Rezensionen – zwischen Schadenfreude und Schöpfungshöhe

Als Autorin liebe ich Rezensionen. Also, die guten. Für meine Bücher. (Die schlechten auch, aus anderen, sehr komplizierten Gründen, die ich vielleicht später oder auch nie ansprechen werde.)

Als Leserin liebe ich Rezensionen – oft und vor allem auch die negativen, wenn sie denn gut begründet sind. Und auch negative Rezensionen können mich zum Buchkauf verleiten. Wenn etwa jemand sagt, ihm fehle die Romantik in einem Buch, ist das für mich eher ein Kaufargument. Oder wenn einer sagt, die Geschichte werde nicht mit dem nötigen Ernst behandelt.

Den Umgang mit Rezensent*innen mag ich auch. Bis jetzt hatte ich da immer Glück, der Kontakt war sehr freundlich und am Ende alle mit der Interaktion zufrieden. Und in dem Zusammenhang habe ich auch gelernt, dass Rezensionen durchaus Schöpfungshöhe haben und unter das Urheberrecht fallen. Das heißt, man darf sie nicht ohne weiteres zitieren, kopieren oder anderweitig verwenden. Manchmal geht das Autor*innen im Eifer des Gefechts durch (mir auch schon), doch die meisten Rezensent*innen sehen das nicht so wild, solange sie namentlich genannt werden. Lohnt sich natürlich immer, vorher das Einverständnis einzuholen, ehe man z. B. einen Screenshot von einer Rezension auf eine Werbegrafik bappt.

Warum ich davon erzähle? Nun, ich wundere mich. Ein österreichischer Verlag hat nämlich eine Sammlung von Ein-Stern-Rezensionen zu Werken der Weltliteratur veröffentlicht. (Nein, ich habe keine Sorge, dass man mich in diesem Buch findet – weder als Rezensentin noch als Autorin. ^^ ) Und ich frage mich, inwieweit die Rezensent*innen zu dieser Verwendung ihrer Texte ihre Zustimmung gegeben haben.

Jetzt kann es sein, dass die Rechtsprechung in Österreich eine andere ist, mit der Juristerei kenne ich mich nur rudimentär aus. Und ja, ich bin natürlich neugierig auf das Buch – immerhin sind wir alle mit Schullektüre „belesen worden“, für die wir eigentlich nicht das Zielpublikum waren. („Homo Faber“, anyone?) Aber ich glaube, im Zweifel klicke ich mich doch lieber zu Fuß durch die Bewertung und suche auf eigene Faust nach den Perlen. Woolfe, Shakespeare oder Bachmann wird es wohl weniger jucken, was Lesende heutzutage von ihnen denken.

Und weil ich natürlich neugierig bin – welchem Werk der Weltliteratur würdest DU mit einem Stern bewerten?

Hirschkönig v2 coming soon

Jetzt warten nur noch der Buchsatz und die letzten Feinheiten am Cover, dann ist die überarbeitete Version vom „Hirschkönig“ endlich fertig. Eigentlich mach ich das ja nicht, mich ewig an alten Geschichten reiben. Aber bei der hier war ich irgendwie schon der Meinung, sie verdiene ein neues Cover. So ein richtiges, das nach Buch aussieht und nicht nach Arbeitsbeschaffungmaßnahme im Deutsch-Grundkurs in der Oberstufe, wenn der Kunstlehrer als Vertretung einspringt. Und wenn es schon ein neues Cover geben soll, kann ich auch gleich die Tippfehler rausmachen, oder etwa nicht?

Am Inhalt habe ich nicht viel gefeilt, das sage ich direkt dazu. Ein paar unschöne Anfänger-Fehler ausgebügelt, einige Wiederholungen reduziert, an anderen Stellen etwas ausgebaut oder der Klarheit zuliebe umformuliert. Danach habe ich mir hart auf die Finger geklopft. Die fließenden Perspektivwechsel beispielsweise habe ich behalten, obwohl sie heute weniger gebräuchlich sind.

Heute würde ich die Geschichte natürlich ganz anders schreiben. Aber dann wäre es auch ein anderes Buch. Also, klar wäre es ein anderes Buch. Ich bin ja auch nicht mehr die gleiche Person wie vor zwölf Jahren. Verstehst du, was ich meine?

Auf jeden Fall hoffe ich, dass ich den neuen „Hirschkönig“ zur Leipziger Buchmesse mitbringen kann. Den leicht verbesserten Klappentext könnt ihr auf der Buchseite schon sehen, das neue Cover kommt auch noch. Meine Patreont*innen kennen eine Version schon, aber das ist noch nicht die finale, darum lade ich sie hier nicht hoch. Ein wenig muss es ja spannend bleiben, nicht wahr?

Welche Geschichte würdest du komplett neu schreiben, wenn du könntest? Oder von welcher Geschichte wünschst du dir eine neue, modernisierte und/oder verbesserte Version?

Jetzt ist sie WEG! (Weg! Und ihr seid wieder allein, allein!)

Sorry für den Ohrwurm. ^^

Das war der langsamste Abflug in der Geschichte der Menschheit, aber mein Insta- und Facebook-Konto sind gelöscht. In der heutigen Zeit ist das eine verdammt leichtfertige Idee, wenn man, ich weiß ja nicht, etwa Bücher verkaufen will. Das meiste Marketing findet über SoMe statt, und dort treiben sich die Zielgruppen herum. Zum Glück bin ich in der privilegierten Position, dass ich mit meinen Büchern eh kein nennenswertes Geld verdiene, also kann ich mir eine grandiose moralische Geste leisten.

Wo man mich aktuell stattdessen findet? Auf Tumblr, BlueSky, Mastodon, und TikTok. Auf Tiktok bin ich richtig lustlos und peinlich, da sieht man am ehesten, dass ich keinen Plan habe. Aber wenigstens bin ich da. Und wenn FB und IG wegfallen, hab ich vielleicht öfter mal Zeit für ein ordentliches Video? Ich glaube nicht.

(TikTok ist auch nicht über jede Kritik erhaben – welche Plattform ist das schon? – aber ich muss irgendwo eine Grenze ziehen, und die ist bei FB und IG halt überschritten.)

Wer also will – komm und finde mich, Vernetzung ist toll. Und wenn du ein Blog oder eine Website hast, die dringend in meine Weiterlesen-Liste aufgenommen werden soll, sag mir Bescheid!

Demnächst dann wieder Katzenbilder und Buchcontent.

Nichts-Tun und Gut-Tun

Ich: „Orrr, ich mach zuviel, ich brauch mal wieder ein Wochenende zum Faulenzen. Ich glaub, ich sag alle Termine ab und lieg morgen und übermorgen nur rum!“

Er: „Gute Idee. Ich hab schon überlegt, wie ich dir das sage, ohne dass du mir im Vorbeigehen den Kopf abreißt.“

Damit war es also beschlossen. Ein Wochenende nur mit gemütlichen Gut-Tu-Sachen und ohne Verpflichtungen. Starring Kurt, Mara und das Sofa.

Gut, im Wald war ich auch. Einmal für einen Spaziergang, einmal zum Laufen. Ich kann halt nicht nur Sofa – das haben die Katzen mir definitiv voraus. Wenn es gerade nichts zu spielen oder zu futtern gab, haben sie gepennt. Meine Güte, was für ein Leben! Solche Wochenenden wird es ab jetzt definitiv öfter geben. Ich fühle mich, als könnte ich Bäume ausreißen pflanzen!

Hier sieht man übrigens auch: Katzen sind die überlegenen Haustiere. Die wollen nämlich nicht bei diesem usseligen Wetter unbedingt spät Abends noch im Nebel spazieren gehen. (Dafür stehen sie alle zehn Minuten maunzend an der Balkontür. Wenn du die öffnest, strecken sie die Nase in die kalte Luft und schauen dich vorwurfsvoll an: Warum machst du es nicht warm???)

Die Sache mit Tina

Ich mag es nicht, wenn Leute erzählen, ihre Figuren hätten ein Eigenleben und kämen quasi fertig zu ihnen – das mag sich manchmal so anfühlen. Eigentlich offenbart so eine Aussage aber nur begrenztes Verständnis des eigenen Schreibprozesses.

Und weil mich das so ärgert, erzähle ich euch heute von der Sache mit Tina.

Wer „Willkommen in Schattenfall“ gelesen hat, kennt und liebt Tina wahrscheinlich – eine kleine blonde Schrottplatzbesitzerin mit schnoddrigem Mundwerk und wenig Geduld. Ich behaupte mal ganz dreist, im endgültigen Buch wirkt sie, als hätte sie genau so an genau diese Stelle gehört und da eigentlich schon immer gelebt. Dabei hat gerade Tina eine komplizierte Entstehungsgeschichte.

Beispielsweise wusste ich früh, dass ich eine Schrottplatzbesitzerin mit Dobermann habe. Aber wie sie redet oder aussieht, was ihre Hintergrundgeschichte ist – das pingte so vor sich hin und änderte sich andauernd. Ich konnte sie einfach nicht fassen. Aber das liegt nicht daran, dass sie keinen Bock gehabt hätte, mit mir zu reden. Nee, ich hatte mir einfach nicht ausreichend Gedanken darüber gemacht, wer unter diesen Umständen einen Schrottplatz in Schattenfall führen würde. Am deutlichsten wurde das an der Haarfarbe, die änderte sich in den ersten drei Entwürfen andauernd. Auch meine Testleser*innen wurden mit Tina nicht warm. Es war ziemlich deutlich, dass sie ein Stand-In war – ein Pappaufsteller mit der Aufschrift: „Hier könnten Sie einen voll entwickelten Charakter sehen!“

Jetzt taucht Tina nur am Rand auf. Das, was sie für die Geschichte tut (dafür sorgen, dass Holger Thomas nicht direkt wieder aus Schattenfall vertreibt) hätte eine beliebige Menge anderer Charaktere auch tun können. Jedoch hat es mich geärgert, dass ich keine bessere Tina auftreiben konnte. Bis mein Unterbewusstsein, das erstaunlich fleißig an Schreibproblemen herumkaut, ehe ich auch nur ahne, dass ich ein Schreibproblem habe, die Lösung ausspuckte:

Tina ist eine Walküre.

Logisch!

Auf einmal hatte ich ihre Haarfarbe, ihre Sprechweise, eine Erklärung für ihre ungeduldige Art. Einfach alles passte zusammen.

Einmal mehr: Tina ist kein ätherisches Wesen, das in der Phantasiewelt darauf gewartet hat, dass ich sie hervorlocke. Tina ist definitiv ein Produkt meiner eigenen kleinen verdrehten Phantasie. Aber erst, als ich genügend Informationen über ihren Hintergrund hatte, konnte sie in der Geschichte richtig Raum einnehmen.

Dass dabei Thomas‘ Fuß unter ihrem Hammer gelandet ist, war ein unbeabsichtigter Nebeneffekt.

Aber irgendwas ist ja immer.

Life sucks!

Bild in Grautönen: In der Ferne am Horizont stehen winzige Windräder. Darüber erhebt sich eine gigantische Windhose, die oben in dunkelgrauen Sturmwolken endet.
Foto von Greg Johnson, gefunden auf Unsplash.

Normalerweise übernimmt der Mann bei uns das Staubsaugen – ich hab da keine Lust drauf. Heute war der Tag allerdings etwas vollgestellt, mit Terminen und Vorbereitungen. Und für später hatte sich Besuch angesagt, der gegen Katzen allergisch ist. Während der Mann also unterwegs war, um wichtige Dinge zu tun, habe ich großzügig verkündet: „Ich staubsauge schon einmal, wegen der Katzenhaare.“

Gut, meinte der Mann, aber ich solle mich darauf einstellen, dass der Staubsauger nicht mehr so recht funktioniere, die Saugleistung sei ganz, ganz schlecht.

„Hast du den Beutel denn getauscht?“

„Ja, neulich erst. Das Ding ist einfach hinüber.“

Jetzt ist das gut möglich, denn diesen Staubsauger haben wir länger als unsere aktuelle Wohnung, und nach mehr als einer Dekade nähert sich auch bei hochwertigen Geräten irgendwann das unausweichliche Ende. Ich also, auf das Schlimmste vorbereitet, schreite zur Tat.

Nee, der saugt wirklich kaum noch. Vielleicht liegt es an den Filtern. Klapp ich doch mal das Gerät auf.

Gut. Ich weiß nicht, wann der Mann den Beutel gewechselt hat. Dieser hier ist nicht nur voll, sondern massiv. Kurzer Blick auf die Filter, die sind in Ordnung. Beutel gewechselt, Gerät zugeklappt, wieder eingeschaltet.

Holla die Waldfee!

Ich will ja nicht sagen, dass der Motor zu stark ist, aber da ist jetzt ein Loch im Teppich, der Weihnachtsbaum hat keine Nadeln mehr und ich fürchte, ich habe zwei Hobbits aufgesaugt.

Wenigstens hat das Ungetüm es nicht geschafft, mein Hauskleid aufzufressen. War aber knapp. Die Wohnung ist jetzt also einige Pfund leichter und um etliche Katzenhaare ärmer.

Bei Nachfragen stellt sich übrigens heraus, dass das „neulich“ vom Beutel-Tauschen in der Woche war, in der ich das Bad gestrichen habe. Das war im September.

Fragt sich nur, wer den neuen Staubsaugerbeutel jetzt nach Mordor zum Schicksalsberg trägt, Hobbits inklusive.

Gute alte Zeit (oder: Der Wilde Westen des Internet)

Teilaufnahme - man sieht den Hintern eines überwiegend weißen Wasservogels mit roten Füßen, der gerade von einer steinernen Oberfläche abhebt.
Foto von Ben Wicks, gefunden auf Unsplash.

Twitter hat es vorgemacht, und gewisse andere SoMe-Seiten (*HUST* Meta *HUST) stellen sich gerade vergleichbar ungeschickt an – manchmal ändert sich innerhalb kurzer Zeit die digitale Landschaft so sehr, dass man sich zweimal überlegt, ob man nicht weiterzieht. Wie der poor lonesome cowboy, der in den Sonnenuntergang reitet, anstatt sich weiter über das piefige rassistische Nazi-Zombie-Höllenloch zu ärgern, in das manche Leute ihre Plattform offenbar gern verwandeln möchten. Aus aktuellem Anlass habe ich also darüber nachgedacht, wie man früher(TM) im Internet Informationen gefunden, sich vernetzt und Freunde gefunden hat. Einige von euch Küken wissen da ja gar nix mehr von.

Mein liebster Spielplatz waren Foren. Heute gibt es beispielsweise Discord, das hat eine ähnliche Funktionsweise. Man meldet sich in einem Space an, der sich einem bestimmten Themengebiet widmet, und kann dort mit Leuten diskutieren und quatschen und Privatnachrichten austauchen und so. Das Problem mit Foren war, dass man sie erst einmal finden musste. Und dann gab es zu manchen Themen hunderte, aber viele waren klein oder tot oder voller merkwürdiger Gestalten. Man hat sich also sehr, sehr gut ausgesucht, wo man sich angemeldet hat.

Blogs und Websites – hab ich ja, siehst du hier, daran merkt man, wie alt ich bin. Der Vorteil ist, dass es für Außenstehende schwierig (nicht unmöglich) ist, dir deine eigene Website abzuschalten. Nachteil: Leute müssen deine Plattform erst einmal finden, und dann muss man sie dazu bringen, zu interagieren. Für den Vernetzungsaspekt gab es manchmal „Blogstöckchen“ oder ähnliche Events, bei denen viele Leute zum gleichen Thema gebloggt oder den gleichen Fragebogen ausgefüllt und weitergereicht haben. Quasi Kettenbriefe zum Anklicken, kann aber Spaß machen. Und wer Blogs folgen wollte, hat sie sich in Blog Readers organisiert (The Old Reader gibt es z. B. noch, den verwende ich auch viel zu selten.)

Chatrooms – hab ich nur am Rand verwendet, war mir zu flüchtig und zu oberflächlich. Andere Leute haben da bessere Erfahrungen mit gemacht. Gerüchten zufolge konnte man dort ganze Nächte verbrennen, will ich gar nicht verurteilen.

Dann gab es noch so Kontaktseiten, auf denen man Anzeigen posten konnte, wenn man Leute zu bestimmten Themen kennenlernen wollte. Hab ich nie verwendet, aber durchaus gelegentlich gesehen. Ob das funktioniert hat, weiß ich nicht.

Und ja, das ist der Vorteil von Social Media, deswegen war das so erfolgreich – anstatt sich alles mühsam zusammensuchen zu müssen, hatte man plötzlich alles in einem Feed und konnte gemütlich dran entlang scrollen. Das ist natürlich maximal praktisch – für private Anwender und für Künstler*innen und Betriebe, die ihr Zeug unter die Leute bringen wollen, wie ich mit meinen Büchern. Aber wir haben vor SoMe gelebt, wir werden nach SoMe leben. Bestimmt haben geniale Köpfe gerade jetzt ganz neue Ideen dazu, wie man sich online austauschen und vernetzen kann. Ist nicht mein Spezialgebiet.

Welche prähistorische digitale Vernetzungsmöglichkeit möchtest du zurückbringen? An welche hast du schöne oder weniger schöne Erinnerungen?

Warum ich 2024 Bücher gekauft habe

Vor einem unscharfen Hintergrund sitzt eine rotgetigerte Katze gähnend auf einem weichen Polster. Sie trägt ein hellblaues Hawaiihemd und sieht sehr zufrieden aus.
Ja, mehr Bücher, bitte! (Foto von Abiwin Krisna, auf Unsplash)

Wie angedroht – aus welchen Gründen habe ich 2024 denn jetzt Bücher gekauft, wenn es so viele peinliche Werbestrategien gab?

Der wichtigste Grund für mich ist immer: Jemand, dessen Buchgeschmack ich vertraue, schwärmt von einem Buch. Ob das jetzt eine bloggende Person ist oder ein befreundeter Mensch oder jemand, den ich nur ab und zu online oder offline über tolle Bücher reden höre – wenn das Begeisterungslevel stimmt, kaufe ich das Buch fast sicher (solange es grob zu meinen Lesegewohnheiten passt).

Alternativ funktioniert auch Werbung von schreibenden Personen, wenn man merkt, dass sie von ihrem Thema richtig begeistert sind. Also nicht „Kauf mein Buch!“, sondern: „Leute sterben! Es gibt Magie! Und winzige Zauberkröten, die Giftgas spucken! Ich will sofort in diese Welt ziehen und dort sterben!“ Ich will nicht nur den Klappentext sehen oder das Cover – das kann ich überall haben. Ich will wissen, warum diese Person dieses Buch geschrieben hat und was sie daran begeistert.

Richtig sympathisches, authentisches Auftreten kann auch dazu führen, dass ich das Buch der auftretenden Person kaufen will. Das funktioniert ebenfalls online und offline, also beispielsweise auf Messen. (Achtung: Es funktioniert NICHT, wenn Leute mit „Kauf mein Buch!“-Vibes auf mich zukommen, das ist mir eher unangenehm.) Aber wenn wir einander begegnen und uns gut unterhalten, steigen die Chancen, dass ich ein Buch mitnehme, auch wenn es nicht meinen üblichen Lesegeschmack trifft. Heck, einmal habe ich ein Buch, dass ich selbst gelesen hatte und nicht mochte, noch einmal gekauft, weil ich es für eine Freundin widmen lassen wollte, der es höchstwahrscheinlich gefällt.

Und ansonsten ist es viel Zufall – hab ich gerade Lust auf ein Buch? Spricht mich der Titel an? Piekst mich das Buchkauf-Stroh?

Also ja. Man kann bei mir als Leserin sehr viel konkret falsch machen und nur so diffus Dinge richtig. Was ist also die Moral von der Geschicht? Hab Spaß mit Werbung, ohne die Lesenden für dumm zu verkaufen. Sei du selbst, auch wenn es dich nervös macht. Deine Weirdos sind irgendwo da draußen. Und wenn du deine Weirdos gefunden hast, pflege sie!

Ein spezieller Recap: Cringe-Werbung im letzten Jahr

Gelber Hintergrund. Im Zentrum des Bildes sitzt ein sandfarbener zottiger Hund in einem blaugelben Pyjama-Oberteil, schaut nach links und streckt die Zunge raus, als wolle er sich über die Nase lecken.
Da sag ich nur bäh! (Foto von Karsten Winegeart, gefunden auf Unsplash)

Als Autor*in treibe ich mich viel in den sozialen Medien herum. Nicht nur, weil ich dort Zeit verbrennen kann, sondern auch aus professionellen Gründen. Nirgends sonst können so viele Leute gleichzeitig meine Bücher ignorieren. Ich schwör, ich hab das mit der Werbung nicht drauf.

Andere Leute aber auch nicht. Manche Posts sind lieblose Massenware, andere belanglos – und einige sind richtig, richtig cringe. Heute teile ich mit euch also einige der unpassendsten, unangenehmsten und möglicherweise einfach nur peinlichsten Werbestrategien, die ich im letzten Jahr gesehen habe. Das ist keinesfalls exklusiv, mein Gedächtnis ist nämlich eher so meh, aber WENN mir etwas im Gedächtnis bleibt, hat das gute Gründe.

Situation 1: Mir fällt ein Facebook-Profil in einer Lesegruppe auf. Egal, was für Spezifikationen die Leute angeben, wenn sie um Lese-Empfehlungen bitten – dieses Profil schreibt immer ein bestimmtes Buch einer bestimmten Autorin darunter. Sonst findet keinerlei soziale Interaktion statt. Jemand will Cowboy History? Hier, lies diese Mafia-Dark-Romance. Wer kennt sonnige Urlaubslektüre? Mafia-Dark-Romance. Ich brauche Fachliteratur zum Thema Hamster-Klonen – versuch’s doch mal mit Mafia-Dark-Romance! (Dass das Buchcover das Profilbild ist und der Name des Profils mit den gleichen Initialen beginnt wie der Name der Autorin – bestimmt alles nur Zufälle, nicht wahr?)

Situation 2: Das Threads-Profil eines Buchpodcasts fragt, was man denn gerne lese. Unter ungefähr jeder Antwort empfehlen sie einen bestimmten High-Fantasy-Roman … auch wenn High Fantasy gar nicht genannt wurde. Das Buch wurde unter Pseudonym veröffentlicht, aber das Pseudonym mitsamt Foto taucht auf einer Homepage auf, und sapperlot: Der Mensch auf dem Foto ist einer der Podcaster. Was für ein grandioser Zufall, nicht wahr?

Situation 3: Eine Person beschreibt in mehreren Posts bei threads ihre Lebenssituation mit hinterhältiger Schwester, fremdgehendem Mann, Jobschwierigkeiten etc. Viele Leute äußern Mitgefühl und bieten Hilfe an. Die Posts generieren RICHTIG viel Aufmerksamkeit. Die Person geht auf die Kommentare ein, antwortet, liefert weitere Informationen. Nach mehreren Tagen(!) löst sie dann auf: Das ist gar nicht ihr echtes Leben, sondern der Plot ihres aktuellen Romans, und wer jetzt so richtig interessiert sei, könne das Buch doch einfach kaufen.

Situation 4: Zwei Autor*innen, die ursprünglich befreundet waren, haben plötzlich Beef. So richtig fies. Mit öffentlichen Posts und Anschuldigungen, eine*r habe der*dem anderen Plot/Cover/… geklaut. Die Fans eilen zur Hilfe. Immer wieder werden in den Posts die Bücher erwähnt, mit Werbefotos und allem. Aufregerposts bringen immer viel Aufmerksamkeit, viele Leute kaufen eines der Bücher (oder beide), um sich überhaupt erst einmal ein Bild machen zu können. Dann ist der Streit plötzlich vergessen, beide vertragen sich öffentlichkeitswirksam und bedanken sich für die Unterstützung der Fans. Natürlich habe es KEINEN Buch-/Ideenklau gegeben. Man kenne einander natürlich schon lange und sei ja richtig fest befreundet, homie-style.

Situation 5: Das habe ich in verschiedenen Varianten gesehen. Die schreibende Person erzählt lang und breit von all den furchtbaren Dingen, die ihr widerfahren sind und werden. Die einzige Möglichkeit, schreckliches Schicksal abzuwenden, sind viele Buchverkäufe. Am besten jetzt sofort, heute, ganz schnell! Sonst stirbt ihr Einhorn! Und wenn ein Drama abgewendet ist („Danke an alle meinen treuen Fans und Lebensretter!“), kommt sofort das nächste. Das Einhorn hat Schnubbelschnupfen! Kauft mein Buch!

Ja, ich bin eine garstige alte Frau. Wenn ich etwas richtig würdelos-falsches sehe, will ich darüber reden. Zum einen, damit andere Leute solche hinterfröbeligen Taktiken ebenfalls schneller erkennen – und zum anderen für andere Schreibende. Tut das nicht. Egal, für wie sneaky ihr euren Marketing-Coup haltet: Leute merken das. Integrität und Glaubwürdigkeit sind wichtiger als dreitausend Klicks und fünf Buchverkäufe.

Demnächst folgt dann auch noch ein Beitrag mit Werbung, die für mich so richtig gut funktioniert hat. Ich bin ein Buchkaufopfer ohne Selbstdisziplin, es ist also gar nicht schwer, mich von einem neuen Buch (oder dreien) zu überzeugen.

Aber vorher bist du noch einmal dran: Hast du im letzten Jahr Buchwerbung gesehen, die so richtig daneben war?

Die KI-Keks-Vendetta (wie angekündigt)

Pinterest ist mein Anti-Doomscrolling-Zufluchtsort. Wenn ich Abends müde in der Ecke hänge und das Telefon in die Hand nehme, nur um sinnfrei zu scrollen, wechsle ich schnell zu Pinterest. (Das erklärt die etwa 2.400 geplanten Häkelprojekte.) Und weil ich Pinterest sehr gut eingerichtet habe, zeigt es mir Handarbeitsprojekte, niedliche Hüte – und Rezepte.

Screenshot von einem Blog "Recipes by Clare dot com" mit einem Bildausschnitt, der perfekte Spiralkekse mit eingekerbten Spiralen voll mit rotem Gelee zeigt.
Der verlockende Screenshot

Kurz vor den Feiertagen war ein Keksrezept dabei, das genau so schick wie einfach war – wenigstens versprach das das Rezept. Die Rede war von „Spiral-Rollenkeksen“. Ich war direkt verliebt, und ich hatte auch alle Zutaten daheim. Aber ich backe ja nicht erst seit gestern, und die Zutatenliste des Rezepts ließ mich stutzen. Angeblich sollte das Rezept mit Shortbread-Keksen enden, aber das Verhältnis der Zutaten war ganz falsch.

(Das beste Shortbread-Ergebnis bekommt man meiner Erfahrung nach mit einem Teil Zucker, zwei Teilen Butter, und drei Teilen Mehl – also 100 g Zucker, 200 g Butter, 300 g Mehl – plus etwas Salz und was auch immer man zum Aromatisieren nehmen will.)

Ein zweiter Blick auf die Bilder machte mich noch stutziger – und dann sauer. Denn mit dem beschriebenen Rezept bekäme man einfach nie die in den Bildern gezeigten Kekse raus. Und dann waren das auch noch Bilder von zwei unterschiedlichen Sorten Keksen.

Hier folgt ein kleiner Exkurs: Viele Leute, die ein Blog unterhalten, tun das in erster Linie, um damit ein wenig Geld zu verdienen – ich ja auch. Während ich euch ganz naiv davon überzeugen will, dass ich tolle Bücher schreibe, verdienen andere Leute über Affiliate Links Provisionen oder zeigen einem Werbung, bis der Bildschirm schlackert. Und um mit Werbung Geld zu verdienen, muss man viele Leute auf seine Seite kriegen. Dafür sind tolle Bilder von Vorteil. Wenn man mit den Bildern allerdings lügt, hört bei mir der Spaß auf. Und in einer zunehmenden Zahl von Fällen generieren Leute schnell irgendwelchen ästhetisch ansprechenden KI-Müll, um ein Blog mit möglichst wenig Aufwand mit Inhalten zu füllen, anhand derer sie euch Werbung in den Schlund stopfen. Dass das alles gelogen ist und beispielsweise die Rezepte gar nicht funktionieren – geschenkt! Hier geht es nicht darum, eine Community aufzubauen oder Wissen zu teilen. Diese Leute wollen nur möglichst arbeitsarm reich werden, und das auf euren Rücken und mit euren Daten.

Mein Verdacht im Fall der komischen Kekse also auch: Das ist alles KI-generiert. Bilder und Rezept. Aber beweisen konnte ich das nicht ohne weiteres. Also habe ich die Kekse zweimal gebacken – einmal so, wie sie da beschrieben stehen, und einmal so, dass ich wenigstens Kekse wie auf dem einen Bild rausbekomme. Nur das Teigrezept habe ich direkt geändert, denn ich mag nicht, wenn Lebensmittel verschwendet werden.

Screenshot: Spiralkekse, die den ersten Bildern nicht ähneln. Diese Kekse sind gefüllt und anders spiralisiert - eher wie marmoriert und nicht wie eingekerbt.
Genau dieselben Kekse wie oben, nicht wahr? (HUST!)

Die beschriebene Methode war ganz easy: Man mixt den Teig, rollt ihn flach aus, bestreicht ihn mit Himbeermarmelade und hat – voilà – wunderschöne windradähnliche Himbeerspiralkekse.

Nee, hat man nicht.

Sehr hausgemachte Rollenkekse, denen man das Gelee, mit dem der Teig bestrichen wurde, kaum noch ansieht. Sie sind eher oval, das Gelee klebt überall herum oder ist nicht zu sehen.
Das passiert, wenn man dem Rezept folgt.

Ich bin mir bei vielen Dingen nicht sicher, aber backen kann ich. Deswegen war ich auch sicher, dass diese schmackhafte Katastrophe nicht mein Fehler war. Und nachdem diese Version aufgegessen war, hab ich mich an eine zweite Variante gemacht.

Schaut mal, die eine Version KI-Kekse hat eine Himbeerfüllung und einen Himbeerstrudel, der sich komplett durch den Teig zieht, ohne dass die Kekse zerfallen. Keine Ahnung, wie das klappen soll. Experten hier? Schlagt mal was vor!

Die zweite Version hat einen gleichmäßig gefiederten Rand und nur zur Hälfte durch den Teig reichende Rillen, die mit Gelee gefüllt sind. Das kann ich. Am einfachsten ginge es mit einer spiralförmigen Stanze, aber mit etwas Sturheit und einem breiten Messer geht das genau so gut.

Ungebackene Plätzchen. Links rund ausgestochene Kekse mit gezacktem Rand, auf die rote Spiralen mit Gelee gemalt sind. Rechts fröhliche Schnecken, bei denen einige Details rot nachgezogen sind.
Teigrohlinge, eigene Kreation

Ich hab also noch einen Shortbreat-Teig gemacht, kleine Sonnen ausgestochen und mit dem Messer eine Spirale in den Teig geritzt. Das Himbeergelee (gekauftes diesmal, damit die Farbe besser zur Geltung kommt) habe ich in einem Gefrierbeutel durchgeknetet, dass es schon flüssig ist, dann eine winzige Ecke abgeschnitten und die eingekerbte Spirale vorsichtig mit dem Gelee gefüllt. Und weil ich gerade lustig drauf war, hab ich auch Schnecken und Pinguine mit dem Prägestempel gemacht.

Das Ergebnis, wenn man von meinem offensichtlichen Dilettantismus absieht, ähnelt den KI-Keksen doch direkt viel eher.

Gebackene Spiralkekse, leicht gebräunt.: Runde Kekse mit gezacktem Rand und eingesunkener roter Geleespirale
Direkt viel besser, nicht wahr?

Wisst ihr? Es macht mich sauer, dass Leute so einen Kram machen. Und noch saurer, dass man die dafür nicht belangen kann – heck, selbst wenn man könnte, würden die einfach verschwinden und in zwei Wochen mit den gleichen miesen Inhalten und neuem Namen irgendwo auftauchen.

Wenigstens war es eine wohlschmeckende Vendetta. Und im Sommer mache ich dann auf meine Art Spiralkekse mit Orangen- und Zitronengelee.

Ein zerbrochener Spiralkeks auf einem schwarzen Tellerchen. Man sieht im Querschnitt, dass die rote Spirale nicht bis zum Boden des Kekses reicht, sondern nur eingekerbt war.
Es stimmt, Rache ist süß. Und sie krümelt.