Der Spaß am Gruseln

Fake-Schreibmaschine, altmodisches Modell. Sie wird von Skeletthänden bedient, das Papier wird über einen Röhrenknochen gewickelt. Auf dem Papier steht der Anfang von Edgar Allan Poes "The Raven": "Once upon a midnight dreay, while I pondered, weak and weary, over many a quaint and curious volume of forgotten lore ..."
Die Autorin am Werk. Symbolbild.

„Wie kannst du nur ganz allein zuhause nachts Horrorfilme gucken?“, fragt eine Kollegin.

„Wie kannst du dich einfach so in eine Achterbahn setzen, ohne zu wissen, wer sie unter welchen Sicherheitsaspekten gebaut hat?“, frage ich zurück.

Es ist eigentlich absurd. Menschen gruseln sich gerne – sei es in der Geisterbahn, auf dem Halloween Horror Fest oder mittels Literatur. Dabei ist das Leben eigentlich unheimlich genug, oder?

Wahrscheinlich liegt es an den Endorphinen. Wir suchen uns gezielt Erlebnisse, die uns in Angst versetzen und eine positive Auflösung haben: Wir haben überlebt!

Und während ich an den meisten Tagen wirklich nicht auf ein Fahrgeschäft steigen will, bei dem ich nicht weiß, wie gut die Technik gewartet ist oder ob das Material die Anforderungen wie versprochen erfüllt, kann ich hervorragend meine Vorstellungskraft in Angst und Schrecken versetzen.

Den ersten Horrorfilm, an den ich mich erinnere, habe ich bei einer Bekannten meiner Eltern im Grundschulalter gesehen und hatte tagelang Albträume. Es ging um monströse Gliedmaßen mit Eigenleben tief unter dem Meeresspiegel. Als der Mann genau diesen Film als „Achtziger-Klassiker“ nach Hause brachte, konnte ich über die schlechten Effekte nur müde lächeln, und so richtig überzeugend war die Story auch nicht. Allerdings verstehe ich genau, was mich als Kind so erschreckt hat. Weniger klar ist mir, warum ich danach alles daran gesetzt habe, weitere Horrorfilme zu gucken. Gremlins, Hobgoblins, ES – das war mein Ding, und die elterliche Kontrolle war ziemlich entspannt.

Mit der Zeit hat sich allerdings verändert, was ich gern gucke und was mir Angst macht. Slasher beispielsweise finde ich gar nicht mehr interessant. Es ist einfach keine Kunst, noch mehr Leute auf noch blutrünstigere Weise in noch kleinere Fitzel zu zerlegen. Meist fehlt die Motivation des Bösewichts, und die Opfer benehmen sich, als hätten sie noch nie auch nur einen einzigen Horrorfilm gesehen. Ab und zu mache ich auf Empfehlung Ausnahmen und schaue mir ausgesuchte Slasher dennoch an, aber in meine Top 10 hat es keiner davon in den letzten Jahren geschafft.

Wenn ich drei subjektiv beeindruckende Horrofilme der letzten Jahre nennen müsste, dann wären das „Wake Wood„, „Smile“ (der erste Teil!) und „The autopsy of Janeo Doe„. Keiner davon hat überragende Bewertungen, aber ich hab mich hervorragend unterhalten gefühlt.

Und welches war jetzt der Film, der mich als Kind so sehr erschreckt resp. beeindruckt hat? „Leviathan“ natürlich.

Damit entlasse ich dich auch schon wieder in ein gruseliges Wochenende. Schau dir einen der Filme an, die ich empfohlen habe, fahr Achterbahn … oder lies doch mal wieder eines meiner „Gruftgeflüster„-Hefte. ^^

Das Auge liest mit

Buhc "Zuflucht in Schattenfall" auf einer von Skeletthänden betriebenen Schreibmaschine (ein Halloween-Prop). In Hintergrund sieht man unscharg Schreibtischchaos.
Danach sind meine gestalterischen Talente erschöpft.

Gestern bin ich um zehn Jahre gealtert. Nur eine leichte Korrektur meines Personalausweises … nein, Quark. Aber wer schon eine Weile mitliest, weiß: Ich hab kein Händchen für Gestaltung. Davon zeugen meine ersten selbstgemachten Cover genau so wie der Buchsatz meiner ersten Bücher. Ich schäme mich nicht, das ist eben nicht mein Ding und ich hab gemacht, was mit begrenztem Budget möglich war.

Auf jeden Fall habe ich inzwischen, weil ich ein argloses Glückskind bin, ganz famose Unterstützung sowohl bei Covergestaltung als auch beim Buchsatz. Ich schwör, die Kooperation begann mit den folgenden Worten: „Ist das dein Buch? Der Stil ist toll, aber dein Buchsatz ist scheiße.“ – „Ich weiß, tut mir leid.“ Und für „Zuflucht in Schattenfall“ bin ich wieder unterstützt worden. Es sieht also aus wie ein richtiges, echtes Buch (das man bei mir auch direkt mit Widmung bestellen kann). Erste Runde Buchsatz, kleine Korrekturen, Kontrolle, Upload bei Books on Demand, finale Kontrolle, Freigabe, Bestellung einer Kleinauflage für zuhause – das war letzte Woche Freitag.

Gestern dann, also vier Tage später, schreibt der Buchsatzmensch mich an: Ihm habe geträumt, im Buchsatz sei ein richtig fetter Bock versteckt, ob ich schon Exemplare hätte und das bitte dringend kontrollieren könne?

Da saß ich im Büro und konnte natürlich nichts tun. Erst Abends zuhause habe ich alles einmal durchgeblättert – und heureka, das Buch sieht wie ein wunderschönes, echtes, ganz normales Buch aus. Wenigstens für so unbedarfte Menschen wie mich. Wir können also beide wieder beruhigt schlafen. Aber Heidewitzka, war das eine Aufregung! ^^

Weil ich so gar keinen Bezug zu optischer Gestaltung habe, gibt es in meinen Büchern übrigens auch keine hübsch gestalteten Szenentrenner oder so. Und wenn ich selbst lese, das muss ich jetzt gestehen, nerven diese Dinger mich, wenn sie zu elaboriert gestaltet sind und vom Text ablenken. Das geschriebene Wort und ich haben eine innige Beziehung, da soll bitte nichts zwischen kommen. Auch Illustrationen werden von mir hingebungsvoll übersehen, wenn ich mir nicht explizit Mühe mache, sie anzuschauen. Mein Herz schlägt für Texttrümmer – so wie diesen hier, und das tut mir nicht leid. Ein schön gestaltetes Buch ist für mich eines, dass sich angenehm und ohne Ablenkung oder Anstrengung lesen lässt: Klar gedruckt, nicht zu eng oder zu klein gesetzt, eine angenehme Schrift (besonders wichtig wegen meiner Lese-Rechtschreibschwäche, die spielt mir manchmal Streiche), keine Ablenkungen. Auch Farbschnitte sind mir egal. Aber ich gönne sie allen, die sich darüber freuen.

Ich glaube, das eine Buch, das mir wegen schöner Gestaltung im Kopf geblieben ist, ist tatsächlich die farbig gedruckte Ausgabe der „Unendlichen Geschichte“.

Welches besonders schöne Buch ist dir in letzter Zeit begegnet? Stehst du auf so niedlich Verzierungen oder sind sie dir schnuppe?

Der Sommer – ein Zwischenbericht

Ein Grund, weswegen es hier wieder ungewöhnlich still war, ist ja deutlich geworden – der Endspurt für Zuflucht in Schattenfall, dass am 10.07.2025 veröffentlicht wurde. Egal, wie gut man plant und wieviel Unterstützung man hat, es wird doch immer hektisch. Aktuell kann ich nichts mehr tun, als auf meine Print-Exemplare zu warten. (Natürlich plane ich schon die nächste Geschichte.)

Ein anderer Grund – der Sommer und besonders der Juli sind voller Termine. Einerseits liebe ich das, weil das alles großartige Termine sind, andererseits … ES IST ANSTRENGEND!!! Für August habe ich schon geplant: Nach der Krähenfee will ich zwei Wochen lang niemanden sehen und alle hassen. Bitte nicht persönlich nehmen!

Was war denn bis jetzt so anstrengend?

Beispielsweise ein zweitägiger Workshop zum Thema Nahkampf und Schusswaffen, speziell für Autor*innen, über den BVJA. Du weißt möglicherweise, wie oft in meinen Büchern gekämpft (gelegentlich) und geschossen wird (quasi nie!), aber ich fand das Thema so spannend! Und spätestens für den seit langem angedrohten dystopischen Roman kann ich vieles davon sicher verwenden, die Zeit war also gut genutzt.

Dann war da ein „Aktiv-Vortrag“ über die richtige Reinigung der Bonner Bücherschränke. Die Bürgerstiftung Bonn betreut aktuell über dreißig öffentliche Bücherschränke auf Stadtgebiet, und der Hersteller ist extra hergekommen, um den Bücherschrankpat*innen zu zeigen, wie man die Schränke von Graffiti etc. befreit, ohne die Oberflächen zu beschädigen. Ja, ich bin Bücherschrankpatin. In erster Linie, damit ich einen Vorwand habe, regelmäßig in den Schrank zu gucken. Was macht so ein*e Bücherschrankpat*in? Aufräumen, in erster Linie: Die Bücher richtig hinstellen, die Kinderbücher in das entsprechende Fach sortieren, Nicht-Bücher und Propaganda entfernen (ja, es tut mir leid – die schönen Zeitschriften, die du da ablegst, landen direkt im Altpapier) und eben alles, was Leute da so drankrakeln und -pappen, wieder abfriemeln.

Dann war da der Tag der offenen Tür am Radom im Nachbarort. Das ist eine Anlage, die für Sicherheits- und wissenschaftliche Zwecke mit Radiostrahlung Dinge auf der Erde und im Weltall untersucht. Sehr spannend, ich hab wenig verstanden. Die Schutzhülle für das Radioteleskop(?) sieht auch mehr so aus wie ein riesiges Drachenei in der Landschaft. Aber es war spannend und sehr heiß und anschließend waren wir Eis essen, das war gut.

Ich habe Sperrmüll geschleppt und war wandern und Tapas essen und Cocktails trinken und habe die erste Halloween-Deko gekauft. Ein Luxus-Leben voller Luxusprobleme.

Und habe ich schon vom Archiv im Haus der Geschichte erzählt? Wenn du dieses Jahr nach Bonn kommst, musst du dir das anschauen! Eigentlich haben die eine Dauerausstellung, die wird gerade umgebaut. Und während die geschlossen ist, kann man sich stattdessen für eine Führung durch einen Teil des Archivs anmelden. Das ist so, so interessant! Ich liebe solche Dinge ja, es tut mir leid. Nee, eigentlich gar nicht! Also, meld dich da an und geh da hin. Das Archiv eignet sich auch grandios als Unterschlupf für eine Zombie-Apokalypse, sag ich direkt dazu.

Gut, das war mein Sommer bis jetzt. Wir haben gerade Mitte Juni. ^^ Heute Abend geht es auf ein Konzert, und in den nächsten Wochen sehe ich unter anderem Familie, die ich viel zu selten sehe. Also mehr Abenteuer! Danach Krähenfee, dann zwei Wochen Einsiedler-Dasein. Das wird so gut!

Wenn ich die Tage Zeit habe, gibt es vielleicht einen Foto-Dump. Oder ich häkle endlich den Sommerhut zu Ende, der sich mir seit zwei Wochen hartnäckig widersetzt.

Was sind deine Abenteuer? Oder schwitzt du nur?

Neuerscheinung: Zuflucht in Schattenfall

Buch: "Zuflucht in Schattenfall". Das Cover ist in Violett- und Blautönen gehalten. Im Vordergrund stehen die Silhouette einer schlanken jungen Frau mit langen Haaren und die einer Katze auf schneebestäubten, verwitterten Holzdielen. Im Hintergrund sieht man winterliche Berge und die Silhouette eines Fichtenwaldes. Links über den Bergen fliegt in der Ferne ein Drache. Im oberen Teil des Bildes hängt ein großes Holzschild mit dem Buchtitel - Zuflucht in Schattenfall - in Schreibschrift. Der Name der Autorin - Diandra Linnemann - steht in Großbuchstaben auf einem dunklen, transparenten Streifen unten auf dem Cover.

Siehst du diese Ankündigung gerade zum dritten Mal und bist genervt? Das beweist, dass meine Automatisierung funktioniert. Viel wichtiger jedoch: Mein „Februarbuch“, das du schon vor Monaten hättest lesen können sollen, ist endlich erschienen! Bei Books on Demand kannst du es bereits als Taschenbuch kaufen, die anderen Shops ziehen in den nächsten Tagen nach. Die eBook-Konvertierung dauert immer eine Weile, keine Ahnung warum, aber auch das kommt. Und wenn es kommt, ist es für kurze Zeit sogar günstiger!

So, das war ein wilder Ritt. Die Arbeit ist auch noch nicht vorbei. In den letzten Monaten lag mein Augenmerk darauf, das Buch fertigzukriegen und gleichzeitig möglichst viele Leute darauf hinzuweisen, dass es bald erscheint und sie es unbedingt lesen müssen.

Jetzt ist es raus und es ist mein Job, möglichst viele Leute darauf hinzuweisen, dass es erschienen ist und sie es unbedingt lesen müssen. Gleichzeitig begebe ich mich auf die Jagd nach Rezensionen und hoffe, dass viele Leute das Buch nicht nur lesen, sondern auch auf Social Media in die Kamera halten. Das werde ich selbst natürlich tun, sobald ich meine Druckexemplare in der Hand halte. Einige sind schon verplant, andere kann man bei mir mit Widmung bestellen. (Ich verschicke sie oder bringe sie zu Treffpunkten wie der Krähenfee oder dem BuCon mit, wenn du mich vorwarnst!)

Was muss ich noch machen? Mir dringend ein Lesezeichen-Design überlegen, das hab ich ganz vergessen. Zum Glück bin ich ultraspontan und überschätze meine Bastelfähigkeiten auf das Grandioseste. Bist du auch schon gespannt?

Und dann kommt schon Band drei. Ich habe eine Idee und muss den Plot nur etwas cozy (und sehr spannend!) machen, dann geht es direkt weiter. Als nächstes setzen wir uns mit Bjarne auseinander … ^^

PS: Natürlich kannst du als zahlende*r Unterstützer*in auf Patreon das Buch bereits als eBook lesen, da ist es schon in verschiedenen Formaten erhältlich.

Immer wenn ich glaube, die Technik kann mich nicht mehr überraschen …

Buch: "Zuflucht in Schattenfall". Das Cover ist in Violett- und Blautönen gehalten. Im Vordergrund stehen die Silhouette einer schlanken jungen Frau mit langen Haaren und die einer Katze auf schneebestäubten, verwitterten Holzdielen. Im Hintergrund sieht man winterliche Berge und die Silhouette eines Fichtenwaldes. Links über den Bergen fliegt in der Ferne ein Drache. Im oberen Teil des Bildes hängt ein großes Holzschild mit dem Buchtitel - Zuflucht in Schattenfall - in Schreibschrift. Der Name der Autorin - Diandra Linnemann - steht in Großbuchstaben auf einem dunklen, transparenten Streifen unten auf dem Cover.

… dann klappt plötzlich der Upload aller Dateien bei BOD auf Anhieb im ersten Versuch ohne Probleme. Das heißt, es geht jetzt ganz schnell.

„Zuflucht in Schattenfall“ ist beauftragt und sollte schon in wenigen Tagen auf den üblichen Kanälen erhältlich sein. Erfahrungsgemäß dauert es ein paar Tage, ehe man auch das eBook bestellen kann. Das gibt es dafür allerdings dann ein paar Tage lang für € 0,99 – es lohnt sich also, deine bevorzugten Buchverkaufsplattformen im Auge zu behalten! Keine Bange, ich sag auch noch ausgiebig Bescheid, wenn es erst soweit ist.

Was heißt das außerdem?

Ich kann mich so richtig auf Band Drei konzentrieren. In dem machen wir uns mit Bjarne auf ins Chaos … ^^

Hält fast alle Plagegeister fern – Insektenschutzgitter und Katzen

Da wir recht dicht am Wald leben, kreucht und fleucht es dankenswerterweise rund um unsere Wohnung, als würden die Insekten dafür bezahlt. Das finde ich gut. Weniger gut findet allerdings der Mann, wenn die Biesterchen ihm nachts ins Wohnzimmer kommen. Und da die Balkontür am liebsten auf ist – sowohl für die Frischluft als für die Katzen – musste eine Lösung her.

Jetzt hängt da so ein magnetisch geschlossener Vorhang: Eine Bahn links, eine Bahn rechts, Magnete in der Mitte. Der geht auch recht einfach auf. Nur die Katzen trauen dem Ding nicht so ganz.

Verständlich. Die kennen es ja so, dass etwas im Weg ist, damit sie da gerade NICHT durchgehen. Fenstergitter oder Zimmertüren beispielsweise.

Dass von ihnen jetzt erwartet wird, an einer bestimmten Stelle mit ihrem Körpergewicht zu drücken, damit sie rein oder raus können (keine Sorge, der Balkon ist katzennetzgesichert!), ist unerhört.

Mara hat schnell eine Strategie entwickelt. Sie wirft sich mit Anlauf und ganzem Körpergewicht gegen die Mitte des Vorhangs. Zum Glück ist sie klein. Bei einem ausgewachsenen Tiger hätte das einen ganz anderen Effekt! Auf jeden Fall gibt der Vorhang nach, die Katze ist draußen und später wieder drinnen und nur minimal empört, wenn ihre Schwanzspitze für eine Sekunde zwischen den wirklich sehr, sehr schwachen Magneten steckt.

Kurt ist da anders. Aus der Beobachtung würde ich sagen, er geht da zu verkopft ran. Erst wird der Vorhang beschnuppert und kriegt einen oder zwei Tatzenhiebe, zur Sicherheit. Dann wird mit den Krallen daran gezogen – bewegt sich was? Ja, der Vorhang geht auf … und direkt wieder zu, wenn der Kater loslässt. Das wird mit motzigem Miauen quittiert. Der Kater sitzt und denkt. Dann zieht er wieder und versucht gleichzeitig, seinen Rammskopf UNTER dem Vorhang hindurchzuzwängen. Im letzten Moment macht er einen Rückzieher, weil das Klacken der Magnete ihn verunsichert. Dann maunzt er wieder, empörter jetzt. Hallo? Personal!

Weil ich ein weichherziges (und warmhirniges) Ding bin, trainiere ich mit ihm und lege Leckerlis auf die andere Seite der Tür. Das ist in seinen Augen erst recht eine Beleidigung. Ob ich ihn verhöhnen will??? Er versucht, die Tür durch Schreien zu öffnen. Wahrscheinlich kennt er die Geschichte von Ali Baba und den 40 Räubern.

Ich stecke einen Finger durch den Vorhang.

Der Kater guckt.

Jetzt ist da eine ganze Hand. Sollte da etwa eine magische Öffnung sein? Er schnuppert.

Ich halte den Vorhang so weit auf, dass seine Nase hindurchpasst, und warte auf seine Reaktion.

Erst einmal gründlich nachdenken. Nach einigen Minuten bequemt er sich und drückt sich durch die Öffnung. Es hat ein wenig was von Leberwurst aus der Tube, nur in flauschig. Ich lobe, er futtert die Leckerlis.

Das ganze machen wir dreimal, ehe ich denke, dass er das Prinzip verstanden hat: Zwängt man sich mit genug Gewalt durch etwas hindurch, wird man belohnt. Wenn ich mir seinen Gesichtsausdruck beim Durch-den-Vorhang-Marschieren angucke, hält er das ganze trotzdem für eine Zumutung.

Gegen die Insekten hilft der Vorhang übrigens einigermaßen.

Erfolg = Murks?

Durch eine Diskussion auf Mastodon habe ich mich heute wieder an eine Theorie erinnert, die gerade in der deutschen Literaturszene (und ich verwende „Literatur“ hier bewusst weitgefasst) sehr beliebt und weitverbreitet ist:

Wenn ein Buch kommerziell erfolgreich ist, muss es Murks sein.

Da kann gar nichts Gutes drin stecken.

Und garantiert hat die schreibende Person diesen Schund nicht aus Überzeugung verfasst, sondern mit dem Hintergedanken des „Cash Grabs“ – ohne Gewissen viel Geld kassieren und das Produkt dem Markt überlassen.

Wenn ich mit Autor*innen aus anderen Kulturkreisen kommuniziere, begegnet mir dieser Gedanke seltener. Da werden kommerziell erfolgreiche Bücher eher gehyped und analysiert: Was lieben die Leser*innen an diesem Buch? Ist es inhaltlich gut oder war es vor allem das Marketing? Was hat die schreibende Person getan, um diesen Erfolg zu manifestieren? Wie hat das Buch seine Zielgruppe gefunden?

In anderen Ländern, bilde ich mir ein herauszuhören, ist kommerzieller Erfolg durch Kunst wesentlich weniger verpönt als in Deutschland.

In Deutschland kannst du eigentlich nur Künstler oder erfolgreich sein.

Dein Buch wurde in der Woche nach Veröffentlichung tausendmal gekauft? Du Betrüger*in! Warum hasst du die Kunst so sehr???

Ja gut, ich übertreibe. Aber irgendwie scheint in den Köpfen vieler Schreibender diese Idee festzuhängen, dass „gute Literatur“ etwas ist, das keinen kommerziellen Erfolg hat. Und das zieht einige problematische gedankliche Rattenschwänze nach sich.

Etwa die Annahme, dass die breite Masse keine gute Kunst erkennen könne, weil das alles ungebildete, grobschlächtige Banausen sind. Klar, das Dschungelcamp ist immer noch erschreckend erfolgreich, aber manche Leute können Trash und Entertainment und Kunst parallel genießen. Schließlich haben wir alle nicht nur eine Grundeinstellung. (Ich mag Theodor Storm und Schlefaz, verklagt mich.)

Oder die Annahme, dass Geld etwas Schlechtes sei, denn es gilt als mit der „wahren Kunst“ unvereinbar. Dabei kann ich mir wenig elenderes vorstellen, als unter prekären Umständen in kompletter Unsicherheit Kunst zu schaffen. Deswegen habe ich halt einen Brotjob (eigentlich ist es sogar ein Kuchenjob, ich lebe sehr angenehm), so kann ich mich beim Schreiben auf den Spaß-Aspekt konzentrieren.

Bei „guter Literatur“ gibt es dann übrigens noch Abstufungen, aber das nur als fixer Exkurs, weil ich mich nicht kurz fassen kann. Wenn Leute sich über mehrere Werke an ähnlichen Themen abarbeiten, ist das keine Kunst, sondern eine Masche. Wenn Leute Themen bearbeiten, die marginalisierte Gruppen betreffen, ist das eine Masche für die Quote (denk nur an das „Frauengedöns“). An der Spitze der „guten Literatur“ stehen vergeistigte privilegierte Autoren, die das Banale ins Philosophische erheben. Die wollen nicht unterhalten, sondern … ich weiß nicht, aber irgendwer soll den Driss dennoch lesen? Keine Ahnung, ich sitz hier nur und schreibe.

Anyway.

Insgeheim, denke ich, ist die Aussage „Meine Bücher sind eben zu originell/gut/literarisch anspruchsvoll/…, um kommerziell erfolgreich zu sein!“ auch eine Art von Selbstschutz. Die meisten von uns schreiben nicht so gut, wie sie gerne wollen. Viele scheitern, wenn sie großartige Ideen in großartige Bücher (Serien, Videospiele) verwandeln wollen. Irgendwo hakt es doch immer. Und wenn das Buch noch so toll ist, müssen wir uns danach mit Marketing auseinandersetzen, das ist wieder ein anderes Glücksferkel, von dem viele keine Ahnung haben – ich ja auch nicht. (Apropos, kauft meine Bücher!) Ich könnte mir also einreden, dass „Andrea die Lüsterne“ nur deswegen keinen Bestseller-Sticker hat, weil ich eben ZU GUT bin. ZU KREATIV. Ein ZU GENIALES literarisches Wunderkind. Oder das Buch ist eben gut und lustig mit Schwächen und einer eher kleinen Leserschaft, weil nicht jeder auf sexarmen Tentakelhumor steht.

(Ich prangere das übrigens an.)

Eigentlich möchten Leute, die so etwas sagen, den Spagat schaffen, ein einzigartiges, kauziges Originalbuch zu schaffen, dass auf wundersame Weise und ohne Markt- oder -Marketingkenntnis ein kommerzielles Meisterwerk wird. Wär mir ja auch ganz lieb. Das fällt aber in die Kategorie: „Ich will Prinzessin werden!“-Wunschdenken.

Eigentlich wünsche ich mir in erster Linie eine Welt, in der alle Leute genau die Kunst machen können, die sie machen wollen, ohne materielle Ängste im Rücken. Und dass diese Kunst dann genau die Leute findet, die sie brauchen.

Wahrscheinlich ist Prinzessin-Werden einfacher. ^^

Schreiben ohne Social Media – Zwischenbericht

Zunächst: Die Überschrift ist dramatisiert, denn ich bin ja noch auf einigen Social-Medial-Kanälen zu finden – etwa auf BlueSky, Mastodon und Tumblr. Die großen Plattformen, die man angeblich unbedingt fürs Marketing braucht (Facebook, Instagram, Threads, TikTok) hingegen vermisse ich immer noch nicht.

Jetzt haben mir, seit ich als Aussteigerin lebe, viele Marketing-Experten gesagt, der Abschied sei eine desaströse Entscheidung. Man könne heute leider einfach nicht mehr ohne diese Plattformen Dinge verkaufen, und auch für Verlage etc. seien Followerzahlen ja fast schon mindestens genauso wichtig wie die Manuskriptqualität. Und wenn sie mir schon raten, in die Hölle zurückzukehren, haben sie auch direkt die passenden Marketingpläne für mich parat. Für eine gewisse Gebühr, natürlich.

Ob das mit den Verlagen stimmt, weiß ich nicht. Das muss mir auch egal sein. Ich hab nur Geschichten zu verkaufen, keinen Personenkult. (Huldigt mir!)

Ersteres ist, wie ich allmählich feststelle, gar nicht mal so richtig. Nun hatte ich nie die aufregenden Verkaufszahlen, mit denen man reich und berühmt wird. Aber in den letzten Monaten sind sie auch nicht schlechter geworden – eher im Gegenteil. Ich habe im März/April mehr Bücher verkauft als in den sechs Monaten davor. Obwohl ich kein wirklich neues herausgebracht habe. (Lies den Hirschkönig! Er ist noch schöner als zuvor!) Ich muss mich nur daran erinnern, meine Bücher regelmäßig überall zu erwähnen. (Bücher!)

Außerdem experimentiere ich ein wenig mit bezahlter Werbung auf verschiedenen Kanälen. Ob das einen Effekt hat, kann ich nur indirekt beurteilen – die Platzierung eines eBook-Angebotes in einem themenspezifischen Newsletter hat keine zusätzlichen Verkäufe im Angebotszeitraum gebracht, das kann ich direkt sagen. Wahrscheinlich probiere ich es dennoch mit einem zweiten Buch, um zu schauen, ob es am konkreten Angebot lag oder ob die Newsletter-Reichweite sich für mich einfach nicht in Verkäufe umsetzen lässt. Bezahlte Anzeigen in einschlägigen Magazinen könnten zu Verkäufen geführt haben, aber das ist aufgrund der langsameren Verteilung für mich nur schwer einzuschätzen. Ich bin halt keine Expertin.

Was schließe ich daraus?

Zum einen geb ich den Brotjob nicht so schnell auf. Mit einem festen Gehalt in der Tasche kann ich genau das schreiben, was ich schreiben will – nur eben nicht so schnell, weil die Zeit begrenzt ist. (Bedingungsloses Grundeinkommen, wann???)

Zum anderen gönn ich mir noch ein wenig Budget, um mit anderen Formen bezahlter Werbung zu experimentieren. Wie das genau funktioniert, erzähl ich bei Gelegenheit. Aktuell überlege ich zu Radiowerbung und zur Präsenz auf lokalen Handwerksmärkten, beispielsweise im Weihnachtsgeschäft. Und nächstes Jahr mach ich vielleicht auch wieder mehr Messen etc. mit, wenn die Energie stimmt.

Vorne hui, hinten pfui?

In letzter Zeit ist mir das öfter begegnet, und zwar in Büchern – vor allem Büchern aus dem US-Markt von jungen Autor*innen, also erste oder zweite Bücher. Und gar nicht mal so sehr bei Selfpublishern, sondern auch bei bekannten mittleren oder sogar größeren Verlagshäusern.

Wovon redet die Frau da?

Die ersten zwei oder drei Kapitel des Buches sind Hammer. Alles stimmt: Sprache, Tempo, die Szenerie, die Charaktere. Und danach … entweder bricht es abrupt ab oder es frizzelt allmählich aus. Und ich habe einen Verdacht, wie das passiert.

Für diejenigen unter uns, die sich nicht mit dem traditionellen Buchverlegen auskennen: Meist bewirbt man sich beim Verlag mit einem Exposé – das ist eine komplette Zusammenfassung des Buches – und den ersten zwei bis drei Kapiteln resp. dreißig Seiten, die man geschrieben hat. Aufgrund dieser Materialien entscheiden Verlage, ob sie das ganze Buch sehen wollen.

Natürlich stecken Autor*innen in genau diese ersten dreißig oder so Seiten also die meiste Arbeit. Sie wollen schließlich überzeugen, hinreißen, erstaunen und sich einen Platz im Verlagsprogramm ergattern. Ich weiß, dass viele Autor*innen sich inzwischen, so sie es finanziell stemmen können, für ihre Verlagsbewerbungsunterlagen ein professionelles Lektorat gönnen. Alles soll so gut aussehen, wie es eben geht.

Und da ist nichts Schlimmes dran!

Allerdings habe ich den Verdacht: Wenn ein Verlag sich für dieses herausgeputzte Projekt entscheidet, wird (vor allem von Verlagsseite!) nicht mehr so viel Liebe in das restliche Manuskript gesteckt. Das ist ja auch eine Geld- und Zeitfrage. Auch Verlage müssen ihre Lektor*innen schließlich bezahlen. Einige denken sich vielleicht: Ach, wenn die Lesenden uns bis hierhin gefolgt sind, lesen sie auch das restliche Buch. Und wenn nicht? Egal, gekauft haben sie es ja. (Disclaimer: Nicht alle Verlage, natürlich. Aber einige bestimmt.)

Und gerade junge oder neue Autor*innen haben nicht den Überblick, um mehr von einem Verlag zu erwarten oder zu verlangen. Wenn eine Verlagsperson ihnen sagt: „Dein Buch ist toll, da müssen wir kaum noch etwas dran machen!“, glauben sie das und freuen sich. Erst im Lauf der Jahre kommt die Erkenntnis, dass man immer und an jedem Manuskript mit Hilfe professioneller Dritter noch eine Menge Mist schaufeln kann, ehe da ein wirklich gutes Buch draus wird.

Anders kann ich mir das, ehrlich gesagt, nicht erklären. Mehrmals hatte ich jetzt gehypte und hart umworbene Bücher in der Hand, bei denen die ersten Seiten wirklich mega waren … und dann geht es nur so meh weiter. Ob mich das dazu animiert, weitere Bücher der schreibenden Person zu kaufen? Wohl eher nicht. Vielleicht, wenn sie sich auf den letzten dreißig Seiten genau so viel Mühe gegeben hätten wie auf den ersten dreißig Seiten? Schließlich erinnere ich mich in erster Linie an das Gefühl nach dem Buch.

Und an alle jungen Autor*innen da draußen: Wenn ein Verlag nicht so viel Liebe in das Manuskript stecken will, wie ihr es euch wünscht, überlegt euch gut, ob die Zusammenarbeit der Geschichte gerecht wird. Klar, Selfpublishing kann teuer sein, aber erstens muss es das nicht und zweitens steht da am Ende dann genau die bestmögliche Geschichte auf dem Papier, die ihr erzählen wollt.

Ich packe meinen Koffer und ich nehme mit …

… einmal „Alter Falter!“

Nein, leider geht es nicht in den Urlaub. Dafür war ich letzten Samstag in Düsseldorf beim Bücherbummel auf der Kö, zum Lesen. Und auch darum geht es heute nicht.

In den Jahren davor war ich immer Sonntags beim Bücherbummel. Da ist die Kö ruhig, grün, entspannt, man kann ein wenig bummeln und in Ruhe Bücher gucken.

Dieses Jahr war ich am Samstag dort. Und Samstag ist offenbar SHOPPING-TAG!!!

Vielleicht gibt es in Deutschland gerade eine Wirtschaftskrise, in Düsseldorf merkt man davon nichts. Und die Königsallee ist ja schon ein teures Pflaster! Ich Hippietrampel kenne die meisten Marken nicht, schaue im Vorbeigehen in die Schaufenster und wundere mich, was man für Socken ausgeben kann.

Die Lesung läuft gut, aber es ist mir zu voll zum Stöbern. Auf dem Rückweg zum Auto sehe ich dann eine Schlange vor einem Laden. Was gibt es da? Waffeln? Hipsterdöner? Gratisdiamanten? Ein älteres Pärchen steht sogar mit Koffer an, die wollen offenbar ordentlich zuschlagen. Das Schaufenster kann ich wegen der Menschenschlange nicht sehen, ist aber auch schnuppe. Ich merke mir den Namen des Ladens und fahre heim.

Der Mann weiß mehr von der großen weiten Welt, der klärt mich Abends zuhause auf. Der Laden war nämlich Rimova, das ist wohl eine Koffermarke. Sehr teure Koffer. Für die man sich in eine Schlange stellt. Auf die gibt es auch lebenslang Garantie, erklärt der Mann. Dann schau ich mir das Preis-Koffer-Verhältnis mal online an.

Joah.

Man kann also mehr für einen Koffer ausgeben als ich für eine Woche Urlaub.

Das ist … eine Entscheidung.

Gut, lebenslange Garantie ist schon ein hehres Versprechen. Und nachdem der Mann in den ersten drei Jahren Dienstreise jährlich einen No-Name-Koffer gekauft hat, hält sein Samsonite-Koffer inzwischen auch seit mehr als zehn Jahren und hat sich lange rentiert (wir müssen mal die eine Rolle austauschen lassen). Ich verstehe also durchaus, dass man, falls möglich, gern etwas mehr für überdurchschnittliche Qualität ausgibt.

Andererseits bietet Rimova Kinderkoffer für 500 Euro an, eventuell bin ich einfach nicht die Zielgruppe.