Etwas ernstes zum Jahresende – Raubkopien

Heute morgen las ich bei einer Facebook-Bekanntschaft, sie habe jemandem ein digitales Rezensionsexemplar ihres aktuellen Buches zukommen lassen – und diese Person hat die Datei prompt im Netz zum kostenlosen Download angeboten. Natürlich ist besagte Bekannte wütend und enttäuscht.

Vorab: Ich mache kein DRM („Digital Rights Management“, ein handelsüblicher Kopierschutz) an meine Bücher. Nicht, weil ich partout etwas zu verschenken hätte, sondern weil

* Leute, die einen Kopierschutz umgehen wollen, das auch ohne großes technisches Wissen tun können und

* ein DRM häufig zu Problemen bei der Nutzung führt, wenn man beispielsweise auf ein anderes System oder ein neueres Gerät umsteigt.

Das gesetzlich verbriefte Recht auf Privatkopie stört mich nicht, und darunter fallen auch (nur um das einmal deutlich zu sagen) Kopien für Familienmitglieder und Freunde. Ich hoffe in erster Linie, dass Leute meine Geschichten lesen, sie ihnen gefallen und genau diese Leute dann zukünftig weitere Bücher von mir kaufen oder mich ihren Freunden weiterempfehlen.

Aber bei dieser Gelegenheit möchte ich einmal einige der Argumente beleuchten, die Leute bringen, wenn sie in großem Stil Bücher aus illegalen Quellen herunterladen:

  1. Ich habe kein Geld, um mir alle Bücher zu kaufen, die ich lesen möchte.“

Das ist in der Tat ein Problem – und zwar eines, das ich nur zu gut kenne. Bestimmt achtzig Prozent meines Taschengeldes sind zu jedem beliebigen Zeitpunkt in Bücher investiert worden, und es gab immer Dutzende Titel, die ich mir nur zu gerne geleistet hätte. Als ich jung war (ahem), gab es natürlich noch keine eBooks. Was habe ich also gemacht? Bei Freunden geliehen – siehe „Recht auf Privatkopie“ – und Büchereien besucht. Viele Büchereien, habe ich gehört, bieten auch eBook-Lizenzen an, und das Ausleihen ist vergleichsweise günstig und technisch einfach.

Abgesehen davon gilt allerdings: Vor allem Self-Publisher (so wie ich) bieten ihre Bücher vergleichsweise günstig an. Oftmals schon für unter einen Euro. Ein großer Teil der Werke ist für unter fünf Euro zu haben – die Raucher unter euch können das bestimmt in Packungen umrechnen, um einen Vergleich zu haben. (Alternativ bietet sich die Umrechnung in Coffee to go, Schokolade oder Stripclubbesuche an.)

  1. „So ein Autor ist doch reich, der braucht das Geld gar nicht.“

Reich? Ha! Ich besitze genau drei Paar bürotauglicher Schuhe und zwei Handtaschen, von denen eine gerade den Geist aufgibt. Im vergangenen Jahr habe ich mit meinen Büchern einen Umsatz im dreistelligen Bereich gemacht – in etwa genug, um einen No-Name-Laptop zu kaufen (was dringend nötig wäre, denn an meinem fehlt die T-Taste, der Akku ist hinüber und das Touchpad funktioniert nur noch mit Hilfe magischer Beschwörungsformeln). Da sind noch nicht die Steuern abgerechnet, und ich habe auch einen nicht unwesentlichen Teil für Recherchematerial ausgegeben. Dachtet ihr, ich hab all die schlauen Dinge im Kopf? Tja, sorry, leider nicht.

Um es einmal ganz deutlich zu sagen: Die wenigsten Autoren können von ihren Geschichten leben. Und ich rede hier nicht einmal von „gutem“ Leben. Nein, in diesem Fall gilt als „Leben“, wenn man Miete und Essen zahlen kann und sich vielleicht noch die Krankenversicherung leisten. Altersvorsorge ist schon optional. Wenn ich nicht meinen heiß-hassgeliebten Bürojob hätte, säh es ziemlich düster aus für meine Geschichten, denn auch Kaffee kostet, und ohne Kaffee läuft hier gar nix. Versprochen, sobald ich reich und berühmt bin, werde ich mein karitativ-literarisches Engagement verstärken.

  1. „Wieso sollte ich für so einen Blödsinn zahlen?“

Wieso willst du so einen Blödsinn herunterladen? (Jaaaa, ich kenne einige Exemplare, denen es nur darum geht, möglichst große Datensammlungen zu besitzen. Ginge es um Katzen statt um eBooks, würden Freunde und Nachbarn wahrscheinlich intervenieren. Aber eBooks sind pflegeleicht und geruchsarm. Sie kratzen auch nicht an der Tür.)

  1. „eBooks zu kopieren ist ein Kavaliersdelikt.“

Also nur „ein bisschen falsch“? Das ist wie „ein bisschen schwanger“ – so etwas gibt es nicht. Natürlich halte ich es für komplett blödsinnig, sogenannten „Raubkopierern“ mit härteren Strafen zu drohen, als Steuersünder und Vergewaltiger aufgebrummt bekommen. Aber wenn ihr nicht wollt, dass ich euch im Vorbeigehen in den Arm kneife (das ist „weniger falsch“ als boxen, nicht wahr?), solltet ihr diese Einstellung noch einmal überdenken.

  1. „Ich guck erst einmal rein, und wenn es mir gefällt, kann ich es immer noch kaufen.“

Klingt erst einmal valide, aber auch das geht bei den meisten Anbietern auf legalem Weg. Ich hab schon eBooks, die sich als Fehlkauf herausstellten, bei Amazon ohne Probleme zurückgegeben und mein Geld innerhalb kürzester Zeit zurückbekommen. Über andere Plattformen kann ich als Kindle-Jüngerin natürlich nichts sagen, aber ich gehe hart davon aus, dass es meistens ähnlich aussieht. Und falls nicht – ein Grund mehr, ein Kindle zu kaufen. Da könnt ihr nämlich meine Bücher lesen, und die Textdarstellung ist auf dem Kindel von allen eBook-Readern, die ich bislang in der Hand hatte, immer noch die beste.

Es gibt übrigens Bücher, die ich auch nicht kaufe. Etwa „Allahs Töchter“ von Nedim Gürsel. Warum? Weil das eBook stolze 21,99€ kostet (gerade eben noch einmal geschaut – bei der Gelegenheit habe ich auch festgestellt, dass die gebundene Ausgabe inzwischen nur noch 11,73€ kostet, dann landet eben die auf meinem Wunschzettel). Das ist ein komplett lächerlicher Preis für ein eBook – schließlich fallen da keine weiteren Lagerungs-, Versand- oder Materialkosten an, wenn man die Datei einmal hochgeladen hat, und Text, Cover und Layout hat man sowieso für die Printausgabe schon gemacht. Was habe ich also gemacht? Es illegal heruntergeladen? Nein, ich habe es ganz einfach noch nicht gelesen. Auch wenn es mich wirklich juckt. „Mit den Füßen abstimmen“ nenne ich das – oder eher „mit dem Portemonnaie abstimmen“. Bei einem einzelnen Käufer wird das den Anbieter wohl nicht beeindrucken, aber wenn viele Leute auf diese Weise reagieren, merken die Anbieter das vielleicht auch.

Und jetzt zum Schluss noch ein paar gute Gründe, meine eBooks zu kaufen:

* Wir Indie-Autoren gucken geradezu hypnotisch auf unsere Download-Zahlen. Jeder einzelne Kauf macht uns überglücklich – das ist gut für’s Karma!

* In jedes Buch stecke ich etwa ein halbes Jahr Arbeit. Ich schreibe gerne, so wie die meisten Autoren, die ich kenne (sonst würde man sich den Blödsinn bei der Bezahlung ja gar nicht antun), aber wenn ich mir das dauerhaft leisten will, darf es kein Verlustgeschäft sein. Die Einnahmen aus den Verkäufen stecke ich momentan noch zu mindestens hundert Prozent in Belegexemplare (bei den Taschenbüchern), die ich als Rezensionsexemplare verschenke, in Recherchematerial und natürlich Kaffee (s.o.).

* Wenn ich erst reich und berühmt bin, passieren garantiert ganz grandiose überraschende Dinge! Weltherrschaft? Pah, ich geb mich doch nicht mit Kleinigkeiten zufrieden!

* Es erhöht eure Chancen, irgendwann mal professionelle Cover auf meinen Geschichten zu sehen. Mediengestalter wollen auch leben, professionelle Arbeit ist teuer und es tut mir wirklich immer ein wenig leid, euch mein mangelndes gestalterisches Talent zu demonstrieren. Aber: Selbst ist die Frau!

In diesem Sinne – genug gejammert für ein Jahr. Ich geh jetzt den Mann wecken, und das restliche Jahr über wird gefeiert! Falls ihr übrigens unbedingt meine Bücher lesen wollt und sie euch partout nicht leisten könnt, meldet euch doch einfach. Ich bin sicher, wir finden eine Lösung. ^^

Leben mit Kritik

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Ab und zu passiert es – jemand liest meine Geschichten und mag sie nicht. Als guter Autor mit vergleichsweise überschaubarer Leserschaft passiert es natürlich gelegentlich (ungefähr einmal pro Woche *ahem*), dass ich schaue, ob es neue Rezensionen gibt. Und wenn dann eine Rezension mit weniger als vier Sternen eintrudelt, bin ich natürlich gleichermaßen untröstlich und empört.

Die jüngste Rezension für „Allerseelenkinder“ ist also erst einige wenige Tage alt, zwei Sterne schwach und vergleicht die Geschichte mit „Harry Potter“. Ich bin verwirrt. Es gibt weder Muggles noch eine Zauberschule. Was also tun?

Einige Indie-Autoren machen den Fehler und empören sich in den Kommentaren zur Rezension. Sie beschimpfen den Rezensenten und erklären im Detail, warum die Rezension Mist ist. So etwas ist natürlich verlockend, aber weder professionell noch hilfreich.

Betrachten wir es einmal anders – jemand nimmt sich tatsächlich die Zeit, das Buch nicht nur zu lesen, sondern auch zu bewerten. Das ist schonmal viel wert. Und Geschmäcker sind eben verschieden. Beispielsweise kann ich mit „Harry Potter“ rein gar nichts anfangen (nicht hauen!). Die Bücher hätten von mir, so ich über die ersten zwanzig Seiten des ersten Bandes hinausgekommen wäre, wahrscheinlich auch keine besonders gute Bewertung bekommen, und jetzt schaut mal, wer von euch gerade die Augen rollt ob meines mangelnden Leseverstandes. ^^

Also, was mache ich jetzt? Nichts. Oder, nicht direkt nichts. Stattdessen hol ich mir mal einen Kaffee und mach mich an die Arbeit. Der dritte Band ist nämlich erst zu 100 Seiten (20.000 Wörter) fertig…

Verschenken ist nicht umsonst

Verschenken oder nicht – das ist eine bei Indie-Autoren weitverbreitete Frage. Meistens wird argumentiert, dass wir hart gearbeitet haben und dafür auch gerne irgendwie belohnt werden möchten. Klingt logisch, oder? Aaaber.

Ich mach ja ab und zu so Verschenk-Aktionen für meine Bücher bei Amazon (ab Donnerstag gibt es Spiegelsee umsonst!). Letzte Woche gab es den „Hirschkönig“, von Donnerstag bis Samstag. In dieser Zeit wurden 1.085 Bücher gratis heruntergeladen. Bücher, für die ich nie etwas sehe, außer einer Rezension – und die muss nicht einmal unbedingt positiv sein. Auch wenn wir uns das natürlich überhaupt nicht vorstellen können.

Allerdings – während solcher Gratis-Aktionen steigt auch die Zahl der verkauften Bücher. Nicht direkt astronomisch, aber ich finde, dass solche Verschenk-Aktionen eine nette Möglichkeit sind, die Aufmerksamkeit von potenziellen Lesern zu erreichen. Und die Erfahrung gibt mir Recht: Wem eines meiner Bücher gefällt, der ist offenbar gewillt, weitere zu kaufen. Wer hätte das gedacht?

Endlich

So, nachdem ich mal wieder sporadisch vom Angesicht der Erde gerutscht bin – ist schon blöd, wenn man zuhause kein Internet hat. Wie in einem vorindustriellen Land… und die Ausreden erst, die man uns bislang aufgetischt hat! Zuerst war die Bundesnetzagentur schuld, dann waren die Leitungen marode, dann war unser Anschluss blockiert vom Anbieter der Vormieter, und der jüngste Klops: Die Telekom würde unserem Wunsch-Anbieter einfach keinen Übergabepunkt freiräumen. Außerdem habe die T* ein Recht darauf, mindestens einen Anschluss pro Haus mit einem eigenen Vertrag zu beliefern. Die Leute an den Kunden-Hotlines sollten lieber Bücher schreiben, bei soviel Kreativität!

Wie dem auch sei, ich war trotzdem nicht untätig… ab sofort könnt ihr meine beiden Bücher Der Hirschkönig und Allerseelenkinder auch als Taschenbuch erwerben. Alles mit viel Liebe und wenig Sachverstand selbst gestaltet, aber ich denke, ich bin zufrieden. Jetzt konzentriere ich mich völlig darauf, die nächsten beiden Episoden aus Helenas Leben auf den Weg zu bringen. Und alle, die sich lieber an Papier als am Bildschirm festhalten – kauft! KAUFT!

*hypnotischerkatzenblick*

Der Hirschkönig

Eine der ersten Geschichten, die ich jemals schreiben wollte, war die von Arminius, dem Cherusker, und seiner großen Liebe Thusnelda. Als ich zum ersten Mal von der Varusschlacht hörte, war ich etwa zehn Jahre alt. Und die historischen Hintergründe faszinierten mich so sehr, dass meine Fantasie seitdem damit beschäftigt war, eine Geschichte um die bekannten Daten und Fakten zu spinnen.

Vor zwei Jahren hatte ich dann endlich ein fertiges Manuskript, nach viel Forschung und Suche und Träumen. Mit der ganzen Naivität des jungen Autors schickte ich Leseproben etc. an diverse Verlage. Natürlich kam in den meisten Fällen nicht einmal eine Antwort. Vielleicht stellte ich mich einfach besonders dumm an?

Ein paar Absagen gab es auch. Fast hätte ich das Manuskript schließlich einfach gelöscht, aber es gab einen Lichtschimmer: Eine Absage erklärte, es gebe gerade einfach keinen Markt für diese Art historischen Roman, aber gut geschrieben sei er auf jeden Fall.

Vielleicht war das auch nur ein besonders freundlicher Standard-Absagetext, aber der „Hirschkönig“ blieb auf meiner Festplatte. Und nachdem ich letzte Woche schon einmal mit KDP-Self-Publishing spielen konnte, habe ich am Wochenende spontan beschlossen, dass ich euch auch diese Geschichte nicht vorenthalten will. Wer sich selbst ein Bild machen will, kann das jetzt also hier tun.

PS: Für alle, die kein Kindle ihr eigen nennen – ihr könnt die entsprechende Anwendung für Mobilgeräte oder den PC kostenlos herunterladen und dann trotzdem lesen, wovon ich hier gerade spreche. Und wer weiß, vielleicht versuche ich mich beizeiten auch noch an Print-on-demand, es geht schließlich nichts über ein echtes Buch…

Aufregende Neuigkeiten

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Endlich bin ich aus der Versenkung wieder aufgetaucht, und ich bringe wichtige Fragen mit: Wer greift da nach meinem Hexenbesen? Warum bekomme ich abgetrennte Gliedmaßen in der Post? Und wozu brauche ich eine Löwenmaske?

Ihr hättet euch ja denken können, dass ich nicht einfach nur untertauche und mir einen faulen Lenz mache. Hier werden Kisten gepackt, Fenster ausgetauscht und mysteriöse grüne Heißgetränke probiert. Und zwischendrin spiele ich mit alten und neuen Wörtern.

Wer mehr erfahren will, sollte hier in den kommenden Tagen wieder reinschauen!

Elfen und Island und Blumen und Musik

Das sind einige der Dinge, die mich in letzter Zeit beschäftigen.

Island, weil meine neue Antagonistin daher kommt. Sie heißt Lilja, ist ziemlich hart im Nehmen und hat nur vielleicht einen kleinen Sprung in der Schüssel.

Elfen wegen Islands Bezug zu Naturgeistern – ich bin sicher, das wird noch praktisch. Auch wenn die Elfen, die Liljas Gedankenwelt bevölkern, wohl nicht pastellfarben sind.

Blumen wegen des fröhlichen Gemüts meiner Protagonistin Anna. Die im Verlauf der Geschichte merkt, dass man mit Licht und Liebe nicht immer weiter kommt.

Und Musik, weil ich ja nicht nur schreiben kann. Deswegen war ich am Wochenende mit meiner Lieblings-Freundin in Hannover auf dem vielleicht einzigen Fury-in-the-Slaughterhouse-Reunion-Konzert (mit Tusq, Revolverheld und Cäthe als Vorbands). An 22. Juni geht es zu Bon Jovi nach Köln, und eine Woche später dann zu den Toten Hosen. Man gönnt sich ja sonst nichts, gell?

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne

Himbeer-Ricotta-Kuchen

Seit ein paar Tagen sitze ich morgens ganz aufgeregt vor dem Bildschirm und trage Notizen und Ideen zusammen für ein neues Projekt. Wie ein Eichhörnchen grabe ich in den hintersten Ecken nach guten Einfällen, die ich irgendwann vielleicht einmal hatte, und wenn ich etwas finde, wird es von allen Seiten begutachtet, ob es in diese Geschichte passt. Die vier Charaktere, um die es geht, sind in meinem Kopf soweit gereift, dass ich eigentlich loslegen könnte. Und den Konflikt kenne ich auch schon. Meine Schwäche liegt darin, die ganzen Details auf dem Weg zum Höhepunkt auszuarbeiten.

Ja, ich bin ungeduldig. Nichts neues.

Jedenfalls gibt mit diese Geschichte einen hervorragenden Vorwand dafür, mich mit Eifersucht und schwarzer Magie auseinanderzusetzen. Natürlich nur zu Recherche-Zwecken. ^^

(Das Foto hat mit der Sache nichts zu tun. Ich hab mal wieder gebacken. Biskuitboden mit Himbeerpürree und Ricotta-Creme, mit Schokolade, essbaren Blüten, Gold-Glitzer und Baisers von meinem letzten Backversuch. )

Da waren wir also federleicht…

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So sah das Ende eines tollen Abends aus. Der Dienstag Nachmittag verging mit Warten und Proben, dann gab es einen Sektempfang, und dann konnten etwa zweihundert Zuschauer sehen und hören, was professionelle Künstler aus den Gewinnertexten gemacht hatten. Vorgelesen wurden – bis auf in den kürzesten Kategorien, SMS und Brief – Auszüge aus den Texten, die musikalisch kommentiert wurden.

Die spannendste Frage für mich war natürlich den ganzen Abend über, wer in die Grube auf der Bühne fallen würde. Glücklicherweise war das nur der Akkordeonspieler während der Proben, und noch besser – ihm ist nichts passiert. Ich fand es auch toll zu hören, wie jemand anders meinen Text liest, denn in meinem Kopf macht das natürlich alles Sinn. Im Nachhinein würde ich natürlich noch das eine oder andere verbessern, aber ich denke, insgesamt kann ich zufrieden sein.

Von der After-Show-Party entfernten wir uns dann allerdings recht schnell, denn wir waren doch ziemlich müde. Außerdem hatten wri ein großartiges Hostel in Friedrichshain, in das zurückzukehren es sich mehr als lohnte. (^v^)

(Ein weiterer Tag wurde mit Entspannen und Touristenaktivitäten gefüllt, aber das erspare ich euch mal. Ihr könnt euch Berlin im Januar bestimmt vorstellen: Brandenburger Tor, Fernsehturm, Regen, Nebel.)

Hier könnt ihr übrigens noch den Fernsehbericht des RBB im Archiv sehen. Ich weiß allerdings natürlich nicht, wie lange der Link funktioniert…

Kann man sich selber überraschen?

Man kann. Zumindest als Autor. Oder das ist wenigstens die Erfahrung, die ich gemacht habe. Erst heute morgen wieder. Oder vielmehr wurde ich überrascht von meinen Charakteren.

An Schreibwettbewerben teilzunehmen gehört zu meiner „Strategie“. Man könnte es auch als Fingerübung bezeichnen. Ich kriege die Gelegenheit, nach Vorgaben zu schreiben (Thema, Länge, Genre, Sprache, Abgabetermin) und bekomme im günstigsten Fall Feedback* für das, was ich geschrieben habe.

Regelmäßig passiert es mir dabei, dass ich mit einer bestimmten Idee an die Geschichte herangehe – und dann stellt es sich plötzlich heraus, dass meine Charaktere etwas ganz anderes im Sinn haben als das, was für sie geplant war. Bei Kurzgeschichten geschieht mir das häufiger, weil ich weniger Zeit mit ihnen verbringe – maximal eine Woche, oft nur wenige Stunden. Besonders freut mich, wenn sie nicht einfach demütig das Schicksal annehmen, das mein grausames Autorenhirn sich für sie überlegt hat. Nein, sie stehen einfach auf und tun das, was sie wollen. Und wenn ich klug bin, schaue ich ihnen dabei zu. Das sind am Ende die schönsten Geschichten.

 

* In seltenen Fällen gibt es auch materielles Feedback – das erste Geld, was ich mit einer Geschichte verdient habe, waren zwanzig kanadische Dollar, und wenn ich den Scheck eingelöst hätte, hätte ich noch draufzahlen müssen. Also steht er gerahmt in meinem Büro.