Dieses verdammte Bullerbü

Auf dem Weg zur Arbeit fällt es mir auf: Ich lebe in Bullerbü.

Unser Haus steht an einem Wendehammer, auf dem morgens Leute ihre Kinder und Hunde ausführen. Dahinter liegt eine Kindertagesstätte direkt am Waldrand, in deren Garten die Kinder Möbel aus Weidenzweigen bauen. Mein Rad-Weg führt mich zwischen – ich schwör! – Kuhwiesen hindurch, auf denen Kühe und Kälber die Morgensonne genießen. Mehr Hunde, mehr Spaziergänger. Bachstelzen und Krähen teilen sich die Felder mit minimaler Diskussion. Ein Bach plätschert neben der Straße her. An manchen Tagen fahre ich zwischen Brennesseln und Kornblumen an der Straße mit Steinmetz und Biohof vorbei, an anderen nehme ich den geschotterten Weg direkt am Bach. Dort treffe ich mehr Spaziergänger und Eltern mit Kinderwagen, andere Radfahrer, erreiche schließlich einen Minigolfparcours. Klingt idyllisch, nicht wahr?

Leider hat mein Gehirn das nicht mitbekommen. Da im Gebüsch – ist das ein abgestorbener Baumstamm oder eine Leiche? Warum parkt da hinten ein Transporter zwischen den Feldern? Ist das Kind, das die junge Frau spazieren fährt, ihr eigenes? Und wie geht es wohl beim Minigolf zu, wenn keine Kunden/Zeugen vor Ort sind?

Wahrscheinlich dauert es nicht mehr lange, bis ich eine hervorragende neugierige Nachbarin werde. Immer am Fenster hänge. Mir wilde Geschichten über die anderen Hausbewohner ausdenke. Alles weiß, alles besser weiß, alles weitertratsche.

Oder ich könnte weiter abwegige Bücher schreiben. Damit lenke ich mein Gehirn hoffentlich ausreichend ab. Weitere Bücher über dieses verdammte Bullerbü mit all seinen Abgründen und Monstern. ^^


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Los, gebt es mir!