Das war nicht meine Buchmesse!

Krass, wie viel Mühe sich so eine vergleichsweise gemütliche Stadt wie Leipzig macht – veranstaltet gleich zwei parallele Buchmessen! Anders kann ich mir nicht erklären, wie sehr sich die Einschätzung von Herrn Otte von meinem Erleben unterscheidet.

Gehen wir das eben der Reihe nach durch.

Überfüllung und Stress am Eingang – ja, irgendwie schon. Bereits um neun (die Messe öffnet erst um zehn) waren die Schlangen an den Eingängen wirklich beeindruckend. Fand ich einerseits schon lästig, andererseits: Hurra, so viele Leute interessieren sich für Bücher! Wenn so viele Leute in die Hallen wollen, wird es natürlich auch voll. Zeitweise war der Zugang zu einigen Hallen beschränkt, damit es eben nicht zu voll wird. Für introvertierte Hamsterbacken wie mich ist das natürlich nicht einfach, aber mehr als üblich hätte ich darüber jetzt nicht gejammert. Es ist halt Messe. Es wird voll.

Rosa Kunstblumen – gut, wo ist das Problem? Die Ausstellenden haben sich um eine angenehme Atmosphäre bemüht. Kann man schlecht finden, aber … warum? Oder ist das Problem, dass die Kunstblumen rosa waren? Ich bin verwirrt.

Verpasste Termine – ja, davon hab ich gehört. Vielleicht kann man die Messe davon überzeugen, zulaufstarke Termine ab dem kommenden Jahr erst eine halbe (oder ganze) Stunde nach Messebeginn zu legen? Ich meine, das ist ja ein Problem, dass sich einfach lösen ließe, wenn etwa das komplette Programm erst um 10:30 h beginnt und die großen Zugpferde auf die Zeit ab elf (oder zwölf) verlegt werden. Ich stelle es mir schwierig vor, so viele Programmpunkte zu koordinieren, aber gewiss lässt sich da etwas verbessern.

Cosplay – vorhanden, auch reichlich. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie viel Mühe sich diese Leute mit ihren Kostümen geben. Also, ich könnte das nicht. Warum Herr Otte das jetzt unbedingt so hart sexualisieren muss, weiß ich nicht. Vielleicht Prägung? Möglicherweise ist er gewohnt, dass jede Schulter und jedes Knie, womöglich gar der Bauchnabel, exklusiv zur Erbauung der männlichen Zuschauer entblößt wird. Das ist aber ein „Ihm-sein-Problem“, keines der Allgemeinheit. (Von einer „Mehrheit“ kann man übrigens kaum sprechen. In den Hallen Drei und Fünf, wo ich die meiste Zeit über war, waren vielleicht 10 % der Besucher*innen aufwändig kostümiert. Ich vermute, dass Herr Otte eine gewisse Matheschwäche hat. Oder er war nur in Halle Eins, da sah es natürlich anders aus.)

Ein Mangel an rechten Verlagen – hurra! Endlich Ruhe vor dem braunen Gesocks! Oder etwa nicht? Einige wenige konnte man auf der Messe erspähen mit ihrer üblichen Rhetorik („Die Woken starten die nächste Buchverbrennung!“##), aber insgesamt war es erstaunlich friedlich. Klar, Diskussionen und Streit gehören zum Alltag, aber: Will man wirklich mit Leuten diskutieren, deren Ideologie klar menschenverachtend und demokratiefeindlich ist? Also, ich nicht unbedingt. Muss jede*r selbst wissen. Angeblich soll es in Halle eine rechte Gegen-Buchmesse geben, da kann Herr Otte sich ja hinstellen und eine friedliche Diskussion unter zivilisierten Leuten abhalten. Ich bin gespannt, wie das ausgeht.

Kuscheln bei Podiumsdiskussionen – dazu kann ich nicht viel sagen, ich habe mir kaum Programmpunkte angeschaut. Möglich, dass es zu harmonisch zuging. Aber es ist ja durchaus möglich, im nächsten Jahr reibungsfähigere Programmpunkte anzumelden: „Buchboxen bis zum Blackout“ oder „Verlagskeilerei de luxe“? Bitte ja!

Romantasy und Co – erstens kann man das alles nicht in einen Topf werfen. Zweitens finde ich die genannten Genres („Romance oder Dark Romance, Romantasy oder New Adult“) selbst nicht soooo prickelnd, doch weißte was? ICH LES DIE EINFACH NICHT. „Softporno im Buchformat“, schön und gut. Erinnert mich hart an die laufende Kritik an Romance Novels, die seien ja nur „female wish fullfilment“ – und all die auf das männliche Publikum ausgerichteten Western, Thriller, … nicht? Ob man sich jetzt mit dem ultimativen Fighting Champion mit Waffenschein identifiziert oder mit der wunderhübschen Bäckerin, die den Witwer um den Finger wickelt, ist doch letzten Endes schnuppe. Ist möglicherweise keine hochwertige Literatur, aber Lesen darf auch schon einfach nur mal Spaß machen.

Alles in allem also: Pusteblume. Es steht allen Besuchenden frei, sich die Messe so schön und harmonisch oder kontrovers und aufregend zu machen, wie sie wollen. Ich finde es gar nicht schlimm, mal vier Tage mit Leuten friedlich-angeregt über Bücher, den Markt und Buchideen zu reden. Streiten können wir das ganze restliche Jahr über immer noch.

Und wer zieht mit mir jetzt das Buchboxen auf?

##Buchverbrennung? Bitte was? Denk doch mal einer an den CO2-Ausstoß! Bücher werden gefälligst kompostiert. Oder geschreddert und als Füllung für vegane Schnitzelalternative verwendet. Tsk!

Zur Glaubwürdigkeit des WDR

Wusstest du, dass der WDR seeeehr um seine Glaubwürdigkeit besorgt ist? Ja, so hab ich auch geguckt. Und weil ich mich für extrem lustig halte, habe ich das natürlich mit einem Leserinnenbrief quittiert, den ich dir nicht vorenthalten möchte.

Liebes WDR-Team, sehr geehrte Frau Vernau,

um die Glaubwürdigkeit des WDR zu erhöhen, finde ich, Sie sollten auch meine Meinung zu verschiedenen politischen Themen abbilden. Zwar hat mich niemand gewählt, aber ich bin eine genau so absurde politische Randerscheinung wie die AfD (und viel weniger menschenfeindlich). Also:

Ich fordere ein Verbot hässlicher Hüte.

Alleinstehenden Frauen ab 30 sollten gratis Katzenbezugsscheine zugeteilt werden.

Für eine Waldspaziergangspflicht (und wer seinen verdammten Müll nicht mitnimmt, wird mit dem Kopf in die Wildsausuhle getunkt).

Ihr Publikum wartet sicher schon angespannt auf diese und weitere Weltgedanken, die ich Ihnen nur zu gerne zukommen lasse.


Okay, und jetzt im Ernst? Ich dachte, es ist inzwischen klar, dass wir nicht mit Demokratiefeinden und Faschisten spielen. Das kann doch nicht so schwer sein. Lassen Sie bitte die AfD aus Ihren Gesprächsrunden und Meinungsbildern raus … oder ordnen Sie sie wenigstens deutlich als die Flitzpiepen ein, die sie sind.

Mit freundlichem Gruß
Diandra Linnemann

Welche politischen Forderungen möchtest du vom WDR veröffentlicht sehen?

’ships passing in the night …

(Geduldet euch, ich bin krank und rede wirres Zeug.)

Seit ich mich von FB, Twitter, Insta, Threads etc. fernhalte, brauche ich ja neue Prokrastinationshilfen. Eine davon ist Tumblr. Ja, gibt es noch. Macht auch Spaß. Aber mir ist da (unter anderem in FanFiction-Bereich) etwas Merkwürdiges aufgefallen.

Ehe jemand motzt: Kein Shaming welcher Art auch immer! Tut mit euren FanFictions, was auch immer ihr wollt!

Jedenfalls hab ich das auch schon vorher erlebt, etwa rund um den „Captain Marvel“-Film seinerzeit.

Wovon redet die Frau?

Also. Äh. Genau.

Wenn zwei Figuren in einer Serie/Film/… eine enge freundschaftliche Beziehung haben, gehen viele Personen offenbar direkt davon aus, dass da eigentlich eine romantische Beziehung stattfindet. Und ich gucke mir das seit einer Weile an und frage mich: Was für Freundschaften habt ihr, dass Nähe von eurem Gehirn automatisch mit „Romantik“ übersetzt wird?

Egal of Dr. House und Wilson oder eben bei Captain Marvel … – direkt referenziert habe ich das vor ein paar Tagen erst in der Serie „Psych“ gesehen (zwei seit langem befreundete junge Männer führen gemeinsam eine angeblich übersinnlich agierende Detektei – kein großes Kino, aber auch nicht ganz schlimm). Dort wird sogar in der Serie immer wieder von weiteren Figuren darauf angespielt, die beiden wären doch bestimmt ein Paar und es sei doch gar nicht schlimm, sie müssten nur zueinander stehen und bla.

(Der Beziehungsstatus von Dritten geht mich gar nichts an, das einmal ganz am Rande, aber darum geht es gerade nicht.)

Leute, die jede Vertrautheit direkt in einem romantischen Kontext lesen: Haben die keine guten Freunde? Niemanden, den man im eigenen Bett übernachten lassen würde? Niemanden, für den man in der Nacht durch den Sturm fahren würde, wenn die andere Person an einer Haltestelle gestrandet ist und kein Zug mehr fährt? Niemanden, mit dem man eine Vergangenheit hat UND eine Zukunft plant? Niemanden, dessen Schrullen einen auf die Palme bringen, ohne den man jedoch nicht leben wollte?

So merkwürdig kann das doch nicht sein.

Ich meine, wen rufen die mitten in der Nacht an, wenn es eine Katastrophe gibt?

Also ja, im Ernst. Ich mache mir Sorgen um die Freundschaftskultur mancher Leute. Oder wenigstens darum, wie Freundschaften dargestellt und rezipiert werden. Sucht euch gefälligste Gleichgesinnte, denen ihr vertrauen könnt, und lasst mehr Nähe zu!

(Das alles von einer Frau, die mit Hingabe tage- und wochenlang mit niemandem redet, Sprachnachrichten als unhöflich empfindet und sich schon auf den Moment freut, wenn sie endlich in ihr Häuschen im Sumpf ziehen kann.)

Spät kommt sie, aber sie kommt – die LBM-Auslese

Heute habe ich leider keine Fotos für euch, denn die Messe war einfach nur … viel. „Überwältigend“ würde dem ganzen nicht gerecht. Die meiste Zeit über bin ich zwischen dem „13 mit Feder“-Stand und der Phantastik-Lounge, die von PAN betreut wird, hin- und hergelaufen. Zum Vergnügen geschaut habe ich nur wenig. Am Ende waren knapp 300.000 Besucher*innen vor Ort, das ist eine Menge – tatsächlich zuviel für Leute, die da etwas empfindlicher sind. Aber ich hab ja immer eine Strategie und such mir Ecken, in denen man dekomprimieren kann.

Abgesehen davon habe ich viele tolle Leute getroffen, manche davon nur im Vorbeilaufen. Die Lesung im Café Gold hat Spaß gemacht und war gut besucht, die Moderation der „13 mit Feder“-Lesung auf der LBM selbst hat auch geklappt. Da war ich etwas nervös, weil ich wirklich nicht viel Bühnenpersönlichkeit habe. War aber gar nicht schlimm, die Lesenden haben gut abgelenkt. ^^

Tatsächlich habe ich (für uns Schreibende ist das ja immer wichtig) auch Bücher verkauft. Die Kosten für den Stand sind nicht wieder reingekommen, aber das ist bei so einer großen (und teuren) Messe halt auch schwierig für so winzige Lichter wie mich. Ich freue mich über jedes Gespräch und jedes Interesse. Und ich habe nur ein einziges Buch gekauft, für mehr war einfach keine Zeit. (Der Mann glaubt, ich sei kaputt.) Irgendwann richte ich mir das mal so ein, dass ich auch Zeit zum Stöbern habe.

Oh,ein Foto gibt es tatsächlich. Das hat der Mann nach meiner Heimkehr gemacht, als ich auf dem Sofa direkt eingepennt bin. Sieh selbst.

Frau mit kurzen blonden Haaren schläft unter mehreren gehäkelten Decken mit einem schwarzweißen Kater im Arm auf dem Sofa.
Ein wohlverdientes Nickerchen.

Der Balkon, die Erde und der Grünabfallsammelcontainer bei Nacht

Freitag nach der Arbeit wollte ich es ganz ruhig angehen lassen – schließlich steht die LBM vor der Tür, und ich bin keine junge Hüpferin mehr. Mein Fuß macht mir aktuell ein wenig Sorgen, der tut wieder aus exotischen Gründen weh, wenn ich laufe. Also humple ich. Aber, dachte ich mir, eine winzige Kleinigkeit könnte ich doch schnell erledigen: Das neue Katzennetz aufhängen. Das war nämlich schon eingerissen und mit Kabelbindern „repariert“. (Eine Freundin und ich haben überlegt, ob es jetzt mehr oder weniger Löcher hätte als vorher, auf jeden Fall war es die falsche Zahl.)

Um das alte Katzennetz abzuhängen, musste ich sämtliche Möbel verrücken. Und wo ich schon einmal dabei bin, könnte ich doch fix einmal gründlich fegen und schrubben, und … – schwupps, ehe man sich versieht: Neuer Balkon. Wenigstens fühlt es sich so an. Im Schwung hab ich nämlich eine neue Holzbank für die Blumenkübel zusammengebaut, alles um- und teilweise wieder zurückgeräumt, gefegt, geschrubbt, die Lichterketten entwirrt, die Stühle abgeklopft und die alte Erde aus den Balkonkästen genommen. Insgesamt waren das etwa 100 Liter, also schon eine Menge. Drei große Einkaufstüten.

Jetzt haben wir keine Biotonne am Haus und keinen Platz für einen Kompost, aber es gibt vielleicht 300 Meter Luftlinie entfernt eine Grünabfallsammelstelle. Das ist, dachte ich mir, die richtige Anlaufstelle für die alte Erde. Ist ja quasi Gartenabfall. Also hab ich mir, über und über mit Staub und Erde verschmiert, wie ich war, Abends noch schnell die Tüten geschnappt und rübergeschleppt.

Es war ja schon dunkel. Und unsere Grünabfallsammelstelle hat eine klitzekleine Besonderheit: Sie steht auf dem Friedhof. So am Rand, aber man muss schon auf den Friedhof rauf und an den Urnenstätten vorbei, dann links hinter ein Gebüsch und beleuchtet ist natürlich auch nichts.

Kuschelige Atmosphäre. Vor allem für eine überaktive Fantasie wie meine. Aber wir haben den Container gefunden, ohne vor Angst zu sterben oder von Geistern entführt zu werden. Schnell auf das kleine Gerüst und die Erde in den Container gekippt. Dabei ist ein wenig daneben gegangen.

Zum Glück waren in der Ecke der Siedlung die Straßen leer. Denn stell dir vor: Du gehst Abends noch schnell mit deinem Hund (Katze, Maus, …) eine Runde um den Block und kommst am Friedhof vorbei. Zwischen den Büschen siehst du die Grablichter rot flackern. Ein Käuzchen ruft. Etwas raschelt im Unterholz. Plötzlich öffnet sich mit einem kichernden Quietschen das Friedhofstor, und aus der Dunkelheit erscheint humpelnd eine verlotterte Gestalt mit Schlamm unter den Fingernägeln, über und über mit Erde bedeckt …

Zombies werden traditionell enthauptet oder verbrannt, nicht wahr?

Aber außer mir war an dem Abend niemand unterwegs. Gerade noch einmal Glück gehabt. ^^

Und zur Entschädigung: Bilder vom „neuen“ Balkon.

ANKÜNDIGUNG: „13 mit Feder“-Lesung im Café Gold und auf der LBM

Die Autor*innengruppe 13 mit Feder, mit der ich auf der Leipziger Buchmesse bin, hält während der Buchmesse zwei Lesungen:

Die erste findet am Donnerstag, 27.03.2025, ab 18:30 h im Café Gold in Leipzig statt. Da bin ich dabei und lese aus „Willkommen in Schattenfall“. Es gibt aber auch andere Autor*innen mit schönen neuen Texten, die du genießen kannst!

Die zweite Lesung moderiere ich nur, und zwar am Sonntag, 30-03-3035, ab 14:30 h auf der Messe selbst in Halle 5 am Fachforum + Literatur Halle 5  (Stand G701/H700). Gelesen wird von zwei anderen federbewehrten Personen, und ich bin sicher, es wird interessant!

Vom Los der Schusseligkeit

Schon als Kind war ich schusselig. Das können bestimmt viele Leute bestätigen, deren Namen mir gerade nicht einfallen. Mit manchen von ihnen bin ich verwandt. ^^

Im Ernst. Ich habe keine Kontrolle über mein Gedächtnis. Sinnbefreite Liedtexte aus den Neunzigern? Check! Die Tatsache, dass der eine Mitschüler aus dem Sprechkurs am Anfang manchmal klang wie Grönemeyer? Check! Den Namen dieses Mitschülers hingegen vergesse ich, auch wenn ich ihn erst vor ein paar Tagen auf dem Bildschirm gesehen habe. (Er ist sehr nett.) Auch Namen von Leuten, die mir gerade erst genannt wurden, gehen oft gleich wieder unter. Überhaupt, Namen … Schall und Rauch, wir wissen es.

Auch im Alltag äußert meine Schusseligkeit sich manchmal auf lustige Weise. Ich bin Meisterin darin, einen Raum zu betreten und mich zu fragen, was ich hier eigentlich will. Oder neulich erst, da hatte ich meine orangefarbenen Jeans verlegt. Ich wusste, ich hatte sie gewaschen und zum Trocknen aufgehängt. Auf dem Wäscheständer waren sie allerdings nicht mehr, also musste ich sie weggeräumt haben. Nur: Wohin, zum Henker?

Kleiderschrank? Fehlanzeige. Wär aber auch zu einfach.

Der Stapel vor dem Schrank, wo all das Zeug wartet, das man eigentlich mal wieder wegräumen könnte? Auch nichts.

Jetzt sind so orangefarbene Jeans ja erstens durchaus eine Menge Stoff – und zweitens orangefarben. Die KANN man eigentlich nicht verlieren. Denkst du! Ich war mir nur sicher, dass sie trotz Beinen nicht weggelaufen wären. Irgendwann mussten sie wieder auftauchen.

Und weißt du, wo ich sie nach einer Woche gefunden habe?

Im Bücherregal. Logisch!

(Bücherregale enthalten alle Antworten. Und manchmal Jeans.)

Buchblogger*innen gesucht!

Haha, mit dem Gender-Sternchen treffe ich direkt die erste Vorauswahl! (Diabolisches Gelächter.)

Zurück zum Ernst der Lage – ich bin ja von vielen Social-Media-Plattformen verschwunden, weil ich mich persönlich nicht mehr dem Hass und Wahnsinn dort aussetzen will. Das bedeutet allerdings auch, dass noch weniger Menschen als vorher von meinen Büchern erfahren. Und das ist, wir wissen es alle, schade.

Da kommst du ins Spiel. Betreibst du ein Buchblog – egal, ob klassisch als Blog, auf einer der SoMe-Plattformen, über die ich immer schimpfe, oder gar dort, wo alte Leute wie ich gar nicht zugelassen sind? Oder rezensierst du einfach nur gern? Und hast du Interesse an Fantasy, die immer etwas anders, oft spannend und manchmal sogar lustig ist? Dann melde dich bei mir!

Ich vergebe für jedes meiner Bücher eine unbegrenzte Zahl an Rezensions-Ebooks und immer auch wenigstens eine Handvoll von Taschenbüchern, je nach Verfügbarkeit. Deine Followerzahl spielt keine Rolle. (Auch wenn ich mich über Interesse von Gigantomegablogs natürlich freuen würde.) Schreib mir einfach eine Mail an geschichtenquelle[at]gmail[dot]com oder hinterlass hier einen Kommentar mit einer Möglichkeit, wie ich dich erreichen kann.

Genres, die für dich interessant sein könnten:

Außerdem habe ich von vielen Anthologien, in denen ich Kurzgeschichten veröffentlicht habe, noch Taschenbuch-Exemplare, die ich natürlich auch gern zum Rezensieren vergebe. Da profitieren wir alle von.

Wie mich Kleber sozial radikalisiert hat

Auf einem aufgeschlagenen Buch liegt ein Lesezeichen aus dunkelblauem Tonkarton. Aufgeklebt ist eine hellblaue Feder mit vielen kleinen Details. Am oberen Ende des Lesezeichens gibt es ein Bändchen aus blauer Wolle.
Ein Lesezeichen für die „13 mit Feder“. Ist es nicht schön?

Am Wochenende wurde ich durch Klebstoff radikalisiert. Es war ein Versehen.

Möglicherweise hatte ich es noch nicht erwähnt, aber ich bin unter anderem mit dem Autor*innenzusammenschluss 13 mit Feder auf der Leipziger Buchmesse. Und da ich unglaublich enthusiastisch und schlecht mit Zeitmanagement bin, habe ich angeboten, als kleines Goodie Lesezeichen zu basteln. Ich hab nämlich so eine Präge- und Stanzmaschine zuhause und zufälligerweise auch Feder-Schablonen, das passt ganz hevorragend.

Wer mich nicht kennt, dem sei gesagt: Ich bin nicht gut im Basteln. Das wurde mir schon in der Grundschule bestätigt. Beispielsweise hatten meine Werkstücke immer sichtbare Kleberspuren. Gab natürlich schlechte Noten. Tja, dachte ich mir, das findest du jetzt wohl schnell raus, wie man Kleberspuren vermeidet. (Wie gesagt: Enthusiastisch und schlecht mit Zeitmanagement.)

Weißt du, wie man die vermeidet?

Man kauft den GUTEN Kleber. Den teuren, den meine Eltern sich nie leisten konnten. Nicht den für (damals noch) DM 0,99 für die 200 ml-Flasche aus dem Discounter, sondern den für (aktuell) € 6,99 für 50 ml. Ich wollte den einfach mal ausprobieren, und soooo viel Klebstoff brauche ich ja gar nicht. Um ehrlich zu sein, ich war überzeugt, mit dem höheren Preis kauft man in erster Linie ein Marken-Etikett.

Siehst du auf dem Foto oben, ob ich gekleckst habe? Nee, siehste nicht. Und ich schwöre, ich hab gekleckst. Nicht viel, ich war ja vorsichtig. Aber der verdammte teure Kleber, den meine Eltern sich nicht leisten konnten, trocknet tatsächlich einfach unsichtbar. WTF??

Na gut, eine Kunst- oder Werken-Note in der Grundschule ist nicht direkt weltbewegend, wenn man es auf das ganze Leben umrechnet. Trotzdem bin ich empört. Diese Ungerechtigkeit! Meine Mitschüler*innen waren gar nicht alle ordentlicher und sorgfältiger und besser im Basteln als ich – wenigstens nicht alle. Einige von ihnen hatten wahrscheinlich einfach den guten Kleber. Wer also, grob überschlagen, das vierfache (minus Inflation etc., umgerechnet auf den Literpreis) für Klebstoff zahlen kann, kauft sich damit einen Notenvorteil.

Außerdem wissen wir, dass das nicht beim Klebstoff Halt macht. In der Oberstufe hatte ich einen Mitschüler, der einfach in jedem einzelnen verdammten Fach wöchentlich Nachhilfe bekommen hat. Bis zum Abi. Wie teuer ist Nachhilfe aktuell? Sagen wir, der Einfachheit halber, 20 Euro/Stunde? Und wie viele Fächer hat man in der Oberstufe noch? Das Internet behauptet, es seien 12. Variiert wahrscheinlich von Bundesland zu Bundesland. Ich rechne mal großzügig zwei ab, Sport und Kunst. Und behaupten wir, es gibt noch zwei Fächer, die der Schüler vielleicht auch ohne Nachhilfe stemmt. Bleiben noch acht Stunden Nachhilfe pro Woche, à 20 Euro. Also 160 Euro pro Woche – für ein Kind. (Wir waren drei Kinder zuhause.) Wer sich das leisten kann, kriegt auch ein weniger schulisch begnadetes Kind durchs Abi. (Disclaimer: Der Schüler hatte keinen Einser-Schnitt. Auch keinen Zweier-Schnitt. Aber wer schaut, wenn du erst einmal erwachsen und im Beruf angekommen bist, jemals wieder auf die Abi-Note?)

Und so hat mich ein freiwilliges Bastelprojekt für die Leipziger Buchmesse noch ein wenig stärker radikalisiert.

Die kleberspurenfreien Lesezeichen gibt es auf der LBM übrigens am Stand E304 in Halle 5, etwa beim Buchkauf. Ein paar von meinen Büchern sind auch dort.

Ein Reiseführer für die Welt der Kurzgeschichten

Wo man Ausschreibungen für Kurzgeschichten findet, hab ich euch ja hier schon gezeigt. Jetzt stell dir vor, du hast eine Ausschreibung mit einem grandiosen Thema gefunden und auch direkt einen herrlichen Einfall für eine Geschichte, die du unbedingt schreiben willst. Aber was nun?

Zunächst einmal lohnt sich ein genauer Blick auf die Ausschreibung.

Wer schreibt aus? Ist es ein Verein, ein Verlag, eine Privatperson für ein Selfpublishing-Projekt? Geht es um einen Wettbewerb, ein Magazin oder eine Anthologie? Wie sehen die anderen Projekte der ausschreibenden Entität aus? Gibt es Rezensionen etc. zu älteren Projekten? Kennt du Leute, die Erfahrungen mit ihm*ihr*ihnen hat? Stöbere ein wenig durch die Website, falls es eine gibt, recherchiere die Initiatoren*innen. Da ich wenig Zeit für kleine Nebenprojekte habe, bin ich wählerisch mit der Teilnahme an Ausschreibungen. Wenn ein Verlag sich beispielsweise auf der eigenen Seite abfällig über inklusiv gegenderte Texte auslässt oder die verlegende Person im hauseigenen Blog über „Wokeness“ schimpft, kann sie das natürlich machen – aber wir sind dann kein gutes Gespann. Wenn andere Anthologien aus diesem Haus aussehen wie selbstgemacht (mit Covergrafiken aus dem Kindergarten) und vor Druckfehlern strotzen, möchte ich damit nicht unbedingt in Verbindung gebracht werden. Das sind subjektive Kriterien, klar. Aber sei dir darüber im Klaren, dass dein Name eventuell eine laaaange Zeit im Zusammenhang mit diesem Projekt auftaucht und manche Leute deinen Geschichten zum erstein Mal in einer Anthologie begegnen.

Danach lohnt ein ganz genauer Blick auf die Ausschreibungsbedingungen. Genre, Textgattung, Deadline, gewünschte Länge, Dateiformat, Einreichbedingungen? Was benötigen sie noch von dir: Eine Vita? Ein Foto? Soll die Einreichung anonym erfolgen? Wird es eine finanzielle Kompensation geben? Sollst du vielleicht stattdessen ihnen etwas zahlen? In welcher Form und wann soll das Projekt realisiert werden?

Ich persönlich reiche nirgends etwas ein, wenn ich dafür auch noch zahlen soll. Man wird hierzulande mit Kurzgeschichten nicht reich, das ist mir klar, und am liebsten ist mir, wenn ich ganz egoistisch denke, eine angemessene einmalige Zahlung für ein zeitlich begrenztes Exklusiv-Nutzungsrecht. Viele Verlage schütten stattdessen anteilig Tantiemen an alle Schreibenden aus – das ist fair, aber für den Verlag mit großen Aufwand verbunden für Zahlungen, die sich oft im einstelligen Euro-Bereich bewegen (oder gesammelt werden, bis nach mehreren Jahren wenigstens ein zweistelliger Betrag erreicht ist). Projekte ohne Kompensation mache ich nur, wenn ich zum einen wirklich Spaß daran habe – das ist einfach, ich schreibe gern – und dann am liebsten für den guten Zweck, wie bei dieser Spendenanthologie für den Tierschutz. Manchmal kommt es auch vor, dass andere Autor*innen mich für ein Projekt vorschlagen oder ein Verlag o. ä. direkt auf mich zukommt und nach einer Geschichte fragt, da sag ich eigentlich nie nein.

Damit sind wir auch schon bei einem weiteren wichtigen Punkt: Warum? Nicht für das Geld, das ist schon klar. Auch nicht für den Ruhm der hält sich meist in Grenzen. Das meiste machen wir Künstler*innen halt für die Kunst, weil es uns ein Bedürfnis ist, eine sinnstiftende Tätigkeit und eine Freude. Aber natürlich kann man über solche Projekte auch einen Einblick gewinnen, wie beispielsweise ein konkreter Verlag arbeitet. Wie organisiert sind die? Wie laufen Lektorat und Korrektorat ab? Wirst du gut informiert? Magst du mit der Person arbeiten? Bist du mit dem Endprodukt zufrieden? Manchmal ergeben sich aus solchen Projekten Anknüpfpunkte für weitere Projekte oder Möglichkeiten für gemeinsame Veranstaltungen. Es lohnt sich also, mitzumachen – und noch viel mehr lohnt es sich, freundlich und professionell aufzutreten. Dazu dann demnächst mehr.