Blick über die Schulter, Tag 7

Auch heute ist nicht viel passiert. Ich kämpfe ein wenig mit der Atmosphäre und den verschiedenen Charakteren, aber ich komme langsam voran. Am Wochenende spätestens wird sich im Manuskript mehr tun. Na, ist euch vom Mit-Lesen schon langweilig? ^^

Ein Kunstgriff, an dem ich viel arbeite und mich abmühe, sind die unterschiedlichen Ausdrucksweisen verschiedener Personen. Wie jemand redet, sagt viel über den Charakter aus – soziale Herkunft, Bildung, Dialekt, … – und auch darüber, wie Leute zueinander stehen. Es macht schon einen Unterschied, ob ich jemanden mit „Ey Digga!“ begrüße – oder mit „Mein sehr verehrter Herr Minister!“ Allerdings finde ich es schwierig, Leute konstant in ihrem eigenen Ton reden zu lassen, wenn ich schreibe. Bei Beschreibungen etc. kann ich MEINEN Ton verwenden (oder einen meiner Töne), doch für die verschiedenen Charaktere ist das schwieriger. Hoffen wir, dass ich das irgendwann meistere, aber es ist noch ein weiter Weg. Und dann kommen wir zum Problem Jugendsprache – wie schreibe ich Jugendliche so, dass sie nicht komplett lächerlich klingen? Keine Ahnung. ^^

(Zum Glück gibt es die Überarbeitungsphase für genau solche Probleme.)

Ende: 4.315 Wörter

Schreib-Beef: Wie professionell muss ein Buch sein?

Seit ein paar Tagen tobt auf Twitter, meiner liebsten kurzweiligen SoMe-Plattform, eine schwierige Diskussion. Viele Leute fühlen sich angegangen, diskriminiert, beleidigt und/oder missverstanden. Und ich kann, ehrlich gesagt, beide Seiten ein wenig verstehen. Deswegen setze ich mich hier mal länglich zwischen alle Stühle und verscherze es mir potenziell mit allen.

Wenn ich den Überblick richtig im Kopf habe, fing es an mit einer Autorin, die ein SP-Buch (also eines, das ohne Verlag veröffentlich wurde), kritisierte. Sie nannte weder Autor*in noch Titel, aber unterlegte ihre Kritik mit Zitaten und Beispielen. Unter anderem ging es um ein unvollständiges Impressum, einen merkwürdigen Disclaimer, der im Widerspruch zum Buchinhalt stand, und grammatische Probleme. (Wer das nachlesen möchte, kann das aktuell hier tun. Ich fasse aber auch noch kurz zusammen.)

Dieser Kritik, soweit ich sie gelesen habe, stimme ich erst einmal zu. Die kritisierende Autorin hat gute Argumente. Sie brachte auch Vorschläge, wie man solche Dinge im eigenen Buch vermeiden könne – etwa durch ein professionelles Lektorat und Korrektorat sowie Recherche zu Gestaltung und juristischen Dingen.

Andere Leute fühlten sich diskriminiert – weil nicht jeder das Geld für professionelle Dienstleistungen hat; weil manche Eigenschaften (im weitesten Sinne) wie Lernschwächen oder Neurodivergenzen es schwierig machen, den üblichen Wegen zu folgen; weil es beim Schreiben mehr um Kunst gehen solle und weniger um Regeln. Auch diese Kritikpunkte kann ich gut verstehen.

Was ich weniger verstehen kann, sind die persönlichen Beleidigungen, die da schnell flogen (oder die einige Leute sich selbst aufluden, weil sie einen persönlichen Angriff lasen, wo es wahrscheinlich – was weiß ich denn, was in den Köpfen anderer Leute vorgeht??? – keinen gab).

Mal schauen, wie wir das alles dekonstruieren können.

  1. Korrekte Sprache, inkl. Grammatik: Es gibt sprachliche Regeln. Die sind wichtig, weil Sprache letztendlich ein Zeichensystem ist, auf dass Menschen sich geeinigt haben, um zu kommunizieren. Viele Aussagen kann man auch noch verstehne, wenn es geringe Abwaichugnen gibt. Allerdings werden Texte schwieriger zu verstehen, wenn die Fehlerquote steigt, und je anstrengender es ist, etwas zu lesen, desto weniger Vergnügen und Entspannung bietet der Text. Da das Lesen von Geschichten idealerweise ein schönes Hobby ist, sollten solche unnötigen Anstrengungen meiner Meinung nach weitestgehend vermieden werden. Mir ist klar, dass ein fehlerfreies Buch ungefähr so oft vorkommt wie ein Einhorn, das im Lotto gewonnen hat. Als schreibende Person sollte man sich trotzdem die größtmögliche Mühe geben, die sprachlichen Regeln zu lernen, um sich möglichst präzise ausdrücken zu können. Da sind auch Lernschwächen etc. keine gute Ausrede – ich bin selbst von Dyslexie betroffen (weswegen ich sprachlich falsche Texte nur mit größter Mühe lesen kann!), was ihr allerdings in meinen eigenen Texten nicht merkt. Dazu gehört harte Arbeit. Dinge wie Kommasetzung oder die korrekte Verwendung von Zeiten kann man lernen und üben. Je besser man in diesen grundlegenden Fähigkeiten ist, desto eher kann man sich beispielsweise ein Korrektorat sparen. Damit kommen wir zu …
  2. Lektorat und Korrektorat: Wenn ihr nicht genau wisst, was das ist – bei einem Lektorat klopft eine bösartige sehr genau lesende Person einen Text auf strukturelle und inhaltliche Schwächen ab. Gibt es Logikfehler? Verschwindet ein Bleistift von einer Szene zur nächsten? Wiederholen bestimmte Momente sich oft? Etc. pp. Beim Korrektorat wird später der endgültige Text auf sprachliche Fehler und Schwächen abgeklopft. Das sind Dienstleistungen, die für Selfpublisher*innen zu verschiedenen Preisen von mehr oder weniger professionell vorgehenden Personen angeboten werden. Sogar bei günstigen Preisen steht auf der Endrechnung bei einem Roman schnell ein vierstelliger Betrag. Den hat nicht jede*r von uns eben zuhause rumliegen und übrig – vor allem dann nicht, wenn das entsprechende Buch diesen Betrag höchstwahrscheinlich kurzfristig nicht einspielen wird.
  3. Professionalität in der Kunst: Das ist ein anderes Ding. Dieses Sprichwort, dass Kunst angeblich von „können“ stammt, hasse ich heiß und innig. Ist so eine Grundsatzfrage, denn diese Denkweise impliziert, dass nur die Leute Kunst betreiben dürften, die überdurchschnittlich gut in dieser Kunst seien, dass es eine absolute „Güteskala“ für Kunst gebe und dass Kusnt auch immer unter kapitalistischen Gesichtspunkten betrieben werden solle – Lohnt sich das überhaupt? Wir alle kennen die Geschichten von malenden Elefanten, die sich garantiert nicht darum scheren, ob jemand ihre Bilder gut findet – die malen einfach und amüsieren sich dabei wie Bolle. Ist das dann Kunst oder nicht? Wann malt jemand nur ein Bild resp. wann wird jemand beim Malen zum Künstler? Da hängt irgendwo ganz tief verschwurbelt so ein Genie- und Elitebegriff drin, der macht mir unbehaglich.

Gut, aber wie lösen wir diese Dinge denn jetzt?

Erst einmal ein Geständnis: Wenn ich selbst veröffentliche, nehme ich als einzige professionelle bezahlte Dienstleistung die Covergestaltung in Anspruch. Nicht, weil ich in allem anderen so genial wäre, sondern weil ich einfach keinen Dukatenscheißer daheim habe und mein Schreiben sich selbst finanzieren (und idealerweise sogar lohnen) soll. Optische Gestaltung von Dingen fällt mir generell schwer, deswegen war das die erste Baustelle, die ich frohen Herzens Fachmenschen überlassen habe. Lektorat und Korrektorat haben meine Texte nur, wenn ein Verlag dahintersteckt, der genau das leistet. Könnten sie mit den entsprechenden Hilfestellungen besser sein? Eventuell. Möglicherweise. Ach, was sag ich – wahrscheinlich. Sind sie auch ohne lesbar? Das muss jemand anders entscheiden (aber die Rückmeldungen sind überwiegend positiv und eventuelle Kritik meist berechtigt). Meine nächste Baustelle, auf der ich dazulernen will, ist der Buchsatz, aber dieser Plan hat gerade nicht die höchste Priorität. Kommt schon noch.

Und wie schaffe ich das also?

Alles, was auf Sprachebene läuft, habe ich mir beigebracht, und gelegentlich lerne ich sogar heute noch etwas Neues. Ich habe ein paar Tricks, um gängige Expressionen der Dyslexie abzufangen, und muss an der Stelle eben härter arbeiten als manch andere Person. Mit der Zeit wird es einfacher. (Das ist meine persönliche Erfahrung, andere Menschen mögen das anders empfinden.) Natürlich könnte ein Korrektorat wohl noch Dinge finden, aber ich gebe mir härteste Mühe, einen einigermaßen sauberen Text zu produzieren.

Wenn die Deadline mich jagt, mache ich mein eigenes Lektorat. Geht nicht, sagen einige. Geht doch, sage ich – wenn man ein wenig vergesslich ist und sehr gründlich (und selbstkritisch!) arbeitet. Am liebsten verwende ich Ausdrucke und Listen, um mich zu organisieren. Falls mehr Zeit ist, wende ich mich gerne an meine Testleser, die allerdings auf freiwilliger Basis arbeiten (ich bezahle sie in Dankbarkeit und Kinkerlitzchen) und natürlich auch kein professionelles Lektorat ersetzen sollen. Ab und zu tausche ich Hilfestellungen mit anderen Autor*innen oder hole mir Rat.

Und endlich zur Professionalität – das Internet ist voll guter und gutgemeinter Ratschläge. So lästige Dinge wie die Impressumspflicht, Finanzamtquerelen und Do/Don’t-Listen für öffentliche (SoMe-)Auftritte als Autor*in sind von viel klügeren Leuten als mir zuhauf besprochen und analysiert. Natürlich muss man alles ein wenig vorsortieren und kritisch lesen, einige Dinge ausprobieren und wieder verwerfen. Glücklicherweise wird es dank dieser Fülle an leicht zugänglichen Informationen immer einfacher, auch als Laie mit begrenzter Zeit und Geduld ein halbwegs professionell aussehendes Buch zu präsentieren. Und falls mir später auffällt, ich hätte etwas besser machen sollen – gut, dann mache ich es beim nächsten Buch besser. (Ich halte mich selten damit auf, bereits veröffentlichte Bücher noch einmal – und noch einmal und noch einmal – zu überarbeiten. Wasser auf dem Weg zur Küste und so.)

Meiner Meinung nach ist es letztendlich egal, wie ihr euer bestmögliches Buch erreicht. Wichtig ist nur, dass ihr euch klarmacht, welche Möglichkeiten es gibt, welche Schritte unternommen werden sollten – und die dann in irgendeiner Weise umsetzt, anstatt eure Idee von eurer eigenen künstlerischen Genialität als Schutzschild gegen Lernprozesse und Kritik einzusetzen. Was ihr nicht als Service einkaufen könnt/wollt, müsst ihr eben selbst leisten, so gut es geht. Und wenn ihr etwas nicht könnt, müsst ihr rausfinden, wie es geht. Die Leute, die euer Buch am Ende kaufen, interessieren sich nämlich im ersten Moment einen lauwarmen Pups für die Hürden auf eurem Weg zum Buch. Die gucken sich nur das Buch selbst an und entscheiden dann, ob sie ihm (und damit euch) eine Chance geben oder nicht.

(Es ist übrigens auch völlig in Ordnung, nur zum Vergnügen zu schreiben und zu veröffentlichen, ohne sich stunden- und jahrelang selbst zu kasteien. Das oben gesagte gilt in erster Linie für Leute, die an sich selbst den Anspruch haben, auf einer professionellen Ebene Bücher zu präsentieren.)

Blick über die Schulter, Tag 5

Einen Tag 4 gab es nicht, weil Sonntage in die Soundbox gehören und ich nach drei Stunden Tonaufnahme und Schneiden zu müde war, um noch etwas anderes zu machen. Ab und zu muss auch mal Pause sein.

Heute Mittag habe ich meine begnadete Coverfee mit den Details (ISBN-Barcode, Klappentext, mögliche Elemente für das Cover) beworfen und bin jetzt gespannt, was sie draus macht. Jetzt beginnt der „Routinepart“: Das Schreiben. Ich bin nicht sicher, wie ich euch das zeigen kann – höchstens die tägliche Wortzahl und ggf. der letzte Satz wären für euch interessant, und falls ich zwischendurch etwas „drumrum“ mache.

Zu Beginn der Schreibsession werfe ich einen Blick auf das, was ich zuletzt geschrieben habe, und überarbeite auch schon ein wenig. Das hilft mir, in die Stimmung zu kommen, und macht die Überarbeitungsphase etwas einfacher. Die kommt in etwa zwei Wochen, wenn der erste Entwurf geschrieben ist, und findet in der Tat auf dem Papier statt. Am Bildschirm lese ich einfach nicht so gründlich, sorry. ^^

Der Mann hat mir übrigens einige Fotos von vergangenen Volksfesten geschickt, zur Inspiration, und ich frage im Freundeskreis nach Erlebnissen auf Jahrmärkten, die ich in der Atmosphäre verbasteln kann. Falls ihr euch einen Platz in der Danksagung verdienen möchtet, hinterlasst eure Anekdote (egal, ob lustig/romantisch/unheimlich/empörend/…) in den Kommentaren!

Start: 396 Wörter

Ende: 2878 Wörter

Feiertage de luxe

Feiertage – oder wenigstens freie Tage, wenn man eh die ganze Zeit über in Jogginghosen auf dem Sofa bleibt. So wie ich im Moment, und ihr hoffentlich auch! Wir haben mehr Süßigkeiten, als zwei Erwachsene vernünftigerweise in einem Monat essen sollten, nur für diese paar Tage beiseitegeschafft, und ich plane, möglichst viel davon zu genießen. Außerdem wartet der Balkon auf mich, mit dem gigantischen Liegestuhl. Wenn das Wetter uns aufhalten will, nehme ich einfach mehr Decken mit raus.

Ich hoffe, ihr macht es euch ähnlich bequem!

Blick über die Schulter, Tag 2 – Plotten unter Zeitdruck

(Hier ist jetzt der komplette Beitrag, mit allen Informationen und Bildern.)

Ohne Plot ist alles nichts, und für mich besonders. Und wenn ich beim Plotten Abkürzungen nehme, beißt mich das anschließend immer in den Arsch. Was also, wenn ich nur wirklich, wirklich wenig Zeit zum Plotten habe? Was mache ich damit?

Zuerst schreibe ich alles auf, was ich über die Geschichte bereits weiß – die Charaktere, die grobe Handlung, die Hintergründe. Vor allem das „Warum???“ ist wichtig, denn „böse“ Charaktere, die etwas nur tun, um böse zu sein, sind mir zu einfach. Deswegen lohnt es sich für mich, zuerst einen Blick darauf zu werfen, was der*die Antagonist*innen tun (wollen), und wieso. Dazu gehören auch die Schwachstellen ihres Plans und ihre wunden Punkte. (Bei einer Mumie ist das einfacher als bei einem Wirtschaftsboss, das mal am Rand.)

Dann überlege ich mir, wie mein*e Protagonist*innen merken, dass etwas nicht stimmt – und was sie dagegen tun können/wollen. An der Stelle kommt ihre charakterliche Motivation ins Spiel, hier muss ich sie also schon kennen.

Von da aus kann ich chronologisch planen, was passiert – was sie tun, was fehlschlägt, wem sie begegnen. Gleichzeitig behalte ich natürlich im Hinterkopf, was die Antagonist*innen tun: Merken sie, was die Protas tun? Unternehmen sie Gegenmaßnahmen? Ändern sich hierdurch ihre Pläne?

Das ist der Punkt, an dem ich mit Ideen spiele, Szenen und Möglichkeiten auf Karteikarten schreibe, wenn ich nicht weiterkomme, und alles so lange verwerfe und hin- und herschiebe, bis der Ablauf mir gefällt und Sinn ergibt. Jetzt sollte ich auch in etwa wissen, wie viele Kapitel ich habe und wie lang die folglich ungefähr sein müssen, um das Wortziel zu erreichen.

Wenn also mein Plan so aussieht:

CHAR1 ENTDECKT BÖSEN PLOT.

CHAR1 KONFRONTIERT ANTA1.

ANTA1 ÜBERLEGT ES SICH ANDERS, ENTSCHULDIGT SICH.

ALLE RÄUMEN GEMEINSAM AUF UND SINGEN DABEI EIN LUSTIGES LIED.

… dann habe ich noch keinen besonders guten Plot.

Bei „In der Höhle des Bösterhasen“ habe ich übrigens erst, als ich meinen Plot fertiggeschrieben hatte, gemerkt, dass da noch ein richtiges Ende fehlte. Die Lösung war nämlich noch gar keine richtige Lösung, ich konnte die Charaktere noch tiefer in Schwierigkeiten bringen, und außerdem fehlten mir etwa 4.000 Wörter. Das sind alles gute Indizien, beim Planen war mir das aber gar nicht aufgefallen. Mit anderen Worten: Dieser Turboplot, den ich als erstes schreibe, ist definitiv noch nicht fertig, aber er zeigt mir ungefähr, wohin ich muss.

Vielleicht zeige ich ganz am Ende, einen Monat nach der Veröffentlichung oder so, mal die verschiedenen Materialien in ihren unterschiedlichen Stadien, damit ihr sehen könnt, wie sich das konkret entwickelt hat. Aber das enthält dann natürlich Spoiler.

Und wie sieht so eine Plotting-Session aus?

Auf einem Gitter-Balkontisch steht links eine Bienentränke (Wasser und Murmeln in einem Untersetzer), daneben ein Stapel Karteikarten mit einem gelben Kugelschreiber, kalter Früchtetee in einem Glas mit Deckel und Strohhalm, daneben eine Schale mit Ostersüßigkeiten. Im Hintergrund ein Balkonkasten mit Erde.
Wenigstens an einem freien Tag plotte ich so. Plotting De Luxe sozusagen.

Alle Szenen und wichtigen Ideen kommen auf Karteikarten. So habe ich immer die Möglichkeiten, neue Karten dazwischen zu stecken, um Lücken zu füllen – und das so lange, bis ich das Gefühl habe, die Geschichte ist rund. (Dabei kann ich mich irren, siehe oben.)

Später werde ich mir alles am Computer an einer Stelle organisieren, auf die ich überall zugreifen kann – das klingt so hochtrabend, meistens lege ich mir alles in einen E-Mail-Entwurf – und dann fange ich an zu schreiben. In diesen E-Mail-Entwurf kommen auch die Charakterskizzen (die für einen Heftroman jetzt nicht sooo ausgefeilt sein müssen) und Hintergrundinformationen und Layout-Skizzen als Foto-Upload. Das ist nützlich, weil ich so mal von zuhause und mal in einer stillen Minute auf der Arbeit schreiben kann und immer alles auf dem neuesten Stand habe.

Übrigens nutze ich für das Schreiben aktuell nicht Scrivener oder ein anderes aufregendes Tool, sondern schreibe schlicht in Word, wie so ein wildes Tier.

Einige beschriftete Karteikarten, aufgefächert, von einem Kindle verdeckt, darauf der gelbe Kugelschreiber von vorhin. Im Hintergrund Chaos, denn die Karten liegen auf einem Glastisch.
Die Ausbeute

Zu dem Zeitpunkt, zu dem ich hier alles aufrolle, bin ich übrigens nicht so weit gekommen, wie ich wollte, denn ich fahre gleich mit einer Freundin und deren Katze notfallmäßig zum Tierarzt. Ihr wisst, wie das ist … das Leben kommt immer dazwischen. Aber ich kann später fertigplotten, und natürlich kommen die Karten mit ins Auto, denn mit rein darf ich in der aktuellen Situation wahrscheinlich sowieso nicht.

Schreibende Verrückte sind eben allzeit bereit. ^^

Blick über die Schulter, Tag 1

Vielleicht habt ihr es mitbekommen, ich schreibe im Moment unheimliche Heftromane. Das ist eine besondere Form der Prokrastination, weil mein Kinderbuch sich bockig stellt – ist wohl in dem Alter, da machen die das alle. Auf jeden Fall habe ich die ersten beiden Heftromane bereits veröffentlicht – guckt ihr hier und hier – und kriege eine ungefähre Idee davon, was das bedeutet. (Bitte einmal lachen!)

Damit ihr vielleicht auch eine ungefähre Idee davon kriegen könnt, was das bedeutet, möchte ich diesen Monat meinen Arbeitsprozess bei der Arbeit an Band 3 mit euch teilen. Er ist nicht besonders glamourös oder aufregend, möglicherweise allerdings erhellend und motivierend.

Wie definiere ich für diese Gelegenheit den „Heftroman“?

  • Erscheint monatlich
  • Länge: 20.000 – 22.000 Wörter
  • Eher simple Geschichtenstruktur: Gut gegen Böse, Aussicht aufs Happy End, die Protagonisten sollten höheres Identifikationspotenzial haben
  • Kurze Kapitel, voraussichtlich 10 – 15
  • Lokaler und jahreszeitlicher Bezug (optional, aber ich mag die Idee für meine Geschichten)
  • Cover mit verbindenden Elementen

Im Wesentlichen sind Heftromane also längere Kurzgeschichten mit Kapitel-Unterteilung. Das sollte nicht so schwierig sein, oder?

Das Ding mit den Covern habe ich direkt aus dem Weg geräumt, die macht Giusy von Magical Cover für mich. Sie hat den einheitlichen Rahmen entworfen, wir haben uns auf einen Stil geeinigt und bei den letzten beiden Covern konnte ich ihr einfach ein paar Elemente nennen, die in der Geschichte vorkommen, mit denen sie dann das Bild entworfen hat. Sie versteht es hervorragend, mein Gesabbel in wunderschöne Bilder umzusetzen, und ich bin sehr verliebt. Zum Glück ist sie auch sehr spontan, und wir hoffen, dass wir den Zeitplan gemeinsam durchziehen können. (Es wäre ja so nett von mir, wenn ich ein wenig vorarbeiten würde! Oder planen!)

Wenn ich jetzt also möchte, dass meine Leser*innen das nächste Buch Anfang Mai in Händen halten, muss ich das fertige Manuskript und Cover spätestens am 27.04. bei BOD hochladen, idealerweise eher. Mir bleiben also, heute inklusive, nicht ganz vier Wochen. Tsjakka.

Einen richtigen Zeitplan habe ich nicht, das hängt von zu vielen Faktoren ab – eigentlich arbeite ich wie eine Besessene, wann immer ich die Zeit und Energie dafür habe. Bis morgen Abend will ich den Plot festgezurrt haben, und am Ende der Feiertage möchte ich Giusy die Informationen schicken, die sie für das Cover braucht (inklusive ISBN/Barcode, was bedeutet, dass ich auch das BOD-Projekt anlegen muss). Außerdem werde ich ein wenig von der freien Zeit bestimmt schon zum Schreiben nutzen und euch über den Fortschritt auf dem Laufenden halten.

Ohne euch allzu groß zu spoilern, kann ich schon verraten, dass die nächste Geschichte auf dem in coronafreien Jahren Anfang Mai stattfindenden „Rhein in Flammen“-Volksfest stattfinden soll. Das ist ein Jahrmarkt mit abschließendem Feuerwerk. Ich kenne auch schon einen Teil der Charaktere und habe eine grobe Idee, was passieren soll. Außerdem werde ich Fotos von vergangenen „Rhein in Flammen“-Besuchen heraussuchen, um mich visuell zu orientieren.

Und jetzt habe ich auch schon einen Aufruf für euch – habt ihr lustige/aufregende/traurige/… Anekdoten, die auf Jahrmärkten spielen? Vielleicht baue ich die in der Atmosphäre ein, und ihr kriegt dann eine spezielle Erwähnung in der Danksagung. Inspiriert mich! <3

Gruftgeflüster 2: In der Höhle des Bösterhasen

Den rahmen bilden zwei knorrige, violett-schwarze Bäume. Unten faucht ein wütendes braunes Kaninchen mit roten Augen den Betrachter an. Dahinter führt ein Pfad durch einen Wald auf eine Höhle zu. Über dem Eingang baumelt eine schwarze Spinne.
Gestaltung: Giusy Ame, Magical Cover

KLAPPENTEXT:

„Maximilian ist verschwunden.
Antonia wird Schwierigkeiten bekommen, denn eigentlich sollte sie auf ihren jüngeren Bruder aufpassen.
Jetzt liegt sein geliebtes Spiderman-Fahrrad einsam und vergessen am Eingang der Höhle im Wald.
Nie dürfe sie dort hineingehen, hat ihre Großmutter Antonia von frühester Kindheit an eingebläut.
Furchtbare Dinge würden in dieser Höhle auf sie lauern.
Aber das sind alles nur Ammenmärchen, nicht wahr?
Also macht Antonia sich auf ins Dunkel, um ihren Bruder zu finden.“

Der Upload ist erledigt, das Buch von meiner Seite freigegeben – jetzt liegt es an BoD, wie schnell ihr es in Händen halten könnt. Leider dauert aktuell ja alles etwas länger, wie wir wissen. Aber freuen könnt ihr euch schonmal. :-)

Grillenzirpen

Auf verwittertem Holz, ziemlich hell, sitzt ein brauner Grashüpfer - oder nennt man die Biester anders? Eine Grille? Was weiß ich. So ein Hopsertier halt.
Foto von Heiko Haller, gefunden auf Unsplash

Jaaaa, hier war wieder mal so richtig hart nichts los. Sorry dafür. Aber wie so oft, wenn das der Fall ist, sind im Hintergrund einige Dinge passiert.

Zum einen habe ich am Wochenende den zweiten Band von „Gruftgeflüster“ fertiggemacht und hochgeladen. Jetzt muss gewartet werden, und da bin ich doch so schlecht drin! Die Tage zeige ich euch das Cover, versprochen.

Außerdem ist der arme Altkater immer noch krank. Zwischen stündlichen winzigen Fütterungen mit Spezialkost und dem Aufwischen von Kotzepfützen zuzüglich der Sorge um den Flauschepo hatte ich den Kopf nicht so richtig frei. Könnt ihr euch vielleicht vorstellen. Immerhin ist er schon fast dreizehn Jahre alt, und mit dem Knubbel am Hals und den andauernden Magenbeschwerden befürchten wir natürlich das Schlimmste. Gerade jetzt im Moment ist er beim Tierarzt für eine Reihe von Tests, und ich kaue hier am Schreibtisch auf meinen Nägeln rum und versuche, gelassen und erwachsen zu wirken.

Und ich habe Tomaten gepflanzt. Unser Balkon ist ja recht klein und recht voll, aber zwei Balkonkästen sind freigeworden, und ich habe eine kleinbleibende, kastengeeignete Sorte gefunden, an der ich mich probieren will. Ich mag Tomaten direkt vom Strauch, und der Geruch der Pflanzen hält angeblich Mücken und Co fern.

Was gab’s noch? Ach ja, großes Regalerücken. Wir haben Möbel für vier verschiedene Zimmer bestellt und alle nacheinander aufgebaut. Was halt so eine Tetris-Situation ist, wenn man die Zimmer auch gleichzeitig bewohnt und vollmüllt. Am Samstag habe ich die letzten beiden Regale zusammengedengelt, und jetzt sieht es wieder einigermaßen schick aus. Bis auf mein Büro natürlich, mit dem vollgekotzten Teppich und all dem alten Kram, der auf den Sperrmüll wartet (unser Keller ist voll mit Weihnachtssachen). Übrigens weiß ich jetzt schon, dass wir in zwei Monaten den nächsten Schwung Regale bestellen werden – dann ist mein Büro nämlich mit Verschönerung dran. Das Gästebett muss halt noch warten, auch wenn der Metallrahmen an einer Schweißnaht schon gebrochen ist. So viele Gäste haben wir im Moment sowieso nicht, gell?

Tja, die große Aufregung in Coronazeiten. Mal schauen, ob wir es uns wenigstens über die Feiertage langweilig machen können. Ich habe da ja so meine Zweifel … ^^

Sinnvoll prokrastinieren für Fortgeschrittene

Egal, wie gerne ich schreibe – manchmal erwische ich mich dabei, das Schreiben unter irgendwelchen Vorwänden vor mir herzuschieben. „Prokrastinieren“ nennt man das. Kommt euch bekannt vor?

Das Gute vorab – wir sind damit nicht allein. Und gleich eine zweite gute Nachricht – es gibt verschiedene Methoden, damit umzugehen.

Neil Gaiman beispielsweise nimmt sich Phasen, in denen er nur schreiben oder „nicht-schreiben“ darf, aber nicht stattdessen lesen oder putzen oder im Netz surfen oder twittern oder … – entweder er schreibt, oder er sitzt dort, wo er schreibt.

Zugegeben, das könnte ich eine Weile durchhalten. Wobei, eher nicht, ich bin ein hibbeliger Mensch. Aber wenn ich mal wieder dringend prokrastinieren muss, habe ich meine eigenen Regeln dafür, die Zeit sinnvoll zu verplempern.

  1. Werbung machen – dazu gehört die Pflege meiner SoMe-Kanäle (Facebook, Twitter, Instagram, Patreon, Tumblr) genau wie das Vorbereiten von Material oder die Korrespondenz mit Blogger*innen etc. Eine wunderbare Methode, am Rechner zu sitzen und fleißig auszusehen und kein Stück mit der eigentlichen Geschichte voranzukommen.
  2. Netzwerke pflegen. Hier gehört natürlich das Nornennetz hin oder PAN, oder einfach der Kontakt mit befreundeten Schreibenden, das Vorbereiten von (aktuell meistens digitalen) Zusammenkünften. Sieht auch superproduktiv aus.
  3. Recherche. Das ist der berüchtigte Kaninchenbau, aus dem man nie wieder herausfindet. Natürlich Schreibehrenwort, dass die Recherche zur aktuellen Geschichte gehört. Natürlich muss ich die Geschichte der Klabauter-Erscheinungen der letzten fünftausend Jahre wissen, wenn in einem Halbsatz vielleicht mal von einem Klabauterspuk die Rede ist. Man will ja kompetent wirken.
  4. Längere Posts vorbereiten. Ja, zum Beispiel diesen hier. Oder die Beiträge für das heidnische Magazin, in dem ich ab und zu rante.^^ Oder ich stürze mich in diverse Nornennetz-Projekte wie den Kalender.

Kurz gesagt – wenn ich mich vor dem eigentlichen Schreiben drücke, muss ich etwas tun, was mein Autorinnenleben in irgendeiner Form ergänzt. Irgendwann wird mir das auch zu öde, und schon flutscht die Geschichte wieder.

Es gibt übrigens einen wichtigen Unterschied zwischen Prokrastinationsphasen und echten, dringend benötigten Pausen – so wie die, die ich jetzt als nächstes machen werde. Kaffee ruft!

Was sind eure liebsten Prokrastinationsstrategien?