In letzter Zeit ist mir das öfter begegnet, und zwar in Büchern – vor allem Büchern aus dem US-Markt von jungen Autor*innen, also erste oder zweite Bücher. Und gar nicht mal so sehr bei Selfpublishern, sondern auch bei bekannten mittleren oder sogar größeren Verlagshäusern.
Wovon redet die Frau da?
Die ersten zwei oder drei Kapitel des Buches sind Hammer. Alles stimmt: Sprache, Tempo, die Szenerie, die Charaktere. Und danach … entweder bricht es abrupt ab oder es frizzelt allmählich aus. Und ich habe einen Verdacht, wie das passiert.
Für diejenigen unter uns, die sich nicht mit dem traditionellen Buchverlegen auskennen: Meist bewirbt man sich beim Verlag mit einem Exposé – das ist eine komplette Zusammenfassung des Buches – und den ersten zwei bis drei Kapiteln resp. dreißig Seiten, die man geschrieben hat. Aufgrund dieser Materialien entscheiden Verlage, ob sie das ganze Buch sehen wollen.
Natürlich stecken Autor*innen in genau diese ersten dreißig oder so Seiten also die meiste Arbeit. Sie wollen schließlich überzeugen, hinreißen, erstaunen und sich einen Platz im Verlagsprogramm ergattern. Ich weiß, dass viele Autor*innen sich inzwischen, so sie es finanziell stemmen können, für ihre Verlagsbewerbungsunterlagen ein professionelles Lektorat gönnen. Alles soll so gut aussehen, wie es eben geht.
Und da ist nichts Schlimmes dran!
Allerdings habe ich den Verdacht: Wenn ein Verlag sich für dieses herausgeputzte Projekt entscheidet, wird (vor allem von Verlagsseite!) nicht mehr so viel Liebe in das restliche Manuskript gesteckt. Das ist ja auch eine Geld- und Zeitfrage. Auch Verlage müssen ihre Lektor*innen schließlich bezahlen. Einige denken sich vielleicht: Ach, wenn die Lesenden uns bis hierhin gefolgt sind, lesen sie auch das restliche Buch. Und wenn nicht? Egal, gekauft haben sie es ja. (Disclaimer: Nicht alle Verlage, natürlich. Aber einige bestimmt.)
Und gerade junge oder neue Autor*innen haben nicht den Überblick, um mehr von einem Verlag zu erwarten oder zu verlangen. Wenn eine Verlagsperson ihnen sagt: „Dein Buch ist toll, da müssen wir kaum noch etwas dran machen!“, glauben sie das und freuen sich. Erst im Lauf der Jahre kommt die Erkenntnis, dass man immer und an jedem Manuskript mit Hilfe professioneller Dritter noch eine Menge Mist schaufeln kann, ehe da ein wirklich gutes Buch draus wird.
Anders kann ich mir das, ehrlich gesagt, nicht erklären. Mehrmals hatte ich jetzt gehypte und hart umworbene Bücher in der Hand, bei denen die ersten Seiten wirklich mega waren … und dann geht es nur so meh weiter. Ob mich das dazu animiert, weitere Bücher der schreibenden Person zu kaufen? Wohl eher nicht. Vielleicht, wenn sie sich auf den letzten dreißig Seiten genau so viel Mühe gegeben hätten wie auf den ersten dreißig Seiten? Schließlich erinnere ich mich in erster Linie an das Gefühl nach dem Buch.
Und an alle jungen Autor*innen da draußen: Wenn ein Verlag nicht so viel Liebe in das Manuskript stecken will, wie ihr es euch wünscht, überlegt euch gut, ob die Zusammenarbeit der Geschichte gerecht wird. Klar, Selfpublishing kann teuer sein, aber erstens muss es das nicht und zweitens steht da am Ende dann genau die bestmögliche Geschichte auf dem Papier, die ihr erzählen wollt.
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