BonnTastik, FBM, BuCon – ein Überblick

Buch Mock-Up auf graublauem Hintergrund. Text: "Tatjana Flade, Katharina Diederichs - BonnTastik VI - Texte zu Bildern, Bilder zu Texten - Die Anthologie zur 6. BonnTastik." Das Cover zeigt den Blick aus dem Gebirge auf Hügel und den Rhein, der sich schimmernd durch eine finstere Landschaft schlängelt. Zweige mit Herbstlaub rahmen die Aussicht ein.

Mal passiert Monate lang nichts, und dann ist wieder plötzlich alles auf einmal. Deswegen habe ich diesmal auch Urlaub genommen.

Am Sonntag, 12.10.2025, wird um 14:00 h im Kult41 in Bonn die BonnTastik VI vorgestellt. Vielleicht erinnerst du dich noch an das Projekt – regionale Autor*innen schreiben zu den Geschichten einer lokalen Künstlerin Geschichten, die man mitsamt den Bildern in einer Anthologie finden kann. Seit der vierten Ausgabe bin ich bei dem Projekt dabei und freue mich jedes Jahr auf die tollen Geschichten, die dabei rumkommen. Einige von uns lesen am Sonntag aus ihren Geschichten, dazu werden die Bilder präsentiert. Dieses Jahr ist auch die Künstlerin dabei und erzählt etwas über ihre Bilder.

Und nächste Woche ist dann das Messe-Double Feature: Frankfurter Buchmesse und BuCon. Auf der FBM bin ich „nur“ als Sorgenwandlerin für PAN, als Anlaufstelle für Vereinsmitglieder mit Fragen und Sorgen. Das ist zwar anstrengend, macht aber auch Spaß.

Auf dem BuCon sorgenwandle ich auch, habe aber zusätzlich einige Programmpunkte zu gestalten. Zum einen stelle ich das Sorgenwandlungsteam vor. Dann lese ich mit zwei weiteren Autor*innen aus der „Science Fiction goes Punk“-Anthologie und halte später noch eine Lesung aus „Zuflucht in Schattenfall“. Einen eigenen Stand habe ich mir gespart, da wäre ich dieses Jahr ja eh fast nie. ^^

Wen sehe ich denn vor Ort?

UPS, WTF??? Oder: Die köstliche Odyssee

Von CrowdFarming habe ich euch ja schon öfter vorgeschwärmt. Die haben das beste reife Obst und Gemüse, das man sich innerhalb von Europa bestellen kann, mit besseren Bedingungen für die Produzent*innen. Eigentlich wollte ich mich dieses Jahr ein wenig zurückhalten, aber dann ging es doch nicht. Wir haben also eine Kiste Mangos bestellt.

Bestellt hatten wir die Mangos am 01.09., die Sendung wurde am 02.09. auf den Weg geschickt. Am 06.09. sollte sie ankommen. Das war ein Samstag, wie der Blick in den Kalender verrät, und ich war den ganzen Tag zuhause, weil ein Seminar geplant war.

Also war ich nur mittelmäßig überrascht, als am Freitag(!) ein Zettel im Briefkasten lag. UPS erzählte, sie hätten niemanden zuhause antreffen können – möglicherweise waren weder Mann noch Katzen in der Lage, die Tür zu öffnen – und würden es am nächsten Tag noch einmal probieren.

Soweit, so gut. Schließlich war der Samstag ja eh der geplante Liefertag. Ich saß also am Samstag und saß und saß und räumte ein bisschen auf und machte endlich mal meine Steuererklärung und saß ein wenig mehr, aber niemand klingelte. Irgendwann scannte ich also den QR-Code auf dem Liebesbrief von UPS und wurde zur Sendungsverfolgungsseite weitergeleitet:

„Yoah, wir kommen heute doch nicht. Wir kommen am Montag. Übrigens können Sie uns keine Abstellgenehmigung erteilen und auch keine Vollmacht ausstellen, denn wir hätten gern ein Autogramm.“

Mein erster WTF-Moment. Montags arbeite ich, und zwar im Büro. Was an diesen Mangos jetzt so wichtig ist, dass ich sie persönlich in Empfang nehmen muss? Keine Ahnung. Zugegeben, es sind sehr gute Mangos.

Natürlich gab es eine einfache Lösung für das Problem: Lassen wir die Mangos doch in den nächsten UPS-Paketshop (die heißen „Access Point“) umleiten. Die Website sagt, der ist 2,5 km entfernt, das müsste grob auf dem Weg von der Arbeit nach Hause liegen.

Pustekuchen! Nach Bestätigung zeigte mir UPS die Adresse des Access Points. Luftlinie sind es 2,5 km, ja, aber: Der Laden liegt auf der anderen Rheinseite, genau gegenüber von unserem kleinen Berg. Und da ich nicht fliegen kann, sind das mehr als 10 Kilometer Umweg.

Das war nicht die beste aller möglichen Welten, in der ich mich gerade befinde. Aber was will man machen? Es ging schließlich um Mangos! Die UPS-Sendungsverfolgung tat am Montag übrigens nicht, also schwang ich mich im Feierabendverkehr über die Rheinbrücke, durch einen Baustellenstau zum UPS Access Point.

Ratet, wo mein Paket nicht war. „Nee, das Paket gibt es nicht. Wirklich nicht. Oh, warte, das Paket gibt es doch, aber das ist noch im Zentrallager in Bonn. Das kommt morgen. Vielleicht.“

Zu diesem Zeitpunkt war ich etwas ungehalten, da konnte der Access-Point-Mitarbeiter jedoch nichts für. Unverrichteter Dinge nach Hause, eine Runde durch den Wald joggen und aus lauter Frust Kürbissirup kochen. (Zutaten für Mangosirup hatte ich ja nicht!!!)

Dienstag tat die UPS-Sendungsverfolgung. Und sie teilte mir mit: Der UPS-Fahrer konnte das Paket nicht am UPS Access Point zustellen, weil UPS nicht da war.

Während der Öffnungszeiten.

An einem Werktag.

Am fucking UPS Access Point.

Sie versuchen es am nächsten Werktag noch einmal.

Meine Kolleginnen, die dieses Drama verfolgten, schlossen Wetten darauf ab, was als nächstes passiert. Favorit: „Das Ende dieser Geschichte lesen wir in der Lokalzeitung, weil sie Amok läuft.“ Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich.

Mittwoch hatte ich nach der Arbeit – ich bin eine Frau mit einem Leben, stellt euch das vor! – trotz allem ein kurzes Fenster, um noch einmal über den Rhein Richtung Süden zu fahren. Aber was sagt UPS? Letzte Aktualisierung der Sendungsverfolgung war um 03:59 h morgens. Danach Grillenzirpen. Stille. Nichts. Eine Steppenhexe(1) rollt durch das Internet.

(1) So heißen diese lustig herumwehenden trockenen Gebüschdingsies. Wirklich.

Eine Stunde vor Feierabend die Erlösung: IHR PAKET LIEGT IM UPS ACCESS POINT. HOLEN SIE ES GEFÄLLIGST ENDLICH AB. (Ich paraphrasiere.)

So richtig überzeugt war ich noch nicht, aber was sollte ich tun? Und tatsächlich, der Mensch im Shop hatte ein Paket für mich. „Ich war erst ganz überrascht, dass hier ein Paket ankommt. Aber das war ja gar nicht für mich.“ Ob der weiß, dass der für UPS arbeitet? So selten kann es doch nicht sein, dass Leute ihr Paket bei ihm abholen wollen. Wobei, nach dieser Erfahrung …

Trotz aller Verzögerungen sind die Mangos übrigens ganz wunderbar. Zum Glück haben wir nur eine kleine Kiste mit fünf Stück bestellt, die sind nämlich reif. Zwei sind schon verputzt, und als nächstes mache ich uns Mango-Lassis. Wollt ihr sie sehen?

Fünf wunderschöne reife rote Mangos in einer Pappkiste.

Dafür hat sich diese Odyssee doch mal gelohnt. Aber das nächste Mal, wenn mir jemand etwas mit UPS schicken will, bitte ich sie, das Zeug einfach mit einer Kanone grob in meine Richtung zu schießen.

Rosalindas Hass auf Männer (enthält Spoiler für „Zuflucht in Schattenfall“)

Vor einigen Tagen erreichte mich Kritik. Das ist an sich nicht schlimm – ich mag Rückmeldungen zu meinen Büchern, auch wenn sich Leute an etwas stören oder ich mal etwas explizit verbockt habe.

Über diese Rückmeldung habe ich allerdings eine Weile nachgedacht.

Warum Rosalinda so einen Hass auf Männer habe? Schließlich würde sie vor allem Thomas unterstellen, nur „das eine“ zu wollen, das werfe ein ganz schlechtes Bild auf Männer und überhaupt.

(Ich paraphrasiere das alles ein wenig. Ihr versteht mich.)

Und ja, wenigstens zu Beginn des Buches hat Rosalinda einen sehr eingeschränkten Blick auf Männer. Aber das ist nur logisch – schließlich ist sie in einer rein weiblichen Hexengemeinschaft aufgewachsen und hat dort die klassische Hexenmythologie gelernt.

Möglicherweise kennen viele meiner Lesenden sich damit nicht gut aus. Ich hingegen bin seit mehr als 25 Jahren mit der heidnischen Szene involviert, und ich muss sagen: Viel, was als „traditionelles Hexenwissen“ verkauft wird, ist mal so unglaublich traditionell-heterosexuell und auf Sexualität ausgerichtet, es ist schon fast albern.

Ehe jemand meckert: Natürlich gibt es viele differenzierte gut Quellen, die über das „Vereinigung der Gegensätze“-Geschnacksel von Hohepriester und Hohepriesterin hinwegkommen, aber es gibt auch genau so viele, die da elegant versagen. Egal, ob es um „Frauenmysterien“ (menstruieren, gebären, pflegen, weise gucken) geht oder um Rituale (Kelch und Messer/Stab als Symbole für Ihr-wisst-schon-Zwinkizwonki), viele Autor*innen scheinen gedanklich immer noch in der puritanischen Welt festzuhängen, in der sie selbst aufgewachsen sind, und wollen der etwas entgegenstellen. Dass sie dabei in genau die gleiche Falle tappen, indem sie alles irgendwie doch wieder auf Sex etc. zurückbiegen, fällt ihnen nicht auf. Und es ist ja auch klar: Wir sind alle Produkte der Welt, in der wir aufgewachsen sind.

So also auch Rosalinda. Wenn ihre Hexengemeinschaft sich mit männlichen Gemeinschaften getroffen hat, dann in erster Linie für zwinkizwonki-inspirierte Rituale und Feste. Die Austauschjahre finden explizit zum Rumvögeln (excuse my Deutsch) und für die Fortpflanzung statt. Dann fühlen die Hexen sich ultra-befreit und fortschrittlich, während die Erwartung ist, dass jede von ihnen zwangsläufig Jungfrau-Mutter-Alte sein wird.

An Rosalindas Stelle wäre ich auch weggelaufen, das klingt furchtbar einschränkend. Nichts gegen all die Leute, für die so ein Leben die Erfüllung eines Traums wäre, aber wenigstens die Wahl muss man doch haben. Und natürlich habe ich den Coven übertrieben. Die wenigstens Gemeinschaften sind genau so traditionell-verbohrt. Wobei die Reaktion vieler Gemeinschaften auf trans oder nonbinäre Personen schon deprimierend ist. Wir sollten es besser machen.

Zum Glück trifft Rosalinda in Schattenfall eine Reihe von Leuten, die sehr geduldig mit ihren Vorurteilen umgehen, bis sie lernt, dass Männer auch nur Menschen sind. Diese Erkenntnis ist Teil der Entwicklung dahin, dass sie am Ende nicht Hals über Kopf davonläuft und alles abstreift, was ihr bisheriges Leben ausgemacht hat. Stattdessen entschließt sie sich, zu bleiben und für sich selbst eine neue Rolle zu definieren. Schließlich hat nicht einmal die Hohepriesterin die Wahrheit gepachtet.

Ankündigung: Vier Frauen – vier Genres (28.09.2025)

Ankündigungsplakat für eine Lesung. Links Bilder von vier Autorinnen, zwei musizierenden Menschen, ein Landschaftsbild, mehrere Buchcover, eine Blütenspirale. Rechts Ankündigungstext: "Vier Frauen - vier Genres. Krimi - Buntes - Lyrik. 28. Sept., 15:00 h. Autorinnenlesung mit BVjA. Diandra Linnemann, Bonn. MC Schulz, Sechtem. Dana Schuster, Bonn. Ute Trimpert, Wiesbaden. Pfarrheim St. Georg, Widdig, Römerstraße 63. Begleitet von dem Sechtemer Musikduo Jesmaz erwartet Sie ein genussvoller und spannender Nachmittag in besonderer Atmosphäre. Info: Gabi Eusterholz 0222363832765."

Auf jede Lesung freue ich mich wie ein Schnitzel. Und vor jeder Lesung bin ich nervös wie ein Grundschüler beim Krippenspiel. Trotzdem sollt ihr natürlich alle kommen, denn am 28. September bieten ab 15:00 h in Bornheim-Widdig vier Frauen Texte aus vier unterschiedlichen Genres dar, und ich schwör: Das wird gut.

Wie ist es eigentlich so fix September geworden???

KURZGESCHICHTE: Testimonial

Diese Kurzgeschichte habe ich letztes Jahr im Jun veröffentlicht. Ich hätte nicht erwartet, dass die Technik uns so schnell einholt.

Es ist schon früh am Morgen. Gleich wird die Sonne es sich auf den flachen Containerdächern gemütlich machen. Ihr Licht schneidet einen schmalen Streifen aus der Dunkelheit.

Emma kneift die Augen zusammen. Sie hat mal wieder nicht geschlafen. Eigentlich hat sie um elf einen Termin beim Jobcenter, doch den wird sie absagen lassen. Die Krankschreibung sieht täuschend echt aus. Sie zieht an den Vorhängen. Nimmt sich noch einen Energydrink aus dem Kühlschrank. Der brummt unwuchtig und rattert einmal gegen die Wand, ehe er wieder verstummt. Wahrscheinlich sollte sie anfangen, für einen neuen zu sparen.

Wenn man sich ganz unten erst einmal häuslich eingerichtet hat, ist es eigentlich okay. Die Unterbringung in der Containerstadt sei nur temporär, hat ihr Sozialarbeiter vor zwei Jahren gesagt. Eine Übergangslösung, damit sie nicht wieder obdachlos werde. Da war er noch sehr enthusiastisch, mit Blick auf ihren «vielversprechenden Lebenslauf» und ihre Sozialprognose.

Emma hatte es nicht übers Herz gebracht, ihm seine Illusionen zu rauben.

Der Container ist klein und praktisch eingerichtet. Früher, als man Waren noch um die ganze Welt transportieren musste, gab es viel mehr von ihnen, und sie wurden nicht als Wohnraum zweckentfremdet. Inzwischen kann man alles, was der Mensch begehrt, günstig vor Ort drucken: Lebensmittel, Spielekonsolen, Prothesen. Die Grundzutaten werden durch gigantische unterirdische Rohre gepumpt, das hat Emma einmal in der Schule gesehen. Als Achtjährige hätte sie in so einem Rohr noch aufrecht stehen können. Die Container, die plötzlich nicht mehr gebraucht wurden, standen lange herum und rosteten vor sich hin. Dann hatten Wohltäter die Idee, aus ihnen die «Endstation Sehnsucht»-Siedlungen zu bauen. Alle Container wurden gründlich gesäubert, isoliert und exakt gleich eingerichtet.

Viel Zeit wurde darauf verwendet, herauszufinden, was für das menschliche Leben essenziell sei. In jeden Container passt ein Bett, eine Küchenzeile, eine Nasszelle und ein Tisch. Familien können einen Antrag auf geöffnete Verbindungstüren stellen und haben etwas mehr Freiheit bei der Auswahl ihres Mobiliars.

Von außen sind die Container nach wie vor rostig. Die Originallackierung wurde aus nostalgischen Gründen erhalten. Immer drei sind aufeinandergestapelt, mit winzigen Fenstern und einem Zahlencode zur Orientierung. Die Küche benutzt Emma nie. In den Schränken bewahrt sie nur Getränkedosen und Müsliverpackungen auf. Anstatt zu spülen, verwendet sie Einweggeschirr. Wegen des Mülls hat sie kein schlechtes Gewissen, der wird zu siebenundneunzig Prozent recycelt. Irgendwo müssen die Rohstoffe schließlich herkommen, nicht wahr?

Als sie die Dose an den Mund führt und trinkt, stemmt das Koffein sich gegen ihre Kopfschmerzen. Sie hätte nicht die ganze Nacht wachbleiben sollen. Nur ist es leider so, dass sie nachts am besten programmiert, und Topform erreicht sie erst Stunden vor der Deadline. Im Gegenzug für unauffälligen, praktischen und nicht direkt legalen Code erhält sie anonyme Credits, die sie überwiegend in Technik investiert. Sie braucht sonst nicht viel.

Die Hologrammtechnik gilt inzwischen als überholt. Der Fortschritt hat sie überholt und im Staub der Geschichte zurückgelassen. Vor einigen Jahren konnte man nicht über die Straße gehen, ohne durch täuschend echte Projektionen in Restaurants gelockt, von Politiker*innen überzeugt oder in Testimonials über die neueste Kommunikationstechnik informiert zu werden. Personen in flimmernden Anzügen erinnerten an die Abgabefrist für die Steuererklärung («Nur drei Klicks, bestätigen Sie Ihre Daten noch heute!») oder riefen dazu auf, für den guten Zweck zu spenden. Dann entschied das Gremium, dass diese Technik zu energieaufwändig sei. Innerhalb weniger Wochen, so sah es wenigstens von außen aus, stieg die komplette Öffentlichkeit auf Projektionen in speziell gehärteten Glasscheiben um. Die wirkten sogar noch lebendiger. Dank innovativer LED-Technologie entfiel sogar das Flackern, das einen sonst vor Billigproduktionen gewarnt hatte. Wer kann, lässt sich heute bereits Netzhautchips implantieren – die nächste groß angekündigte Neuigkeit. Aber das ist vorerst etwas für Reiche. Nur wenige können sich die Operationen leisten, die mit der Korrektur von unausgereiften Systemen einhergehen.

Early-Adopter-Chirurgie ist das Fachgebiet, das Emma ursprünglich einmal studieren wollte.

Bei jeder Gelegenheit kauft sie jetzt stattdessen Hologrammtechnik auf. Sie hat sich selbst beigebracht, die einzelnen Komponenten zu warten und zu reparieren. Manchmal ersetzt sie eine Linse durch ein umgeschliffenes Brillenglas – noch so ein Relikt aus finsterer Vorzeit – oder greift auf altmodische Kabel zurück, wenn sie anders keine Leitbrücke bauen kann. Im Regal neben dem Fenster stapeln sich Datenträger mit Handbüchern und Anleitungen neben dem, was ihr Stiefvater wohl abfällig als «Schrott» bezeichnen würde. Er ist nie komplett im neuen Zeitalter angekommen. Schrott gibt es schon lange nicht mehr. Nur noch Grundlagen für neue Materialien. Die Menschheit ist weit gekommen seit den Müllkriegen in Afrika.

Wenn bekannt würde, was Emma hier hortet, bekäme ihre Sozialakte ein negatives Tag. Verschwendung von Ressourcen. Aber sie kennt die richtigen Leute.

Endlich fährt sie den Computer runter, den sie offiziell nicht besitzt, und wirft die leere Dose in den Abfallschlund in der Ecke. Die wird mit einem dumpfen Sauggeräusch verschluckt. Der Druck schwankt in dem kleinen Raum nur minimal. In besseren Wohnanlagen merkt man angeblich gar nichts von der modernen Abfalltechnologie. Nicht, dass Emma sich an den kleinen Mängeln ihrer Behausung stört. Sie braucht keinen Luxus. Es reicht, wenn sie niemandem begegnen muss und ihre Ruhe hat. Sie achtet darauf, gerade so viele Termine beim Jobcenter wahrzunehmen, dass man ihr nicht die Unterstützung streichen kann, und performt in den Jobs, die sie dann angeboten bekommt, immer gerade so schlecht, dass es dem Arbeitgeber nicht leidtut, den Vertrag nicht zu verlängern.

Vor drei Monaten war es einmal kritisch. Ein Sachbearbeitery hat sich Sorgen gemacht wegen der Diskrepanz zwischen Emmas überdurchschnittlichen Begabungen (sie selbst würde es anders ausdrücken, aber so steht es in ihrer Akte) und der immer länger werdenden Kette an dokumentierten Fehlschlägen. Der Einladung zum Gespräch mit einer ausgebildeten Fachperson konnte Emma sich nicht entziehen. Sie hat es natürlich dennoch versucht.

Ob sie irgendwas bedrücke?

Ob sie Angst vor Erfolg habe?

Ob da irgendwas sei, worüber sie mit niemandem reden könne?

Zum Glück war es nicht schwer, eine Erklärung zu liefern. Viele Hochbegabte (einmal mehr: Nicht ihre eigene Wortwahl!) scheitern am Alltag. Nachdem man sich davon überzeugt hatte, dass Emma nicht offensichtlich psychotisch oder anderweitig eine Gefährdung für die Gesellschaft war, bekam sie bei der letzten Sitzung ein paar aufmunternde Worte mit auf den Weg und wurde wieder nach Hause geschickt. Wenn sie doch noch einmal Redebedarf habe, solle sie sich melden. Das Jobcenter könne ihr kurzfristig einen Folgetermin verschaffen. Er tippte auf seinem Tablet herum, machte wahrscheinlich einen weiteren Vermerk in ihrer Akte.

Richtig aufgehängt, sperren die Vorhänge den Tag effektiv aus. Nur an den gedämpften Geräuschen auf den Stegen zwischen den Containern erkennt man, dass Leben in die Endstation kommt. Türangeln knarzen, schwere Schuhe poltern über die Gitter. Die Frühschicht macht sich auf den Weg in die umliegenden Fabriken. Kurz darauf wird die Nachtschicht heimkehren, und dann machen die ohne Arbeit sich auf den Weg zu den Supermärkten, um ihre Credits und täglichen Bezugspunkte gegen Lebensmittel und Alkohol einzutauschen. Bis vor wenigen Jahren war das nicht möglich: Wer Unterstützung vom Staat erhielt, war in der Wahl seiner Suchtmittel stark eingeschränkt. Es dauerte Jahre, bis der Europäische Gerichtshof entschied, dass es ein unangemessener Eingriff in die Persönlichkeitsrechte sei, Leute zu gesunden Entscheidungen zu zwingen. Jetzt wird der Konsum in erster Linie über den Preis geregelt. Das Werbeverbot besteht schon lange, aber manche Gesellschaftskreise lernen einfach nicht dazu.

Emma trinkt nicht. Das fand sie schon überflüssig, ehe die Sache mit Max passierte. In der Oberstufe hat sie mit synthetischen Drogen experimentiert, aber für das Medizinstudium braucht man ruhige Hände. Wenn sie Nervenkitzel wollte, ist sie mit ihrem Fahrrad auf den Hügel hinter der Hochhaussiedlung hinauf, schnaufend und schwitzend, und dann gaaaaaaaanz schnell wieder hinabgesaust. Manchmal war es knapp, vor allem, wenn hinter der Kurve eine tieffliegende Lieferdrohne schwebte. Aber sie hatte immer Glück.

Anders als Max.

Ganz früher, als Emma noch klein war, fingen die Leute an, mit Künstlicher Intelligenz zu experimentieren. Deep Fakes waren ein großes Ding. Zuerst sahen sie lächerlich aus, in der Schule haben sie das Thema in Geschichte durchgenommen. Je besser sie jedoch mit der Zeit wurden, desto größer wurde die Angst der Leute vor der Technik, und desto härter bemühten sich Wissenschaftler, gute Verwendungsmöglichkeiten für ihr Forschungsgebiet zu finden. Schließlich ging es um den Fortschritt der Menschheit – und um eine Menge Fördergelder.

Während Emma sich auf ihr Studium vorbereitete, halsbrecherische Radtouren machte und auf Partys ging, war Max ihr schon ein paar Schritte voraus.

Max.

Ihr großer Bruder.

Ihre Welt.

Er war in die Stadt gezogen, um Jura zu studieren. An den Wochenenden kam er manchmal nach Hause, mit einer Schrottkarre, die man noch selbst steuern konnte, wenn man wollte. Für mehr hatte sein Geld nicht gereicht. Er besuchte die Familie, richtete allen neumodischen Schnickschnack, den Emma heimlich verstellt hatte, wieder korrekt ein und traf sich dann mit seinen alten Schulfreunden auf ein paar Wodka-Energy. Dank der ganzen Fahrassistenzsysteme sei das kein Problem, hat er immer behauptet.

Leider stimmte das damals noch nicht. Das Gericht stellte am Ende allerdings fest, die Mutterfirma des Lieferroboters treffe wenigstens eine Teilschuld. Er sei so eingestellt gewesen, dass er exklusiv auf festem Untergrund parke, auch wenn der feste Untergrund eine unübersichtliche Stelle auf einer Landstraße mit unbefestigtem Seitenstreifen sei. Zwischen Geschwindigkeit, Überraschungseffekt und den schattenspendenden knorrigen Bäumen auf beiden Seiten der Fahrbahn hatte Max einfach keine Chance.

Emma trauerte. Sie nahm sich ein Jahr Auszeit, um ihre Gefühle zu verarbeiten und ihre Eltern zu trösten. Dann hatte sie sich so weit erholt, dass sie endlich mit dem Studium durchstarten wollte. Schrieb Bewerbungen und Tests, stellte sich vor, beantwortete Interviewfragen. Zog ans andere Ende der Republik, weil es dort eine prestigeträchtige medizinische Hochschule gab, die sie unbedingt haben wollte. Fand ein Zimmer in einem kakerlakenverseuchten Wohnheim am Rand von München, in dem die Duschen auf dem Flur von zwei Dutzend Studenten geteilt wurden und wo regelmäßig Kochpartys stattfanden.

Und am ersten Tag des Semesters, auf dem Weg zu ihrer ersten Veranstaltung, sah sie Max wieder. Er war Teil einer Werbekampagne mit den damals noch ganz neuen Hologrammen. Leicht bläulich verfärbt stand er am Rand eines belebten Platzes, und aus versteckten Lautsprechern ertönte eine Stimme, die seiner zum Verwechseln ähnlich klang.

Was er in kurzen, sachlich klingenden Sätzen genau erzählte, bekam Emma nicht mit. Sie stand wie festgefroren am Bordstein und starrte auf ihren Bruder. Danach setzt ihre Erinnerung für eine Weile aus.

Offenbar, erfuhr sie später, versprachen wohlmeinende Fachleute sich einen stärkeren Effekt von den neuen «Kenn dein Limit!»-Kampagnen, wenn sie die Opfer von alkoholinduzierten Unfällen selbst zu Wort kommen ließen. Und obwohl diese Kampagne nach wenigen Monaten wieder eingestellt wurde, hatten sie auf gewisse Weise Recht.

Emma ging nie auf die Uni. Sie vergrub sich in ihrem Wohnheim, bis ihr Mietvertrag gekündigt wurde, tingelte eine Weile von Sofa zu Luftmatratze zu Gästebett und landete schließlich, nach einigen weniger rühmlichen Episoden, hier im Container. Sie hat sich ihren Alltag so eingerichtet, wie er zu ihr passt, geht selten unter Menschen und trinkt nie auch nur einen Schluck Alkohol. Von den synthetischen Drogen lässt sie auch die Finger. Zu gefährlich. Zu teuer. Wenigstens das haben die Initiatoren der Hologram-Kampagne also geschafft.

Ein unaufdringlicher Ton an ihrem Smartphone lässt sie wissen, dass sie eine Creditübertragung erhalten hat. Der sorgfältig verschleierte Lohn für die Arbeit der letzten Nacht. Gleich darauf pingt die E-Mail-App und aktualisiert sich. Auch wenn Emma weiß, dass alles so funktioniert, wie sie es aufgesetzt hat – schließlich hat sie das System schon Dutzende Male durchlaufen lassen – macht sie erst jetzt offiziell Feierabend. Die Spannung ihrer Nerven lässt nach. Sie vergewissert sich ein letztes Mal, dass die Vorhänge sorgfältig zugezogen sind. Das Tageslicht soll sie, bitte, nicht stören. Dann baut sie einige Apparaturen auf, verbindet altersschwache Kabel miteinander und schaltet den Strom ein. Die Konstruktion ist so geschickt eingerichtet, dass niemand einen erhöhten Stromverbrauch feststellen wird. Dabei sind Hologramme eigentlich keine energiesparende Lösung.

Es flackert auf der freien Fläche vor dem Bett. Ein hellblauer Blitz zuckt für den Bruchteil einer Sekunde durch die Luft und lässt Staubpartikel erglühen. Die Luftfilter müssen mal wieder kaputt sein.

Dann steht Max vor ihr.

Es war nicht schwer, die Daten der Anti-Alkohol-Kampagne abzugreifen. Schließlich ist Emma überdurchschnittlich intelligent. Mit der geklonten Stimme und ein wenig Tüftelei war es ihr möglich, ihren Bruder wieder zum Leben zu erwecken. Und dank der Dinge, an die sie sich erinnerte, und moderner KI-Technologie ist die Menge der Dinge, die er ihr zum Einschlafen erzählt, beinahe unbegrenzt.

Sie schluckt zwei Baldrian-Tabletten, um den Effekt des Energydrinks auszugleichen. Dann lässt sie sich aufs Bett fallen.

Die Geräte sind vorsichtig ausgerichtet. Von hier sieht es aus, als lächle Max sie direkt an.

Er kann alles sagen, was sie will.

«Wie geht es dir, kleine Schwester?», fragt er. Das fragt er jeden Morgen, wenn sie Feierabend macht.

Entspannung und Nostalgie fluten Emmas Körper. Sie streift die Socken von den Füßen und kuschelt sich tiefer in das Deckennest, das für sie das Kopfkissen ersetzt. Die verdrehte Haltung, in der sie für gewöhnlich schläft, käme mit einem Kopfkissen sowieso nicht zurecht.

Als ob sie geantwortet hätte, redet Max weiter. Emma hört ihm nicht bewusst zu, achtet nur auf die beruhigende Stimmfärbung. Sie hat Monologe wie diesen schon etliche Male gehört. Heute erzählt er ihr wieder von seinem letzten Ausflug mit den Jungs, zu einer stillgelegten Fabrik. Die Geschichte hat ihre spannenden Momente, doch Emma weiß ja, dass sie gut ausgeht. Den Teil mit der Polizei hat sie weggelassen. Wenn sie sich doch nur überwinden könnte, das Programm mit weiteren Details aus Max‘ Tagebuch zu füllen. Das ist eines der wenigen Dinge, die sie aus ihrem Elternhaus mitgenommen hat. Nur hineinzuschauen, das hat sie nie geschafft. Sie nickt und verzieht den Mund zu einem müden Lächeln.

So lässt es sich aushalten.

Karriere, Credits, ein Sozialleben – all das braucht sie nicht.

Das hier ist es, worauf es ankommt.

Emmas Augen fallen zu.

Sie träumt.

Sie und Max gegen den Rest der Welt.

Zuflucht in Schattenfall – das E-Book

Buch: "Zuflucht in Schattenfall". Das Cover ist in Violett- und Blautönen gehalten. Im Vordergrund stehen die Silhouette einer schlanken jungen Frau mit langen Haaren und die einer Katze auf schneebestäubten, verwitterten Holzdielen. Im Hintergrund sieht man winterliche Berge und die Silhouette eines Fichtenwaldes. Links über den Bergen fliegt in der Ferne ein Drache. Im oberen Teil des Bildes hängt ein großes Holzschild mit dem Buchtitel - Zuflucht in Schattenfall - in Schreibschrift. Der Name der Autorin - Diandra Linnemann - steht in Großbuchstaben auf einem dunklen, transparenten Streifen unten auf dem Cover.

Ich hatte ja schon gar nicht mehr daran geglaubt, aber es ist da! Und für kurze Zeit kostet es nur € 0,99 – falls du also nicht sicher bist, ob Cozy Fantasy oder Schattenfall dein Dinge sind, kannst du seeeeehr risikoarm einen Zeh ins fantastische Wasser halten. ^^

Bei Books on Demand dauert es leider oft länger, bis dass das E-Book verfügbar ist. Und eigentlich lohnt es nicht, Werbung zu machen, ehe das E-Book da ist. Andererseits soll ein Buch schnell einen Verkaufsrang und Rezensionen haben, denn angeblich ist es sonst direkt „verbrannt“ und gilt als Flop.

Ich seh das jetzt nicht so arg, aber es ärgert mich natürlich dennoch, dass „Zuflucht in Schattenfall“ erst einmal einen Monat friedlich auf den Plattformen vor sich hingedümpelt ist, ehe das E-Book verfügbar war. Aber von außen kann ich da leider nichts machen.

Umso wichtiger sind jetzt die Stimmen der Lesenden. Hast du „Zuflucht in Schattenfall“ gelesen und fandest es ganz toll? Schreib eine Rezension! War das Buch ganz nett mit Luft nach oben? Lass die Welt an deiner Meinung teilhaben! Fandest du es ganz furchtbar? Dann … schreib keine Rezension, sondern kauf noch drei Exemplare als Weihnachtsgeschenk für deine schlimmsten Feinde. ^^

Na ja, das E-Book ist jetzt jedenfalls da. Ganz kurz ganz günstig! LINK

Was Google KI aus „Zuflucht in Schattenfall“ macht

Screenshot: "ZUFLUCHT IN SCHATTENFALL" ist der Titel eines Buchs von Diandra Linnemann das am 10. Juli 2025 in BoD Buchshop erscheinen soll. Es handelt sich um den zweiten Band einer Serei, die im Genre Schience Fiction & Fantasy angesiedelt ist. Die Geschichte dreht sich um Rosalinda, die vor den Plänen ihrer Mutter flieht, aber unerwartet in Schattenfall, dem Dorf ihrer Erzfreinde, strandet. Das Buch hat 196 Seiten und ist auf Deutsch erhältlich.
Zusätzliche Informationen:
Genre: Science Fiction & Fantasy, Cozy Fantasy
Themen: Drache, Gestaltwandler, Hexe, Magie
Inhalt: Rosalidna flieht vor den Plänen ihrer Mutter und wird in Schattenfall, dem Dorf ihrer Erzfeinde, gefangen.
Erscheinungsdatum: 10. Juli 2025
Verlag: BoD - Books on Demand
Seitenzahl: 196
Sprache: Deutsch
Slagwote: Drche, Gestaltwandler, Hexe, Magie, Cozy Fantasy

Deswegen, meine Lieben, soll man der KI nichts glauben. Gar nichts. Niemals. Unter keinen Umständen. Wenigstens nicht, ohne gründlich zu recherchieren, was da behauptet wird. Und um Ernst – wenn man das eh alles nachschlagen muss, kann man auch direkt selbst recherchieren. Wozu ist KI noch gleich gut???

Wer von euch hat „Zuflucht in Schattenfall“ gelesen? Wie gut passt das da oben zu dem Buch? Ich sehe wenigstens einen Fehler und mehrere Ungenauigkeiten.

(Jetzt könnte man argumentieren, dass die KI natürlich nur weiß, was über das Buch im Netz steht. Aber mein Problem mit KI ist, dass von Fans getan wird, als spucke die KI unzerstörbare Wahrheiten aus, anstatt einfach nur aus Textstücken, die sie intellektuell nicht versteht, etwas Neues zu rülpsen.)

Ach, ich reg mich ja nur ein wenig auf. Man reiche mir einen Kaffee.

Schattenfamilien?

Mir ist etwas aufgefallen. Das passiert gelegentlich, wenn ich mein eigenes Gehirn beim Denken beobachte. Macht Spaß, solltest du auch mal versuchen.

Auf jeden Fall: Die „Schattenfall“-Reihe hat ein Thema. Das ist in meinen Büchern nicht immer und automatisch der Fall. Das „Gruftgeflüster“ teil sich ein Ober-Genre: Unheimliche Heftromane. „Magie hinter den sieben Bergen“ ist eine zusammenhängende Geschichte. Und „Schattenfall“ spielt an einem Ort – aber das ist noch nicht alles.

In „Schattenfall“ erzähle ich von Familie – von den Arten, auf die Familien entstehen oder versagen, von Wegen, mit seiner Familie umzugehen oder sich von ihr loszusagen.

Thomas muss sich verstecken und hat keine Angehörigen, bei denen er sich sicher fühlt. Ich meine, klar, er redet am Anfang davon, dass er zu seinem Vater ziehen könnte, aber das tut er ja nicht. Dabei hält ihn fast nivhts in Schattenfall. Für den kaputten Wagen könnte er Ersatz schaffen und das Versprechen, das er den Schatten gibt, könnte er ohne Konsequenzen brechen. Aber er bleibt, weil fast alles besser ist, als zu seinem Vater zurückzukehren. (Wer mehr über die Hintergrundgeschichte erfahren will, muss „Hexenhaut“ lesen – die Details habe ich in „Willkommen in Schattenfall“ ausgespart, soll schließlich COZY Fantasy sein. CN für ungefähr alles Schlimme, was man sich innerhalb einer Familie vorstellen kann.)

Auch Rosalinda will mit ihrer Familie nichts zu tun haben. Aber sie findet Wege, Teil ihrer Gemeinschaft zu bleiben und gleichzeitig nach ihren eigenen Vorstellungen zu leben. Schließlich muss nicht jede Meinungsverschiedenheit zu einem irreparablen Bruch führen. Sie erfährt mehr über ihre Familie und über die Hintergründe für das Verhalten ihrer Mutter, das sie selbst als einschränkend erlebt. Am Ende sind nicht alle glücklich, jedoch sindalle auf einem Pfad, auf dem man weiter miteinaner reden und leben kann.

Über den nächsten Band will ich noch nicht zuviel verraten – wir erfahren mehr über Bjarnes Vergangenheit und Zukunft (und alles, was dazwischen stattfindet). Ich kann schon sagen, dass seine Familie und deren Verfehlungen und Ansichten eine große Rolle spielen. Außerdem erzähle ich von Wahlfamilie und der Wahl zwischen ererbten und gewähltem Schicksal. Und auch im vierten Band spielt Familie eine große Rolle, hoffentlich diesmal in einem durchweg positiveren Licht.

(Woher soll ich jetzt schon wissen, was da passiert? Aktuell hab ich nur eine Idee, wie der Schlamassel beginnt und wie die letzte Szene aussieht. Auf den Rest bin ich genau so gespannt wie du.)

Wo sind all meine linksgrünversifften Hexen und Heiden hin?

Eine Waldlichtung bei Nacht, um ein großes LAgerfeuer sitzen viele Lenschen in einem Stuhlkreis. Am Rand der Ichtung stecken brennende Fackeln im Boden.
Foto von Jack Cohen, gefunden auf Unsplash

In letzter Zeit häufen sich die Berichte über die Vermischung von völkischem und esoterischem Gedankengut. Und es ist gut, dass darüber berichtet wird, denn die heidnische Szene hatte schon vor Jahren immer mal wieder Probleme mit brauner Suppe. Aber in letzter Zeit sehe ich immer weniger linksgrünversiffte Hexen und Heiden.

Der junge Mann mit dem Thorsanhänger im Bus freut sich über mein Pentagramm und setzt im Smalltalk direkt zu einer Tirade über die „bösen Ausländer“ an. Die Zahl der Menschen, die sich im Netz zum Heidentum bekennen und meinen, „das wird man ja wohl noch sagen dürfen“, scheint stetig zu wachsen. Und ehrlich, ich versteh das irgendwie. Diese Vermischung von Naturromantik, Auserwähltengefühl und Gemeinschaft ist verlockend – vor allem für jene, die sich in der modernen Gesellschaft bedroht, abgehängt und/oder fehl am Platz fühlen. Das sind auch diejenigen, die für aufrührerische Hetze aus der Politik besonders anfällig sind, denn an irgendwas muss es ja liegen, dass sie mit ihrem Leben nicht zufrieden sind! Die Vorstellung, von einem unterdrückten stolzen Volk abzustammen, dessen Geheimwissen einen automatisch überlegen macht, während man ums Lagerfeuer tanzt, ist natürlich verlockend.

Zum Glück weiß ich aus meinem eigenen Umfeld, dass es auch „die anderen“ gibt. Diejenigen, die den Klimawandel nicht leugnen, die sich für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung einsetzen und um schwierige Themen ringen – im Kleinen wie im Großen. Über alles, was danach kommt, können wir ja in Ruhe diskutieren. Nur öffnetlich sichtbar sind diese „anderen“ aktuell nicht. Oder ich suche an der falschen Stelle, wer weiß?

Mal schauen, ob dieser Blogbeitrag mir ein paar linksgrünversiffte Hexen zuspült. Hex Hex! ^^

Altes Parkhaus mit neuen Tücken

Oder auch: Ich kann in die Zukunft sehen.

Denn ich sage voraus, dass es in zwei Wochen in der lokalen Tageszeitung einen Artikel über die garstigen bösen Parkhausbetreiber geben wird, die die armen Autofahrer*innen abzocken.

Lass mich ausholen. Unter dem großen Supermarkt, in dem wir den Großteil unserer Wocheneinkäufe tätigen, gibt es ein kostenpflichtiges Parkhaus. Bis gerade eben lief das auf die vertraute Weise: Man fährt an die Schranke, zieht ein Ticket, die Schranke geht auf und man sucht sich einen Parkplatz. Vor der Ausfahrt zahlt man am Kassenautomaten, schiebt das bezahlte Ticket an der Ausfahrschranke in den Schlitz und die Schranke hebt sich, damit man ausfahren kann. Alles ganz easy, gell?

Jetzt sind die Schranken in die Jahre gekommen und wartungsintensiv. Also stellen sie aktuell auf schrankenlosen bezahlten Parkbetrieb um. Überall hängen Schilder, die das erklären, teilweise mit wild leuchtenden Reflektorstreifen. Das läuft also so: Du fährst ein und dein Kennzeichen wird gescannt. Du parkst irgendwo, machst dein Ding, kommst zurück und gibst dann am Automaten dein Kennzeichen ein. Dann sagt der dir, wie lange du geparkt hast und was du zahlen sollst. Du zahlst, gehst zum Auto und fährst. Keine einzige Schranke ist an dem Vorgang beteiligt.

Und da beginnen die Probleme.

Ich war ja gestern einkaufen, mit dem Auto, nach der Arbeit. Und am Automaten wartete eine lange Schlange. Die wurde immer länger, denn: Oh Wunder! Die meisten Leute kennen offenbar ihr Kennzeichen nicht? Und anstatt eben zum Auto zu laufen und nachzugucken, wie das denn lautet, haben wirklich viele Leute einfach wahllos Buchstaben- und Nummernfolgen eingegeben. Irgendwas muss doch stimmen! Das dauert natürlich.

Ist aber auch nicht schlimm, so eine Umgewöhnungsphase gibt es ja immer.

Dann war da aber der Typ, der zum Kassenautomaten kam und rief: „Warum bezahlt ihr denn? Die Schranken sind doch offen! Ich hab bei der Einfahrt nicht einmal ein Ticket bekommen!“

Ich, hilfreich: „Das ist das neue System, das ist schrankenlos, aber bezahlen muss man trotzdem.“

Er guckt mich an, als sei ich ein wenig dumm. „Aber ich hab gar kein Ticket gekriegt! Ich fahr jetzt.“

Kann er machen, ich hab ihn ziehen lassen. Allerdings wird er sich in ein paar Tagen wundern, denn er wird Post bekommen – über die nicht gezahlten Parkgebühren und eine Strafe von 45 Euro. Das steht nämlich auch auf den Schildern, die überall ausgehängt sind. Und weil unsere Tageszeitung ganz dicht am Puls des Bürgers ist, wird es dann wenigstens einen Artikel über diese neue „Abzocke“ geben.

Ich bin gespannt, wie lange die Umgewöhnung dauert. Und ja, ich fände es persönlich besser, wenn es bei der Ausfahrt wenigstens noch eine automatische Schranke gäbe, die sich öffnet, wenn das Kennzeichen gescannt wird und der Systemabgleich bestätigt, dass die Parkgebühr gezahlt ist. Ich bin nämlich so verpeilt, dass ich das auch mal vergessen könnte.

Ah well, schöne neue Welt und so.