Was, bitte, ist „Bookshelf Wealth“???

Vor einer dunkelgrauen Wand stehen vier Bücherregale unterschiedlicher Größe. Die Bretter sind mit vielen dünnen bunten Büchern gut gefüllt, vielleicht 20 Prozent Raum ist noch frei. Auf den drei linken Regalen stehen graue Kästen, aus denen Efeu sich üppig über die Regale rankt und den Inhalt teilweise verdeckt. Die Bücher wirken gelesen.
Foto von Pawel Czerwinski, gefunden auf Unsplash

Manchmal, wenn ich im Tag 20 Minuten übrig habe, schaue ich wahllos Videos auf YouTube und streichle dabei den Kater. Und gestern bin ich dabei über etwas gestolpert, was angeblich 2024 ein Social-Media-Trend war. Ich krieg das ja nicht mit, ich bin über 40. Also, der Trend heißt „Bookshelf Wealth“, übersetzt „Buchregal-Wohlstand“, und worum geht es? Simpel gesagt: Bücherregale als bewusst gewählter Teil des Einrichtungs-Designs.

Jetzt war der Mensch, der diesen (und andere Trends) bewertet hat, nicht so recht angetan von „Bookshelf Wealth“. Sein Haupt-Argument: Niemand würde tatsächlich so viele Bücher lesen, also sei das nur Ramsch, den man teuer kauft, ein paar Mal abstaubt und irgendwann entsorgt.

Bitch, was???

Aus meiner 15-Quadratmeter-Studentenbude haben wir bei meinem Auszug 24 Kubikmeter Bücher mitgenommen (ein ganzes Kellerabteil voll, deswegen weiß ich das – etliche Bananenkartons). In unserer Wohnung gibt es in jedem Raum (außer im Bad – da liegen die Zeitschriften) mindestens ein Bücherregal, und die sind alle überfüllt – und ja, drei Viertel der Bücher habe ich bereits gelesen. Der Rest ist für den Fall, dass ich mal ein Jahr zuhause sitze und mich langweile.

(Bis 2019 hätte man über diesen Witz gelacht.)

In der Küche ächzt eine Kochbuchsammlung in einem 2 x 1-Meter-Regal.

Die Wörterbuch-Sammlung steht im Flur.

Das Schlafzimmer enthält ein Regal mit Nachschlagewerken und eines mit den Büchern, die ich entweder gerade gelesen habe oder als nächstes lesen will.

Mein Büro ist sowieso eine Bücherhalde, doch es gibt tatsächlich eine Wand, die nur aus Buchregal besteht (und eine für Bastelmaterial, weil ich mehr Enthusiasmus als Zeitmanagement betreibe).

Im Wohnzimmer stehen die „hübschen“ Bücher – Bildbände, Sammlerausgaben, Kuriosa etc.

Der Mann versteckt seine Fachbücher in seinem Büro vor meinen gierigen Griffeln.

Und dabei sind die zigtausend eBooks gar nicht erwähnt, die sieht zum Glück niemand.

Übrigens behalten wir längst nicht alle Bücher, die wir je anschleppen. Nur die, die wir mögen. Der Rest landet in Bücherschränken oder bei lesenden Freund*innen.

Ehrlich gesagt, wenn ich in eine Wohnung käme, in der es keine Bücher gäbe, käme ich mir merkwürdig vor. Klar, nicht jeder ist so eigen wie wir und schleppt einfach ALLES an, aber … gar keine Bücher? Kein einziges? Nicht einmal eins mit Bildern?

Apropos, vor einigen Jahren gab es mal die Empfehlung, man solle Bücher nicht mit dem Rücken, sondern mit dem Buchschnitt nach vorn ins Regal stellen, damit es einen harmonischeren Anblick gäbe (das war vor Farbschnitten, ich fühle mich gerade alt ^^ ). Wie, zum Henker, soll man da jemals etwas wiederfinden???

Also: Bücher sind eines der günstigsten Laster, die man haben kann. Viel billiger als Rennwagen und gesünder als Koks. Lass dir also nicht einreden, dass man sich die Wohnung bitte gefälligst NICHT bis unter die Decke und in drei Reihen mit Büchern vollstopfen soll, die einen irgendwann im Schlaf erschlagen. Wir Bücherwürmer haben schließlich Standards.


Entdecke mehr von diandras geschichtenquelle

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Los, gebt es mir!