
„Echt? Du hast den Geschirrspüler eingeräumt und angestellt?? WAS STIMMT MIT DIR NICHT???“
Mit dieser morgendlichen Begrüßung hat der Mann garantiert nicht gerechnet. Aber treten wir einen Schritt zurück.
Eigentlich müsste jeder Tag 28 Stunden haben. Deswegen entstopfe ich den Abfluss in der Küche, der „sich zusetzen“ als Hobby hat (16 Jahre alte Plastikrohre halten offenbar auch nicht ewig, diese Enttäuschung!), seit Wochen … was sage ich, seit Monaten! … immer so halbherzig mit dem Pömpel. Dann läuft das Wasser ab. Dann läuft es langsamer ab, und dann steht es wieder, bis ich mit dem Pömpel ankomme.
Weder die üblichen Hausmittel noch der von Stiftung Warentest hochgelobte gelförmige Rohrreiniger eines bekannten Discounters haben geholfen. Und das Pömpeln macht auch nicht so richtig Spaß. Aber meine Tage sind voll, die Energie ist begrenzt und meist läuft es ja. Irgendwie. Wenigstens ein bisschen.
Hat der Tag nicht genügend Stunden, hilft nur eins: Früher aufstehen. Fiele mir eigentlich im Traum nicht ein, nur konnte ich heute morgen sowieso nicht mehr schlafen. Schon vor sechs saß ich senkrecht im Bett. (Gut, das ist gelogen, aber ich hatte sehr wach einen flauschigen Katerhintern im Gesicht.) Und ich dachte mir: „Zweieinhalb Stunden, ehe du aus dem Haus musst – die perfekte Gelegenheit, den Abfluss auseinanderzureißen und festzustellen, was mit dem nicht stimmt.“
Hüpfe aus dem Bett, ziehe ranzige Schlonzklamotten an, binde mir die Haare zurück, betrete die Küche – und der Geschirrspüler läuft.
Der läuft um die Zeit sonst nie.
Ich stell den Abends einmal an und räume ihn morgens aus. Wenn wir viele große Teile haben, stell ich den am Morgen ein zweites Mal an und räum ihn nach der Arbeit wieder aus. Ich habe ein System. Und meist genügend sauberes Geschirr. Es ist ein gutes System.
Wo wir davon reden – das saubere Geschirr vom Abend davor stapelte sich auf der Anrichte, wo es nicht hingehört. Wir wohnen hier erst seit 13 Jahren. Ich kann nicht erwarten, dass der Mann jetzt schon weiß, wo was in der Küche steht.
Derjenige welche saß übrigens auf dem Sofa. Und guckte angemessen verwirrt, als ich ihm zur liebevollen morgendlichen Begrüßung die eingangs zitierten Sätze vorhielt. „Da stand noch soviel Geschirr – ich dachte, du freust dich!“
Er kann ja nichts dafür. Niemand, wirklich NIEMAND konnte damit rechnen, dass ich morgens dem Haushalt direkt Gewalt antun will. So blieb mir nichts anderes übrig, als mir einen Tee zu machen und ein wenig zu lesen. So schade.
Der Abfluss in der Küche muss von dem ganzen Drama übrigens irgendwie mitbekommen haben. Der lief heute morgen so gut wie schon lange nicht mehr.



