Von Büchern, die wir schon immer lesen wollten/sollten und irgendwie doch noch nicht gelesen haben

Jeder kennt sie. Bücher, die man „gelesen haben muss“. Die zum Bildungskanon gehören. Bücher, bei denen es eine Art Auszeichnung ist, wenn man sie gelesen hat.

Das sind die Bücher, bei denen einige sich darüber profilieren, wie toll und grandios sie diese Bücher doch fanden, während andere sich darüber profilieren, dass diese Bücher doch total überbewertet seien.

Und ich höre mal auf, von „diesen Büchern“ zu reden.

Denn ich habe mit „diesen Büchern“ ein Problem.

Natürlich gibt es Bücher, die so unglaublich sind, dass sie ihren Platz auf dem zeitlosen Altar literarischer Anbetung verdient haben. Meiner Meinung nach stehen viele Bücher aber nur dort, weil eine lange Tradition von Elitemitgliedern einander – und uns – immer wieder versichert, wie bedeutend „diese Bücher“ (sie hat es schon wieder gesagt!) doch seien. Uns wird also eine Vorauswahl serviert, auf die wir herzlich wenig Einfluss haben.

Eigentlich sind „diese Bücher“ der kleinste gemeinsame Nenner der sogenannten „Bildungselite“ … und mal im Ernst, was die so denken, ist nicht unbedingt repräsentativ.

Inzwischen verbringe ich sehr viel Zeit damit, die Bücher zu lesen, die mir von Leuten empfohlen werden, deren Geschmack ich vertraue. Und ob das dann „Klassiker“ sind oder aktuelle Bestseller oder kleine, auf Eichenblättern handgedruckte Mikroliteratur (und jetzt möchte ich so etwas unbedingt einmal basteln, die Götter mögen mir beistehen!), ist nebensächlich. Wenn eine*r meiner Buchspezialist*innen sagt: „Hier, dieses Buch ist toll, weil …“, schaue ich mir das Buch an. Und wenn es dann nicht ganz furchtbar aussieht, lese ich es auch. Oder versuche es wenigstens.

Das bedeutet natürlich, dass ich auf den ganzen elitären Cocktailparties der gehobenen Klasse nie meine pointierte Meinung über „Krieg und Frieden“ kundtun kann.

Aber ich habe viel mehr Spaß beim Lesen. Und darauf kommt es letztendlich an, nicht wahr?

Tagesrituale

Berggipfel bis zum Horizont, Sonnenaufgang, im Vordergrund steht eine Person mit dem Rücken zum Fotograf in der Yoga-Pose "Baum" auf einem Gipel.
Bild von Eneko Uruñuela, gefunden auf Unsplash

Zu einem guten Leben gehört ein guter Alltag mit guten Gewohnheiten – sozusagen Ritualen. Und da ich mich bemühe, gut zu leben, neige ich dazu, mich mit alle den Dingen zu stressen, die man eigentlich für ein gutes Leben tun sollte: Genug schlafen, Wasser trinken, Sport treiben, entspannen, Selbstgekochtes essen, sich kreativ betätigen, … – und weil ich zur Übertreibung neige, arten diese Dinge immer wieder in Stress aus. Dabei ist es eigentlich ganz leicht: Ein gutes Leben ist es, wenn man einen weg findet, so zu leben, dass man sich körperlich und geistig gut fühlt.

Für mich gehört dazu, ausreichend zu schlafen. Meine Zu-Bett-geh-Zeit verteidige ich wie ein mittelfauler Löwe. Und es wirkt – wenn ich sie während der Woche einhalte, muss ich am Wochenende nicht „nachschlafen“ und habe mehr Zeit, die Dinge zu tun, die ich tun möchte. Für mich sind sieben bis acht Stunden ideal. Das heißt natürlich, dass ich an Wochentagen wenig außer der Reihe mache. Schließlich wollen Büro, Haushalt, Schreiben und eben Schlaf miteinander koordiniert werden. Da ist nicht viel Zeit für andere Hobbies, und wenn doch …

… kommen wir direkt zum nächsten Punkt: Sport. Fürs Laufen ist es momentan draußen meistens zu „bäh!“, und jetzt im Ernst: In der Siedlung macht es auch wirklich nur halb soviel Spaß. Trotzdem bemühe ich mich, jeden Tag ein wenig was für meinen Körper zu tun. Beispielsweise (ihr dürft lachen) probiere ich im Moment Yoga aus. Pilates war ja schon nicht mein Ding, und das hier ist fast das gleiche, nur mit Atmen. Aber es gibt Apps. Wenigstens muss ich also mit niemandem reden. Ansonsten gehe ich spazieren oder – jetzt, wo es wieder heller wird – auch laufen.

Und wenn das nicht hilft, meine Laune auszugleichen, bleibt immer noch Meditation. Die Zeit nehme ich mir seltener, als ich sollte, aber ich weiß: Wenn ich in Zeiten meditiere, in denen ich es nicht brauche, fällt es mir in Zeiten, in denen ich es brauche, leichter.

Weiter reicht mein persönlicher Ehrgeiz im Moment nicht. Wenn der Frühling kommt und wir mehr Sonnenlicht haben, lege ich mir vielleicht noch das eine oder andere wertvolle Hobby zu, aber für den Moment wird das reichen. Soll ja auch alles nicht in Stress ausarten, das wäre kein gutes Leben.

Schon ärgerlich …

… wenn man erst am Ende des Arbeitstags (und ja, manchmal ist auch der Sonntag ein Arbeitstag) merkt, dass man sich eine Menge Ärger hätte sparen können – wenn man am Anfnag nur einmal genau hingeschaut hätte. Leider habe ich das nicht, und so habe ich das heutige Kapitel für meine Hörbuch-Patrons mit den verkehrten Mikrofon-Einstellungen aufgenommen. Hoffen wir mal, dass ich aus meinen Fehlern lerne.

Es ist schon ziemlich frustrierend, so komplett neu auf einem Gebiet zu sein. Und es hilft mir nicht besonders, zu wissen, dass es anderen Anfängern genau so geht. Ich erwarte immer, dass Dinge für mich einfach sein sollten. Schließlich bin ich doch klug! Dabei ist mir natürlich klar, dass Klugheit nicht bedeutet, dass einem alles über Nacht ins Gehirn fliegt. Aber enttäuschend ist es schon.

Na ja, vielleicht lerne ich ja draus und mache es nächste Woche besser. ^^

Das Gesicht hinter den Büchern

Wie ihr wisst, sind Autor_innen meistens eher schüchtern. Wir wollen, dass ihr unsere Geschichten lest, uns mit Lob und Schokolade überhäuft, uns vielleicht mal einen Kaffee schickt und uns sonst nie direkt ansprecht. Das Risiko, wenn man sich einer Autorin überraschend nähert, besteht durchaus, dass sie einfach in Schockstarre fällt und den restlichen Tag nur noch Unsinn von sich gibt.

Da kann man nicht viel gegen tun. Aber ab und zu muss man doch hinaus. Für Lesungen, für Buchmessen – also, irgendwann, offensichtlich nicht dieses Jahr – und die Entgegennahme diverser Preise. Und weil ich finde, dass das durchaus mehr geübt werden dürfte, überlege ich gerade, mich gelegentlich experimentell vor die Kamera zu setzen und für euch zu lesen. Das Ganze muss dann noch verhübscht und semiprofessionalisiert werden, und vielleicht macht mir das so wenig Spaß, dass ich das alles in einem halben Jahr wieder einstampfe, aber haltet mal die Augen offen … vielleicht gibt es demnächst videolastige Neuigkeiten. Als sei wenigstens diese Autorin im zwanzigsten Jahrhundert angekommen. ^^

Symbole in Geschichten

Geometrisches Muster in Flieder, Lachs und Dunkelrot, in der Mitte eine Türkise Fläche mit einer Neonleuchtschrift: "This must be the place".
Foto von Tim Mossholder, gefunden auf Unsplash

Wenn man überlegt, wie man seinen Geschichten gut Tiefe verleihen könne, stößt man in Ratgebern oder auch im Internet schnell auf einen bestimmten Tipp: Verwende Symbole.

Symbole sind Dinge, die etwas Bestimmtes anderes bedeuten. Schrift besteht aus Symbolen. Das Kreuz im Christentum (oder dieser eine Fisch) sind Symbole. Das Hakenkreuz ist ein Symbol.

Beim Schreiben sollte man vielleicht ein wenig subtiler vorgehen – keine Fische oder Halbmonde auf die Seiten drucken! (Wobei, warum eigentlich nicht … ? Na gut, Buchgestaltung ist ein anderes Thema.) Aber natürlich kann man in seine Geschichten bestimmte Symbole einbauen, die sich dem Leser beim genauen Hinlesen erschließen und der Geschichte zusätzliche Dimensionen verleihen.

Ich erinnere mich noch an meine Schulzeit (damals war alles schwarzweiß!), als wir im Englisch-Unterricht Kurzgeschichten schreiben sollten. Unser Lehrer hatte gewisse literarische Ideen und Ambitionen für uns, wir lasen und besprachen diverse Geschichten und analysierten sie auch, so gut Oberstufenschüler*innen das eben können. Und eine Freundin war sehr überfordert mit der Aufgabe, ihre eigene Geschichte zu schreiben – bis ihr im Unterricht gratuliert wurde dafür, wie schön sie den weißen Schnee als Symbol für Unschuld eingebaut habe. „Wow, ich hatte sogar ein Symbol!“

Jetzt ist es so, dass man als Autor*in eine gewisse Kontrolle über die eigenen Geschichten haben sollte. Man fällt idealerweise nicht zufällig von einem Handwerkstopf in den nächsten. Stattdessen überlegt man sich genau, was man wie sagen will, ob man etwas hier oder lieber erst da andeutet und wie subtil man charakterisieren kann, ohne den Leser komplett im Dunkeln tappen zu lassen.

Allerdings sollte man sich auch nicht der Angst vor der Literaturanalyse komplett ausliefern. Manchmal ist eine blaue Tür nur eine blaue Tür. Manchmal ist die Tür blau, weil das böse Hexen abhalten soll.

Und da kommen wir zu einem weiteren interessanten Punkt: Viele Symbole speisen sich aus der Kultur, in der wir aufgewachsen sind. Ist weiß die Farbe der Unschuld oder des Todes? Ist die Sonne gütig oder vernichtend? Geht von Wasser eine Bedrohung aus oder rettet es Leben? Sind Füchse schlau oder verschlagen? Woran erkennt man Hexen oder Dämonen?

Solcher Unsicherheiten wird man sich oft erst bewusst, wenn man Geschichten liest, die in anderen Kulturen spielen. Ist es wichtig, dass die Figuren in genau dieses Viertel in Tokio gehen? Wenn es heißt, die Hütte hat ein spitzes Dach, soll mir das etwas sagen? Einer guten Geschichte kann man oft auch folgen, ohne jedes Symbol und jede kulturelle Anspielung zu verstehen, aber der Genuss wächst mit dem Verständnis.

Wenn man eine Geschichte dann auch noch in einer phantastischen Welt spielen lässt, wird es noch ein wenig komplizierter. Denn Symbole entstehen aus der Kultur heraus, und wer sich eigene Religionen, Städte, Ständesysteme und Länder ausdenkt, kann dann natürlich nicht plötzlich Kirchtürme als Symbol für drohendes Unheil verwenden oder Weihnachtsbäume in die Häuser stellen. Für eine Seefahrergemeinde haben Möwen eine andere Bedeutung als für den Heiligen Kult der Autowäscher. Und ob eine schwarze Katze Pech bringt …

Und dann gibt es noch die Symbole, die nicht universell gelten, sondern für diese eine Geschichte oder diesen einen Charakter eine Bedeutung haben: Die Melodie des Schlaflieds, das die Großmutter immer gesungen hat, das Lieblingssandwich, das Schmuckstück der bösen Stiefmutter, ein bestimmter Edelstein, dieser unheimliche gelbe Vogel, …

Ihr seht, man kann sich viel den Kopf zerbrechen. Letztendlich sind Symbole aber nur das Sahnehäubchen. In erster Linie sollte man eine gute Geschichte schreiben.

Mein liebstes Kinderbuch

Himmel mit Abendstimmung, Violett- und Goldtöne. Davor im Scherenschnitt-Profil ein lesendes Kind, das sitzend sich an einen Buamstamm lehnt.
Foto von Aaron Burden, gefunden auf Unsplash

Da ich ja im Moment an einem Kinderbuch schreibe – das sich hartnäckig wehrt, soviel dazu – beschäftige ich mich natürlich auch als Leserin verstärkt mit Kinderbüchern. Und ich muss sagen: So richtig grandiose Werke für Frühlesende kenne ich nicht, weder aus eigener Erfahrung noch als Empfehlung von befreundeten Eltern. Eine Ausnahme bildet vielleicht noch der Grüffelo, der wirklich süß und sowohl sprachlich als auch vom Design hervorragend umgesetzt ist. Aber sonst … ?

Für fortgeschrittene Lesende, so ab vielleicht zehn oder zwölf Jahren aufwärts, gibt es schon einiges mehr. Wobei ich selbst in dem Alter schon viel „Erwachsenenbücher“ (z.B. Sherlock Holmes oder den Grafen von Monte Christo) gelesen habe, meine Buchauswahl war ziemlich willkürlich. Als Erwachsene habe ich mich dann in die Bücher von (nicht schon wieder!) Frances Hardinge verliebt, und Bücher wie „Wintersmith“ von Terry Pratchett oder „Coraline“ von Neil Gaiman bedienen ein ähnliches Publikum. Wobei ich mich da natürlich frage, ob das nicht Bücher mit jugendlichen Protagonist*innen für erwachsene Lesende sind. Hach, es ist schwierig. Gut, „Coraline“ wird, glaube ich, immer gruseliger, je älter man ist. Das Ende habe ich am hellichten Tag auf dem Balkon meiner Studentinnenbude gelesen und danach schön alle Türen und Fenster zugemacht, nur zur Sicherheit.

Übrigens hat mich schon sehr früh im Leben gestört, wenn in Kinderbüchern geredet wurde, als seien die Rezipient*innen ein wenig blöd. „Jetzt musst du noch einmal ganz gut aufpassen!“ – ein Zitat aus der Kinderbibel, das ich schon mit vier Jahren unerträglich fand. Möglicherweise ist es schwierig, Kinder weder zu über- noch zu unterschätzen. Und das, obwohl fast jede*r von uns selbst mal ein Kind war.

Habt ihr Lieblings-Kinderbücher? Oder Kinderbücher, mit denen ihr schöne Erinnerungen verbindet?

Ich will sprechen lernen

Gut, der eine oder die andere von euch lacht jetzt. „Wenn es eins gibt, das die kann, dann ist es sprechen!“

Zugegeben, aus meinem Mund quillt ein steter Strom hörbarer und meist leicht interpretierbarer Geräusche. Ich kann mich ganz gut verständigen.

Aber ist das ordentliches Hochdeutsch?

Wie kriege ich beim Sprechen die Zähne auseinander? (Und wie schaffe ich es, dabei nicht „Zeehne“ zu sagen, sondern „Zähne“?)

Und welche Mittel gibt es, einen Text hörenswert zu gestalten?

Heller Hintergrund, davor ein Prof-Mikrofon auf der rechten Bildseite.
Gefunden auf Pixabay

Um das und anderes zu lernen – ja, unter anderem für meine eigene höchstpersönliche und überaus rebellische Hörbuchproduktion – habe ich mich bei einem Kurs an der Sprecher-Akademie angemeldet. Natürlich alles angemessen online und mit Abstand. (Und ja, fast hätte ich mich reflexartig in die erste Online-Sitzung mit MNS gesetzt, ich hab halt manchmal Pech beim Denken.) Die Hälfte des Kurses ist inzwischen rum, und was kann ich sagen? Ooooh ja, ich hab Macken. Auch sprachliche. Aber inzwischen erkenne ich sie manchmal, wenn ich ihnen begegne, und im nächsten Schritt hoffe ich, dass ich sie auch abstellen kann. Zur lupenreinen Sprecher-Karriere taugt es noch lange nicht, aber wenigstens hört ihr mir demnächst dann etwas angenehmer zu. Und das ist doch auch schon was wert, oder?

Verschärfung? Ich seh hier nirgends eine Verschärfung.

Viele bläuliche Gesichtsmasken auf dunklem Hintergrund.
Foto von Markus Winkler, gefunden auf Unsplash

Habt ihrs inzwischen auch so leid?

Nicht die Pandemie. Die ist zwar lästig, aber sie ist nun einmal da. Wie das Wetter, dagegen motzt man ja auch nicht ernsthaft an.

Aber dieses Rumgeeiere der Entscheidungsträger*innen geht mir schon auf den Schleimbeutel. Schulen auf? Kitas zu? Home Office? Masken? Wie viele Tote verkraftet die Wirtschaft?

Jetzt sollen wir uns also privat mit noch weniger Menschen treffen. Und am besten nur tagsüber.

Ich kann die Zahl der Leute, mit denen ich mich seit März 2020 privat verabredet habe, an einer Hand abzählen – und hab noch einen Finger übrig. (Falls ihr euch das fragt: Nein, ich bin kein exotischer vielfingriger Mutant.) Normalerweise gehen wir dann spazieren. Wenn ich nicht gerade ins Büro gehe, weil unser Chef das so sinnvoll findet, bin ich also entweder zuhause, im Supermarkt oder im Wald. Und eigentlich finde ich diesen Bewegungsradius auch ganz gut, denn ich bin in einer vergleichsweise privilegierten Situation: Gutverdienend, introvertiert, keine Kinder, keine zu pflegenden Angehörigen. Ich kann mir den Tag mit all den Dingen vollpacken, die ich gerne allein machen möchte, und vielleicht noch ein wenig putzen.

Natürlich sorge ich mich um Freunde und Familie und vermisse so Luxusgüter wie meine Pediküre oder das ausgiebige Buchladenbestöbern (und möglicherweise auch die Fitnessstudio-Verabredungen mit der Kollegin, aber das werde ich natürlich leugnen!), aber im Großen und Ganzen bin ich immer noch gut versorgt. Nur die ganzen Katzenhaare in jeder einzelnen verflixten Gesichtsmaske gehen mir doch hart auf den Senkel.

Die Eltern, die ich kenne, hingegen sind am Rand der Belastbarkeit. Sogar die „Zwei Leute im Home Office, ein Kleinkind“-Konstellationen. Und von außen betrachtend muss ich sagen: Das sieht wirklich hart aus. Hut ab! Die mit mehreren Kindern und „eLearning“ (was für ein famoser Witz!) sind noch einmal ganz anders gearscht, wenn ich das richtig beurteile.

Und es soll ja sogar Leute geben, die sich gerne mit anderen treffen, die das für ihr seelisches Wohlbefinden vielleicht sogar brauchen. Was machen wir mit denen? Nicht viel, wenn ich das richtig sehe. Zoom und Skype sind kein ordentlicher Ersatz für ein gepflegtes Sozialleben. Wer vorher sechs bis acht Freizeittermine pro Woche hatte, fühlt sich jetzt so allein in seiner Wohnung möglicherweise ein wenig hart isoliert.

Dann wären da die ganzen Winz-, Klein- und mittelständigen Betriebe, die seit Monaten geschlossen bleiben müssen, und die Freiberufler, deren Einkommen davon abhängt, dass andere Läden offen und/oder ihre Kunden Geld übrig haben.

Nicht, dass ich gegen diese Maßnahmen wäre – wir müssen dringend etwas tun, um die Infektionsrate zu senken, ehe wir von den aufregenden neuen Mutationen überrannt werden. Aber dieses Rumgeeiere, wie wichtig es doch sei, die Wirtschaft mit moderat riskantem Verhalten am Laufen zu halten, während es im Privaten Einschränkungen auf Einschränkungen gibt, ist … tja, kurz gedacht. Wer soll denn die ganzen aufregenden Wirtschaftsgüter kaufen, wenn das Privatleben erst einmal so richtig abgewürgt ist und alle mit ihren eigenen Problemen alleingelassen sind? Und mal im Ernst, was ich beispielsweise über die Wunder der Kurzarbeit im letzten Frühjahr gehört habe … tja, wer hat, der windet sich aus den gutgemeinten Regelungen wohl irgendwie wieder raus.

Oy, ich rante schon wieder. Sorry. Demnächst gibt es wieder sinnstiftenden Mehrwert. Aber das musste jetzt mal eben raus. Bleibt gesund, passt auf euch und eure Mitmenschen auf und denkt daran: Auch das geht vorbei.

Das beste Haushaltsgerät aller Zeiten, nach objektiven Kriterien

Was, habe ich mich neulich gefragt, ist wohl das beste Haushaltsgerät, das wir besitzen? Welches Gerät bringt für den geringsten Preis den größten Nutzen und macht dabei am wenigsten Ärger?

Leichte Frage.

Lacht mich ruhig aus, aber der Gewinner dieser Nützlichkeits-Olympiade ist: DER EIERSCHNEIDER.

Denn der Name ist irreführend. Mit diesem kleinen, handlichen Ding, das man für weniger als zehn Euro auch in guter Ausführung (kauft einen aus Metall, keinen aus Plastik!) bekommen kann und das nicht einmal in der Besteckschublade viel Platz wegnimmt, kann so viel mehr als nur Eier schneiden.

Beispielsweise schneide ich damit auch rohe Champignons. Perfekte Scheiben, jedesmal.

Oder gekochte Kartoffeln für Salate oder Bratkartoffeln. Geht schnell und schmiert nicht. Solange das zu schneidende Teil einigermaßen weich ist, und keine nennenswerte Haut hat, ist alles prima.

Am Wochenende habe ich in wenigen Sekunden eine ganze Packung Mini-Cabanossi in praktische Münzform geschnitten.

Sogar stifteln kann man diese Sachen damit – einfach einmal schneiden, um neunzig Grad wenden und noch einmal schneiden. Für unseren feingemanschten Hüttenkäse-Eier-Salat ist das unverzichtbar.

Ja, werdet ihr euch jetzt denken, das ist vielleicht gar nicht mal schlecht, aber … ist das schon alles? Man kann ja nicht die ganze Welt in Scheiben schneiden.

Darauf antworte ich: Erstens steht das noch gar nicht fest und zweitens – das lustige Eierschneider-PLÖNKPLOING-Geräusch lockt jedesmal einen freudestrahlenden Mann in die Küche, der verzückt meinen haushaltsmusikalischen Darbietungen lauscht und sich dabei fast wegömmelt. Das heißt, ich habe anschließend nicht nur perfekte Champignonscheiben, sondern auch einen zufriedenen Mann.

Und das alles für weniger als zehn Euro.

Da kann man nicht meckern.

Schreiben über die Zukunft – im Hier und Jetzt

Foto von Lucas Santos, gefunden auf Unsplash

Wer von euch hat die Bücher von Jules Verne gelesen? Oder von mir aus auch die entsprechenden Filme gesehen?

Als diese Geschichten geschrieben wurden, handelten viele von ihnen von möglichen Zukünften. Zukunften? Auf jeden Fall von dem, was Jules Verne sich vorstellte, was passieren könne. Von möglichen Erfindungen und Entdeckungen. Von Dingen, die zu seiner Zeit so noch nicht möglich waren, und den Auswirkungen, die diese Erfindungen und Entdeckungen auf die Menschheit haben könnten.

Aus heutiger Sicht ist viel davon eher drollig. Ist es möglich, eine Art futuristischer Nostalgie zu empfinden?

Und, anders herum gedacht, wie können wir selbst über die Zukunft schreiben, wenn wir nur das Hier und Jetzt kennen? Selbstverständlich gibt es Zukunftsforscher und Wissenschaftler, die uns erklären können, welche Auswirkungen unser aktuelles Handeln als Gesellschaft auf unsere Umgebung hat. Es gibt Trends und Theorien dazu, wie sich die Gesellschaft weiter entwickeln könnte. Und natürlich machen wir uns auch selbst Gedanken. Wie wird es mit der Raumfahrt weitergehen und was finden wir auf anderen Planeten? Wie geht es in der Zwischenzeit mit unserem eigenen Planeten weiter? Werden wir Probleme wie Hunger und Krankheiten lösen? Oder holzen wir auch noch die letzten Regenwälder ab, werden von wütenden gigantischen Ameisen versklavt und flüchten in unterseeische Kuppelstädte, wo verrückte Wissenschaftler Mensch-Qualle-Hybriden züchten? Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Allerdings hilft es, wenn man sich ein wenig mit den Themen Naturwissenschaft und Technik auskennt. Je mehr man weiß, desto mehr kann man weiterdenken. Ob man angesichts der aktuellen Erkenntnisse dann eher utopisch (yay!) oder dystopisch (och nö) weiterdenkt, ist wahrscheinlich auch eine Charakterfrage. Wobei meiner Meinung nach gerade nur wenig zu utopischen Ideen inspiriert. Oder sehe ich das zu schwarz?