Marke Eigenproduktion

Mein Tiktok-Feed – ein Meisterwerk des enthusiastischen Dilettantismus‘

Dieses Wochenende bin ich mit kaputtem Fuß außer Gefecht gesetzt. Was mache ich also? Rumliegen und Tiktok-Videos generieren.

Meine Videos sind immer ein Paradebeispiel für Authentizität. Beispielsweise schiebt in dem Video, das ich heute veröffentlicht habe, der Kater seinen Hintern durchs Bild. Es ist ein sehr flauschiger Hintern.

Natürlich könnte ich da professioneller rangehen. Den Kater rausschneiden. Mehrere Takes aufnehmen und zusammenschneiden. Vorbereiten, skripten, üben.

Aber weißt du was?

Das ist Tiktok. Social Media – Betonung auf „Social“. Nicht Klein-Hollywood. Und ich habe wirklich keine Lust, permanent online zu performen.

Ich meine, man sieht das immer öfter – und ich rede nicht von lustigen Tanzroutinen oder Memes. Leute fahren nicht irgendwohin, um etwas zu erleben, und posten dann Fotos und Videos – neien, sie fahren irgendwohin, wo es „instagrammable“ ist, um dort Fotos und Videos zu machen, ANSTATT etwas zu erleben. Das ist nicht meins.

Ich habe auf meinem Handy ungefähr eine Million Fotos vom selben Waldspaziergang, weil ich den Wald hinter unserem Haus wirklich liebe. Wanderungen suche ich nicht nach SoMe-Attraktionen aus, sondern nach Länge und Erlebnisfaktor. Und ja, meine Fotos und Videos online kommen mit einem Minimum an Editing und Filtern aus. Wenn ich damit nicht berühmt werde, ist mir das recht.

Und ehe jemand schimpft – Leute, die sich gern für 90-Sekunden-Clips stundenlang zurechtmachen, um dann genau so lange zu filmen und zu editieren, sollen das um Himmels Willen bitte tun. Wir brauchen alle alberne Hobbys. (Ich schreib Bücher, hatte ich das erwähnt?) Aber das sollte nicht die Grunderwartung für jeden einzelnen verdammten Post da draußen sein.

Mich persönlich interessiert hyperproduzierter Content beispielsweise nicht. Ich sitze dann da und gucke zu und denke mir: Leb, verdammt nochmal! Erleb was und erzähl davon, anstatt nur zu überlegen, was der nächste virale Content sein könnte!

Ach, vielleicht ist das alles nur das Gemecker einer alten Ziege. Vielleicht sind wir längst alle schon auf unseren Entertainment-Wert abgeklopft und kategorisiert, und vielleicht meckere ich nur, weil Katzenpöter keine Buchverkäufe generieren.

Andererseits schreibe ich ja auch hier nicht das, was die meisten Klicks bringt. Die Chancen stehen also gut, dass ich tatsächlich so genervt und motzig bin.

Was ist dein unbeliebter Social-Media-Take?


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2 Gedanken zu “Marke Eigenproduktion

  1. Das besonders seltsame bei all dem ist ja, wie ich finde, dass zunehmend ‚authentische Vibes‘ auch wiederum gezielt von ‚creators‘ aufgebaut werden, die damit ihre ‚credibility‘ betonen wollen: Leute die absichtlich ihre teuren, aber für den Gebrauch extra unpassend gewählten Mikros in der Hand halten, sorgfältig inszeniertes zufälliges Chaos im Zimmer, bedacht zerstrubbeltes Haar und all das, um sehr deutlich zu machen: „Dies ist keine besonders sorgfältig geplante und ausgeführte Produktion, und deshalb bin ich glaubwürdig(er) weil ich ja einer von euch bin“. Ab da find ich’s dann doch ein wenig absurd.

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