Wunder der Technik

Gestern war so ein Tag.

Du weißt schon, was ich meine. So einer.

Also.

Ich hatte Pläne. Koch- und Backpläne. Und die fingen nach einem gemütlichen Frühstück auch ganz normal an. Zuerst war der Geburtstagskuchen für den Mann dran. Der hatte sich einen Dubai Chocolate Cheesecake gewünscht, und ich liefere ja gern. Also Geschirrspüler angeschmissen, Boden gemacht, Creme gemacht, Ganache gemacht, alles zusammengebastelt und (gut abgedeckt!) auf den Balkon zum Durchziehen geparkt.

Als nächstes war ein Kürbiscurry dran. Das schleppe ich morgen mit ins Büro als Mittagessen für die Kollegin und mich, wenn wir schon an Heiligabend arbeiten müssen. Curry braucht nicht so viel Geschirr, aber mit den Schüsseln vom Kuchen, den Messern und Tellern und dem Kochtopf war die Küche schon ziemlich voll. Glücklicherweise war der Geschirrspüler schon durch.

Nur irgendwie blöd – der hatte nicht abgepumpt. Also erst einmal den Schlauch gelöst und die Maschine in den Eimer abpumpen lassen. Sieb saubergemacht, alles ausgeräumt, Kurzspülgang mit klarem Wasser gestartet. Manchmal behebt so etwas das Problem ja schon.

Meine größte Angst in solchen Momenten? Dass ich Döspaddel das Wasser anschließend mit Schwung in die Spüle schütte. Konnte mich glücklicherweise gerade noch zurückhalten.

Ärgerlicherweise wollte der Geschirrspüler nach dem Kurzspülgang immer noch nicht abpumpen, und eine kurze Überprüfung ergab: Abflussrohr verstopft. Inzwischen hatte das treue Ding auch eine nicht unerhebliche Menge Wasser in die Küche gepumpt, weniger schön. Der Mann, gerade erst aufgestanden, wurde als Fehlerbehebungsassistent rekrutiert.

Parallel habe ich mit Pömpel und heißem Wasser die Verstopfung attackiert. Eine gut ausgerüstete Hausfrau ist nicht aufzuhalten. Unter der schieren Macht meiner Sturheit gab, was auch immer in dem Rohr wohnte, schließlich auf. Zur Sicherheit hab ich erst einmal kochendes Wasser nachgeschüttet – zweimal, dreimal. Und dann, als ich gerade mit Essig nachlegte, wurde es plötzlich duster.

Erster Gedanke: „Da ist wohl Essig an den Strom gekommen.“ Ist natürlich Blödsinn, aber erzähl das mal meinem Gehirn.

An der Sicherung für die Küche hängen übrigens noch Balkon, Wohnzimmer, das Zimmer vom Mann, der halbe Flur, mein Büro und eine Steckdose im Schlafzimmer. (Wofür die anderen zehn Sicherungen da sind, kann ich nicht genau sagen. Die teilen sich Herd, Bad, Klo und das restliche Schlafzimmer.) Also viele mögliche Fehlerquellen.

Mann: „Das kommt daher, dass du gleichzeitig den Wasserkocher und den Geschirrspüler hast laufen lassen.“

Die laufen zwar oft parallel, aber … möglich? Sicherheitshalber alles mögliche in der Küche ausgesteckt, dabei auch den Geschirrspüler verrückt und festgestellt, wie unglaublich eklig das da drunter ist. Im Ernst, mach das nicht. aufgewischt. Steckdose überprüft – alles trocken.

Der Mann war der Meinung, man müsse die Sicherung nur mal abkühlen lassen, dann gehe das schon wieder. Aber nach dem Aufwischen war die immer noch nicht kooperativ. Also nacheinander alle Stecker in allen betroffenen Zimmern rausgezogen. Und der Mann am Möpern, denn das liege todsicher an meiner Wasserkocher-Geschirrspüler-Orgie, also alles sinnlos.

Willst du wissen, wo das Problem schließlich gefunden ward?

Im Zimmer des Mannes. Dort gibt es nämlich nur drei Steckdosen, und eine der vier Mehrfachsteckdosen, die an die hinterste Steckdose in Reihe gehängt sind, um insgesamt etwa 20 Geräte mit Strom zu versorgen (ich wünschte, ich dächte mir das aus!), muss wohl an Altersschwäche gestorben sein.

Oder, wie der Mann als nächstes erklärt hat: Die wurde durch das gleichzeitige Betreiben von Wasserkocher und Geschirrspüler in der Küche irreparabel beschädigt.

Gut, ich hab jetzt kein Physik studiert, also … möglich? Keine Ahnung. Der Fehler war gefunden, alles konnte wieder eingestöpselt und in Betrieb genommen und reprogrammiert werden. Mit zwei Stunden Verspätung zog der Mann sich also ins Wohnzimmer zurück, um in Ruhe wach zu werden, während ich in der Küche meinen Rachefeldzug gegen ein bestimmtes Keksrezept fortsetzen konnte. Davon erzähle ich demnächst mehr.

„Save the Cat“ kennt ihr ja schon, jetzt kommt …

… GERETTET VON DER KATZE!

Nahaufnahme: Eine getigerte Katze liegt entspannt auf einer grauen Sofa-Armlehne. Im Hintergrund Lichter, Bücher und Chaos.
Floppy cat is happy cat!

Der Mann so.

Ich kann nämlich nicht streiten, wenn ich lachen muss.

Genau das ist aber vor ein paar Tagen passiert. Wir haben auf dem Sofa enthusiastisch ein Thema diskutiert, wie das manchmal auch unter den harmonischsten (und unter den gleichgültigsten) Paaren passiert.

Und immer, wenn eine kurze Gesprächspause eintrat, hat Mara sich zu Wort gemeldet.

„Miau.“

„Mroar!“

„Mjepp?“

„Miaumiau.“

Echt, Kinder, so kann ich nicht arbeiten streiten.

Im Ernst. Ich weiß nicht einmal mehr, worum es ging. War wohl nicht so wichtig. Und Miss Mara Miezifu Minimau, kleine Killerkatze und flauschige Friedensstifterin, hat die Brisanz der Irrelevanz schnurrhaarscharf erkannt.

(Wer es nicht kennt: „Save the cat“ ist ein beliebter Schreibratgeber. Ursprünglich für das Drehbuchschreiben entwickelt, gibt es heute viele Ableger für andere Schreibbereiche. Ich hab noch nicht damit gearbeitet, aber ich kenne reichlich Schreibende, die darauf schwören.)

Die Kopfkrippe

Ich bin eine schlechte Hexe.

Nicht, weil ich die Mond- und Jahresfeste ignoriere, nein! Damit kann ich leben, das meiste ist eh alles vor hundert oder so Jahren ausgedacht. Auch der Mangel an Warzen im Gesicht bereitet mir noch kein Kopfzerbrechen.

Was ist meine unverzeihliche Sünde?

Ich wünsche mir eine Krippe.

Weihnachten ist eigentlich nicht so mein Ding. Ich hab Halloween, der Mann hat den Xmas-Lichterpuff. Und das ist auch gut so. Er ist nicht besonders religiös, also machen wir einfach alles bunt und glitzerig. Und die meiste Weihnachtsdeko ist ja auch folkloristisch oder – siehe Engel – so hart folkloristisch vereinnahmt, dass es eigentlich keinen Unterschied mehr macht. Viele Weihnachtsbräuche haben angeblich auch heidnische Wurzeln oder lassen sich wunderbar hexisch aufbereiten, wenn man das möchte.

Aber eine Krippe?

DIE Szene aus dem Neuen Testament, die wirklich jeder kennt, dem mal eine Bibel in die Hand gedrückt wurde? Die einzige Kirchendeko, die die meisten deutschen Familien jährlich zu sehen bekommen? Inbegriff jedes zweiten mittelprächtigen Kinder-Weihnachtstheaters?

Ja, genau die.

Als ich klein war, hatten wir eine sehr kitschige und nicht sehr teure Krippe aus Holz. Also, der Stall war aus Holz, und das Moos haben wir selbst ersetzt, wie es nötig wurde. Die Figuren waren bunt bemalt und aus Gummi. Die stand jedes Jahr an einem prominenten Ort und wurde passend zum Datum umgestaltet – das Christkind kam natürlich erst an Heiligabend in die Futterkrippe (nachdem das Original verloren war, wurde es durch einen LegoDuplo-Futtertrog ersetzt), die Heiligen Drei Könige näherten sich dem Stall von Anfang Dezember bis zum sechsten Januar, manchmal durchs ganze Wohnzimmer reisend. Der Engel tauchte zuerst bei den Hirten auf.

Und ehe mich jemand falsch versteht – meine Familie ist nie besonders religiös gewesen. Aber die Krippe und unser Krippen-Spiel gehörten einfach zur Weihnachtszeit dazu. Wir durften uns da auch kreativ austoben – beispielsweise kamen Holzpuzzle-Tiere und ein amerikanischer Ureinwohner aus rotem Plastik zum Zug, oder selbstgebastelte Wochenbett-Besucher aus Papier und Tesafilm. Ich stelle mir vor, für die jungen Eltern (und Josef) war das eher stressig, doch wir hatten eine Menge Spaß.

Wahrscheinlich ist die Krippe deswegen für mich so positiv besetzt. Es hält mich auch kein Gesetz der Welt (und nur zum Teil mein Geldbeutel) davon ab, einfach loszuziehen und eine Krippe zu besorgen, die mir gefällt. Nicht einmal der Mann wäre ein Hindernis, der fände das wahrscheinlich hinreißend – und die Katzen erst!

Was mich zurückhält, ist mein eigener Kopf. Der sucht nach einem Weg, eine Krippe hexisch aufzubereiten, so dass sie meinen aktuellen Bedürfnissen genügt. Die Geschichte von der wiedergeborenen Sonne zur Wintersonnenwende ist nahe genug an der regulären Krippengeschichte dran, dass man da etwas basteln könnte. Aber wie gestalte ich den Rest? Wer kommt zu Besuch?

Ich weiß es einfach nicht. Also bleibe ich vorerst krippenlos und mit dem dumpfen Gefühl, dass ich tief in mir drin möglicherweise eine schlechte gute Hexe bin.

Wie stehst du zur Krippe? Kennst du vielleicht sogar schöne heidnische oder moderne Varianten? Ich bin für Inspiration offen!

Alles im Fluss

Sommer. Ein schmaler Fluss inmitten üppiger Vegetation. Man sieht einen jungen Mann mit bloßem Oberkörper im Fluss, mit dem Rücken zum Betrachter. Lichtflecken fließen über das Bild.
Foto von Tyler Palmer, gefunden auf Unsplash

Ich habe nachgedachte. Das ist immer sehr gefährlich, denn ich vermute, mein Gehirn cosplayt nur ein sehr kluges Organ. ^^ Und worüber habe ich nachgedacht? Magie hinter den sieben Bergen.

Könnte ich diese Serie heute so noch einmal schreiben?

Ich weiß es nicht, denn alles verändert sich – die Welt, die Autorin, der Zugang zu den Charakteren. In meiner Vorstellung wäre das alles heute viel epischer. Andererseits glaube ich, dass gerade das Ungeschliffene und Rohe die Charaktere und die Geschichten so interessant macht. Die sind alle gewachsen, nicht geplant. Als ich angefangen habe, wusste ich nicht einmal, dass es mehr als eine Geschichte geben würde. Oder insgesamt sogar neun. Und wie es enden würde, war mir auch nicht klar. Ich wusste nichts über Falks Familie oder den Taubenmann oder Helenas Mutter. Immer, wenn ich etwas Neues wusste, stand das auch so in den Büchern. Wahrscheinlich könnten diese Geschichten mich heute noch überraschen.

(Nach wie vor bin ich extrem stolz darauf, wie gut das alles am Ende zusammengepasst hat. Aber ich hab nichts dafür getan, das ist mal sicher. Ich war nur zufällig dabei.)

Manchmal vermisse ich diese Welt. Aber zurückkehren will ich nicht unbedingt. Wir würden einander ganz anders begegnen als for 12 Jahren, als ich mit „Allerseelenkinder“ angefangen habe.

Es gibt Autor*innen, die ihr ganzes Leben damit verbringen, in einer Welt zu schreiben und diese immer weiter auszubauen. Manche überarbeiten auch ihre bereits erschienenen Bücher immer weiter, damit die stets den neuesten Stand ihres Wissens und Könnens und Empfindens wiederspiegeln. Das ist auch nicht schlecht, aber … ich les ja gerade die Scheibenwelt-Romane in chronologischer Reihenfolge. Und ich finde es total spannend zu sehen, wie sich Terry Pratchett als Autor entwickelt hat. Richtig gut war er erst ab Buch vier oder fünf, und auch danach gab es noch gigantische Entwicklungen. Man sieht auch, wie sich sein Blick auf die Welt verändert hat. Später gibt es Bücher, bei denen ich denke: Neue Autor*innen hätten das Manuskript an dieser Stelle gekürzt gekriegt, doch er kam ja mit seiner eigenen Fanbase. Und ich mag diese Entwicklung beobachten.

Wenn ich viel Glück habe, gibt es irgendwann da draußen Leute, die meine Bücher so lesen. Die sehen, was ich wann gelernt und erkannt habe, die sehen, wann ich über mich selbst gestolpert bin oder eine grandiose Schreib-Epiphanie hatte. Und wenn ich richtig viel Glück habe, schauen diese Leute in der Zukunft wohlwollend auf alles, was ich so verbrochen und ausprobiert habe. Aber um das zu erreichen, muss ich natürlich im Wesentlichen die Finger von diesen Dingen lassen.

Mit Ausnahmen. Im Hintergrund bereite ich gerade eine Neuauflage vom „Hirschkönig“ vor. Nichts Großes – im Wesentlichen ein ordentliches Cover und ein paar weniger Tippfehler. Hoffe ich. Immerhin ist das das Buch, das ich schreiben wollte, als ich in der Grundschule war. Und wer weiß? Vielleicht setzt sich irgendwann jemand hin und vergleicht nur aus Freude die alte und die neue Ausgabe und freut sich über die Entwicklung. An der Geschichte selbst rüttle ich nicht. Auch wenn ich sie heute ganz anders schreiben würde.

Mehr SoMe-Rant: THE DRAMA!!!

Ich bin ja nicht nur Autorin und viel zuviel online, sondern ich übersetze auch medizinische Fachtexte. Da bin ich vor Jahren mehr so aus Versehen hineingeraten, aber mit der Zeit habe ich mir eine Menge gefährliches Halbwissen angeeignet.

Hieraus ergibt sich einer von vielen, vielen Pet Peeves: Leute, die sich eine komplett bizarre medizinische Geschichte ausdenken, um bei ihren Followers wenigstens Mitleid (und im schlimmsten Fall Geld) einzusammeln.

Diese Woche erst hatte ich wieder so jemanden in meinem Feed. Der Account hatte schon eine laaaaaaaaange Krankengeschichte mit Fotos und Kram, sah also nicht unbedingt fake aus. Die Details passten nicht alle 100 % zusammen, aber das lässt sich schnell damit erklären, dass da letzten Endes eine Laienperson schreibt.

Jetzt schrieb allerdings jemand anders in diesem Account, stellte sich mit Namen vor und erklärte, mit der Accountbetreiberperson habe es eine schlimme Wendung genommen. Die Person liege im Koma und sei für hirntot erklärt worden. Man müsse abwarten, ob sie jemals wieder aufwache, nächste Woche wisse man vielleicht mehr.

Das klingt hochdramatisch – und ist kompletter Bullshit. Wenn man sich so umguckt, gewinnt man zwar gelegentlich den Eindruck, dass einige Leute ohne Hirn ein langes und glückliches Leben führen können. Im medizinischen Kontext gibt es von „hirntot“ jedoch kein Zurück. Und kein einziger seriöser Arzt wird der Familie erzählen, dass man jetzt erst einmal abwarten müsse.

Warum man das tut? Klar, häufig für Likes und Unterstützung. Ich denke schon, dass Leute, die so etwas machen, ein ernstzunehmendes Problem haben und mit einem Fachmenschen reden sollten. Aber spätestens, wenn – was in diesem Fall meines Wissens nach (noch?) nicht passiert ist – dann um Spenden für Rollstuhl, Beerdigung oder Medikamente gebeten wird, ist die Absicht klar und nicht mehr gutgläubig wegzuerklären.

Und das Perfide – viele Leute haben nicht das Halbwissen, solche Dinge zu recherchieren. Oder die Zeit. Oder die Energie. Oder die schlechtgelaunte Griesgrämigkeit, die einen auf so etwas Zeit verschwenden lässt. Man glaubt ja immer erst einmal an das Gute im Menschen, auch wenn man diesen Menschen nur über SoMe und flüchtig kennt. Es ist nicht besonders optimismusfördernd, allen immer direkt etwas Böses zu unterstellen. Aber ich bin schon ein großer Fan davon, Geschichten kritisch zu lesen, wenn sie stetig abwegiger werden.

Und mit diesem Rant begebe ich mich jetzt auf mein fußlahmes Einhorn. Demnächst geht es hier auch wieder ums Schreiben und um Dinge, die mich tatsächlich etwas angehen. Für den Moment musst du damit leben, dass ich grummelig bin.

Merkwürdiger Besuch

Stell dir vor, es klingelt an deiner Wohnungstür. Du bist zu Gesellschaft aufgelegt und öffnest. Im Treppenhaus stehen Onkel Herbert und Tante Melanie (es sei denn, du hast einen supernetten Onkel Herbert, dann steht draußen dein imaginärer Onkel Marcel-Fridolin-Bisamratte mit Tante Clementine-Amalia-Windschutzscheibe). Und die haben etwas mitgebracht!

„Hier, schau mal auf diesen Flyer!“

Äh, danke, aber du brauchst kein Kaminholz. Du hast nicht einmal einen Kamin.

„Aber der Flyer!“

Schön?

„Nimm einen! Oder besser noch: Nimm fünf und verteil sie an deine Freunde!“

Noch einmal: Du hast keinen Kamin. Deine Freunde haben auch keinen Kamin. Ob Onkel und Tante jemals eine Wohnung von innen gesehen haben, die nach 1950 gebaut wurde?

„Dann komm eben her!“ Dein Onkel wirft sich dir an den Hals, hält den Flyer hoch und zückt das Telefon für ein Selfie. „Wenn wir dem Holzverkäufer beweisen, dass wir seinen Flyer herumreichen, kriegen wir Rabatt! Sicher, dass du keine Freunde mit Kamin hast?“

Ganz sicher. Du denkst an dein warmes Sofa und unterdrückst einen Seufzer.

„Wenn du auch Flyer verteilst, die du von uns bekommen hast, kriegen wir mehr Rabatt – und wir gewinnen vielleicht eine Kaminholz-Skulptur! Aber immer schön dran denken, ein Beweisfoto zu machen!“

Oh, wie schade! Dir fällt gerade ein, dass du ganz dringend im Keller Kartoffeln zählen musst, die laufen morgen alle ab.

„Du hast einen Kartoffelkeller?“

Also, das ist doch mindestens so wahrscheinlich wie ein eigener Kamin. Nach drei weiteren Selfies zur Sicherheit schiebst du Onkel Schnapüdelo-Kaminski und Tanke Sachertorte-Kanarienvogel ins Treppenhaus, schlägst die Tür zu und schnaufst tief durch. Auf diese Art von Gesellschaft kannst du gut verzichten. Und aus dem Wohnzimmer winkt auch schon dein Sofa. Sofa ist lieb.

(Falls dich diese Geschichte auch nur im Entferntesten an so manches absurde Social-Media-Gewinnspiel erinnert, bist du ein kluger Kopf. KOMMENTIER HIER! TEIL DAS! FOTOGRAFIERE DICH NACKT MIT EINEM AUSDRUCK DIESES POSTS! Leute, es geht mir auf den Sack. Das ist nicht mehr „social“, das ist ein Schneeballsystem.)

„… und dann hatten wir einander alle lieb!“

Vor ein paar Tagen habe ich über eine Leseprobe geschimpft. Das Buch sah aus, als sei es total mein Ding – Urban Fantasy, Humor, eine originelle Idee. Weil ich aber im Oktober schon meine Bücherkapazitäten überschritten hatte und es bei UF immer ein gewisses Risiko gibt, dass zuviel Romance/Spice mir das Lesevergnügen verderben (mehr für euch! Aber ich möchte lieber nicht.), hatte ich erst einmal nur eine Leseprobe mitgenommen.

Und was kann ich sagen? Zum Glück! Direkt in der ersten Szene gab es einen Konflikt mit zwei anderen Personen. Kann vorkommen, ist gut für Geschichten, nur: Die Haupt-Charakteristika der Gegnerinnen, wie sie von der Hauptfigur beschrieben wurden, waren: Fett, hässlich und dumm. Klar gibt es solche Leute, aber für mich riecht das hart nach einem billigen Lacher und internalisierter Misogynie. „Schau mal, die dicke Frau ist dick! Und gemein! Haha!“ Hinzu kam, dass die Ich-Erzählerin extrem inkonsistent und inkompetent agierte. Möglicherweise ist das ab dem nächsten Kapitel ein echt tolles Buch, aber nach der Leseprobe habe ich erst einmal, ehrlich gesagt, gar keine Lust, das herauszufinden.

Eine Freundin, mit der ich meinen Unmut über die Leseprobe teilte, meinte, es sei einfach langweilig, wenn man nur über nette und freundliche Charaktere liest.

Ja.

Aber.

Wenn ich dreihundert Seiten mit einer Figur verbringe, das sind für mich alte Frau etliche Lesestunden, muss sie sympathisch sein. Oder wenigstens nachvollziehbar. Interessant reicht auch. Das ist wie mit dem Freundeskreis im echten Leben – meine Freund*innen sind alle toll, aber längst nicht alles Heilige. Und wieso sollte ich über jemanden lesen wollen, mit dem ich mich nicht eine Zugfahrt lang unterhalten wollte?

Andere Leute haben da höchstwahrscheinlich andere Auswahlkriterien. Und wenn das Leben hier draußen in der Realität weniger finster und hässlich und anstrengend ist, starte ich vielleicht noch einen zweiten Versuch mit diesem Buch. Oder einem der vielen anderen hochgelobten Bücher, die ich aus ähnlichen Gründen weggelegt habe, bestimmt hab ich über sowas schon öfter geschimpft.

An dieser Stelle kann man beim Schreiben in der Ich-Perspektive übrigens wirklich viel reißen (oder versemmeln). Die Wortwahl der Figur, was ihr auffällt und wie sie auf die Welt blickt sind alles Charakter-Indizien. Gerade in dieser Perspektive ist es ja, als säße man mit einer Person beim Kaffee, die einem einen Schwank aus ihrer Jugend erzählt. Das kann sehr unterhaltsam sein oder sehr anstrengend.

(Ebenfalls oft übersehen: In der Ich-Perspektive und im Rückblick biegen sich Leute schnell mal die Welt zurecht oder lügen geradeheraus. Das kann man natürlich für eine Geschichte verwenden, muss es dann aber auch gekonnt umsetzen. Für Leute mit dickem Fell ist „Lolita“ da ein gutes Anschauungsbeispiel.)

Worauf will ich hinaus? Ach ja. Ich bin gar nicht darauf aus, dass Protagonist*innen immer gut und lieb und edel sind. Die, die ich schreibe, sind das ja auch nicht. Aber ich möchte sie als nachvollziehbar, in sich logisch/konsequent und interessant erleben. Die meisten Menschen haben Macken – Anwesende ausgeschlossen – aber nicht jede Macke macht einen Charakter lebendig. Manche machen einen nur unsympathisch.

(Off-topic, aber wenn du schöne positive und konstruktive Charakterisierung mit Macken sehen willst, lege ich dir bei Netflix „The Lincoln Lawyer“ ans Herz. Der Mann ist schon ganz genervt von meiner Schwärmerei, doch die Charaktere sind, so weit wir das geguckt haben, wirklich gut geraten. Und jetzt hör ich mal auf zu schwadronieren, wenigstens für heute.)

Nicht lernen, einfach machen! (Und Kuchen.)

Vielleicht ist es Naivität. Vielleicht gnadenlose Selbstüberschätzung. Aber ich glaube bei vielen Dingen, die könne man einfach so schnell mal machen.

Beispiel A: Torten dekorieren.

Das mache ich zwei- oder dreimal im Jahr. Dazwischen übe ich nicht (bis auf einmal, als ich einen Dekorierkurs von Karolinas Zuckertraum in Köln besucht habe, sehr zu empfehlen!). Ich gucke mir aber viele Torten und Kuchen an. Und wenn ich einen hübschen sehe, denk ich mir: Ach, den könntest du auch mal machen.

Jetzt hab ich ja einen Geburtstag (heute! Stell dir vor!), und ich wollte einen Spinnenkuchen backen. Und ich hab den auch gebacken, keine Sorge. Fotos folgen. Aber das war diesmal so eine Kollektion von Cake-Fail-Desastern, das wollte ich gern erzählen.

Zuerst einmal brauchte ich drei gleich große Backformen. 20-24 Zentimeter. Dachte ich mir: Einmal 20 cm hast du schon zuhause, hol mal noch zwei dazu. (Ja, man kann auch dreimal die gleiche benutzen, aber niemand hat die Art von Zeit!) Zuhause stell ich dann fest, dass meine 20-cm-Form mysteriöserweise 2 cm größer ist als die beiden neu gekauften 20-cm-Formen. Dabei steht die Größe sogar drauf. Was weiß ich, wie die messen??! Aber das ist noch nicht wild, man kann den Kuchen ja auf die passende Größe zurechtschneiden.

Rezept für Kuchen und für Buttercreme geht gut – bis auf die Tatsache, dass der Deckel von der orangefarbenen Lebensmittel-Gelfarbe auf dem Töpfchen für die burgunderfarbene Lebensmittel-Gelfarbe war. Hab ich beim Färben gemerkt, komplett mein eigener Fehler. Ließ sich mit viel Orange und etwas Geld ausgleichen.

Zuckerspinnen! Wir brauchen noch Zuckerspinnen! Das ging dank Silikonform und Fun-Cakes-Fondant überraschend einfach und sieht wirklich schick aus. (Wer kein Fondant mag – Fun-Cakes-Fondant ist zwar immer noch Fondant, aber es schmeckt nicht so furchtbar. Einige sind sogar fast schon lecker!) Etwas Silberstaub drüber, damit man sie nachher auch gut sieht.

Beim Zusammensetzen fingen die Probleme an. Unsere Küche ist klein und chaotisch – eines dieser Dinge könnte ich ändern. (HUST.) Tortenböden mit Buttercreme versehen und gestapelt, Fondant ausgerollt. Die Buttercreme war etwas weich. Hätte ich möglicherweise länger warten und besser kühlen sollen? MÖGLICHERWEISE. Hab ich aber nicht, es war schon neun Uhr und ich wollte auch mal ins Bett. (Das passiert, wenn man alles auf den letzten Drücker macht. Montag war ich zu müde zum Backen.) Als ich dann das Fondant beiseite räumen wollte, um die Torte zum Einkleiden auf die gute Fläche zu stellen, sind zwei ärgerliche Dinge passiert: Fondant gerissen, Torte umgekippt. Ja, orangefarbene Buttercreme überall.

Ich geflucht, Torte wieder gestapelt und böse angeguckt, Fondant neu ausgerollt. Der Mann hat mich tapfer angefeuert. Beim zweiten Versuch hielt die Torte dem Druck dann Stand, aber das Fondant ist wieder eingerissen. Egal, wir pappen Stücke drüber, und wenn da gleich Spinnweben drüber kommen, fällt das nicht mehr auf. Sonst behaupte ich einfach, das soll so aussehen.

Spinnfäden macht man übrigens aus in der Mikrowelle geschmolzenen Marshmallows. Die werden sehr heiß, aber wenn sie etwas abgekühlt sind, kann man sie mit (Handschuhe nicht vergessen!) den Fingern zu Fäden ziehen und an allem festkleben.

AN ALLEM.

Da, ich hab’s gesagt. Jetzt kleb ich auch an mir selbst. Aber der Effekt ist hübsch.

Am Ende noch ein paar Spinnen auf dem Kuchen verteilen – joah, sieht definitiv selbstgemacht aus. Ob ich das nicht wirklich irgendwann mal professionell üben sollte? Der Geburtstag vom Mann ist im Dezember. Dem könnte ich mal eine richtig hübsche Schwarzwälder Kirschtorte einstreichen, damit wenigstens die Kanten mal glatt werden. Und das mit dem Fondant … ganz ehrlich, das verdräng ich wahrscheinlich bis nächstes Jahr November. ^^

Eine Torte: Schwarzer Fondant, Spinnweben aus Marshmallowfäden, schwarzsilberne Zuckerspinnen. Alles sieht sehr selbstgemacht und ein wenig schief aus.
Detailaufnahme: Eine Schwarzer Fondant, Spinnweben aus Marshmallowfäden, schwarzsilberne Zuckerspinnen. Eine Spinne in Großaufnahme in der Mitte des Bildes.
Drei Tortenstücke, flach liegend: Drei Böden Schokokuchen, orangefarbene Erdnussbutter-Frischkäse-Buttercreme. Am Rand sieht man schwarzes Fondant und weiße Marshmallow-Fäden

(PS: Schreiben hab ich genau so gelernt. Und lerne ich immer noch. Ich mach es nur öfter. Würd ich jeden Tag eine Torte dekorieren, säh das in einem Jahr ganz anders aus. Also nicht lange zaudern und planen – einfach machen.)

Ein normaler Montagabend

Großaufnahme eines menschlichen Auges. Ein regenbogenfarbener Streifen fällt über das Gesicht und färbt Haut, Iris und Pupille bunt.
Foto von Harry Quan auf Unsplash

Montag nach der Arbeit geht es zum Sport, und oft fahre ich die Kollegin, die mich zum Sport motiviert, anschließend nach Hause. Gestern fiel mir auf dem Weg ein Plakat auf, mit dem für Süßigkeiten geworben wurde. Du kennst sie vielleicht: Die Trolli Glotzer, so süße Gummiaugen. Und der Slogan lautete: „Garantiert weniger Kalorien als ein echtes Auge!“

Boy oh boy, das interessiert mich jetzt aber.

Zunächst einmal: Von was für einem Auge reden wir hier? Da die Glotzer eine bunte Iris haben, kann es sich eigentlich nur um den Vergleich mit einem Menschenauge handeln. Überraschenderweise gibt es, wenn man im Netz sucht: Wie viele Kalorien hat ein menschliches Auge?“ allerdings keine eindeutige Antwort. Die Diätindustrie ist wohl noch nicht so weit, wie ich dachte.

(Stell dir vor, wie der Mann neben mir sitzt und immer nervöser wird. Wann steht wohl die Polizei vor der Tür? Kannibalismus ist schließlich irgendwie verboten und ein Tabu und so.)

Fangen wir also am anderen Ende an. Wie viele Kalorien sind in so einem Trolli Glotzer? Das ist einfacher herauszufinden: Ein Glotzer ist knapp 20 g schwer, 100 g haben 320 kcal. Folglich hat ein einziger Glotzer etwa 320/5 = 64 kcal.

Ein menschliches Auge wiegt, je nach Quelle, etwa 7,5 bis 10 g. Für die Rechnung gehen wir von 10 g aus, wir machen also große Augen. Und je nachdem, wen du fragst, enthält ein menschliches Auge zwischen 65 % und 99 % Wasser. 99 % kommt mir arg hoch vor. Um auf Nummer sicher zu gehen, rechne ich also mit 70 % Wasser. Das ist wahrscheinlich zu niedrig angesetzt, aber für unsere Rechnung soll es reichen. Wenn also ein 10 g Auge zu 70 % aus Wasser besteht, bleiben uns noch 3 g „trockener Materie“. Und sogar ,wenn diese trockene Materie nur Fett wäre, hätte das Auge maximal 3 x 9 = 27 kcal.

Ein Trolli Glotzer hat also mehr als doppelt so viele Kalorien wie ein menschliches Auge. Sogar wenn wir auf kcal/100 g umrechnen, schneidet das menschliche Auge mit geschätzten 270 kcal/100 g immer noch besser ab als der Glotzer (320 kcal, siehe oben). Außerdem enthält das menschliche Auge sehr viel weniger Zucker als ein Trolli Glotzer, ist also besser geeignet für Diabetiker oder Leute, die (aus welchen Gründen auch immer) einer Low-Carb-Ernährungsweise folgen.

(Der Mann neben mir wird immer kleiner. Er schwitzt.)

Falls du jetzt überlegst, was du verantwortungsvoll zu Halloween Gästen oder klingelnden Kindern anbieten kannst: Im Zweifel würde ich die Trolli Glotzer vorziehen. Allein schon, weil sie einzeln verpackt sind – das ist viel hygienischer. Und man kann sie in der Großpackung kaufen. Bei Halloween geht es schließlich um den Spaß, nicht um gesunde Ernährung. Wie du deinen Augenbedarf das restliche Jahr über deckst, musst du selbst entscheiden. Ich bin ja am ehesten für diese Variante.

(Es klingelt. Der Mann fällt in Ohnmacht. Es sind die Nachbarn, die ein Päckchen für mich angenommen haben. Ich packe das Buch – was auch sonst? – aus und lasse den Mann schlafen. Er ist heute irgendwie so nervös, die Ruhe tut ihm bestimmt gut.)

Autos! Solidarisiert euch mit den Fahrrädern!

Heute morgen auf dem Weg ins Büro hatte ich eine Begegnung der anderen Art.

Ich war mit dem Rad unterwegs – die letzten schönen Tage ausnutzen, du weißt schon. Und auf diesem Weg kam ich an eine Stelle, an der eine Autofahrerin mit ihrem Wagen, in einer Straßeneinmündung stehend, dne Radweg blockierte.

Logischerweise hielt ich an.

Sie ließ ihr Fenster herunter und rief: „Entschuldigen Sie, die Stelle ist sehr unübersichtlich. Vielen Dank, dass Sie warten!“

Ich antwortete: „Kein Ding, hier kann man wirklich schlecht gucken.“

Dann wünschten wir einander einen schönen Tag. Ihr bot sich eine Lücke, sie fuhr, ich fuhr.

Dieser Austausch hat vielleicht eine Minute gedauert. Jetzt war ich heute nicht besonders spät dran, aber sogar wenn doch – genau diese Art Austausch wünsche ich mir im Straßenverkehr. Konstruktiv, respektvoll und miteinander statt gegeneinander. Oder wie es so schön auf die Wege zwischen den Feldern auf der anderen Seite des Walds aufgebracht ist: „Rücksicht macht Wege breit.“

Ehe mich jemand missversteht – ich fahre gern Auto, ich fahre gern schnell (oder würde, wenn unser Auto mich ließe) und ich schimpfe wie ein Rohrspatz. Aber ich versuch schon hart, niemanden zu töten, wenn ich unterwegs bin. Für mich ist Straßenverkehr wie ein Gesellschaftsspiel: Wir gewinnen, wenn alle heil ankommen.

Auf dem Rad seh ich das natürlich ähnlich, wobei ich da in erster Linie nicht selbst sterben möchte. Und keine Fußgänger*innen umdengeln, oder kleine Tiere. Dazu gehören auch Strategien, die ein leichtfertiges Überholen unwahrscheinlich machen – zum Beispiel fahre ich in kurzen Engstellen, in denen der Mindestabstand eh nicht eingehalten werden kann, NICHT so dicht wie möglich am Rand. Da müssen eventuelle Autos hinter mir eben warten. In langen Engstellen halte ich natürlich und mach Platz, ehe sich der Verkehr hinter mir zu lange staut.

Gut, manche Autofahrer*innen regt das auf. Ich bin mit Aufblendlicht, Hupe und Schimpfwörtern wohlvertraut. Dabei ist jede Person auf dem Fahrrad eine weniger, mit der man um Parkplätze konkurriert, und eine Person weniger an der Ampel vor einem. Da kann man die 30 Sekunden Langsamfahren ruhig mal in Kauf nehmen. Finde ich. Also, rein subjektiv.

Und wer nicht warten möchte (oder kann)? Sollte sich am besten für sichere, baulich getrennte Radwege stark machen. Dann kann man auf der Straße heizen, was die PS einen heizen lassen (und die Straßenverkehrsordnung und die Polizei), und die Fahrräder bleiben schön unter sich. Das wär mir, ehrlich gesagt, auch lieber.

Aber ich bin ja nur so eine merkwürdige alte Frau mit Tentakeln auf dem Helm. Was weiß die schon?