Erfolg = Murks?

Durch eine Diskussion auf Mastodon habe ich mich heute wieder an eine Theorie erinnert, die gerade in der deutschen Literaturszene (und ich verwende „Literatur“ hier bewusst weitgefasst) sehr beliebt und weitverbreitet ist:

Wenn ein Buch kommerziell erfolgreich ist, muss es Murks sein.

Da kann gar nichts Gutes drin stecken.

Und garantiert hat die schreibende Person diesen Schund nicht aus Überzeugung verfasst, sondern mit dem Hintergedanken des „Cash Grabs“ – ohne Gewissen viel Geld kassieren und das Produkt dem Markt überlassen.

Wenn ich mit Autor*innen aus anderen Kulturkreisen kommuniziere, begegnet mir dieser Gedanke seltener. Da werden kommerziell erfolgreiche Bücher eher gehyped und analysiert: Was lieben die Leser*innen an diesem Buch? Ist es inhaltlich gut oder war es vor allem das Marketing? Was hat die schreibende Person getan, um diesen Erfolg zu manifestieren? Wie hat das Buch seine Zielgruppe gefunden?

In anderen Ländern, bilde ich mir ein herauszuhören, ist kommerzieller Erfolg durch Kunst wesentlich weniger verpönt als in Deutschland.

In Deutschland kannst du eigentlich nur Künstler oder erfolgreich sein.

Dein Buch wurde in der Woche nach Veröffentlichung tausendmal gekauft? Du Betrüger*in! Warum hasst du die Kunst so sehr???

Ja gut, ich übertreibe. Aber irgendwie scheint in den Köpfen vieler Schreibender diese Idee festzuhängen, dass „gute Literatur“ etwas ist, das keinen kommerziellen Erfolg hat. Und das zieht einige problematische gedankliche Rattenschwänze nach sich.

Etwa die Annahme, dass die breite Masse keine gute Kunst erkennen könne, weil das alles ungebildete, grobschlächtige Banausen sind. Klar, das Dschungelcamp ist immer noch erschreckend erfolgreich, aber manche Leute können Trash und Entertainment und Kunst parallel genießen. Schließlich haben wir alle nicht nur eine Grundeinstellung. (Ich mag Theodor Storm und Schlefaz, verklagt mich.)

Oder die Annahme, dass Geld etwas Schlechtes sei, denn es gilt als mit der „wahren Kunst“ unvereinbar. Dabei kann ich mir wenig elenderes vorstellen, als unter prekären Umständen in kompletter Unsicherheit Kunst zu schaffen. Deswegen habe ich halt einen Brotjob (eigentlich ist es sogar ein Kuchenjob, ich lebe sehr angenehm), so kann ich mich beim Schreiben auf den Spaß-Aspekt konzentrieren.

Bei „guter Literatur“ gibt es dann übrigens noch Abstufungen, aber das nur als fixer Exkurs, weil ich mich nicht kurz fassen kann. Wenn Leute sich über mehrere Werke an ähnlichen Themen abarbeiten, ist das keine Kunst, sondern eine Masche. Wenn Leute Themen bearbeiten, die marginalisierte Gruppen betreffen, ist das eine Masche für die Quote (denk nur an das „Frauengedöns“). An der Spitze der „guten Literatur“ stehen vergeistigte privilegierte Autoren, die das Banale ins Philosophische erheben. Die wollen nicht unterhalten, sondern … ich weiß nicht, aber irgendwer soll den Driss dennoch lesen? Keine Ahnung, ich sitz hier nur und schreibe.

Anyway.

Insgeheim, denke ich, ist die Aussage „Meine Bücher sind eben zu originell/gut/literarisch anspruchsvoll/…, um kommerziell erfolgreich zu sein!“ auch eine Art von Selbstschutz. Die meisten von uns schreiben nicht so gut, wie sie gerne wollen. Viele scheitern, wenn sie großartige Ideen in großartige Bücher (Serien, Videospiele) verwandeln wollen. Irgendwo hakt es doch immer. Und wenn das Buch noch so toll ist, müssen wir uns danach mit Marketing auseinandersetzen, das ist wieder ein anderes Glücksferkel, von dem viele keine Ahnung haben – ich ja auch nicht. (Apropos, kauft meine Bücher!) Ich könnte mir also einreden, dass „Andrea die Lüsterne“ nur deswegen keinen Bestseller-Sticker hat, weil ich eben ZU GUT bin. ZU KREATIV. Ein ZU GENIALES literarisches Wunderkind. Oder das Buch ist eben gut und lustig mit Schwächen und einer eher kleinen Leserschaft, weil nicht jeder auf sexarmen Tentakelhumor steht.

(Ich prangere das übrigens an.)

Eigentlich möchten Leute, die so etwas sagen, den Spagat schaffen, ein einzigartiges, kauziges Originalbuch zu schaffen, dass auf wundersame Weise und ohne Markt- oder -Marketingkenntnis ein kommerzielles Meisterwerk wird. Wär mir ja auch ganz lieb. Das fällt aber in die Kategorie: „Ich will Prinzessin werden!“-Wunschdenken.

Eigentlich wünsche ich mir in erster Linie eine Welt, in der alle Leute genau die Kunst machen können, die sie machen wollen, ohne materielle Ängste im Rücken. Und dass diese Kunst dann genau die Leute findet, die sie brauchen.

Wahrscheinlich ist Prinzessin-Werden einfacher. ^^

Schreiben ohne Social Media – Zwischenbericht

Zunächst: Die Überschrift ist dramatisiert, denn ich bin ja noch auf einigen Social-Medial-Kanälen zu finden – etwa auf BlueSky, Mastodon und Tumblr. Die großen Plattformen, die man angeblich unbedingt fürs Marketing braucht (Facebook, Instagram, Threads, TikTok) hingegen vermisse ich immer noch nicht.

Jetzt haben mir, seit ich als Aussteigerin lebe, viele Marketing-Experten gesagt, der Abschied sei eine desaströse Entscheidung. Man könne heute leider einfach nicht mehr ohne diese Plattformen Dinge verkaufen, und auch für Verlage etc. seien Followerzahlen ja fast schon mindestens genauso wichtig wie die Manuskriptqualität. Und wenn sie mir schon raten, in die Hölle zurückzukehren, haben sie auch direkt die passenden Marketingpläne für mich parat. Für eine gewisse Gebühr, natürlich.

Ob das mit den Verlagen stimmt, weiß ich nicht. Das muss mir auch egal sein. Ich hab nur Geschichten zu verkaufen, keinen Personenkult. (Huldigt mir!)

Ersteres ist, wie ich allmählich feststelle, gar nicht mal so richtig. Nun hatte ich nie die aufregenden Verkaufszahlen, mit denen man reich und berühmt wird. Aber in den letzten Monaten sind sie auch nicht schlechter geworden – eher im Gegenteil. Ich habe im März/April mehr Bücher verkauft als in den sechs Monaten davor. Obwohl ich kein wirklich neues herausgebracht habe. (Lies den Hirschkönig! Er ist noch schöner als zuvor!) Ich muss mich nur daran erinnern, meine Bücher regelmäßig überall zu erwähnen. (Bücher!)

Außerdem experimentiere ich ein wenig mit bezahlter Werbung auf verschiedenen Kanälen. Ob das einen Effekt hat, kann ich nur indirekt beurteilen – die Platzierung eines eBook-Angebotes in einem themenspezifischen Newsletter hat keine zusätzlichen Verkäufe im Angebotszeitraum gebracht, das kann ich direkt sagen. Wahrscheinlich probiere ich es dennoch mit einem zweiten Buch, um zu schauen, ob es am konkreten Angebot lag oder ob die Newsletter-Reichweite sich für mich einfach nicht in Verkäufe umsetzen lässt. Bezahlte Anzeigen in einschlägigen Magazinen könnten zu Verkäufen geführt haben, aber das ist aufgrund der langsameren Verteilung für mich nur schwer einzuschätzen. Ich bin halt keine Expertin.

Was schließe ich daraus?

Zum einen geb ich den Brotjob nicht so schnell auf. Mit einem festen Gehalt in der Tasche kann ich genau das schreiben, was ich schreiben will – nur eben nicht so schnell, weil die Zeit begrenzt ist. (Bedingungsloses Grundeinkommen, wann???)

Zum anderen gönn ich mir noch ein wenig Budget, um mit anderen Formen bezahlter Werbung zu experimentieren. Wie das genau funktioniert, erzähl ich bei Gelegenheit. Aktuell überlege ich zu Radiowerbung und zur Präsenz auf lokalen Handwerksmärkten, beispielsweise im Weihnachtsgeschäft. Und nächstes Jahr mach ich vielleicht auch wieder mehr Messen etc. mit, wenn die Energie stimmt.

Vorne hui, hinten pfui?

In letzter Zeit ist mir das öfter begegnet, und zwar in Büchern – vor allem Büchern aus dem US-Markt von jungen Autor*innen, also erste oder zweite Bücher. Und gar nicht mal so sehr bei Selfpublishern, sondern auch bei bekannten mittleren oder sogar größeren Verlagshäusern.

Wovon redet die Frau da?

Die ersten zwei oder drei Kapitel des Buches sind Hammer. Alles stimmt: Sprache, Tempo, die Szenerie, die Charaktere. Und danach … entweder bricht es abrupt ab oder es frizzelt allmählich aus. Und ich habe einen Verdacht, wie das passiert.

Für diejenigen unter uns, die sich nicht mit dem traditionellen Buchverlegen auskennen: Meist bewirbt man sich beim Verlag mit einem Exposé – das ist eine komplette Zusammenfassung des Buches – und den ersten zwei bis drei Kapiteln resp. dreißig Seiten, die man geschrieben hat. Aufgrund dieser Materialien entscheiden Verlage, ob sie das ganze Buch sehen wollen.

Natürlich stecken Autor*innen in genau diese ersten dreißig oder so Seiten also die meiste Arbeit. Sie wollen schließlich überzeugen, hinreißen, erstaunen und sich einen Platz im Verlagsprogramm ergattern. Ich weiß, dass viele Autor*innen sich inzwischen, so sie es finanziell stemmen können, für ihre Verlagsbewerbungsunterlagen ein professionelles Lektorat gönnen. Alles soll so gut aussehen, wie es eben geht.

Und da ist nichts Schlimmes dran!

Allerdings habe ich den Verdacht: Wenn ein Verlag sich für dieses herausgeputzte Projekt entscheidet, wird (vor allem von Verlagsseite!) nicht mehr so viel Liebe in das restliche Manuskript gesteckt. Das ist ja auch eine Geld- und Zeitfrage. Auch Verlage müssen ihre Lektor*innen schließlich bezahlen. Einige denken sich vielleicht: Ach, wenn die Lesenden uns bis hierhin gefolgt sind, lesen sie auch das restliche Buch. Und wenn nicht? Egal, gekauft haben sie es ja. (Disclaimer: Nicht alle Verlage, natürlich. Aber einige bestimmt.)

Und gerade junge oder neue Autor*innen haben nicht den Überblick, um mehr von einem Verlag zu erwarten oder zu verlangen. Wenn eine Verlagsperson ihnen sagt: „Dein Buch ist toll, da müssen wir kaum noch etwas dran machen!“, glauben sie das und freuen sich. Erst im Lauf der Jahre kommt die Erkenntnis, dass man immer und an jedem Manuskript mit Hilfe professioneller Dritter noch eine Menge Mist schaufeln kann, ehe da ein wirklich gutes Buch draus wird.

Anders kann ich mir das, ehrlich gesagt, nicht erklären. Mehrmals hatte ich jetzt gehypte und hart umworbene Bücher in der Hand, bei denen die ersten Seiten wirklich mega waren … und dann geht es nur so meh weiter. Ob mich das dazu animiert, weitere Bücher der schreibenden Person zu kaufen? Wohl eher nicht. Vielleicht, wenn sie sich auf den letzten dreißig Seiten genau so viel Mühe gegeben hätten wie auf den ersten dreißig Seiten? Schließlich erinnere ich mich in erster Linie an das Gefühl nach dem Buch.

Und an alle jungen Autor*innen da draußen: Wenn ein Verlag nicht so viel Liebe in das Manuskript stecken will, wie ihr es euch wünscht, überlegt euch gut, ob die Zusammenarbeit der Geschichte gerecht wird. Klar, Selfpublishing kann teuer sein, aber erstens muss es das nicht und zweitens steht da am Ende dann genau die bestmögliche Geschichte auf dem Papier, die ihr erzählen wollt.

Ich packe meinen Koffer und ich nehme mit …

… einmal „Alter Falter!“

Nein, leider geht es nicht in den Urlaub. Dafür war ich letzten Samstag in Düsseldorf beim Bücherbummel auf der Kö, zum Lesen. Und auch darum geht es heute nicht.

In den Jahren davor war ich immer Sonntags beim Bücherbummel. Da ist die Kö ruhig, grün, entspannt, man kann ein wenig bummeln und in Ruhe Bücher gucken.

Dieses Jahr war ich am Samstag dort. Und Samstag ist offenbar SHOPPING-TAG!!!

Vielleicht gibt es in Deutschland gerade eine Wirtschaftskrise, in Düsseldorf merkt man davon nichts. Und die Königsallee ist ja schon ein teures Pflaster! Ich Hippietrampel kenne die meisten Marken nicht, schaue im Vorbeigehen in die Schaufenster und wundere mich, was man für Socken ausgeben kann.

Die Lesung läuft gut, aber es ist mir zu voll zum Stöbern. Auf dem Rückweg zum Auto sehe ich dann eine Schlange vor einem Laden. Was gibt es da? Waffeln? Hipsterdöner? Gratisdiamanten? Ein älteres Pärchen steht sogar mit Koffer an, die wollen offenbar ordentlich zuschlagen. Das Schaufenster kann ich wegen der Menschenschlange nicht sehen, ist aber auch schnuppe. Ich merke mir den Namen des Ladens und fahre heim.

Der Mann weiß mehr von der großen weiten Welt, der klärt mich Abends zuhause auf. Der Laden war nämlich Rimova, das ist wohl eine Koffermarke. Sehr teure Koffer. Für die man sich in eine Schlange stellt. Auf die gibt es auch lebenslang Garantie, erklärt der Mann. Dann schau ich mir das Preis-Koffer-Verhältnis mal online an.

Joah.

Man kann also mehr für einen Koffer ausgeben als ich für eine Woche Urlaub.

Das ist … eine Entscheidung.

Gut, lebenslange Garantie ist schon ein hehres Versprechen. Und nachdem der Mann in den ersten drei Jahren Dienstreise jährlich einen No-Name-Koffer gekauft hat, hält sein Samsonite-Koffer inzwischen auch seit mehr als zehn Jahren und hat sich lange rentiert (wir müssen mal die eine Rolle austauschen lassen). Ich verstehe also durchaus, dass man, falls möglich, gern etwas mehr für überdurchschnittliche Qualität ausgibt.

Andererseits bietet Rimova Kinderkoffer für 500 Euro an, eventuell bin ich einfach nicht die Zielgruppe.

Schon wieder diese lästige Grenz-Erfahrung

Wenn man wenig freie Zeit und noch weniger Energie hat, bleibt an Stelle von Demonstrationen und Aktionen nicht viel, womit man seinen Unmut kundtun kann. Also schreib ich immer mal wieder eMails, die wahrscheinlich niemand lesen wird – außer dir natürlich. Heute ist es kurz und knackig.

Ich würde gerne „sehr geehrter“ schreiben, aber das will mir nicht aus den Fingern, also …

Herr Dobrindt!

Würden Sie bitte umgehend die nach aktueller Rechtsauffassung illegalen Grenz-Zurückweisungen einstellen? Das wär echt Hammer. Ich kann mir vorstellen, dass das lästig ist (geht mir an der roten Ampel auch immer so), aber Gesetze etc. gelten schon für alle – auch für Sie. Eigentlich sogar besonders für Sie. Schließlich sind sie so etwas wie ein Vertreter des Rechtsstaates. Verhalten Sie sich doch bitte auch so. Ich bin sicher, Sie finden immer noch genügend Tätigkeitsfelder, die Ihnen Spaß machen.

Das „mit freundlichem Gruß“ will auch nicht so flutschen, also verbleibe ich mal einfach so.

Diandra Linnemann

PS: Wissen Sie, wie unglaublich lästig die Grenzkontrollen sind, und wie hart wir das damals als Bevölkerung mit Verwandten und/oder Arbeitsstellen im EU-europäischen Ausland gefeiert haben, als die abgeschafft wurden? Sonst fragen Sie mal den Herrn Laschet, der hat da auch jüngere Erfahrungen mit, hab ich gehört.

Was für ein Müll!

Im wahrsten Sinne des Wortes.

Du kennst doch die offiziellen Gelben Säcke? Die kann man nur mit einem Wort beschreiben:

GEFÜHLSECHT.

Folglich reißen die, wenn man sie nur ernst anschaut.

So gestern, als ich den Gelben Sack aus der Küche an die Straße stellen wollte für die Abholung. Wir haben so eine große Tonne, in die der Sack perfekt hineinpasst. Leider entwickelt sich manchmal Unterdruck, wenn man den Sack aus der Tonne zieht, weil nicht schnell genug Luft nachströmt. (Meistens dann, wenn man den Sack bis aufs Letzte vollgestopft hat, ich weiß.) Auf jeden Fall riss der Sack dann gestern.

Ich war schon in Sportsachen, denn ich war eigentlich aus erfreulichen Gründen auf dem Weg nach unten – zum Laufen. Meistens passt das Dienstags zwischen Büro und Sprechkurs1, wenn nichts außer der Reihe passiert, und ich bin wirklich ein erträglicherer Mensch, wenn ich laufe.

Wie dem auch sei, aus dem gerissenen Sack entleerte sich dann irgendeine Flüssigkeit und klebte Sack, Müll und das kurze Ende meiner Geduld in der Tonne fest. Umschütten war also nicht. Und so steckte ich mich selbst bis hinauf zur Schulter in den Verpackungsmüll, um das Zeug in einen neuen Sack zu verfrachten.

Ich hab vielleicht geflucht! Die Katzen kennen jetzt neue Schimpfwörter, soviel ist klar.

Die Aktion hat insgesamt eine gute halbe Stunde gedauert, inklusive ausgiebiger Armdusche und Ausspülen der Tonne, damit der nächste Sack nicht direkt wieder anklebt.

Laufen gegangen bin ich natürlich dennoch. Und der Frust hat sich auch gelohnt, ich war 10 Sekunden/Kilometer schneller als sonst dieses Jahr. Als Trainingsmethode würde ich „Müllklebe-Entsorgungsaktion“ jedoch nicht empfehlen. Nur fürs Kochen war keine Zeit, ehe ich in den Kurs musste. Haben wir halt notgedrungen gebratene Nudeln bestellt.

An die Menschen, die diese unpraktischen Säcke erfunden haben – und an die, die sie jedes Jahr noch einen halben Mikrometer dünner machen: Ich wünsche euch Juckreiz, den man in der Öffentlichkeit nicht kratzen kann!!!

  1. Im Sprechkurs habe ich für die Lesung beim Bücherbummel am Samstag, 07.06.2025, von 15:45 h bis 16:15 h aus „Zuflucht in Schattenfall“ lesen werde. Ich bin also vorbereitet! ↩︎

Nach-Lese

Mittwoch Abend hatten wir unsere Lesung im Quartiersmanagement. Fünf Autorinnen, fünf Geschichten, fünf Bilder. Wir hatten alles vorbereitet und Werbung auf allen Kanälen gemacht, die uns eingefallen sind.

Gekommen sind dann zwei Leute – der Mann (den ich als Fotografen verpflichtet hatte) und die Mitbewohnerin einer anderen Autorin.

Gelesen haben wir natürlich dennoch, für einander und als Übung für den Ernstfall. Wir hatten auch eine Menge Spaß – aber manchmal ist es schon frustrierend, so viele Gedanken und Vorbereitung in ein Event zu stecken, das dann derart auf die Nase fällt.

Möglicherweise waren die anderen lokalen Veranstaltungen an dem Abend (etwa die Theaternacht) als „Konkurrenzangebot“ zu stark. Möglicherweise war unsere Werbung zu schwach. Möglicherweise wollte niemand bei drohendem Gewitterdrohung noch einmal ausgehen. Möglicherweise waren die drei Leute, die es interessiert, schon in den Kurzurlaub gefahren.

Man steckt halt einfach nicht drin.

Ich wühl mich dann tiefer in die Werbepsychologie, schreibe noch schönere Geschichten und versuche es einfach immer wieder. Und ich denke mir: Wenigstens schreibe ich das, was ich selbst schreiben will. Wenn meine Geschichten schon nicht wahrgenommen werden, hatte wenigstens ich Freude daran.

An dieser Stelle ein umso herzlicherer Dank an die Lesenden, die immer wieder zu meinen Geschichten zurückkommen. Ihr seid die besten! <3

Von KI für KI mit KI wegen KI, weil KI

Heller Hintergrund. Im Zentrum der Oberkörper eines Spielzeugroboters, leicht retro, mit türkusfarbenem Körper und aufgedruckten Controls mit Zeigern und tasten. Er sieht irgendwie gestresst aus, ihm stehen die Haare (in Gestalt einer Spule) zu Berge.
Foto von Emilipothèse, gefunden auf Unsplash

Ich kriege tatsächlich nur Newsletter, die ich auch öffne und lese, da sortiere ich gründlich aus. Heute morgen kam ein Newsletter über Marketing, den find ich meist ganz spannend. Und es ging um eine neue große wilde Sache: KI. KI schreibt nämlich jetzt voll die krass guten Texte, da muss man kaum noch etwas selbst machen. Lass deinen Newsletter doch einfach KI-generieren (hier, mit diesem feinen Tool!).

Gleichzeitig arbeiten Leute an KI-Agenten, die deine Mails für dich lesen, das Unwichtige aussortieren und dir das Wichtige zusammenfassen.

Demnächst schreiben dann also KIs Mails, die von KIs gelesen (und wahrscheinlich aussortiert) werden.

Ich weiß ja nicht, ob das so wirklich der Sinn von Texten ist. Aber ich bin auch über 40, möglicherweise zählt meine Meinung da nicht.

Und ehe jemand mit den Augen rollt: Ich finde KI nicht per se schlecht. Nur verstehe ich nicht, warum man die spannenden, kreativen Dinge, mit denen man Verbindung zu anderen Menschen herstellt, an eine Maschine auslagern will. (Soll ja schon Leute geben, die echte Freunde durch KI ersetzen wollen. ICH BIN ALT!!!)

Off-Topic: Vor ein paar Tagen erst habe ich mehrere Screenshots von Romanausschnitten gesehen, die Leute mit KI überarbeitet hatten – und dann hatten sie vergessen, die Prompts resp. den promptresponsiven Teil der KI-Antwort aus dem Manuskript zu löschen, und niemand hat je wieder drübergelesen.

Schnuppi. Wenn dein eigenes Buch dich so wenig interessiert, dass du den finalen Text liest, warum sollte irgendwer sonst sich dafür interessieren?

Alles, was anstrengend ist, soll jetzt also an KI ausgelagert werden. Einen interessanten Text zu schreiben. Texte zu verbessern. Aufsätze über Schulthemen zu schreiben (und natürlich vorher alles zu recherchieren, wozu soll man da noch das eigene Gehirn für verwenden???). Buchcover zu generieren. Illustrationen anzufertigen. Fotos für Artikel zu erstellen. Und so weiter und so fort. Sobald nur ein Minimü kreativer Anstrengung gefragt ist, greifen Leute zur KI.

Ich glaube NICHT, dass das das Leben besser macht. Wenigstens nicht für mein Leben. Ich mag die Herausforderungen und die Verbindung. Ich schreibe gern Texte und überarbeite sie und scheitere dabei an meinen eigenen Ansprüchen, lese die dann möglichst gut (aber nicht perfekt) vor und schreibe viel zu selten Newsletter, in denen ich die Hälfte vergesse. Buchcover kann ich immer noch nicht, aber die macht mir dann eben ein andere Mensch und nicht die Maschine. Meine Fotos sind schief und meist nicht einmal mit Filtern nachbearbeitet. Gut, andererseits häkle ich ja auch mit großem Aufwand Dinge, die man für einen Zehner aus einer südostasiatischen Sweatshop-Massenfabrik kaufen kann. Vielleicht bin ich aus der Art geschlagen. ^^

Wohin wollte ich mit dem Rant? Keine Ahnung. Vielleicht kann eine KI mir das – ach nee, lieber nicht. Da zieh ich doch natürliche Verwirrung jederzeit vor.

Beef Jerky – Rebranding

CN unglaublich schlechte Witze, tote Kuh

(Un-)Glücklicherweise haben der Mann und ich den gleichen unterirdischen Humor. Deswegen schlafe ich auch so schlecht. Wenn ich Abends nämlich ins Bett gehe, quatschen wir oft noch ein wenig – und dabei kommt der manchmal auf Dinge, das geht auf keine Kuhhaut. (Pun delayed, but intended.)

Gestern Abend beispielsweise hat er einen Witz darüber gemacht, dass Beef Jerky entsteht, wenn eine Kuh vom Blitz getroffen wird. (Ich bitte hiermit alle Kühe um Entschuldigung. Und alle Blitze. Und alle, die diesen Unsinn lesen, ebenfalls.)

Ich, halb träumend: „Nee, das ist kein Beef Jerky, das ist Beef Twitchy. Und das bewegt sich dann auch noch in den Packungen und zuckt beim Essen.“

Er: „Aber mit dem Namen kannst du das nicht verkaufen.“

Ich: „Okay.“

Er: „Wir nennen es BLITZKUH!“

Und dann musste ich lachen und war wieder wach. ICH KANN SO NICHT SCHLAFEN!!!

(Jede Person kriegt die Partnerperson, die sie verdient. Aber Blitzkuh gibt es nirgends zu kaufen. Unbezahlbar.)

PS: Er macht das wirklich jeden Abend. Also, nicht das mit den schlechten Witzen. Aber falls er daheim ist, wenn ich schlafen gehe – wir haben extrem unterschiedliche Tagesrhythmen – unterbricht er, was immer er gerade macht, und bringt mich ins Bett. Es ist irgendwie süß. Wir wohnen seit 15 Jahren zusammen. Wahrscheinlich verdienen wir einander.

PPS: Wenn er aufstehen muss, wecke ich ihn natürlich entweder liebevoll mit einem aufmunternden Monolog, während er langsam zu Sinnen kommt, oder ich lasse, wenn es schnell gehen muss, die Katzen auf ihn los. Voll verdient.

Grenzerfahrungen

Als älterer Mensch mit Verwandten im EU-Ausland erinnert man sich eventuell noch, wie lästig das war, als an den deutschen Grenzen kontrolliert wurde. Zum Glück haben wir das seit langem hinter uns gelassen – oh, doch nicht. Ein Hoch auf die aktuelle Regierung mit all ihren innovativen Ideen.

Vor ein paar Tagen war ich also in Luxemburg, um mit einer Freundin einen kleinen Ausflug zu machen. Ist nicht soooo weit zu fahren. Und obwohl ich wirklich nichts angestellt habe (schwör!), werde ich beim Anblick von Polizist*innen und/oder Zollbeamt*innen immer nervös. Auch so reguläre Kontrollen an der Straße machen mich fertig, dabei hatte ich davon in meinem Leben erst drei. Und es war auch immer alles in Ordnung.

Einmal haben sie die Grenzen in der Nachbarschaft dicht gemacht und jedes Auto durchsucht, weil sie einen entflohenen Straftäter gesucht haben, das kann ich ja noch verstehen. War lästig, ich war natürlich mal wieder völlig paranoid. Zum Glück hatte ich nicht zufällig einen Straftäter dabei. Man weiß das ja oft gar nicht so genau, was man alles im Auto liegen hat, nicht wahr?

Auf jeden Fall gab es auf dem Rückweg von Luxemburg nach Deutschland tatsächlich eine Kontrollstelle. Hinter einer Brücke war die Fahrbahn künstlich verengt und mit so Bremshubbels ausgelegt, damit die Beamt*innen in jedes Auto spinxen konnten. Muss ein unglaublich langweiliger Job sein. Und es gab auch keine Infrastruktur, um es sich zwischendrin gemütlich zu machen – nur einen Container (hoffentlich mit Klo!) und ein großes Zelt, um Durchsuchungen auch bei Regen trocken durchführen zu können. Wo kriegen die nur ihren Kaffee her? Aus der Isolierkanne schmeckt der doch nach drei Stunden nicht mehr. Wie dem auch sei, von mir wollten sie nix. Ich seh halt absolut harmlos und langweilig aus.

Auf jeden Fall hat mich das an damals erinnert, als ich noch klein war und mich mit meinen Geschwistern im Auto auf dem Heimweg oft auf der Rückbank schlafend stellen musste, wenn wir an die deutsch-niederländische Grenze kamen. Wir hatten eine Decke auf den Knien und die Füße auf etlichen Pfund Kaffee und Zigarettenstangen, denn die waren in den Niederlanden einfach sehr viel günstiger als in Deutschland. (Alles schon lange verjährt, tut mir leid.)

Eine Freundin fuhr als Kind regelmäßig mit ihrer Tante mit dem Rad über die „grüne Grenze“ zum Kaffeekauf und war immer ganz nervös, wenn sie einer Kontrolle begegneten. „Wir haben auch gar nichts zum Schmuggeln dabei!“ Clevere Strategie. Erwischt wurden sie jedenfalls nie – möglicherweise konnten die Beamt*innen sich denken, warum man einen Radausflug in die Niederlande macht, jedoch will niemand den Papierkram für vier Pfund Kaffee. Und Radfahren ist schließlich gesund, hat also alles seine Vor- und Nachteile.

Ein Onkel hat in der Lüftung seines Autos sogar Vögel geschmuggelt. Fanden die Vögel wahrscheinlich nicht so toll, denk ich mir. Und was lernen wir daraus? Alles Kriminelle hier. (Von der Kaviardiät meines Vaters erzähl ich lieber gar nicht erst. ^^)