Eine kleine Überraschung zu den Feiertagen

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Hatte ich euch eigentlich schon von Lilja erzählt? Nein? Dachte ich mir doch. Ich bin manchmal etwas vergesslich. Lilja ist siebzehn und lässt sich nicht viel gefallen. Als sie allerdings von einem geheimnisvollen Fremden in eine andere Welt entführt wird, steckt sie schnell Hals über Kopf in Schwierigkeiten. Vor allem, als sie ihre Zwillingsschwester trifft, von der sie noch gar nichts wusste.

Für die Details müsst ihr euch noch ein paar Tage gedulden, denn das Manuskript liegt gerade in den letzten Zügen, und das Cover habe ich auch noch nicht fertig. Manchmal geht das hier alles so holterdipolter, dass ich fast vergesse, euch die Nase lang zu machen.

Und was treibt ihr so in der besinnlichen Vorweihnachtszeit?

Von Anfang bis Ende – Plotten

Es gibt ja, falls man sich für den Aufbau einer Geschichte interessiert, unheimlich viele Möglichkeiten und Pläne und Werkzeuge zum Plotten. Der Plot, das ist – in Kürze und ganz sachlich – die Auflistung der Dinge, die in der Geschichte passieren. Wenn man den hat, kann man einfacher drauflos schreiben. Natürlich gibt es auch Leute, die lieber erst einmal schreiben und dann schauen, was passiert … aber ich für meinen Teil finde einen Plot unglaublich hilfreich, damit ich nicht zu sehr ins Schwafeln komme. Und das beste: Außer mir kennt den Plot niemand, ich kann ihn also jederzeit ändern, wenn mir etwas besseres einfällt!

Manche Leute orientieren sich am Drei-Akt-Modell. Andere planen ihre Geschichte in Aktionen und Reaktionen oder anhand der „Heldenreise“. Das sind alles Dinge, die es sich zu recherchieren und zu analysieren lohnt, aber ich habe für mich persönlich ein etwas anderes Plot-Verfahren:

Als erstes packe ich mir einen ordentlichen Stapel Karteikarten, einen Kugelschreiber und mehrere Buntstifte.

Dann schreibe ich in Stichworten alle Szenen auf, die ich zu dieser Geschichte unbedingt schreiben will. Manchmal ist das nur ein Satz, manchmal auch schon eine richtig ausgefeilte Szene. Jede Szene kriegt ihre eigene Karteikarte.

Anschließend markiere ich mit den Buntstiften, welche Charaktere, die für die Geschichte wichtig sind, in dieser Szene vorkommen.

Am Ende habe ich idealerweise irgendwas zwischen zwanzig und siebzig Szene-Ideen, wild durcheinander. Dieser Prozess kann sich über mehrere Tage hinziehen, schließlich muss das Chaos in meinem Kopf noch ein wenig köcheln.

Und wenn mir nichts mehr einfällt, überlege ich mir folgendes:

  1. In welcher Reihenfolge passieren diese Szenen?
  2. Was muss zwischen den einzelnen Szenen passieren, damit sich eine „runde“ Geschichte ergibt?

Aus diesen beiden Überlegungen entsteht nach einigem Hin und her ein „Legemuster“, in dem ich Sachen so lange hinzufüge, wegnehme und verschiebe, bis mir die Geschichte logisch vorkommt. Dazu gehört auch ein Überblick, ob einige Charaktere vielleicht für längere Strecken verschwinden oder gehäuft nur in einem Teil der Geschichte vorkommen. Am Ende nummeriere ich die Karten, und schon habe ich einen Plot. ^^

Bio-Logische Betrachtung zum frühen Vogel

Oder: Warum steht ihr morgens auf?

Eine Kollegin steht morgens früh auf, um sich hübsch zu machen. Sagt sie selbst. Die Idee, dass sie ihre Frisur und ihr Make-Up und das ganze Gedöns auf die Reihe kriegt, lässt sie mehr oder minder frühlich aus dem Bett hüpfen. (Ich bin nicht dabie, das „fröhlich“ unterstelle ich ihr also nur.) Und wenn sie doch mal spät dran ist, verzichtet sie eher auf das mitgebrachte Mittagessen als auf ihren perfekten Auftritt.

Mein Lieblingsmann hingegen steht erst auf, wenn er unbedingt muss. An einem freien Tag und wenn die Katzen (oder die Nachbarn) nicht nerven, bleibt er also auch ruhig liegen, bis Zeit zum Kaffee ist. Dafür ist er Abends superfit, wenn ich nur noch leise seufzend auf dem Sofa liege und an die Wand starre.

Ich mag es eigentlich auch, im Bett liegen zu bleiben. Nicht zum Schlafen, aber da ist es schön kuschelig und warm und ich kann mir selbst beim Denken zuhören oder ein gutes Buch lesen. Wenn allerdings morgens mein Wecker klingelt, rolle ich mich meistens bereitwillig über die Bettkante, denn: Ich kann schreiben. Und je früher ich aufstehe, desto mehr Zeit habe ich zum Schreiben.

Diese morgendliche Schreibphase will übrigens auch möglichst in die Länge gezogen werden. Kann durchaus passieren, dass ich um viertel nach acht noch im Pyjama auf dem Sofa sitze, das kaputte Notebook auf dem Schoß, wenn ich um neun Uhr als verantwortungsbewusster, respekteinflößender Erwachsener im Büro sein muss. Erwachsensein ist irgendwie nicht mein Ding.

Es gibt eine zweite Schreibphase pro Tag, Abends, wenn alles andere erledigt ist, aber die erinnert mehr an Arbeit als das Loslegen am Morgen. Woraus wir schließen können: Der frühe Vogel tickt nicht richtig.

All work and no play …

… lässt den Schriftsteller letztendlich zur Axt greifen, das war schon in „The Shining“ so.

Darum gab es gerade auch ein faules Wochenende. Und mit „faul“ meine ich, wir haben nur das Notwendigste getan. Also eingekauft, Balkon aufgeräumt und ausgiebig die Liegestühle getestet.

Letzte Woche habe ich übrigens die zweite, überarbeitete Auflage von Der Hirschkönig in die Läden gebracht. Alles nur für euch.

Außerdem könnt ihr alle meine eBooks jetzt auch auf dem Tolino lesen, käuflich zu erwerben über einen Laden eurer Wahl, soweit sie von Tolino Media beliefert werden. Sagt es allen weiter!

Faul war ich also nicht, auch wenn es ansonsten wenig zu lesen gab. Heute Abend, wenn der Tageswahnsinn geschafft ist, mache ich mich dann auch brav an die erste Korrekturrunde von „Waldgeflüster“, damit ihr bald euren nächsten Schatz in Händen haltet!

Der Traum vom Traum

Am Ende von Ramadan hatten wir sechs Tage frei.

Viele meiner Kollegen sind temporär ins Freibad gezogen oder in die Sauna.

Ich habe mich ins Wohnzimmer gesetzt, bei zugezogenen Vorhängen, und mich an die Arbeit gemacht. Einen Roman geplant, einen anderen weitergeschrieben. Charaktere ausgebaut, Perspektiven geplant, eine Figurenaufstellung vorbereitet. Handwerkliche Schreibübungen für einen Kurs angefertigt.

Als Schriftsteller kann man offenbar gut ganze und viele Tage damit verbringen, keine anderen Menschen zu treffen, nicht rauszugehen und auch keine Sonne abzubekommen.

Und ich habe es sehr genossen. Könnte ich glatt für länger machen. Zu dumm, dass ich noch einen Bürojob brauche, um meinen Kaffeekonsum zu finanzieren. Bleibt nur zu hoffen, dass ich bald reich und berühmt werde, um das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden.

(Außerdem hab ich mir letzte Woche den Knöchel verstaut, war auf dem Rheinauenflohmarkt und in der Cocktailbar, aber das tut gerade nichts zur Sache.)

Trommelwirbel!

Nein, keine Sorge, weder Helena noch Falk sind vergessen. Im Gegenteil, ich foltere sie gerade nach Leibeskräften – natürlich nur im übertragenen Sinne. (Oder? ODER???)

In der Zwischenzeit möchte ich euch aber jemand neues vorstellen – TADAA!!!

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Das ist Bob. Bob ist ein Tentakelwesen aus einer anderen Dimension. Und Stand-Up-Comedian.

Die gute deutsche Arbeitsmoral

Gestern erzählte meine Vorgesetzte, man könne in den „Groß“-Raumbüros (haha, wir sitzen zu viert auf zwölf Quadratmetern) immer direkt erkennen, ob da Deutsche arbeiten oder nicht. Deutsche seien nämlich immer still und konzentriert bei der Arbeit, während die arabischen Mitarbeiter (ihre Worte, nicht meine!) die ganze Zeit quatschen würden.

Ich kann jetzt nicht bestätigen, dass wir den ganzen Tag mit grimmigem Gesichtsausdruck auf der Arbeit schaffen, aber das ist schon eine gute Ausrede Erklärung dafür, warum es hier wieder so still war – ich habe mich unter Projekten begraben. Wollt ihr mal wissen, was gerade in meinem Kopf vorgeht? Okay, das kann ich keinem zumuten, aber meine Projekte vorstellen will ich natürlich trotzdem:

  1. Ich habe mit „Waldgeflüster“ angefangen, dem vierten Band der „Magie hinter den sieben Bergen“-Reihe. Der Plot ist, bis auf wenige Ecken, ausgearbeitet, die Vorbereitungen für das Cover-Foto sind schon in vollem Gange (das habe ich „outgesourced“) und die ersten tausend Wörter sind auch schon geschrieben.
  2. Vorher korrigiere ich noch schnell die englische Fassung von „Spiegelsee“ (mit dem umwerfend originellen Titel „Mirror Lake“), nachdem ich eine Muttersprachlerin habe drüberschauen lassen. Alle Fehler, die in dem fertigen Produkt sind, sind natürlich meine.
  3. Außerdem sichte ich gerade meine gesammelten Kurzgeschichten und versuche zu entscheiden, ob da genügend gutes Material für eine Kurzgeschichtensammlung bei ist. Also, wenn man das alles mal gründlich poliert und so.
  4. Seit unserem Amsterdam-Besuch letzten Mai trage ich eine Horror-Geschichte mit mir herum, die ebenfalls durchaus ein ganzes Buch füllen könnte. Wenn ich sie denn mal schriebe. Zur Recherche muss ich allerdings nochmal nach Amsterdam, vor allem ins Reichsmuseum.
  5. Auf meinem Schreibtisch liegt ein Notizbuch mit dem Anfang eines Erwachsenen-Märchens, das ich unglaublich gerne beenden möchte.
  6. Meine Vorsätze für dieses Jahr beinhalten, jeden Monat mindestens eine Kurzgeschichte für eine Ausschreibung oder einen Wettbewerb einzureichen. Für Februar hab ich da übrigens noch nichts…
  7. Und zu guter Letzt hatte ich eine hervorragende Idee für ein Theaterstück über fanatische Clowns. Ist nur blöd, dass ich noch nie ein Theaterstück geschrieben habe.
  8. Ihr dachtet, „zu guter Letzt“ kennzeichnet das Ende einer Liste? Dann habt ihr euch noch nicht vor Augen geführt, dass ein Indie-Autor (von „independent“) sich ja auch noch mit dem ganzen organisatorischen Quatsch und Werbung herumschlagen muss. Also habe ich letztes Wochenende beispielsweise Flyer erstellt, die hoffentlich heute oder morgen geliefert werden und dann mit Freunden auf die Reise zu verschiedenen Buchmessen gehen. Als nächstes möchte ich Werbematerialien wie Kühlschrankmagnete, Lesezeichen und eventuell bedruckte Tassen oder ähnliches machen. Oder falsche Visitenkarten für Helena, um sie in die Bücher zu legen, die ich selbst von zuhause verschicke. Und alle, die jetzt lachen, wissen genau, wie hoffnungslos ich mit Design-Aufgaben bin. Aber nicht nur die Leber wächst mit ihren Aufgaben, zum Glück!

Bei Zeiten werde ich natürlich auch Fotos und Erfahrungsberichte teilen, aber im Moment wäre das alles etwas langweilig, um darüber zu bloggen. „Habe ein Kapitel korrigiert.“ – „Habe noch ein Kapitel korrigiert. Was habe ich mir nur dabei gedacht?“ – „Wenn man vor dem ersten Kaffee schreibt, hat man nix, was man sich über die Tastatur kippen kann.“ Ich dachte, das erspar ich euch mal.

Es fing so harmlos an…

Meistens tippe ich an meinem Schreibtisch ja. Aber manchmal habe ich auch echtes Papier, mit dem ich arbeite. Und da stellte ich neulich wieder fest, dass der Klemmspot, der schräg links hinter mir an der Fensterbank klemmt, seiner eigentlichen Aufgabe – mir ein Licht aufgehen zu lassen – nicht unbegrenzt nachkommt. Ich gebe meiner Schulter die Schuld.

Auf jeden Fall dachte ich mir zuerst: Suchst du dir halt eine Schreibtischlampe. Kann so schwer nicht sein, die meisten Leute mögen Tische und Licht, und schreiben kann eigentlich jeder. Aber Pusteblume! Jede Lampe, die nicht direkt aussieht, als sei sie dem ÜBerraschungsei entnommen, kostet beinahe soviel wie ein Kleinwagen (ohne TÜV).

Außerdem: Ich mag meinen Klemmspot. Den hat meine jüngere Schwester nämlich für mich bemalt, als ich damals von zuhause auszog, um studieren zu gehen. Das ist schon sehr, sehr lange her.

An den Tisch kann ich den Klemmspot leider auch nicht klemmen, denn mein Schreibtisch ist eigentlich ein Massiv-Eiche-Esstisch, der so stabil ist, dass man auf ihm Tango tanzen könnte. Sogar Leute wie ich. Nach hochwissenschaftlichen Messungen ist die Platte mindestens drei Frauenfinger breit. Zuviel für einen herkömmlichen Klemmspot.

Und da ging es los. „Hmm, eigentlich brauchst du doch nur etwas, wo du den festklemmen kannst…“ Sprachs und machte sich auf ins Internet, um Ideen zu sammeln. Und das ist dabei rausgekommen:

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Für einen Preis, der so absurd niedrig ist, dass man annehmen muss, es sei von sibirischen Biberkindern bei Minusgraden von Hand zurechtgenagt, fand ich dieses formschöne Regal. Es ist nicht besonders tief, das wurde von anderen Käufern als Minuspunkt bemängelt, und soll eigentlich an die Wand geschraubt werden. Aber es steht, wie ihr sehen könnt, ganz hervorragend. Jetzt beherbergt es nicht nur den berühmten Klemmspot, sondern auch die von mir geschriebenen Bücher, meine Fachbücher zum Thema „Schreiben“ und was man sonst noch so braucht. Also Nippes, Kleinkram, Taschentücher, Gummibärchen und Motivation. Und auch noch das hier:

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Der ist aber nur für besondere Gelegenheiten. ^^

Etwas ernstes zum Jahresende – Raubkopien

Heute morgen las ich bei einer Facebook-Bekanntschaft, sie habe jemandem ein digitales Rezensionsexemplar ihres aktuellen Buches zukommen lassen – und diese Person hat die Datei prompt im Netz zum kostenlosen Download angeboten. Natürlich ist besagte Bekannte wütend und enttäuscht.

Vorab: Ich mache kein DRM („Digital Rights Management“, ein handelsüblicher Kopierschutz) an meine Bücher. Nicht, weil ich partout etwas zu verschenken hätte, sondern weil

* Leute, die einen Kopierschutz umgehen wollen, das auch ohne großes technisches Wissen tun können und

* ein DRM häufig zu Problemen bei der Nutzung führt, wenn man beispielsweise auf ein anderes System oder ein neueres Gerät umsteigt.

Das gesetzlich verbriefte Recht auf Privatkopie stört mich nicht, und darunter fallen auch (nur um das einmal deutlich zu sagen) Kopien für Familienmitglieder und Freunde. Ich hoffe in erster Linie, dass Leute meine Geschichten lesen, sie ihnen gefallen und genau diese Leute dann zukünftig weitere Bücher von mir kaufen oder mich ihren Freunden weiterempfehlen.

Aber bei dieser Gelegenheit möchte ich einmal einige der Argumente beleuchten, die Leute bringen, wenn sie in großem Stil Bücher aus illegalen Quellen herunterladen:

  1. Ich habe kein Geld, um mir alle Bücher zu kaufen, die ich lesen möchte.“

Das ist in der Tat ein Problem – und zwar eines, das ich nur zu gut kenne. Bestimmt achtzig Prozent meines Taschengeldes sind zu jedem beliebigen Zeitpunkt in Bücher investiert worden, und es gab immer Dutzende Titel, die ich mir nur zu gerne geleistet hätte. Als ich jung war (ahem), gab es natürlich noch keine eBooks. Was habe ich also gemacht? Bei Freunden geliehen – siehe „Recht auf Privatkopie“ – und Büchereien besucht. Viele Büchereien, habe ich gehört, bieten auch eBook-Lizenzen an, und das Ausleihen ist vergleichsweise günstig und technisch einfach.

Abgesehen davon gilt allerdings: Vor allem Self-Publisher (so wie ich) bieten ihre Bücher vergleichsweise günstig an. Oftmals schon für unter einen Euro. Ein großer Teil der Werke ist für unter fünf Euro zu haben – die Raucher unter euch können das bestimmt in Packungen umrechnen, um einen Vergleich zu haben. (Alternativ bietet sich die Umrechnung in Coffee to go, Schokolade oder Stripclubbesuche an.)

  1. „So ein Autor ist doch reich, der braucht das Geld gar nicht.“

Reich? Ha! Ich besitze genau drei Paar bürotauglicher Schuhe und zwei Handtaschen, von denen eine gerade den Geist aufgibt. Im vergangenen Jahr habe ich mit meinen Büchern einen Umsatz im dreistelligen Bereich gemacht – in etwa genug, um einen No-Name-Laptop zu kaufen (was dringend nötig wäre, denn an meinem fehlt die T-Taste, der Akku ist hinüber und das Touchpad funktioniert nur noch mit Hilfe magischer Beschwörungsformeln). Da sind noch nicht die Steuern abgerechnet, und ich habe auch einen nicht unwesentlichen Teil für Recherchematerial ausgegeben. Dachtet ihr, ich hab all die schlauen Dinge im Kopf? Tja, sorry, leider nicht.

Um es einmal ganz deutlich zu sagen: Die wenigsten Autoren können von ihren Geschichten leben. Und ich rede hier nicht einmal von „gutem“ Leben. Nein, in diesem Fall gilt als „Leben“, wenn man Miete und Essen zahlen kann und sich vielleicht noch die Krankenversicherung leisten. Altersvorsorge ist schon optional. Wenn ich nicht meinen heiß-hassgeliebten Bürojob hätte, säh es ziemlich düster aus für meine Geschichten, denn auch Kaffee kostet, und ohne Kaffee läuft hier gar nix. Versprochen, sobald ich reich und berühmt bin, werde ich mein karitativ-literarisches Engagement verstärken.

  1. „Wieso sollte ich für so einen Blödsinn zahlen?“

Wieso willst du so einen Blödsinn herunterladen? (Jaaaa, ich kenne einige Exemplare, denen es nur darum geht, möglichst große Datensammlungen zu besitzen. Ginge es um Katzen statt um eBooks, würden Freunde und Nachbarn wahrscheinlich intervenieren. Aber eBooks sind pflegeleicht und geruchsarm. Sie kratzen auch nicht an der Tür.)

  1. „eBooks zu kopieren ist ein Kavaliersdelikt.“

Also nur „ein bisschen falsch“? Das ist wie „ein bisschen schwanger“ – so etwas gibt es nicht. Natürlich halte ich es für komplett blödsinnig, sogenannten „Raubkopierern“ mit härteren Strafen zu drohen, als Steuersünder und Vergewaltiger aufgebrummt bekommen. Aber wenn ihr nicht wollt, dass ich euch im Vorbeigehen in den Arm kneife (das ist „weniger falsch“ als boxen, nicht wahr?), solltet ihr diese Einstellung noch einmal überdenken.

  1. „Ich guck erst einmal rein, und wenn es mir gefällt, kann ich es immer noch kaufen.“

Klingt erst einmal valide, aber auch das geht bei den meisten Anbietern auf legalem Weg. Ich hab schon eBooks, die sich als Fehlkauf herausstellten, bei Amazon ohne Probleme zurückgegeben und mein Geld innerhalb kürzester Zeit zurückbekommen. Über andere Plattformen kann ich als Kindle-Jüngerin natürlich nichts sagen, aber ich gehe hart davon aus, dass es meistens ähnlich aussieht. Und falls nicht – ein Grund mehr, ein Kindle zu kaufen. Da könnt ihr nämlich meine Bücher lesen, und die Textdarstellung ist auf dem Kindel von allen eBook-Readern, die ich bislang in der Hand hatte, immer noch die beste.

Es gibt übrigens Bücher, die ich auch nicht kaufe. Etwa „Allahs Töchter“ von Nedim Gürsel. Warum? Weil das eBook stolze 21,99€ kostet (gerade eben noch einmal geschaut – bei der Gelegenheit habe ich auch festgestellt, dass die gebundene Ausgabe inzwischen nur noch 11,73€ kostet, dann landet eben die auf meinem Wunschzettel). Das ist ein komplett lächerlicher Preis für ein eBook – schließlich fallen da keine weiteren Lagerungs-, Versand- oder Materialkosten an, wenn man die Datei einmal hochgeladen hat, und Text, Cover und Layout hat man sowieso für die Printausgabe schon gemacht. Was habe ich also gemacht? Es illegal heruntergeladen? Nein, ich habe es ganz einfach noch nicht gelesen. Auch wenn es mich wirklich juckt. „Mit den Füßen abstimmen“ nenne ich das – oder eher „mit dem Portemonnaie abstimmen“. Bei einem einzelnen Käufer wird das den Anbieter wohl nicht beeindrucken, aber wenn viele Leute auf diese Weise reagieren, merken die Anbieter das vielleicht auch.

Und jetzt zum Schluss noch ein paar gute Gründe, meine eBooks zu kaufen:

* Wir Indie-Autoren gucken geradezu hypnotisch auf unsere Download-Zahlen. Jeder einzelne Kauf macht uns überglücklich – das ist gut für’s Karma!

* In jedes Buch stecke ich etwa ein halbes Jahr Arbeit. Ich schreibe gerne, so wie die meisten Autoren, die ich kenne (sonst würde man sich den Blödsinn bei der Bezahlung ja gar nicht antun), aber wenn ich mir das dauerhaft leisten will, darf es kein Verlustgeschäft sein. Die Einnahmen aus den Verkäufen stecke ich momentan noch zu mindestens hundert Prozent in Belegexemplare (bei den Taschenbüchern), die ich als Rezensionsexemplare verschenke, in Recherchematerial und natürlich Kaffee (s.o.).

* Wenn ich erst reich und berühmt bin, passieren garantiert ganz grandiose überraschende Dinge! Weltherrschaft? Pah, ich geb mich doch nicht mit Kleinigkeiten zufrieden!

* Es erhöht eure Chancen, irgendwann mal professionelle Cover auf meinen Geschichten zu sehen. Mediengestalter wollen auch leben, professionelle Arbeit ist teuer und es tut mir wirklich immer ein wenig leid, euch mein mangelndes gestalterisches Talent zu demonstrieren. Aber: Selbst ist die Frau!

In diesem Sinne – genug gejammert für ein Jahr. Ich geh jetzt den Mann wecken, und das restliche Jahr über wird gefeiert! Falls ihr übrigens unbedingt meine Bücher lesen wollt und sie euch partout nicht leisten könnt, meldet euch doch einfach. Ich bin sicher, wir finden eine Lösung. ^^

Leben mit Kritik

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Ab und zu passiert es – jemand liest meine Geschichten und mag sie nicht. Als guter Autor mit vergleichsweise überschaubarer Leserschaft passiert es natürlich gelegentlich (ungefähr einmal pro Woche *ahem*), dass ich schaue, ob es neue Rezensionen gibt. Und wenn dann eine Rezension mit weniger als vier Sternen eintrudelt, bin ich natürlich gleichermaßen untröstlich und empört.

Die jüngste Rezension für „Allerseelenkinder“ ist also erst einige wenige Tage alt, zwei Sterne schwach und vergleicht die Geschichte mit „Harry Potter“. Ich bin verwirrt. Es gibt weder Muggles noch eine Zauberschule. Was also tun?

Einige Indie-Autoren machen den Fehler und empören sich in den Kommentaren zur Rezension. Sie beschimpfen den Rezensenten und erklären im Detail, warum die Rezension Mist ist. So etwas ist natürlich verlockend, aber weder professionell noch hilfreich.

Betrachten wir es einmal anders – jemand nimmt sich tatsächlich die Zeit, das Buch nicht nur zu lesen, sondern auch zu bewerten. Das ist schonmal viel wert. Und Geschmäcker sind eben verschieden. Beispielsweise kann ich mit „Harry Potter“ rein gar nichts anfangen (nicht hauen!). Die Bücher hätten von mir, so ich über die ersten zwanzig Seiten des ersten Bandes hinausgekommen wäre, wahrscheinlich auch keine besonders gute Bewertung bekommen, und jetzt schaut mal, wer von euch gerade die Augen rollt ob meines mangelnden Leseverstandes. ^^

Also, was mache ich jetzt? Nichts. Oder, nicht direkt nichts. Stattdessen hol ich mir mal einen Kaffee und mach mich an die Arbeit. Der dritte Band ist nämlich erst zu 100 Seiten (20.000 Wörter) fertig…