Es ist schon ein paar Tage her. Es ist sonnig und trocken, und nach der Arbeit radle ich gemächlich nach Hause. Das geht – ich habe es schon erwähnt – streckenweise bergauf, und nicht zu knapp. An der Stelle, von der ich heute erzählen möchte, gibt es eine markierte Spur je Fahrtrichtung und auf der (bergauf betrachtet) linken Seite einen Gehweg, der für Radfahrer freigegeben ist.
Das heißt, ich darf da drauf fahren, aber ich muss nicht.
Meist tu ich es nicht.
Zum einen ist diese Straße nicht soooo hart befahren.
Zum anderen ist der Gehweg mit Schlaglöchern übersät, häufig voll mit Spaziergängern mit Kinderwagen und/oder Hunden, und dort parken regelmäßig Autos. Direkt hinter diesem Gehweg befinden sich nämlich belebte Nutzgärten, und irgendwo müssen die Autos ja hin.
Soweit die Szene. Ich radle also, schnauf, in meinem sommerlichen Kleid bergan. Hinter mir höre ich ein Auto näherkommen. Ein zweites Auto kommt uns entgegen. Und weil da diese Frau mittleren Alters auf ihrem Citybike ist, kann das ebenfalls bergauf fahrende Auto nicht ungebremst durchbrettern. Nein, der Fahrer verliert wertvolle 15 Sekunden, während er darauf wartet, dass das entgegenkommende Auto uns passiert.
Jetzt ist der Zeitplan eh im Eimer, denkt er sich. Er zieht neben mich und bleibt im Rad-Tempo. Lässt das Beifahrerfenster herunter und ruft: „Fahren Sie doch auf dem Radweg!“
Es ist nicht so steil. Ich habe Luft zum Antworten. „Das ist kein Radweg, sondern ein für Radfahrer freigegebener Gehweg. Ich darf dort fahren, muss aber nicht.“
Er gibt nicht auf. (Es ist ein silberfarbener Mercedes Kombi, bestimmt nicht günstig, der Fahrer ist vielleicht etwas älter als ich. Ist das wichtig? Wer weiß?) „Aber dort wären Sie viel sicherer!“
„Ich finde, Sie fahren sehr vorbildlich“, antworte ich überaus freundlich.
Und IN DEM MOMENT, ich hätte es fürs Kino nicht besser planen können, kommt uns einer der Nutzgarten-Besucher mit seinem BMW entgegen. Auf dem Gehweg fahrend, ganz links am Straßenrand.
Ich gucke, zeige auf den BMW und fange an zu lachen.
Der Autofahrer guckt. Schließt das Beifahrerfenster und fährt wortlos von dannen.
Ob er manchmal an mich denkt?
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