Die Sache mit Tina

Ich mag es nicht, wenn Leute erzählen, ihre Figuren hätten ein Eigenleben und kämen quasi fertig zu ihnen – das mag sich manchmal so anfühlen. Eigentlich offenbart so eine Aussage aber nur begrenztes Verständnis des eigenen Schreibprozesses.

Und weil mich das so ärgert, erzähle ich euch heute von der Sache mit Tina.

Wer „Willkommen in Schattenfall“ gelesen hat, kennt und liebt Tina wahrscheinlich – eine kleine blonde Schrottplatzbesitzerin mit schnoddrigem Mundwerk und wenig Geduld. Ich behaupte mal ganz dreist, im endgültigen Buch wirkt sie, als hätte sie genau so an genau diese Stelle gehört und da eigentlich schon immer gelebt. Dabei hat gerade Tina eine komplizierte Entstehungsgeschichte.

Beispielsweise wusste ich früh, dass ich eine Schrottplatzbesitzerin mit Dobermann habe. Aber wie sie redet oder aussieht, was ihre Hintergrundgeschichte ist – das pingte so vor sich hin und änderte sich andauernd. Ich konnte sie einfach nicht fassen. Aber das liegt nicht daran, dass sie keinen Bock gehabt hätte, mit mir zu reden. Nee, ich hatte mir einfach nicht ausreichend Gedanken darüber gemacht, wer unter diesen Umständen einen Schrottplatz in Schattenfall führen würde. Am deutlichsten wurde das an der Haarfarbe, die änderte sich in den ersten drei Entwürfen andauernd. Auch meine Testleser*innen wurden mit Tina nicht warm. Es war ziemlich deutlich, dass sie ein Stand-In war – ein Pappaufsteller mit der Aufschrift: „Hier könnten Sie einen voll entwickelten Charakter sehen!“

Jetzt taucht Tina nur am Rand auf. Das, was sie für die Geschichte tut (dafür sorgen, dass Holger Thomas nicht direkt wieder aus Schattenfall vertreibt) hätte eine beliebige Menge anderer Charaktere auch tun können. Jedoch hat es mich geärgert, dass ich keine bessere Tina auftreiben konnte. Bis mein Unterbewusstsein, das erstaunlich fleißig an Schreibproblemen herumkaut, ehe ich auch nur ahne, dass ich ein Schreibproblem habe, die Lösung ausspuckte:

Tina ist eine Walküre.

Logisch!

Auf einmal hatte ich ihre Haarfarbe, ihre Sprechweise, eine Erklärung für ihre ungeduldige Art. Einfach alles passte zusammen.

Einmal mehr: Tina ist kein ätherisches Wesen, das in der Phantasiewelt darauf gewartet hat, dass ich sie hervorlocke. Tina ist definitiv ein Produkt meiner eigenen kleinen verdrehten Phantasie. Aber erst, als ich genügend Informationen über ihren Hintergrund hatte, konnte sie in der Geschichte richtig Raum einnehmen.

Dass dabei Thomas‘ Fuß unter ihrem Hammer gelandet ist, war ein unbeabsichtigter Nebeneffekt.

Aber irgendwas ist ja immer.

Life sucks!

Bild in Grautönen: In der Ferne am Horizont stehen winzige Windräder. Darüber erhebt sich eine gigantische Windhose, die oben in dunkelgrauen Sturmwolken endet.
Foto von Greg Johnson, gefunden auf Unsplash.

Normalerweise übernimmt der Mann bei uns das Staubsaugen – ich hab da keine Lust drauf. Heute war der Tag allerdings etwas vollgestellt, mit Terminen und Vorbereitungen. Und für später hatte sich Besuch angesagt, der gegen Katzen allergisch ist. Während der Mann also unterwegs war, um wichtige Dinge zu tun, habe ich großzügig verkündet: „Ich staubsauge schon einmal, wegen der Katzenhaare.“

Gut, meinte der Mann, aber ich solle mich darauf einstellen, dass der Staubsauger nicht mehr so recht funktioniere, die Saugleistung sei ganz, ganz schlecht.

„Hast du den Beutel denn getauscht?“

„Ja, neulich erst. Das Ding ist einfach hinüber.“

Jetzt ist das gut möglich, denn diesen Staubsauger haben wir länger als unsere aktuelle Wohnung, und nach mehr als einer Dekade nähert sich auch bei hochwertigen Geräten irgendwann das unausweichliche Ende. Ich also, auf das Schlimmste vorbereitet, schreite zur Tat.

Nee, der saugt wirklich kaum noch. Vielleicht liegt es an den Filtern. Klapp ich doch mal das Gerät auf.

Gut. Ich weiß nicht, wann der Mann den Beutel gewechselt hat. Dieser hier ist nicht nur voll, sondern massiv. Kurzer Blick auf die Filter, die sind in Ordnung. Beutel gewechselt, Gerät zugeklappt, wieder eingeschaltet.

Holla die Waldfee!

Ich will ja nicht sagen, dass der Motor zu stark ist, aber da ist jetzt ein Loch im Teppich, der Weihnachtsbaum hat keine Nadeln mehr und ich fürchte, ich habe zwei Hobbits aufgesaugt.

Wenigstens hat das Ungetüm es nicht geschafft, mein Hauskleid aufzufressen. War aber knapp. Die Wohnung ist jetzt also einige Pfund leichter und um etliche Katzenhaare ärmer.

Bei Nachfragen stellt sich übrigens heraus, dass das „neulich“ vom Beutel-Tauschen in der Woche war, in der ich das Bad gestrichen habe. Das war im September.

Fragt sich nur, wer den neuen Staubsaugerbeutel jetzt nach Mordor zum Schicksalsberg trägt, Hobbits inklusive.

Gute alte Zeit (oder: Der Wilde Westen des Internet)

Teilaufnahme - man sieht den Hintern eines überwiegend weißen Wasservogels mit roten Füßen, der gerade von einer steinernen Oberfläche abhebt.
Foto von Ben Wicks, gefunden auf Unsplash.

Twitter hat es vorgemacht, und gewisse andere SoMe-Seiten (*HUST* Meta *HUST) stellen sich gerade vergleichbar ungeschickt an – manchmal ändert sich innerhalb kurzer Zeit die digitale Landschaft so sehr, dass man sich zweimal überlegt, ob man nicht weiterzieht. Wie der poor lonesome cowboy, der in den Sonnenuntergang reitet, anstatt sich weiter über das piefige rassistische Nazi-Zombie-Höllenloch zu ärgern, in das manche Leute ihre Plattform offenbar gern verwandeln möchten. Aus aktuellem Anlass habe ich also darüber nachgedacht, wie man früher(TM) im Internet Informationen gefunden, sich vernetzt und Freunde gefunden hat. Einige von euch Küken wissen da ja gar nix mehr von.

Mein liebster Spielplatz waren Foren. Heute gibt es beispielsweise Discord, das hat eine ähnliche Funktionsweise. Man meldet sich in einem Space an, der sich einem bestimmten Themengebiet widmet, und kann dort mit Leuten diskutieren und quatschen und Privatnachrichten austauchen und so. Das Problem mit Foren war, dass man sie erst einmal finden musste. Und dann gab es zu manchen Themen hunderte, aber viele waren klein oder tot oder voller merkwürdiger Gestalten. Man hat sich also sehr, sehr gut ausgesucht, wo man sich angemeldet hat.

Blogs und Websites – hab ich ja, siehst du hier, daran merkt man, wie alt ich bin. Der Vorteil ist, dass es für Außenstehende schwierig (nicht unmöglich) ist, dir deine eigene Website abzuschalten. Nachteil: Leute müssen deine Plattform erst einmal finden, und dann muss man sie dazu bringen, zu interagieren. Für den Vernetzungsaspekt gab es manchmal „Blogstöckchen“ oder ähnliche Events, bei denen viele Leute zum gleichen Thema gebloggt oder den gleichen Fragebogen ausgefüllt und weitergereicht haben. Quasi Kettenbriefe zum Anklicken, kann aber Spaß machen. Und wer Blogs folgen wollte, hat sie sich in Blog Readers organisiert (The Old Reader gibt es z. B. noch, den verwende ich auch viel zu selten.)

Chatrooms – hab ich nur am Rand verwendet, war mir zu flüchtig und zu oberflächlich. Andere Leute haben da bessere Erfahrungen mit gemacht. Gerüchten zufolge konnte man dort ganze Nächte verbrennen, will ich gar nicht verurteilen.

Dann gab es noch so Kontaktseiten, auf denen man Anzeigen posten konnte, wenn man Leute zu bestimmten Themen kennenlernen wollte. Hab ich nie verwendet, aber durchaus gelegentlich gesehen. Ob das funktioniert hat, weiß ich nicht.

Und ja, das ist der Vorteil von Social Media, deswegen war das so erfolgreich – anstatt sich alles mühsam zusammensuchen zu müssen, hatte man plötzlich alles in einem Feed und konnte gemütlich dran entlang scrollen. Das ist natürlich maximal praktisch – für private Anwender und für Künstler*innen und Betriebe, die ihr Zeug unter die Leute bringen wollen, wie ich mit meinen Büchern. Aber wir haben vor SoMe gelebt, wir werden nach SoMe leben. Bestimmt haben geniale Köpfe gerade jetzt ganz neue Ideen dazu, wie man sich online austauschen und vernetzen kann. Ist nicht mein Spezialgebiet.

Welche prähistorische digitale Vernetzungsmöglichkeit möchtest du zurückbringen? An welche hast du schöne oder weniger schöne Erinnerungen?

Warum ich 2024 Bücher gekauft habe

Vor einem unscharfen Hintergrund sitzt eine rotgetigerte Katze gähnend auf einem weichen Polster. Sie trägt ein hellblaues Hawaiihemd und sieht sehr zufrieden aus.
Ja, mehr Bücher, bitte! (Foto von Abiwin Krisna, auf Unsplash)

Wie angedroht – aus welchen Gründen habe ich 2024 denn jetzt Bücher gekauft, wenn es so viele peinliche Werbestrategien gab?

Der wichtigste Grund für mich ist immer: Jemand, dessen Buchgeschmack ich vertraue, schwärmt von einem Buch. Ob das jetzt eine bloggende Person ist oder ein befreundeter Mensch oder jemand, den ich nur ab und zu online oder offline über tolle Bücher reden höre – wenn das Begeisterungslevel stimmt, kaufe ich das Buch fast sicher (solange es grob zu meinen Lesegewohnheiten passt).

Alternativ funktioniert auch Werbung von schreibenden Personen, wenn man merkt, dass sie von ihrem Thema richtig begeistert sind. Also nicht „Kauf mein Buch!“, sondern: „Leute sterben! Es gibt Magie! Und winzige Zauberkröten, die Giftgas spucken! Ich will sofort in diese Welt ziehen und dort sterben!“ Ich will nicht nur den Klappentext sehen oder das Cover – das kann ich überall haben. Ich will wissen, warum diese Person dieses Buch geschrieben hat und was sie daran begeistert.

Richtig sympathisches, authentisches Auftreten kann auch dazu führen, dass ich das Buch der auftretenden Person kaufen will. Das funktioniert ebenfalls online und offline, also beispielsweise auf Messen. (Achtung: Es funktioniert NICHT, wenn Leute mit „Kauf mein Buch!“-Vibes auf mich zukommen, das ist mir eher unangenehm.) Aber wenn wir einander begegnen und uns gut unterhalten, steigen die Chancen, dass ich ein Buch mitnehme, auch wenn es nicht meinen üblichen Lesegeschmack trifft. Heck, einmal habe ich ein Buch, dass ich selbst gelesen hatte und nicht mochte, noch einmal gekauft, weil ich es für eine Freundin widmen lassen wollte, der es höchstwahrscheinlich gefällt.

Und ansonsten ist es viel Zufall – hab ich gerade Lust auf ein Buch? Spricht mich der Titel an? Piekst mich das Buchkauf-Stroh?

Also ja. Man kann bei mir als Leserin sehr viel konkret falsch machen und nur so diffus Dinge richtig. Was ist also die Moral von der Geschicht? Hab Spaß mit Werbung, ohne die Lesenden für dumm zu verkaufen. Sei du selbst, auch wenn es dich nervös macht. Deine Weirdos sind irgendwo da draußen. Und wenn du deine Weirdos gefunden hast, pflege sie!

Ein spezieller Recap: Cringe-Werbung im letzten Jahr

Gelber Hintergrund. Im Zentrum des Bildes sitzt ein sandfarbener zottiger Hund in einem blaugelben Pyjama-Oberteil, schaut nach links und streckt die Zunge raus, als wolle er sich über die Nase lecken.
Da sag ich nur bäh! (Foto von Karsten Winegeart, gefunden auf Unsplash)

Als Autor*in treibe ich mich viel in den sozialen Medien herum. Nicht nur, weil ich dort Zeit verbrennen kann, sondern auch aus professionellen Gründen. Nirgends sonst können so viele Leute gleichzeitig meine Bücher ignorieren. Ich schwör, ich hab das mit der Werbung nicht drauf.

Andere Leute aber auch nicht. Manche Posts sind lieblose Massenware, andere belanglos – und einige sind richtig, richtig cringe. Heute teile ich mit euch also einige der unpassendsten, unangenehmsten und möglicherweise einfach nur peinlichsten Werbestrategien, die ich im letzten Jahr gesehen habe. Das ist keinesfalls exklusiv, mein Gedächtnis ist nämlich eher so meh, aber WENN mir etwas im Gedächtnis bleibt, hat das gute Gründe.

Situation 1: Mir fällt ein Facebook-Profil in einer Lesegruppe auf. Egal, was für Spezifikationen die Leute angeben, wenn sie um Lese-Empfehlungen bitten – dieses Profil schreibt immer ein bestimmtes Buch einer bestimmten Autorin darunter. Sonst findet keinerlei soziale Interaktion statt. Jemand will Cowboy History? Hier, lies diese Mafia-Dark-Romance. Wer kennt sonnige Urlaubslektüre? Mafia-Dark-Romance. Ich brauche Fachliteratur zum Thema Hamster-Klonen – versuch’s doch mal mit Mafia-Dark-Romance! (Dass das Buchcover das Profilbild ist und der Name des Profils mit den gleichen Initialen beginnt wie der Name der Autorin – bestimmt alles nur Zufälle, nicht wahr?)

Situation 2: Das Threads-Profil eines Buchpodcasts fragt, was man denn gerne lese. Unter ungefähr jeder Antwort empfehlen sie einen bestimmten High-Fantasy-Roman … auch wenn High Fantasy gar nicht genannt wurde. Das Buch wurde unter Pseudonym veröffentlicht, aber das Pseudonym mitsamt Foto taucht auf einer Homepage auf, und sapperlot: Der Mensch auf dem Foto ist einer der Podcaster. Was für ein grandioser Zufall, nicht wahr?

Situation 3: Eine Person beschreibt in mehreren Posts bei threads ihre Lebenssituation mit hinterhältiger Schwester, fremdgehendem Mann, Jobschwierigkeiten etc. Viele Leute äußern Mitgefühl und bieten Hilfe an. Die Posts generieren RICHTIG viel Aufmerksamkeit. Die Person geht auf die Kommentare ein, antwortet, liefert weitere Informationen. Nach mehreren Tagen(!) löst sie dann auf: Das ist gar nicht ihr echtes Leben, sondern der Plot ihres aktuellen Romans, und wer jetzt so richtig interessiert sei, könne das Buch doch einfach kaufen.

Situation 4: Zwei Autor*innen, die ursprünglich befreundet waren, haben plötzlich Beef. So richtig fies. Mit öffentlichen Posts und Anschuldigungen, eine*r habe der*dem anderen Plot/Cover/… geklaut. Die Fans eilen zur Hilfe. Immer wieder werden in den Posts die Bücher erwähnt, mit Werbefotos und allem. Aufregerposts bringen immer viel Aufmerksamkeit, viele Leute kaufen eines der Bücher (oder beide), um sich überhaupt erst einmal ein Bild machen zu können. Dann ist der Streit plötzlich vergessen, beide vertragen sich öffentlichkeitswirksam und bedanken sich für die Unterstützung der Fans. Natürlich habe es KEINEN Buch-/Ideenklau gegeben. Man kenne einander natürlich schon lange und sei ja richtig fest befreundet, homie-style.

Situation 5: Das habe ich in verschiedenen Varianten gesehen. Die schreibende Person erzählt lang und breit von all den furchtbaren Dingen, die ihr widerfahren sind und werden. Die einzige Möglichkeit, schreckliches Schicksal abzuwenden, sind viele Buchverkäufe. Am besten jetzt sofort, heute, ganz schnell! Sonst stirbt ihr Einhorn! Und wenn ein Drama abgewendet ist („Danke an alle meinen treuen Fans und Lebensretter!“), kommt sofort das nächste. Das Einhorn hat Schnubbelschnupfen! Kauft mein Buch!

Ja, ich bin eine garstige alte Frau. Wenn ich etwas richtig würdelos-falsches sehe, will ich darüber reden. Zum einen, damit andere Leute solche hinterfröbeligen Taktiken ebenfalls schneller erkennen – und zum anderen für andere Schreibende. Tut das nicht. Egal, für wie sneaky ihr euren Marketing-Coup haltet: Leute merken das. Integrität und Glaubwürdigkeit sind wichtiger als dreitausend Klicks und fünf Buchverkäufe.

Demnächst folgt dann auch noch ein Beitrag mit Werbung, die für mich so richtig gut funktioniert hat. Ich bin ein Buchkaufopfer ohne Selbstdisziplin, es ist also gar nicht schwer, mich von einem neuen Buch (oder dreien) zu überzeugen.

Aber vorher bist du noch einmal dran: Hast du im letzten Jahr Buchwerbung gesehen, die so richtig daneben war?

Die KI-Keks-Vendetta (wie angekündigt)

Pinterest ist mein Anti-Doomscrolling-Zufluchtsort. Wenn ich Abends müde in der Ecke hänge und das Telefon in die Hand nehme, nur um sinnfrei zu scrollen, wechsle ich schnell zu Pinterest. (Das erklärt die etwa 2.400 geplanten Häkelprojekte.) Und weil ich Pinterest sehr gut eingerichtet habe, zeigt es mir Handarbeitsprojekte, niedliche Hüte – und Rezepte.

Screenshot von einem Blog "Recipes by Clare dot com" mit einem Bildausschnitt, der perfekte Spiralkekse mit eingekerbten Spiralen voll mit rotem Gelee zeigt.
Der verlockende Screenshot

Kurz vor den Feiertagen war ein Keksrezept dabei, das genau so schick wie einfach war – wenigstens versprach das das Rezept. Die Rede war von „Spiral-Rollenkeksen“. Ich war direkt verliebt, und ich hatte auch alle Zutaten daheim. Aber ich backe ja nicht erst seit gestern, und die Zutatenliste des Rezepts ließ mich stutzen. Angeblich sollte das Rezept mit Shortbread-Keksen enden, aber das Verhältnis der Zutaten war ganz falsch.

(Das beste Shortbread-Ergebnis bekommt man meiner Erfahrung nach mit einem Teil Zucker, zwei Teilen Butter, und drei Teilen Mehl – also 100 g Zucker, 200 g Butter, 300 g Mehl – plus etwas Salz und was auch immer man zum Aromatisieren nehmen will.)

Ein zweiter Blick auf die Bilder machte mich noch stutziger – und dann sauer. Denn mit dem beschriebenen Rezept bekäme man einfach nie die in den Bildern gezeigten Kekse raus. Und dann waren das auch noch Bilder von zwei unterschiedlichen Sorten Keksen.

Hier folgt ein kleiner Exkurs: Viele Leute, die ein Blog unterhalten, tun das in erster Linie, um damit ein wenig Geld zu verdienen – ich ja auch. Während ich euch ganz naiv davon überzeugen will, dass ich tolle Bücher schreibe, verdienen andere Leute über Affiliate Links Provisionen oder zeigen einem Werbung, bis der Bildschirm schlackert. Und um mit Werbung Geld zu verdienen, muss man viele Leute auf seine Seite kriegen. Dafür sind tolle Bilder von Vorteil. Wenn man mit den Bildern allerdings lügt, hört bei mir der Spaß auf. Und in einer zunehmenden Zahl von Fällen generieren Leute schnell irgendwelchen ästhetisch ansprechenden KI-Müll, um ein Blog mit möglichst wenig Aufwand mit Inhalten zu füllen, anhand derer sie euch Werbung in den Schlund stopfen. Dass das alles gelogen ist und beispielsweise die Rezepte gar nicht funktionieren – geschenkt! Hier geht es nicht darum, eine Community aufzubauen oder Wissen zu teilen. Diese Leute wollen nur möglichst arbeitsarm reich werden, und das auf euren Rücken und mit euren Daten.

Mein Verdacht im Fall der komischen Kekse also auch: Das ist alles KI-generiert. Bilder und Rezept. Aber beweisen konnte ich das nicht ohne weiteres. Also habe ich die Kekse zweimal gebacken – einmal so, wie sie da beschrieben stehen, und einmal so, dass ich wenigstens Kekse wie auf dem einen Bild rausbekomme. Nur das Teigrezept habe ich direkt geändert, denn ich mag nicht, wenn Lebensmittel verschwendet werden.

Screenshot: Spiralkekse, die den ersten Bildern nicht ähneln. Diese Kekse sind gefüllt und anders spiralisiert - eher wie marmoriert und nicht wie eingekerbt.
Genau dieselben Kekse wie oben, nicht wahr? (HUST!)

Die beschriebene Methode war ganz easy: Man mixt den Teig, rollt ihn flach aus, bestreicht ihn mit Himbeermarmelade und hat – voilà – wunderschöne windradähnliche Himbeerspiralkekse.

Nee, hat man nicht.

Sehr hausgemachte Rollenkekse, denen man das Gelee, mit dem der Teig bestrichen wurde, kaum noch ansieht. Sie sind eher oval, das Gelee klebt überall herum oder ist nicht zu sehen.
Das passiert, wenn man dem Rezept folgt.

Ich bin mir bei vielen Dingen nicht sicher, aber backen kann ich. Deswegen war ich auch sicher, dass diese schmackhafte Katastrophe nicht mein Fehler war. Und nachdem diese Version aufgegessen war, hab ich mich an eine zweite Variante gemacht.

Schaut mal, die eine Version KI-Kekse hat eine Himbeerfüllung und einen Himbeerstrudel, der sich komplett durch den Teig zieht, ohne dass die Kekse zerfallen. Keine Ahnung, wie das klappen soll. Experten hier? Schlagt mal was vor!

Die zweite Version hat einen gleichmäßig gefiederten Rand und nur zur Hälfte durch den Teig reichende Rillen, die mit Gelee gefüllt sind. Das kann ich. Am einfachsten ginge es mit einer spiralförmigen Stanze, aber mit etwas Sturheit und einem breiten Messer geht das genau so gut.

Ungebackene Plätzchen. Links rund ausgestochene Kekse mit gezacktem Rand, auf die rote Spiralen mit Gelee gemalt sind. Rechts fröhliche Schnecken, bei denen einige Details rot nachgezogen sind.
Teigrohlinge, eigene Kreation

Ich hab also noch einen Shortbreat-Teig gemacht, kleine Sonnen ausgestochen und mit dem Messer eine Spirale in den Teig geritzt. Das Himbeergelee (gekauftes diesmal, damit die Farbe besser zur Geltung kommt) habe ich in einem Gefrierbeutel durchgeknetet, dass es schon flüssig ist, dann eine winzige Ecke abgeschnitten und die eingekerbte Spirale vorsichtig mit dem Gelee gefüllt. Und weil ich gerade lustig drauf war, hab ich auch Schnecken und Pinguine mit dem Prägestempel gemacht.

Das Ergebnis, wenn man von meinem offensichtlichen Dilettantismus absieht, ähnelt den KI-Keksen doch direkt viel eher.

Gebackene Spiralkekse, leicht gebräunt.: Runde Kekse mit gezacktem Rand und eingesunkener roter Geleespirale
Direkt viel besser, nicht wahr?

Wisst ihr? Es macht mich sauer, dass Leute so einen Kram machen. Und noch saurer, dass man die dafür nicht belangen kann – heck, selbst wenn man könnte, würden die einfach verschwinden und in zwei Wochen mit den gleichen miesen Inhalten und neuem Namen irgendwo auftauchen.

Wenigstens war es eine wohlschmeckende Vendetta. Und im Sommer mache ich dann auf meine Art Spiralkekse mit Orangen- und Zitronengelee.

Ein zerbrochener Spiralkeks auf einem schwarzen Tellerchen. Man sieht im Querschnitt, dass die rote Spirale nicht bis zum Boden des Kekses reicht, sondern nur eingekerbt war.
Es stimmt, Rache ist süß. Und sie krümelt.

Wunder der Technik

Gestern war so ein Tag.

Du weißt schon, was ich meine. So einer.

Also.

Ich hatte Pläne. Koch- und Backpläne. Und die fingen nach einem gemütlichen Frühstück auch ganz normal an. Zuerst war der Geburtstagskuchen für den Mann dran. Der hatte sich einen Dubai Chocolate Cheesecake gewünscht, und ich liefere ja gern. Also Geschirrspüler angeschmissen, Boden gemacht, Creme gemacht, Ganache gemacht, alles zusammengebastelt und (gut abgedeckt!) auf den Balkon zum Durchziehen geparkt.

Als nächstes war ein Kürbiscurry dran. Das schleppe ich morgen mit ins Büro als Mittagessen für die Kollegin und mich, wenn wir schon an Heiligabend arbeiten müssen. Curry braucht nicht so viel Geschirr, aber mit den Schüsseln vom Kuchen, den Messern und Tellern und dem Kochtopf war die Küche schon ziemlich voll. Glücklicherweise war der Geschirrspüler schon durch.

Nur irgendwie blöd – der hatte nicht abgepumpt. Also erst einmal den Schlauch gelöst und die Maschine in den Eimer abpumpen lassen. Sieb saubergemacht, alles ausgeräumt, Kurzspülgang mit klarem Wasser gestartet. Manchmal behebt so etwas das Problem ja schon.

Meine größte Angst in solchen Momenten? Dass ich Döspaddel das Wasser anschließend mit Schwung in die Spüle schütte. Konnte mich glücklicherweise gerade noch zurückhalten.

Ärgerlicherweise wollte der Geschirrspüler nach dem Kurzspülgang immer noch nicht abpumpen, und eine kurze Überprüfung ergab: Abflussrohr verstopft. Inzwischen hatte das treue Ding auch eine nicht unerhebliche Menge Wasser in die Küche gepumpt, weniger schön. Der Mann, gerade erst aufgestanden, wurde als Fehlerbehebungsassistent rekrutiert.

Parallel habe ich mit Pömpel und heißem Wasser die Verstopfung attackiert. Eine gut ausgerüstete Hausfrau ist nicht aufzuhalten. Unter der schieren Macht meiner Sturheit gab, was auch immer in dem Rohr wohnte, schließlich auf. Zur Sicherheit hab ich erst einmal kochendes Wasser nachgeschüttet – zweimal, dreimal. Und dann, als ich gerade mit Essig nachlegte, wurde es plötzlich duster.

Erster Gedanke: „Da ist wohl Essig an den Strom gekommen.“ Ist natürlich Blödsinn, aber erzähl das mal meinem Gehirn.

An der Sicherung für die Küche hängen übrigens noch Balkon, Wohnzimmer, das Zimmer vom Mann, der halbe Flur, mein Büro und eine Steckdose im Schlafzimmer. (Wofür die anderen zehn Sicherungen da sind, kann ich nicht genau sagen. Die teilen sich Herd, Bad, Klo und das restliche Schlafzimmer.) Also viele mögliche Fehlerquellen.

Mann: „Das kommt daher, dass du gleichzeitig den Wasserkocher und den Geschirrspüler hast laufen lassen.“

Die laufen zwar oft parallel, aber … möglich? Sicherheitshalber alles mögliche in der Küche ausgesteckt, dabei auch den Geschirrspüler verrückt und festgestellt, wie unglaublich eklig das da drunter ist. Im Ernst, mach das nicht. aufgewischt. Steckdose überprüft – alles trocken.

Der Mann war der Meinung, man müsse die Sicherung nur mal abkühlen lassen, dann gehe das schon wieder. Aber nach dem Aufwischen war die immer noch nicht kooperativ. Also nacheinander alle Stecker in allen betroffenen Zimmern rausgezogen. Und der Mann am Möpern, denn das liege todsicher an meiner Wasserkocher-Geschirrspüler-Orgie, also alles sinnlos.

Willst du wissen, wo das Problem schließlich gefunden ward?

Im Zimmer des Mannes. Dort gibt es nämlich nur drei Steckdosen, und eine der vier Mehrfachsteckdosen, die an die hinterste Steckdose in Reihe gehängt sind, um insgesamt etwa 20 Geräte mit Strom zu versorgen (ich wünschte, ich dächte mir das aus!), muss wohl an Altersschwäche gestorben sein.

Oder, wie der Mann als nächstes erklärt hat: Die wurde durch das gleichzeitige Betreiben von Wasserkocher und Geschirrspüler in der Küche irreparabel beschädigt.

Gut, ich hab jetzt kein Physik studiert, also … möglich? Keine Ahnung. Der Fehler war gefunden, alles konnte wieder eingestöpselt und in Betrieb genommen und reprogrammiert werden. Mit zwei Stunden Verspätung zog der Mann sich also ins Wohnzimmer zurück, um in Ruhe wach zu werden, während ich in der Küche meinen Rachefeldzug gegen ein bestimmtes Keksrezept fortsetzen konnte. Davon erzähle ich demnächst mehr.

„Save the Cat“ kennt ihr ja schon, jetzt kommt …

… GERETTET VON DER KATZE!

Nahaufnahme: Eine getigerte Katze liegt entspannt auf einer grauen Sofa-Armlehne. Im Hintergrund Lichter, Bücher und Chaos.
Floppy cat is happy cat!

Der Mann so.

Ich kann nämlich nicht streiten, wenn ich lachen muss.

Genau das ist aber vor ein paar Tagen passiert. Wir haben auf dem Sofa enthusiastisch ein Thema diskutiert, wie das manchmal auch unter den harmonischsten (und unter den gleichgültigsten) Paaren passiert.

Und immer, wenn eine kurze Gesprächspause eintrat, hat Mara sich zu Wort gemeldet.

„Miau.“

„Mroar!“

„Mjepp?“

„Miaumiau.“

Echt, Kinder, so kann ich nicht arbeiten streiten.

Im Ernst. Ich weiß nicht einmal mehr, worum es ging. War wohl nicht so wichtig. Und Miss Mara Miezifu Minimau, kleine Killerkatze und flauschige Friedensstifterin, hat die Brisanz der Irrelevanz schnurrhaarscharf erkannt.

(Wer es nicht kennt: „Save the cat“ ist ein beliebter Schreibratgeber. Ursprünglich für das Drehbuchschreiben entwickelt, gibt es heute viele Ableger für andere Schreibbereiche. Ich hab noch nicht damit gearbeitet, aber ich kenne reichlich Schreibende, die darauf schwören.)

Die Kopfkrippe

Ich bin eine schlechte Hexe.

Nicht, weil ich die Mond- und Jahresfeste ignoriere, nein! Damit kann ich leben, das meiste ist eh alles vor hundert oder so Jahren ausgedacht. Auch der Mangel an Warzen im Gesicht bereitet mir noch kein Kopfzerbrechen.

Was ist meine unverzeihliche Sünde?

Ich wünsche mir eine Krippe.

Weihnachten ist eigentlich nicht so mein Ding. Ich hab Halloween, der Mann hat den Xmas-Lichterpuff. Und das ist auch gut so. Er ist nicht besonders religiös, also machen wir einfach alles bunt und glitzerig. Und die meiste Weihnachtsdeko ist ja auch folkloristisch oder – siehe Engel – so hart folkloristisch vereinnahmt, dass es eigentlich keinen Unterschied mehr macht. Viele Weihnachtsbräuche haben angeblich auch heidnische Wurzeln oder lassen sich wunderbar hexisch aufbereiten, wenn man das möchte.

Aber eine Krippe?

DIE Szene aus dem Neuen Testament, die wirklich jeder kennt, dem mal eine Bibel in die Hand gedrückt wurde? Die einzige Kirchendeko, die die meisten deutschen Familien jährlich zu sehen bekommen? Inbegriff jedes zweiten mittelprächtigen Kinder-Weihnachtstheaters?

Ja, genau die.

Als ich klein war, hatten wir eine sehr kitschige und nicht sehr teure Krippe aus Holz. Also, der Stall war aus Holz, und das Moos haben wir selbst ersetzt, wie es nötig wurde. Die Figuren waren bunt bemalt und aus Gummi. Die stand jedes Jahr an einem prominenten Ort und wurde passend zum Datum umgestaltet – das Christkind kam natürlich erst an Heiligabend in die Futterkrippe (nachdem das Original verloren war, wurde es durch einen LegoDuplo-Futtertrog ersetzt), die Heiligen Drei Könige näherten sich dem Stall von Anfang Dezember bis zum sechsten Januar, manchmal durchs ganze Wohnzimmer reisend. Der Engel tauchte zuerst bei den Hirten auf.

Und ehe mich jemand falsch versteht – meine Familie ist nie besonders religiös gewesen. Aber die Krippe und unser Krippen-Spiel gehörten einfach zur Weihnachtszeit dazu. Wir durften uns da auch kreativ austoben – beispielsweise kamen Holzpuzzle-Tiere und ein amerikanischer Ureinwohner aus rotem Plastik zum Zug, oder selbstgebastelte Wochenbett-Besucher aus Papier und Tesafilm. Ich stelle mir vor, für die jungen Eltern (und Josef) war das eher stressig, doch wir hatten eine Menge Spaß.

Wahrscheinlich ist die Krippe deswegen für mich so positiv besetzt. Es hält mich auch kein Gesetz der Welt (und nur zum Teil mein Geldbeutel) davon ab, einfach loszuziehen und eine Krippe zu besorgen, die mir gefällt. Nicht einmal der Mann wäre ein Hindernis, der fände das wahrscheinlich hinreißend – und die Katzen erst!

Was mich zurückhält, ist mein eigener Kopf. Der sucht nach einem Weg, eine Krippe hexisch aufzubereiten, so dass sie meinen aktuellen Bedürfnissen genügt. Die Geschichte von der wiedergeborenen Sonne zur Wintersonnenwende ist nahe genug an der regulären Krippengeschichte dran, dass man da etwas basteln könnte. Aber wie gestalte ich den Rest? Wer kommt zu Besuch?

Ich weiß es einfach nicht. Also bleibe ich vorerst krippenlos und mit dem dumpfen Gefühl, dass ich tief in mir drin möglicherweise eine schlechte gute Hexe bin.

Wie stehst du zur Krippe? Kennst du vielleicht sogar schöne heidnische oder moderne Varianten? Ich bin für Inspiration offen!

Alles im Fluss

Sommer. Ein schmaler Fluss inmitten üppiger Vegetation. Man sieht einen jungen Mann mit bloßem Oberkörper im Fluss, mit dem Rücken zum Betrachter. Lichtflecken fließen über das Bild.
Foto von Tyler Palmer, gefunden auf Unsplash

Ich habe nachgedachte. Das ist immer sehr gefährlich, denn ich vermute, mein Gehirn cosplayt nur ein sehr kluges Organ. ^^ Und worüber habe ich nachgedacht? Magie hinter den sieben Bergen.

Könnte ich diese Serie heute so noch einmal schreiben?

Ich weiß es nicht, denn alles verändert sich – die Welt, die Autorin, der Zugang zu den Charakteren. In meiner Vorstellung wäre das alles heute viel epischer. Andererseits glaube ich, dass gerade das Ungeschliffene und Rohe die Charaktere und die Geschichten so interessant macht. Die sind alle gewachsen, nicht geplant. Als ich angefangen habe, wusste ich nicht einmal, dass es mehr als eine Geschichte geben würde. Oder insgesamt sogar neun. Und wie es enden würde, war mir auch nicht klar. Ich wusste nichts über Falks Familie oder den Taubenmann oder Helenas Mutter. Immer, wenn ich etwas Neues wusste, stand das auch so in den Büchern. Wahrscheinlich könnten diese Geschichten mich heute noch überraschen.

(Nach wie vor bin ich extrem stolz darauf, wie gut das alles am Ende zusammengepasst hat. Aber ich hab nichts dafür getan, das ist mal sicher. Ich war nur zufällig dabei.)

Manchmal vermisse ich diese Welt. Aber zurückkehren will ich nicht unbedingt. Wir würden einander ganz anders begegnen als for 12 Jahren, als ich mit „Allerseelenkinder“ angefangen habe.

Es gibt Autor*innen, die ihr ganzes Leben damit verbringen, in einer Welt zu schreiben und diese immer weiter auszubauen. Manche überarbeiten auch ihre bereits erschienenen Bücher immer weiter, damit die stets den neuesten Stand ihres Wissens und Könnens und Empfindens wiederspiegeln. Das ist auch nicht schlecht, aber … ich les ja gerade die Scheibenwelt-Romane in chronologischer Reihenfolge. Und ich finde es total spannend zu sehen, wie sich Terry Pratchett als Autor entwickelt hat. Richtig gut war er erst ab Buch vier oder fünf, und auch danach gab es noch gigantische Entwicklungen. Man sieht auch, wie sich sein Blick auf die Welt verändert hat. Später gibt es Bücher, bei denen ich denke: Neue Autor*innen hätten das Manuskript an dieser Stelle gekürzt gekriegt, doch er kam ja mit seiner eigenen Fanbase. Und ich mag diese Entwicklung beobachten.

Wenn ich viel Glück habe, gibt es irgendwann da draußen Leute, die meine Bücher so lesen. Die sehen, was ich wann gelernt und erkannt habe, die sehen, wann ich über mich selbst gestolpert bin oder eine grandiose Schreib-Epiphanie hatte. Und wenn ich richtig viel Glück habe, schauen diese Leute in der Zukunft wohlwollend auf alles, was ich so verbrochen und ausprobiert habe. Aber um das zu erreichen, muss ich natürlich im Wesentlichen die Finger von diesen Dingen lassen.

Mit Ausnahmen. Im Hintergrund bereite ich gerade eine Neuauflage vom „Hirschkönig“ vor. Nichts Großes – im Wesentlichen ein ordentliches Cover und ein paar weniger Tippfehler. Hoffe ich. Immerhin ist das das Buch, das ich schreiben wollte, als ich in der Grundschule war. Und wer weiß? Vielleicht setzt sich irgendwann jemand hin und vergleicht nur aus Freude die alte und die neue Ausgabe und freut sich über die Entwicklung. An der Geschichte selbst rüttle ich nicht. Auch wenn ich sie heute ganz anders schreiben würde.