Gefühle – lieber innen oder außen?

Diese Woche im Sprechkurs (damit ich euch schöne Geschichten auch schön vorlesen kann) haben wir uns mit Werbetexten beschäftigt. Das ist mein Endgegner. Die Anweisungen sehen in etwa so aus:

Wir suchen eine*n Sprecher*in für einen Werbespot von 60 Sekunden bei kleinem Budget. Der Spot soll enthusiastisch, informativ, empathisch und freundlich klingen. Er soll begeistern!

Und dann hast du da einen Text von 51 Wörtern, denn eine übermüdete und unterbezahlte Marketingperson („kleines Budget“) morgens um drei in die Tasten gehustet hat. Mit mehr Augenmerk auf „Werbesprech“ als auf schöner Sprache. Flow? Rhythmus? Nööööö, machenwa nich.

Jetzt bin ich wirklich introvertiert. Merkt man eventuell nicht, wenn man mir auf Messen oder so begegnet, aber ich trage meine Gefühle bevorzugt innen. Meine liebste Veranstaltung ist wirklich der stille Lesemorgen auf dem Balkon mit Kater. Ich kann auch hingebungsvoll tagelang mit niemandem sprechen. (Nächster Urlaub in der Mord-Wald-Hütte, wann???) Wenn ich also für so eine Sprech-Übung auf einmal all meine Gefühle hörbar außen tragen soll, und das auch noch werbetechnisch überzeichnet, fällt mir das schon schwer.

Kennst du meine Buchwerbung? Dann weißt du ja Bescheid.

„Kauf dieses Buch. Reden wir nicht weiter drüber.“ (Setzt Sonnenbrille auf und wandert aus.)

Deswegen waren im Sprechkurs dann auch alle – einschließlich meiner Wenigkeit – überrascht, dass der Werbetext richtig gut funktioniert hat. Natürlich werde ich das nie reproduzieren können. Vielleicht war ich kurzfristig vom Geist eines*er verstorbenen Profisprecher*in besessen. Falls ja … war gar nicht schlimm. Würd ich wieder machen.

Ooooooder möglicherweise habe ich in den letzten Jahren tatsächlich etwas dazugelernt. Dann müsste ich mir einen neuen Endgegner suchen. Live-Comedy, ich komme! ^^

So ein schönes Wochenende, ich könnt glatt noch eins

Soviel Erholung bin ich gar nicht mehr gewohnt, ich sag’s dir. Der Freitag fing ja gar nicht vielversprechend an – mit Arbeit. Die hielt sich glücklicherweise allerdings in Grenzen, und kurz vor Feierabend meldete sich eine Freundin: Das hübsche Kleid, das ich in ihrem Laden Anfang April bewundert hatte, sei in meiner Größe eingetroffen. Also hab ich spontan den Wocheneinkauf abgesagt und bin stattdessen in die Stadt gefahren. Kleid anprobiert, gekauft, ein paar Besorgungen erledigt und mit der Freundin noch ein Feierabend-Kaltgetränk konsumiert. Das Wetter war ja auch hinreißend. Gut, jetzt hatten wir nichts zu Essen im Haus, weil ich halt nicht einkaufen war. Ich musste also notgedrungen Indisch bestellen. ^^

Den Einkauf hab ich am Samstag nachgeholt – nach einem geruhsamen Morgen mit etwas Häkeln, einem Spaziergang und Arbeit am aktuellen Manuskript. Den Haushalt hab ich auch irgendwie erledigt bekommen, war gar kein Aufriss. (Diesen Zaubertrick werde ich nie duplizieren können.) Abends, als der Mann unterwegs war, einen Kumpel zu treffen, hab ich erst Rote Bete eingekocht und danach weiter am Manuskript gearbeitet. Zur Belohnung hab ich mich danach mit einem Horrorfilm aufs Sofa zurückgezogen. Gut, da gab es einen kleinen Zwischenfall. Denn der Kater hatte offenbar beim Putzen zu viele Haare verschluckt. Erst hat er eine 5 cm-Haarwurst ausgekotzt. Dann hatte er ein Shit and Run, aber wegen all der verschluckten Haare ist ihm was am Hintern hängengeblieben.Das hat er schön einmal die Flurlänge entlanggerutscht. Ich hab also abends um elf noch fix die Kotze weggeputzt, die Katzenklos saubergemacht, des Katers Bremsspuren aufgewischt und desinfiziert und dem armen Tier den Hintern abgewischt. Hat er alles sehr geduldig über sich ergehen lassen.

Sonntag Morgen war dann so richtig dekadent. Ich hab Milchreis-Auflauf gemacht. Warme Süßspeisen esse hier im Haus nur ich, deswegen mach ich mir die Mühe nicht oft, doch da hatte ich richtig Lust drauf. Und der backt ja quasi auch von selbst, während ich es mir im Bad gemütlich gemacht hab. Danach etwas Lektüre, noch ein Spaziergang, ein wenig Balkonarbeit (ich hab endlich das Gemüse eingepflanzt!) und dann war es auch schon Zeit fürs Theater. Eine Freundin hat als Regisseurin mit einer freien Theatergruppe ein unglaublich lustiges Stück auf die Bühne gebracht, das konnte ich mir nicht entgehen lassen. Und weil der Mann mutig mitgegangen ist, obwohl ihm so Klamauk meist zu klamaukig ist, gab es zur Belohnung Abendessen aus seinem Lieblings-Fastfood-Restaurant. Eingeschlafen bin ich dann mit dem Kater im Arm, um heute morgen überraschend frisch aufzuwachen.

So fühlt es sich also an, wenn man mal ausgeruht ist. Faszinierend.

Zum Schluss eine kleine Bildcollage. Die Hintergründe kennst du ja jetzt. ^^

Ankündigung: BonnTastik-Lesung im Quartiersmanagement Lannesdorf!

Ankündigungsplakat, Text: Tatjana Flade, Martin Welzel (Hrsg.) - Lesung, 28. Mai 2025, 19 Uhr - Autorinnen: Marita Bagdahn, Tatjana Flade, Heike Klein, Diandra Linnemann und M. C. Schulz  - Ort: Quartiersmanagement Lannesdorf/Mehlem, Ellesdorfer Str. 52, 53179 Bonn - Kostenlos. Kommen Sie einfach vorbei! - BonnTastik. Texte zu Bildern, Bilder zu Texten. Die Anthologie zur 5. BonnTastik.

Von der BonnTastik hatte ich bestimmt schon einmal erzählt. Die Bonner Regionalgruppe des BVjA schreibt seit einigen Jahren regelmäßig Kurzgeschichten zu den Bildern des Künstlers Martin Welzel. Diese Geschichten samt Bildern werden dann in einer Anthologie veröffentlicht.

Die Vorbereitungen für die sechste Ausgabe laufen bereits (mit einer neuen Künstlerin, mehr dazu bei anderer Gelegenheit). Bis dahin lesen einige von uns allerdings am 28.05.2025 ab 19:00 h im Quartiersmanagement Lannesdorf aus der BonnTastik V. Wer also Lust auf diese vielseitige Mischung aus Wort und Bild hat, sollte also unbedingt vorbeikommen! Der Eintritt ist kostenlos, und da der Tag danach regional ein Feiertag ist, ist es auch nicht schlimm, wenn wir alle etwas später ins Bett kommen.

(Nicht, dass wir vorhätten, euch über Gebühr zu beanspruchen!)

Hier ist die offizielle Ankündigung auf der Quartiersmanagement-Seite: LINK

Und wenn du andere Orte wüsstest, an denen ich (oder wir) lesen sollte(n), melde dich!

Schreibupdate und Zufälle, die es nicht gibt

Ich kämpfe immer noch gegen „Zuflucht in Schattenfall“.

Der Plot ist zu linear, es gibt zu wenig Konflikte.

Zwischendrin sitzt die Protagonistin für zwei Wochen nur auf dem Hintern, das ist zu langweilig.

Mein Endgegner ist eigentlich kein Endgegner, dazu mag ich ihn zu sehr.

Die ursprünglich geplante Lösung ist folglich zu grausam.

Und ich schwör, ich war drauf und dran, das Projekt auf Halde zu legen. Geht nur leider nicht, weil ich schon einen Lesungstermin Anfang Juni auf dem Bücherbummel in Düsseldorf habe. Da müssen wir jetzt also durch. Außerdem mag ich die Geschichte, ich hab sie halt nur nicht im Griff.

Dachte ich bis heute morgen.

Die Tage hatte ich schon Input von einer Testleserin eingeholt. Die hat wenigstens bestätigt, dass meine geplante Lösung sich organisch aus der Geschichte, wie sie bis jetzt schon ist, ergibt. Aber an den Lücken und Macken ändert das auch nichts. Also hab ich gewälzt. Und nachgedacht. Und alles immer wieder vorgekramt, um es von allen Seiten zu betrachten.

Und heute morgen hatte ich den Geistesblitz – eine Lösung, die perfekt in die Geschichte passt, aus dem Endgegner einen Endverbündeten macht, für zusätzlichen Konflikt sorgt, die Flaute in der Mitte beseitigt UND meinen Blickwinkel auf die geplante Grausamkeit ändert. So passt plötzlich alles perfekt zusammen.

Natürlich muss ich dafür hingehen und die ersten zwei Drittel des Buches umschreiben. Aber nicht sehr, ein paar Hinweise und eine oder zwei Szenen sollten reichen. Und dann sieht das aus wie dieses unglaublich komplexe Ding, das ich elegant aus dem Hut zaubere und das sich von der Thematik her jetzt noch viel besser in die Reihe eingliedert, als es eh schon der Fall war.

(Außerdem habe ich wichtige Details für Band 3 und 4, von denen es mir in den Fingern kribbelt.)

Damit ist wieder bewiesen, dass ich die chaotischste Plotterin bin, die ich kenne. Und bei „Magie hinter den sieben Bergen“ war das ganz ähnlich. Lauter winzige Details, die ich ohne Nachdenken in die Geschichten gestreut hatte, haben am Ende diese überzeugende Komplettlösung ergeben, die aussieht, als sei sie über neun Romane liebevoll aufgebaut worden. Dabei wusste ich zu Beginn gar nicht, dass es mehr als einen Roman geben würde.

Mein Unterbewusstsein plant viel besser als ich, soviel ist mal klar. In den meisten Fällen weiß ich genau das, was da am Ende auf dem Papier steht, und kein bisschen mehr. Aber irgendwo, weit außerhalb meiner Reichweite, ist die Geschichte schon fertig und durchgeplant und komplex und wartet nur darauf, mich beim Schreiben zu überraschen.

Das ist doch ein schöner Gedanke, nicht wahr? Und jetzt mache ich mich mal daran, die ersten zwei Drittel zu überarbeiten. Eigentlich soll das Buch nämlich bis Ende Februar März April fertig sein. (Weint.)

Sobald ich damit durch bin, gibt es natürlich das offizielle Cover-Reveal! Falls du schon vorher sehen willst, worum es geht … meine Patreons sind viel besser informiert als du und ich zusammen. ^^

Schreibideen sind wie Reis mit Bohnen

Auf einem runden Teller mit rotem Rand sieht man vorne links eine in Stücke geschnittene Tomate, rechts daneben ein in Stücke geschnittenes gekochtes Ei. Hinter dem Ei sieht man einige Stücke Avocado, oben links liegt ein Haufen Reis mit schwarzen Bohnen. Der Reis ist rötlich bis bräunlich, mit kleinen roten Stücken Tomate und Paprika untergemischt. von rechts ragt ein Löffel ins Bild.
Hab ich selbst gemacht. :-)

Was redet die jetzt wieder???

Vertrau mir.

Aaalso. Ich hab am Sonntag Abend einen Topf Reis mit schwarzen Bohnen gekocht. Etwas völlig Unspektakuläres also, was manche von euch zubereiten könnten, ohne das Haus zu verlassen. Nicht teuer, nicht exotisch, fast schon langweilig. (Falls du jetzt hungrig bist: Ich habe dieses Rezept verwendet.)

Aus diesem Reis mit Bohnen habe ich bis jetzt vier völlig verschiedene Mahlzeiten zubereitet.

Auf dem Bild siehst du heißen Bohnenreis mit Beilagen, perfekt fürs Büro.

Außerdem hab ich einige Löffel Reis und Bohnen in Rührei gefrühstückt.

Montag Abend gab es Wraps mit Bohnenreis, Rucola, Rindfleisch und Käse.

Heute habe ich den restlichen Reis in einen gemischten Salat geworfen.

Weitere Dinge, die man mit diesem Bohnenreis machen könnte: Ihn als Einlage in eine Suppe werfen, gebratenen Hähnchenfleisch untermischen, einen Auflauf mit Tomatensauce machen, Ofengemüse untermischen, Paprika (oder gebackene Süßkartoffeln) füllen, Unmengen Käse dranmischen, …

Siehst du langsam, worauf ich hinaus will?

Schreibideen sind oft nichts Besonderes – was wir draus machen, das ist das Spannende. Deswegen halte ich meine Schreib-Ideen auch nur selten geheim. Man könnte eine prima Anthologie daraus machen, 20 verschiedenen Autor*innen genau die gleiche Schreibidee („Prämisse“) vorzulegen, ihnen ein Wortlimit und drei Wochen Zeit zu geben und einfach abzuwarten. Mit welchen Genres kommen sie wohl zurück? Wird es romantisch, lustig, blutrünstig oder alles auf einmal?

Und jetzt hab ich leider Hunger bekommen und muss Mittag machen.

Erstes Fazit – es gibt ein Leben nach der Social Media-Hölle

Eine struppige, hügelige Landshcaft mit hüfthohem Gewächs und Büschen im Hintergrund. Im Zentrum des Bildes steht eine Hexe in schwarz mit langen blonden Haaren und Besen, die nach ihrem Hut greift. Der Himmel ist bewölkt und grau.
Foto von Šimom Caban, gefunden auf Unsplash.

(Ja, ja, BlueSky ist auch Social Media. Aber eben nicht die Hölle.)

Jetzt bin ich ja eine Weile bei Facebook, Instagram, Threads und Tiktok weg. (Bei Twitter sowieso schon.) Rein theoretisch habe ich mir als Autorin damit sämtliche aktuell geltenden Werbestrategien zerstört. Muss allerdings sagen – die Verkäufe sind nicht schlechter als vorher. Möglicherweise war ich bei Social Media einfach eine Marketing-Niete. Es ist etwas schwieriger, vielen Leuten einfach zu erzählen, dass da ein neues Buch ist. Der Hirschkönig wurde bis jetzt total ignoriert, was ich schade finde. Vielleicht liegt es am Buch, vielleicht liegt es an mir. So richtig wissen werde ich es erst nach zwei oder drei weiteren Büchern. Aber was ist denn dann jetzt der Vorteil?

Erstens fehlt mir die Doomscrolling-Plattform. Stattdessen „doomcrafte“ ich jetzt bei Pinterest, das macht viel mehr Spaß.

Zweitens habe ich nicht mehr andauernd das Gefühl, ich könnte etwas verpassen. Wahrscheinlich verpasse ich mehr als früher, aber dafür kriege ich viel mehr aus meinem direkten Umfeld mit.

Und drittens – weniger Rage Bait. Das ist das schönste. Natürlich ist die Welt nach wie vor kacke und der Scheißhaufen brennt auch noch an allen Ecken und Enden, aber ich sehe weniger Beiträge, in denen Leute sich absichtlich ignorant stellen oder einfach Mist erzählen, um Interaktionen zu generieren.

Also: Ich würd’s wieder tun. Das Leben als Sumpfhexe ohne Telefon klingt mit jedem Tag verlockender. Komm mit!

Das war nicht meine Buchmesse!

Krass, wie viel Mühe sich so eine vergleichsweise gemütliche Stadt wie Leipzig macht – veranstaltet gleich zwei parallele Buchmessen! Anders kann ich mir nicht erklären, wie sehr sich die Einschätzung von Herrn Otte von meinem Erleben unterscheidet.

Gehen wir das eben der Reihe nach durch.

Überfüllung und Stress am Eingang – ja, irgendwie schon. Bereits um neun (die Messe öffnet erst um zehn) waren die Schlangen an den Eingängen wirklich beeindruckend. Fand ich einerseits schon lästig, andererseits: Hurra, so viele Leute interessieren sich für Bücher! Wenn so viele Leute in die Hallen wollen, wird es natürlich auch voll. Zeitweise war der Zugang zu einigen Hallen beschränkt, damit es eben nicht zu voll wird. Für introvertierte Hamsterbacken wie mich ist das natürlich nicht einfach, aber mehr als üblich hätte ich darüber jetzt nicht gejammert. Es ist halt Messe. Es wird voll.

Rosa Kunstblumen – gut, wo ist das Problem? Die Ausstellenden haben sich um eine angenehme Atmosphäre bemüht. Kann man schlecht finden, aber … warum? Oder ist das Problem, dass die Kunstblumen rosa waren? Ich bin verwirrt.

Verpasste Termine – ja, davon hab ich gehört. Vielleicht kann man die Messe davon überzeugen, zulaufstarke Termine ab dem kommenden Jahr erst eine halbe (oder ganze) Stunde nach Messebeginn zu legen? Ich meine, das ist ja ein Problem, dass sich einfach lösen ließe, wenn etwa das komplette Programm erst um 10:30 h beginnt und die großen Zugpferde auf die Zeit ab elf (oder zwölf) verlegt werden. Ich stelle es mir schwierig vor, so viele Programmpunkte zu koordinieren, aber gewiss lässt sich da etwas verbessern.

Cosplay – vorhanden, auch reichlich. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie viel Mühe sich diese Leute mit ihren Kostümen geben. Also, ich könnte das nicht. Warum Herr Otte das jetzt unbedingt so hart sexualisieren muss, weiß ich nicht. Vielleicht Prägung? Möglicherweise ist er gewohnt, dass jede Schulter und jedes Knie, womöglich gar der Bauchnabel, exklusiv zur Erbauung der männlichen Zuschauer entblößt wird. Das ist aber ein „Ihm-sein-Problem“, keines der Allgemeinheit. (Von einer „Mehrheit“ kann man übrigens kaum sprechen. In den Hallen Drei und Fünf, wo ich die meiste Zeit über war, waren vielleicht 10 % der Besucher*innen aufwändig kostümiert. Ich vermute, dass Herr Otte eine gewisse Matheschwäche hat. Oder er war nur in Halle Eins, da sah es natürlich anders aus.)

Ein Mangel an rechten Verlagen – hurra! Endlich Ruhe vor dem braunen Gesocks! Oder etwa nicht? Einige wenige konnte man auf der Messe erspähen mit ihrer üblichen Rhetorik („Die Woken starten die nächste Buchverbrennung!“##), aber insgesamt war es erstaunlich friedlich. Klar, Diskussionen und Streit gehören zum Alltag, aber: Will man wirklich mit Leuten diskutieren, deren Ideologie klar menschenverachtend und demokratiefeindlich ist? Also, ich nicht unbedingt. Muss jede*r selbst wissen. Angeblich soll es in Halle eine rechte Gegen-Buchmesse geben, da kann Herr Otte sich ja hinstellen und eine friedliche Diskussion unter zivilisierten Leuten abhalten. Ich bin gespannt, wie das ausgeht.

Kuscheln bei Podiumsdiskussionen – dazu kann ich nicht viel sagen, ich habe mir kaum Programmpunkte angeschaut. Möglich, dass es zu harmonisch zuging. Aber es ist ja durchaus möglich, im nächsten Jahr reibungsfähigere Programmpunkte anzumelden: „Buchboxen bis zum Blackout“ oder „Verlagskeilerei de luxe“? Bitte ja!

Romantasy und Co – erstens kann man das alles nicht in einen Topf werfen. Zweitens finde ich die genannten Genres („Romance oder Dark Romance, Romantasy oder New Adult“) selbst nicht soooo prickelnd, doch weißte was? ICH LES DIE EINFACH NICHT. „Softporno im Buchformat“, schön und gut. Erinnert mich hart an die laufende Kritik an Romance Novels, die seien ja nur „female wish fullfilment“ – und all die auf das männliche Publikum ausgerichteten Western, Thriller, … nicht? Ob man sich jetzt mit dem ultimativen Fighting Champion mit Waffenschein identifiziert oder mit der wunderhübschen Bäckerin, die den Witwer um den Finger wickelt, ist doch letzten Endes schnuppe. Ist möglicherweise keine hochwertige Literatur, aber Lesen darf auch schon einfach nur mal Spaß machen.

Alles in allem also: Pusteblume. Es steht allen Besuchenden frei, sich die Messe so schön und harmonisch oder kontrovers und aufregend zu machen, wie sie wollen. Ich finde es gar nicht schlimm, mal vier Tage mit Leuten friedlich-angeregt über Bücher, den Markt und Buchideen zu reden. Streiten können wir das ganze restliche Jahr über immer noch.

Und wer zieht mit mir jetzt das Buchboxen auf?

##Buchverbrennung? Bitte was? Denk doch mal einer an den CO2-Ausstoß! Bücher werden gefälligst kompostiert. Oder geschreddert und als Füllung für vegane Schnitzelalternative verwendet. Tsk!

Zur Glaubwürdigkeit des WDR

Wusstest du, dass der WDR seeeehr um seine Glaubwürdigkeit besorgt ist? Ja, so hab ich auch geguckt. Und weil ich mich für extrem lustig halte, habe ich das natürlich mit einem Leserinnenbrief quittiert, den ich dir nicht vorenthalten möchte.

Liebes WDR-Team, sehr geehrte Frau Vernau,

um die Glaubwürdigkeit des WDR zu erhöhen, finde ich, Sie sollten auch meine Meinung zu verschiedenen politischen Themen abbilden. Zwar hat mich niemand gewählt, aber ich bin eine genau so absurde politische Randerscheinung wie die AfD (und viel weniger menschenfeindlich). Also:

Ich fordere ein Verbot hässlicher Hüte.

Alleinstehenden Frauen ab 30 sollten gratis Katzenbezugsscheine zugeteilt werden.

Für eine Waldspaziergangspflicht (und wer seinen verdammten Müll nicht mitnimmt, wird mit dem Kopf in die Wildsausuhle getunkt).

Ihr Publikum wartet sicher schon angespannt auf diese und weitere Weltgedanken, die ich Ihnen nur zu gerne zukommen lasse.


Okay, und jetzt im Ernst? Ich dachte, es ist inzwischen klar, dass wir nicht mit Demokratiefeinden und Faschisten spielen. Das kann doch nicht so schwer sein. Lassen Sie bitte die AfD aus Ihren Gesprächsrunden und Meinungsbildern raus … oder ordnen Sie sie wenigstens deutlich als die Flitzpiepen ein, die sie sind.

Mit freundlichem Gruß
Diandra Linnemann

Welche politischen Forderungen möchtest du vom WDR veröffentlicht sehen?

’ships passing in the night …

(Geduldet euch, ich bin krank und rede wirres Zeug.)

Seit ich mich von FB, Twitter, Insta, Threads etc. fernhalte, brauche ich ja neue Prokrastinationshilfen. Eine davon ist Tumblr. Ja, gibt es noch. Macht auch Spaß. Aber mir ist da (unter anderem in FanFiction-Bereich) etwas Merkwürdiges aufgefallen.

Ehe jemand motzt: Kein Shaming welcher Art auch immer! Tut mit euren FanFictions, was auch immer ihr wollt!

Jedenfalls hab ich das auch schon vorher erlebt, etwa rund um den „Captain Marvel“-Film seinerzeit.

Wovon redet die Frau?

Also. Äh. Genau.

Wenn zwei Figuren in einer Serie/Film/… eine enge freundschaftliche Beziehung haben, gehen viele Personen offenbar direkt davon aus, dass da eigentlich eine romantische Beziehung stattfindet. Und ich gucke mir das seit einer Weile an und frage mich: Was für Freundschaften habt ihr, dass Nähe von eurem Gehirn automatisch mit „Romantik“ übersetzt wird?

Egal of Dr. House und Wilson oder eben bei Captain Marvel … – direkt referenziert habe ich das vor ein paar Tagen erst in der Serie „Psych“ gesehen (zwei seit langem befreundete junge Männer führen gemeinsam eine angeblich übersinnlich agierende Detektei – kein großes Kino, aber auch nicht ganz schlimm). Dort wird sogar in der Serie immer wieder von weiteren Figuren darauf angespielt, die beiden wären doch bestimmt ein Paar und es sei doch gar nicht schlimm, sie müssten nur zueinander stehen und bla.

(Der Beziehungsstatus von Dritten geht mich gar nichts an, das einmal ganz am Rande, aber darum geht es gerade nicht.)

Leute, die jede Vertrautheit direkt in einem romantischen Kontext lesen: Haben die keine guten Freunde? Niemanden, den man im eigenen Bett übernachten lassen würde? Niemanden, für den man in der Nacht durch den Sturm fahren würde, wenn die andere Person an einer Haltestelle gestrandet ist und kein Zug mehr fährt? Niemanden, mit dem man eine Vergangenheit hat UND eine Zukunft plant? Niemanden, dessen Schrullen einen auf die Palme bringen, ohne den man jedoch nicht leben wollte?

So merkwürdig kann das doch nicht sein.

Ich meine, wen rufen die mitten in der Nacht an, wenn es eine Katastrophe gibt?

Also ja, im Ernst. Ich mache mir Sorgen um die Freundschaftskultur mancher Leute. Oder wenigstens darum, wie Freundschaften dargestellt und rezipiert werden. Sucht euch gefälligste Gleichgesinnte, denen ihr vertrauen könnt, und lasst mehr Nähe zu!

(Das alles von einer Frau, die mit Hingabe tage- und wochenlang mit niemandem redet, Sprachnachrichten als unhöflich empfindet und sich schon auf den Moment freut, wenn sie endlich in ihr Häuschen im Sumpf ziehen kann.)

Spät kommt sie, aber sie kommt – die LBM-Auslese

Heute habe ich leider keine Fotos für euch, denn die Messe war einfach nur … viel. „Überwältigend“ würde dem ganzen nicht gerecht. Die meiste Zeit über bin ich zwischen dem „13 mit Feder“-Stand und der Phantastik-Lounge, die von PAN betreut wird, hin- und hergelaufen. Zum Vergnügen geschaut habe ich nur wenig. Am Ende waren knapp 300.000 Besucher*innen vor Ort, das ist eine Menge – tatsächlich zuviel für Leute, die da etwas empfindlicher sind. Aber ich hab ja immer eine Strategie und such mir Ecken, in denen man dekomprimieren kann.

Abgesehen davon habe ich viele tolle Leute getroffen, manche davon nur im Vorbeilaufen. Die Lesung im Café Gold hat Spaß gemacht und war gut besucht, die Moderation der „13 mit Feder“-Lesung auf der LBM selbst hat auch geklappt. Da war ich etwas nervös, weil ich wirklich nicht viel Bühnenpersönlichkeit habe. War aber gar nicht schlimm, die Lesenden haben gut abgelenkt. ^^

Tatsächlich habe ich (für uns Schreibende ist das ja immer wichtig) auch Bücher verkauft. Die Kosten für den Stand sind nicht wieder reingekommen, aber das ist bei so einer großen (und teuren) Messe halt auch schwierig für so winzige Lichter wie mich. Ich freue mich über jedes Gespräch und jedes Interesse. Und ich habe nur ein einziges Buch gekauft, für mehr war einfach keine Zeit. (Der Mann glaubt, ich sei kaputt.) Irgendwann richte ich mir das mal so ein, dass ich auch Zeit zum Stöbern habe.

Oh,ein Foto gibt es tatsächlich. Das hat der Mann nach meiner Heimkehr gemacht, als ich auf dem Sofa direkt eingepennt bin. Sieh selbst.

Frau mit kurzen blonden Haaren schläft unter mehreren gehäkelten Decken mit einem schwarzweißen Kater im Arm auf dem Sofa.
Ein wohlverdientes Nickerchen.