Blick über die Schulter, Tag 16

Heute hat sich mal wieder gezeigt, dass ich eigentlich eine Morgenschreiberin bin. In den 40 Minuten, die ich mir vor der Arbeit freigeschaufelt habe, habe ich soviel geschafft wie gestern in drei Stunden. Krass, oder? Ich finde es hilfreich, meine besten Tageszeiten zu kennen. Ich finde es allerdings auch hilfreich, zu den anderen Zeiten trotzdem schreiben zu können, wenn mir nichts anderes übrig bleibt. Das kommt mit der Übung.

Dafür ist mein Gehirn nicht mehr kooperativ. Gerade hat es mir den Dämon „Beelzeblubb“ vorgestellt. Wahrscheinlich beschwört man den mit Rahmspinat. Wie soll ich unter diesen Umständen arbeiten???

Auf jeden Fall habe ich gerade den letzten Punkt unter die erste Fassung gesetzt.

Endstand: 15.673 Wörter

Am Ende muss noch einiges gefüllt und erklärt werden. Die Auflösung hat mich auch überrascht, trotz Plot. (Das kommt davon, wenn man sich nur notiert: „Aufregende Dinge passieren.“)

In den kommenden zwei Tagen kann ich die Geschichte also ruhen lassen, ehe ich sie mir ausdrucke und mich erneut ans Werk mache. Die nächsten beiden Tagen sind für Audio-Aufnahmen, neue Pläne und zwei Gewinnpäckchen, die ich dringend packen muss. Leider lässt BoD sich Zeit mit den Belegexemplaren – könnt ihr euch vorstellen, dass ich erst ein Exemplar von „Gruftgeflüster 1“ im Haus habe? Das ist fast schon lächerlich! Na ja, die Zeit ist eben so, wie sie ist.

Aktuell hat meine Coverfee leider Probleme mit der bösen Technik – kann also sein, dass es trotz der ganzen Fleißarbeit dauert, bis ihr „In Flammen“ tatsächlich lesen könnt. Aber keine Bange, der Spoiler-Beitrag mit den verschiedenen Versionen von Notizen kommt erst, wenn die Geschichte mindestens einen Monat erhältlich war. :-)

Und weil die Überarbeitungsphase nicht so spannend ist, werde ich euch eventuell in der kommenden Woche ein paar Stellen im Vorher-Nachher-Vergleich zeigen. Hättet ihr darauf Lust? (Verschwindet in der Küche, Fischstäbchen backen.)

Blick über die Schulter, Tag 15

Sie nimmt Anlauf, sie senkt den Kopf, die Arme pumpen, die Beine rotieren, und da reißt sie sie – die Prokrastiationshürde!!!

Das war die vorlaute Stimme aus dem Off, die alles weiß und alles weitertratscht. Bis Sonntag Abend habe ich noch Zeit, um den ersten Entwurf fertigzukriegen, wenn ich im Plan bleiben will. Vor mir liegen knapp vier Kapitel, quasi Showdown und Nachbeben. Ich hatte eine Erkenntnis darüber, was ich in den ersten drei Vierteln hinzufügen muss – das ist üblich, ich mache mir keine großen Sorgen (zumal es nur Kleinigkeiten sind, um die Geschichte abzurunden und ihr ein Thema zu geben) – und heute habe ich mal wirklich keinen Schwung. Nach der Arbeit musste ich erst fix einkaufen und habe bei der Gelegenheit direkt meinen wöchentlichen C-Test gemacht, schließlich sitzen wir zu dritt in einem Büro. Eigentlich bin ich ein Frühschreiber, späte Sessions fallen mir schwerer. Aber anders passt es nun einmal nicht in den Tagesablauf. Na ja, um nicht untätig zu prokrastinieren, habe ich bereits das Abendessen vorbereitet und die Wäsche erledigt. Die Kater sind aufgeschmust und unter Protest an einen ruhigeren Fleck verzogen. Mir bleibt nicht mehr viel zu tun, als euch auf dem Laufenden zu halten … und, nun ja, tatsächlich zu schreiben. ^^

(Ich könnte noch das eine beschädigte Buch zurückschicken, das liegt im Flur parat … aber nein, das hat Zeit bis nächste Woche. Das hier hingegen … tsjakka! *Peitschenknallen*)

Schön ist so ein erster Entwurf ja noch nicht. Ich rechne mit 16.000-17.000 Wörtern. Ja, bei mir werden Geschichten beim Überarbeiten meistens länger, weil ich Atmosphäre und Details hinzufüge. Der erste Entwurf ist eigentlich das Mittelding zwischen dem Plotgerüst und der fertigen Geschichte. Sowas wie das „Crumb Coating“ beim Torten-Backen … eine Lage Creme, um das Innenleben zu verkleiden, auf die die „hübsche“ Lage aufgetragen wird. Und wenn das Crumb Coating nicht fertig ist, kann man auch nicht mit dem Dekorieren anfangen. SEUFZ.

Letzter Satz: „Es schüttelte ihn.“

Endstand: 13.382 Wörter

Blick über die Schulter, Tag 14

Auch der heutige Tag ist vollgepackt mit Terminen. Mal im Vertrauen, eigentlich hatte ich mir so eine Pandemie etwas … geruhsamer vorgestellt. Aber gleich finden Arsch an Arsch zwei digitale Treffen statt, die ich nur ungern verpassen möchte. Also gibt es vorgekochtes Essen, die Katzen werden vom Mann versorgt und die Schreibzeit ist begrenzt.

In solchen Momenten bin ich sehr dankbar für meinen Plot. Ich weiß immer grob, was als nächstes kommt, und bei der angepeilten Länge der Geschichte ist alles auch noch einigermaßen übersichtlich. Heute konnte ich eine elementare Szene abschließen und werde mich gleich noch kurz auf den Übergang zum Finale stürzen, ehe ich sozial sein kann.

Die letzte Szene war recht dialoglastig, das fällt mir normalerweise schwer. Aber Niklas, mein Protagonist, ist ein kluger Junge und lässt sich nicht so leicht aus der Fassung bringen. Dialoge zeigen oft sehr gut, wie jemand tatsächlich ist – Wortwahl, Kommuikationsstrategie, Konfliktbewältigungsverhalten sind wichtige Indikatoren für die Persönlichkeit. Wenn ich eine in sich funktionierende Figur geschaffen habe, ergeben Dialoge sich oft von selbst. Ist meistens leider nicht der Fall, aber heute schon. Beim Überarbeiten kann ich testen, ob die Dialoge und das Innenleben von Niklas auch zueinander passen. Sonst muss ich eines von beidem anpassen. In diesem Fall, denke ich, werden meistens die Dialoge gewinnen.

Letzter Satz: „Niklas schnappte sich die Giraffe und rannte los.“

Endstand: 12.470

Blick über die Schulter, Tag 13

Sie schwächelt! Habt ihr’s nicht geahnt? Welche andere Erklärung gäbe es für die unverzeihliche Lücke?

Ganz einfach – ich habe euch vergessen. Gestern war nämlich die große Sperrmüllaktion Numero Uno des Jahres (mindestens eine kommt noch, wenn wir die nächsten Umbauten in Angriff nehmen), und nach drei Stunden war ich einfach zu matschig, um euch noch an meinen Babyschritten auf dem Weg zum Erfolg teilhaben zu lassen.

Dafür habe ich heute ein kurzes Update für euch. Wirklich, ganz kurz. Schmucklos.

Endsatz des Tages: „Die wild durcheinanderwirbelnden Lichter und die Geräuschkulisse, die sich anhörte, als ob ein paar betrunkene Kobolde in einer Besteckschublade miteinander kopulierten, verstärkten seine Orientierungslosigkeit.“

Stand: 11.012 Wörter

Blick über die Schulter, Tag 11

Auf einem grauen Sofa, halb unter einer hellblauen Decke, liegt ein weißer Kater mit schwarzen Marken und räkelt sich genüsslich.
Kurt ist ein sehr motivierender Schreibkater.

Sonntage sind für Tonaufnahmen, aber dieser Sonntag ist auch fürs Schreiben. Um ein wenig Wochenend-Gefühl zu ermogeln, habe ich mich mit Kaffee und zwei Katern ins Wohnzimmer verzogen, und auf dem Fernseher laufen Marvel-Filme. Manchmal hilft es, mein „Nörgelhirn“ mit bunter Unterhaltung abzulenken. Ich muss nur darauf achten, dass die Unterhaltung nicht in der gleichen Sprache abläuft wie das Schreiben, sonst gibt es merkwürdige Überschneidungen. Die Kater interessieren sich weniger für die Unterhaltung – oder meinen Rechner – sondern mehr für Streicheleinheiten und Futterrationen. So haben alle etwas, worauf sie sich freuen können.

Über Nacht hat mein Gehirn einige Kleinigkeiten im letzten Kapitel, das ich gestern Abend geschrieben habe, aussortiert, und ich habe die ersten zwei Stunden des Schreibtages mit Korrekturen verbracht. Je besser der erste Entwurf ist, desto einfacher gehen später die „echten“ Überarbeitungen vonstatten.

Mein größtes Problem gerade ist, dass die Geschichte sich noch nicht gruselig genug liest – sie ist eher abenteuerlich als gruselig, und für ein „Gruftgeflüster“ reicht das natürlich nicht. Im Moment ist es nur ein „Geflüster“. Das, so hoffe ich, lässt sich mit ein paar einfachen sprachlichen Kniffen beheben. Es ist überraschend, wie leicht sich die Stimmung eines Textes ändern lässt, wenn man nur auf Wortebene arbeitet.

Aber das ist ein Problem für einen anderen Tag. Es wird Zeit, dass ich mich der Hörbuchaufnahme widme.

Endstand: 9.191 Wörter

Blick über die Schulter, Tag 10

Großaufnahme einer Keksdose aus Metall, ausgelegt mit einem Stück Küchenrolle. Darauf ein Berg Haferflockenkekse.
Jemand Lust auf Kekse? ^^

Ich würde niemals sinnlos prokrastinieren! Irgendwer muss schließlich Kekse backen, nicht wahr?

Gerade ist Halbzeit, und ich bin mit meinem Fortschritt einigermaßen zufrieden. Wenn ich einen entspannten Tag daheim habe, lasse ich den Rechner oft aufgebaut und setze mich immer mal wieder hin, um zu schreiben, bis mir nichts mehr einfällt, und dann mache ich etwas anderes.

Der Tierarztbesuch heute morgen war wenig aufregend, dem Kater geht es gut, der Haushalt kann noch einen Moment warten. Nur dieses Backbedürfnis musste dringend befriedigt werden. Später ist noch mindestens eine größere Schreibsession dran, aber jetzt muss ich erst neue Wörter für mein Hirn sammeln.

Zwischenstand: 6.488 Wörter

Über den Tag verteilt geht es in kleinen Stücken weiter. Ich schreibe „auf Sicht“ – bei jeder Szene schreibe ich alles, was ich weiß, und lese mir den kommenden Plotpunkt noch einmal durch, ehe ich den Schreibtisch wieder verlasse. Wahrscheinlich ist noch mindestens eine weitere Session drin, ehe ich am Ende des Tages wieder als vernünftige Erwachsene fungieren muss.

Die Kekse sind übrigens ziemlich lecker geworden. Wahrscheinlich schleppe ich gleich zur Abwechslung einige Regalteile für den Sperrmüll nächste Woche ins Erdgeschoss hinunter.

Zwischenstand: 7.692 Wörter

Zeit für Feierabend. Vorhin habe ich leichtfertigerweise an einer Stelle pausiert, an der ich nicht genau wusste, wie ein bestimmtes Problem zu lösen sei, das hat viel Zeit gefressen beim Wieder-Einsteigen. Im Grunde genommen habe ich eine halbe Stunde lang den gleichen Absatz immer wieder getippt, gelöscht und minimal umstrukturiert. Aber jetzt fluppt die Szene, ich bin müde und morgen ist auch noch ein Tag.

Endstand: 8.223 Wörter

Blick über die Schulter, Tag 9

Unzählige abgegriffene Bücher, dicht an dicht und von unten nach oben gestapelt, mit Schnur zusammengehalten.
Foto von Carles Rabada, gefunden auf Unsplash

Soviel Arbeit und so wenig Ergebnis … seid ihr auch beeindruckt, wie langsam ich vorankrieche? Aber ich tauche auf und ich tue, was ich kann. Heute war wieder so ein fragmentierter Tag voller kleiner und Kleinstaufgaben, voller Zeitfresser und „Uppsis“, die meine Schreibzeit gefressen haben.

Ich habe keine gute Ausrede. Das Leben passiert. Kaffee hilft. Und Entschlossenheit. Und Geduld. Und die Hoffnung, am Wochenende ein wenig Boden gutmachen zu können. Außer einem Tierarztbesuch steht nicht viel an, ich sollte also ein paar Absätze geschrieben kriegen.

Dieses langsame Vorankommen hat natürlich den Vorteil, dass ich fast unmerklich bis zum Hals in der Welt versinke, in der gerade furchtbare Dinge passieren. Die Charaktere drehen ungeduldige Runden in meinem Kopf, die Atmosphäre verdichtet sich. Ich werte das mal völlig optimistisch als gute Zeichen dafür, dass es – wenn denn endlich einmal Zeit ist! – fix vorangehen wird.

Heute habe ich einen letzten Satz des Tages für euch: „Auf Riesenrad hatte er genauso wenig Lust wie auf kandiertes Obst.“

Ende: 5.340 Wörter

Darauf ein Helles.

Und lacht mal: Nächstes Wochenende muss der erste Entwurf definitiv stehen – besser vorher.

Blick über die Schulter, Tag 8

Orrr, ich bin frustriert … heute fressen lauter kleine Aufgaben meine Schreibzeit. Ich schaue mal, dass ich trotz allem noch ein paar hundert Worte bis neun geschrieben kriege – potenziell schlechte! – und dann ist es auch gut.

Warum ihr solche Nicht-Nachrichten lesen sollt? Weil so knackig geplante Projekte wie das „Gruftgeflüster“ auch im regulären Alltag stattfinden. Dann muss Papierkram erledigt werden oder es stehen unerwartete Termine an, irgendwas geht kaputt oder etwas anderes muss geplant werden, und plötzlich ist es Abend und der Tag ist futsch. Von so etwas darf man sich nicht zu arg ärgern lassen. Mal schauen, was ich bis neun noch gerissen kriege.

Ende: 4.927 Wörter

Blick über die Schulter, Tag 7

Auch heute ist nicht viel passiert. Ich kämpfe ein wenig mit der Atmosphäre und den verschiedenen Charakteren, aber ich komme langsam voran. Am Wochenende spätestens wird sich im Manuskript mehr tun. Na, ist euch vom Mit-Lesen schon langweilig? ^^

Ein Kunstgriff, an dem ich viel arbeite und mich abmühe, sind die unterschiedlichen Ausdrucksweisen verschiedener Personen. Wie jemand redet, sagt viel über den Charakter aus – soziale Herkunft, Bildung, Dialekt, … – und auch darüber, wie Leute zueinander stehen. Es macht schon einen Unterschied, ob ich jemanden mit „Ey Digga!“ begrüße – oder mit „Mein sehr verehrter Herr Minister!“ Allerdings finde ich es schwierig, Leute konstant in ihrem eigenen Ton reden zu lassen, wenn ich schreibe. Bei Beschreibungen etc. kann ich MEINEN Ton verwenden (oder einen meiner Töne), doch für die verschiedenen Charaktere ist das schwieriger. Hoffen wir, dass ich das irgendwann meistere, aber es ist noch ein weiter Weg. Und dann kommen wir zum Problem Jugendsprache – wie schreibe ich Jugendliche so, dass sie nicht komplett lächerlich klingen? Keine Ahnung. ^^

(Zum Glück gibt es die Überarbeitungsphase für genau solche Probleme.)

Ende: 4.315 Wörter