Blumendecke, Blumenvase, Blumen-Group

Stell dir vor, du gehst in ein Geschäft. Du weißt schon, was du willst, deswegen sollte das eigentlich ganz fix gehen.

„Guten Tag, ich hätte gerne eine Decke mit Blumenmotiv.“

„Das freut mich zu hören. Hier ist diese wunderbare Vase.“

„Aber ich möchte eine Decke.“

„Haben Sie nicht gesagt, Sie mögen Blumen? Dann brauchen Sie bestimmt diese Vase. Hier, nehmen Sie!“

„Nein, danke. Ich hätte gerne eine Decke, auf der Blumen zu sehen sind.“

„Ah ja. Decke, Decke – hier, dieser Teppich ist doch wirklich schön, oder?“

„Ja, das ist er, aber …“

„Nehmen Sie! Da sind Blumen drauf! Zwanzig Prozent Rabatt, wenn Sie in den nächsten siebzehn Minuten kaufen! Es sind nur noch drei Stück da!“

„Ähm, hinter Ihnen ist ein ganzes Regal voll mit genau diesen Teppichen.“

„Zwanzig Prozent Rabatt!“

„Danke, aber ich hätte doch lieber eine Decke.“

„Decke? Warum sagen Sie das nicht gleich? Wir haben Decken! Bettdecken, Hundedecken, Decken mit Fransen und welche aus wasserdichtem Material für Sie-wissen-schon, Decken mit Mustern und Decken aus Eichhörnchenfell und …“

„Eichhörnchenfell?“

„Oder wenigstens etwas, das wie Eichhörnchenfell aussieht. Aus zehn Meter Entfernung mit schmutziger Brille. Riecht etwas künstlich und wird Ihnen, wenn Sie heute bezahlen, in den nächsten sechs Wochen geliefert.“

„So lange? Kommt die aus China oder was?“

„Wie kommen Sie nur darauf? Sehen Sie doch, dieses Geschäft ist komplett real und steht in Deutschland! Nur die Decke kommt … also, das dauert eben. Gar nicht verdächtig.“

„Haben Sie denn jetzt auch Decken mit Blumenmuster?“

„Bestimmt. Apropos Blumen, haben Sie Interesse an dieser Vase?“

An dieser Stelle verlässt du lieber den Laden, ehe du der Verkaufsperson die Vase über den Schädel ziehst.

So ähnlich fühlt es sich inzwischen an, wenn man online etwas kaufen möchte. Du musst wissen, oder vielleicht habe ich es gelegentlich schon erwähnt – ich gehe nicht gern shoppen. Es nervt. Ich will nicht stundenlang durch Geschäfte hoppeln und Regal durchwühlen und hoffen, dass es irgendwo genau das gibt, was ich brauche. (Eine Ausnahme sind Buchläden, da stöbere ich gern und stundenlang und gebe immer zuviel Geld aus.) Deswegen kaufe ich viele Dinge lieber online. Lange hat das auch gut funktioniert. Ich weiß, was ich brauche, möglicherweise sogar mit bevorzugter Marke. Ich gebe die entsprechenden Begriffe im Suchfeld ein, wähle einen der Top 3 Treffer, bezahle und warte auf den Paketdienst.

Ja nee, so ging das mal. Inzwischen kriegst man in beinahe allen größeren Shops erst einmal Werbung angezeigt. „Gesponsorte Produkte“ nennt sich das öfter mal. Da zahlen die Anbieter dafür, dass ihr Produkt bei bestimmten Suchbegriffen angezeigt wird, auch wenn es nur am Rand mit dem Gesuchten zu tun hat. Man könnte rein theoretisch eine benutzte Klobürste mit „Harry Potter“ verschlagworten, der Plattform dafür ausreichende Mengen Geld geben und taucht dann auf Seite 1 der Suchergebnisse auf.

Schnell klicken und kaufen ist also nicht mehr. Dann gibt es die Großen Roten Zahlen(TM), die einen zum Kauf verleiten, weil sie eine gigantische Ersparnis und/oder einen anstehenden Mangel und/oder Zeitdruck suggerieren. Auch das meist gelogen und im Hintergrund getrickst.

Von all den KI-generierten Angebotsbildern will ich gar nicht erst anfangen. Das Produkt ist also so hässlich, dass ich es nicht vorab sehen darf? Prima, dann will ich es nicht. Seitenweise über genau das gleiche Produktbild für Bettwäsche scrollen, bei dem sich nur das Muster des Materials ändert, aber nicht einmal der Faltenwurf … kein Stückchen verdächtig. Nee, das ist garantiert alles echt und sieht genau so aus, wenn ich das bekomme.

Ein Gutes hat das ja – mein Konsumverhalten hat sich zum Positiven verändert. Ich will keinen Schrott kaufen, ich will nicht stundenlang scrollen und mich durch gefälschte Angebote oder künstliche Rabattschlachten wühlen. Ich will meist genau dieses Produkt (oder ein Produkt für genau diesen Zweck) zu einem realistischen Preis. Wenn ich dafür also in die Stadt fahren muss, dann ist das eben so.

Schreiben ohne Social Media – Zwischenbericht

Zunächst: Die Überschrift ist dramatisiert, denn ich bin ja noch auf einigen Social-Medial-Kanälen zu finden – etwa auf BlueSky, Mastodon und Tumblr. Die großen Plattformen, die man angeblich unbedingt fürs Marketing braucht (Facebook, Instagram, Threads, TikTok) hingegen vermisse ich immer noch nicht.

Jetzt haben mir, seit ich als Aussteigerin lebe, viele Marketing-Experten gesagt, der Abschied sei eine desaströse Entscheidung. Man könne heute leider einfach nicht mehr ohne diese Plattformen Dinge verkaufen, und auch für Verlage etc. seien Followerzahlen ja fast schon mindestens genauso wichtig wie die Manuskriptqualität. Und wenn sie mir schon raten, in die Hölle zurückzukehren, haben sie auch direkt die passenden Marketingpläne für mich parat. Für eine gewisse Gebühr, natürlich.

Ob das mit den Verlagen stimmt, weiß ich nicht. Das muss mir auch egal sein. Ich hab nur Geschichten zu verkaufen, keinen Personenkult. (Huldigt mir!)

Ersteres ist, wie ich allmählich feststelle, gar nicht mal so richtig. Nun hatte ich nie die aufregenden Verkaufszahlen, mit denen man reich und berühmt wird. Aber in den letzten Monaten sind sie auch nicht schlechter geworden – eher im Gegenteil. Ich habe im März/April mehr Bücher verkauft als in den sechs Monaten davor. Obwohl ich kein wirklich neues herausgebracht habe. (Lies den Hirschkönig! Er ist noch schöner als zuvor!) Ich muss mich nur daran erinnern, meine Bücher regelmäßig überall zu erwähnen. (Bücher!)

Außerdem experimentiere ich ein wenig mit bezahlter Werbung auf verschiedenen Kanälen. Ob das einen Effekt hat, kann ich nur indirekt beurteilen – die Platzierung eines eBook-Angebotes in einem themenspezifischen Newsletter hat keine zusätzlichen Verkäufe im Angebotszeitraum gebracht, das kann ich direkt sagen. Wahrscheinlich probiere ich es dennoch mit einem zweiten Buch, um zu schauen, ob es am konkreten Angebot lag oder ob die Newsletter-Reichweite sich für mich einfach nicht in Verkäufe umsetzen lässt. Bezahlte Anzeigen in einschlägigen Magazinen könnten zu Verkäufen geführt haben, aber das ist aufgrund der langsameren Verteilung für mich nur schwer einzuschätzen. Ich bin halt keine Expertin.

Was schließe ich daraus?

Zum einen geb ich den Brotjob nicht so schnell auf. Mit einem festen Gehalt in der Tasche kann ich genau das schreiben, was ich schreiben will – nur eben nicht so schnell, weil die Zeit begrenzt ist. (Bedingungsloses Grundeinkommen, wann???)

Zum anderen gönn ich mir noch ein wenig Budget, um mit anderen Formen bezahlter Werbung zu experimentieren. Wie das genau funktioniert, erzähl ich bei Gelegenheit. Aktuell überlege ich zu Radiowerbung und zur Präsenz auf lokalen Handwerksmärkten, beispielsweise im Weihnachtsgeschäft. Und nächstes Jahr mach ich vielleicht auch wieder mehr Messen etc. mit, wenn die Energie stimmt.

Nach-Lese

Mittwoch Abend hatten wir unsere Lesung im Quartiersmanagement. Fünf Autorinnen, fünf Geschichten, fünf Bilder. Wir hatten alles vorbereitet und Werbung auf allen Kanälen gemacht, die uns eingefallen sind.

Gekommen sind dann zwei Leute – der Mann (den ich als Fotografen verpflichtet hatte) und die Mitbewohnerin einer anderen Autorin.

Gelesen haben wir natürlich dennoch, für einander und als Übung für den Ernstfall. Wir hatten auch eine Menge Spaß – aber manchmal ist es schon frustrierend, so viele Gedanken und Vorbereitung in ein Event zu stecken, das dann derart auf die Nase fällt.

Möglicherweise waren die anderen lokalen Veranstaltungen an dem Abend (etwa die Theaternacht) als „Konkurrenzangebot“ zu stark. Möglicherweise war unsere Werbung zu schwach. Möglicherweise wollte niemand bei drohendem Gewitterdrohung noch einmal ausgehen. Möglicherweise waren die drei Leute, die es interessiert, schon in den Kurzurlaub gefahren.

Man steckt halt einfach nicht drin.

Ich wühl mich dann tiefer in die Werbepsychologie, schreibe noch schönere Geschichten und versuche es einfach immer wieder. Und ich denke mir: Wenigstens schreibe ich das, was ich selbst schreiben will. Wenn meine Geschichten schon nicht wahrgenommen werden, hatte wenigstens ich Freude daran.

An dieser Stelle ein umso herzlicherer Dank an die Lesenden, die immer wieder zu meinen Geschichten zurückkommen. Ihr seid die besten! <3

Buchblogger*innen gesucht!

Haha, mit dem Gender-Sternchen treffe ich direkt die erste Vorauswahl! (Diabolisches Gelächter.)

Zurück zum Ernst der Lage – ich bin ja von vielen Social-Media-Plattformen verschwunden, weil ich mich persönlich nicht mehr dem Hass und Wahnsinn dort aussetzen will. Das bedeutet allerdings auch, dass noch weniger Menschen als vorher von meinen Büchern erfahren. Und das ist, wir wissen es alle, schade.

Da kommst du ins Spiel. Betreibst du ein Buchblog – egal, ob klassisch als Blog, auf einer der SoMe-Plattformen, über die ich immer schimpfe, oder gar dort, wo alte Leute wie ich gar nicht zugelassen sind? Oder rezensierst du einfach nur gern? Und hast du Interesse an Fantasy, die immer etwas anders, oft spannend und manchmal sogar lustig ist? Dann melde dich bei mir!

Ich vergebe für jedes meiner Bücher eine unbegrenzte Zahl an Rezensions-Ebooks und immer auch wenigstens eine Handvoll von Taschenbüchern, je nach Verfügbarkeit. Deine Followerzahl spielt keine Rolle. (Auch wenn ich mich über Interesse von Gigantomegablogs natürlich freuen würde.) Schreib mir einfach eine Mail an geschichtenquelle[at]gmail[dot]com oder hinterlass hier einen Kommentar mit einer Möglichkeit, wie ich dich erreichen kann.

Genres, die für dich interessant sein könnten:

Außerdem habe ich von vielen Anthologien, in denen ich Kurzgeschichten veröffentlicht habe, noch Taschenbuch-Exemplare, die ich natürlich auch gern zum Rezensieren vergebe. Da profitieren wir alle von.

Warum ich 2024 Bücher gekauft habe

Vor einem unscharfen Hintergrund sitzt eine rotgetigerte Katze gähnend auf einem weichen Polster. Sie trägt ein hellblaues Hawaiihemd und sieht sehr zufrieden aus.
Ja, mehr Bücher, bitte! (Foto von Abiwin Krisna, auf Unsplash)

Wie angedroht – aus welchen Gründen habe ich 2024 denn jetzt Bücher gekauft, wenn es so viele peinliche Werbestrategien gab?

Der wichtigste Grund für mich ist immer: Jemand, dessen Buchgeschmack ich vertraue, schwärmt von einem Buch. Ob das jetzt eine bloggende Person ist oder ein befreundeter Mensch oder jemand, den ich nur ab und zu online oder offline über tolle Bücher reden höre – wenn das Begeisterungslevel stimmt, kaufe ich das Buch fast sicher (solange es grob zu meinen Lesegewohnheiten passt).

Alternativ funktioniert auch Werbung von schreibenden Personen, wenn man merkt, dass sie von ihrem Thema richtig begeistert sind. Also nicht „Kauf mein Buch!“, sondern: „Leute sterben! Es gibt Magie! Und winzige Zauberkröten, die Giftgas spucken! Ich will sofort in diese Welt ziehen und dort sterben!“ Ich will nicht nur den Klappentext sehen oder das Cover – das kann ich überall haben. Ich will wissen, warum diese Person dieses Buch geschrieben hat und was sie daran begeistert.

Richtig sympathisches, authentisches Auftreten kann auch dazu führen, dass ich das Buch der auftretenden Person kaufen will. Das funktioniert ebenfalls online und offline, also beispielsweise auf Messen. (Achtung: Es funktioniert NICHT, wenn Leute mit „Kauf mein Buch!“-Vibes auf mich zukommen, das ist mir eher unangenehm.) Aber wenn wir einander begegnen und uns gut unterhalten, steigen die Chancen, dass ich ein Buch mitnehme, auch wenn es nicht meinen üblichen Lesegeschmack trifft. Heck, einmal habe ich ein Buch, dass ich selbst gelesen hatte und nicht mochte, noch einmal gekauft, weil ich es für eine Freundin widmen lassen wollte, der es höchstwahrscheinlich gefällt.

Und ansonsten ist es viel Zufall – hab ich gerade Lust auf ein Buch? Spricht mich der Titel an? Piekst mich das Buchkauf-Stroh?

Also ja. Man kann bei mir als Leserin sehr viel konkret falsch machen und nur so diffus Dinge richtig. Was ist also die Moral von der Geschicht? Hab Spaß mit Werbung, ohne die Lesenden für dumm zu verkaufen. Sei du selbst, auch wenn es dich nervös macht. Deine Weirdos sind irgendwo da draußen. Und wenn du deine Weirdos gefunden hast, pflege sie!

Ein spezieller Recap: Cringe-Werbung im letzten Jahr

Gelber Hintergrund. Im Zentrum des Bildes sitzt ein sandfarbener zottiger Hund in einem blaugelben Pyjama-Oberteil, schaut nach links und streckt die Zunge raus, als wolle er sich über die Nase lecken.
Da sag ich nur bäh! (Foto von Karsten Winegeart, gefunden auf Unsplash)

Als Autor*in treibe ich mich viel in den sozialen Medien herum. Nicht nur, weil ich dort Zeit verbrennen kann, sondern auch aus professionellen Gründen. Nirgends sonst können so viele Leute gleichzeitig meine Bücher ignorieren. Ich schwör, ich hab das mit der Werbung nicht drauf.

Andere Leute aber auch nicht. Manche Posts sind lieblose Massenware, andere belanglos – und einige sind richtig, richtig cringe. Heute teile ich mit euch also einige der unpassendsten, unangenehmsten und möglicherweise einfach nur peinlichsten Werbestrategien, die ich im letzten Jahr gesehen habe. Das ist keinesfalls exklusiv, mein Gedächtnis ist nämlich eher so meh, aber WENN mir etwas im Gedächtnis bleibt, hat das gute Gründe.

Situation 1: Mir fällt ein Facebook-Profil in einer Lesegruppe auf. Egal, was für Spezifikationen die Leute angeben, wenn sie um Lese-Empfehlungen bitten – dieses Profil schreibt immer ein bestimmtes Buch einer bestimmten Autorin darunter. Sonst findet keinerlei soziale Interaktion statt. Jemand will Cowboy History? Hier, lies diese Mafia-Dark-Romance. Wer kennt sonnige Urlaubslektüre? Mafia-Dark-Romance. Ich brauche Fachliteratur zum Thema Hamster-Klonen – versuch’s doch mal mit Mafia-Dark-Romance! (Dass das Buchcover das Profilbild ist und der Name des Profils mit den gleichen Initialen beginnt wie der Name der Autorin – bestimmt alles nur Zufälle, nicht wahr?)

Situation 2: Das Threads-Profil eines Buchpodcasts fragt, was man denn gerne lese. Unter ungefähr jeder Antwort empfehlen sie einen bestimmten High-Fantasy-Roman … auch wenn High Fantasy gar nicht genannt wurde. Das Buch wurde unter Pseudonym veröffentlicht, aber das Pseudonym mitsamt Foto taucht auf einer Homepage auf, und sapperlot: Der Mensch auf dem Foto ist einer der Podcaster. Was für ein grandioser Zufall, nicht wahr?

Situation 3: Eine Person beschreibt in mehreren Posts bei threads ihre Lebenssituation mit hinterhältiger Schwester, fremdgehendem Mann, Jobschwierigkeiten etc. Viele Leute äußern Mitgefühl und bieten Hilfe an. Die Posts generieren RICHTIG viel Aufmerksamkeit. Die Person geht auf die Kommentare ein, antwortet, liefert weitere Informationen. Nach mehreren Tagen(!) löst sie dann auf: Das ist gar nicht ihr echtes Leben, sondern der Plot ihres aktuellen Romans, und wer jetzt so richtig interessiert sei, könne das Buch doch einfach kaufen.

Situation 4: Zwei Autor*innen, die ursprünglich befreundet waren, haben plötzlich Beef. So richtig fies. Mit öffentlichen Posts und Anschuldigungen, eine*r habe der*dem anderen Plot/Cover/… geklaut. Die Fans eilen zur Hilfe. Immer wieder werden in den Posts die Bücher erwähnt, mit Werbefotos und allem. Aufregerposts bringen immer viel Aufmerksamkeit, viele Leute kaufen eines der Bücher (oder beide), um sich überhaupt erst einmal ein Bild machen zu können. Dann ist der Streit plötzlich vergessen, beide vertragen sich öffentlichkeitswirksam und bedanken sich für die Unterstützung der Fans. Natürlich habe es KEINEN Buch-/Ideenklau gegeben. Man kenne einander natürlich schon lange und sei ja richtig fest befreundet, homie-style.

Situation 5: Das habe ich in verschiedenen Varianten gesehen. Die schreibende Person erzählt lang und breit von all den furchtbaren Dingen, die ihr widerfahren sind und werden. Die einzige Möglichkeit, schreckliches Schicksal abzuwenden, sind viele Buchverkäufe. Am besten jetzt sofort, heute, ganz schnell! Sonst stirbt ihr Einhorn! Und wenn ein Drama abgewendet ist („Danke an alle meinen treuen Fans und Lebensretter!“), kommt sofort das nächste. Das Einhorn hat Schnubbelschnupfen! Kauft mein Buch!

Ja, ich bin eine garstige alte Frau. Wenn ich etwas richtig würdelos-falsches sehe, will ich darüber reden. Zum einen, damit andere Leute solche hinterfröbeligen Taktiken ebenfalls schneller erkennen – und zum anderen für andere Schreibende. Tut das nicht. Egal, für wie sneaky ihr euren Marketing-Coup haltet: Leute merken das. Integrität und Glaubwürdigkeit sind wichtiger als dreitausend Klicks und fünf Buchverkäufe.

Demnächst folgt dann auch noch ein Beitrag mit Werbung, die für mich so richtig gut funktioniert hat. Ich bin ein Buchkaufopfer ohne Selbstdisziplin, es ist also gar nicht schwer, mich von einem neuen Buch (oder dreien) zu überzeugen.

Aber vorher bist du noch einmal dran: Hast du im letzten Jahr Buchwerbung gesehen, die so richtig daneben war?

Werbeversprechen

Eine Wolke goldglänzenden Glitters in warmem Licht.
Foto von Luke Besley, gefunden auf Unsplash

Du kennst doch diese Frauenmagazine?

Da kleben manchmal so kleine Pröbchen von allem möglichen drin. Außer von Käse (und ich prangere das an!)

Auf jeden Fall sammle ich die und verwende die ab und zu auch mal, damit nichts verschwendet wird.

Gestern hab ich wieder mal so ein Pröbchen aufgemacht, irgendein Vitaminserum-Creme-Gedöns für reife Haut. Und etwas später fiel mir auf, dass meine Hände glitzern.

Ich war natürlich erst einmal verwirrt. Hatte ich ein Einhorn gestreichelt oder mich illegal einem Basteltisch genähert? Nee, das musste die Creme sein.

Der Mann hat natürlich zuerst gespottet, ich würde mich in einen von diesen „Twilight“-Vampiren verwandeln.

Nachdem ich ihn NICHT getötet hatte, habe ich ihm erklärt, dass Cremes für reife Haut oft winzige reflektierende Partikel enthalten. Die sorgen dafür, dass weniger Schatten in den Falten liegen, also sehen die Falten flacher aus. Die gaukeln einem also vor, dass sie die Falten reduziert hätten, ohne dass sie wirklich etwas Sinnvolles für die Haut tun.

(Ob man jetzt unbedingt faltenfrei werden muss, ist eine ganz andere Frage.)

Daraus ergab sich eine längere Diskussion darüber, ob das irreführende Werbeversprechen wären, mit einem Abstecher in die Tiefen des furchtbaren Marketingsprechs. Da gibt es einige Dinge, die einen Nachts nicht schlafen lassen. Wie die Seitenbacher-Werbung. Werbung von Seitenbacher. Hmm, Seitenbacherwerbung! (Sorry!)

Auf jeden Fall kann ich dir versprechen, dass meine Bücher nichts gegen Falten tun. Aber sie verstärken die Lachfalten, und das ist doch das nächstbeste, was man erreichen kann.

(PS: Wer live lachen möchte, kommt am besten morgen Abend, also am 06.06.2024, um 19:00 h in die Ellesdorfer Straße 52 in Bonn, dort lese ich aus „Willkommen in Schattenfall“, bringe die Neuauflage des Buches mit und signiere auch sonst fast alles, was man mir unter die Nase hält.)

EXTRABLATT! EXTRABLATT!

Marketing ist kacke.

Da, ich hab es gesagt.

Ich mag nicht marketen. Ich mag auch nicht bemarketed werden. Und wer hat Schuld daran? Ausnahmsweise einmal NICHT unser IT-Fachmann im Büro … sondern all die Knallhunzen, die einem konstant erklären, wie Marketing so richtig toll erfolgreich sei, und woran man das misst.

Ein Beispiel: Diese Woche habe ich einen E-Mail von einer Firma bekommen, bei der ich ein Ticket für ein Event gebucht habe. Die Betreffzeile lautete: „Wichtige Information zu deinem Event!“ – und was stand drin? „Deine Freunde und Kollegen können über diesen Link günstig auch Tickets kaufen!“

Joah, meine Lieben, das sind explizit NICHT „wichtige Informationen zu [meinem] Event“.

Das ist Werbung, und zwar die lästigste und ärgerlichste Variante. Sie belügt mich, spielt sich als wichtig auf und stiehlt mir meine Zeit.

Diesmal war ich so genervt, dass ich dem Anbieter eine entsprechende Mail zurückgeschrieben habe. Tenor: Macht das nicht wieder. Bislang sind sie mir die Antwort darauf schuldig geblieben. Merkwürdig, dabei habe ich den gleichen Betreff verwendet!

Okay, aber jetzt sind die Leute, die diesen Newsletter geschrieben haben, ja nicht dumm. Sie versuchen, einen wichtigen Marketing-Meilenstein zu optimieren: Die Klickrate – wie viele Leute öffnen diesen Newsletter tatsächlich? Und bei dem Betreff, rate ich mal, geht die Klickrate durch die Decke.

Was nicht durch die Decke geht – die Kundenzufriedenheit. Auch ein wichtiger Punkt, aber schwieriger zu messen. (Bis die Maschinen unsere Gedanken lesen.)

Gerade im Bereich „Marketing“ gibt es etliche solcher Indikatoren und „Tricks of the trade“: Abkürzungen, wie man sein eigenes Marketing „hackt“ und damit viele Kunden gewinnt, langfristig an sich bindet und dadurch reich und berühmt wird. Beinahe so, als sei Marketing ein Selbstzweck und nicht etwas, was man verwendet, um sein eigenes Produkt zu verkaufen.

Auch als Autorin mache ich so etwas nicht gerne. Ich habe keine ausgefeilte Online-Persönlichkeit, pflege meine „Marke“ nicht mit ausgeklügelten SoMe-Strategien und poste meist querfeldein, wie es mir gerade einfällt. Und das ist KEINE GUTE STRATEGIE, weiß ich selbst. Mein Newsletter kommt in unregelmäßigen Abständen und oft gar nicht oder zu spät, weil ich im Rahmen von Vorbereitungen und Aktionen einfach vergesse, dass das Ding auch noch geschrieben werden könnte.

ABER.

Es ist mir tausendmal lieber, ihr redet von mir als „Die verstreute Suse mit den Katzen und den tollen Büchern, bei der man nie weiß, was sie gerade treibt“, als dass ich „Die Werbeschleuder, die auch Bücher macht“ werde. Wenn ich also keine tollen Klickraten und Interaktionszahlen habe, ist das okay. Hauptsache, wir haben hier alle unseren Spaß.

Und falls euch all das nicht abgeschreckt (fast hätte ich „abgeschleckt“ geschrieben!) hat, könnt ihr hier immer noch meinen Newsletter abonnieren. Vielleicht finde ich irgendwann eine Strategie, bei der alle Seiten gewinnen.

Man könnte meinen, ich sei ein Geheimtipp

So schlecht bin ich nämlich darin, euch zu sagen, wann es etwas Neues gibt. Wie etwa die Paradiesische Lesenacht am Freitag in der Therme in Euskirchen, bei der ich neben einigen anderen bekannten und wirklich guten Autor*innen lesen darf. Ich bringe „Willkommen in Schattenfall“ und „Andrea die Lüsterne und die lustigen Tentakel des Todes“ mit, es wird also direkt doppelt lustig.

(Vorbereitet habe ich noch nichts! Deadline-orientiertes Last-Minute-Arbeiten! Yippieh!)

Unter Erscheinungen versuche ich übrigens, einen ungefähren Überblick darüber zu geben, wann ich offiziell wo bin. Das sind nicht viele Termine, üblicherweise, aber vielleicht begegnet man einander dann ja.

Ach, Marketing ist schwer. Einerseits möchte ich, dass alle Welt meine Bücher liest, andererseits möchte ich am liebsten nie darüber sprechen, das macht mich nervös. Aber Gerüchten zufolge funktioniert das so nicht. Also: Ich übe Sprechen, und ihr könnt ja Lesen üben. Oder allen Leuten, die ihr kennt, von meinen Büchern erzählen. Dann muss ich das nicht tun. Ja? Nee? Kein Stress!

Bücherbummel!!!

HIER IST DER LINK.

Und das Wichtigste fasse ich dir hier noch einmal zusammen: Am Montag lese ich um 12:30 auf der Musikbühne auf der Brücke, Steinstraße. Muss noch herausfinden, wo die ist und wie ich da am besten hinkomme – zumal ich mir Donnerstag beim Laufen die Knie und den Stolz verletzt habe und im Moment ein wenig mehr jammere und humple als sonst.

Das soll uns natürlich von nichts abhalten. Falls du findest, du solltest mich unbedingt einmal lesen hören – ja, das kann ich! Wenn du also am Montag in Düsseldorf bist, lass dir das nicht entgehen! Anschließend stehe ich mitsamt Büchern für Signaturen, Fotos, spontane Weltumsturzpläne etc. zur Verfügung, und ein paar Bücher bringe ich auch mit. Gerüchten zufolge sind da noch ganz viele andere Buchmenschen, manche von ihnen sogar Profis!