Schreiben ohne Social Media – Zwischenbericht

Zunächst: Die Überschrift ist dramatisiert, denn ich bin ja noch auf einigen Social-Medial-Kanälen zu finden – etwa auf BlueSky, Mastodon und Tumblr. Die großen Plattformen, die man angeblich unbedingt fürs Marketing braucht (Facebook, Instagram, Threads, TikTok) hingegen vermisse ich immer noch nicht.

Jetzt haben mir, seit ich als Aussteigerin lebe, viele Marketing-Experten gesagt, der Abschied sei eine desaströse Entscheidung. Man könne heute leider einfach nicht mehr ohne diese Plattformen Dinge verkaufen, und auch für Verlage etc. seien Followerzahlen ja fast schon mindestens genauso wichtig wie die Manuskriptqualität. Und wenn sie mir schon raten, in die Hölle zurückzukehren, haben sie auch direkt die passenden Marketingpläne für mich parat. Für eine gewisse Gebühr, natürlich.

Ob das mit den Verlagen stimmt, weiß ich nicht. Das muss mir auch egal sein. Ich hab nur Geschichten zu verkaufen, keinen Personenkult. (Huldigt mir!)

Ersteres ist, wie ich allmählich feststelle, gar nicht mal so richtig. Nun hatte ich nie die aufregenden Verkaufszahlen, mit denen man reich und berühmt wird. Aber in den letzten Monaten sind sie auch nicht schlechter geworden – eher im Gegenteil. Ich habe im März/April mehr Bücher verkauft als in den sechs Monaten davor. Obwohl ich kein wirklich neues herausgebracht habe. (Lies den Hirschkönig! Er ist noch schöner als zuvor!) Ich muss mich nur daran erinnern, meine Bücher regelmäßig überall zu erwähnen. (Bücher!)

Außerdem experimentiere ich ein wenig mit bezahlter Werbung auf verschiedenen Kanälen. Ob das einen Effekt hat, kann ich nur indirekt beurteilen – die Platzierung eines eBook-Angebotes in einem themenspezifischen Newsletter hat keine zusätzlichen Verkäufe im Angebotszeitraum gebracht, das kann ich direkt sagen. Wahrscheinlich probiere ich es dennoch mit einem zweiten Buch, um zu schauen, ob es am konkreten Angebot lag oder ob die Newsletter-Reichweite sich für mich einfach nicht in Verkäufe umsetzen lässt. Bezahlte Anzeigen in einschlägigen Magazinen könnten zu Verkäufen geführt haben, aber das ist aufgrund der langsameren Verteilung für mich nur schwer einzuschätzen. Ich bin halt keine Expertin.

Was schließe ich daraus?

Zum einen geb ich den Brotjob nicht so schnell auf. Mit einem festen Gehalt in der Tasche kann ich genau das schreiben, was ich schreiben will – nur eben nicht so schnell, weil die Zeit begrenzt ist. (Bedingungsloses Grundeinkommen, wann???)

Zum anderen gönn ich mir noch ein wenig Budget, um mit anderen Formen bezahlter Werbung zu experimentieren. Wie das genau funktioniert, erzähl ich bei Gelegenheit. Aktuell überlege ich zu Radiowerbung und zur Präsenz auf lokalen Handwerksmärkten, beispielsweise im Weihnachtsgeschäft. Und nächstes Jahr mach ich vielleicht auch wieder mehr Messen etc. mit, wenn die Energie stimmt.

Was ich an Facebook vermisse

Ich bin ja jetzt bei Facebook weg (und bei Threads, Instagram, Tiktok). Und ich vermisse es eigentlich fast gar nicht. Bis auf zwei Dinge.

  1. Das Doomscrolling – wenn ich jetzt sinnlos und ohne Denken Zeit am Handy totschlagen will, muss ich zwangsläufig zu Pinterest, und das schlägt sich in Hunderten neuer Häkelprojekte nieder. Ihr werdet alle sehr darunter leiden. Aber ja.
  2. Etsy-Werbung. Irgendwie hat Facebook sich mit wenigen Clicks davon überzeugen lassen, dass ich auf den abgedrehtesten Schiet aller Zeiten stehe, und der Algorithmus hat das bei der eingeblendeten Werbung aufs Hinreißendste belohnt. Manchmal habe ich nur bis zur ersten Etsy-Werbung gescrollt, um mich da durch die Produkte zu klicken. Das sind einige Beispiele, und ich liebe sie alle.

Abgesehen davon – ich fühle mich nicht isoliert, denn mit allen wichtigen Menschen kann ich auch so Kontakt halten. Mir ist nicht langweilig, denn mir ist nie langweilig. Ich fühle mich auch nicht weniger informiert, schließlich gibt es Nachrichtenseiten … und BlueSky wird auch lebendiger, das ist schon wie Baby-Twitter.

Einige Leute sagen, man solle die Plattformen nicht vorschnell verlassen, sondern sich dort mit den Trollen auseinandersetzen. Dem stelle ich gegenüber: Das ist kein Marktplatz der Ideen. Das ist eine Cocktailparty, auf der die Gastgeber (Musk, Zuckerberg, …) angefangen haben, abgedrehte Verschwörungstheorien auszurufen und den Nazis rote Teppiche auszurollen, während sie allen Anständigen ins Glas spucken und dafür auch noch Geld verlangen. Das MUSS sich niemand antun. Geh einfach. Lass sie in ihrer eigenen Suhle stehen. Es gibt ein Leben nach Facebook.

Gut, und jetzt: Wo finde ich gute Buchblogs? ^^

Jetzt ist sie WEG! (Weg! Und ihr seid wieder allein, allein!)

Sorry für den Ohrwurm. ^^

Das war der langsamste Abflug in der Geschichte der Menschheit, aber mein Insta- und Facebook-Konto sind gelöscht. In der heutigen Zeit ist das eine verdammt leichtfertige Idee, wenn man, ich weiß ja nicht, etwa Bücher verkaufen will. Das meiste Marketing findet über SoMe statt, und dort treiben sich die Zielgruppen herum. Zum Glück bin ich in der privilegierten Position, dass ich mit meinen Büchern eh kein nennenswertes Geld verdiene, also kann ich mir eine grandiose moralische Geste leisten.

Wo man mich aktuell stattdessen findet? Auf Tumblr, BlueSky, Mastodon, und TikTok. Auf Tiktok bin ich richtig lustlos und peinlich, da sieht man am ehesten, dass ich keinen Plan habe. Aber wenigstens bin ich da. Und wenn FB und IG wegfallen, hab ich vielleicht öfter mal Zeit für ein ordentliches Video? Ich glaube nicht.

(TikTok ist auch nicht über jede Kritik erhaben – welche Plattform ist das schon? – aber ich muss irgendwo eine Grenze ziehen, und die ist bei FB und IG halt überschritten.)

Wer also will – komm und finde mich, Vernetzung ist toll. Und wenn du ein Blog oder eine Website hast, die dringend in meine Weiterlesen-Liste aufgenommen werden soll, sag mir Bescheid!

Demnächst dann wieder Katzenbilder und Buchcontent.

Gute alte Zeit (oder: Der Wilde Westen des Internet)

Teilaufnahme - man sieht den Hintern eines überwiegend weißen Wasservogels mit roten Füßen, der gerade von einer steinernen Oberfläche abhebt.
Foto von Ben Wicks, gefunden auf Unsplash.

Twitter hat es vorgemacht, und gewisse andere SoMe-Seiten (*HUST* Meta *HUST) stellen sich gerade vergleichbar ungeschickt an – manchmal ändert sich innerhalb kurzer Zeit die digitale Landschaft so sehr, dass man sich zweimal überlegt, ob man nicht weiterzieht. Wie der poor lonesome cowboy, der in den Sonnenuntergang reitet, anstatt sich weiter über das piefige rassistische Nazi-Zombie-Höllenloch zu ärgern, in das manche Leute ihre Plattform offenbar gern verwandeln möchten. Aus aktuellem Anlass habe ich also darüber nachgedacht, wie man früher(TM) im Internet Informationen gefunden, sich vernetzt und Freunde gefunden hat. Einige von euch Küken wissen da ja gar nix mehr von.

Mein liebster Spielplatz waren Foren. Heute gibt es beispielsweise Discord, das hat eine ähnliche Funktionsweise. Man meldet sich in einem Space an, der sich einem bestimmten Themengebiet widmet, und kann dort mit Leuten diskutieren und quatschen und Privatnachrichten austauchen und so. Das Problem mit Foren war, dass man sie erst einmal finden musste. Und dann gab es zu manchen Themen hunderte, aber viele waren klein oder tot oder voller merkwürdiger Gestalten. Man hat sich also sehr, sehr gut ausgesucht, wo man sich angemeldet hat.

Blogs und Websites – hab ich ja, siehst du hier, daran merkt man, wie alt ich bin. Der Vorteil ist, dass es für Außenstehende schwierig (nicht unmöglich) ist, dir deine eigene Website abzuschalten. Nachteil: Leute müssen deine Plattform erst einmal finden, und dann muss man sie dazu bringen, zu interagieren. Für den Vernetzungsaspekt gab es manchmal „Blogstöckchen“ oder ähnliche Events, bei denen viele Leute zum gleichen Thema gebloggt oder den gleichen Fragebogen ausgefüllt und weitergereicht haben. Quasi Kettenbriefe zum Anklicken, kann aber Spaß machen. Und wer Blogs folgen wollte, hat sie sich in Blog Readers organisiert (The Old Reader gibt es z. B. noch, den verwende ich auch viel zu selten.)

Chatrooms – hab ich nur am Rand verwendet, war mir zu flüchtig und zu oberflächlich. Andere Leute haben da bessere Erfahrungen mit gemacht. Gerüchten zufolge konnte man dort ganze Nächte verbrennen, will ich gar nicht verurteilen.

Dann gab es noch so Kontaktseiten, auf denen man Anzeigen posten konnte, wenn man Leute zu bestimmten Themen kennenlernen wollte. Hab ich nie verwendet, aber durchaus gelegentlich gesehen. Ob das funktioniert hat, weiß ich nicht.

Und ja, das ist der Vorteil von Social Media, deswegen war das so erfolgreich – anstatt sich alles mühsam zusammensuchen zu müssen, hatte man plötzlich alles in einem Feed und konnte gemütlich dran entlang scrollen. Das ist natürlich maximal praktisch – für private Anwender und für Künstler*innen und Betriebe, die ihr Zeug unter die Leute bringen wollen, wie ich mit meinen Büchern. Aber wir haben vor SoMe gelebt, wir werden nach SoMe leben. Bestimmt haben geniale Köpfe gerade jetzt ganz neue Ideen dazu, wie man sich online austauschen und vernetzen kann. Ist nicht mein Spezialgebiet.

Welche prähistorische digitale Vernetzungsmöglichkeit möchtest du zurückbringen? An welche hast du schöne oder weniger schöne Erinnerungen?

Mehr SoMe-Rant: THE DRAMA!!!

Ich bin ja nicht nur Autorin und viel zuviel online, sondern ich übersetze auch medizinische Fachtexte. Da bin ich vor Jahren mehr so aus Versehen hineingeraten, aber mit der Zeit habe ich mir eine Menge gefährliches Halbwissen angeeignet.

Hieraus ergibt sich einer von vielen, vielen Pet Peeves: Leute, die sich eine komplett bizarre medizinische Geschichte ausdenken, um bei ihren Followers wenigstens Mitleid (und im schlimmsten Fall Geld) einzusammeln.

Diese Woche erst hatte ich wieder so jemanden in meinem Feed. Der Account hatte schon eine laaaaaaaaange Krankengeschichte mit Fotos und Kram, sah also nicht unbedingt fake aus. Die Details passten nicht alle 100 % zusammen, aber das lässt sich schnell damit erklären, dass da letzten Endes eine Laienperson schreibt.

Jetzt schrieb allerdings jemand anders in diesem Account, stellte sich mit Namen vor und erklärte, mit der Accountbetreiberperson habe es eine schlimme Wendung genommen. Die Person liege im Koma und sei für hirntot erklärt worden. Man müsse abwarten, ob sie jemals wieder aufwache, nächste Woche wisse man vielleicht mehr.

Das klingt hochdramatisch – und ist kompletter Bullshit. Wenn man sich so umguckt, gewinnt man zwar gelegentlich den Eindruck, dass einige Leute ohne Hirn ein langes und glückliches Leben führen können. Im medizinischen Kontext gibt es von „hirntot“ jedoch kein Zurück. Und kein einziger seriöser Arzt wird der Familie erzählen, dass man jetzt erst einmal abwarten müsse.

Warum man das tut? Klar, häufig für Likes und Unterstützung. Ich denke schon, dass Leute, die so etwas machen, ein ernstzunehmendes Problem haben und mit einem Fachmenschen reden sollten. Aber spätestens, wenn – was in diesem Fall meines Wissens nach (noch?) nicht passiert ist – dann um Spenden für Rollstuhl, Beerdigung oder Medikamente gebeten wird, ist die Absicht klar und nicht mehr gutgläubig wegzuerklären.

Und das Perfide – viele Leute haben nicht das Halbwissen, solche Dinge zu recherchieren. Oder die Zeit. Oder die Energie. Oder die schlechtgelaunte Griesgrämigkeit, die einen auf so etwas Zeit verschwenden lässt. Man glaubt ja immer erst einmal an das Gute im Menschen, auch wenn man diesen Menschen nur über SoMe und flüchtig kennt. Es ist nicht besonders optimismusfördernd, allen immer direkt etwas Böses zu unterstellen. Aber ich bin schon ein großer Fan davon, Geschichten kritisch zu lesen, wenn sie stetig abwegiger werden.

Und mit diesem Rant begebe ich mich jetzt auf mein fußlahmes Einhorn. Demnächst geht es hier auch wieder ums Schreiben und um Dinge, die mich tatsächlich etwas angehen. Für den Moment musst du damit leben, dass ich grummelig bin.

Merkwürdiger Besuch

Stell dir vor, es klingelt an deiner Wohnungstür. Du bist zu Gesellschaft aufgelegt und öffnest. Im Treppenhaus stehen Onkel Herbert und Tante Melanie (es sei denn, du hast einen supernetten Onkel Herbert, dann steht draußen dein imaginärer Onkel Marcel-Fridolin-Bisamratte mit Tante Clementine-Amalia-Windschutzscheibe). Und die haben etwas mitgebracht!

„Hier, schau mal auf diesen Flyer!“

Äh, danke, aber du brauchst kein Kaminholz. Du hast nicht einmal einen Kamin.

„Aber der Flyer!“

Schön?

„Nimm einen! Oder besser noch: Nimm fünf und verteil sie an deine Freunde!“

Noch einmal: Du hast keinen Kamin. Deine Freunde haben auch keinen Kamin. Ob Onkel und Tante jemals eine Wohnung von innen gesehen haben, die nach 1950 gebaut wurde?

„Dann komm eben her!“ Dein Onkel wirft sich dir an den Hals, hält den Flyer hoch und zückt das Telefon für ein Selfie. „Wenn wir dem Holzverkäufer beweisen, dass wir seinen Flyer herumreichen, kriegen wir Rabatt! Sicher, dass du keine Freunde mit Kamin hast?“

Ganz sicher. Du denkst an dein warmes Sofa und unterdrückst einen Seufzer.

„Wenn du auch Flyer verteilst, die du von uns bekommen hast, kriegen wir mehr Rabatt – und wir gewinnen vielleicht eine Kaminholz-Skulptur! Aber immer schön dran denken, ein Beweisfoto zu machen!“

Oh, wie schade! Dir fällt gerade ein, dass du ganz dringend im Keller Kartoffeln zählen musst, die laufen morgen alle ab.

„Du hast einen Kartoffelkeller?“

Also, das ist doch mindestens so wahrscheinlich wie ein eigener Kamin. Nach drei weiteren Selfies zur Sicherheit schiebst du Onkel Schnapüdelo-Kaminski und Tanke Sachertorte-Kanarienvogel ins Treppenhaus, schlägst die Tür zu und schnaufst tief durch. Auf diese Art von Gesellschaft kannst du gut verzichten. Und aus dem Wohnzimmer winkt auch schon dein Sofa. Sofa ist lieb.

(Falls dich diese Geschichte auch nur im Entferntesten an so manches absurde Social-Media-Gewinnspiel erinnert, bist du ein kluger Kopf. KOMMENTIER HIER! TEIL DAS! FOTOGRAFIERE DICH NACKT MIT EINEM AUSDRUCK DIESES POSTS! Leute, es geht mir auf den Sack. Das ist nicht mehr „social“, das ist ein Schneeballsystem.)

Marke Eigenproduktion

Mein Tiktok-Feed – ein Meisterwerk des enthusiastischen Dilettantismus‘

Dieses Wochenende bin ich mit kaputtem Fuß außer Gefecht gesetzt. Was mache ich also? Rumliegen und Tiktok-Videos generieren.

Meine Videos sind immer ein Paradebeispiel für Authentizität. Beispielsweise schiebt in dem Video, das ich heute veröffentlicht habe, der Kater seinen Hintern durchs Bild. Es ist ein sehr flauschiger Hintern.

Natürlich könnte ich da professioneller rangehen. Den Kater rausschneiden. Mehrere Takes aufnehmen und zusammenschneiden. Vorbereiten, skripten, üben.

Aber weißt du was?

Das ist Tiktok. Social Media – Betonung auf „Social“. Nicht Klein-Hollywood. Und ich habe wirklich keine Lust, permanent online zu performen.

Ich meine, man sieht das immer öfter – und ich rede nicht von lustigen Tanzroutinen oder Memes. Leute fahren nicht irgendwohin, um etwas zu erleben, und posten dann Fotos und Videos – neien, sie fahren irgendwohin, wo es „instagrammable“ ist, um dort Fotos und Videos zu machen, ANSTATT etwas zu erleben. Das ist nicht meins.

Ich habe auf meinem Handy ungefähr eine Million Fotos vom selben Waldspaziergang, weil ich den Wald hinter unserem Haus wirklich liebe. Wanderungen suche ich nicht nach SoMe-Attraktionen aus, sondern nach Länge und Erlebnisfaktor. Und ja, meine Fotos und Videos online kommen mit einem Minimum an Editing und Filtern aus. Wenn ich damit nicht berühmt werde, ist mir das recht.

Und ehe jemand schimpft – Leute, die sich gern für 90-Sekunden-Clips stundenlang zurechtmachen, um dann genau so lange zu filmen und zu editieren, sollen das um Himmels Willen bitte tun. Wir brauchen alle alberne Hobbys. (Ich schreib Bücher, hatte ich das erwähnt?) Aber das sollte nicht die Grunderwartung für jeden einzelnen verdammten Post da draußen sein.

Mich persönlich interessiert hyperproduzierter Content beispielsweise nicht. Ich sitze dann da und gucke zu und denke mir: Leb, verdammt nochmal! Erleb was und erzähl davon, anstatt nur zu überlegen, was der nächste virale Content sein könnte!

Ach, vielleicht ist das alles nur das Gemecker einer alten Ziege. Vielleicht sind wir längst alle schon auf unseren Entertainment-Wert abgeklopft und kategorisiert, und vielleicht meckere ich nur, weil Katzenpöter keine Buchverkäufe generieren.

Andererseits schreibe ich ja auch hier nicht das, was die meisten Klicks bringt. Die Chancen stehen also gut, dass ich tatsächlich so genervt und motzig bin.

Was ist dein unbeliebter Social-Media-Take?

Ich bin zwar auf allen Hochzeiten, aber ich tanze nicht!

Meine Freund*innen können das bestätigen. ^^

Manche Leute finden es bewundernswert, wie ich alle möglichen SoMe-Profile bespiele – ob ich einen Plan hätte? (Pause für Gelächter.)

Nein, ich habe keinen Plan. Aber ich habe so etwas wie Gewohnheiten, und wer möglichst viel von mir mitkriegen will, tut gut daran, auf die verschiedenen Plattformen zu gucken.

Das Wichtigste vorab: Bei TwitterX bin ich schon lange nicht mehr, denn ich bin ein anständiger Mensch. Oder ich versuche es wenigstens.

Bei Facebook teile ich Bücher, Informationen, kurze Anekdoten etc.

Bei Instagram gibt es Bilder von allem – unter anderem von Katzen, Häkelzeug, Wanderungen, Essen und Büchern.

Threads und Bluesky teilen sich die Nische, in der vorher Twitter saß. Threads ist lebhafter, Bluesky freundlicher (oder ist das nur bei mir so?). Dort schreibe ich kurze Dinge, die mir einfallen, selten über Schreiben und Bücher, mehr über Alltag und Politik und Kram.

Hier bin ich immer dann, wenn ich einen längeren Gedanken habe. (Es ist total lächerlich, hier den Link zu meiner Homepage einzufügen, aber Ordnung muss sein. Da streite ich nicht mit meinem Gehirn.)

Und es gibt noch Patreon, wo man mir über die Schulter gucken kann, während ich an meinen Geschichten arbeite. Quasi „Blog Supreme“, mit gelegentlichen Kurzgeschichten und Hörschnipseln und so.

Wer das alles im Auge hat, hat einen semirealistischen Eindruck davon, wie ich als Person bin. Nur die großen Schimpfwörter, die gibt es höchstens live und in Person.

Social Spam

Eine Wand aus "Spam"-Dosen. (Spam ist Frühstücksfleich in so eckigen Konserven.)
Foto von Hannes Johnson, gefunden auf Unsplash

Wie kann es eigentlich sein, dass einem auf den „sozialen“ Medien soooooo unglaublich viel Spam begegnet? Und nein, ich meine damit nicht die ungelenken „Kauft meine Bücher!“-Posts, von denen ich selbst so gerne welche absetze. Vor allem auf Instagram kriege ich andauernd Nachrichten von Accounts die „sehr beeindruckt“ von meinem „tollen Account“ (mit sagenhaften 500 Followers) sind und unbedingt mit mir kooperieren wollen. Uns allen ist klar: Die wollen an mein Geld. Und das ist schade, denn davon hab ich gar nicht soviel. Fragt das Finanzamt! ^^

Auf jeden Fall habe ich den Eindruck, dass es besonders auf Instagram, aber verstärkt auch bei Twitter und bestimmt spätestens bald bei Facebook immer mehr Accounts gibt, deren Ziel es einzig und allein ist, anderen User*innen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Dafür, dass sie ihren drölfzig Millionen „total echten“ Followers deine Katze oder dein Buch zeigen.

Joah, nee.

Ich meine, sogar wenn man naiv und von der Anfrage zuerst begeistert ist, schaut man sich doch die Followers des entsprechenden Accounts an und merkt schnell, dass das fast ausschließlich Bots und „Ich folge allen, weil ich selbst Gefolgschaft generieren will“-User sind.

Und ich habe den Eindruck, dass die Betreiber der SoMe-Plattformen gar nichts dagegen tun. Warum auch? Es schadet ihnen nicht, es kostet sie kein Geld – und spätestens bei Instagram bin ich sicher, dass den Betreibern der „soziale“ Teil von „Social Media“ total egal ist.

Gnah! Es geht mir auf den Keks. Aber was sind die Alternativen? Ich tausche mich gern mit Leuten aus. Bleibt also nur, die entsprechenden Accounts stumpf jedes Mal als Spam zu melden – vielleicht merken sie es irgendwann.

Welche Strategien habe ich übersehen?

Fehlerfreikultur? Nicht mit mir!

Das Wochenende war lang, anstrengend und emotional herausfordernd. Wir hatten gleich mehrere mittelprächtige Familienkatastrophen. Entspannend war das nicht, wenn ich ehrlich bin. Als dann am Dienstag morgen im Büro eine Kollegin aus einer anderen Abteilung sich dienstlich in unsere Vorgänge eingemischt hat, hab ich sie angeranzt, und mal so richtig nicht-schön.

Kurze Zeit später bin ich bei ihr vorbeigegangen, um mich zu entschuldigen.

Warum erzähl ich euch das? Damit ihr mir auf die Schulter klopft und mir versichert, wir seien alle nur menschlich?

Nicht unbedingt. (Ihr dürft klopfen, wenn ihr wollt.)

Nee, ich will auf etwas anderes hinaus: Normalerweise habe ich sehr, sehr hohe Ansprüche an ethisch korrektes Verhalten und setze das auch bei anderen voraus. Mir ist diffus bewusst, wie man sich generell Mitmenschen und Kolleg*innen im Besonderen gegenüber verhalten sollte.

Trotzdem gibt es Situationen, in denen ich meinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht werde. Und ich habe auch andere schlechte Eigenschaften und Charakterfehler. Beispielsweise kann ich wunderbar gehässig sein, habe wenig Geduld und ziehe vor, dass mein Umfeld ohne große Diskussion einfach das tut, was ich bestimme. Manchmal muss ich über rassistische, sexistische oder ableistische Witze lachen, obwohl mir natürlich klar ist, dass sie thematisch problematisch sind.

Mit anderen Worten: Entgegen allem, was ihr bis jetzt dachtet, und zur allgemeinen Verwunderung bin ich nicht unfehlbar.

Das gilt wahrscheinlich für die meisten Menschen.

Und deswegen ärgert es mich sehr, wenn – gerade (aber nicht nur) in den „sozialen“ Medien – Diskussionen mit einem Totalitätsanspruch und einem ethischen Absolutismus geführt werden, der keinen Raum für Fehler und Lernen lässt.

Jemand versteht nicht, was es mit trans Personen auf sich hat? Beschimpft ihn*sie!

Jemand stellt Fragen zum Thema Ableismus? Was für eine schlechte Person!

Eine blonde Person trägt Dreadlocks? Schimpf und Schande über ihre Kuh!

Und schaut mal dort, jemand hat nicht korrekt gegendert oder die Bildbeschreibung an einem Tweet vergessen!

Es mag in der Natur des Menschen liegen, aus aufrechter Empörung heraus Mobs zu bilden und „die gute Sache“ zu verteidigen. Für einige ist diese gute Sache der Katholizismus. Für andere vegane Ernährung oder die autofreie Innenstadt. Ich will da auch gar nicht werten. Aber diese aktuelle „Diskussions“-Kultur führt dazu, dass kaum jemand Fehler eingestehen mag – und folglich auch niemand aus diesen Fehlern lernen kann. In manchen Kreisen gelten so hohe Ansprüche, dass nicht einmal das Liebeskind von Jesus und dem Dalai Lama ihnen gerecht werden könnte, wenn es bei Wonderwoman in die Schule gegangen wäre.

Und mal im Ernst: Das ist doch Blödsinn.

Ich bin nicht perfekt (siehe oben).

Ihr seid nicht perfekt – nehme ich an.

Wir alle wollen und brauchen Chancen, uns zu irren und Quatsch zu reden. Wir müssen uns gelegentlich irren dürfen, kontroverse Positionen einnehmen und auch mal zurückblicken und feststellen, dass wir früher Unsinn gedacht haben.

Stattdessen wird gestritten, angeschuldigt, nach Dreck gewühlt und laut geschrien.

Im Ernst? Ich bin zu alt, für so etwas habe ich keine Zeit.

Und Disclaimer, weil ich vermute, dass irgendwer auch das hier falsch verstehen wird: Anderen Leuten die Menschenwürde oder gar die Existenz abzusprechen gehört nicht unter den Mantel der Meinungsfreiheit.