Schreibsprünge

Schreiben ist für viele von uns ja etwas, das wir täglich tun – oder worüber wir wenigstens täglich nachdenken. Das bedeutet, dass Fortschritte kaum auffallen. Die kriechen irgendwie zwischen die Zeilen. Irgendwann nimmt man dann etwas in die Hand, was man vor fünf Jahren geschrieben hat, und merkt: Oh, das würde ich heute besser machen.

Es gibt aber auch den anderen Fall: Plötzlich merkt man, dass man sich auf eine andere Art ausdrücken kann (oder will), die sich anders anfühlt als das, was man bisher geschrieben hat. Man hat einen Erzählmechanismus verstanden, der einem bis jetzt nicht klar war. Man fühlt sich mit einer Schreibtechnik wohler, die den Text lebendiger macht. Man entwickelt Vertrauen in das Verständnis der Leser und erschreibt sich einen neuen Minimalismus.

Ich glaube, ich bin gerade an so einem zweiten Punkt. Und da kommt die innere Kritikerin wieder ins Spiel. Die behauptet nämlich, das sei keine Weiterentwicklung, sondern nur eine prätentiöse Macke. Tragischerweise werde ich erst in ein paar Monaten bis Jahren sagen können, ob meine aktuellen Texte tatsächlich besser, einfach anders oder nur künstlerisch aufgeblasen sind. Zum Glück habe ich wenigstens in der Hinsicht meinen Frieden mit der inneren Kritikerin gemacht. Sie will ja auch nur das Beste für meine Texte. Ärgerlich, dass wir uns so selten einig sind.

Hast du schon solche Schreibsprünge erlebt – oder Sprünge in deinem Können, was andere Fähigkeiten angeht? Ich kenn das ja sonst nur vom Kochen. ^^

Das war Karneval 2025

Nein, ich war nicht draußen. Oder wenigstens nicht unter Leuten. Stattdessen, dachte ich, teile ich mit euch meine Film- und Serienausbeute. Das ist die Familientradition: Wir kaufen viel ungesundes Zeug, kochen einen riesigen Topf Chili con Carne und schauen Horrofilme und -serien.

Serien

  • The Following, Staffel 3: War ein Re-Watch, nur der Vollständigkeit halber. Die erste Staffel fand ich grandios, die zweite ging, die dritte ist komplett meh. Die Story verliert einfach alles, was die erste Staffel interessant gemacht hat.
  • Evil, Staffel 1, 1-9: Ich bin spät dran, ich weiß. Bis jetzt sehr spannend. Wenig Schocker- und Ekel-Effekte, viel gut erzählte Spannung. Und ich bin ja ein großer Fan davon, wenn NICHT plötzlich an jeder Ecke Geister und Dämonen auftauchen. Nur: Margaritas aus der Dose? Da kann man sich wahrscheinlich wirklich auch mit dem Hammer auf den Kopf hauen.

Filme

  • Sting: Ich mag Spinnenfilme, ich mochte die Familiendynamik, ich mochte die Animationen. Nicht grandios, aber kurzweilig.
  • The Breach: Okay, im CERN werden offenbar nicht nur schwarze Löcher, sondern auch schwarze Magie gemacht, und energielastige physikalisch-esoterische Experimente lassen sich mit Hilfe eines Dieselgenerators in der Wildnis wiederholen. Wenn man das ignoriert (und die Tatsache, dass die Charaktere niemals-nie-nicht ordentlich miteinander reden), kriegt man netten Body Horror. Muss man aber nicht zweimal gucken.
  • Jurassic Park: Rewatch, klar. Wir wollten gucken, ob die Effekte heute noch funktionieren (tun sie).
  • Renfield: Auch ein Rewatch, weil ich den Film einfach sehr mag. Er ist bunt und over the top und ich schau Nicolas Cage einfach gerne zu. (Hast du schon „Willys Wonderland“ gesehen? Wirklich keine Filmperle, aber sehr unterhaltsam.)
  • Die Rückkehr der lebenden Toten: Einer von vielen Klassikern, die mir bislang entgangen sind. Warum gibt es Frontal Nuditiy immer nur bei den Frauen, aber die Dangly Bits der Kerle sieht man nicht? ICH PRANGERE DAS AN. Natürlich im Rahmen der Gleichberechtigung.
  • Leviathan: SciFi-Horror mit interessanten Effekten. War ein Vorschlag vom Mann – und der erste Horrorfilm, den ich damals als Kind gesehen habe (unsere Eltern haben unseren Medienkonsum eher geduldet als begleitet). Meine Güte, was hatte ich Albträume! Aber du siehst ja, was draus geworden ist. ^^

Ich meine, da fehlt ein Film, aber spontan fällt er mir einfach nicht ein. War also nicht so gut, vermute ich. Ansonsten habe ich viel gehäkelt, ein wenig gebastelt, war zweimal im Wald joggen und habe Katzen gestreichelt. Das sah dann ungefähr so aus.

Das Brot war ein kulinarisches Experiment: Bananen-Mayonnaise-Sandwich. Angeblich ein Südstaaten-Comfort-Food. Ist jetzt nicht fies, aber auch nicht genial.

Von einem hellen Kratzbaum aus lugt ein schwarzweißer Kater ober eine Kante und stiert direkt in die Kamera. Eine krallenbewehrte Pfote ruht auf der Kante.

Und damit der Post auch schön gruselig endet: Der Kater sagt, wir werden alle sterben. ^^

Von Menschen, Macken und Moral

Manchmal stößt man beim Lesen auf Gold – eine Geschichte, die einen so mitreißt, dass die Figuren zu Freund*innen werden, die einem noch lange im Kopf herumschwirren. Man meint, sie richtig zu kennen, und freut sich auf ein Wiedersehen.

Wie man das als Autor*in erreicht?

Eigentlich ganz einfach – und gleichzeitig ziemlich tricky.

Die Figuren müssen so etwas wie echte Menschen (Außerirdische, Fabelwesen, … ) sein. Das bedeutet zum einen, dass sie sich wie echte Menschen benehmen. Sie agieren manchmal irrational, sie machen Fehler, treffen uninformierte Entscheidungen, müssen über ihren eigenen Schatten springen (und versagen dabei), irren sich, sind schlecht gelaunt oder ungeduldig, abgelenkt, … – was auch immer.

Zum anderen haben echte Menschen ihre Macken. Sie sprechen auf eine bestimmte Weise, ziehen beim Betreten der Wohnung die Schuhe aus (oder auch nicht), schlafen nur mit Hut oder essen gern Bananen-Mayonnaise-Sandwiches.

Und da wird es beim Schreiben manchmal schwierig. Denn es soll ja nicht jede Figur ein Abklatsch unserer eigenen Vorstellung von der Welt sein. Sonst wären die einander alle ziemlich ähnlich, das wäre eine langweilige Geschichte. „Das Buch über drei Leute, die sich in allem einig waren, und in dem nichts Aufregendes passiert“ – würdest du das kaufen? Wobei, was weiß ich über den Buchmarkt? Vielleicht also ja und schon.

Ein frischgebackener Elternteil in meinem Bekanntenkreis erklärte mir vor Jahren mal: „Meine Kinder werden nicht darauf gedrillt, Bitte und Danke zu sagen. Das machen nur Schwächlinge.“

Das kann man jetzt so machen – keine Sorge, den Kindern geht es gut und sie haben ein altersgerecht akzeptables Level an Höflichkeit erreicht – aber mir kommt das total strange vor. Wenn ich also so eine Figur wie den Elternteil schreibe, müsste ich mich intensiv mit deren Weltbild befassen: Warum gilt Höflichkeit als Zeichen von Schwäche? Wie interagiert sie mit ihrer Umwelt? Grüßt sie beim Bäcker? Drängelt sie sich vor, oder lässt sie Leuten an der Kasse den Vortritt? Schenkt sie nur sich selbst Kaffee ein oder auch anderen, und wer kriegt die erste volle Tasse? Wie geht sie mit Leuten um, die ihr gegenüber höflich sind, und was denkt sie von ihnen?

Ich vermute, so eine Person hat ein Alltagserleben, dass sich sehr von meinem unterscheidet. (Ich bin ein hinreißender Sonnenschein. Nicht lachen!)

Und wenn man dann so vor sich hin schreibt, muss man die ganze Zeit über daran denken, dass diese Person eben NICHT höflich grüßt, wenn sie wo ankommt.

Das mit dem Sprechen ist auch so ein Ding – spricht eine Figur einen Dialekt? Sagt sie öfter „ey“ oder „wallah“ oder „ähm“? Formuliert sie jede Aufforderung als Frage? Verschluckt sie manche Buchstaben? Das sollte sich in geschriebenem Dialog niederschlagen – auch, damit man die Figuren leichter auseinanderhalten kann beim Lesen. Natürlich darf man, ähm, das nicht übertreiben, ey, sonst sind nämlich alle konstant genervt, ey. Darüber hinaus spiegelt die Art, wie man spricht, das Umfeld wieder, in dem man aufgewachsen ist, und das, in dem man sich bewegt. Ein Wissenschaftler redet anders über den Klimawandel als eine Politikerin oder eine Fachperson für Kreislauf- und Abfallwirtschaft. Okay, „Fachperson für Kreislauf- und Abfallwirtschaft“ sagt im Alltag auch niemand – das sind „die von der Müllabfuhr“.

Worauf wollte ich hinaus? Ach ja. Lebendige Figuren müssen sich lebendig verhalten. Inklusive Moral und Macken.

Kennst du Geschichten, in denen das besonders gut gelungen ist?

Mehr Papier! „Hirschkönig“-Taschenbücher

In echt ist es noch schöner!

Egal, wie viele Bücher ich veröffentlicht habe, die ersten Exemplare eines neuen Buchs sind immer spannend! Darum heute auch zwei Posts. Das meiste davon geht mit auf die Leipziger Buchmesse, ein paar schicke ich vorher auf Reisen. Wer beispielsweise ein signiertes Exemplar haben möchte, kann sich direkt bei mir melden.

Aber erst einmal ist am Wochenende Basteln angesagt – Lesezeichen und der Buchkatalog für „13 mit Feder“, der Autor*innengruppe, mit der ich unter anderem auf der LBM bin. Wenn mich die Muße lässt, häkle ich auch noch ein paar Regenbogen-Patches. So ganz einfache, aus Gründen.

Außerdem findest du mich natürlich als Sorgenwandlerin bei PAN … mit neuem schickem T-Shirt. Allerdings brauchen wir wohl ein geheimes Erkennungszeichen.

Genug geschnattert. Hier warten eine Suppe und zwei Katzen auf meine Aufmerksamkeit.

Die Jagd nach dem Titel

Buchtitel sind ein Ding für sich – sie sollen direkt klar machen, welches Genre man in der Hand hält und worum es ungefähr geht, gleichzeitig aber so einzigartig sein, dass man das Buch nicht mit dreizehn anderen mit ähnlichen Titeln aus dem gleichen Genre verwechselt, wenn man darüber redet.

Ich tu mich schwer mit Buchtiteln. Das mag man gar nicht glauben (oder eben doch, ich weiß), aber … sagen wir so: Es gibt da ein Manuskript, dessen Arbeitstitel mit dem endgültigen Buch aus Gründen, die außerhalb meiner Entscheidungsmöglichkeiten liegen, gar nichts mehr zu tun hat. Wenn ich das also veröffentliche, muss ein komplett neuer Titel her. Und obwohl vorher noch ein komplettes Buch in der Warteschleife hängt, mache ich mir da jetzt schon Gedanken drüber.

Bei „Andrea die Lüsterne und die lustigen Tentakel des Todes“ hatte ich das große Glück, dass der Chaospony Verlag den Arbeitstitel einfach so übernommen hat. Der hat aber auch gepasst.

Die Schattenfall-Titel stehen schon alle fest und ergeben sich aus der Reihenfolge und den ungefähren Plots. Außerdem sind sie ja formularisch aufgebaut, das schränkt mich glücklicherweise ein wenig ein. Dass ich schon grob weiß, wie ich die Cover haben will, ist auch etwas Neues.

Ein anderes Projekt hat den Arbeitstitel „Dämonenscheidung“. Den KANN ich so nicht nehmen, weil er der Geschichte nicht gerecht wird. Was am Ende da stehen soll? Keine Ahnung!

Langer Rede kurzer Sinn: Ich habe keine Ahnung von Buchtiteln. ^^

Und jetzt zu dir – welchen Buchtitel fandest du, gemessen an der Geschichte, besonders gelungen (oder besonders irreführend)?

Alles Schweine (und was man damit macht)

Nein, es geht nicht um Politik. Oder höchstens so gaaaaaanz mimi-minimal am Rande.

(Das sollte „mini-minimal“ heißen, aber da ich heute jammern werde, lasse ich das so stehen.)

CN sexuelle Übergriffigkeit, generelles Arschlochverhalten

Grundsatzfrage: Wie gehen wir damit um, wenn eine eigentlich beliebte Person des öffentlichen Lebens plötzlich als absolutes Arschloch dasteht? Bei JKR bin ich nicht persönlich betroffen und kann sie ganz entspannt aus meinem persönlichen Leben verbannen. Kein großes Ding! Und während ich in den letzten Jahren beobachtet habe, wie sie sich immer weiter in die transphobe Ecke manövriert , habe ich parallel überlegt: Wie redest du, wenn es jemanden trifft, den du verehrst? Hier kannst du von deinem hohen Ross aus ja gut predigen, und die Aussicht ist auch schön sonnig.

Tja, jetzt haben wir unsere Antwort. Noch vor wenigen Jahren habe ich ihn in einem Vortrag als Beispiel für positives Verhalten bei öffentlichen Fehltritten verwendet, jetzt sieht das etwas anders aus: Offenbar ist Neil Gaiman ein Arschloch. Und wer mich kennt, kann bestätigen: Ich war ein absolutes Fangirl. Aber nicht länger. Die Bücher wandern auf das hinterste, finsterte Regalbrett. Das Autogramm kommt von der Wand. Die Serien gucke ich mich nicht mehr an. Denn ich bin es leid, leid, leid, Arschlöchern Geld und Aufmerksamkeit hinterherzuwerfen.

Es ist ja eine Sache, wenn man nicht in allen Dingen einer Meinung ist. Ich finde es nicht schlimm, wenn Künstler*innen, die ich gern rezipiere, andere Ansichten zu den meisten Themen haben – solange es nicht ins Menschenfeindliche abgleitet. Als Menschen sind wir nicht so zerbrechlich, dass wir am kleinsten Widerspruch kaputtgehen. Und es ist auch gar nicht möglich, immer ein perfekt guter, weiß strahlender, sauberer Überheld zu sein. Vor allem nicht, wenn man in der Realität existieren muss. Aber bei solchen Übergriffen ziehe ich eine Grenze. Nicht, dass meine winzigen finanziellen Beiträge oder deren Ausbleiben einen Unterschied machen. (Außer für mein Gewissen.)

An der Stelle zwei Dinge:

1. Ja, ich kenne die Idee „Unschuldig, bis das Gegenteil bewiesen ist“ – gilt aber in erster Linie in juristischem Kontext. Ich glaube den Opfern. Und mal im Ernst – wenn ich Leute NDAs unterschreiben lasse, dann ist mir doch klar, dass ich andernfalls schlecht wegkomme bei der Sache.

2. „Trennung von Kunst und Künstler“ liest sich so heroisch. „Hach, ich bin ja kein emotionales Wesen, sondern ein intellektuell getriebener Rezipient von Kunst!“ Bullshit. Also, kannste machen, ist aber nicht beeindruckend. Ausnahmen mache ich manchmal für tote Künstler*innen, die nicht mehr davon profitieren, dass Leute ihr persönliches Vergnügen an ihren Werken über das Leiden der Betroffenen stellen. Aber nicht einmal das muss man. Es gibt hunderte Künstler*innen, über deren finsterste Verfehlungen und Perversionen wir noch nichts wissen. Konsumiere ich doch lieber die.

Und bis jetzt tut es mir nicht leid. Es gibt so viele gute Autor*innen da draußen, die entweder keine kompletten Sackgesichter sind oder bei denen es noch nicht öffentlich bekannt ist. An die halte ich mich. Und ehe jemand fragt – nein, ich möchte auch nicht von meiner Kunst getrennt werden. Lies bitte alle meinen Geschichten in dem Wissen, dass dahinter eine schlechtgelaunte, ungeduldige, manchmal garstige alte Hippiehexe mit Temperamentsschwankungen und Laktoseintoleranz steckt. Ich bemühe mich, ein anständiger Mensch zu sein, versage dabei immer mal wieder und mache es hoffentlich besser, wenn ich es besser weiß. Keine Versprechungen.

(Disclaimer: Der Mann hat kein NDA unterschrieben. Der könnte euch Dinge erzählen! Einmal hab ich ihn im Schlaf geboxt. Und die Katzen verhungern mehrmals täglich. Catnesty International ist schon informiert.)

Monets Garten

Ab und zu bringe ich den Mann dazu, mit mir so richtigen Pärchen-Schiet zu machen. Diesmal haben wir uns „Monets Garten“ in Köln angeschaut – beworben als immersive 360°-Ausstellung mit interaktiven Elementen. Zugegeben, ich versteh nicht viel von Kunst. Aber ich kann sagen, ob mir etwas gefällt. Und manchmal nutze ich gern die Gelegenheit, um neue Erfahrungen zu machen.

Schwarzer Raum, große weiße Leinwand. Auf der Leinwand sieht man viele winzige Pünktchen und Striche in Grün, Türkis, Blau und Violett, die sich zu bewegen scheinen wie ein Weizenfeld im Wind. Das Bild wirkt dreidimensional und plastisch.

Die erste neue Erfahrung war die Parksituation in Köln-Ehrenfeld. Spannend! Also, ich hab ja auf dem Land fahren gelernt. Wenn man da parken will, lässt man das Auto einfach am Straßenrand ausrollen und dann steht das da. Doch mit Hilfe des Mannes, der mich eingewunken hat, haben wir dann doch in eine Parklücke gepasst, die sage und schreibe 20 Zentimeter länger war als unser Auto. Für andere Leute ist das keine Kunst, schon klar.

Straßenaufnahme. Ein künstlicher Mind leuchtet über einer mit Plakaten beklebten Mauer, daneben sieht man ein Tempo-30-Schild, Wahlwerbung und parkende Autos.

Die Tickets für die Ausstellung gelten für ein 15-Minuten-Zeitfenster. Zwölf dieser Minuten haben wir damit verbracht, überhaupt erst einmal den Eingang zu finden. Auch das möglicherweise eine typische Ehrenfelder Erfahrung? Auf der Website wurde schon gewarnt, dass der Eingang nicht in der Straße sei, in der die Halle sich laut Karte befindet, sondern an der nächsten Kreuzung. Allerdings war der Eingang dann noch einmal 50 Meter von dieser Kreuzung entfernt in einem Hinterhof mit fragwürdigem Pedigree. Ein Abenteuer nach dem anderen, ich sag’s dir.

Karikaturskizze  eines Mannes mit langer Nase und Backenbart, der auf einem Schmetterlingskörper angewachsen ist.

Die Ausstellung selbst war richtig hübsch. Wir waren mit wenig Erwartung hingegangen und wurden dafür belohnt. Zuerst kam man in einen Raum, in dem mehrere Gemälde von Monet auf Leinwände projiziert wurden und sich regelmäßig in winzige Farbwürmchen auflösten, die dann umherwuselten wie die Linien auf einem Wetterbericht. Außerdem konnte man sich an einem Zeitstrahl einen Überblick über Monets Leben und Wirken verschaffen. Das war gut, denn ich hatte kein einziges Datum parat.

Eine mit Wisterien bewachsene Holzbrücke führt über einen projizierten Teich voller gemalter Seerosen. Der Hintergrund besteht aus einer mit Efeu bespannten Wand.

Der nächste Raum war eine Nachbildung von Monets Garten – mit projiziertem Teich, auf dem von Besucher*innen gestaltete Seerosen trieben, vielen künstlichen Pflanzen und einer Häuserfassade. In diesem Haus konnte man mit einer weiteren riesigen Farbprojektion interagieren und die einzelnen Pinselstriche durch Bewegungen umherwirbeln lassen. Es gab die Gelegenheit, sich zu setzen und die Atmosphäre zu genießen, während man auf die Hauptattraktion wartete: Einen 360°-Film über Monets Leben, bei dem man sich quasi in den Bildern befand.

Projektion von Blumen und Grün auf einen Sitzhocker und den umgebenden Fußboden.

In dem Warteraum davor konnte man noch Monets Pinselstriche unter der Lupe betrachten und mit einer weiteren projizierten Farbinstallation interagieren. Dann ging es in die Film-Halle. So riesig sieht man die meisten Gemälde ja selten, und auch die Animationen waren sehr gelungen. Ich fand, der Film hatte genau die richtige Länge: Lang genug, um informativ zu sein, und nicht so lang, dass es langweilig wird. Vielleicht 30-40 Minuten? Also eine Serienfolge, das ist ja die übliche Aufmerksamkeitsspanne heutzutage.

Zwei Punkt-Knäuel in bunten Farben, die grob an MEnschen erinnern, stehen dicht beieinander. Das linke Knäuel ist in erster Linie gelb und rot, das rechte in hellen und dunklen Blautönen gehalten.

Danach gab es natürlich den obligatorischen Museumsshop mit Büchern und Kinkerlitzchen. Wir waren insgesamt knapp zwei Stunden in der Ausstellung und haben uns nicht gelangweilt. Gut, möglicherweise sind wir einfach zu amüsieren. Zum Abschluss haben wir im Fastfood-Restaurant um die Ecke noch eine Kleinigkeit gegessen und sind dann mit erstaunlich wenig Umwegen (bist du mal in Köln gefahren???) nach Hause zurückgekehrt.

Hirschkönig – altes Buch, neues Gewand. Möglicherweise nekromantisiert.

Buchcover "Hirschkönig", Diandra Linnemann. Grün- und Schwarztöne, bewaldete Hügel. Vor einem Vollmond die Silhouette eines Mannes im Fellmantel mit Schwert, nach unten gerichtet, die in die Silhouette eines Hirsches übergeht. Über seiner Schulter kreist eine Krähe.

Es ist da! Es ist da!

Ab sofort kannst du den „Hirschkönig“ in der Neuauflage mit weniger Tippfehlern, minimalen Textverbesserungen und wundervollem neuem Cover bestellen. Am liebsten natürlich HIER, aber versuch es auch beim Händler deines Vertrauens. Mit Titel, Autorin und/oder ISBN sollte sogar der lokale Buchhandel es bestellen können, sobald es einmal in alle Systeme eingepflegt ist.

Natürlich, wenn ich das Buch heute schreiben würde, sähe es anders aus. Das passiert, wenn man sich als Mensch und Autorin weiterentwickelt. Aber ich wollte eben nur grobe Schnitzer entfernen, nicht alles komplett überspachteln.

Ob ich jemals wieder ein Buch mit historischem Hintergrund schreibe? Wer weiß? Es war eine Menge Recherche – und trotzdem habe ich jetzt noch einige Fehler gefunden und korrigiert. Hat natürlich Vorteile, wenn man sich auf etwas beruft, was tatsächlich so oder so ähnlich passiert ist – anstatt sich alles merken zu müssen, kann man im Zweifel einfach nachschlagen. Aber man MUSS eben auch alles nachschlagen. Keine Ahnung, wie andere Leute ihre Recherche organisieren, daran wäre ich schon bei der Diplomarbeit beinahe gescheitert.

DER KLAPPENTEXT:

Ein historischer Roman über Freiheit, Liebe und Magie.
Beinahe die gesamte bekannte Welt ist von den Römern unterjocht. Mit einer Mischung aus Bestechung, Überredung und roher Gewalt haben sie die freien Stämme Germaniens an das römische Reich gebunden. Junge Männer werden als Geiseln nach Rom gebracht. Dort sollen sie mehr über die Errungenschaften der modernen Welt lernen, auf dass sie den Segen der Zivilisation in ihre Dörfer tragen.
Der junge Cherusker Siegfried ist einer von ihnen. Jahre später kehrt er zurück, um den Römern  am Rhein  mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und zu verhindern, dass Chaos und Gewalt sich in den germanischen Wäldern ausbreiten. Schon bald nach seiner Rückkehr kommen ihm jedoch die ersten Zweifel.
Mit Hilfe von Freunden und Familie arbeitet er daran, einen selbstmörderischen Plan in die Tat umzusetzen. Sein Gegner: Niemand Geringeres als die stärkste Armee der Welt. Und am Ende muss er lernen, dass alle Siege nichts wert sind, wenn die Liebe seines Lebens unerreichbar bleibt.

It’s a chicky-chicken!!!

Im Hintergrund sieht man mehrere Hühner und einen Hahn in einem winterlich-kahlen Garten. Im Vordergrund hält eine Frau mit langen blonden geflochtenen Haaren und schwarzem Rollkragen-Pullover ein großes graues flauschiges Häkelhuhn mit rotem Kamm im Arm. Es guckt etwas leidend.
Eines dieser Hühner ist nicht echt.

Anfang des Jahres habe ich angefangen, mich an Mikro-Häkelprojekten zu versuchen – vorerst Ohrringe aus Stickgarn, was für eine Friemelarbeit! Das komplette Gegenstück dazu ist dieses Huhn, auf Wunsch von Paty. Seit Jahren schickt sie mir Bilder von jedem gehäkelten Huhn, das sie findet, und ich verstehe ja einen Wink mit dem Zaunpfahl. Jetzt besitzt sie ein Huhn, das sie auch zur Selbstverteidigung einsetzen kann, denn es ist nicht nur groß, sondern auch schwer.

(Im Vergleich hierzu: Ohrringe.)

Schwarzer Hintergrund, darauf liegen vier Hänge-Ohrringe: Filigrane Herzen aus rosa Stickgarn.

Beide Varianten haben ihre Vorteile – das Riesenhuhn gilt unter anderem als Workout, weil man mit großen Mengen von dickem Garn hantiert, das sich einfach nicht verhäkeln lassen will! Bei den winzigen Projekten guckt man sich hingegen ganz krumm, da fehlt mir auch noch die Übung. Kommt. ^^

Was ich an Facebook vermisse

Ich bin ja jetzt bei Facebook weg (und bei Threads, Instagram, Tiktok). Und ich vermisse es eigentlich fast gar nicht. Bis auf zwei Dinge.

  1. Das Doomscrolling – wenn ich jetzt sinnlos und ohne Denken Zeit am Handy totschlagen will, muss ich zwangsläufig zu Pinterest, und das schlägt sich in Hunderten neuer Häkelprojekte nieder. Ihr werdet alle sehr darunter leiden. Aber ja.
  2. Etsy-Werbung. Irgendwie hat Facebook sich mit wenigen Clicks davon überzeugen lassen, dass ich auf den abgedrehtesten Schiet aller Zeiten stehe, und der Algorithmus hat das bei der eingeblendeten Werbung aufs Hinreißendste belohnt. Manchmal habe ich nur bis zur ersten Etsy-Werbung gescrollt, um mich da durch die Produkte zu klicken. Das sind einige Beispiele, und ich liebe sie alle.

Abgesehen davon – ich fühle mich nicht isoliert, denn mit allen wichtigen Menschen kann ich auch so Kontakt halten. Mir ist nicht langweilig, denn mir ist nie langweilig. Ich fühle mich auch nicht weniger informiert, schließlich gibt es Nachrichtenseiten … und BlueSky wird auch lebendiger, das ist schon wie Baby-Twitter.

Einige Leute sagen, man solle die Plattformen nicht vorschnell verlassen, sondern sich dort mit den Trollen auseinandersetzen. Dem stelle ich gegenüber: Das ist kein Marktplatz der Ideen. Das ist eine Cocktailparty, auf der die Gastgeber (Musk, Zuckerberg, …) angefangen haben, abgedrehte Verschwörungstheorien auszurufen und den Nazis rote Teppiche auszurollen, während sie allen Anständigen ins Glas spucken und dafür auch noch Geld verlangen. Das MUSS sich niemand antun. Geh einfach. Lass sie in ihrer eigenen Suhle stehen. Es gibt ein Leben nach Facebook.

Gut, und jetzt: Wo finde ich gute Buchblogs? ^^