Fröhlicher Welt-internationaler-Frauen-Kampf-Feminismus-Dingens!

Etwas spät zur Party. Ist auch eigentlich gar nicht wichtig.

Am 08.03. ist ja immer Weltfrauentag. Oder – und so ergab sich dieser Post – wie ich lieber sage: Feministischer Kampftag.

Über diese Begriffsverschiebung regte eine Freundin sich neulich im Gespräch mit mir nämlich auf. Sie fände es kacke, dass Frauen überall unsichtbar gemacht werden, jetzt sogar für das LGBTQI+-etc.-Gedöns, immer müssten Frauen zurückstecken und nie hätten sie etwas für sich selbst. Und ich Verräterin würde da mitmachen!

Okay, ja, gut, versteh ich auf der einen Seite.

Auf der anderen Seite: Wenn wir vom „Weltfrauentag“ reden, stehen irgendwo gönnerhafte Schnödel und halten sich für superprogressiv, weil sie uns vor dem Supermarkt eine rote Rose schenken wollen. Am besten noch eine von den guten billigen, die so schlecht für die Umwelt sind.

Wenn man hingegen von „Feministischer Kampftag“ redet, kriegen die richtigen Leute so einen Ausdruck von Unbehagen.

Kampftag, das klingt nicht nach Pralinen und mit Schleifchen verpackter sexy Unterwäsche, weil als frauenliebender Mann habe man sich zum Dank dafür, dass man an den „Weltfrauentag“ gedacht habe, doch ein wenig was Nettes verdient.

Kampftag klingt nach: „Verfickte Kackscheiße, jetzt reiß dich endlich mal zusammen und krieg den Hintern hoch und fang an, dich um echte Gleichberechtigung zu bemühen. Und steck dir deine Rose an einen schattigen Ort!“

Manchmal müssen wir uns auch selbst daran erinnern, dass es mit einer Rose nicht getan sein sollte. Wir brauchen bessere Kinderbetreuung und angemessene Verfolgung von Femiziden, ausgeglichene Löhne für vergleichbare Arbeit und vor allem ein Update im Kopf bei allen Leuten, die immer noch glauben, dass Frauen von Natur aus halt sanfter und einfühlsamer seien und sich deswegen immer um alles und jeden kümmern müssten, während der Mann als guter Jäger ja schon die Kohle fürs Grillen erlegt hat, mehr könne man von ihm gar nicht mehr erwarten, du undankbare Ziege. (Und wenn sie irgendwann die Kinder nimmt und auszieht, weil er nicht einmal weiß, auf welche Schule die Kinder gehen oder wie die Waschmaschine funktioniert, kommt das nur für einen winzigen Teil aller Beteiligten überraschend.)

In diesem Sinne – jeder Tag ist feministischer Kampftag. Hoch die Tassen!

Das Michael-Bay-Rad

Eine rot-orange Feuerwalze vor einem eckigen Gebäudeblock in der Ferne.
Foto von Jeff Kingma, gefunden auf Unsplash

Eigentlich bin ich eine Zugvogel-Frau. Jedes Jahr im Frühjahr und im Herbst überkommt mich der Wunsch, umzuziehen. Da das aber ziemlich teuer und extrem anstrengend wäre, renoviere ich im Frühjahr üblicherweise einen Teil der Wohnung und gestalte um. Wenn es neu aussieht, ist es fast so gut wie richtig neu, nicht wahr?

Dieses Jahr ist die Küche dran. War auch Zeit. Ein Regal entfernen, ein anderes Regal hinzufügen, grundreinigen, die Wände streichen und vor allem den ganzen seltsamen Schland wegwerfen, der sich in unübersichtlichen Ecken gesammelt hat. Der Mann und ich sind halt Rummelhörnchen. Auf jeden Fall habe ich bis jetzt unter anderem entfernt:

  • 10 große Einkaufstüten mit Elektroschrott
  • 2 defekte Deckenfluter
  • einen Stuhl, den man nicht mehr sauberschrubben konnte (ich habs versucht!!!)
  • abgelaufene Lebensmittel aus der hintersten Regalecke
  • diverse spröde, zerbrochene oder sonstwie defekte Plastikcontainer
  • etwa 100 Kochbücher (vier große Einkaufstaschen) – die Hälfte meiner Sammlung

Außerdem hatten wir aus mir nicht bekannten Gründen zwei Flaschen mit Bio-Ethanol, mit dem man Tischkamine befüllt (wahrscheinlich, weil wir mal einen Tischkamin hatten, aber das ist laaaaaaaaaange her) und eine Flasche flüssigen Grillanzünder. Die habe ich mir letzte Woche geschnappt, als ich mit dem Rad zur Arbeit wollte. Auf dem Weg liegt nämlich der Wertstoffhof, und ich will den Schwung nutzen.

Der Mann – der nichts dagegen hat, unsere Wohnung mit leicht brennbaren und möglicherweise explosiven Dingen zu füllen und der schon etliche aufgeblähte Akkus produziert hat – war natürlich besorgt. Immerhin könnte unterwegs etwas passieren, wenn ich durch die Stadt fahre.

Ich bin da leichtsinniger. Wobei mich die Vorstellung schon amüsiert, den ersten Michael-Bay-filmtauglichen Unfall mit einem herkömmlichen Citybike zu produzieren. Einmal leicht mit dem SUV angestupst, und schon verwandelt die Frau auf dem Rad sich in einen Feuerball!

Aber die Nachrichten haben es euch schon gespoilert: Es gab KEINE mysteriöse Verpuffung am schönen Rhein. Das Fahrrad lebt, meine Schrauben sind noch alle genau so fest (oder locker) wie vorher und der Wertstoffhof hat sich unserer Probleme angenommen. Zurück bleiben zwei Erkenntnisse:

  1. Wenn man den ganzen Krempel wegwirft, ist in der Küche richtig viel Platz!
  2. Niemals die hinteren Ecken im Regal ausräumen. Da leben fremde Zivilisationen.

Dieses Wochenende mache ich die Küche fertig (es gab einen regalinduzierten Zwischenfall, der mich ausgebremst hat, und einen Abflussrohr-Eklat), danach nehme ich mir noch den Balkon vor (heute ist Sperrmüll, also haben wir ungefähr ALLES entsorgt) und dann bin ich bereit für den Sommer.

Zuflucht in Schattenfall

Das ist die dritte Lesung im Bund, und zwar schon nächste Woche. Bist du nervös? Ich bin nervös. Aber das ist ja nichts Schlechtes.

Was kann ich dir über das Buch erzählen, was du nicht schon weißt? Es geht um Rosalinda, die vor ihrem Hexencoven davonläuft. Um Familie und Freunde, um Konflikt und Vorurteile, um eine Autobahn in einem Naturschutzgebiet. Wir treffen Katzen und Spinnen, Leprechauns, Hexen und eine Gans.

Falls du vorab reinschnuppern willst, kannst du das Buch hier kaufen oder hier als mein Patreonent als eBook herunterladen – schon ab einem Euro im Monat kannst du mich da unterstützen.

Und weil ich Nudel völlig vergessen habe, eine Promolesung hochzuladen, musst du dich stattdessen mit einer Probe aus Band 1 zufrieden geben. Band 2 kannst du dann nächste Woche in Aachen selbst und live hören, die Tickets gibt es hier.

Der Auftrag der Zauberer

Das ist das andere Buch, aus dem du am 01.03.2026 in der Grotesque Absinth-Bar in Aachen gelesen kriegen kannst. Worum es geht?

„Zwei Reisende, zwei verfeindete Magier, ein Ziel: ein magisches Buch
Egilmar und Mena werden unabhängig voneinander entsandt, um dem bösen Hexer Aripin ein Buch zu entwenden. Während Mena zielstrebig ist, sieht sie Egilmar als naiv an, und beschließt, ihn für ihre Zwecke auszunutzen. Bald schon hegt Mena Zweifel an den Absichten ihres Herren, dem Zauberer Ratmar. Ist es wirklich weise, sich mit dem Feind zu verbünden, oder steckt hinter Ratmars Drängen ein viel größeres Geheimnis, und Mena ist auch für ihn nur Mittel zum Zweck?“

Falls du jetzt neugierig bist, kannst du hier mehr über das Buch erfahren. Oder du hörst vorab schon einmal inoffiziell rein, nämlich hier.

Tickets zur Lesung bekommst du unter diesem LINK.

Blumendecke, Blumenvase, Blumen-Group

Stell dir vor, du gehst in ein Geschäft. Du weißt schon, was du willst, deswegen sollte das eigentlich ganz fix gehen.

„Guten Tag, ich hätte gerne eine Decke mit Blumenmotiv.“

„Das freut mich zu hören. Hier ist diese wunderbare Vase.“

„Aber ich möchte eine Decke.“

„Haben Sie nicht gesagt, Sie mögen Blumen? Dann brauchen Sie bestimmt diese Vase. Hier, nehmen Sie!“

„Nein, danke. Ich hätte gerne eine Decke, auf der Blumen zu sehen sind.“

„Ah ja. Decke, Decke – hier, dieser Teppich ist doch wirklich schön, oder?“

„Ja, das ist er, aber …“

„Nehmen Sie! Da sind Blumen drauf! Zwanzig Prozent Rabatt, wenn Sie in den nächsten siebzehn Minuten kaufen! Es sind nur noch drei Stück da!“

„Ähm, hinter Ihnen ist ein ganzes Regal voll mit genau diesen Teppichen.“

„Zwanzig Prozent Rabatt!“

„Danke, aber ich hätte doch lieber eine Decke.“

„Decke? Warum sagen Sie das nicht gleich? Wir haben Decken! Bettdecken, Hundedecken, Decken mit Fransen und welche aus wasserdichtem Material für Sie-wissen-schon, Decken mit Mustern und Decken aus Eichhörnchenfell und …“

„Eichhörnchenfell?“

„Oder wenigstens etwas, das wie Eichhörnchenfell aussieht. Aus zehn Meter Entfernung mit schmutziger Brille. Riecht etwas künstlich und wird Ihnen, wenn Sie heute bezahlen, in den nächsten sechs Wochen geliefert.“

„So lange? Kommt die aus China oder was?“

„Wie kommen Sie nur darauf? Sehen Sie doch, dieses Geschäft ist komplett real und steht in Deutschland! Nur die Decke kommt … also, das dauert eben. Gar nicht verdächtig.“

„Haben Sie denn jetzt auch Decken mit Blumenmuster?“

„Bestimmt. Apropos Blumen, haben Sie Interesse an dieser Vase?“

An dieser Stelle verlässt du lieber den Laden, ehe du der Verkaufsperson die Vase über den Schädel ziehst.

So ähnlich fühlt es sich inzwischen an, wenn man online etwas kaufen möchte. Du musst wissen, oder vielleicht habe ich es gelegentlich schon erwähnt – ich gehe nicht gern shoppen. Es nervt. Ich will nicht stundenlang durch Geschäfte hoppeln und Regal durchwühlen und hoffen, dass es irgendwo genau das gibt, was ich brauche. (Eine Ausnahme sind Buchläden, da stöbere ich gern und stundenlang und gebe immer zuviel Geld aus.) Deswegen kaufe ich viele Dinge lieber online. Lange hat das auch gut funktioniert. Ich weiß, was ich brauche, möglicherweise sogar mit bevorzugter Marke. Ich gebe die entsprechenden Begriffe im Suchfeld ein, wähle einen der Top 3 Treffer, bezahle und warte auf den Paketdienst.

Ja nee, so ging das mal. Inzwischen kriegst man in beinahe allen größeren Shops erst einmal Werbung angezeigt. „Gesponsorte Produkte“ nennt sich das öfter mal. Da zahlen die Anbieter dafür, dass ihr Produkt bei bestimmten Suchbegriffen angezeigt wird, auch wenn es nur am Rand mit dem Gesuchten zu tun hat. Man könnte rein theoretisch eine benutzte Klobürste mit „Harry Potter“ verschlagworten, der Plattform dafür ausreichende Mengen Geld geben und taucht dann auf Seite 1 der Suchergebnisse auf.

Schnell klicken und kaufen ist also nicht mehr. Dann gibt es die Großen Roten Zahlen(TM), die einen zum Kauf verleiten, weil sie eine gigantische Ersparnis und/oder einen anstehenden Mangel und/oder Zeitdruck suggerieren. Auch das meist gelogen und im Hintergrund getrickst.

Von all den KI-generierten Angebotsbildern will ich gar nicht erst anfangen. Das Produkt ist also so hässlich, dass ich es nicht vorab sehen darf? Prima, dann will ich es nicht. Seitenweise über genau das gleiche Produktbild für Bettwäsche scrollen, bei dem sich nur das Muster des Materials ändert, aber nicht einmal der Faltenwurf … kein Stückchen verdächtig. Nee, das ist garantiert alles echt und sieht genau so aus, wenn ich das bekomme.

Ein Gutes hat das ja – mein Konsumverhalten hat sich zum Positiven verändert. Ich will keinen Schrott kaufen, ich will nicht stundenlang scrollen und mich durch gefälschte Angebote oder künstliche Rabattschlachten wühlen. Ich will meist genau dieses Produkt (oder ein Produkt für genau diesen Zweck) zu einem realistischen Preis. Wenn ich dafür also in die Stadt fahren muss, dann ist das eben so.

Glück wünscht man nicht, Glück kauft man

„Und zwar beim einzigen Glücksverkäufer weit und breit – Hans Kleemann. In seinem Traditionsgeschäft in 13. Generation findet sich ein schier unendliches Angebot an Glücksvarianten. Doch er selbst ist vom Pech verfolgt. Kein Regenschauer, der ihn verschont, kein herabfallender Blumentopf, der ihn verfehlt, und beim Glücksspiel verliert er sowieso. Und dann gerät er auch noch an die naseweise Marie, die sein Lehrmädchen wird, obwohl er gar keines gebrauchen kann. Als es ihn daraufhin nach Dreylindt verschlägt, ins berüchtigte Land des Unglücks, hat sich längst das Schicksal eingemischt – und verfolgt seine eigenen Pläne.“

Soweit der Klappentext des Romans von Susann Loevenich, mit der gemeinsam ich am 01.03. in der Grotesque Absinth-Bar in Aachen lesen darf. Klingt spannend? Glück ist ja immer Glückssache. Es warten rund 550 Seiten beste Cozy Fantasy mit viel Witz und einer Prise Philosophie, ein Märchen von Glück und Unglück, Schicksal und Hoffnung, und wie es sich leben lässt, wenn man von dem einen zuviel und vom anderen zu wenig hat.

Der Roman stand auf der Longlist des Wetzlarer Phantastikpreises 2024 und war nominiert für den SERAPH in der Kategorie Bestes Debüt 2025.

Falls du Susann vorab besuchen willst, kannst du das hier tun: LINK.

Tickets für die Lesung gibt es hier.

Ausnahmezustand, mal wieder

Die Jecken freuen sich, mich gruselt’s – Karneval steht vor der Tür. Auch nach mehr als zwanzig Jahren im Rheinland beobachte ich die zur Schau getragene Fröhlichkeit eher misstrauisch. Also greift mein traditioneller Notfallplan: Vorräte aufstocken, Gardinen zuziehen und Horrorfilme gucken. In unserer Bibliothek befindet sich unter anderem das Juwel „Clown in a Cornfield“, das ist für mich die einzig akzeptable Art Clown.

Früher ging das mit dem verlängerten Lotterleben ganz gut. Inzwischen verlangt mein Körper ab Sonntag Mittag nach gesunder Nahrung. Doch auch das habe ich eingeplant. Es wird einen kleinen Gemüse-Stash geben, ausreichend Snacks und verschiedene Getränke unterschiedlicher Grade an Ungesundheit. Gekocht werden unter anderem Chili Con Carne, Hähnchen in Erdnuss-Sauce und Linsen-Curry-Suppe. Nur was ich backe, weiß ich noch nicht. Zur Auswahl stehen Käsekuchen, Griestorte und Spekulatius. Früher habe ich manchmal Zimtschnecken gemacht, das ist jedoch schon sehr viel Aufwand. Und Berliner dürfen nicht fehlen. Da bin ich dann doch integriert.

Bis Freitag Abend müssen jetzt noch vier Läden aufgesucht werden (inklusive dem für Katzenfutter), ich muss die Menge an Kokosmilch daheim überprüfen – die kaufe ich immer auf Verdacht, das schlägt sich irgendwann im Regal nieder – und alle Wege minutiös so planen, dass ich nicht plötzlich Teil eines Karnevalsumzuges werde. Unser Auto hat eine Konfetti-Allergie.

Jaaaa, das klingt sehr gejammert. Ist es eigentlich nicht. Ich genieße mein Wochenende fernab von allem und gönne den Jecken ihre Freude von Herzen. Nur mitmachen will ich nicht.

Bist du eher Team Karneval oder Team Bleib-mir-damit-weg?

Sinnflut – Eindrücke

In bester Tradition habe ich keine Bilder gemacht, also gibt es hier nur eine sehr begrenzte Sinnflut. Aber ich wollte euch unbedingt von dem tollen Abend erzählen, den wir hatten!

Wie üblich war ich da ja nur versehentlich reingerutscht. Sandra und Robert, die die Aqua Obscura-Anthologie zu verantworten haben, hatten irgendwie mit den Leuten von Laserhirsch ausgeknobelt, dass man was zusammen machen könne. Also Musik, sozusagen. Und was lesen. Und als Robert mir erzählte, dass sie den Rheinpiraten lesen wollen, hab ich direkt gesagt: „Das kann ich auch selbst machen.“ Sind ja nur knapp zwei Stunden Anfahrt. Ich liebe solche Sachen!

Außerdem hatten sie noch eine Künstlerin aufgetan – sogar sehr spontan, denn der ursprünglich eingeplante Künstler war leider krank. Aber Svetlana vom Atelier Glücksbringer ist nicht nur direkt eingesprungen, sondern hat den Abend mit ihrem Gemälde wirklich bereichert.

Die Location, ein ehemaliges Kloster (heute ein Restaurant mit Kultur und Grill-Akademie) war unglaublich gemütlich. Wir hatten einen Raum unter dem Dach mit Catering, nicht zu groß und nicht zu klein … um es mit Goldlöckchen zu sagen: Genau richtig.

Die Veranstaltung an sich dauerte etwa eine Stunde, mit Musik und Lesungen im Wechsel, während Svetlana neben uns ein wunderschönes Bild auf die Leinwand zauberte (das ich nicht fotografiert habe, mein Fehler, Schande auf meine Kuh!). Und es hat alles so toll zusammengepasst! Besonders hat mich gefreut, dass ein Musikstück extra für den Rheinpiraten geschrieben wurde – ein echtes Lifegoal! Anschließend sind wir noch eine Weile mit allen dageblieben und haben uns nett unterhalten. Im Ernst, so etwas würde ich jederzeit wieder mitmachen.

Als nächstes freue ich mich jetzt auf die Lesung in der Grotesque Absinth-Bar in Aachen am 01.03. – soweit ich weiß, haben wir keine Musik, dafür aber drei tolle Geschichten von unterschiedlichen Autor*innen und überhaupt war ich noch nie in Aachen und es ist eine Bildungslücke, was meinst du? Also besorg dir ein Ticket damit die Veranstalter wissen, dass sich der Abend lohnt, dann gibt es vielleicht bald mehr davon.

Hach, es könnte überhaupt so schön sein. Ich mag diese Art Veranstaltungen, als Zuschauerin genau wie als Teil der Unterhaltung. Eigentlich sollte das viel einfacher möglich sein: Kunst machen für die, die diese Kunst mögen, ohne Blick auf die Zahlen dahinter. (Können wir uns den Raum leisten? Kommen genügend Leute? Kriegen wir die Kosten für die Bücher wieder rein?) Leider leben wir noch nicht in meiner Hippie-Utopie. Aber wann immer ich kann, rücke ich die Realität hinterrücks ein wenig in die richtige Richtung.

Für wen Aachen zu weit ist – auf der Leipziger Buchmesse bin ich auch, in erster Linie inoffiziell und als Sorgenwandlerin für PAN. Vielleicht finden wir einander?

Haushalts-Überraschungen der guten und der weniger guten Art

Foto eines Edelstahl-Ausgusses, rund, mit feinem Sieb.
Foto von Daniel Dan, gefunden auf Unsplash.

„Echt? Du hast den Geschirrspüler eingeräumt und angestellt?? WAS STIMMT MIT DIR NICHT???“

Mit dieser morgendlichen Begrüßung hat der Mann garantiert nicht gerechnet. Aber treten wir einen Schritt zurück.

Eigentlich müsste jeder Tag 28 Stunden haben. Deswegen entstopfe ich den Abfluss in der Küche, der „sich zusetzen“ als Hobby hat (16 Jahre alte Plastikrohre halten offenbar auch nicht ewig, diese Enttäuschung!), seit Wochen … was sage ich, seit Monaten! … immer so halbherzig mit dem Pömpel. Dann läuft das Wasser ab. Dann läuft es langsamer ab, und dann steht es wieder, bis ich mit dem Pömpel ankomme.

Weder die üblichen Hausmittel noch der von Stiftung Warentest hochgelobte gelförmige Rohrreiniger eines bekannten Discounters haben geholfen. Und das Pömpeln macht auch nicht so richtig Spaß. Aber meine Tage sind voll, die Energie ist begrenzt und meist läuft es ja. Irgendwie. Wenigstens ein bisschen.

Hat der Tag nicht genügend Stunden, hilft nur eins: Früher aufstehen. Fiele mir eigentlich im Traum nicht ein, nur konnte ich heute morgen sowieso nicht mehr schlafen. Schon vor sechs saß ich senkrecht im Bett. (Gut, das ist gelogen, aber ich hatte sehr wach einen flauschigen Katerhintern im Gesicht.) Und ich dachte mir: „Zweieinhalb Stunden, ehe du aus dem Haus musst – die perfekte Gelegenheit, den Abfluss auseinanderzureißen und festzustellen, was mit dem nicht stimmt.“

Hüpfe aus dem Bett, ziehe ranzige Schlonzklamotten an, binde mir die Haare zurück, betrete die Küche – und der Geschirrspüler läuft.

Der läuft um die Zeit sonst nie.

Ich stell den Abends einmal an und räume ihn morgens aus. Wenn wir viele große Teile haben, stell ich den am Morgen ein zweites Mal an und räum ihn nach der Arbeit wieder aus. Ich habe ein System. Und meist genügend sauberes Geschirr. Es ist ein gutes System.

Wo wir davon reden – das saubere Geschirr vom Abend davor stapelte sich auf der Anrichte, wo es nicht hingehört. Wir wohnen hier erst seit 13 Jahren. Ich kann nicht erwarten, dass der Mann jetzt schon weiß, wo was in der Küche steht.

Derjenige welche saß übrigens auf dem Sofa. Und guckte angemessen verwirrt, als ich ihm zur liebevollen morgendlichen Begrüßung die eingangs zitierten Sätze vorhielt. „Da stand noch soviel Geschirr – ich dachte, du freust dich!“

Er kann ja nichts dafür. Niemand, wirklich NIEMAND konnte damit rechnen, dass ich morgens dem Haushalt direkt Gewalt antun will. So blieb mir nichts anderes übrig, als mir einen Tee zu machen und ein wenig zu lesen. So schade.

Der Abfluss in der Küche muss von dem ganzen Drama übrigens irgendwie mitbekommen haben. Der lief heute morgen so gut wie schon lange nicht mehr.

Eine typische Bahnhofsbegegnung

Eine fahl beleuchtete Unterführung. Auf dem Boden liegt Dreck, an der Wand sind Graffiti geschmiert.
Foto von Krisztian Matyas auf Unsplash

Ab und zu habe ich in der Innenstadt in Bahnhofsnähe zu tun. Muss ich eigentlich nicht weiter beschreiben, du warst schon einmal an einem deutschen Stadt-Bahnhof. Leute, Läden, Dreck, die Ecken riechen nach Pipi. Ist nicht schön und lässt sich leider nicht immer vermeiden.

Wie ich so durch die Unterführung ging, die unter den fünf Gleisen durchführt – Bonn ist nicht direkt eine Großstadt – hörte ich in der Nähe jemanden gröhlen: „Ausländer raus! Wählt die AfD! Nieder mit dem ***-Pack! Deutsche Kultur!“

Kurz darauf sah ich den Urheber dieser … Äußerung: Ein etwas ungepflegt wirkender Typ etwa Mitte 50, der gerade, laut schimpfend, die Bierdose in der Hand, gegen eine Absperrung in der Unterführung pinkelte. (Ich schwöre, das klingt nach Klischee, ist aber genau so passiert. Hat auch nur wenige Augenblicke gedauert, ich musste nicht einmal langsamer werden.)

Der Mann in meiner Wohnung sagt immer, ich werde eines Tages sterben, weil ich im falschen Moment den Mund aufmache. So auch an dem Abend. „Gehört zur deutschen Kultur, betrunken in die Öffentlichkeit zu pinkeln und Leuten auf den Sack zu gehen?“ Ich hab ja Stimmtraining, also musste ich gar nicht dicht rangehen, damit er (und die anderen Passant*innen) mich sehr gut verstehen.

Der Typ guckt sich um, sieht mich, verzieht das Gesicht. „Du hast mir gar nix zu sagen! Bist du überhaupt Deutsche?“

„Deutsch genug.“ Der muss ja nicht wissen, dass meine Mutter aus den Niederlanden eingewandert ist. Und ich seh definitif aus wie die rosigste Kartoffel der Welt.

Natürlich schimpft der Typ weiter. „Ich bin bestimmt viel deutscher wie du!“ Man erinnere sich daran, er steht da immer noch mit offener Hose. Wahrscheinlich hat er inzwischen nasse Füße.

Kinners, ich kann so nicht arbeiten. „Das heißt deutscher ALS.“

Und dann musste ich leider weiter, Termin und so. Bei einigen Umstehenden hab ich Amüsement wahrgenommen, der Typ mit der offenen Hose (und dem Benehmen wie eine offene Hose) hat wahrscheinlich nichts dazugelernt und der Mann in meiner Wohnung hat mich später einmal mehr ermahnt, mich nicht leichtfertig in Schwierigkeiten zu bringen.

Nix darf man.