Außergewöhnliche Abenteuer

Wenn ich schon nicht in Urlaub fahren konnte im Urlaub, habe ich mir wenigstens außergewöhnliche Abenteuer gegönnt. So richtig wilde Dinge, die man unter normalen Umständen nie tun würde.

Ich war in einem Schwimmbad, in dem ich vorher noch nie war.

Allein.

o.o

Wenn ihr euch jetzt denkt: „Wovon redet diese verrückte alte Frau?“, dann seid ihr mit eurem Gehirn hoffentlich besser befreundet als ich mit meinem. Denn mein Gehirn stellt mir, wenn ich allein in eine unerwartete Situation komme, gerne Fallen – ähm, ich meine, es hat Herausforderungen für mich parat.

„Du wirst total merkwürdig rüberkommen, und das als erwachsene Frau!“

„Alle werden dich seltsam finden!“

„Bestimmt machst du alles falsch!“

Deswegen recherchiere ich neue Dinge im Vorfeld eigentlich immer gerne – inklusive Fluchtwegen und Insider-Tipps. Aber ein Schild hatte mir verraten, dass es in der Nähe des Ladens, in dem ich zur Pediküre gehe (ab einem gewissen Alter ist Hufpflege ganz nett), ein Freibad gibt, in dem ich vorher noch nie gewesen war. Und der Wetterbericht hatte mir verraten, dass es kurzfristig noch einmal einigermaßen warm werden würde.

Natürlich habe ich vorher recherchiert.

Und mir mehrmals überlegt, ob ich nicht lieber an den Badesee fahren will, den ich noch vom letzten Jahr kenne. Oder in eines der drei Freibäder in der Stadt, in denen ich schon einmal war.

Aber ich war mutig und habe mich selbst überredet, einmal etwas komplett Abgefahrenes zu tun.

Und was ist passiert?

Stellt euch vor: Da konnte man schwimmen. In Wasser und so. Ganz gewöhnlich. Es gab Spinde und Umkleidekabinen, und einen potenziell merkwürdigen Moment, als eine Dame mir die Bahnenverkehrsordnung erklärt hat, die in diesem Bad gilt. Ich habe mich bedankt und bin weitergeschwommen, wie so eine funktionierende Erwachsene. Und niemand hat mit dem Finger auf mich gezeigt und gelacht – obwohl ich meinen fantastischen Krümelmonster-Badeanzug anhatte.

Joah, das war also mein fantastisches Urlaubs-Abenteuer.

Autorin auf der stillen Treppe

Genau da befinde ich mich gerade – und ich habe mich selbst dorthin geschickt. ^^

Eigentlich ist heute nämlich höchste Zeit, das nächste Kapitel für meinen Patreon-Kanal einzulesen. Allerdings findet das in meinem Büro statt. Und das ist aktuell auch das Krankenzimmer für den überaus schlechtgelaunten Altkater, der dank Halskrause nach einer Operation nicht unter das Gästebett passt und sich nicht kratzen oder putzen kann und die Halskrause generell doof findet.

Inzwischen hat er gut raus, wie er sein Missfallen ausdrücken kann.

Beispielsweise macht er mit der Halskrause extra viel Krach.

Er kann generell gut mit dem Ding manövrieren, aber wenn er etwa Futter möchte oder unzufrieden ist, knallt er sie absichtlich gegen Türen und Möbel, schubbert sie laut über Kanten und Stoffe und lässt uns schon an seiner Gefühlswelt teilhaben.

Vielleicht könnt ihr euch also denken, weswegen ich vorhin im Verlauf einer halben Stunde nur fünf Minuten brauchbares Material aufnehmen konnte. Nachdem ich den Kater wiederholt geschimpft und er mich wiederholt angemaunzt hatte, habe ich mich für eine Stunde auf die stille Treppe gesetzt. Das sollte uns beiden Zeit geben, uns ein wenig abzuregen, und jetzt versuchen wir es einfach noch einmal. Ihr seht ja gleich, ob es einen neuen Patreon-Link gibt, dann wisst ihr auch, wie das funktioniert hat.

Von Vorbildern und eigenen Ansprüchen

Foto eines Kindle-E-Readers. Anzeige: Cover von "We hav always lived in the Castle" von Shirley Jackson.
Ein wunderbares Vorbild

Ich sitze mit dem Oktoberbuch und freue mich, dass ich Urlaub zum Schreiben habe. Dann prokrastiniere ich hart. Denn ich habe eine Idee. Aber ich weiß nicht, ob ich die Fähigkeiten habe, diese Idee umzusetzen. Und das macht mir Angst. Also manipuliere ich meinen eigenen Schreibfortschritt, damit ich später sagen kann: „Tja, unter diesen Umständen ging das eben nicht besser.“ Eigentlich stelle ich mir selbst ein Bein, oder zwei.

Macht ihr das auch manchmal? Und findet ihr nicht auch, schon während ihr genau das tut, diese Strategie absolut lächerlich?

Ich meine, ich könnte mir ja auch richtig fest Mühe geben und mein Bestes tun. Ganz vorsichtig darauf achten, welche Stilmittel verwendet werden, um welchen Eindruck zu erwecken. Meine Figuren sehr sorgfältig aufstellen, damit sie im entsprechenden Moment die Lesenden überraschen (oder erschrecken) können. Alle sprachlichen Elemente mit Blick auf ihren Grusel-Gehalt wählen.

Ooooder ich sitze hier und grabe mir selbst eine Grube, in der ich mir dann ein Bein stelle.

Manchmal ist es schwierig, sich selbst gerecht zu werden. Vor allem, wenn man ahnt, dass man gerade etwas Unkluges tut. Oder wenn man befürchtet, dass man (noch) nicht so gut ist, wie man gerne wäre. Leider gibt es keinen Weg außenrum – da muss man durch.

Also mache ich mir jetzt noch fix einen Ingwertee, und dann werfe ich mich wieder auf das Manuskript. Nächsten Monat könnt ihr mir dann sagen, ob das so geklappt hat, wie ich hoffe.

Staubfreie Ablenkung

Schon seit einer Weile wussten wir, dass der Altkater im Urlaub zum Tierarzt geht. Der Knubbel, den er seit Frühling rechts am Hals hatte, wurde einfach nicht kleiner, und dann sollte man auf so etwas draufgucken. Eine erste Biopsie vor ein paar Monaten war nicht eindeutig gewesen, seitdem hatte er entzündungshemmende Behandlung und ein Mittel gegen Arthrose bekommen. Die Arthrose ist besser, aber der Knubbel war immer noch da.

Als ich dann gestern morgen zum Tierarzt kam, maß der ein wenig, guckte ein wenig mehr und räusperte sich. Der Knubbel sei so groß, dass er über kurz oder lang sowieso Probleme machen werde – unabhängig von Biopsie-Ergebnissen. Ob wir den Knubbel nicht direkt entfernen lassen wollten? Dann könne man auch eine umfassendere Histologie-Aufarbeitung machen.

Vor dem ersten Kaffee bin ich jetzt nicht so wirklich entscheidungsfreudig, aber das klang sinnvoll, und da der Mann noch zuhause friedlich schlief, musste ich auch mit niemandem Rücksprache halten. Also ließ ich einen sichtlich verstimmten Kater, der eh schon seit mehr als zwölf Stunden nichts gefressen hatte, in der Obhut des Tierarztes und begann, mich ein wenig abzulenken.

Da waren doch noch vier Dinge auf der Einkaufsliste. Wenn ich also schon in der Stadt war … und das Auto könnte dringend mal wieder gewaschen werden. Als es dann gewaschen und trocken wieder zuhause auf dem Parkplatz stand, konnte ich es endlich so verschandeln, wie ich es seit Wochen geplant hatte. Dann wurden einige Pflanzen umgepflanzt, denen es in der Zwischenzeit ein wenig eng um die Taille geworden war. Als Konsequenz hieraus musste natürlich der Balkon gefegt werden, denn irgendwer hatte mit Blumenerde gesaut. Danach wusch ich die Küchenfronten ab, erledigte den üblichen Spül und eine Lade Wäsche, fegte (der Mann schlief schließlich immer noch) und hatte mich gerade beinahe davon überzeugt, das Sofa tiefen-einzuschäumen, als der erlösende Anruf kam.

Fünfzehn Minuten später und ziemlich genau drei Stunden, nachdem ich den armen alten Kater abgegeben hatte, konnte ich ihn wieder mit nach Hause nehmen. Die Operation war gut verlaufen, er sabberte noch und war ziemlich unsicher auf den Pfoten. Schmerzmittel, Halskrause für den Notfall, Instruktionen zu Futter und Wasser.

Zuhause war der Kater ein wenig desorientiert. Das könnte daran gelegen haben, dass er noch betäubt war und ich die Zugänge zu seinen staubigen, vollgehaarten Lieblings-Liegeplätzen sorgfältig verstopft hatte. Oder daran, dass diese Wohnung seit Monaten nicht so ordentlich war. Im Ernst, ich hätt mich auch fast nicht zurechtgefunden.

Weißer Kater mit wenig Rot im Fell sitzt auf einem Lager aus Decken und Handtüchern. Rechts am Hals, unter dem Kiefergelenk, hat er eine größere rasierte Fläche, auf der man Desinfektionsmittel und Wundsekret sieht. Er guckt nicht erfreut.
Einige Stunden nach der Narkose. Der Blick sagt es schon: „Ihr werdet alle sterben!“

Erinnert er euch nicht auch an etwas, das man in „Friedhof der Kuscheltiere“ hätte sehen können? Aber ich schwör, er ist ganz lieb. Heute hatte er schon seine Dosis Schmerzmittel, die auch abschwellend wirken, und morgen geht es zur Wundkontrolle. Er hat sich sogar einen Tunnel unter das Gästebett gegraben, also lasse ich ihn da und hoffe, dass er sich nicht völlig einsaut. Das ist einer der wenigen Orte, die meiner Ablenkungs-Putzwut gestern nicht zum Opfer gefallen sind.

Zwischen dieser Aktion, einer noch laufenden Wurzelbehandlung bei mir und einer anstehenden Wurzelbehandlung beim Mann ist das nicht unbedingt der Traumurlaub. Aber ich nehme, was ich kriegen kann. Und das Wichtigste ist doch, dass es dem kleinen Flauschepo bald wieder besser geht.

Urlaub, Tag 2

Am liebsten wäre ich heute den ganzen Tag als Decken-Wrap auf dem Sofa geblieben. Es ist der zweite Tag meines Urlaubs, und ich fühle mich unglaublich müde. Möglicherweise liegt das daran, dass ich eine merkwürdige allergische Reaktion auf irgendwas hatte – möglicherweise den Muschelextrakt, den ich für meine morschen Knie nehmen sollte – oder ich brauche den Urlaub mal wirklich. Allerdings wird man, Gerüchten zufolge, durch pures Rumliegen nicht glücklicher, also hangele ich mich ganz entspannt an meinen To-Do-Listen entlang Richtung Abendessen. Für heute stehen noch Laufen und Schneckeneier-Suchen auf dem Plan, danach kann ich mit mir ganz zufrieden sein.

Ja, auch im Urlaub habe ich Listen. Vor allem im Urlaub. Sonst liege ich die ganze Zeit nur in der Ecke und bin anschließend unzufrieden, was ich alles nicht geschafft habe. Aber keine Bange, da stehen auch lustige Dinge drauf. Sowas wie „Blog aktualisieren“, „Hörbuch aufnehmen“ oder „Lesewrap häkeln“. Ich merk mir doch sonst nichts!

In den kommenden Tagen erzähle ich euch dann vielleicht auch mal zwischendurch, wie das so läuft.

Pausenlos durch die Nacht

… oder wenigstens fühlt es sich so an.

Lilienschwester ist in Auftrag gegeben und sollte in wenigen Tagen erhältlich sein.

Ich nehme fleißig weiter Sprecherstunden und hoffe, das „Allerseelen“-Hörbuch rechtzeitig zu Halloween in hübsch (oder wenigstens akzeptabel) eingelesen zu haben.

Die nächsten „Gruftgeflüster“-Geschichten sind in Planung. Zwölf kriegt ihr auf jeden Fall, danach setze ich die Reihe vielleicht sporadisch vor, immer wenn ich eine gute Idee habe. Muss mal schauen. Am ehesten scheitert es an der Zeit, aber vielleicht habe ich ja einen Geistesblitz, wie ich meine Tage optimieren kann.

Im Hintergrund gibt es immer noch zwei fertige Manuskripte, die „nur“ professionell überarbeitet und veröffentlicht werden müssen, und ein halbfertiges Kinderbuch, das sich immer noch sträubt.

Außerdem habe ich zwei Projekte in Planung, bei denen andere Schreibende involviert sind, und über die ich euch erst mehr erzählen werde, wenn es auch mehr Details auszubreiten gibt.

Schlaf wird überbewertet.

Allerdings – sobald ich mir mal einen Tag freinehme, so wie gestern, als „Lilienschwester“ endlich aus meinen Fingern war und die Aufnahmen für meinen Patreon-Kanal im Kasten waren, falle ich buchstäblich um. Dann will ich nur schlafen und essen und eventuell noch mit halbgeschlossenen Augen aus dem Fenster starren. Der vernünftige Teil von mir ahnt, dass ich mal Pause machen sollte. Der kreative Teil sieht den Urlaub, der in greifbare Nähe rückt, und packt neue Pläne aus. Vielleicht sollte ich dem kreativen Teil mal hart auf den Schädel schlagen, damit er temporär Ruhe gibt. ^^

*wink*

Zu Selfcare gehört auch, dass man manche Dinge gelegentlich liegen lässt. Wie dieses Blog, wenn viel zu tun ist. Ich kann es ja einfach nicht lassen. Aber es gibt auch so viele spannende Projekte, von denen ich euch noch nicht erzählen kann! Ihr müsst einfach darauf vertrauen, dass es wohl was Ordentliches wird.

Bis Ende der Woche will ich die Neubearbeitung von „Lilienschwester“ fertig und hochgeladen haben. Einige von euch erinnern sich vielleicht noch an das kleine, abwegige Büchlein, das ich vor ein paar Jahren veröffentlicht habe. Das kriegt eine Grundrenovierung, ein wenig frische Farbe und wird der September-Band für das „Gruftgeflüster“. Einmal mehr bin ich nicht sicher, ob ich es tatsächlich unheimlich genug geschrieben habe – aber die Oktober-Geschichte wird euch aus den Socken gruseln!

Soviel zu meinem Alltag. Ich versuche, weder die Wohnung komplett verkommen noch mich auf dem Weg zur Arbeit überfahren zu lassen (gestern drei Versuche, heute nur zwei), und verzettele mich fröhlich weiter vor mich hin.

Das Selfcare-Dilemma

Foto von Roberto Nickson, gefunden auf Unsplash

Selfcare ist wichtig, das wissen wir inzwischen alle. Man braucht regelmäßig Zeit, um seine Batterien aufzuladen, und Energie, um die aufladerelevanten Dinge zu tun. Aber wie soll das, bitteschön, funktionieren?

Mit den Jahren bin ich ganz gut darin geworden, zu sehen, was mir gut tut. Das sind nicht immer Dinge, die auch Spaß machen (aufräumen!; Gemüse essen!!; früh schlafen gehen!!!) – aber wenn ich diese Dinge tue, fühle ich mich besser und habe auch mehr Energie für die Dinge, die ich wirklich tun will.

Es ist also gar keine Option, Selfcare auszulassen. Aber wie, fragt ihr euch vielleicht, findet man zwischen Bürojob, Schreibzeit, Haushalt und dem bisschen Sozialleben, das die Gegenwart zulässt, auch noch Zeit für Selfcare?

Puh, ich weiß es nicht.

Wie ich es mache?

Ich mogle.

Weil ich nämlich genau weiß, was ich für meine Batterien benötige, weiß ich auch, wieviel ich jeden Tag resp. jede Woche mindestens in diesem Bereich machen muss, damit ich mich gut fühle und nicht alle erwürge, nur weil ich es kann. (Glaubt mir, manchmal ist das eine verlockende Option!) Auf meiner List stehen unter anderem:

  • Kunst und Musik
  • Yoga
  • Spaziergänge
  • Meditation
  • Krafttraining
  • Laufen

Und aus diesen (und einigen anderen) Dingen suche ich mir jeden Tag mindestens zwei Dinge aus, die stattfinden MÜSSEN. Nicht unbedingt gut, nicht unbedingt lang, aber die ziehe ich durch. Und wenn mal Zeit ist oder ich finde, da sollte mehr gehen, dann auch drei oder fünf von diesen Punkten.

Andere Dinge sind nicht verhandelbar und werden nur im Notfall ausgesetzt: Mindestens sieben Stunden Schlaf beispielsweise, mit weniger geh ich zwar, aber ich gehe kaputt. Oder tägliche Rationen an Obst und Gemüse (siehe oben), damit mein Körper seine Leistungsfähigkeit behält. Der ist schließlich nicht aus Feenstaub gemacht.

Mir geht es also gar nicht darum, möglichst perfekte Selfcare hinzulegen, sondern möglichst realistische. Ich habe nunmal keine Zeit, jeden Tag zwei Stunden Sport zu treiben, mir neue Fähigkeiten anzueignen UND für Weltfrieden zu sorgen. Und manchmal ist es auch wichtiger, das Bad mal wieder zu putzen, anstatt Erleuchtung zu jagen. Für die meisten Dinge gibt es eine ideale Lösung – und eine, die für dich selbst im Alltag funktioniert. Und das ist auf jeden Fall die zweitbeste und sollte auf jeden Fall umgesetzt werden.

Oder, wie ich irgendwann mal las (grob paraphrasiert): „Alles, was wert ist, getan zu werden, ist auch wert, nur halbherzig getan zu werden.“

Falls ihr euch also jemals fragt: Wie macht diese verrückte Frau das alles? Die Antwort lautet: Halbherzig und nach Liste. ^^

Stil – vielleicht doch nur das Ende des Besens?

Beim Schreiben dreht sich angeblich alles um den Stil. Vor allem den eigenen. Viele schreibende Personen, die ich kenne, verweigern sich Schreibratgebern, Grammatikkursen, Testleserfeedback oder Lektorat mit dem Hinweis darauf, dass sie ihren eigenen Stil nicht kompromittieren wollen.

Schließlich kennen wir alle diese „Konsumgeschichten“, die lieblos nach dem gleichen Muster aufgebaut sind, um die niederen Instinkte gewisser Leserkreise zu befriedigen und mit billigen Tricks schnell das „große Geld“ abzugreifen. Keinesfalls wollen wir werden wie die!

Erst einmal eine gute Idee. Wir wollen wirklich nicht schreiben wie alle anderen, oder?

Aber der Sprung ist ein wenig zu kurz gedacht.

Ich bemühe einen meiner Lieblings-Autoren, Neil Gaiman, der sinngemäß sagte: „Stil ist das, was du nicht sein lassen kannst“ – also das, was dein Schreiben ausmacht, auch wenn du die Erzählstimme oder das Medium wechselst, oder wenn du dich darüber informierst, wie du das Erzähltempo optimieren und Geschichten für Leser sprachlich ansprechender gestalten kannst.

Deinen Stil kann man dir gar nicht austreiben. Er wird allerdings sichtbarer und glänzt mehr, wenn du die ganzen vermeidbaren Dinge, die dein Schreiben ausbremsen, ablegst. Schließlich hat man auch den eigenen Fahrstil, selbst nach einem Dutzend (oder hundert) Stunden in der Fahrschule. Stil ist Teil der Persönlichkeit, und genau wie die eigene Persönlichkeit kann man ihn polieren, aber leider nicht abgeben, wenn er gerade im Weg ist.

Zaubersprüche? Teufelswerk!!!

Auf einem hellen Stoff-Untergrund liegt ein in geprägtem LEder gebundenes Notizbuch. Im Vordergrund sieht man drei Halbedelsteine.
Foto von Emily Underworld, gefunden auf Unsplash.

Wenn man Phantastik schreibt, kommt man mitunter nicht darum herum: Man muss sich eigene Zaubersprüche ausdenken. Und das ist gar nicht so leicht, wie man denkt – kommt es doch dabei hart darauf an, mit was für einem magischen System man arbeitet.

Müssen Zaubersprüche eine bestimmte Form haben?

Ist die Silbenzahl wichtig?

Sollte man sie reimen?

Auf welche Gottheiten bezieht man sich?

Müssen bestimmte Symbole berücksichtigt werden?

Jaaaa, die Frau zerbricht sich wieder den Kopf über merkwürdiges Zeug. Aber denkt doch nur daran, wie merkwürdig uns schon mitunter Sagen aus anderen Kulturkreisen vorkommen und was wir da ggf. nicht verstehen, weil uns das Hintergrundwissen fehlt. Solche und schlimmere Probleme kriegst du als Autor*in, wenn du ein magisches System schaffst und den Zaubersprüchen und Ritualen nicht genügend Aufmerksamkeit schenkst. Denn den Leser*innen fällt auf, wenn da etwas holpert … sogar wenn sie bewusst möglicherweise nicht darauf kommen.

Das letzte Mal, dass ich Zauber schreiben musste, war für „Magie hinter den sieben Bergen“ – das war westliche moderne Hexerei, also vergleichsweise einfach. Mit den Ritualen für das Kinderbuch (Arbeitstitel „Verzandt“) habe ich es schon schwerer, denn die Gesellschaft ist ursprünglich seefahrt-basiert – mit allem, was da eben (oder auch nicht) zugehört.

Magie ist ein wichtiger Teil des Weltenbaus, vergesst das nicht!