Die Fehlerfee war mal wieder da! Ich glaub, die wohnt bei mir.

Foto von Andrey Metelev, gefunden auf Unsplash

Ich spotte immer darüber, wie schlecht ich in Sachen Buchsatz sei. Und auch diesmal hat sich, trotz tagelanger Fiddelei, ein Fehler eingeschlichen. Klar, die Geschichte ist hinreißend und möglichst fehlerarm. Aber der zu druckende Rahmen? Geh mir weg.

Diesmal hat es die Titelseite erwischt. Ich hatte ja Angst, dass ich die Seitenzahlen versaut hätte, aber die sind einwandfrei (soweit ich das als Laie beurteilen kann).

Und was nu?

Alles einstampfen und neu machen?

Kann ich mir nicht leisten, und ganz im Ernst – wozu? Wem es beim Buch auf die perfekte Titelei etc. ankommt, der ist bei mir halt falsch. Ich kann mit Geschichten punkten, manchmal bin ich ganz lustig und meine Katzenfotos sind erste Sahne.

Ich habe beschlossen, mich nicht zu ärgern. Meine Bücher sind eben etwas Besonderes, mit allen ihren Fehlern. Bleibt nur die Frage: Versuche ich bei Band 2, es „richtig“ zu machen, oder behalte ich diesen Aufbau bei? Ich tendiere ja zur zweiten Lösung. ^^

Dieses verdammte Bullerbü

Auf dem Weg zur Arbeit fällt es mir auf: Ich lebe in Bullerbü.

Unser Haus steht an einem Wendehammer, auf dem morgens Leute ihre Kinder und Hunde ausführen. Dahinter liegt eine Kindertagesstätte direkt am Waldrand, in deren Garten die Kinder Möbel aus Weidenzweigen bauen. Mein Rad-Weg führt mich zwischen – ich schwör! – Kuhwiesen hindurch, auf denen Kühe und Kälber die Morgensonne genießen. Mehr Hunde, mehr Spaziergänger. Bachstelzen und Krähen teilen sich die Felder mit minimaler Diskussion. Ein Bach plätschert neben der Straße her. An manchen Tagen fahre ich zwischen Brennesseln und Kornblumen an der Straße mit Steinmetz und Biohof vorbei, an anderen nehme ich den geschotterten Weg direkt am Bach. Dort treffe ich mehr Spaziergänger und Eltern mit Kinderwagen, andere Radfahrer, erreiche schließlich einen Minigolfparcours. Klingt idyllisch, nicht wahr?

Leider hat mein Gehirn das nicht mitbekommen. Da im Gebüsch – ist das ein abgestorbener Baumstamm oder eine Leiche? Warum parkt da hinten ein Transporter zwischen den Feldern? Ist das Kind, das die junge Frau spazieren fährt, ihr eigenes? Und wie geht es wohl beim Minigolf zu, wenn keine Kunden/Zeugen vor Ort sind?

Wahrscheinlich dauert es nicht mehr lange, bis ich eine hervorragende neugierige Nachbarin werde. Immer am Fenster hänge. Mir wilde Geschichten über die anderen Hausbewohner ausdenke. Alles weiß, alles besser weiß, alles weitertratsche.

Oder ich könnte weiter abwegige Bücher schreiben. Damit lenke ich mein Gehirn hoffentlich ausreichend ab. Weitere Bücher über dieses verdammte Bullerbü mit all seinen Abgründen und Monstern. ^^

E-Mail Betreff: Dank für Mitnahmeangebot

Liebes (Baustoffhändler)-Team,

bitte leiten Sie meinen Dank an die Person weiter, die heute morgen auf der ABC-Straße zwischen 123-Str. und XYZ-Gasse offenbar der Ansicht war, die alte Frau auf dem Rad brauche dringend eine Mitnahmegelegenheit. Alle haben es heutzutage eilig, deswegen weiß ich das sehr zu schätzen. Allerdings möchte ich mich lieber als „Frau auf Fahrrad“ fortbewegen und nicht als „Frau auf Fahrrad, an LKW gematscht“ – das ist kulturell, ich bin nicht von hier.

Der Abschnitt Straße, auf dem sich die motorisierten Fahrzeuge die Fahrbahn einspurig mit dem Schutzstreifen teilen müssen, ist ungefähr 200 Meter lang, und da herrscht Tempo 30. Klar, 30 (oder 35, geht ja bergab) ist immer noch besser, als hinter einem ca. 15 km/h fahrenden Rad bleiben zu müssen, und wir haben es alle eilig (siehe oben). Aber die Engstelle ist wirklich nicht lang. Menschen mit größeren mathematischem Verständnis (und höherem Koffeinpegel) als ich könnten die Verspätung ausrechnen, die man auf dieser Strecke erleidet, wenn man nicht überholt. Ich überschlage mal optimistisch, dass sie sich im Sekundenbereich bewegt.

Falls bei Ihren fahrzeugführenden Personen Auffrischungsbedarf besteht, können sie die aktuell geltenden Regeln online leicht nachlesen (Stichwort StVO-Novelle 2020).  Zusammengefasst: Beim Überholen von Radfahrern muss innerorts ein Abstand von 1,5 Metern eingehalten werden. Da ich Ihr Fahrzeug heute morgen problemlos mit der Hand hätte berühren können, behaupte ich mal, dass das keine 1,5 Meter waren.

Um das mit der Eile noch einmal ins Verhältnis zu setzen: Ich bin wirklich nicht schnell. Auf der Strecke zwischen 123-Straße und (Werkstatt) hat Ihr Fahrzeug mich dreimal überholt. Das spricht eindeutig für den Arbeitseifer Ihres Personals, aber gegen die generelle Verkehrsgeschwindigkeit in unserem Ort zu Stoßzeiten. Auch deswegen möchte ich anregen, dass wir alle etwas mehr Entspannung walten lassen und die endlosen Sekunden warten, bis ein Überholvorgang gefahrlos möglich wird.

Eine letzte Bitte: Schimpfen Sie Ihre Mitarbeiter nicht. Sprechen Sie sie halt drauf an. Es war für alle eine lange, anstrengende Woche, und niemand sollte schlechtgelaunt ins Wochenende gehen. Ich möchte nur, dass wir alle das Wochenende auch erreichen.

Mit freundlichem Gruß

Diandra Linnemann

Summertime and the living is easy …

*träller*

Naaaah, ich mag den Sommer immer noch nicht. Aber die Hitze hält sich aktuell in Grenzen, die Arbeit auch (noch!!!) und ich genieße den Balkon nicht so oft, wie ich möchte.

Der Kater leistet mir oft Gesellschaft, und die Miez inzwischen auch. Sie will nicht unbedingt angefasst werden, aber schon dabei sein. Drei Zentimeter von meinem Bein entfernt, und dann bloß nicht bewegen!

In den letzten Wochen hat der Kater ja einiges über sich ergehen lassen, und seine Tierarzt-Abenteuer sind noch nicht vorbei – als nächstes soll er einen Spezialisten besuchen, denn unserem Haustierarzt gehen die Ideen aus, wie man die Harnsteine noch entfernen könnte. Nicht einmal die OP war erfolgreich, denn unser Kater macht wohl keine halben Sachen. Für den Moment darf er sich allerdings ein wenig erholen. Drück die Daumen, dass es keine akute Verschlechterung gibt!

Ich überlege noch, was ich über meine Abenteuer der letzten Wochen schreiben will. Ich war auf der MetropolCon, auf dem Bücherbummel und bei einem Kampfkunst-Seminar für Autor*innen. Hilf mir mal ein wenig, was interessiert dich? Was musst du unbedingt wissen? Alternativ kann ich auch einfach nur Katzen- und Schneckenbilder posten. ^^

Das war auf jeden Fall mal ein Lebenszeichen. Gibt es ja auch viel zu selten.

Bücherbummel!!!

HIER IST DER LINK.

Und das Wichtigste fasse ich dir hier noch einmal zusammen: Am Montag lese ich um 12:30 auf der Musikbühne auf der Brücke, Steinstraße. Muss noch herausfinden, wo die ist und wie ich da am besten hinkomme – zumal ich mir Donnerstag beim Laufen die Knie und den Stolz verletzt habe und im Moment ein wenig mehr jammere und humple als sonst.

Das soll uns natürlich von nichts abhalten. Falls du findest, du solltest mich unbedingt einmal lesen hören – ja, das kann ich! Wenn du also am Montag in Düsseldorf bist, lass dir das nicht entgehen! Anschließend stehe ich mitsamt Büchern für Signaturen, Fotos, spontane Weltumsturzpläne etc. zur Verfügung, und ein paar Bücher bringe ich auch mit. Gerüchten zufolge sind da noch ganz viele andere Buchmenschen, manche von ihnen sogar Profis!

Die tote Maus von Godesberg

Heute morgen musste ich mit unserem Kater nach einer Operation zur Kontrolle. Das findet er nicht so gut, lässt es aber meist heldenhaft über sich ergehen. Doch wie wir die Praxis erreichten und das Wartezimmer betraten, bot sich uns ein ungewohnter Anblick.

Auf sämtlichen Sitzen und Bänken saß ein knappes Dutzend Kinder im Vorschulalter, begleitet von zwei Erwachsenen.

Meine erste Frage lautete: „Werden die heute alle gechipt?“

Unterdessen ergingen die Kinder sich in Begeisterung ob der süßen Katze, die (der!) sich in seiner Kiste für die kleinen Menschen allerdings weniger interessierte.

Die Gruppe wurde in die Praxis gerufen, Kater und ich blieben allein im Wartezimmer zurück.

Jetzt ist so eine Kindergruppe ja nicht direkt leise, und die Tierarztpraxis hat eine eher dünne Tür. So konnte ich von meinem Platz aus gut mithören, worum es bei diesem kuriosen Besuch ging.

Offenbar hatten die Kinder eine tote Maus gefunden. Und mein Tierarzt hatte sich wohl bereit erklärt, ihnen einiges über Mäuse generell und tote Mäuse im Besonderen zu erzählen.

Du kannst dir vorstellen, ich war ganz hingerissen.

Woran diese spezielle Maus gestorben sei, könne man nicht ohne Weiteres sagen.

(Die Kinder hatten die Maus also dabei?)

Tote Tiere hätten, häufig wie tote Menschen, die Augen dennoch offen.

Nein, offene Augen bedeuteten nicht, dass die Maus heimlich noch lebe.

Mäuse könnten ganz normal krank werden und sterben, wie alle anderen Tiere auch.

Die langen Schnurrhaare seien Tasthaare, mit denen Mäuse sich in ihren Gängen unter der Erde orientieren könnten.

Bestimmt gab es noch weitere Fragen, aber ich war so mit Lauschen beschäftigt, dass ich völlig vergessen habe, mir alles zu merken. Auf jeden Fall gingen die Kinder nach vielleicht fünfzehn Minuten wieder, alle sehr gesittet, und wünschten dem Kater im Hinausgehen noch gute Besserung.

(Dem Kater geht es aktuell tatsächlich gut, er ist nach der Operation nur etwas geschwächt.)

Als wir selbst etwa zehn Minuten später ebenfalls die Praxis verließen, befand sich die Kindergruppe immer noch vor der Eingangstür. Offenbar hatten sie in dem kleinen Zierteich vor der Tür etwas entdeckt, was unbedingt beobachtet und besprochen werden musste.

Sie wollten natürlich wissen, wie es der armen Katze gehe.

Alles gut, er hat ein paar Spritzen bekommen und muss sich jetzt ausruhen. Außerdem findet er Arztbesuche und Spritzen doof.

Wir bekamen noch ein paar Genesungswünsche und machten uns auf dem Weg zum Auto. Die Erwachsenen animierten die Kinder dazu, sich ihren jeweiligen Ausflugspartner zu suchen und ihn an die Hand zu nehmen. Im Davongehen hörte ich eine der erwachsenen Personen überrascht fragen: „Warum bist du denn jetzt schon wieder so klebrig?“

Was für eine unüberlegte Frage. Wann sind Kinder das denn, bitte, einmal nicht???

Fluch und Segen moderner Medien

Erinnerst du dich noch an die Überflutung (unter anderem) im Ahrtal? Das war ziemlich krass … und weil ich den ganzen Tag über auf der Arbeit am Rechner sitze, hatte ich ziemlich früh die ersten Hiobsbotschaften über Twitter vor der Nase. Nicht nur das Ahrtal stand unter Wasser, sondern auch Teile des Ruhrgebiets, die Gegend um Euskirchen, … – sagen wir so: Auf drei von vier Seiten war Bonn von Unwetter umgeben, und auf der vierten Seite lag der Rhein. Ich beobachtete alles entsetzt: Freund*innen hatten da gerade plötzlich Wasser im Wohnzimmer! Verloren ihre Autos! Mussten von der Feuerwehr gerettet werden! Im Minutentakt erreichten mich wenig schöne Nachrichten. (Spoiler: Glücklicherweise ging es, bis auf Sachschaden, in meinem Umfeld meist glimpflich aus.)

Sicherheitshalber schickte ich in den Familienchat eine Nachricht, dass bei uns wettertechnisch alles gut sei.

Meine jüngere Schwester antwortete darauf: Klar, wieso auch nicht?

In der Hitze des Augenblicks hatte ich vergessen, dass sie einem weniger computergebundenen Job nachgeht und deswegen NICHT den ganzen Tag über Zugriff aufs Internet hat. Für sie war die Nachricht also völlig kontextfrei.

Später am Abend, als sie dann auch die Nachrichten und Unwetterkarten gesehen hatte, kam die Rückfrage: Seid ihr sicher, dass bei euch alles gut ist?

Zum Glück wohnen wir oben auf dem Berg, und dann nicht im Erdgeschoss. Wenn bei uns das Wasser vor der Tür steht, hat hoffentlich schon jemand mit dem Bau einer Arche angefangen. Aber darüber ist mir einmal mehr klargeworden – überall auf der Welt passieren wahrscheinlich rund um die Uhr Katastrophen, große und kleine, und 99,9 % davon kriegen wir gar nicht mit. Früher war das ja noch viel schlimmer, vor dem Internet – was sage ich? Vor der Erfindung des Telefons konnte es Tage und Wochen dauern, ehe man wichtige Ereignisse mitbekam! (Für alle, die sich wundern: Das habe ich nicht persönlich mitbekommen, soooo alt bin ich auch nicht.)

Heute geht das ja ganz schnell. Leute berichten quasi live, was sich bei ihnen so ereignet. Auch viele etablierte Medien bedienen sich an SoMe-Quellen, wenn sie „am Puls der Zeit“ berichten wollen. Leider geht dabei manchmal Geschwindigkeit zu Lasten von Genauigkeit oder sogar Wahrheit. Denn ich weiß nicht, ob dir das schon einmal aufgefallen ist: Alle können ungefiltert alles ins Internet stellen. Zuletzt gab es beispielsweise bei Twitter in bestimmten Kreisen große Aufregung um den Account einer angeblichen körperlich behinderten Person, die als Ärztin praktizierte und eine ebenfalls körperlich behinderte Tochter hatte. Den Account gab es schon seit vielen Jahren, und die dargestellte Person war gelegentlich interviewt und auch schon ausgezeichnet worden. Und jetzt hieß es plötzlich, dass es diese Person gar nicht gibt. Andere Accounts hatten sich die Mühe gemacht und Ungereimtheiten aufgelistet, Kontakt zu den interviewenden Medien etc. aufgenommen, und niemand hatte die dargestellte Person je gesehen oder auch nur am Telefon gehabt. Alles ging über eine dritte Person, bei der angenommen wurde, dass sie die eigentliche reale Existenz hinter der fiktiven Twitter-Persona sei.

Und von Wahlmanipulationen etc. reden wir gar nicht erst. Das Internet ist zwar kein rechtsfreier Raum, aber wie man das Potenzial nutzt und welchen ethischen Rahmenlinien man sich unterordnen will, darüber sind die Akteure durchaus kontroverser Ansicht.

Auch Privatleute nutzen das Internet nicht nur mit hehren Absichten. Ich kenne gleich mehrere Leute, die im Lauf der Jahre auf die sogenannten „Romance Scammer“ hereingefallen sind. Und vom Nigerianischen Prinzen hast du bestimmt auch schon gehört – heute ist das oft eine tiefreligiöse Witwe mit Kehlkopfkrebs, man will das Publikum nicht langweilen!

Sei es durch Wortwahl, Auslassen, Weglassen, prominente Platzierung – sogar seriöse Medienportale betreiben durchaus Meinungsmache, verfolgen mitunter versteckte Ziele oder versuchen, sich einen Vorteil zu verschaffen. Deswegen ist es wichtig, dass Menschen von klein auf lernen, kritisch mit Medien umzugehen. Nicht nur mit Nachrichten etc., sondern auch mit dem, was ihnen in den Sozialen Medien begegnet (hallo, Photoshop! Influencerwelle incoming!) und damit, was sie selbst über sich preisgeben wollen.

Natürlich hat all das auch spannende Implikationen für schreibende Menschen wie mich, aber darüber erzähle ich irgendwann ein anderes Mal mehr.

Hast du einen Lieblings-Internet-Fake? Oder bist du selbst mal auf etwas hereingefallen, was sich später als gar nicht echt herausgestellt hat?

Upps, so lange?

Gerade bot mir WordPress eine Einführungs-Slideshow an. Gibt es etwa Neuerungen oder war ich nur mal so lange wieder nicht da? Wir werden es wahrscheinlich nie erfahren.

Lenke ich dich doch schnell mit einer Anekdote ab.

Ich war wandern.

Mache ich gerne, hab ich schon öfter gemacht. Beim Wandern kann ich nachdenken, absurde Selbstgespräche führen, an Baumrinde schnuppern und mich herrlich vor der Hausarbeit drücken. Und damit ich nicht immer die gleichen fünf Wege wandere, suche ich mir mit Hilfe verschiedener Apps öfter mal eine neue Herausforderung.

Letzten Sonntag war ich im Westerwald, mir den Bärenkopffelsen begucken. Ich wusste, die Wanderung wird etwas länger als mein übliches Pensum – aber das ist gut, denn irgendwann dieses Jahr will ich mal die Tour der 10 Bergaussichten im Siebengebirge erwandern, das sind schnuffelige 25 Kilometer.

Wo war ich stehengeblieben?

Ach ja. Wäller Tour Bärenkopp. Hübsche Route, die erste Hälfte war meiner Meinung nach schöner als die zweite, da es in der zweiten Hälfte in erster Linie über Felder und teilweise über geteerte Straßen ging. Mag ich nicht so sehr. Den Wald hingegen fand ich hübsch. Der Weg war in der App als „moderat“ bezeichnet worden. Wandern kann ich ja, dachte ich mir, moderat ist also quasi gut. Die Steigung war dann auch gut zu bewältigen, nur mit einer Sache hatte ich nicht gerechnet.

Auf einer Seite des etwa 40 Zentimeter breiten Weges ging es streckenweise steil nach oben – und auf der anderen Seite steil nach unten.

Hatte ich dir von meiner Höhenangst erzählt?

Natürlich habe ich mich von so einem bisschen bodenlosem Abgrund nicht abhalten lassen. Bin mit Todesverachtung immer weiter gegangen, immer höher, immer mal wieder unauffällig in die Tiefe geguckt. War gar nicht so schlimm. Erstens falle ich beim Gehen fast nie spontan um, und zweitens – selbst wenn, da standen ja jede Menge Bäume. Ich wär also gar nicht für immer und ewig wie der Balrog in die Tiefe gestürzt, sondern hätte mir nach wenigen Metern etwas an einem Baumstamm gebrochen und mich dann wohl auch festgeklammert.

Sehr beruhigende Aussichten. Ich sollte Motiationsreden schreiben!

Belohnt wurde ich schließlich mit einer sehr schönen Aussicht, die ich euch leider nicht zeigen kann, weil da lauter Leute vor standen. Und ich sag dir: Hätte ich über solche Wege wieder nach unten wandern sollen, hätte ich zwischendurch vielleicht ein wenig geweint. Um die Anspannung loszuwerden. Aber wie schon gesagt, die zweite Hälfte waren sonnige Felder und Wiesen und eine Infotafel mit einer gar nicht gruseligen Geschichte über den ungeklärten Mord an einem Schäfer an fast so ziemlich genau der Stelle, wo ich lesend stand.

Am Montag haben meine Beine dann übrigens gestreikt, da bin ich laut Telefon nur 90 Meter gegangen. Muss aber auch mal sein. Und über meine gemischten Gefühle zum Bergwandern schreibe ich noch ein wenig in meinem nächsten Manuskript.

Werbung und wie man es NICHT machen sollte

Gelegentlich lese ich gerne Thriller und Mysteryromane. Habe ich schon immer gemacht, wird sich wahrscheinlich nicht so schnell ändern. Leider ist auch in dem Bereich viiiiiiiiel Einheitsbrei zu finden, aber ab und zu stolpere ich über ein Buch, das wirklich interessant klingt, und da man ja nie genügend Bücher haben kann …

Auf jeden Fall habe ich diese Woche Das Dorf der toten Seelen von Camilla Sten gelesen. Laut Klappentext geht es (ich bemühe mich, Spoiler zu vermeiden, aber ab hier liest du auf eigene Gefahr weiter!) um eine Gruppe junger Film-Menschen, die in ein verlassenes Dorf fahren, um Vorbereitungen für eine Dokumentation zu treffen. Die Menschen, die in diesem Dorf wohnten, sind vor etwa 60 Jahren auf mysteriöse Weise verschwunden. Die Initiatorin des Projekts, Alice, hat eine persönliche Verbindung zu dem Ort – ihre Großmutter ist wenige Wochen vor dem Verschwinden der Leute aus dem Ort weggezogen.

Also, das könnte ganz spannend sein. Findest du nicht? Und es war auch ein solides Lesevergnügen. Natürlich hatte die Geschichte einige handwerkliche Schwächen. Ich hasse es, wenn die Protagonistin die Hälfte der Zeit inkompetent in der Gegend herumstolpert, aber das scheint ja so eine Mode zu sein, um Figuren menschlicher wirken zu lassen … ehrlich? Wenn ich in der Wildnis mit so jemandem unter Lebensgefahr arbeiten müsste, würde ich die Person fesseln und knebeln und das Kommando an mich reißen. Also, Sympathiepunkte gewinnt die Protagonistin bei mir schon einmal nicht. Auch die anderen Figuren arbeiten häufig nicht am Maximum ihrer Kapazität.

Aber darum soll es heute gar nicht gehen. Stattdessen möchte ich über eine Entscheidung des Verlags reden, die dafür sorgt, dass das Buch bei Lesenden einfach nicht wie erwartet landen KANN.

Ausschnitt der Buchrückseite. In blauer Schrift ist zu lesen: Stranger Things meets Scandinavian Crime.

„Stranger Things“ … kommt dir das irgendwie bekannt vor? Das war doch diese Serie über Kinder, die gegen Monster aus einer anderen Dimension kämpfen, während im Kalten Krieg die USA und Russland parallel versuchen, diese Monster im Rahmen der Aufrüstung für ihre eigenen Zwecke einzusetzen. Läuft seit 2016 und war DAS große Ding bei Netflix. Ich muss sagen, ich habe die Serie sehr gemocht. Und ich verstehe, warum bei einem Buch aus 2020 (deutsche Ausgabe) auf ein kulturelles Massenphänomen Bezug genommen wird.

Es gibt nur ein Problem:

Die Geschichte, die erzählt wird, hat mal so GAR NICHTS mit „Stranger Things“ gemeinsam.

Die Charaktere sind älter als die Protagonist*innen aus „Stranger Things“.

Es gibt keine Regierungsverschwörung, keine andere Dimension und keine Monster.

Niemand stellt einen Bezug her zu popkulturellen Ereignissen, denen man nostalgisch nachtrauern könnte.

Keine einzige Person hat übernatürliche Fähigkeiten – wenn wir mal von übernatürlicher Irrationalität absehen, über die ich oben ja schon ansatzweise geschimpft habe.

Jaaaaaa, irgendwo gegen Ende wird mal erwähnt, wie etwas superunheimlich ist, und ganz am Rand wird eine Verbindung zwischen einer verstorbenen Person und ihrer Nachfahrin angedeutet (ich hatte euch vor Spoilern gewarnt!), aber das kommt so spät im Buch und ist derart unbedeutend für die Geschichte, dass ein vernünftiges Lektorat wenigstens fette Fragezeichen an die entsprechenden Stellen gemacht hätte.

Während also möglicherweise viele Leute aufgrund des im Foto gezeigten Werbeslogans zu diesem Buch gegriffen haben, muss ich vermuten, dass genau diese Leute von der Geschichte unglaublich enttäuscht werden – und das äußert sich dann in Rezensionen und Empfehlungen. Wieso, um alles in der Welt, sollte ein Verlag einer schreibenden Person so einen Bärendienst erweisen?

Stell dir das mal im normalen Supermarkt vor:

„Margarine aus der Abendbrotszene von Stranger Things!“

„Der Demogorgon würde seine Fratze nur mit Clearasil waschen!“

„Haben Sie Untote im Keller? Vertreiben Sie dämonische Gerüche mit Febreze!“

Ankündigung: Bücherbummel

Her war es lange erstaunlich ruhig. Ich schiebe das auf das Schicksal, denn das hat sich definitiv gegen mich verschworen. Aber nicht einmal eine ausgewachsene Erkältung in Kombination mit einer Zahn-OP kann mich davon abhalten, dir diese frohe Botschaft zu überbringen:

ICH DARF AUF DEM BÜCHERBUMMEL LESEN!

Der findet über Pfingsten in Düsseldorf statt und ist nach allem, was ich gehört habe, eine sehr sehenswerte Veranstaltung. Am besten kommst du am Montag, 29.05.2023, und hörst dir dann zu Mittag an, was ich zu erzählen habe.

Das Werk der Wahl ist Das Oktoberhaus, auf das ich immer noch ganz unvernünftig stolz bin. Über alle weiteren Details halte ich dich natürlich auf dem Laufenden.