Wohin mit meinen Geschichten?

Manchmal kommt es nicht zum Roman. Das ist okay. Doch wenn man eine Kurzgeschichte (oder eine Idee für eine Kurzgeschichte) hat, was kann man damit tun?

Natürlich kann man sie ins Internet stellen. Da findet man schnell Leute, die sich interessieren. Aber es gibt auch etliche Ausschreibungen für Anthologien oder Wettbewerbe zu allen möglichen und unmöglichen Themen, in denen man sich austoben kann.

Oder man macht es genau umgekehrt – schaut auf Ausschreibungen und lässt sich von den Fragen und Themen zu Kurzgeschichten inspirieren, um die Feder zu wetzen.

Das hier sind einige Seiten, auf denen ich mich (viel zu selten!) über Ausschreibungen informiere. Vielleicht kennst du weitere, die ich dieser Liste hinzufügen sollte?

PAN informiert über Ausschreibungen von Mitgliedern, Föderverlagen und Partnern.

Bei WORTMAGIER habe ich schon viele toller Ausschreibungen gefunden.

Auch die AUTORENWELT veröffentlicht regelmäßig Aufrufe.

Der SCHREIBLUST VERLAG verweist nicht nur auf eigene Ausschreibungen, sondern auch auf die „Konkurrenz“.

Das Netzwerk SCHÖNE BÜCHER listet ebenfalls Ausschreibungen.

Das INSTITUT FÜR KREATIVES SCHREIBEN & AUTORENZENTRUM führt ebenfalls eine Liste,

… genau wie das LITERATURCAFÉ.

Das sind längst nicht alle Orte, an denen man sich informieren kann. Aber wenn du dir diese Links speicherst und regelmäßig stöberst, bist du auf jeden Fall schon einmal gut informiert. ^^

Demnächst erzähle ich noch ein wenig, worauf du achten solltest, wenn du eine Kurzgeschichte für einen Ausschreibung einreichen willst, und plaudere etwas aus dem Nähkästchen.

Was, bitte, ist „Bookshelf Wealth“???

Vor einer dunkelgrauen Wand stehen vier Bücherregale unterschiedlicher Größe. Die Bretter sind mit vielen dünnen bunten Büchern gut gefüllt, vielleicht 20 Prozent Raum ist noch frei. Auf den drei linken Regalen stehen graue Kästen, aus denen Efeu sich üppig über die Regale rankt und den Inhalt teilweise verdeckt. Die Bücher wirken gelesen.
Foto von Pawel Czerwinski, gefunden auf Unsplash

Manchmal, wenn ich im Tag 20 Minuten übrig habe, schaue ich wahllos Videos auf YouTube und streichle dabei den Kater. Und gestern bin ich dabei über etwas gestolpert, was angeblich 2024 ein Social-Media-Trend war. Ich krieg das ja nicht mit, ich bin über 40. Also, der Trend heißt „Bookshelf Wealth“, übersetzt „Buchregal-Wohlstand“, und worum geht es? Simpel gesagt: Bücherregale als bewusst gewählter Teil des Einrichtungs-Designs.

Jetzt war der Mensch, der diesen (und andere Trends) bewertet hat, nicht so recht angetan von „Bookshelf Wealth“. Sein Haupt-Argument: Niemand würde tatsächlich so viele Bücher lesen, also sei das nur Ramsch, den man teuer kauft, ein paar Mal abstaubt und irgendwann entsorgt.

Bitch, was???

Aus meiner 15-Quadratmeter-Studentenbude haben wir bei meinem Auszug 24 Kubikmeter Bücher mitgenommen (ein ganzes Kellerabteil voll, deswegen weiß ich das – etliche Bananenkartons). In unserer Wohnung gibt es in jedem Raum (außer im Bad – da liegen die Zeitschriften) mindestens ein Bücherregal, und die sind alle überfüllt – und ja, drei Viertel der Bücher habe ich bereits gelesen. Der Rest ist für den Fall, dass ich mal ein Jahr zuhause sitze und mich langweile.

(Bis 2019 hätte man über diesen Witz gelacht.)

In der Küche ächzt eine Kochbuchsammlung in einem 2 x 1-Meter-Regal.

Die Wörterbuch-Sammlung steht im Flur.

Das Schlafzimmer enthält ein Regal mit Nachschlagewerken und eines mit den Büchern, die ich entweder gerade gelesen habe oder als nächstes lesen will.

Mein Büro ist sowieso eine Bücherhalde, doch es gibt tatsächlich eine Wand, die nur aus Buchregal besteht (und eine für Bastelmaterial, weil ich mehr Enthusiasmus als Zeitmanagement betreibe).

Im Wohnzimmer stehen die „hübschen“ Bücher – Bildbände, Sammlerausgaben, Kuriosa etc.

Der Mann versteckt seine Fachbücher in seinem Büro vor meinen gierigen Griffeln.

Und dabei sind die zigtausend eBooks gar nicht erwähnt, die sieht zum Glück niemand.

Übrigens behalten wir längst nicht alle Bücher, die wir je anschleppen. Nur die, die wir mögen. Der Rest landet in Bücherschränken oder bei lesenden Freund*innen.

Ehrlich gesagt, wenn ich in eine Wohnung käme, in der es keine Bücher gäbe, käme ich mir merkwürdig vor. Klar, nicht jeder ist so eigen wie wir und schleppt einfach ALLES an, aber … gar keine Bücher? Kein einziges? Nicht einmal eins mit Bildern?

Apropos, vor einigen Jahren gab es mal die Empfehlung, man solle Bücher nicht mit dem Rücken, sondern mit dem Buchschnitt nach vorn ins Regal stellen, damit es einen harmonischeren Anblick gäbe (das war vor Farbschnitten, ich fühle mich gerade alt ^^ ). Wie, zum Henker, soll man da jemals etwas wiederfinden???

Also: Bücher sind eines der günstigsten Laster, die man haben kann. Viel billiger als Rennwagen und gesünder als Koks. Lass dir also nicht einreden, dass man sich die Wohnung bitte gefälligst NICHT bis unter die Decke und in drei Reihen mit Büchern vollstopfen soll, die einen irgendwann im Schlaf erschlagen. Wir Bücherwürmer haben schließlich Standards.

Hätte ich mir doch nur gemerkt, was ich geschrieben habe!!!

Dann müsste ich in „Zuflucht in Schattenfall“ jetzt nicht andauernd Kommentare an den Rand schreiben, dass ich Beschreibungen, Namen etc. mit Band 1 abgleichen muss. Zum Glück weiß ich, dass das auch anderen Schreibenden so geht. Man braucht eine Weile, bis man in einer selbstgeschaffenen Fantasiewelt fest im Sattel sitzt. Und weiß, wie dieser Sattel aussieht, oder wie das Pferd heißt, auf dem er liegt … und ob das überhaupt ein Pferd ist.

Das war ja bei „Magie hinter den sieben Bergen“ so ein bisschen ein Vorteil – wenigstens die Schauplätze sind real, die musste ich mir nicht ausdenken und merken. Und ab Band 3, meine ich, waren auch die anderen Details in meinem Kopf verankert. Es lohnt sich also nicht, Serien zu schreiben, die weniger als drei Bände haben. Zum Glück ist „Schattenfall“ auf vier Bände ausgelegt, da lohnt sich das wenigstens. (Dieser Satz kann eine Spur Sarkasmus enthalten.)

Ich vermute ja, dass deswegen manche Autor*innen so endlose Serien mit wechselnden Charakteren in derselben Welt schreiben – wenn man sich endlich an Dinge erinnert, will man sie ja auch verwenden!

Irgendwann finde ich eine Geschichte, in der sich ständig ändernde Umgebungen, Haut- und Augenfarben als Bonus und nicht als Hindernis erweisen, dann hab ich gewonnen.

Wie kann das eigentlich sein, dass Leser*innen sich immer direkt an so einen Kleinkram erinnern, und für mich als Autorin ist es so eine Arbeit? Ich prangere das an! ^^

HIRSCHKÖNIG – eBook zum Einführungspreis!

Buchcover "Hirschkönig", Diandra Linnemann. Grün- und Schwarztöne, bewaldete Hügel. Vor einem Vollmond die Silhouette eines Mannes im Fellmantel mit Schwert, nach unten gerichtet, die in die Silhouette eines Hirsches übergeht. Über seiner Schulter kreist eine Krähe.

Der Titel sagt eigentlich schon alles. Ab sofort gibt es den „Hirschkönig“ auch als eBook, und für die nächsten vier Wochen zum Einstiegspreis von € 1,99. Dafür kriegt man keinen Kaffee, aber durchaus ein paar Stunden historisch-phantastisches Lesevergnügen. Am meisten hab ich davon, wenn du das Buch HIER kaufst, aber auch alle anderen Shops sollten es in Kürze haben. Ich erwähn das bestimmt auch noch öfter. Viel Freude beim Lesen!

(Und wenn du es gelesen hast, vergiss die Rezension nicht!)

Schreibsprünge

Schreiben ist für viele von uns ja etwas, das wir täglich tun – oder worüber wir wenigstens täglich nachdenken. Das bedeutet, dass Fortschritte kaum auffallen. Die kriechen irgendwie zwischen die Zeilen. Irgendwann nimmt man dann etwas in die Hand, was man vor fünf Jahren geschrieben hat, und merkt: Oh, das würde ich heute besser machen.

Es gibt aber auch den anderen Fall: Plötzlich merkt man, dass man sich auf eine andere Art ausdrücken kann (oder will), die sich anders anfühlt als das, was man bisher geschrieben hat. Man hat einen Erzählmechanismus verstanden, der einem bis jetzt nicht klar war. Man fühlt sich mit einer Schreibtechnik wohler, die den Text lebendiger macht. Man entwickelt Vertrauen in das Verständnis der Leser und erschreibt sich einen neuen Minimalismus.

Ich glaube, ich bin gerade an so einem zweiten Punkt. Und da kommt die innere Kritikerin wieder ins Spiel. Die behauptet nämlich, das sei keine Weiterentwicklung, sondern nur eine prätentiöse Macke. Tragischerweise werde ich erst in ein paar Monaten bis Jahren sagen können, ob meine aktuellen Texte tatsächlich besser, einfach anders oder nur künstlerisch aufgeblasen sind. Zum Glück habe ich wenigstens in der Hinsicht meinen Frieden mit der inneren Kritikerin gemacht. Sie will ja auch nur das Beste für meine Texte. Ärgerlich, dass wir uns so selten einig sind.

Hast du schon solche Schreibsprünge erlebt – oder Sprünge in deinem Können, was andere Fähigkeiten angeht? Ich kenn das ja sonst nur vom Kochen. ^^

Das war Karneval 2025

Nein, ich war nicht draußen. Oder wenigstens nicht unter Leuten. Stattdessen, dachte ich, teile ich mit euch meine Film- und Serienausbeute. Das ist die Familientradition: Wir kaufen viel ungesundes Zeug, kochen einen riesigen Topf Chili con Carne und schauen Horrofilme und -serien.

Serien

  • The Following, Staffel 3: War ein Re-Watch, nur der Vollständigkeit halber. Die erste Staffel fand ich grandios, die zweite ging, die dritte ist komplett meh. Die Story verliert einfach alles, was die erste Staffel interessant gemacht hat.
  • Evil, Staffel 1, 1-9: Ich bin spät dran, ich weiß. Bis jetzt sehr spannend. Wenig Schocker- und Ekel-Effekte, viel gut erzählte Spannung. Und ich bin ja ein großer Fan davon, wenn NICHT plötzlich an jeder Ecke Geister und Dämonen auftauchen. Nur: Margaritas aus der Dose? Da kann man sich wahrscheinlich wirklich auch mit dem Hammer auf den Kopf hauen.

Filme

  • Sting: Ich mag Spinnenfilme, ich mochte die Familiendynamik, ich mochte die Animationen. Nicht grandios, aber kurzweilig.
  • The Breach: Okay, im CERN werden offenbar nicht nur schwarze Löcher, sondern auch schwarze Magie gemacht, und energielastige physikalisch-esoterische Experimente lassen sich mit Hilfe eines Dieselgenerators in der Wildnis wiederholen. Wenn man das ignoriert (und die Tatsache, dass die Charaktere niemals-nie-nicht ordentlich miteinander reden), kriegt man netten Body Horror. Muss man aber nicht zweimal gucken.
  • Jurassic Park: Rewatch, klar. Wir wollten gucken, ob die Effekte heute noch funktionieren (tun sie).
  • Renfield: Auch ein Rewatch, weil ich den Film einfach sehr mag. Er ist bunt und over the top und ich schau Nicolas Cage einfach gerne zu. (Hast du schon „Willys Wonderland“ gesehen? Wirklich keine Filmperle, aber sehr unterhaltsam.)
  • Die Rückkehr der lebenden Toten: Einer von vielen Klassikern, die mir bislang entgangen sind. Warum gibt es Frontal Nuditiy immer nur bei den Frauen, aber die Dangly Bits der Kerle sieht man nicht? ICH PRANGERE DAS AN. Natürlich im Rahmen der Gleichberechtigung.
  • Leviathan: SciFi-Horror mit interessanten Effekten. War ein Vorschlag vom Mann – und der erste Horrorfilm, den ich damals als Kind gesehen habe (unsere Eltern haben unseren Medienkonsum eher geduldet als begleitet). Meine Güte, was hatte ich Albträume! Aber du siehst ja, was draus geworden ist. ^^

Ich meine, da fehlt ein Film, aber spontan fällt er mir einfach nicht ein. War also nicht so gut, vermute ich. Ansonsten habe ich viel gehäkelt, ein wenig gebastelt, war zweimal im Wald joggen und habe Katzen gestreichelt. Das sah dann ungefähr so aus.

Das Brot war ein kulinarisches Experiment: Bananen-Mayonnaise-Sandwich. Angeblich ein Südstaaten-Comfort-Food. Ist jetzt nicht fies, aber auch nicht genial.

Von einem hellen Kratzbaum aus lugt ein schwarzweißer Kater ober eine Kante und stiert direkt in die Kamera. Eine krallenbewehrte Pfote ruht auf der Kante.

Und damit der Post auch schön gruselig endet: Der Kater sagt, wir werden alle sterben. ^^

Von Menschen, Macken und Moral

Manchmal stößt man beim Lesen auf Gold – eine Geschichte, die einen so mitreißt, dass die Figuren zu Freund*innen werden, die einem noch lange im Kopf herumschwirren. Man meint, sie richtig zu kennen, und freut sich auf ein Wiedersehen.

Wie man das als Autor*in erreicht?

Eigentlich ganz einfach – und gleichzeitig ziemlich tricky.

Die Figuren müssen so etwas wie echte Menschen (Außerirdische, Fabelwesen, … ) sein. Das bedeutet zum einen, dass sie sich wie echte Menschen benehmen. Sie agieren manchmal irrational, sie machen Fehler, treffen uninformierte Entscheidungen, müssen über ihren eigenen Schatten springen (und versagen dabei), irren sich, sind schlecht gelaunt oder ungeduldig, abgelenkt, … – was auch immer.

Zum anderen haben echte Menschen ihre Macken. Sie sprechen auf eine bestimmte Weise, ziehen beim Betreten der Wohnung die Schuhe aus (oder auch nicht), schlafen nur mit Hut oder essen gern Bananen-Mayonnaise-Sandwiches.

Und da wird es beim Schreiben manchmal schwierig. Denn es soll ja nicht jede Figur ein Abklatsch unserer eigenen Vorstellung von der Welt sein. Sonst wären die einander alle ziemlich ähnlich, das wäre eine langweilige Geschichte. „Das Buch über drei Leute, die sich in allem einig waren, und in dem nichts Aufregendes passiert“ – würdest du das kaufen? Wobei, was weiß ich über den Buchmarkt? Vielleicht also ja und schon.

Ein frischgebackener Elternteil in meinem Bekanntenkreis erklärte mir vor Jahren mal: „Meine Kinder werden nicht darauf gedrillt, Bitte und Danke zu sagen. Das machen nur Schwächlinge.“

Das kann man jetzt so machen – keine Sorge, den Kindern geht es gut und sie haben ein altersgerecht akzeptables Level an Höflichkeit erreicht – aber mir kommt das total strange vor. Wenn ich also so eine Figur wie den Elternteil schreibe, müsste ich mich intensiv mit deren Weltbild befassen: Warum gilt Höflichkeit als Zeichen von Schwäche? Wie interagiert sie mit ihrer Umwelt? Grüßt sie beim Bäcker? Drängelt sie sich vor, oder lässt sie Leuten an der Kasse den Vortritt? Schenkt sie nur sich selbst Kaffee ein oder auch anderen, und wer kriegt die erste volle Tasse? Wie geht sie mit Leuten um, die ihr gegenüber höflich sind, und was denkt sie von ihnen?

Ich vermute, so eine Person hat ein Alltagserleben, dass sich sehr von meinem unterscheidet. (Ich bin ein hinreißender Sonnenschein. Nicht lachen!)

Und wenn man dann so vor sich hin schreibt, muss man die ganze Zeit über daran denken, dass diese Person eben NICHT höflich grüßt, wenn sie wo ankommt.

Das mit dem Sprechen ist auch so ein Ding – spricht eine Figur einen Dialekt? Sagt sie öfter „ey“ oder „wallah“ oder „ähm“? Formuliert sie jede Aufforderung als Frage? Verschluckt sie manche Buchstaben? Das sollte sich in geschriebenem Dialog niederschlagen – auch, damit man die Figuren leichter auseinanderhalten kann beim Lesen. Natürlich darf man, ähm, das nicht übertreiben, ey, sonst sind nämlich alle konstant genervt, ey. Darüber hinaus spiegelt die Art, wie man spricht, das Umfeld wieder, in dem man aufgewachsen ist, und das, in dem man sich bewegt. Ein Wissenschaftler redet anders über den Klimawandel als eine Politikerin oder eine Fachperson für Kreislauf- und Abfallwirtschaft. Okay, „Fachperson für Kreislauf- und Abfallwirtschaft“ sagt im Alltag auch niemand – das sind „die von der Müllabfuhr“.

Worauf wollte ich hinaus? Ach ja. Lebendige Figuren müssen sich lebendig verhalten. Inklusive Moral und Macken.

Kennst du Geschichten, in denen das besonders gut gelungen ist?

Mehr Papier! „Hirschkönig“-Taschenbücher

In echt ist es noch schöner!

Egal, wie viele Bücher ich veröffentlicht habe, die ersten Exemplare eines neuen Buchs sind immer spannend! Darum heute auch zwei Posts. Das meiste davon geht mit auf die Leipziger Buchmesse, ein paar schicke ich vorher auf Reisen. Wer beispielsweise ein signiertes Exemplar haben möchte, kann sich direkt bei mir melden.

Aber erst einmal ist am Wochenende Basteln angesagt – Lesezeichen und der Buchkatalog für „13 mit Feder“, der Autor*innengruppe, mit der ich unter anderem auf der LBM bin. Wenn mich die Muße lässt, häkle ich auch noch ein paar Regenbogen-Patches. So ganz einfache, aus Gründen.

Außerdem findest du mich natürlich als Sorgenwandlerin bei PAN … mit neuem schickem T-Shirt. Allerdings brauchen wir wohl ein geheimes Erkennungszeichen.

Genug geschnattert. Hier warten eine Suppe und zwei Katzen auf meine Aufmerksamkeit.

Die Jagd nach dem Titel

Buchtitel sind ein Ding für sich – sie sollen direkt klar machen, welches Genre man in der Hand hält und worum es ungefähr geht, gleichzeitig aber so einzigartig sein, dass man das Buch nicht mit dreizehn anderen mit ähnlichen Titeln aus dem gleichen Genre verwechselt, wenn man darüber redet.

Ich tu mich schwer mit Buchtiteln. Das mag man gar nicht glauben (oder eben doch, ich weiß), aber … sagen wir so: Es gibt da ein Manuskript, dessen Arbeitstitel mit dem endgültigen Buch aus Gründen, die außerhalb meiner Entscheidungsmöglichkeiten liegen, gar nichts mehr zu tun hat. Wenn ich das also veröffentliche, muss ein komplett neuer Titel her. Und obwohl vorher noch ein komplettes Buch in der Warteschleife hängt, mache ich mir da jetzt schon Gedanken drüber.

Bei „Andrea die Lüsterne und die lustigen Tentakel des Todes“ hatte ich das große Glück, dass der Chaospony Verlag den Arbeitstitel einfach so übernommen hat. Der hat aber auch gepasst.

Die Schattenfall-Titel stehen schon alle fest und ergeben sich aus der Reihenfolge und den ungefähren Plots. Außerdem sind sie ja formularisch aufgebaut, das schränkt mich glücklicherweise ein wenig ein. Dass ich schon grob weiß, wie ich die Cover haben will, ist auch etwas Neues.

Ein anderes Projekt hat den Arbeitstitel „Dämonenscheidung“. Den KANN ich so nicht nehmen, weil er der Geschichte nicht gerecht wird. Was am Ende da stehen soll? Keine Ahnung!

Langer Rede kurzer Sinn: Ich habe keine Ahnung von Buchtiteln. ^^

Und jetzt zu dir – welchen Buchtitel fandest du, gemessen an der Geschichte, besonders gelungen (oder besonders irreführend)?

Alles Schweine (und was man damit macht)

Nein, es geht nicht um Politik. Oder höchstens so gaaaaaanz mimi-minimal am Rande.

(Das sollte „mini-minimal“ heißen, aber da ich heute jammern werde, lasse ich das so stehen.)

CN sexuelle Übergriffigkeit, generelles Arschlochverhalten

Grundsatzfrage: Wie gehen wir damit um, wenn eine eigentlich beliebte Person des öffentlichen Lebens plötzlich als absolutes Arschloch dasteht? Bei JKR bin ich nicht persönlich betroffen und kann sie ganz entspannt aus meinem persönlichen Leben verbannen. Kein großes Ding! Und während ich in den letzten Jahren beobachtet habe, wie sie sich immer weiter in die transphobe Ecke manövriert , habe ich parallel überlegt: Wie redest du, wenn es jemanden trifft, den du verehrst? Hier kannst du von deinem hohen Ross aus ja gut predigen, und die Aussicht ist auch schön sonnig.

Tja, jetzt haben wir unsere Antwort. Noch vor wenigen Jahren habe ich ihn in einem Vortrag als Beispiel für positives Verhalten bei öffentlichen Fehltritten verwendet, jetzt sieht das etwas anders aus: Offenbar ist Neil Gaiman ein Arschloch. Und wer mich kennt, kann bestätigen: Ich war ein absolutes Fangirl. Aber nicht länger. Die Bücher wandern auf das hinterste, finsterte Regalbrett. Das Autogramm kommt von der Wand. Die Serien gucke ich mich nicht mehr an. Denn ich bin es leid, leid, leid, Arschlöchern Geld und Aufmerksamkeit hinterherzuwerfen.

Es ist ja eine Sache, wenn man nicht in allen Dingen einer Meinung ist. Ich finde es nicht schlimm, wenn Künstler*innen, die ich gern rezipiere, andere Ansichten zu den meisten Themen haben – solange es nicht ins Menschenfeindliche abgleitet. Als Menschen sind wir nicht so zerbrechlich, dass wir am kleinsten Widerspruch kaputtgehen. Und es ist auch gar nicht möglich, immer ein perfekt guter, weiß strahlender, sauberer Überheld zu sein. Vor allem nicht, wenn man in der Realität existieren muss. Aber bei solchen Übergriffen ziehe ich eine Grenze. Nicht, dass meine winzigen finanziellen Beiträge oder deren Ausbleiben einen Unterschied machen. (Außer für mein Gewissen.)

An der Stelle zwei Dinge:

1. Ja, ich kenne die Idee „Unschuldig, bis das Gegenteil bewiesen ist“ – gilt aber in erster Linie in juristischem Kontext. Ich glaube den Opfern. Und mal im Ernst – wenn ich Leute NDAs unterschreiben lasse, dann ist mir doch klar, dass ich andernfalls schlecht wegkomme bei der Sache.

2. „Trennung von Kunst und Künstler“ liest sich so heroisch. „Hach, ich bin ja kein emotionales Wesen, sondern ein intellektuell getriebener Rezipient von Kunst!“ Bullshit. Also, kannste machen, ist aber nicht beeindruckend. Ausnahmen mache ich manchmal für tote Künstler*innen, die nicht mehr davon profitieren, dass Leute ihr persönliches Vergnügen an ihren Werken über das Leiden der Betroffenen stellen. Aber nicht einmal das muss man. Es gibt hunderte Künstler*innen, über deren finsterste Verfehlungen und Perversionen wir noch nichts wissen. Konsumiere ich doch lieber die.

Und bis jetzt tut es mir nicht leid. Es gibt so viele gute Autor*innen da draußen, die entweder keine kompletten Sackgesichter sind oder bei denen es noch nicht öffentlich bekannt ist. An die halte ich mich. Und ehe jemand fragt – nein, ich möchte auch nicht von meiner Kunst getrennt werden. Lies bitte alle meinen Geschichten in dem Wissen, dass dahinter eine schlechtgelaunte, ungeduldige, manchmal garstige alte Hippiehexe mit Temperamentsschwankungen und Laktoseintoleranz steckt. Ich bemühe mich, ein anständiger Mensch zu sein, versage dabei immer mal wieder und mache es hoffentlich besser, wenn ich es besser weiß. Keine Versprechungen.

(Disclaimer: Der Mann hat kein NDA unterschrieben. Der könnte euch Dinge erzählen! Einmal hab ich ihn im Schlaf geboxt. Und die Katzen verhungern mehrmals täglich. Catnesty International ist schon informiert.)