Abenteuer Hängebrücke

Kennt ihr die Geierley-Brücke? Nein? Dann geht mal eben hierhin und lest, ich warte solange.

Da war ich heute. Nicht allein, nein, meine Freundin Paty von Good Vibes Translations, ihres Zeichens Übersetzerin und Hochzeitsrednerin war auch da. Die Brücke ist nämlich ungefähr auf der Hälfte der Strecke zwischen unseren Wohnorten – und wir haben beide Höhenangst. Rübergegangen sind wir dennoch, wir lassen uns von unseren Gehirnen ja nicht vorschreiben, was wir zu tun oder zu lassen haben!

Das sind 360 Meter Stahlseile, Schrauben, Nieten, anderes Metallgedöns und Holzbohlen, etwa 100 Meter über dem Talboden. Was für eine abwegige Idee.

PS: Das zählt als Strongman-Training, da muss ich ja auch über absurde Dinge drüber!

Starke Charakterteams

Beim Lesen fällt mir immer wieder auf, wie sehr ich es mag, wirklich gut geschriebenen Teams zu begegnen. Man bekommt unterschiedliche Ein- und Ansichten präsentiert, kann Dinge aus unterschiedlichen Blickwinkeln erleben und an mehrere Orten gleichzeitig sein.

Und das bezieht sich nicht nur auf romantische Paare, obwohl die, soweit ich das sehe, das häufigste Team in Büchern sind. Ich bin da mit Helena und Falk ja auch nicht ganz unbeleckt, zugegeben. Aber genau so sehr mag ich es, wenn Leute gute Kolleg*innenteams oder Freundschaften schreiben – ach, sogar reine temporäre Zweckgemeinschaften können ein echtes Lesevergnügen sein.

Natürlich gibt es eine Teamgröße, aber der es unübersichtlich wird – so ab sechs, sieben Leuten? Und zwei allein ist natürlich gut zu schreiben und zu steuern, aber manchmal etwas eintönig, wenn man immer dieselbe Dynamik präsentiert bekommt.

Vor kurzem habe ich „Nettle and Bone“ von T. Kingfisher gelesen und war sehr geflasht, wie gut das kleine Team, das sich im Lauf der Geschichte zusammensetzt, miteinander funktioniert. Ich hatte einen guten Eindruck davon, dass es lauter verschiedene Figuren sind, die unterschiedliche Lebenserfahrungen gemacht haben, auf unterschiedliche Weise sprechen und handeln und auf die gleiche Situation stark unterschiedliche reagieren – je nach ihren Erfahrungen und Persönlichkeiten.

Und wisst ihr, wie schwierig das zu schreiben ist? Im Moment schlage ich mich mit einem vergleichsweise großen Cast wirklich eigensinniger (Neben-)Charaktere herum, und ich bin noch nicht sicher, wer gewinnt. Es fühlt sich an, als dürfe man einen Abend lang mit einer gut aufeinander eingespielten Truppe um die Häuser ziehen.

Welches sind deine liebsten Charakterteams?

Spooctacular Spooctacular!

Auf verschiedenen Kanälen denke ich gerade liebevoll an „Lichterspuk“ zurück – Band sieben von „Magie hinter den sieben Bergen“ und eine waschechte Spukgeschichte.

Spukgeschichten scheinen ein wenig aus der Mode gekommen zu sein, und ich bin nicht ganz sicher, woran das liegt. Zugegeben, Gespenster sind (nicht immer!) weniger blutrünstig als Zombies oder außerirdische Hirnfresser, aber das macht sie eigentlich nicht weniger spannend.

Bei „Ghostbusters“ wird der Begriff „Ghost“ im Namen übergeordnet verwendet für alle Arten von übernatürlichen Erscheinungen, die den menschlichen Alltag in Unordnung bringen: Dämonen, Gespenster, Poltergeister, … Ich möchte heute nur über das klassische Gespenst reden, und das dafür kurz und knackig.

Was ist also ein Gespenst?

Eigentlich eine verstorbene Person, die irgendwie nicht mitbekommen hat, dass sie tot ist. Es gibt verschiedene Gründe, aus denen man das Leben nach dem Tod zwischen lebenden Menschen fortsetzt: Unerledigte Aufgaben, unerwiderte/unerfüllte Gefühle, Familienflüche, pure Sturheit, Tradition, … Und es gibt auch verschiedene Methoden, als Gespenst zu existieren. Manche bleiben in der Nähe ihrer Grabstätte, andere spuken in ihrem ehemaligen(?) Zuhause oder an Orten, die ihnen besonders wichtig sind.

Und was tut man als Spuk so, um sich die Zeit zu vertreiben? Herumhängen, sehnsuchtsvoll hinter einem Fenster stehen, Musik spielen, jemandem eine kalte Geisterhand in den Nacken legen, mit den Ketten rasseln – ach, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Mich selbst haben vor allem zwei Geistergeschichten beeindruckt, und von einer weiß ich nicht einmal mehr den Titel – die habe ich in einer Gespenstergeschichtensammlung gelesen, als ich ein Kind war. Es ging um einen rachsüchtigen Mann, der sich noch nach dem Tod auf sehr physische Weise an seinem Bestatter(?) gerächt hat, indem er ihm die Knöchel zerbissen hat. Ja, es war eine etwas komplizierte Geschichte, aber sie ist mir im Gedächtnis geblieben, weil der Geist in dieser Geschichte nicht nur auf sein eigenes Grab, sondern offenbar auf seinen eigenen Sarg beschränkt war.

Das andere Gespenst ist natürlich „Das Gespenst von Canterville“ von Oscar Wilde. Man kann diverse Verfilmungen sehen, aber ich empfehle natürlich, das Original zu lesen. Da lernst du eine Menge darüber, was man alles tun muss, um sich als Gespenst einen guten Ruf zu erhalten.

Außer in „Lichterspuk„, wo ich eine regional bekannte Sage aus der Grafschaft Bentheim aufgreife, habe ich Geister nur am Rand behandelt- zum Beispiel gibt es eine Gespenstererscheinung in einem verlassenen Haus in „Feuerschule“ oder den Auslöser für den Werwolf-Fluch in „Der Werwolf von Mehlem„. Und natürlich dürfen wir „Das Oktoberhaus“ nicht vergessen, da werden schließlich Spukerscheinungen gesammelt. Falls dir also nach einer gruseligen Abkühlung zumute ist, weißt du, wo du sie findest. Und vielleicht schaffe ich es irgendwann doch noch einmal, eine ganz traditionelle Geistergeschichte zu erzählen.

Was ich immer schon einmal lesen wollte (sollte?)…

Bestimmt hast du auch mal eine dieser Listen gesehen: 100 oder so Bücher, die man gelesen haben sollte. Und dann stehen da ein paar Klassiker drauf, ein paar modernere Bestseller und irgendwas, worüber jeder, der sich für eine*n Intellektuelle*n hält, gelegentlich redet – meist in einem sehr verdrehten Kontext (schielt auf „Schöne neue Welt“ und „1984“). Die Auswahl wirkt zufällig, stark beschränkt auf die westliche Welt (Ausnahmen: Isabel Allende und Gabriel Garcia Marquez) und irgendwie freudlos.

Vor unscharfem Hintergrund sieht man einen Stapel verschieden großer Hardcover, von denen nur das untere Ende zu sehen ist.
Foto von Claudia Wolff, gefunden auf Unsplash.

Wenn du eine Leseratte bist, gehst du diese Listen doch immer wieder durch und guckst, was du von den Sachen schon gelesen hast. Bist du ambitioniert, nimmst du dir außerdem vor, deinen „Punktestand“ zu erhöhen und dir das eine oder andere Buch von der Liste doch noch zu Gemüte zu führen – kann nicht sein, dass nur ich das mache.

Und wenn du diesen Kreislauf einige Male durchlaufen hast, fragst du dich irgendwann: WARUM sollte ich all diese Bücher gelesen haben?

Gut, bei einigen ist es klar – sie gehören sozusagen zum Allgemeinwissen und werden so oft referenziert, dass die Lektüre sich lohnt, allein schon, um eine Blamage zu vermeiden („Animal Farm“!).

Andere sind nicht grundlos Klassiker, sie bringen sprachliche und/oder gesellschaftliche und/oder historische Feinheiten mit, die man auch heute noch durchaus genießen kann.

Darüber hinaus fällt mir aber gerade, außer dem Angeber-Kommentar in den sozialen Medien („Hab ich natürlich alle gelesen, wer denn nicht? Alles Banausen hier!“), tatsächlich kein einziger guter Grund ein.

Beispiel: Diese Woche habe ich „What moves the Dead“ von T. Kingfisher gelesen (sehr empfehlenswert, steht wahrscheinlich auf keiner dieser Listen). Im Nachwort erwähnt die Autorin, dass – was gebildeteren Leuten eventuell direkt klar geworden wäre – sie sich auf eine Geschichte von Edgar Allen Poe bezieht, die „jeder“, der eine englische Schule besucht hat, bestimmt gelesen habe. Ich war auf keiner englischen Schule und habe die Geschichte nicht gelesen. Dachte kurz, das könne ich aber doch nachholen. Dann erinnerte ich mich daran, wie sehr der aus heutiger Sicht schwurbelige Stil von Poe mich in der Vergangenheit genervt hat, und habe es bleiben lassen. Möglicherweise entgehen mir dadurch Feinheiten in „What moves the Dead“, aber ich werde damit leben können.

Lesen sollte einem immer etwas geben. Idealerweise macht es Spaß, man lernt etwas dazu, erlebt neue Abenteuer, nimmt andere Perspektiven ein, erfährt etwas über sich selbst und/oder die Welt. Etwas zu lesen, nur damit man es gelesen hat, erscheint mir wenig vernünftig. Schließlich hat niemand von uns einen Zeitscheißer zuhause!

(Ja, ich habe auch schon überlegt, welche Bücher ich auf meine „Diese hundert Bücher solltest du gelesen haben!“-Liste packen würde. Konnte mich bis jetzt zügeln. Falls du Empfehlungen brauchst, kannst du in meine Liste gelesener Bücher schauen – wenn ich ein Buch auslese, ist es meistens schon nicht ganz furchtbar.) Und da stehen auch garantiert mehr als hundert Bücher drauf.

Aber zurück zum Thema: Welches Buch würdest du empfehlen, das ich unbedingt lesen sollte?

Warten und wandern

Aktuell besuchen wir einmal pro Woche einen Verwandten in einem weiter entfernten Krankenhaus. Und weil ja immer noch Corona ist, lassen die natürlich nur eine Person pro Tag als Besucher rein. Der Mann fährt aus gesundheitlichen Gründen nicht gern so eine lange Strecke am Stück, also muss ich ran.

In den letzten Wochen habe ich mir Arbeit und Bücher mitgenommen. In unserem Auto wartet es sich ja ganz bequem.

Die Aussicht.
Die Arbeit (fertig, nach dem Blocken).

Diesmal war das Wetter aber so schön, dass ich stattdessen auf gut Glück in die Landschaft gelaufen bin. Mach ich manchmal. Geht meistens gut.

Ein … Dings? Im Ernst, Leute, wer weiß, was das ist?
Eine Aussicht.
Eine Präzisions-Sonnenuhr.
Eine Sternwarte.

Ich sag doch, meist geht das ganz gut. ^^

Streiten will gelernt – und geübt – sein

Der Mann und ich haben ein Luxusproblem: Wir diskutieren und streiten gern und ausdauernd – aber selten über Beziehungsthemen, und eher z.B. über Politik. Das kann sich dann schon über Stunden hinziehen, wir graben Quellen für unsere Standpunkte aus und vergleichen Statistiken. In manchen Themengebieten bemühen wir Zitate und analysieren die genau darauf, was da denn jetzt steht/gesagt wurde und wie verlässlich die Quelle ist.

Bei Dingen, die uns persönlich betreffen, streiten wir vielleicht zweimal im Jahr. Gut, ab und zu diskutieren wir, aber alles, was sich in weniger als zehn Minuten friedlich ausräumen lässt, qualifiziert für mich nicht als Streit.

Gestern beispielsweise haben wir auf Netflix „Unser Vater Dr. Cline“ geschaut und über die Motive der verschiedenen Beteiligten diskutiert, auch wohl hitziger. (Details zum Fall, wenn du interessiert bist, gibt es beispielsweise hier.) Dadurch zieht sich das Schauvergnügen durchaus in die Länge, weil wir immer wieder pausieren, um zu reden, aber ich finde es wirklich faszinierend, verschiedene Blickwinkel zu vergleichen.

Gerade angesichts der Tatsache, wie unterschiedlich er und ich in den meisten Dingen sind, wundern Familie und Freunde sich öfter mal darüber, wie selten wir streiten. Ich glaube, wir haben beide das Glück, dass

a) jede*r glaubt, er*sie sei eigentlich etwas schlauer als der*die andere und

b) wir sehr geduldig miteinander umgehen.

Egal, ob er mal wieder Tassen und Flaschen auf dem Wohnzimmertisch hat stehenlassen oder ich mein Handarbeitszeug im halben Wohnzimmer ausbreite, nach fünfzehn Jahren haben wir viel Toleranz für die Machen der anderen Person entwickelt. So weiß ich, dass er vor allem früh am Tag Probleme mit der Pünktlichkeit hat, und er erkennt die Anzeichen dafür, dass ich zu müde bin und jeden Augenblick quengelig werden kann (üblicherweise ab spätestens 21 Uhr).

Natürlich gibt es Dinge an der jeweils anderen Person, die uns grandios nerven, und es ist wichtig, auch mal Dampf abzulassen. Aber dafür hat man ja Freund*innen, bei denen man schimpfen kann, oder zur Not das Notizbuch für kleinere Rants. ^^

Einige Leute behaupten, ich sei zu harmoniebedürftig und ein „Pushover“, und vielleicht haben sie damit auch Recht – ich vergeude ungern Energie auf Streit, wenn ich mit weniger Aufwand eine Sache anders richten kann. Andere Leute behaupten ja, Streit halte die Leidenschaft jung. Wie ist das bei dir?

Probier’s mal mit Gemütlichkeit!

Ein schwarzweißer Kater hat es sich auf einem grauen Sofa auf einer rosa gestreiften Häkeltasche gemütlich gemacht und schaut aufmerksam auf die Person hinter der Kamera.
Symbolbild

Das war dringend nötig. So viele Dinge, die ich dringend zu erledigen hätte – so viele Dinge, die ich tun oder vorbereiten will! Stattdessen habe ich den Sonntag auf dem Sofa verbracht, ungesundes Zeug gegessen, endlich(!!!) „Stranger Things“ aufgesehen und ein Häkelprojet beendet, das schon seit Wochen hier liegt. Die Aufgaben laufen ja nicht weg, nicht wahr?

Sacken lassen

Es hilft ja gelegentlich, Dinge „sacken zu lassen“. Also zu warten, bis etwas sich etwas gesetzt/gefestigt/beruhigt hat, und dann zu schauen, was da eigentlich ist. Vor allem im Lernbereich ist das angeblich eine prima Methode.

Wer mich kennt, weiß: Da hab ich keine Geduld für.

Letztes Wochenende habe ich dann allerdings nach Mooooooonaten zum ersten Mal wieder einen kurzen Text eingelesen und dabei gemerkt – huch, ich glaube, ich bin tatsächlich besser geworden. Ob das daran liegt, dass ich das über lange Zeit gelernte etwas ruhen lassen und verinnerlichen konnte? Oder kommt es mir nur so vor, weil der Abstand zu meinen letzten stümperhafteren Aufnahmen größer ist? Bin ich vielleicht gar unkritischer, weil ich mich weniger mit der Materie beschäftigt habe, und in Wahrheit gar nicht besser geworden?

Tja, auch das wird wohl nur die Zeit zeigen. Jetzt bin ich erst einmal froh, dass ich wieder mehr Zeit für solche Aktionen habe, und freue mich darüber, dass ich das Aufnehmen tatsächlich vermisst habe.

(Das Schneiden nicht, fürchte ich – das nervt mich ähnlich hart wie das Überarbeiten meiner geschriebenen Texte. Irgendwie habe ich den Anspruch, dass all meine Wortergüsse doch bitte eigentlich im ersten Anlauf wohl gefälligst mindestens perfekt zu sein hätten, vielen Dank.)

Kommt Kunst vielleicht doch von „können“?

Eigentlich finde ich diese Herleitung unpassend, denn Kunstempfinden ist viel zu subjektiv, als das man bestimmen könnte: „Die Person macht Kunst, die kann das!“

Aber in den letzten Tagen dachte ich mir – vielleicht steckt da doch ein Fünkchen Wahrheit drin. Nicht „können“ im Sinn von „in der Lage sein, etwas auf einem professionellen Niveau zu tun“, sondern eher im Sinne von „die Möglichkeit haben/kriegen, etwas zu tun“. Und ich bin da natürlich nicht durch blankes Nachdenken drauf gekommen, denn: Man „lässt“ mich einfach nicht schreiben.

Der Mangel an Blogposts hat es vielleicht schon angedeutet, hier steppt der Bär, und es fallen etliche zusätzliche Arbeiten an. Jetzt ist mein Alltag eigentlich mit spannenden Dingen vollgepackt, und das Schreiben ist fast das spannendste. Es ist aber auch eines der ersten Dinge, die wegfallen, wenn es dringende Aufgaben zu erledigen gibt. Und ich habe jetzt mehrfach erlebt, dass andere Leute mir zusätzliche Aufgaben aufbürden, weil: „Diandra hat ja Zeit, die macht ja nichts neben der Arbeit.“

Äh, hallo????

„Nichts“???

Ich möchte widersprechen.

Die Mitarbeit in der PAN-Stipendiums-Jury ist nicht „nichts“.

Das Sprechtraining für meine eigenen Hörbücher ist nicht „nichts“.

Und die Geschichten, die ich dringend auf euch loslassen muss, sind erst recht nicht „nichts“.

Aber klar, das fällt dann notgedrungen aus, denn andere Leute brauchen Zeit, um für ihren Urlaub zu packen oder weil sie soviel arbeiten. Wenn ich dann ablehne, weil ich noch einen Haufen Leseproben zu lesen habe, der nächste Online-Kurs ansteht oder ich endlich mal wieder meinen anvisierten Wordcount pro Tag schaffen will, gibt es lange Gesichter. „Äh, ja, ähm, dann müssen wir wohl gucken, wie wir das machen.“

Gut, mir ist klar – so richtig hart materialistisch lebenswichtig ist Kunst nicht. Meine nicht, und die anderer Leute auch nicht. Es ist nicht so, als könne ich ein Heilmittel für Krebs erschreiben oder mittels liebevoll aufeinander abgestimmter Sätze den Krieg in der Ukraine beenden. Dennoch möchte ich kurz eine Welt beschwören, in der sämtliche Kunst mangels Zeit fürs Kunstschaffen ausfällt: Keine Musik. Kein Design. Keine mediale Unterhaltung – also natürlich keine Bücher, aber auch keine Serien, Filme, Dokus, keine Computerspiele, Brettspiele. Kein Bastelhobby, keine gemütlichen Einrichtungsgegenstände. Keine witzigen oder verstörenden Werbefilmchen auf YouTube. Überhaupt – kein YouTube.

Braucht man schließlich alles nicht.

Die Kunstschaffenden können dann stattdessen abgestellt werden, um Flugreisende abzufertigen oder so.

Macht doch etwas Sinnvolles mit eurer Zeit.

Sonst macht ihr schließlich „nichts“.

(Merkt man, dass ich ein wenig angefressen bin? ^^ )

Kerzen mit Logo – eine Anleitung

Allmählich kehrt die Freizeit wieder ein, und ich habe mich an einem weiteren aufregenden Bastelprojekt versucht: Kerzen mit Autorinnenlogo. Schließlich kann ich nicht immer nur mit Lesezeichen locken, nicht wahr? Und weil es auf die ersten Bilder sehr viel WOW und sehr viele „Wie hast du das gemacht?“ gab, möchte ich heute mit dir eine Anleitung teilen. Das Tolle ist nämlich: Du brauchst gar kein Autor*innenlogo, um schicke Kerzen zu gestalten. Eine beliebige Schablone in der passenden Größe reicht – und die kann man heute wirklich leicht online gestalten und herstellen lassen.

Pinkfarbene Kerze mit quadratischer Grundfläche, liegend auf einem vollgekritzelten Schreibtisch.

Die allerersten Versuche fanden mit regulären Stumpenkerzen statt und waren etwas durchwachsen. Es ist nämlich gar nicht so einfach, eine Plastikschablone mit feinen Details ordentlich auf einer runden Oberfläche anzubringen. Ich hab mir das Hirn zermatert: Kann man die Schablone vielleicht in warmem Wasser biegen? Oder die Oberfläche der Kerze leicht anschmelzen und die Schablone quasi festkleben? Es hat länger gedauert, als ich zugeben möchte, ehe ich auf des Rätsels Lösung kam: Eckige Kerzen. So wie die da im Bild. Farbe egal, Größe passend zur Schablone.

Schablone aus klarem Plastik: Ein D und ein L, verschlungen, im D reckt sich ein Drache in die Höhe.

Die Schablone habt ihr schonmal gesehen, die benutze ich für alles mögliche. Zur Erinnerung: Das Logo ist nicht selbstgemacht, das war die begabte Giusy von Magical Cover. Und nachdem ich das Logo einmal hatte, war es ein Leichtes, online einen Dienst zu finden, der für günstiges Geld Cappuccino-Streuschablonen nach Vorlage herstellt. (Den Link reiche ich nach, aber wenn du „Cappucino-Schablone“ in die Suchmaschine eingibst, kriegst du viele Anbieter gezeigt.) Für den Anfang habe ich mir zehn gegönnt, da sind einige zum Malen, Bekleckern und bestimmt auch zum Kaputtmachen bei, und ich kann zwei für Lebensmittelfarbe aufbewahren. (Ja, da gibt es auch noch Pläne.)

Großaufnahme Flüssigwachsstift, Aufschrift: Candle Wachs Pen Candle Wachs Pen Stype Cire Gera Pen Silber-Glitter Silver-Glitter".

Was braucht man, um mit einer Schablone auf eine Kerze zu malen? Genau, einen Stift. Einen Flüssigwachsstift, um genau zu sein. Die gibt es in vielen Farben zu kaufen. Für diese Kerze habe ich mich für Silber-Glitzer entschieden. Hättest du doch auch.

Pinkfarbene Kerze mit quadratischer Grundfläche, liegend. Auf der Kerze liegt die Schablone mit den verschlungenen Buchstaben D und L und dem Drachen, an der Oberkante ausgerichtet.

Man lege also die Schablone ordentlich auf die Kerze …

Schablone mit verschlungenem D und L, inklusive Drachen, auf  Kerze in Großaufnahme. Einige der lleren Flächen sind mit weißer gelartiger Flüssigkeit ausgefüllt.

… und male die Leerflächen grob mit dem Flüssigwachs aus. Die Schablone musst du dabei gut fixieren, aber mach dir keine Sorgen, wenn du nicht alle Details erwischst oder das Wachs ungleichmäßig aufgetragen ist. Nach dem Ausmalen nimmst du nämlich …

Kopf eines Teigschabers aus rosa Silikon auf einigen vollgekritzelten Blättern Papier.

… so ein Teigschabe-Dingsie (die Farbe ist Zufall, ich schwör!) und ziehst eine gerade Kante vorsichtig über die Schablone, um das Wachs zu verstreichen. Dabei kommt es auch in die Ecken, die du mit dem Stift möglicherweise nicht erreicht hast, und erhält eine glatte Oberfläche.

Drei Kerzen (orangefarben, pink, lila) mit Autorinnenlogo aus verschlungenem D und L mit Drachen im D, liegend, im Bücherregal. Man erkennt einige Buchtitel wie "Schwarzrheindorf Kirchenführer" oder "Kulturführer Drachenfels".

Nachdem du die Schablone vorsichtig(!) abgehoben hast, sieht das also so aus und muss etwa acht Stunden trocknen. Bei uns zuhause geht das am besten in einem Bücherregal auf einem der oberen Bretter, an die die Kater nicht herankommen. Klar behaupte ich andauernd, Katzenhaare seien Bioglitter, aber ich versuche dennoch, sie nicht sofort auf allem zu haben. Und weil es eigentlich sehr schnell geht, wenn man alles beisammen hat, habe ich direkt mehrere Kerzen gemacht.

Pinkfarbene Kerze auf grünem Hintergrund. In Silber-Glitter erkennt man das Autorinnenlogo: Ein D und ein L, ineinander verschlungen, und im D einen Drachen.

Und so sieht die fertige, getrocknete Kerze aus. Wer kann, kann mit den Flüssigwachsstiften übrigens auch freihand zeichnen oder schreiben, aber dafür fehlt mir das ruhige Händchen. Auf jeden Fall sieht die Kerze doch durchaus akzeptabel aus, oder? Beinahe schon professionell. Man würde nie denken, dass ich einen Pyjama anhatte, als ich sie gemacht habe.

Bestimmt machen solche Kerzen sich auch gut als Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenk. Wenn du online ein wenig stöberst (oder ultratalentiert bist und deine eigenen Muster herstellen kannst), findest du bestimmt die passende Schablone für jede Gelegenheit. Viel Vergnügen beim Nachbasteln, und ich freue mich, wenn du mir Bilder von deinen Kunstwerken schickst!

Fragen natürlich immer in die Kommentare, möglicherweise kann ich sie tatsächlich beantworten.