- Ein Kochbuch: Dieses Kochbuch richtet sich an Frauen, die normale Portionen essen. Wenn du Mister Right bekochst, solltest du die Portionsgröße also etwas nach oben anpassen, damit er auch satt wird.
- Ein Roman: Die Protagonistin ist übergewichtig und nicht sehr stylisch, damit hadert sie auch regelmäßig im Verlauf der Story – bis sie am Ende plötzlich ihren inneren Frieden findet, denn plötzlich ist sie nicht mehr (nur) fett, sondern (auch) schwanger.
- Ein Ratgeber: Als Frau musst du unbedingt dein Hormonlevel jugendlich halten, auch wenn du in ein gewisses Alter kommst, denn du musst zum einen „fuckable“ bleiben und dich zum anderen nach wie vor um die Belange aller anderen Menschen kümmern, das ist nunmal biologisch so gewollt. Und Genuss ist zwar wichtig, denn wir sind fancy moderne Frauen, aber wennste nicht fett werden willst, iss halt meist Salat mit Hähnchenbrust ohne Dressing.
Na, hast du es erraten?
Ich muss dich enttäuschen – all diese Bücher hatte ich dieses Jahr in der Hand, sie sind als Neuauflage erhältlich und wurden ursprünglich 2014 (Kochbuch), 2010 (Roman) und 2020 (Ratgeber) veröffentlicht. Das Frauenbild im 21. Jahrhundert lässt offenbar in Teilen der Gesellschaft immer noch zu wünschen übrig. Und ja, all diese Bücher wurden von Frauen geschrieben. Es ist zum Haare-Ausraufen (aber vorsichtig, wir wollen doch nicht unsere femininen Locken opfern!).
Der Mann meint übrigens, ich würde das zu ungnädig sehen. Aber der wird wahrscheinlich nicht (wie eine Freundin erst neulich) in Sachdiskussionen plötzlich gefragt, warum er eigentlich nicht lächle. Der hat wahrscheinlich wenig Mühe, aus einem zugegebenermaßen lächerlich gigantischen Angebot an Sommerschuhen diejenigen rauszufischen, die NICHT seine Fußstruktur zerstören, weil Absätze optisch schlanker machen. Der hat (und das nicht nur wahrscheinlich, das weiß ich zufällig genau) kein Sicherheits-Signal-System für den Heimweg nach einem Treffen mit Freund*innen, damit alle wissen, dass alle heile und unbelästigt zuhause angekommen sind.
Ist ja eigentlich auch kein Wunder. Wir sind alle in dieser Suhle, die sich „moderne Gesellschaft“ nennt, sozialisiert. Da rauszukommen ist eine schlüpfrige Angelegenheit. Aber trotzdem … aber trotzdem!
Ich habe keine Lösungsvorschläge. Nur Empörung. Und Müde. Und Wut.
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