufte Einwegartikel wie Spültücher herstellen. Ja, auf dem letzten BuCon habe ich hinterm Stand drei Spültücher aus Baumwollgarn gehäkelt, die seitdem zuhause regelmäßig verwendet werden. (Ab und zu spül ich tatsächlich von Hand!) Und natürlich gibt es die Möglichkeit, sich Dinge zu leihen, entweder professionell oder von Freunden. Die Tage im Jahr, an denen ich eine Kreissäge brauche, beispielsweise, sind irgendwo im Bereich von 0 bis 1, die würde ich nicht direkt selbst kaufen.

Und erst, wenn man etwas wirklich neu kaufen muss, wird es spannend, wie etwas hergestellt wurde – langlebig? Aus umweltfreundlichen Materialien? Möglichst lokal? Unter ethischen Arbeitsbedingungen? Übrigens gibt es dabei auch viel Betuppung, wie man landläufig sagt. Gerade Bambus war ja eine Weile groß in Mode, für alles von der Socke bis zum Mehrweggeschirr. Wie viel davon letzten Endes Bambus ist, wie der gewachsen ist und ob nicht doch möglicherweise die Hälfte von dem Material Kunststoff und Füllmaterial ist, darüber hüllen sich Firmen oft in Schweigen.

Irgendwer hat mir übrigens mal – und ich bin sicher, darüber habe ich schon mehrfach öffentlich geschimpft, weil das einfach zu strunzig war – vorgerechnet, dass man eine Baumwoll-Einkaufstasche mehrere hundert Male verwenden müsse, ehe sie umweltfreundlicher sei als eine Einweg-Plastiktüte, und bis dahin sei die ja schon voll eklig. Für diese Person (und alle anderen, die eventuell verunsichert sind) habe ich eine tolle Nachricht: BAUMWOLLTÜTEN KANN MAN WASCHEN!!! Und auch von diesen Exemplaren habe ich einige seit mehr als zehn Jahren in Verwendung. Das soll mir jemand mit einer Plastiktüte erst einmal nachmachen!

Kommen wir zu den Dingen, die wir gerne HÄTTEN, aber nicht BRAUCHEN. Ja, die gibt es auch, und niemand soll in Sack und Asche gehen, weil sonst irgendwo ein Vögelchen weint. Es ist okay, es sich im Leben ein wenig schön zu machen – mit Büchern, Dekoartikeln und Schmuck, einer hübschen Handtasche oder mehr Tassen, als man gleichzeitig benutzen kann. Allerdings sehe ich manchmal, wie das auch in bester Absicht dann wieder ausartet und man beispielsweise bei der Buchbestellung eimerweise Flyer, Gummibärchen, in Sondereditionen Kerzen und Kram mitbekommt, der wahlweise Staub fängt oder Platz im nächsten Altpapier wegnimmt. Und da würde ich dann wieder gerne zu etwas mehr Zurückhaltung mahnen. Goodies sind toll, ich hab auch immer mal wieder welche (Gänsepins, anyone?), aber die Menge sollte begrenzt sein und man sollte Goodies auf jeden Fall verwenden können, anstatt sie nur einmal durchzugucken und dann irgendwo abzulegen, bis man sie doch wegwirft. Deswegen habe ich so gern Postkarten bei meinen Büchern, denn die verschicke ich auch regelmäßig.

Damit wäre ich, denke ich, auch schon am Ende meiner moralisch nicht eindeutigen Position zu Sachen Klima, Umwelt und Konsum. Und denkt bitte dran: Keine Enten schubsen!

Faule Schreiber*innen

Hab ich darüber schon einmal geschimpft? Keine Ahnung, wird offenbar mal wieder Zeit.

Für jedes Genre gibt es bekanntermaßen „Tropes“. Das sind Erzählmuster und Konventionen, die sehr häufig vorkommen oder sogar vorausgesetzt werden.

Und dann gibt es Erzählfiguren, die sind nur faul. Eine befreundete Autorin hat darüber geschimpft, dass in historischen Medien Bösewichte oft darüber charakterisiert werden, dass sie Frauen schlecht oder abwertend behandeln oder ihnen gegenüber sogar (sexuell) übergriffig sind. Und sie hat völlig Recht. Für viele schreibende Personen scheint das so eine Art Abkürzung zu sein: „Die Figur ist gemein zu Frauen, da ist sofort klar, dass sie böse ist.“ Und ehrlich gesagt … ich finde das einfallslos.

Zum einen erleben fast alle Frauen regelmäßig übergriffiges Verhalten. Wir wissen, wie das funktioniert. Und in den meisten Fällen funktioniert es definitiv nicht so, wie es geschrieben wird. Ergo haben die schreibenden Personen schlecht recherchiert.

Zum anderen: Dieses Pferd ist totgeritten. Genau so gut könnte man jede*n Schurken*in eben schnell einen Hundewelpen treten lassen, um zu zeigen, wie böse und gemein er*sie ist. Oder Gänseblümchen mit dem Flammenwerfer niedermetzeln.

(In dem Zusammenhang ein kleiner Exkurs: Es macht deinen „guten Kerl“ auch nicht automatisch zu einem guten Kerl, dass er Frauen wie Menschen behandelt. Das ist ja wohl das Mindeste, was wir erwarten können.)

Denk immer daran, die meisten Schurk*innen begreifen sich selbst ja nicht als böse – egal ob in fiktiven Konflikten oder in der realen Welt. Die wissen, dass es schlecht ist, Frauen schlecht zu behandeln. Sogar die RAF-Leute dachten, sie tun der Welt einen Gefallen und nehmen dafür einige notwendige kleinere Übel in Kauf. Und Leute, die wissen, dass sie etwas Schlechtes tun (wie Einbrecher oder Diebe) können abgesehen davon ganz hinreißende Menschen sein. Möglicherweise bringen sie sogar eine subjektiv gute Begründung für ihr schlechtes Handeln mit.

Umgekehrt wird übrigens auch ein Schuh draus: Es gibt Menschen, die sich für das Gute für die Allgemeinheit einsetzen und gleichzeitig toxische Charakterzüge haben. Niemand ist nur gut oder nur böse. Natürlich ist es schwierig, eine Protagonistin mit internalisierter Misogynie sympathisch zu machen (solche lege ich meistens direkt wieder weg) oder zu erklären, warum der Komissar jetzt seine Frau betrügen muss, aber … Menschen sind kompliziert. Auch (und gerade!) die in Geschichten. Sie stattdessen als Ausstechförmchen-Figuren zu erzählen, die man nicht mal mit Details glasiert hat, wird der Geschichte in den meisten Fällen nicht gerecht.

Neues Jahr, neue Bücher

Eine Wiese ist beinahe komplett mit herbstlichem Laub bedeckt, darauf liegen aufgeschlagene Bücher und bilden einen sich schlängelnden Weg. Die Lichtstimmung ist abendlich.
Foto von Laura Kapfer, gefunden auf Unsplash

Ein neues Jahr ist da, und damit ist Zeit, mir zu überlegen, was ich mit den kommenden zwölf Monaten anstellen will.

Zuerst einmal möchte ich den nächsten Band der „Schattenfall“-Serie veröffentlichen. Insgesamt sind vier Geschichten geplant. Im Moment kämpfe ich damit, dass der zweite Band düsterer werden will, als ich es für die Reihe geplant hatte, und ich die Pläne der Charaktere mit meinen eigenen in Einklang bringen muss. Lustigerweise weiß ich bei Band 2 den Plot und kämpfe mit der Stimmung, bei Band 3 kenne ich die Stimmung und habe noch keinen Plot und für Band 4 weiß ich nur, wie es enden soll. Üblicherweise ergeben sich die Details unterwegs und passen am Ende dann so wunderbar zusammen, als hätte ich das alles meisterlich geplant.

(Beispielsweise wusste ich bis fast zuletzt nicht, welche Rolle der Taubenmann in „Magie hinter den sieben Bergen“ spielen würde. Die Autorin wird offenbar immer zuletzt informiert.)

Außerdem muss ich mir überlegen, was ich mit zwei kompletten weiteren Manuskripten machen möchte, die hier liegen. Beide brauchen noch ordentlich Politur und möchten dann hinaus in die Welt, aber wie mache ich das am besten? Selfpublishing oder Verlagssuche? Für die Verlagssuche spricht, dass ich dann viel mehr Expertenunterstützung bei allem habe, womit ich mich nicht auskenne. Allerdings bin ich echt nicht die geduldigste Person der Welt. Als Selfpublisherin kann ich Dinge viel schneller machen, aber es kostet nun einmal Geld, gewisse Dienstleistungen einzukaufen, wenn ich sie nicht selbst lernen will, und seien wir ehrlich – die meisten SP-Autor*innen, die professionell investieren, sehen die paar tausend Euro pro Buch nicht wieder. Wenigstens haben wir so nie Geld für Drogen.

Das Hörbuchprojekt ist auch noch offen. Im Moment bin ich mit meiner Leistung auf hohem Niveau nicht zufrieden, was meist bedeutet, dass ich demnächst einen Lernsprung durchmachen werde. Wenigstens „Allerseelenkinder“ möchte ich wirklich endlich dieses Jahr fertigkriegen, aber auch das braucht seine Zeit. (Als Faustregel habe ich gelesen, dass man pro fertiger Stunde Hörbuch etwa zwei Stunden Material aufnimmt und vier Stunden schneidet. Nach meiner begrenzten Erfahrung könnte das durchaus stimmen.)

Dann möchte ich wieder mehr Kurzgeschichten schreiben. Letztes Jahr konnte ich Geschichten in zwei Projekten unterbringen und habe mich dabei daran erinnert, wieviel Spaß solche Projekte machen können.

Über ein anderes Projekt, das sich in der Schwebe befindet, sag ich an dieser Stelle lieber nichts. Wenn es funktioniert, wird es episch. Und lustig. Und bunt. Und arbeitsintensiv. Aber vor allem episch.

Hatte ich erwähnt, dass das verflixte Jahr nur zwölf Monate hat? Und dass mein Notebook aktuell Zeichen vorangeschrittenen Alters zeigt und DRINGEND ersetzt werden muss? Ich bin jetzt schon gestresst. ^^

Einige Dinge werde ich hingegen wahrscheinlich nicht machen. Dazu gehören etwa bunte Buchschnitte. Darüber, was gute Bücher für mich ausmacht, schreibe ich vielleicht demnächst einmal. Bunte Farbe gehört in den meisten Fällen nicht dazu.

Zum Ausgleich gibt es eine kleine Lesechallenge: Ich möchte alle 41 Scheibenwelt-Romane hintereinander lesen. Nein, mit halben Sachen geben wir uns gar nicht erst ab. Wo kämen wir denn da hin?

Welche (Lese-/Schreib-/Weltherrschafts-)Pläne hast du?

Angst vor großen Projekten? Nicht mit mir!

Auf einer gehäkelten Decke liegt ein schwarzweißer Kater und schaut aufmerksam nach links. Die Decke besteht aus mehrfahrbig-bunten Kreisen, die mit schwarzem Garn warbenartig verbunden sind. Die Farben reichen von cyanblau über grün, gelb, orange bis rot.
Kurt findet, die Decke steht ihm gut.

Manchmal unterhalte ich mich mit Leuten übers Schreiben, und die erzählen mir: „Ich würde ja so gerne einen Roman schreiben, aber das ist so ein riesiges Projekt! Das krieg ich ja nie fertig!“ Und zum einen verstehe ich das, zum anderen … du musst dir einfach kleinere Stücke abbeißen.

Seit einer Weile schon wollte ich mal eine Decke häkeln. Nur um zu gucken, ob ich das kann. Aber so eine Decke ist ja groß, und ich weiß, wie lange ich schon für die Schultertücher brauche. Bestimmt schaffe ich das nie, so ein großes Projekt!

Glücklicherweise hatte die Garnmanufaktur letztes Jahr das perfekte Set für mich – eine Anleitung mitsamt Garn für eine Temperaturdecke. Temperaturdecken (oder Schals, oder …) funktionieren immer nach dem gleichen Prinzip: Für jeden Tag wird ein Abschnitt gestrickt oder gehäkelt, und die Farbe sucht man nach dem Wetter des jeweiligen Tages aus. Dieses Projekt gefiel mir besonders, weil jede Kachel drei Informationen enthält: Wenn es an dem Tag geregnet hat, ist das Zentrum der Kachel schwarz. Die innere Farbe steht für die Mindesttemperatur, die äußere für die Höchsttemperatur – und verbunden wird alles wieder wabenartig mit schwarzem Garn. Und das Schöne – du hast es erraten – man macht jeden Tag nur eine Kachel. Das hat am Anfang bei mir etwa eine halbe Stunde gedauert, die letzte Kachel heute morgen habe ich in 15 Minuten gehäkelt.

(Meine Decke geht von einer Wintersonnenwende zur nächsten, mit schwarzen Kacheln für den Neumond und Kacheln mit silbernem Rand – mit Hilfe von Beilaufgarn – für Vollmondtage, deswegen ist sie heute morgen fertig geworden.)

Rein theoretisch musste ich mich also nur jeden Tag für etwa eine halbe Stunde hinsetzen und die Kachel für den Vortag machen. Klingt völlig realistisch, oder? Also habe ich das Set gekauft und mich drangesetzt. Und natürlich lief es NICHT immer so schön regelmäßig. Manchmal war ich Abends zu müde, um mit mehreren Farben zu häkeln. Manchmal hatte ich keine Zeit. Manchmal musste ein anderes Projekt fertig werden – oder ich war auf Reisen, da nimmt man lieber nur ein Knäuel mit statt einer Box voller Garn.

Karton mit mehreren kleinen Garnknäueln in unterschiedlichen Stadien des Verbrauchs. Von oben links (blau) bis unten rechts (rot-pink) insgesamt 13 Knäuel. Unten links in der Box außerdem zwei Spulen mit Beilaufgarn, eines davon silberfarben, eine Bastelschere und eine schlichte Häkelnadel. Schwarzer Faden ragt zwischen den anderen Knäueln hervor.
Die Reste vom Feste. Reicht wahrscheinlich für drei weitere Tücher.

Und zu guter Letzt – als es im Sommer so warm war, dass die Temperaturtabelle der Garnmanufaktur nicht mehr ausreichte, um das Wetter abzubilden, und ich kupferfarbenes Beilaufgarn für die beiden heißesten Tage hinzugenommen habe, hatte ich längere Zeit einfach keine Lust, dann auch noch schwitzend unter so einem halbfertigen Ding zu sitzen. Also habe ich mir nur fleißig Notizen zu Niederschlag und Temperatur gemacht (dieser Homepage sei Dank!) und mich, als es wieder kühler wurde, ans Werk gemacht, um wieder aufzuholen. War auch gar nicht schlimm, als ich zeitweise 40(!!) Kacheln zurück lag. Ich wusste allerdings, dass ich am 21.12. die letzte Kachel häkeln wollte.

Das habe ich heute morgen auch gemacht. Also ein Jahr lang jeden Tag im Schnitt 25 Minuten Arbeit, und am Ende hat man eine Decke.

Genau das gleiche kannst du mit einem Roman machen. Sagen wir, der soll etwa 80.000 Wörter lang werden. „Carrie“ von Stephen King hat im Original etwa 62.000 Wörter, mit 80.000 bist du also schon wirklich gut dabei. Wenn du das innerhalb eines Jahres schreiben wolltest und würdest dich dafür jeden Tag dransetzen, wie viele Wörter wären das pro Tag?

Ich hab’s für dich ausgerechnet: Etwa 220.

220 Wörter – dieser Blogpost ist schon länger! Das ist etwa eine Normseite. Die schafft man ganz fix! Am besten machst du dich also direkt heute ans Werk. Und wenn du mal an einem Tag nichts schreibst, ist das nicht wild – du kannst aufholen, und an anderen Tagen schreibst du dafür bestimmt mehr, wenn du einmal im Fluss bist. Beiß dir von dem Mammutprojekt „Roman“ also einfach jeden Tag 220 Wörter ab und schau, dass du die fertig kriegst.

(Natürlich ist es gut, wenn man für solche Projekte einen Plan hat. Das muss kein Plot sein, wenn du lieber drauflos schreibst, aber ein Plan wäre gut.)

Und wenn du das durchziehst, hast du am Ende des Jahres eine wunderbare Wortdecke, in die du deine Leser einwickeln kannst.

Aufsicht von oben auf die Decke. An den Rändern erkennt man, dass sie aus Sechsecken besteht, und dass die Farben grob diagonal verteilt sind. Auf der Decke liegt der schwarzweiße Kater und fühlt sich sehr wohl. Am Rand des Bildes herrscht Chaos.
Fertiger Roman (Symbolbild).

Das bisschen Übersetzen … (ihr habt es erraten, ein Rant)

Schwarzer Hintergrund, hölzerne Tischplatte. Darauf liegt, schräg gestützt, ein aufgeschlagenes Wörterbuch.
Foto von Pisit Heng, gefunden auf Unsplash

Orr, ich hab Schnappatmung. Stellt euch eine wütende Forelle vor, oder von mir aus eine Flunder. Möglicherweise wisst ihr das, aber ich schreibe ja nicht nur Bücher und merkwürdige Blogposts – im Brotjob bin ich Übersetzerin für medizinische Fachtexte. Und ich behaupte, ich bin darin gar nicht mal so schlecht – möglicherweise fast schon ein bisschen gut. Auf jeden Fall mache ich das seit vielen Jahren mit anhaltender Begeisterung und bin mitunter sogar stolz auf das Endergebnis.

Jemand, dem ich eigentlich relativ viel Sachverstand zutraue (oder bis gerade eben zugetraut habe), hat in einem Artikel jetzt sinngemäß erklärt, Übersetzen sei ja nicht so schwer. Wer eine Sprache auf B-Level könne, könne definitiv auch schon übersetzen. (Weiter ging es dann darum, dass das ja deswegen keine Kunst sei und es keine KI-Regulierungen für KI-basierte Übersetzungen brauche, das ist ein anderes Thema … BTW, wusstet ihr, dass Übersetzer*innen das Urheberrecht an ihren Übersetzungen halten, weil die als eigenständige Texte gelten? Jetzt wird es kompliziert, ich lass das mal so stehen.)

Wer wissen möchte, was „B-Level“ bedeutet, ich kopier euch mal eben eine Definition:

B1 – Fortgeschrittene Sprachverwendung
Kann die Hauptpunkte verstehen, wenn klare Standardsprache verwendet wird und wenn es um vertraute Dinge aus Arbeit, Schule, Freizeit usw. geht. Kann die meisten Situationen bewältigen, denen man auf Reisen im Sprachgebiet begegnet. Kann sich einfach und zusammenhängend über vertraute Themen und persönliche Interessengebiete äußern. Kann über Erfahrungen und Ereignisse berichten, Träume, Hoffnungen und Ziele beschreiben und zu Plänen und Ansichten kurze Begründungen oder Erklärungen geben.
B2 – Selbständige Sprachverwendung
Kann die Hauptinhalte komplexer Texte zu konkreten und abstrakten Themen verstehen; versteht im eigenen Spezialgebiet auch Fachdiskussionen. Kann sich so spontan und fließend verständigen, dass ein normales Gespräch mit Muttersprachlern ohne größere Anstrengung auf beiden Seiten gut möglich ist. Kann sich zu einem breiten Themenspektrum klar und detailliert ausdrücken, einen Standpunkt zu einer aktuellen Frage erläutern und die Vor- und Nachteile verschiedener Möglichkeiten angeben.

(Quelle)

Das klingt doch schon nach etwas, oder? Klaro kann man mit diesem Level an Sprachverständnis/-verwendung übersetzen!

(Plattenscratschgeräusch.)

Ähm, ja, möglicherweise nicht. Zum einen enthält erst Level C auch das Verstehen implizierter Textinhalte (das, was zwischen den Zeilen steht), flexiblen Sprachgebrauch (verschiedene soziale Levels, Stilvariationen, …) und das Wiedergeben komplexer Sachverhalte. So etwas ist für eine ordentliche Übersetzung unabdingbar. Aber damit ist es nicht getan.

Gut, ja, wenn es darum geht, für Tante Walburga ein Chocolate-Chip-Cookie-Rezept zu übersetzen, kommt man mit B-Level-Englisch möglicherweise schon hin (schnell: Wie schwer ist „one stick of butter“ in US-amerikanischen Rezepten? Wie schwer ist „1 cup of flour“? Was verwendet man als „Sour Cream“?), aber Übersetzen ist viel mehr als: „Ich nehme dieses Wort in der Fremdsprache und schlage nach, was es in meiner Sprache bedeutet.“

Nicht umsonst studiert man Übersetzen üblicherweise an der Uni, und zwar auch mehrere Jahre. (Ich habe fürs Diplom sieben gebraucht, das war etwas mehr als die Regelstudienzeit.) Und das Studium besteht nicht nur aus Sprachkursen. Man studiert auch kulturelle Besonderheiten der anderen Kulturen. Und ein wesentlicher Teil der Zeit geht für Sprach- und Übersetzungswissenschaften drauf. Das war mein Lieblingszweig, ein wirklich spannendes Gebiet, ich habe die Fachbücher zuhause und schmökere da gerne drin. Man lernt eine Menge darüber, wie Kommunikation funktioniert und welche Arten von Kommunikation es gibt, auf welche Bedeutungsebene man sich bewegen kann, welche Funktionen eine Übersetzung erfüllen kann/muss, ob das Zielpublikum von Bedeutung ist etc. Viel davon verwendet man später im Übersetzungs-Alltag, etwa bei der Textanalyse oder wenn man sich für einen Stil für die Übersetzung entscheidet.

(Abschweifend: Mir persönlich fehlt im ÜS-Studium ja noch der verfeinerte Gebrauch der Muttersprache – viele erwachsene Menschen (auch solche mit Uni-Abschluss) scheitern am genauen Lesen und Erfassen komplexer Texte, da sollte man auch bei Übersetzer*innen vorbauen. Aber ich jammere gern auf hohem Niveau.)

Und eine weitere Superkraft von Übersetzer*innen: Wenn die Person, die den Ausgangstext verfasst hat, dabei so richtig Mist gebaut hat (Stichwort Speech-to-text-Hasshölle), können wir das wieder geradebiegen. Je nachdem, was das Ziel der Übersetzung ist, finden wir glaubwürdige Methoden, die Textfehler in der Zielsprache nachzubauen, oder wir merzen sie aus und verbessern den Zieltext gegenüber dem Ausgangstext sogar.

Wer wissen will, wieviel Einfluss Übersetzer*innen auf Texte haben, soll sich mal einen Buchklassiker nehmen und verschiedene Übersetzungen dazu anschauen. Ein häufiger genanntes Beispiel hierfür ist „Der Meister und Margarita“ von Michail Bulgakow. Ich bleib hier so lange sitzen, schaut euch das mal an.

Halte ich KI-Tools als Übersetzungshilfe denn jetzt für böse? Natürlich nicht. Irgendwann können sie möglicherweise sogar menschliche Übersetzer*innen vertreten. Aktuell fehlt aber noch das tiefere Textverständnis. Sogar wenn ein KI-übersetzter Text auf den ersten Blick solide klingt, merkt man beim analytischen Lesen schnell, wo Bezüge nicht richtig hergestellt werden oder Hintergrundwissen fehlt, um den Text (und die Übersetzung) im kulturellen Kontext einzuordnen.

Langer Schimpftirade kurzer Sinn: Wenn man von etwas keine Ahnung hat, sollte man vielleicht öfter mal die Fresse halten. Und auf keinen Fall sollte man auf die fachlichen Leistungen in Bereichen, von denen man keine Ahnung hat, spucken. Ich geh doch auch nicht Buchcover kritisieren oder erzähle Automechaniker*innen, das bisschen Schrauben sei keine Leistung, so einen Ölfleck auf der Hose könne sich jeder holen.

Andererseits … ich war in Bio ganz gut, und ich habe auch schon mal „Dr. Bibber“ gespielt. Wer von euch würde sich von mir operieren lassen? So schwer kann das gar nicht sein, das bisschen Aufschneiden und Herummatschen.

Merkwürdige Begegnungen oder: Wie ich auf einem Spaziergang im Wald gewhamt wurde

Nahaufnahme eines geschmückten künstlichen Weihnachtsbaumes, man sieht im Fokus eine goldene und eine rote Kugel sowie ein messingfarbenes Gläckchen mit einer Schleufe, unscharf im Hintergrund weiteren goldfarbenen und roten Christbaumschmuck.
Foto von Rodion Kutsaiev, gefunden auf Unsplash.

Gestern war eine Schrottladung Zeug zu erledigen: Papierkram, Feiertagsgrußkarten, Päckchen packen, Bücher verschicken, Kuchen backen. Was sich so auf der To-do-Liste sammelt, wenn man professionell prokrastiniert. Jetzt kann ich nicht den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen, und die 20 Minuten in der Küche zählen einfach nicht als Ausgleich. Also habe ich mich aufgerafft, mit schmerzendem Rücken, und bin eine Runde durch unseren zauberhaften Wald spaziert.

Es war Sonntag und sonnig, also hatten viele andere Leute die gleiche Idee. Von Ruhe und Entspannung nicht viel zu sehen. Auf einer Lichtung tobten einige Kinder, Stockschwerter schwingend, von Baum zu Stumpf. Hunde und ihre Menschen knäuelten sich an strategisch günstigen Punkten zur obligatorischen Unterhaltung. In den Baumkronen schimpften die Eichelhäher über die unerwartete Unruhe.

Ehrlich gesagt, ich war müde. Sehr müde. Wär ich vorwärts aufs Gesicht gefallen, wäre ich liegengeblieben. Allerdings lässt man so ein schönes Wetter ja nicht einfach verkommen. Und die Runde hinterm Haus ist auch nur etwa fünf Kilometer lang, also gut zu bewältigen. Ich wich anderen Leuten aus, so gut es ging, und schlurfte vorwärts – in Gedanken immer bei der Tasse Kaffee, die ich mir zuhause als erstes machen würde.

Und irgendwann ist auch der längste Spaziergang zu Ende. Die Hochhäuser tauchten zwischen den unbelaubten Baumkronen auf, rechterhand konnte ich den Friedhof sehen. Das ist die Stelle, an der viele Spaziergänger, die extra für ihre Portion Wald auf den Berg kommen, ihre Autos abstellen. Und während ich weiter Richtung Heimat schob, tauchte um die Ecke auch eine ältere Mercedes-Limousine auf. Wurde langsamer, wendete in einer Einfahrt, hielt am Bordstein.

Die Tür ging auf. Dampfschwaden erhoben sich in die Lüfte.

Kindheitserinnerungen an lange Autofahrten mit meinen rauchenden Eltern suchten mich heim.

Ein schick angezogener Mensch mit asiatischem Aussehen stieg aus dem Wagen. Er reckte sich und machte ein paar Tanzmoves, bei denen ich nicht weiß, ob sie in Mode sind. Aus dem Wageninneren erschall Gelächter.

Und dann passierte es!

„Last christmas I gave you my heart …“ – in bester Autolautsprecherqualität.

Die Szene dauerte nur einen Augenblick.

Der junge Mann stieg wieder in den Wagen, die Türen schlossen sich und der Mercedes rollte davon.

So wurde ich dieses Jahr also gewhamt. Wie in einer Twin-Peaks-Episode.

Ach, es könnte bestimmt noch schlimmer sein.

Zurück zur Schule – wieder und wieder und wieder und …

Tisch mit Knete in Töpfen, großen Holzbuchstaben, Stiften und Papier. Ein niedriger Holzstuhl mit rosa Lehne steht am Stuhl, im Hintergrund ein Spielzeugklavier.
Von Gautam Arora, auf Unsplash

Es ist ein fauler Tag. Ich hab nicht viel gemacht und ruhe mich jetzt davon aus. Im Hintergrund laufen Failvideos auf Youtube, die Katze schnarcht neben mir und ich scrolle durch Instagram.

Innerhalb von zehn Minuten habe ich vier(!) verschiedene(!) Vorstellungen von Büchern gelesen, die an magischen Internaten spielen.

Warum???

Abklatsch der Serie, die nicht genannt werden wird? Nostalgischer Self-Insert? Oder bauen die Schreibenden darauf, dass alle wohl mal auf einer Schule waren und sich deswegen bestimmt grandios abgeholt fühlen?

Keine Ahnung. Aber gerade im Fantasy-Bereich geht mir der Mangel an Fantasie auf den Zeiger. (Minuspunkte, wenn die Story grundlos in Schottland spielt, das hatte ich diese Woche schon zweimal.) Und auf den ersten Blick ist es auch immer die gleiche Geschichte: X kommt später an die magische Schule als alle anderen, alle finden sie doof, gezwungenermaßen arbeitet sie mit dem mysteriösen Y zusammen, wird versehentlich zur Schulbesten und klärt dabei noch ein finsteres Geheimnis auf.

Laaaaaangweilig!

Stellt die verdammte Schule doch wenigstens mal in den Ruhrpott – und macht ein Finanzamt draus. Nehmt eine*n Protagonisten*in, der*die den Führerschein nicht erst seit zwei Wochen hat. Erspart mir den Love Plot mit dem (wenig) überraschend feinfühligen Bad Boy. Und steckt mehr Überlegung ins Worldbuilding als „… und Magie!“

Gut, möglicherweise bin ich nicht die Zielgruppe für diese Art Romane. Andererseits lese ich YA/NA Fantasy durchaus gern, wenn sie gut gemacht ist – von Frances Hardinge habe ich bestimmt schon das eine oder andere Mal geschwärmt? Oder kennt hier wer „A wizard’s guide to defensive baking“ von T. Kingfisher?

Vielleicht bin ich auch nur alt und grummelig. Ich sollte meinen Tee trinken und ins Bett gehen, wie es sich für eine alte Frau gehört. Nur ein Hoffnungsschimmer bleibt mir: Wenigstens muss ich morgen früh nicht ins Internat, um mit den Mean Girls zu konkurrieren, während Brad mich finster anschmachtet.

(Oh, Brad!)

Keine Macht den Drogen! (Aus finanziellen Gründen)

Jeden Monat um den Fünfzehnten herum aktualisiere ich meine Buchhaltung. Da sind nämlich die Vormonats-Berichte von Kindle Direct Publishing verfügbar, und das ist für Selfpublisher*innen wie mich nun einmal eine relevante Einnahmequelle. Und was kann ich sagen? Es könnte schlimmer sein. Es könnte aber auch viel, viel besser sein.

Weißer Hinter- und Untergrund. IM Zentrum des Bildes groß fünf Münzstapel, von links nach rechts: Ein-Cent-Münzen, Zwei-Cent-Münzen, Fünf-Cent-Münzen, Zehn-Cent-Münzen, zwanzig-Cent-Münzen. Der Gesamtwert der Münzen liegt unter vier Euro.
Foto von Ibrahim Rifath, gefunden auf Unsplash.

Bestimmt hast du schon öfter darüber jammern hören, doch meine Stimme fehlt gerade im Chor: Die meisten schreibenden Personen werden durch das Schreiben nicht reich – es sei denn, sie schreiben einen Erpresserbrief, das soll ganz lukrativ sein. Bücher hingegen … na ja. Wir machen das ja nicht für den Mammon, sondern für die Kunst. Oder wenigstens rede ich mir das gerne ein.

Wenn mir Leute erzählen, dass ihre Kinder beruflich Bücher schreiben wollen, bemühe ich mich stets, etwas Ermutigendes zu sagen: „Toll! So hat dein Kind nie Geld für Drogen!“

Natürlich wissen wir alle, dass Leute wie Stephen King im Lauf ihrer Karriere durchaus Geld für Drogen hatten, nur ist das leider eher die Ausnahme als die Regel. Dennoch hegen alle, die Bücher schreiben, diesen heimlichen Traum: Ich will zu den finanziell erfolgreichen zwei Prozent gehören! Wer behauptet, dem sei nicht so, betrügt die anderen und sich selbst nur gründlicher als die meisten.

Auf meinem gemütlichen Bürojob-Polster kann ich es mir natürlich leisten, genau das zu schreiben, was ich schreiben will, in meinem Tempo zu arbeiten und aktuelle Trends zu ignorieren. Anderen Leuten geht es da wesentlich weniger rosig. Welches Genre, welche Art Geschichte wird das nächste große Ding? Ohne den Zauberlehrling, der nicht genannt werden darf, gäbe es aktuell wahrscheinlich sehr viel weniger einförmige Zauberschulenbücher. (Wer für diese lästigen Love Triangles zuständig ist, da bin ich mir noch nicht sicher. Aber wenn ich den*die erwische, dann … ! (Droht mit der Faust.)) Und klaro, alle behaupten, sie schrieben nur Herzensprojekte, denn da das alles hier ja Kunst ist, redet niemand über finanziellen Erfolg oder die Frage, wie man das nächste Lektorat bezahlt.

Ich denke mir: Wenn ich damit schon nicht reich werde, will ich in all den Stunden, die ich am Schreibtisch sitze und tippe, wenigstens Spaß haben. Deswegen gibt es hier keine aktuellen Trends und leider wohl auch nicht „das nächste große Ding!“ (von dem ich natürlich auch träume, siehe oben), dafür aber viele kleine und größere Geschichten, die mir auch bei der dritten Überarbeitungsrunde noch viel Spaß gemacht haben. Natürlich würde ich lieber noch viel mehr Zeit in diese Geschichten stecken, aber da irgendwer das Katzenfutter bezahlen muss, geht das leider nicht.

Und jetzt Butter bei die Fische – was würdest du mit deinem Leben machen, wenn Geld überhaupt keine Rolle spielte?

Und Action!!!

Um im Internet Aufmerksamkeit zu erregen, sind Bilder angeblich von größter Bedeutung. Und das ist, wenn man keine Ahnung von Design und so ’nem Schmuh hat, manchmal ein Problem.

Ich kann nicht malen.

Fotografieren ist Glückssache, und Bildbearbeitung wurde mir verboten (aus gutem Grund!).

Mit meinen Selfie-Künsten ist es auch nicht weit her, siehste?

Selfie im Wald. Im Hintergrund dunkles, herbstliches Grün. Im Vordergrund eine sichtlich müde Autorin: Rote Pumuckl-Frisur, blasse Haut mit Falten und Sommersprossen, große Brille mit Drahtgestellt, ungepflegte Augenbrauen, Lächeln. Die Autorin trögt eine violette Allwetterjacke und einen weinroten Sweater mit buntem geometrischem Aufdruck, von dem man nur die Kapuze aus dem Jackenkragen herausragen sieht.

Deswegen mag ich Action Shots am liebsten. Fotos von Leuten, die wissen, was sie tun, auf denen ich in Aktion zu sehen bin – am liebsten in einem Moment, in dem ich nicht einmal mitkriege, dass ich fotografiert werde. Und genau so ein Foto habe ich heute bekommen. Es stammt vom Pott-Phantastika-Wochenende und ich wollte es euch keinesfalls vorenthalten.

Tadaa!!!

Ausschnitt aus einem amtlichen Schreiben, im Wesentlichen sieht man den Schwarzweiß-Abdruck eines Fotos. Darauf zu sehen ist die Autorin am Steuer eines Autos, konzentriert fahrend. Ebenfalls im Bild sind ein Navi und ein Stofftier, das vom Rückspiegel baumelt.

Ein echter „Action Shot“. War auch gar nicht so teuer. Zugegeben, ich bin die zweitlangweiligste Autofahrerin der Welt und war sagenhafte 8(!!!) km/h zu schnell. Na ja, erwischt ist erwischt. Ich konnte eben kaum erwarten, wieder zum Schloss Horst und zur Pott Phantastika mit all ihren wundervollen Menschen zu kommen.