Werbung und wie man es NICHT machen sollte

Gelegentlich lese ich gerne Thriller und Mysteryromane. Habe ich schon immer gemacht, wird sich wahrscheinlich nicht so schnell ändern. Leider ist auch in dem Bereich viiiiiiiiel Einheitsbrei zu finden, aber ab und zu stolpere ich über ein Buch, das wirklich interessant klingt, und da man ja nie genügend Bücher haben kann …

Auf jeden Fall habe ich diese Woche Das Dorf der toten Seelen von Camilla Sten gelesen. Laut Klappentext geht es (ich bemühe mich, Spoiler zu vermeiden, aber ab hier liest du auf eigene Gefahr weiter!) um eine Gruppe junger Film-Menschen, die in ein verlassenes Dorf fahren, um Vorbereitungen für eine Dokumentation zu treffen. Die Menschen, die in diesem Dorf wohnten, sind vor etwa 60 Jahren auf mysteriöse Weise verschwunden. Die Initiatorin des Projekts, Alice, hat eine persönliche Verbindung zu dem Ort – ihre Großmutter ist wenige Wochen vor dem Verschwinden der Leute aus dem Ort weggezogen.

Also, das könnte ganz spannend sein. Findest du nicht? Und es war auch ein solides Lesevergnügen. Natürlich hatte die Geschichte einige handwerkliche Schwächen. Ich hasse es, wenn die Protagonistin die Hälfte der Zeit inkompetent in der Gegend herumstolpert, aber das scheint ja so eine Mode zu sein, um Figuren menschlicher wirken zu lassen … ehrlich? Wenn ich in der Wildnis mit so jemandem unter Lebensgefahr arbeiten müsste, würde ich die Person fesseln und knebeln und das Kommando an mich reißen. Also, Sympathiepunkte gewinnt die Protagonistin bei mir schon einmal nicht. Auch die anderen Figuren arbeiten häufig nicht am Maximum ihrer Kapazität.

Aber darum soll es heute gar nicht gehen. Stattdessen möchte ich über eine Entscheidung des Verlags reden, die dafür sorgt, dass das Buch bei Lesenden einfach nicht wie erwartet landen KANN.

Ausschnitt der Buchrückseite. In blauer Schrift ist zu lesen: Stranger Things meets Scandinavian Crime.

„Stranger Things“ … kommt dir das irgendwie bekannt vor? Das war doch diese Serie über Kinder, die gegen Monster aus einer anderen Dimension kämpfen, während im Kalten Krieg die USA und Russland parallel versuchen, diese Monster im Rahmen der Aufrüstung für ihre eigenen Zwecke einzusetzen. Läuft seit 2016 und war DAS große Ding bei Netflix. Ich muss sagen, ich habe die Serie sehr gemocht. Und ich verstehe, warum bei einem Buch aus 2020 (deutsche Ausgabe) auf ein kulturelles Massenphänomen Bezug genommen wird.

Es gibt nur ein Problem:

Die Geschichte, die erzählt wird, hat mal so GAR NICHTS mit „Stranger Things“ gemeinsam.

Die Charaktere sind älter als die Protagonist*innen aus „Stranger Things“.

Es gibt keine Regierungsverschwörung, keine andere Dimension und keine Monster.

Niemand stellt einen Bezug her zu popkulturellen Ereignissen, denen man nostalgisch nachtrauern könnte.

Keine einzige Person hat übernatürliche Fähigkeiten – wenn wir mal von übernatürlicher Irrationalität absehen, über die ich oben ja schon ansatzweise geschimpft habe.

Jaaaaaa, irgendwo gegen Ende wird mal erwähnt, wie etwas superunheimlich ist, und ganz am Rand wird eine Verbindung zwischen einer verstorbenen Person und ihrer Nachfahrin angedeutet (ich hatte euch vor Spoilern gewarnt!), aber das kommt so spät im Buch und ist derart unbedeutend für die Geschichte, dass ein vernünftiges Lektorat wenigstens fette Fragezeichen an die entsprechenden Stellen gemacht hätte.

Während also möglicherweise viele Leute aufgrund des im Foto gezeigten Werbeslogans zu diesem Buch gegriffen haben, muss ich vermuten, dass genau diese Leute von der Geschichte unglaublich enttäuscht werden – und das äußert sich dann in Rezensionen und Empfehlungen. Wieso, um alles in der Welt, sollte ein Verlag einer schreibenden Person so einen Bärendienst erweisen?

Stell dir das mal im normalen Supermarkt vor:

„Margarine aus der Abendbrotszene von Stranger Things!“

„Der Demogorgon würde seine Fratze nur mit Clearasil waschen!“

„Haben Sie Untote im Keller? Vertreiben Sie dämonische Gerüche mit Febreze!“

Durchs Netz gerauscht

Großaufnahme von verschiedenen Netzen. Links ein großmaschiges, eher ausgefranstes aus einer hellen Faser, dahinter und rechts ein türkisfarbenes Netz aus dünneren Fasern mit kleineren Maschen.
Foto von Waldemar Brandt, gefunden auf Unsplash.

„Vernetzt euch“, sagt man (nicht nur, aber auch) Autor*innen und anderen Kunstschaffenden immer wieder gern. Und das klingt auch wirklich sinnvoll und nützlich. Außerdem macht es Spaß, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und zu schauen, wo man vielleicht aus den Fehlern anderer lernen könnte.

Aber ich wär doch nicht ich, wenn ich nicht ein wenig zu meckern hätte. Meiner Erfahrung nach gibt es nämlich einen Punkt der Vernetzung, an dem es bei vielen Leuten hakt: Das Teilen.

Nicht nur das Nicht-/Teilen von Keksen (auch das prangere ich an!), sondern das Weiterverbreiten von Neuerscheinungen, wichtigen Informationen, Terminen und diesen generellen Werbeschleuderposts, die man als allein schaffende Person kaum in Gang halten kann.

Woran das liegt? Keine Ahnung!

Eventuell glauben die vernetzten Personen, ihre unbedeutende digitale Präsenz wäre für die Verbreitung von solchen Posts nicht „groß“ genug.

Vielleicht wollen sie ihre eigene digitale Marke nicht optisch verwässern, indem sie Beiträge von anderen Leuten teilen.

Möglicherweise haben sie auch Sorge, ihre Abonnent*innen mit zuviel Werbung zu nerven und langfristig zu vergraulen.

Oder denken sie im Fall der Fälle einfach nicht daran?

Ich habe keine Ahnung. Und auch keine gute Lösung. Und letztendlich darf jede*r mit dem eigenen Account natürlich tun und lassen, was man will. Aber ich finde es schon schade – ich teile gern die Bücher meiner Freund*innen. Zum einen, weil ich mich für sie freue. Ich meine: Mehr Bücher! Toller Glitzerkram! Zum anderen, weil das meine mitunter etwas magere Content-Diät aufpolstert. Schließlich habe ich NICHT jede Woche ein neues Buch zu bewerben, und die, die es gibt, kennen meine Follower*innen hoffentlich alle schon. Wenn also über solche geteilte Posts nur ein weiteres Buch verkauft wird, hat sich der „Aufwand“ (ein bis drei Klicks, je nach Plattform) mindestens doppelt gelohnt.

Das ist übrigens eines der Dinge, die ich an Instagram nicht mag – man kann keine Beiträge teilen, oder höchstens mal in der Story. (Ich habe keine Zeit für Stories. Muss Abenteuer erleben!) Ach, Instagram ist eh nicht so mein Ding. Zu viele Bilder, immer dieses lästige Gezappel und Gewimmel und dann die nervige Musik, wenn man aus Versehen auf irgendwas drauftippt … und von Tiktok fange ich besser gar nicht erst an! (Alte Frau, ich weiß.)

Warte, was wollte ich sagen?

Ach ja. Vernetzt euch. Tauscht euch aus. Und wenn ihr seht, dass jemand etwas Neues hat, das der Welt dringend mitgeteilt werden sollte, tut das eure. Denkt dran – es sind nur wenige Klicks!

Mehr Marketing-Kram

Ist sie nicht schön, die neue Internet-Welt? Ich habe euch ja schon vom kleinen Zaubermeister erzählt, den ich online gefunden habe. Und auch sonst ist es doch richtig toll, wie viele Leute man online erreichen kann!

Nur blöd, dass es so viele Plattformen gibt, die man abdecken muss. Twitter, Facebook, Instagram, TikTok – wo verstecken die potenziellen Leser sich heutzutage?

Klar, auf Facebook sind nur alte Leute. Hat man mir gesagt. Gerüchten zufolge lesen die aber auch. Die Twitter-Crowd soll sehr kurzlebig und gehässig sein, und für Instagram braucht man vor allem tolle Fotos. TikTok – dazu kann ich jetzt gar nichts sagen, ich war nur 60 Sekunden dort und war von den Geräuschen und dem Gewackel auf dem Bildschirm direkt überfordert. (Ja, ich bin eher ein Fall für Facebook. Man reiche mir meine Gehhilfe!)

Und die Leute, die einen schon gefunden haben, soll man natürlich auch noch unterhalten – im Blog (winkt) oder per Newsletter!

Und ich denke mir: Denk doch mal nach. Das allein ist ein Ganztagsjob. Wann soll man denn bitte schreiben, Marketing betreiben und vielleicht auch noch mal ein Käsebrot essen? Deswegen stümpere ich fröhlich vor mich hin. Habe keine polierten Auftritte für sämtliche Plattformen, optimiere nicht ständig Fotos und Texte und mich selbst, um noch leichter verdaulich und publikumsmagnetisch zu werden.

Schließlich kann man es mit der Werbung ja auch übertreiben.

Von der Fantasie zum Produkt

Manche Produktentwickler sollten die Namen der wunderbaren Dinge, die sie auf die Menschheit loslassen, dreimal laut aussprechen, ehe sie sie in den Katalog schreiben.

Oder einmal anders – ganz ehrlich: Was stellt ihr euch unter einem „kleinen Zaubermeister“ vor?

Möglicherweise seid ihr ja nicht so abgrundtief verdorben wie ich, aber als ich vorhin in einem Blog übers Brotbacken las: „… und jetzt öle den Kleinen Zaubermeister vorsichtig ein“, dachte ich NICHT an eine Brotbackform. Um ehrlich zu sein, ich war fest davon überzeugt, ich sei falsch abgebogen und hätte einen Anwärter auf den „Bad Sex in Fiction“-Award vor mir. (Das ist eine augenzwinkernde Auszeichnung für schlecht geschriebene Sexszenen in der Literatur.) Sie ölte den kleinen Zaubermeister vorsichtig ein, spürte seine ganze Länge in ihren vor Begierde zitternden Händen … Kommt schon, begebt euch ruhig auf mein Niveau herunter, es ist spaßig hier unten!

Gut, andererseits – was weiß ich schon von Marketing? Immerhin wissen wir jetzt alle, was der „Kleine Zaubermeister“ ist. Und dank dieses eindrucksvollen Missverständnisses werden wir es auch so schnell nicht vergessen. ^^

Autor*innen als Marke und Authentizität

In den letzten Tagen konnte ich am Rand einer interessanten Diskussion – oder wohl eher mehreren verschiedenen, sich miteinander verflechtenden und verknäuelenden Diskussionen – folgen. Es ging um „Autor*innen als Marke“ und ob man bei der Selbstvermarktung zwangsläufig an Authentizität verlieren müsse.

Jetzt habe ich in grauer Vorzeit auch ein wenig Soziologie studiert (nicht viel, nur im Neben-Nebenfach und mehr zum Vergnügen als für den Ruhm) und mache mir meine eigenen Gedanken.

Disclaimer: Wenn ich irgendwo als Autorin auftauche, egal ob in echt oder in digital, dann ist das, was ihr zu sehen/lesen kriegt, eine „Persona“ und nicht mein ungefiltertes, unterkoffeiniertes Privat-Ich.

Heißt das, dass ich euch konstant anlüge?

Natürlich nicht.

Dafür hätte ich gar nicht die Energie.

Ich betrachte es gerne als ein Professionalitäts-Level. So wie ich meinen Chef im Büro niemals begrüßen würde mit den Worten: „Yo, welcome back, du alter Sack!“, nicht einmal auf die liebevollste Weise, die man da draninterpretieren kann, und so, wie ich meine Bankfachfrau nicht zur Begrüßung high-fiven würde, so lege ich beim Auftauchen als Autorin eine Art selektiver Quasisemiprofessionalität an den Tag. In meinem konkreten Fall heißt das: Ich bin fröhlicher und agiere mild extrovertierter, ich rede nichts Schlechtes über meine Kolleg*innen und deren Bücher und ich verwende mild, minimal bereinigtes Fluchvokabular (räusper).

Auslöser der ganzen Diskussionen, von denen ich eingangs erzählte, waren übrigens SoMe-Auftritte nicht namentlich genannter Schreibender, die für sich selbst werben, indem sie andere Schreibende schlechtmachen. Und mal im Ernst, das geht mal gar nicht. Wie käme es euch vor, wenn der Bäcker auf der linken Straßenseite euch erzählte, dass der Bäcker am Markt in den Brötchenteig pinkelt? Sowas macht man nicht. Ich habe öffentlich diverse politische Meinungen und eine ganze Menge Fangirl-Crushes, aber ich lege großen Wert darauf, die Bücher anderer Schreibender nicht runterzumachen. Denn ich denke mir: Würde ein*e Autor*in, den*die ich online beobachte, so etwas machen, wäre die betreffende Person mir direkt unsympathisch.

Betreibe ich viel Arbeit mit der „Persona-Pflege“? Nö, eigentlich nicht. Letztendlich behalte ich nur manche Dinge für mich, die ich auch im Büro nicht einfach so herausposaunen würde. Große Schauspielleistungen oder Märchen würde ich nie durchhalten, das wäre viel zuviel Arbeit. Wenn ich euch Märchen erzählen will, packe ich sie zwischen Buchdeckel.

Gruselt es euch schon?

Falls nicht, habe ich zwei kleine Überraschungen für euch.

Zum einen gibt es „Allerseelenkinder“ als eBook für Kindle von heute an für ein paar Tage gratis. Das ist quasi umsonst. Nutzt die Gelegenheit!

Und zum anderen habe ich eine kleine, märchenhaft-magische Kurzgeschichte für euch. Dazu sei gesagt, dass ich oft und regemäßig über Märchenadaptationen schimpfe. Aber meine Muse lässt sich davon nicht stören. Die hört sowieso nicht auf mich. Ebenfalls als eBook für Kindle gibt es also ab sofort Hexerella, oder Der Gläserne Besen. Auf fröhliches Gruseln!

Manche Leute springen auch über jedes Stöckchen

Erinnert ihr euch noch an den rassistischen VW-Werbespot? Offenbar haben einige Leute daraus gelernt. Zum Beispiel, dass man mit Empörung kostenlos jede Menge Aufmerksamkeit generieren und im Gespräch bleiben kann.

So zum Beispiel Audi mit diesem formschönen Bild, das jüngst bei Twitter gepostet wurde:

Screenshot offizieller Audi-Twitterkanal. Links Foto: Kind mit Jeansjacke, Sonnenbrille und Leoprint-Kleid isst, an einen roten Wagen gelehnt, eine Banane. Rechts oben: "Lets your heart beat faster - in every aspect. #AudiRS4" Darunter ein wenig Entschuldigungs-Bla, abgeschnitten.
Bewundert meine Screenshot-Fähigkeiten!!!

Natürlich war die Empörung groß. Zu Hunderten, wenn nicht gar zu Dutzenden fielen die User ein, um zu reden: Über die Zahl im Verkehr getöteter Kinder. Über den Wahnsinn, heutzutage ein Auto mit einem Verbrauch von mehr als 9 l/100 km zu bauen. Über die Geschmacklosigkeit von Leoprint. Über die Banane als Phallussymbol und Pädophilie-Ideen.

Wer das selbst nachlesen möchte (tut es nicht, seid nett zu euch selbst!), kann das gegenwärtig noch hier tun.

Jetzt haben wir zwei Möglichkeiten:

Entweder Audi hat mit einem Werbebudget, von dem man eine mittlere Kleinstadt wahrscheinlich ein Jahr lang am Laufen halten könnte, eine komplett inkompetente Werbeagentur beauftragt, deren Mitarbeiter nie auch nur einen einzigen Tag im Internet verbracht haben.

Oooooder. Vielleicht freut sich ein zynischer Werbefritze gerade megahypersuperduperhart, weil sein Plan funktioniert. Die Empörten generieren Reichweite. Die Audifans und Berufs-Antiempörten verteidigen Audi. Vielleicht kauft sogar irgendwer genau diesen Wagen, nur um den anderen eins auszuwischen. Im Ernst, diese Art von Aufmerksamkeit kriegt man sonst nicht so günstig.

Da ich aber ja nicht immer nur meckern will, habe ich mich auch mal konstruktiv künstlerisch betätigt und eine eigene Werbeanzeige designt, mit der man garantiert keinen Ärger auf sich zieht.

Grauer Hintergrund, weiße Schrift: "Audi. Vielleicht sehr gut."
Guckt mal, keine einzige Lüge. ^^

Von frechen Früchten und ambitioniertem Gemüse

Weißer Hintergrund, darauf ein Pappschnipsel mit der Aufschrift CHEF-TOMATE.

Fragt ihr euch auch manchmal, was in den Köpfen von Werbemenschen und Verpackungsdesignern vorgeht? Fühlen die sich auch wohl manchmal missverstanden so wie Büromenschen, die eine völlig überflüssige E-Mail schreiben, bei der sie schon wissen, dass der Inhalt für dem Empfänger nicht hilfreich ist?

„Wir müssen diese Tomaten, die rot und völlig durchschnittlich sind, irgendwie von allen anderen roten und völlig durchschnittlichen Tomaten absetzen!“

Und dann hat man sie … die CHEF-TOMATE.

Wobei, wenn ich leichtfertig einen halben Tag in der Sonne verbringe, könnte ich mir das auch ans Revers heften. ^^

Höret, höret!

EIGENTLICH sind Hörbücher ja nicht so hart meins. Ich höre sie höchstens mal auf langen Autofahrten, nachdem das Musical „Hadestown“ (GROSSER FINGERZEIG, geht und hört das!) dreimal durchgelaufen ist, oder Abends zum Einschlafen, wenn mir der Erzähler zusagt. Trotzdem habe ich zwei Favoriten, von denen ich euch völliguneigennützig erzählen werde.

Erstens: THE SANDMAN. Logisch. Ein Comic als Hörbuch, wer wollte das nicht schon immer haben? Gut, eigentlich eher ein Hörspiel. Und auf Englisch. Aber wirklich toll gemacht, atmosphärisch dicht und dröppelt hörenswert („dröppelt“ = mehr als doppelt, weniger als „drölfzig“). Lest euch mal die Sprecherliste durch, da schlackern euch die Ohren.

Und zweitens: Allerseelenkinder. (Räusper.) Das ist ungefähr zur Hälfte aufgenommen und ihr könnte es im Moment noch nur in semiperfekter Qualität (ich lerne noch) auf Patreon hören. Ertappt, das ist ein Versuch, euch das hartverdiente Geld aus der Tasche zu leiern. Aber ich bin wirklich billig, schaut selbst! Für wenige Euro im Monat bekommt ihr jeden Sonntag ein neues Kapitel auf die Ohren und zwischendurch andere aufregende Dinge – Vorab-Schau auf Kurzgeschichten, Cover, ab und zu Papierpost (wenn ihr wollt). Vielleicht haue ich demnächst mal wieder ein witziges Schneckenvideo raus. Und überhaupt: Meine Dankbarkeit wird euch bis ins Grab verfolgen. <3

Wie steht ihr zu Hörbüchern?

Deutschland sucht den Superbuchtitel

Vielleicht auch „Deutschland sucht den Superblogpost“ – aber was soll’s, jetzt seid ihr hier.

Schon seit einiger Zeit gibt es im Romantik-Genre diesen Trend, Essbares und Romantisches miteinander zu mischen: „Pralinenküsse“, „Lebkuchenumarmungen“, „Leichtes Buttercremepetting“. Und so sehr ich diese Art von Assoziationstricks mag (kommt schon, ich habe das schon bei „Allerseelenkinder“ gemacht und die ganze Reihe über gut durchgehalten), finde ich es inzwischen ausgelutscht. Die Titel – meistens mit hellen oder rosalastigen Covern mit etwas Essbarem drauf – werden austauschbar.

Gut, vielleicht bin ich ein wenig voreingenommen. Aber bei Thrillern ist es doch ganz ähnlich. Meterweise weiße Cover mit schwarzen und blutroten Elementen (das ist übrigens gar kein echtes Blutrot!), darauf unheilschwangere Substantive: „Der Kindersammler“. „Zehennagelroulette“. „Die Mopsflechterin“.

Und dann sind da noch diese langen satzartigen Titel: „Als der Onkel Paul letzten Dienstag Lightzigaretten kaufen ging“ oder „Von dem Tag, an dem letztendlich fast gar nichts passierte“ oder „Wie kann ich Ihnen erklären, wie langweilig dieser Buchtitel ist?“

Es ist immer das Gleiche. Ein Titel ist ein Erfolg. Womöglich ein Überraschungserfolg … wobei diese Überraschungen meistens von langer Hand vorbereitet sind. Tut sich gar eine neue Nische auf? Die Leser sind begeistert, sie hätten gerne „mehr“. Was sie wahrscheinlich meinen: Mehr Aufregendes, Neues, Originelles, das sie weiter begeistert. Was sie wahrscheinlich kriegen: Weitere ganz ähnliche Titel, die schnell auf den Markt geworfen kommen, um diesen Trend fix totzureiten.

Das gilt nicht nur für Titel. Das erste Cover mit Aquarell-Effekten und Scherenschnittmotiv fand ich grandios, eben weil es etwas ganz Neues war. Inzwischen kann ich es nicht mehr sehen, denn diese Art Cover (und folglich auch Bücher) ist für mich beliebig und austauschbar geworden. Und ich überlege – gab es so etwas Ähnliches vor einigen Jahren nicht auch schon mit Pseudo-Graffiti?

Menschen sind von Natur aus Nachahmungstäter, und das ist auch gar nicht schlimm. Außerdem sollen Leute schnell erkennen, worum es geht. Wie bei der halb abgewandten Frau vor der Landschaft auf den Historienromanen. Aber ich finde, wir könnten uns schon ein wenig mehr Spaß und Spiel beim Kopieren erlauben. Etwa so:

pexels-photo-955137

Photo by Buenosia Carol on Pexels.com

Augapfelragout

Oder doch lieber so?

pexels-photo-3324591

Photo by Francesco Ungaro on Pexels.com

Augapfelragout

Einmal Liebesroman, einmal Thriller. Oder etwa nicht?