Lieblingsstücke-Weihnachtsmarkt Siegburg

Poster mit leichtherzigen Zeichnungen im oberen Drittel (gefaltete Papierboote, eine Schildkröte mit Partyhut auf einem Regenbogen, Wolken, eine zufrieden dreinblickende Frau, Ornamente). Darunter Schrift: November, 21. & 22. - Ladies Night  - Familientag - Lieblingsstücke - Markt für Selbstgemachtes - Gasrtencenter A&S, Hauptstr. 436, 53721 Siegburg

Noch eine Woche, dann ist es soweit – ich starte das Experiment Weihnachtsmarkt. Erst einmal nur an einem Tag – wenn du also mich persönlich sehen willst, komm am besten am Samstag vorbei. Aber der Freitag ist bestimmt auch ganz toll (nur eben ohne mich). Ich bringe eine bunte Mischung meiner Bücher mit, von Schattenfall über neue und ältere Anthologien bis hin zu Andrea und Helena. Wenn dir ein bestimmtes Buch fehlt, sag mir unbedingt vorher Bescheid. Dann tu ich mein Bestes, es auch tatsächlich für dich dabei zu haben.

Programmpunkte für Ladies Night (21.11.2025, 17-21 h), u. a. Adventskranz-Workshop, Live-Musik etc.

Familientag (Samstag, 22.11.2025 12-19 h) u. a. mit dem KiJuChor Lohmar und Besuch der Biker4Kids Rhein-Sieg, Kinderschminken etc.

Bislang war ich noch nie auf regionalen gemischten Märkten – ich habe mich mehr an explizite Buchveranstaltungen gehalten. Aber ich mag gern neues probieren, und ich mag Handgemachtes. Wahrscheinlich hab ich auch mein Häkelzeug am Stand, damit meinen Fingern nicht kalt wird. Nächste Woche soll es endlich frisch werden!

(Zeit, vorher die Büsche und Bäume zurückzuschneiden!)

Ankündigung, Text: ÜBERDACHT - Auf dem Gelände von: Gartencenter A&S, Hauptstr. 436-440, 53721 Siegburg - Anmeldung für den Adventskranz-Workshop: www.momoevents.de

Wo wir gerade vom Wetter reden: Der Markt ist überdacht. Zieh dich trotzdem warm an, denn heiße Getränke kommen nicht an alle Körperstellen!

Natürlich erzähl ich anschließend, wie es war. Und wenn ich drank denke, poste ich die Tage auch noch mehr zum Programm.

Der Sinn des Lebens?

Auf Kopfsteinpflaster liegt, umgeben von Herbstlaub, ein rechteckiger Schnipsel mit der Aufschrift SINN.

Ach, vom Sinn des Lebens verstehe ich doch auch nichts. Eigentlich schaue ich mir nur alles an und staune. Ich bin unglaublich neugierig – sehr zum Leidwesen meiner Mitmenschen, doch zur Freude von Fachleuten, denen ich über ihre Spezialinteressen Löcher in den Bauch frage. Am besten kommt das beim Arzt auf dem Behandlungsstuhl: „Wie nennt man dieses Gerät? Wissen Sie, wie das auf Englisch heißt? Und wer hat das erfunden?“ So hat mir eine Zahnärztin aus Osteuropa erzählt, dass sie im Studium noch gelernt hat, zur Not selbst Betäubungsmittel aus Gewürznelken herzustellen.

Und ich finde: Je mehr man über die Welt lernt, desto spannender wird sie. (Meine Nichte, Teenagerin von Beruf, stimmt mir da nicht zu. „Orr, man kann auch mal zu viel lernen!“) Und ab und zu, wenn ich mich mit Leuten unterhalte, höre ich: „Aber dann verliert die Welt doch ihren Zauber!“

Hä?

Du willst mir erzählen, dass das Wissen über die Lebensgewohnheiten von Fangschreckenkrebsen dich NICHT in Erstaunen versetzen? Sie schießen mit Luftblasen. Einige von ihnen können mit einer Kraft von bis zu 1.500 Newton zuschlagen. Sie sehen ungefähr zehnmal mehr Farben als Menschen! Und sie sehen unglaublich faszinierend aus.

Gut, manchmal staune ich auf dem Level einer Grundschülerin. Aber das ist doch der Spaß! Die Welt ist voller Dinge, die nicht einmal Wissenschaftler bis jetzt vollkommen verstanden haben. Es gibt gar keinen Grund, sich zu langweilen, wenn um uns herum so viele spannende Dinge zu entdecken sind! Manche Spaziergänge dauern eeeeewig, weil ich alle möglichen Pflanzen und Insekten fotografiere, um sie mit Hilfe der App iNaturalist zu identifizieren. Zuhause schlage ich dann nach, ob die Pflanzen giftig, essbar oder vielleicht sogar nützlich sind. (Achtung: Verlass dich nie nur auf eine App! Benutze immer auch den gesunden Menschenverstand!)

Wusstest du, dass man Wunden zur Not mit Sekundenkleber verschließen kann? Gut, wenn du „Waldgeflüster“ gelesen hast, weißt du das. Aber woher weiß ich das? Weil ich meine Nase in alles mögliche stecke. Vor allem in Bücher natürlich. Und in merkwürdige Blüten. Manchmal auch in Dinge, die mich nichts angehen, aber das ist eine andere Geschichte.

Vielleicht ist das ja der Sinn des Lebens – neugierig bleiben, Dinge ausprobieren, experimentieren. Niemals aufzuhören, über diese alberne Welt zu staunen. Hinzuschauen. Dann entdeckst du möglicherweise sogar (siehe oben) den tatsächlichen Sinn. ^^

Wann war noch gleich Messe?

Ich bin wieder da. Es war schön. Es war anstrengend. Den chronologischen Rundown erspare ich dir – entweder du warst selbst da und weißt Bescheid, oder du warst nicht da und kannst es dir nicht vorstellen.

So. Viele. Leute!!!

So. Viele. BÜCHER!!! <3

In drei Tagen habe ich bestimmt mit mehr als hundert Leuten gesprochen. Und ich habe mich über jede einzelne Person gefreut. Aber mussten die wirklich alle auf einem Haufen sein?

Das Rolltreppen-System der FBM hat mir irritiert. Vor Schreck darüber, dass ich plötzlich nach unten gefahren bin, als ich doch nach oben wollte, habe ich mir Kaffee übergekleckert. Ja, ich bin sehr sensibel.

Warum gab es immer noch die Halle 1.2 für Romantasy etc.? Auch bekannt als „die Schmuddelecke“. Kinners, ich verstehe ja, dass das „nur“ Bücher sind und keine echte Literatur. Aber hat sich das mal jemand angesehen? Die Leute, die dort hingegangen sind, waren größtenteils richtig aufgebrezelt, die haben da ein Event von gemacht … und richtig viel Geld an den Ständen gelassen. Den Literatur-Elitist*innen mag das nicht gefallen, aber das sind Lesende, und wer liest, ist auf jeden Fall ein Gewinn!

Möglicherweise war ich unhöflicher als beabsichtigt zu einer Autorin, die mir ihr Buch anpreisen wollte – ich hatte mein Gesicht nicht unter Kontrolle, als ich auf ihre Frage: „Liest du auch Romantasy?“ mit einem „OMFG, nein!“ geantwortet habe. Ich habe direkt klargestellt: Ich liebe es, dass Leute lesen. Es ist großartig, wenn Romantasy Leser*innen findet, ich wünsche diesen Leuten alles Gute. Und es ist nicht schlimm, wenn ich in meinem langen Leben rein GAR NICHTS über diese Bücher erfahre, weil ich einfach nicht das nötige Temperament dafür habe.

Mein passiv-aggressiver Höhepunkt war ein kurzes Gespräch mit einer anderen Autorin. Sie fragte mich, was ich denn schreibe. „Phantastik. Aktuell Cozy Fantasy.“ Und ihre Miene entglitt, während sie antwortete: „Also ich bin ja eine Intellektuelle.“ Toll, ich kenne jetzt eine Intellektuelle! Keine Ahnung, was das mit ihren Büchern zu tun hat, hoffentlich ist sie glücklich (weit weg von mir).

Es kostet mich zwar Unmengen an Energie, aber ich kann tatsächlich gut mit Leuten ins Gespräch kommen, ohne allzu aufdringlich zu wirken. Wobei einige PAN-Mitglieder das noch wesentlich besser draufhaben als ich. Irgendwann gegen Ende des BuCon (am Samstag) haben wir im hintersten Gang einfach einen Stuhlkreis aufgemacht, denn BuCon ist hart.

Ich habe übrigens zwei Kartendecks, einen Kalender und sechs Bücher mit nach Hause gebracht. Angesichts all der Bücher, die ich NICHT gekauft habe, war ich echt diszipliniert. Fast hätte ich einen flämischen Autopsie-Atlas gekauft, dem trauere ich noch ein wenig hinterher.

Und jetzt beginnt der Moment, in dem der letzte Messe-Stress verblasst und die nächste Messe noch etliche Monate entfernt ist. Das ist, meiner Meinung nach, der beste Messe-Moment.

Auf zum fröhlichen „Messen“!

Morgen geht es für mich nach Frankfurt, als Sorgenwandlerin für PAN. Und ehrlich – wenn es nicht dafür wäre, würde ich mir die FBM wahrscheinlich sparen. So viele Leute … nee, das ist nix für mich. Aber in kleinen Dosen und für die gute Sache kriegen wir das schon gewuppt.

Am Sonntag bin ich auch auf der FBM, in derselben Funktion. Meist bedeutet das, herumzustehen (oder zu sitzen) und ansprechbar auszusehen. Keine Ahnung, ob mir das gut gelingt. Aber ich bin da.

Am Samstag bin ich auf dem BuCon, das ist eine andere Hausnummer – kleiner und ausschließlich Phantastik. Man kennt einander. Gut, man mag einander nicht immer, aber man kennt einander. Auch da wird es laut und voll und ich bin immer froh, wenn ich zwischen Terminen fix in den Park neben dem Veranstaltungsgebäude fliehen kann. Außerdem werden dort Sorgen gewandelt, falls jemand welche hat, und ich bin zu drei Gelegenheiten in Raum C4 anzutreffen:

Um 11:00 h stellt PAN sich vor, da erzähle ich ein wenig über das Sorgenwandlungs-Team.

Um 13:30 h stellen wir zu dritt das Projekt Science Fiction goes Punk vor und lesen aus einigen der Geschichten. Das ist diese verfluchte Anthologie, die es beinahe nicht gegeben hätte. Dabei ist das so ein schönes Projekt!

Und um 18:00 h lese ich aus Zuflucht in Schattenfall. Die Vorbereitungen sind getroffen, Koffer packe ich heute nachmittag, das wird schon alles irgendwie klappen. Einen eigenen Stand habe ich dieses Jahr nicht, weil genau dieses Buch so widerspenstig war – zuletzt war ich nicht sicher, ob es überhaupt fertig wird. Jetzt habe ich ein hübsches Buch mit einem aufregenden Abenteuer rund um Familie, Erwachsenwerden und eine problematische Bundesstraße. Ein paar Exemplare habe ich garantiert dabei, möglicherweise findest du sie am PAN-Stand.

Also, ich bin da. Kommst du auch?

BonnTastik, FBM, BuCon – ein Überblick

Buch Mock-Up auf graublauem Hintergrund. Text: "Tatjana Flade, Katharina Diederichs - BonnTastik VI - Texte zu Bildern, Bilder zu Texten - Die Anthologie zur 6. BonnTastik." Das Cover zeigt den Blick aus dem Gebirge auf Hügel und den Rhein, der sich schimmernd durch eine finstere Landschaft schlängelt. Zweige mit Herbstlaub rahmen die Aussicht ein.

Mal passiert Monate lang nichts, und dann ist wieder plötzlich alles auf einmal. Deswegen habe ich diesmal auch Urlaub genommen.

Am Sonntag, 12.10.2025, wird um 14:00 h im Kult41 in Bonn die BonnTastik VI vorgestellt. Vielleicht erinnerst du dich noch an das Projekt – regionale Autor*innen schreiben zu den Geschichten einer lokalen Künstlerin Geschichten, die man mitsamt den Bildern in einer Anthologie finden kann. Seit der vierten Ausgabe bin ich bei dem Projekt dabei und freue mich jedes Jahr auf die tollen Geschichten, die dabei rumkommen. Einige von uns lesen am Sonntag aus ihren Geschichten, dazu werden die Bilder präsentiert. Dieses Jahr ist auch die Künstlerin dabei und erzählt etwas über ihre Bilder.

Und nächste Woche ist dann das Messe-Double Feature: Frankfurter Buchmesse und BuCon. Auf der FBM bin ich „nur“ als Sorgenwandlerin für PAN, als Anlaufstelle für Vereinsmitglieder mit Fragen und Sorgen. Das ist zwar anstrengend, macht aber auch Spaß.

Auf dem BuCon sorgenwandle ich auch, habe aber zusätzlich einige Programmpunkte zu gestalten. Zum einen stelle ich das Sorgenwandlungsteam vor. Dann lese ich mit zwei weiteren Autor*innen aus der „Science Fiction goes Punk“-Anthologie und halte später noch eine Lesung aus „Zuflucht in Schattenfall“. Einen eigenen Stand habe ich mir gespart, da wäre ich dieses Jahr ja eh fast nie. ^^

Wen sehe ich denn vor Ort?

UPS, WTF??? Oder: Die köstliche Odyssee

Von CrowdFarming habe ich euch ja schon öfter vorgeschwärmt. Die haben das beste reife Obst und Gemüse, das man sich innerhalb von Europa bestellen kann, mit besseren Bedingungen für die Produzent*innen. Eigentlich wollte ich mich dieses Jahr ein wenig zurückhalten, aber dann ging es doch nicht. Wir haben also eine Kiste Mangos bestellt.

Bestellt hatten wir die Mangos am 01.09., die Sendung wurde am 02.09. auf den Weg geschickt. Am 06.09. sollte sie ankommen. Das war ein Samstag, wie der Blick in den Kalender verrät, und ich war den ganzen Tag zuhause, weil ein Seminar geplant war.

Also war ich nur mittelmäßig überrascht, als am Freitag(!) ein Zettel im Briefkasten lag. UPS erzählte, sie hätten niemanden zuhause antreffen können – möglicherweise waren weder Mann noch Katzen in der Lage, die Tür zu öffnen – und würden es am nächsten Tag noch einmal probieren.

Soweit, so gut. Schließlich war der Samstag ja eh der geplante Liefertag. Ich saß also am Samstag und saß und saß und räumte ein bisschen auf und machte endlich mal meine Steuererklärung und saß ein wenig mehr, aber niemand klingelte. Irgendwann scannte ich also den QR-Code auf dem Liebesbrief von UPS und wurde zur Sendungsverfolgungsseite weitergeleitet:

„Yoah, wir kommen heute doch nicht. Wir kommen am Montag. Übrigens können Sie uns keine Abstellgenehmigung erteilen und auch keine Vollmacht ausstellen, denn wir hätten gern ein Autogramm.“

Mein erster WTF-Moment. Montags arbeite ich, und zwar im Büro. Was an diesen Mangos jetzt so wichtig ist, dass ich sie persönlich in Empfang nehmen muss? Keine Ahnung. Zugegeben, es sind sehr gute Mangos.

Natürlich gab es eine einfache Lösung für das Problem: Lassen wir die Mangos doch in den nächsten UPS-Paketshop (die heißen „Access Point“) umleiten. Die Website sagt, der ist 2,5 km entfernt, das müsste grob auf dem Weg von der Arbeit nach Hause liegen.

Pustekuchen! Nach Bestätigung zeigte mir UPS die Adresse des Access Points. Luftlinie sind es 2,5 km, ja, aber: Der Laden liegt auf der anderen Rheinseite, genau gegenüber von unserem kleinen Berg. Und da ich nicht fliegen kann, sind das mehr als 10 Kilometer Umweg.

Das war nicht die beste aller möglichen Welten, in der ich mich gerade befinde. Aber was will man machen? Es ging schließlich um Mangos! Die UPS-Sendungsverfolgung tat am Montag übrigens nicht, also schwang ich mich im Feierabendverkehr über die Rheinbrücke, durch einen Baustellenstau zum UPS Access Point.

Ratet, wo mein Paket nicht war. „Nee, das Paket gibt es nicht. Wirklich nicht. Oh, warte, das Paket gibt es doch, aber das ist noch im Zentrallager in Bonn. Das kommt morgen. Vielleicht.“

Zu diesem Zeitpunkt war ich etwas ungehalten, da konnte der Access-Point-Mitarbeiter jedoch nichts für. Unverrichteter Dinge nach Hause, eine Runde durch den Wald joggen und aus lauter Frust Kürbissirup kochen. (Zutaten für Mangosirup hatte ich ja nicht!!!)

Dienstag tat die UPS-Sendungsverfolgung. Und sie teilte mir mit: Der UPS-Fahrer konnte das Paket nicht am UPS Access Point zustellen, weil UPS nicht da war.

Während der Öffnungszeiten.

An einem Werktag.

Am fucking UPS Access Point.

Sie versuchen es am nächsten Werktag noch einmal.

Meine Kolleginnen, die dieses Drama verfolgten, schlossen Wetten darauf ab, was als nächstes passiert. Favorit: „Das Ende dieser Geschichte lesen wir in der Lokalzeitung, weil sie Amok läuft.“ Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich.

Mittwoch hatte ich nach der Arbeit – ich bin eine Frau mit einem Leben, stellt euch das vor! – trotz allem ein kurzes Fenster, um noch einmal über den Rhein Richtung Süden zu fahren. Aber was sagt UPS? Letzte Aktualisierung der Sendungsverfolgung war um 03:59 h morgens. Danach Grillenzirpen. Stille. Nichts. Eine Steppenhexe(1) rollt durch das Internet.

(1) So heißen diese lustig herumwehenden trockenen Gebüschdingsies. Wirklich.

Eine Stunde vor Feierabend die Erlösung: IHR PAKET LIEGT IM UPS ACCESS POINT. HOLEN SIE ES GEFÄLLIGST ENDLICH AB. (Ich paraphrasiere.)

So richtig überzeugt war ich noch nicht, aber was sollte ich tun? Und tatsächlich, der Mensch im Shop hatte ein Paket für mich. „Ich war erst ganz überrascht, dass hier ein Paket ankommt. Aber das war ja gar nicht für mich.“ Ob der weiß, dass der für UPS arbeitet? So selten kann es doch nicht sein, dass Leute ihr Paket bei ihm abholen wollen. Wobei, nach dieser Erfahrung …

Trotz aller Verzögerungen sind die Mangos übrigens ganz wunderbar. Zum Glück haben wir nur eine kleine Kiste mit fünf Stück bestellt, die sind nämlich reif. Zwei sind schon verputzt, und als nächstes mache ich uns Mango-Lassis. Wollt ihr sie sehen?

Fünf wunderschöne reife rote Mangos in einer Pappkiste.

Dafür hat sich diese Odyssee doch mal gelohnt. Aber das nächste Mal, wenn mir jemand etwas mit UPS schicken will, bitte ich sie, das Zeug einfach mit einer Kanone grob in meine Richtung zu schießen.

Rosalindas Hass auf Männer (enthält Spoiler für „Zuflucht in Schattenfall“)

Vor einigen Tagen erreichte mich Kritik. Das ist an sich nicht schlimm – ich mag Rückmeldungen zu meinen Büchern, auch wenn sich Leute an etwas stören oder ich mal etwas explizit verbockt habe.

Über diese Rückmeldung habe ich allerdings eine Weile nachgedacht.

Warum Rosalinda so einen Hass auf Männer habe? Schließlich würde sie vor allem Thomas unterstellen, nur „das eine“ zu wollen, das werfe ein ganz schlechtes Bild auf Männer und überhaupt.

(Ich paraphrasiere das alles ein wenig. Ihr versteht mich.)

Und ja, wenigstens zu Beginn des Buches hat Rosalinda einen sehr eingeschränkten Blick auf Männer. Aber das ist nur logisch – schließlich ist sie in einer rein weiblichen Hexengemeinschaft aufgewachsen und hat dort die klassische Hexenmythologie gelernt.

Möglicherweise kennen viele meiner Lesenden sich damit nicht gut aus. Ich hingegen bin seit mehr als 25 Jahren mit der heidnischen Szene involviert, und ich muss sagen: Viel, was als „traditionelles Hexenwissen“ verkauft wird, ist mal so unglaublich traditionell-heterosexuell und auf Sexualität ausgerichtet, es ist schon fast albern.

Ehe jemand meckert: Natürlich gibt es viele differenzierte gut Quellen, die über das „Vereinigung der Gegensätze“-Geschnacksel von Hohepriester und Hohepriesterin hinwegkommen, aber es gibt auch genau so viele, die da elegant versagen. Egal, ob es um „Frauenmysterien“ (menstruieren, gebären, pflegen, weise gucken) geht oder um Rituale (Kelch und Messer/Stab als Symbole für Ihr-wisst-schon-Zwinkizwonki), viele Autor*innen scheinen gedanklich immer noch in der puritanischen Welt festzuhängen, in der sie selbst aufgewachsen sind, und wollen der etwas entgegenstellen. Dass sie dabei in genau die gleiche Falle tappen, indem sie alles irgendwie doch wieder auf Sex etc. zurückbiegen, fällt ihnen nicht auf. Und es ist ja auch klar: Wir sind alle Produkte der Welt, in der wir aufgewachsen sind.

So also auch Rosalinda. Wenn ihre Hexengemeinschaft sich mit männlichen Gemeinschaften getroffen hat, dann in erster Linie für zwinkizwonki-inspirierte Rituale und Feste. Die Austauschjahre finden explizit zum Rumvögeln (excuse my Deutsch) und für die Fortpflanzung statt. Dann fühlen die Hexen sich ultra-befreit und fortschrittlich, während die Erwartung ist, dass jede von ihnen zwangsläufig Jungfrau-Mutter-Alte sein wird.

An Rosalindas Stelle wäre ich auch weggelaufen, das klingt furchtbar einschränkend. Nichts gegen all die Leute, für die so ein Leben die Erfüllung eines Traums wäre, aber wenigstens die Wahl muss man doch haben. Und natürlich habe ich den Coven übertrieben. Die wenigstens Gemeinschaften sind genau so traditionell-verbohrt. Wobei die Reaktion vieler Gemeinschaften auf trans oder nonbinäre Personen schon deprimierend ist. Wir sollten es besser machen.

Zum Glück trifft Rosalinda in Schattenfall eine Reihe von Leuten, die sehr geduldig mit ihren Vorurteilen umgehen, bis sie lernt, dass Männer auch nur Menschen sind. Diese Erkenntnis ist Teil der Entwicklung dahin, dass sie am Ende nicht Hals über Kopf davonläuft und alles abstreift, was ihr bisheriges Leben ausgemacht hat. Stattdessen entschließt sie sich, zu bleiben und für sich selbst eine neue Rolle zu definieren. Schließlich hat nicht einmal die Hohepriesterin die Wahrheit gepachtet.

Ankündigung: Vier Frauen – vier Genres (28.09.2025)

Ankündigungsplakat für eine Lesung. Links Bilder von vier Autorinnen, zwei musizierenden Menschen, ein Landschaftsbild, mehrere Buchcover, eine Blütenspirale. Rechts Ankündigungstext: "Vier Frauen - vier Genres. Krimi - Buntes - Lyrik. 28. Sept., 15:00 h. Autorinnenlesung mit BVjA. Diandra Linnemann, Bonn. MC Schulz, Sechtem. Dana Schuster, Bonn. Ute Trimpert, Wiesbaden. Pfarrheim St. Georg, Widdig, Römerstraße 63. Begleitet von dem Sechtemer Musikduo Jesmaz erwartet Sie ein genussvoller und spannender Nachmittag in besonderer Atmosphäre. Info: Gabi Eusterholz 0222363832765."

Auf jede Lesung freue ich mich wie ein Schnitzel. Und vor jeder Lesung bin ich nervös wie ein Grundschüler beim Krippenspiel. Trotzdem sollt ihr natürlich alle kommen, denn am 28. September bieten ab 15:00 h in Bornheim-Widdig vier Frauen Texte aus vier unterschiedlichen Genres dar, und ich schwör: Das wird gut.

Wie ist es eigentlich so fix September geworden???

KURZGESCHICHTE: Testimonial

Diese Kurzgeschichte habe ich letztes Jahr im Jun veröffentlicht. Ich hätte nicht erwartet, dass die Technik uns so schnell einholt.

Es ist schon früh am Morgen. Gleich wird die Sonne es sich auf den flachen Containerdächern gemütlich machen. Ihr Licht schneidet einen schmalen Streifen aus der Dunkelheit.

Emma kneift die Augen zusammen. Sie hat mal wieder nicht geschlafen. Eigentlich hat sie um elf einen Termin beim Jobcenter, doch den wird sie absagen lassen. Die Krankschreibung sieht täuschend echt aus. Sie zieht an den Vorhängen. Nimmt sich noch einen Energydrink aus dem Kühlschrank. Der brummt unwuchtig und rattert einmal gegen die Wand, ehe er wieder verstummt. Wahrscheinlich sollte sie anfangen, für einen neuen zu sparen.

Wenn man sich ganz unten erst einmal häuslich eingerichtet hat, ist es eigentlich okay. Die Unterbringung in der Containerstadt sei nur temporär, hat ihr Sozialarbeiter vor zwei Jahren gesagt. Eine Übergangslösung, damit sie nicht wieder obdachlos werde. Da war er noch sehr enthusiastisch, mit Blick auf ihren «vielversprechenden Lebenslauf» und ihre Sozialprognose.

Emma hatte es nicht übers Herz gebracht, ihm seine Illusionen zu rauben.

Der Container ist klein und praktisch eingerichtet. Früher, als man Waren noch um die ganze Welt transportieren musste, gab es viel mehr von ihnen, und sie wurden nicht als Wohnraum zweckentfremdet. Inzwischen kann man alles, was der Mensch begehrt, günstig vor Ort drucken: Lebensmittel, Spielekonsolen, Prothesen. Die Grundzutaten werden durch gigantische unterirdische Rohre gepumpt, das hat Emma einmal in der Schule gesehen. Als Achtjährige hätte sie in so einem Rohr noch aufrecht stehen können. Die Container, die plötzlich nicht mehr gebraucht wurden, standen lange herum und rosteten vor sich hin. Dann hatten Wohltäter die Idee, aus ihnen die «Endstation Sehnsucht»-Siedlungen zu bauen. Alle Container wurden gründlich gesäubert, isoliert und exakt gleich eingerichtet.

Viel Zeit wurde darauf verwendet, herauszufinden, was für das menschliche Leben essenziell sei. In jeden Container passt ein Bett, eine Küchenzeile, eine Nasszelle und ein Tisch. Familien können einen Antrag auf geöffnete Verbindungstüren stellen und haben etwas mehr Freiheit bei der Auswahl ihres Mobiliars.

Von außen sind die Container nach wie vor rostig. Die Originallackierung wurde aus nostalgischen Gründen erhalten. Immer drei sind aufeinandergestapelt, mit winzigen Fenstern und einem Zahlencode zur Orientierung. Die Küche benutzt Emma nie. In den Schränken bewahrt sie nur Getränkedosen und Müsliverpackungen auf. Anstatt zu spülen, verwendet sie Einweggeschirr. Wegen des Mülls hat sie kein schlechtes Gewissen, der wird zu siebenundneunzig Prozent recycelt. Irgendwo müssen die Rohstoffe schließlich herkommen, nicht wahr?

Als sie die Dose an den Mund führt und trinkt, stemmt das Koffein sich gegen ihre Kopfschmerzen. Sie hätte nicht die ganze Nacht wachbleiben sollen. Nur ist es leider so, dass sie nachts am besten programmiert, und Topform erreicht sie erst Stunden vor der Deadline. Im Gegenzug für unauffälligen, praktischen und nicht direkt legalen Code erhält sie anonyme Credits, die sie überwiegend in Technik investiert. Sie braucht sonst nicht viel.

Die Hologrammtechnik gilt inzwischen als überholt. Der Fortschritt hat sie überholt und im Staub der Geschichte zurückgelassen. Vor einigen Jahren konnte man nicht über die Straße gehen, ohne durch täuschend echte Projektionen in Restaurants gelockt, von Politiker*innen überzeugt oder in Testimonials über die neueste Kommunikationstechnik informiert zu werden. Personen in flimmernden Anzügen erinnerten an die Abgabefrist für die Steuererklärung («Nur drei Klicks, bestätigen Sie Ihre Daten noch heute!») oder riefen dazu auf, für den guten Zweck zu spenden. Dann entschied das Gremium, dass diese Technik zu energieaufwändig sei. Innerhalb weniger Wochen, so sah es wenigstens von außen aus, stieg die komplette Öffentlichkeit auf Projektionen in speziell gehärteten Glasscheiben um. Die wirkten sogar noch lebendiger. Dank innovativer LED-Technologie entfiel sogar das Flackern, das einen sonst vor Billigproduktionen gewarnt hatte. Wer kann, lässt sich heute bereits Netzhautchips implantieren – die nächste groß angekündigte Neuigkeit. Aber das ist vorerst etwas für Reiche. Nur wenige können sich die Operationen leisten, die mit der Korrektur von unausgereiften Systemen einhergehen.

Early-Adopter-Chirurgie ist das Fachgebiet, das Emma ursprünglich einmal studieren wollte.

Bei jeder Gelegenheit kauft sie jetzt stattdessen Hologrammtechnik auf. Sie hat sich selbst beigebracht, die einzelnen Komponenten zu warten und zu reparieren. Manchmal ersetzt sie eine Linse durch ein umgeschliffenes Brillenglas – noch so ein Relikt aus finsterer Vorzeit – oder greift auf altmodische Kabel zurück, wenn sie anders keine Leitbrücke bauen kann. Im Regal neben dem Fenster stapeln sich Datenträger mit Handbüchern und Anleitungen neben dem, was ihr Stiefvater wohl abfällig als «Schrott» bezeichnen würde. Er ist nie komplett im neuen Zeitalter angekommen. Schrott gibt es schon lange nicht mehr. Nur noch Grundlagen für neue Materialien. Die Menschheit ist weit gekommen seit den Müllkriegen in Afrika.

Wenn bekannt würde, was Emma hier hortet, bekäme ihre Sozialakte ein negatives Tag. Verschwendung von Ressourcen. Aber sie kennt die richtigen Leute.

Endlich fährt sie den Computer runter, den sie offiziell nicht besitzt, und wirft die leere Dose in den Abfallschlund in der Ecke. Die wird mit einem dumpfen Sauggeräusch verschluckt. Der Druck schwankt in dem kleinen Raum nur minimal. In besseren Wohnanlagen merkt man angeblich gar nichts von der modernen Abfalltechnologie. Nicht, dass Emma sich an den kleinen Mängeln ihrer Behausung stört. Sie braucht keinen Luxus. Es reicht, wenn sie niemandem begegnen muss und ihre Ruhe hat. Sie achtet darauf, gerade so viele Termine beim Jobcenter wahrzunehmen, dass man ihr nicht die Unterstützung streichen kann, und performt in den Jobs, die sie dann angeboten bekommt, immer gerade so schlecht, dass es dem Arbeitgeber nicht leidtut, den Vertrag nicht zu verlängern.

Vor drei Monaten war es einmal kritisch. Ein Sachbearbeitery hat sich Sorgen gemacht wegen der Diskrepanz zwischen Emmas überdurchschnittlichen Begabungen (sie selbst würde es anders ausdrücken, aber so steht es in ihrer Akte) und der immer länger werdenden Kette an dokumentierten Fehlschlägen. Der Einladung zum Gespräch mit einer ausgebildeten Fachperson konnte Emma sich nicht entziehen. Sie hat es natürlich dennoch versucht.

Ob sie irgendwas bedrücke?

Ob sie Angst vor Erfolg habe?

Ob da irgendwas sei, worüber sie mit niemandem reden könne?

Zum Glück war es nicht schwer, eine Erklärung zu liefern. Viele Hochbegabte (einmal mehr: Nicht ihre eigene Wortwahl!) scheitern am Alltag. Nachdem man sich davon überzeugt hatte, dass Emma nicht offensichtlich psychotisch oder anderweitig eine Gefährdung für die Gesellschaft war, bekam sie bei der letzten Sitzung ein paar aufmunternde Worte mit auf den Weg und wurde wieder nach Hause geschickt. Wenn sie doch noch einmal Redebedarf habe, solle sie sich melden. Das Jobcenter könne ihr kurzfristig einen Folgetermin verschaffen. Er tippte auf seinem Tablet herum, machte wahrscheinlich einen weiteren Vermerk in ihrer Akte.

Richtig aufgehängt, sperren die Vorhänge den Tag effektiv aus. Nur an den gedämpften Geräuschen auf den Stegen zwischen den Containern erkennt man, dass Leben in die Endstation kommt. Türangeln knarzen, schwere Schuhe poltern über die Gitter. Die Frühschicht macht sich auf den Weg in die umliegenden Fabriken. Kurz darauf wird die Nachtschicht heimkehren, und dann machen die ohne Arbeit sich auf den Weg zu den Supermärkten, um ihre Credits und täglichen Bezugspunkte gegen Lebensmittel und Alkohol einzutauschen. Bis vor wenigen Jahren war das nicht möglich: Wer Unterstützung vom Staat erhielt, war in der Wahl seiner Suchtmittel stark eingeschränkt. Es dauerte Jahre, bis der Europäische Gerichtshof entschied, dass es ein unangemessener Eingriff in die Persönlichkeitsrechte sei, Leute zu gesunden Entscheidungen zu zwingen. Jetzt wird der Konsum in erster Linie über den Preis geregelt. Das Werbeverbot besteht schon lange, aber manche Gesellschaftskreise lernen einfach nicht dazu.

Emma trinkt nicht. Das fand sie schon überflüssig, ehe die Sache mit Max passierte. In der Oberstufe hat sie mit synthetischen Drogen experimentiert, aber für das Medizinstudium braucht man ruhige Hände. Wenn sie Nervenkitzel wollte, ist sie mit ihrem Fahrrad auf den Hügel hinter der Hochhaussiedlung hinauf, schnaufend und schwitzend, und dann gaaaaaaaanz schnell wieder hinabgesaust. Manchmal war es knapp, vor allem, wenn hinter der Kurve eine tieffliegende Lieferdrohne schwebte. Aber sie hatte immer Glück.

Anders als Max.

Ganz früher, als Emma noch klein war, fingen die Leute an, mit Künstlicher Intelligenz zu experimentieren. Deep Fakes waren ein großes Ding. Zuerst sahen sie lächerlich aus, in der Schule haben sie das Thema in Geschichte durchgenommen. Je besser sie jedoch mit der Zeit wurden, desto größer wurde die Angst der Leute vor der Technik, und desto härter bemühten sich Wissenschaftler, gute Verwendungsmöglichkeiten für ihr Forschungsgebiet zu finden. Schließlich ging es um den Fortschritt der Menschheit – und um eine Menge Fördergelder.

Während Emma sich auf ihr Studium vorbereitete, halsbrecherische Radtouren machte und auf Partys ging, war Max ihr schon ein paar Schritte voraus.

Max.

Ihr großer Bruder.

Ihre Welt.

Er war in die Stadt gezogen, um Jura zu studieren. An den Wochenenden kam er manchmal nach Hause, mit einer Schrottkarre, die man noch selbst steuern konnte, wenn man wollte. Für mehr hatte sein Geld nicht gereicht. Er besuchte die Familie, richtete allen neumodischen Schnickschnack, den Emma heimlich verstellt hatte, wieder korrekt ein und traf sich dann mit seinen alten Schulfreunden auf ein paar Wodka-Energy. Dank der ganzen Fahrassistenzsysteme sei das kein Problem, hat er immer behauptet.

Leider stimmte das damals noch nicht. Das Gericht stellte am Ende allerdings fest, die Mutterfirma des Lieferroboters treffe wenigstens eine Teilschuld. Er sei so eingestellt gewesen, dass er exklusiv auf festem Untergrund parke, auch wenn der feste Untergrund eine unübersichtliche Stelle auf einer Landstraße mit unbefestigtem Seitenstreifen sei. Zwischen Geschwindigkeit, Überraschungseffekt und den schattenspendenden knorrigen Bäumen auf beiden Seiten der Fahrbahn hatte Max einfach keine Chance.

Emma trauerte. Sie nahm sich ein Jahr Auszeit, um ihre Gefühle zu verarbeiten und ihre Eltern zu trösten. Dann hatte sie sich so weit erholt, dass sie endlich mit dem Studium durchstarten wollte. Schrieb Bewerbungen und Tests, stellte sich vor, beantwortete Interviewfragen. Zog ans andere Ende der Republik, weil es dort eine prestigeträchtige medizinische Hochschule gab, die sie unbedingt haben wollte. Fand ein Zimmer in einem kakerlakenverseuchten Wohnheim am Rand von München, in dem die Duschen auf dem Flur von zwei Dutzend Studenten geteilt wurden und wo regelmäßig Kochpartys stattfanden.

Und am ersten Tag des Semesters, auf dem Weg zu ihrer ersten Veranstaltung, sah sie Max wieder. Er war Teil einer Werbekampagne mit den damals noch ganz neuen Hologrammen. Leicht bläulich verfärbt stand er am Rand eines belebten Platzes, und aus versteckten Lautsprechern ertönte eine Stimme, die seiner zum Verwechseln ähnlich klang.

Was er in kurzen, sachlich klingenden Sätzen genau erzählte, bekam Emma nicht mit. Sie stand wie festgefroren am Bordstein und starrte auf ihren Bruder. Danach setzt ihre Erinnerung für eine Weile aus.

Offenbar, erfuhr sie später, versprachen wohlmeinende Fachleute sich einen stärkeren Effekt von den neuen «Kenn dein Limit!»-Kampagnen, wenn sie die Opfer von alkoholinduzierten Unfällen selbst zu Wort kommen ließen. Und obwohl diese Kampagne nach wenigen Monaten wieder eingestellt wurde, hatten sie auf gewisse Weise Recht.

Emma ging nie auf die Uni. Sie vergrub sich in ihrem Wohnheim, bis ihr Mietvertrag gekündigt wurde, tingelte eine Weile von Sofa zu Luftmatratze zu Gästebett und landete schließlich, nach einigen weniger rühmlichen Episoden, hier im Container. Sie hat sich ihren Alltag so eingerichtet, wie er zu ihr passt, geht selten unter Menschen und trinkt nie auch nur einen Schluck Alkohol. Von den synthetischen Drogen lässt sie auch die Finger. Zu gefährlich. Zu teuer. Wenigstens das haben die Initiatoren der Hologram-Kampagne also geschafft.

Ein unaufdringlicher Ton an ihrem Smartphone lässt sie wissen, dass sie eine Creditübertragung erhalten hat. Der sorgfältig verschleierte Lohn für die Arbeit der letzten Nacht. Gleich darauf pingt die E-Mail-App und aktualisiert sich. Auch wenn Emma weiß, dass alles so funktioniert, wie sie es aufgesetzt hat – schließlich hat sie das System schon Dutzende Male durchlaufen lassen – macht sie erst jetzt offiziell Feierabend. Die Spannung ihrer Nerven lässt nach. Sie vergewissert sich ein letztes Mal, dass die Vorhänge sorgfältig zugezogen sind. Das Tageslicht soll sie, bitte, nicht stören. Dann baut sie einige Apparaturen auf, verbindet altersschwache Kabel miteinander und schaltet den Strom ein. Die Konstruktion ist so geschickt eingerichtet, dass niemand einen erhöhten Stromverbrauch feststellen wird. Dabei sind Hologramme eigentlich keine energiesparende Lösung.

Es flackert auf der freien Fläche vor dem Bett. Ein hellblauer Blitz zuckt für den Bruchteil einer Sekunde durch die Luft und lässt Staubpartikel erglühen. Die Luftfilter müssen mal wieder kaputt sein.

Dann steht Max vor ihr.

Es war nicht schwer, die Daten der Anti-Alkohol-Kampagne abzugreifen. Schließlich ist Emma überdurchschnittlich intelligent. Mit der geklonten Stimme und ein wenig Tüftelei war es ihr möglich, ihren Bruder wieder zum Leben zu erwecken. Und dank der Dinge, an die sie sich erinnerte, und moderner KI-Technologie ist die Menge der Dinge, die er ihr zum Einschlafen erzählt, beinahe unbegrenzt.

Sie schluckt zwei Baldrian-Tabletten, um den Effekt des Energydrinks auszugleichen. Dann lässt sie sich aufs Bett fallen.

Die Geräte sind vorsichtig ausgerichtet. Von hier sieht es aus, als lächle Max sie direkt an.

Er kann alles sagen, was sie will.

«Wie geht es dir, kleine Schwester?», fragt er. Das fragt er jeden Morgen, wenn sie Feierabend macht.

Entspannung und Nostalgie fluten Emmas Körper. Sie streift die Socken von den Füßen und kuschelt sich tiefer in das Deckennest, das für sie das Kopfkissen ersetzt. Die verdrehte Haltung, in der sie für gewöhnlich schläft, käme mit einem Kopfkissen sowieso nicht zurecht.

Als ob sie geantwortet hätte, redet Max weiter. Emma hört ihm nicht bewusst zu, achtet nur auf die beruhigende Stimmfärbung. Sie hat Monologe wie diesen schon etliche Male gehört. Heute erzählt er ihr wieder von seinem letzten Ausflug mit den Jungs, zu einer stillgelegten Fabrik. Die Geschichte hat ihre spannenden Momente, doch Emma weiß ja, dass sie gut ausgeht. Den Teil mit der Polizei hat sie weggelassen. Wenn sie sich doch nur überwinden könnte, das Programm mit weiteren Details aus Max‘ Tagebuch zu füllen. Das ist eines der wenigen Dinge, die sie aus ihrem Elternhaus mitgenommen hat. Nur hineinzuschauen, das hat sie nie geschafft. Sie nickt und verzieht den Mund zu einem müden Lächeln.

So lässt es sich aushalten.

Karriere, Credits, ein Sozialleben – all das braucht sie nicht.

Das hier ist es, worauf es ankommt.

Emmas Augen fallen zu.

Sie träumt.

Sie und Max gegen den Rest der Welt.

Zuflucht in Schattenfall – das E-Book

Buch: "Zuflucht in Schattenfall". Das Cover ist in Violett- und Blautönen gehalten. Im Vordergrund stehen die Silhouette einer schlanken jungen Frau mit langen Haaren und die einer Katze auf schneebestäubten, verwitterten Holzdielen. Im Hintergrund sieht man winterliche Berge und die Silhouette eines Fichtenwaldes. Links über den Bergen fliegt in der Ferne ein Drache. Im oberen Teil des Bildes hängt ein großes Holzschild mit dem Buchtitel - Zuflucht in Schattenfall - in Schreibschrift. Der Name der Autorin - Diandra Linnemann - steht in Großbuchstaben auf einem dunklen, transparenten Streifen unten auf dem Cover.

Ich hatte ja schon gar nicht mehr daran geglaubt, aber es ist da! Und für kurze Zeit kostet es nur € 0,99 – falls du also nicht sicher bist, ob Cozy Fantasy oder Schattenfall dein Dinge sind, kannst du seeeeehr risikoarm einen Zeh ins fantastische Wasser halten. ^^

Bei Books on Demand dauert es leider oft länger, bis dass das E-Book verfügbar ist. Und eigentlich lohnt es nicht, Werbung zu machen, ehe das E-Book da ist. Andererseits soll ein Buch schnell einen Verkaufsrang und Rezensionen haben, denn angeblich ist es sonst direkt „verbrannt“ und gilt als Flop.

Ich seh das jetzt nicht so arg, aber es ärgert mich natürlich dennoch, dass „Zuflucht in Schattenfall“ erst einmal einen Monat friedlich auf den Plattformen vor sich hingedümpelt ist, ehe das E-Book verfügbar war. Aber von außen kann ich da leider nichts machen.

Umso wichtiger sind jetzt die Stimmen der Lesenden. Hast du „Zuflucht in Schattenfall“ gelesen und fandest es ganz toll? Schreib eine Rezension! War das Buch ganz nett mit Luft nach oben? Lass die Welt an deiner Meinung teilhaben! Fandest du es ganz furchtbar? Dann … schreib keine Rezension, sondern kauf noch drei Exemplare als Weihnachtsgeschenk für deine schlimmsten Feinde. ^^

Na ja, das E-Book ist jetzt jedenfalls da. Ganz kurz ganz günstig! LINK