Schreib-Beef: Wie professionell muss ein Buch sein?

Seit ein paar Tagen tobt auf Twitter, meiner liebsten kurzweiligen SoMe-Plattform, eine schwierige Diskussion. Viele Leute fühlen sich angegangen, diskriminiert, beleidigt und/oder missverstanden. Und ich kann, ehrlich gesagt, beide Seiten ein wenig verstehen. Deswegen setze ich mich hier mal länglich zwischen alle Stühle und verscherze es mir potenziell mit allen.

Wenn ich den Überblick richtig im Kopf habe, fing es an mit einer Autorin, die ein SP-Buch (also eines, das ohne Verlag veröffentlich wurde), kritisierte. Sie nannte weder Autor*in noch Titel, aber unterlegte ihre Kritik mit Zitaten und Beispielen. Unter anderem ging es um ein unvollständiges Impressum, einen merkwürdigen Disclaimer, der im Widerspruch zum Buchinhalt stand, und grammatische Probleme. (Wer das nachlesen möchte, kann das aktuell hier tun. Ich fasse aber auch noch kurz zusammen.)

Dieser Kritik, soweit ich sie gelesen habe, stimme ich erst einmal zu. Die kritisierende Autorin hat gute Argumente. Sie brachte auch Vorschläge, wie man solche Dinge im eigenen Buch vermeiden könne – etwa durch ein professionelles Lektorat und Korrektorat sowie Recherche zu Gestaltung und juristischen Dingen.

Andere Leute fühlten sich diskriminiert – weil nicht jeder das Geld für professionelle Dienstleistungen hat; weil manche Eigenschaften (im weitesten Sinne) wie Lernschwächen oder Neurodivergenzen es schwierig machen, den üblichen Wegen zu folgen; weil es beim Schreiben mehr um Kunst gehen solle und weniger um Regeln. Auch diese Kritikpunkte kann ich gut verstehen.

Was ich weniger verstehen kann, sind die persönlichen Beleidigungen, die da schnell flogen (oder die einige Leute sich selbst aufluden, weil sie einen persönlichen Angriff lasen, wo es wahrscheinlich – was weiß ich denn, was in den Köpfen anderer Leute vorgeht??? – keinen gab).

Mal schauen, wie wir das alles dekonstruieren können.

  1. Korrekte Sprache, inkl. Grammatik: Es gibt sprachliche Regeln. Die sind wichtig, weil Sprache letztendlich ein Zeichensystem ist, auf dass Menschen sich geeinigt haben, um zu kommunizieren. Viele Aussagen kann man auch noch verstehne, wenn es geringe Abwaichugnen gibt. Allerdings werden Texte schwieriger zu verstehen, wenn die Fehlerquote steigt, und je anstrengender es ist, etwas zu lesen, desto weniger Vergnügen und Entspannung bietet der Text. Da das Lesen von Geschichten idealerweise ein schönes Hobby ist, sollten solche unnötigen Anstrengungen meiner Meinung nach weitestgehend vermieden werden. Mir ist klar, dass ein fehlerfreies Buch ungefähr so oft vorkommt wie ein Einhorn, das im Lotto gewonnen hat. Als schreibende Person sollte man sich trotzdem die größtmögliche Mühe geben, die sprachlichen Regeln zu lernen, um sich möglichst präzise ausdrücken zu können. Da sind auch Lernschwächen etc. keine gute Ausrede – ich bin selbst von Dyslexie betroffen (weswegen ich sprachlich falsche Texte nur mit größter Mühe lesen kann!), was ihr allerdings in meinen eigenen Texten nicht merkt. Dazu gehört harte Arbeit. Dinge wie Kommasetzung oder die korrekte Verwendung von Zeiten kann man lernen und üben. Je besser man in diesen grundlegenden Fähigkeiten ist, desto eher kann man sich beispielsweise ein Korrektorat sparen. Damit kommen wir zu …
  2. Lektorat und Korrektorat: Wenn ihr nicht genau wisst, was das ist – bei einem Lektorat klopft eine bösartige sehr genau lesende Person einen Text auf strukturelle und inhaltliche Schwächen ab. Gibt es Logikfehler? Verschwindet ein Bleistift von einer Szene zur nächsten? Wiederholen bestimmte Momente sich oft? Etc. pp. Beim Korrektorat wird später der endgültige Text auf sprachliche Fehler und Schwächen abgeklopft. Das sind Dienstleistungen, die für Selfpublisher*innen zu verschiedenen Preisen von mehr oder weniger professionell vorgehenden Personen angeboten werden. Sogar bei günstigen Preisen steht auf der Endrechnung bei einem Roman schnell ein vierstelliger Betrag. Den hat nicht jede*r von uns eben zuhause rumliegen und übrig – vor allem dann nicht, wenn das entsprechende Buch diesen Betrag höchstwahrscheinlich kurzfristig nicht einspielen wird.
  3. Professionalität in der Kunst: Das ist ein anderes Ding. Dieses Sprichwort, dass Kunst angeblich von „können“ stammt, hasse ich heiß und innig. Ist so eine Grundsatzfrage, denn diese Denkweise impliziert, dass nur die Leute Kunst betreiben dürften, die überdurchschnittlich gut in dieser Kunst seien, dass es eine absolute „Güteskala“ für Kunst gebe und dass Kusnt auch immer unter kapitalistischen Gesichtspunkten betrieben werden solle – Lohnt sich das überhaupt? Wir alle kennen die Geschichten von malenden Elefanten, die sich garantiert nicht darum scheren, ob jemand ihre Bilder gut findet – die malen einfach und amüsieren sich dabei wie Bolle. Ist das dann Kunst oder nicht? Wann malt jemand nur ein Bild resp. wann wird jemand beim Malen zum Künstler? Da hängt irgendwo ganz tief verschwurbelt so ein Genie- und Elitebegriff drin, der macht mir unbehaglich.

Gut, aber wie lösen wir diese Dinge denn jetzt?

Erst einmal ein Geständnis: Wenn ich selbst veröffentliche, nehme ich als einzige professionelle bezahlte Dienstleistung die Covergestaltung in Anspruch. Nicht, weil ich in allem anderen so genial wäre, sondern weil ich einfach keinen Dukatenscheißer daheim habe und mein Schreiben sich selbst finanzieren (und idealerweise sogar lohnen) soll. Optische Gestaltung von Dingen fällt mir generell schwer, deswegen war das die erste Baustelle, die ich frohen Herzens Fachmenschen überlassen habe. Lektorat und Korrektorat haben meine Texte nur, wenn ein Verlag dahintersteckt, der genau das leistet. Könnten sie mit den entsprechenden Hilfestellungen besser sein? Eventuell. Möglicherweise. Ach, was sag ich – wahrscheinlich. Sind sie auch ohne lesbar? Das muss jemand anders entscheiden (aber die Rückmeldungen sind überwiegend positiv und eventuelle Kritik meist berechtigt). Meine nächste Baustelle, auf der ich dazulernen will, ist der Buchsatz, aber dieser Plan hat gerade nicht die höchste Priorität. Kommt schon noch.

Und wie schaffe ich das also?

Alles, was auf Sprachebene läuft, habe ich mir beigebracht, und gelegentlich lerne ich sogar heute noch etwas Neues. Ich habe ein paar Tricks, um gängige Expressionen der Dyslexie abzufangen, und muss an der Stelle eben härter arbeiten als manch andere Person. Mit der Zeit wird es einfacher. (Das ist meine persönliche Erfahrung, andere Menschen mögen das anders empfinden.) Natürlich könnte ein Korrektorat wohl noch Dinge finden, aber ich gebe mir härteste Mühe, einen einigermaßen sauberen Text zu produzieren.

Wenn die Deadline mich jagt, mache ich mein eigenes Lektorat. Geht nicht, sagen einige. Geht doch, sage ich – wenn man ein wenig vergesslich ist und sehr gründlich (und selbstkritisch!) arbeitet. Am liebsten verwende ich Ausdrucke und Listen, um mich zu organisieren. Falls mehr Zeit ist, wende ich mich gerne an meine Testleser, die allerdings auf freiwilliger Basis arbeiten (ich bezahle sie in Dankbarkeit und Kinkerlitzchen) und natürlich auch kein professionelles Lektorat ersetzen sollen. Ab und zu tausche ich Hilfestellungen mit anderen Autor*innen oder hole mir Rat.

Und endlich zur Professionalität – das Internet ist voll guter und gutgemeinter Ratschläge. So lästige Dinge wie die Impressumspflicht, Finanzamtquerelen und Do/Don’t-Listen für öffentliche (SoMe-)Auftritte als Autor*in sind von viel klügeren Leuten als mir zuhauf besprochen und analysiert. Natürlich muss man alles ein wenig vorsortieren und kritisch lesen, einige Dinge ausprobieren und wieder verwerfen. Glücklicherweise wird es dank dieser Fülle an leicht zugänglichen Informationen immer einfacher, auch als Laie mit begrenzter Zeit und Geduld ein halbwegs professionell aussehendes Buch zu präsentieren. Und falls mir später auffällt, ich hätte etwas besser machen sollen – gut, dann mache ich es beim nächsten Buch besser. (Ich halte mich selten damit auf, bereits veröffentlichte Bücher noch einmal – und noch einmal und noch einmal – zu überarbeiten. Wasser auf dem Weg zur Küste und so.)

Meiner Meinung nach ist es letztendlich egal, wie ihr euer bestmögliches Buch erreicht. Wichtig ist nur, dass ihr euch klarmacht, welche Möglichkeiten es gibt, welche Schritte unternommen werden sollten – und die dann in irgendeiner Weise umsetzt, anstatt eure Idee von eurer eigenen künstlerischen Genialität als Schutzschild gegen Lernprozesse und Kritik einzusetzen. Was ihr nicht als Service einkaufen könnt/wollt, müsst ihr eben selbst leisten, so gut es geht. Und wenn ihr etwas nicht könnt, müsst ihr rausfinden, wie es geht. Die Leute, die euer Buch am Ende kaufen, interessieren sich nämlich im ersten Moment einen lauwarmen Pups für die Hürden auf eurem Weg zum Buch. Die gucken sich nur das Buch selbst an und entscheiden dann, ob sie ihm (und damit euch) eine Chance geben oder nicht.

(Es ist übrigens auch völlig in Ordnung, nur zum Vergnügen zu schreiben und zu veröffentlichen, ohne sich stunden- und jahrelang selbst zu kasteien. Das oben gesagte gilt in erster Linie für Leute, die an sich selbst den Anspruch haben, auf einer professionellen Ebene Bücher zu präsentieren.)

Blick über die Schulter, Tag 5

Einen Tag 4 gab es nicht, weil Sonntage in die Soundbox gehören und ich nach drei Stunden Tonaufnahme und Schneiden zu müde war, um noch etwas anderes zu machen. Ab und zu muss auch mal Pause sein.

Heute Mittag habe ich meine begnadete Coverfee mit den Details (ISBN-Barcode, Klappentext, mögliche Elemente für das Cover) beworfen und bin jetzt gespannt, was sie draus macht. Jetzt beginnt der „Routinepart“: Das Schreiben. Ich bin nicht sicher, wie ich euch das zeigen kann – höchstens die tägliche Wortzahl und ggf. der letzte Satz wären für euch interessant, und falls ich zwischendurch etwas „drumrum“ mache.

Zu Beginn der Schreibsession werfe ich einen Blick auf das, was ich zuletzt geschrieben habe, und überarbeite auch schon ein wenig. Das hilft mir, in die Stimmung zu kommen, und macht die Überarbeitungsphase etwas einfacher. Die kommt in etwa zwei Wochen, wenn der erste Entwurf geschrieben ist, und findet in der Tat auf dem Papier statt. Am Bildschirm lese ich einfach nicht so gründlich, sorry. ^^

Der Mann hat mir übrigens einige Fotos von vergangenen Volksfesten geschickt, zur Inspiration, und ich frage im Freundeskreis nach Erlebnissen auf Jahrmärkten, die ich in der Atmosphäre verbasteln kann. Falls ihr euch einen Platz in der Danksagung verdienen möchtet, hinterlasst eure Anekdote (egal, ob lustig/romantisch/unheimlich/empörend/…) in den Kommentaren!

Start: 396 Wörter

Ende: 2878 Wörter

Blick über die Schulter, Tag 2 – Plotten unter Zeitdruck

(Hier ist jetzt der komplette Beitrag, mit allen Informationen und Bildern.)

Ohne Plot ist alles nichts, und für mich besonders. Und wenn ich beim Plotten Abkürzungen nehme, beißt mich das anschließend immer in den Arsch. Was also, wenn ich nur wirklich, wirklich wenig Zeit zum Plotten habe? Was mache ich damit?

Zuerst schreibe ich alles auf, was ich über die Geschichte bereits weiß – die Charaktere, die grobe Handlung, die Hintergründe. Vor allem das „Warum???“ ist wichtig, denn „böse“ Charaktere, die etwas nur tun, um böse zu sein, sind mir zu einfach. Deswegen lohnt es sich für mich, zuerst einen Blick darauf zu werfen, was der*die Antagonist*innen tun (wollen), und wieso. Dazu gehören auch die Schwachstellen ihres Plans und ihre wunden Punkte. (Bei einer Mumie ist das einfacher als bei einem Wirtschaftsboss, das mal am Rand.)

Dann überlege ich mir, wie mein*e Protagonist*innen merken, dass etwas nicht stimmt – und was sie dagegen tun können/wollen. An der Stelle kommt ihre charakterliche Motivation ins Spiel, hier muss ich sie also schon kennen.

Von da aus kann ich chronologisch planen, was passiert – was sie tun, was fehlschlägt, wem sie begegnen. Gleichzeitig behalte ich natürlich im Hinterkopf, was die Antagonist*innen tun: Merken sie, was die Protas tun? Unternehmen sie Gegenmaßnahmen? Ändern sich hierdurch ihre Pläne?

Das ist der Punkt, an dem ich mit Ideen spiele, Szenen und Möglichkeiten auf Karteikarten schreibe, wenn ich nicht weiterkomme, und alles so lange verwerfe und hin- und herschiebe, bis der Ablauf mir gefällt und Sinn ergibt. Jetzt sollte ich auch in etwa wissen, wie viele Kapitel ich habe und wie lang die folglich ungefähr sein müssen, um das Wortziel zu erreichen.

Wenn also mein Plan so aussieht:

CHAR1 ENTDECKT BÖSEN PLOT.

CHAR1 KONFRONTIERT ANTA1.

ANTA1 ÜBERLEGT ES SICH ANDERS, ENTSCHULDIGT SICH.

ALLE RÄUMEN GEMEINSAM AUF UND SINGEN DABEI EIN LUSTIGES LIED.

… dann habe ich noch keinen besonders guten Plot.

Bei „In der Höhle des Bösterhasen“ habe ich übrigens erst, als ich meinen Plot fertiggeschrieben hatte, gemerkt, dass da noch ein richtiges Ende fehlte. Die Lösung war nämlich noch gar keine richtige Lösung, ich konnte die Charaktere noch tiefer in Schwierigkeiten bringen, und außerdem fehlten mir etwa 4.000 Wörter. Das sind alles gute Indizien, beim Planen war mir das aber gar nicht aufgefallen. Mit anderen Worten: Dieser Turboplot, den ich als erstes schreibe, ist definitiv noch nicht fertig, aber er zeigt mir ungefähr, wohin ich muss.

Vielleicht zeige ich ganz am Ende, einen Monat nach der Veröffentlichung oder so, mal die verschiedenen Materialien in ihren unterschiedlichen Stadien, damit ihr sehen könnt, wie sich das konkret entwickelt hat. Aber das enthält dann natürlich Spoiler.

Und wie sieht so eine Plotting-Session aus?

Auf einem Gitter-Balkontisch steht links eine Bienentränke (Wasser und Murmeln in einem Untersetzer), daneben ein Stapel Karteikarten mit einem gelben Kugelschreiber, kalter Früchtetee in einem Glas mit Deckel und Strohhalm, daneben eine Schale mit Ostersüßigkeiten. Im Hintergrund ein Balkonkasten mit Erde.
Wenigstens an einem freien Tag plotte ich so. Plotting De Luxe sozusagen.

Alle Szenen und wichtigen Ideen kommen auf Karteikarten. So habe ich immer die Möglichkeiten, neue Karten dazwischen zu stecken, um Lücken zu füllen – und das so lange, bis ich das Gefühl habe, die Geschichte ist rund. (Dabei kann ich mich irren, siehe oben.)

Später werde ich mir alles am Computer an einer Stelle organisieren, auf die ich überall zugreifen kann – das klingt so hochtrabend, meistens lege ich mir alles in einen E-Mail-Entwurf – und dann fange ich an zu schreiben. In diesen E-Mail-Entwurf kommen auch die Charakterskizzen (die für einen Heftroman jetzt nicht sooo ausgefeilt sein müssen) und Hintergrundinformationen und Layout-Skizzen als Foto-Upload. Das ist nützlich, weil ich so mal von zuhause und mal in einer stillen Minute auf der Arbeit schreiben kann und immer alles auf dem neuesten Stand habe.

Übrigens nutze ich für das Schreiben aktuell nicht Scrivener oder ein anderes aufregendes Tool, sondern schreibe schlicht in Word, wie so ein wildes Tier.

Einige beschriftete Karteikarten, aufgefächert, von einem Kindle verdeckt, darauf der gelbe Kugelschreiber von vorhin. Im Hintergrund Chaos, denn die Karten liegen auf einem Glastisch.
Die Ausbeute

Zu dem Zeitpunkt, zu dem ich hier alles aufrolle, bin ich übrigens nicht so weit gekommen, wie ich wollte, denn ich fahre gleich mit einer Freundin und deren Katze notfallmäßig zum Tierarzt. Ihr wisst, wie das ist … das Leben kommt immer dazwischen. Aber ich kann später fertigplotten, und natürlich kommen die Karten mit ins Auto, denn mit rein darf ich in der aktuellen Situation wahrscheinlich sowieso nicht.

Schreibende Verrückte sind eben allzeit bereit. ^^

Blick über die Schulter, Tag 1

Vielleicht habt ihr es mitbekommen, ich schreibe im Moment unheimliche Heftromane. Das ist eine besondere Form der Prokrastination, weil mein Kinderbuch sich bockig stellt – ist wohl in dem Alter, da machen die das alle. Auf jeden Fall habe ich die ersten beiden Heftromane bereits veröffentlicht – guckt ihr hier und hier – und kriege eine ungefähre Idee davon, was das bedeutet. (Bitte einmal lachen!)

Damit ihr vielleicht auch eine ungefähre Idee davon kriegen könnt, was das bedeutet, möchte ich diesen Monat meinen Arbeitsprozess bei der Arbeit an Band 3 mit euch teilen. Er ist nicht besonders glamourös oder aufregend, möglicherweise allerdings erhellend und motivierend.

Wie definiere ich für diese Gelegenheit den „Heftroman“?

  • Erscheint monatlich
  • Länge: 20.000 – 22.000 Wörter
  • Eher simple Geschichtenstruktur: Gut gegen Böse, Aussicht aufs Happy End, die Protagonisten sollten höheres Identifikationspotenzial haben
  • Kurze Kapitel, voraussichtlich 10 – 15
  • Lokaler und jahreszeitlicher Bezug (optional, aber ich mag die Idee für meine Geschichten)
  • Cover mit verbindenden Elementen

Im Wesentlichen sind Heftromane also längere Kurzgeschichten mit Kapitel-Unterteilung. Das sollte nicht so schwierig sein, oder?

Das Ding mit den Covern habe ich direkt aus dem Weg geräumt, die macht Giusy von Magical Cover für mich. Sie hat den einheitlichen Rahmen entworfen, wir haben uns auf einen Stil geeinigt und bei den letzten beiden Covern konnte ich ihr einfach ein paar Elemente nennen, die in der Geschichte vorkommen, mit denen sie dann das Bild entworfen hat. Sie versteht es hervorragend, mein Gesabbel in wunderschöne Bilder umzusetzen, und ich bin sehr verliebt. Zum Glück ist sie auch sehr spontan, und wir hoffen, dass wir den Zeitplan gemeinsam durchziehen können. (Es wäre ja so nett von mir, wenn ich ein wenig vorarbeiten würde! Oder planen!)

Wenn ich jetzt also möchte, dass meine Leser*innen das nächste Buch Anfang Mai in Händen halten, muss ich das fertige Manuskript und Cover spätestens am 27.04. bei BOD hochladen, idealerweise eher. Mir bleiben also, heute inklusive, nicht ganz vier Wochen. Tsjakka.

Einen richtigen Zeitplan habe ich nicht, das hängt von zu vielen Faktoren ab – eigentlich arbeite ich wie eine Besessene, wann immer ich die Zeit und Energie dafür habe. Bis morgen Abend will ich den Plot festgezurrt haben, und am Ende der Feiertage möchte ich Giusy die Informationen schicken, die sie für das Cover braucht (inklusive ISBN/Barcode, was bedeutet, dass ich auch das BOD-Projekt anlegen muss). Außerdem werde ich ein wenig von der freien Zeit bestimmt schon zum Schreiben nutzen und euch über den Fortschritt auf dem Laufenden halten.

Ohne euch allzu groß zu spoilern, kann ich schon verraten, dass die nächste Geschichte auf dem in coronafreien Jahren Anfang Mai stattfindenden „Rhein in Flammen“-Volksfest stattfinden soll. Das ist ein Jahrmarkt mit abschließendem Feuerwerk. Ich kenne auch schon einen Teil der Charaktere und habe eine grobe Idee, was passieren soll. Außerdem werde ich Fotos von vergangenen „Rhein in Flammen“-Besuchen heraussuchen, um mich visuell zu orientieren.

Und jetzt habe ich auch schon einen Aufruf für euch – habt ihr lustige/aufregende/traurige/… Anekdoten, die auf Jahrmärkten spielen? Vielleicht baue ich die in der Atmosphäre ein, und ihr kriegt dann eine spezielle Erwähnung in der Danksagung. Inspiriert mich! <3

Grillenzirpen

Auf verwittertem Holz, ziemlich hell, sitzt ein brauner Grashüpfer - oder nennt man die Biester anders? Eine Grille? Was weiß ich. So ein Hopsertier halt.
Foto von Heiko Haller, gefunden auf Unsplash

Jaaaa, hier war wieder mal so richtig hart nichts los. Sorry dafür. Aber wie so oft, wenn das der Fall ist, sind im Hintergrund einige Dinge passiert.

Zum einen habe ich am Wochenende den zweiten Band von „Gruftgeflüster“ fertiggemacht und hochgeladen. Jetzt muss gewartet werden, und da bin ich doch so schlecht drin! Die Tage zeige ich euch das Cover, versprochen.

Außerdem ist der arme Altkater immer noch krank. Zwischen stündlichen winzigen Fütterungen mit Spezialkost und dem Aufwischen von Kotzepfützen zuzüglich der Sorge um den Flauschepo hatte ich den Kopf nicht so richtig frei. Könnt ihr euch vielleicht vorstellen. Immerhin ist er schon fast dreizehn Jahre alt, und mit dem Knubbel am Hals und den andauernden Magenbeschwerden befürchten wir natürlich das Schlimmste. Gerade jetzt im Moment ist er beim Tierarzt für eine Reihe von Tests, und ich kaue hier am Schreibtisch auf meinen Nägeln rum und versuche, gelassen und erwachsen zu wirken.

Und ich habe Tomaten gepflanzt. Unser Balkon ist ja recht klein und recht voll, aber zwei Balkonkästen sind freigeworden, und ich habe eine kleinbleibende, kastengeeignete Sorte gefunden, an der ich mich probieren will. Ich mag Tomaten direkt vom Strauch, und der Geruch der Pflanzen hält angeblich Mücken und Co fern.

Was gab’s noch? Ach ja, großes Regalerücken. Wir haben Möbel für vier verschiedene Zimmer bestellt und alle nacheinander aufgebaut. Was halt so eine Tetris-Situation ist, wenn man die Zimmer auch gleichzeitig bewohnt und vollmüllt. Am Samstag habe ich die letzten beiden Regale zusammengedengelt, und jetzt sieht es wieder einigermaßen schick aus. Bis auf mein Büro natürlich, mit dem vollgekotzten Teppich und all dem alten Kram, der auf den Sperrmüll wartet (unser Keller ist voll mit Weihnachtssachen). Übrigens weiß ich jetzt schon, dass wir in zwei Monaten den nächsten Schwung Regale bestellen werden – dann ist mein Büro nämlich mit Verschönerung dran. Das Gästebett muss halt noch warten, auch wenn der Metallrahmen an einer Schweißnaht schon gebrochen ist. So viele Gäste haben wir im Moment sowieso nicht, gell?

Tja, die große Aufregung in Coronazeiten. Mal schauen, ob wir es uns wenigstens über die Feiertage langweilig machen können. Ich habe da ja so meine Zweifel … ^^

Sinnvoll prokrastinieren für Fortgeschrittene

Egal, wie gerne ich schreibe – manchmal erwische ich mich dabei, das Schreiben unter irgendwelchen Vorwänden vor mir herzuschieben. „Prokrastinieren“ nennt man das. Kommt euch bekannt vor?

Das Gute vorab – wir sind damit nicht allein. Und gleich eine zweite gute Nachricht – es gibt verschiedene Methoden, damit umzugehen.

Neil Gaiman beispielsweise nimmt sich Phasen, in denen er nur schreiben oder „nicht-schreiben“ darf, aber nicht stattdessen lesen oder putzen oder im Netz surfen oder twittern oder … – entweder er schreibt, oder er sitzt dort, wo er schreibt.

Zugegeben, das könnte ich eine Weile durchhalten. Wobei, eher nicht, ich bin ein hibbeliger Mensch. Aber wenn ich mal wieder dringend prokrastinieren muss, habe ich meine eigenen Regeln dafür, die Zeit sinnvoll zu verplempern.

  1. Werbung machen – dazu gehört die Pflege meiner SoMe-Kanäle (Facebook, Twitter, Instagram, Patreon, Tumblr) genau wie das Vorbereiten von Material oder die Korrespondenz mit Blogger*innen etc. Eine wunderbare Methode, am Rechner zu sitzen und fleißig auszusehen und kein Stück mit der eigentlichen Geschichte voranzukommen.
  2. Netzwerke pflegen. Hier gehört natürlich das Nornennetz hin oder PAN, oder einfach der Kontakt mit befreundeten Schreibenden, das Vorbereiten von (aktuell meistens digitalen) Zusammenkünften. Sieht auch superproduktiv aus.
  3. Recherche. Das ist der berüchtigte Kaninchenbau, aus dem man nie wieder herausfindet. Natürlich Schreibehrenwort, dass die Recherche zur aktuellen Geschichte gehört. Natürlich muss ich die Geschichte der Klabauter-Erscheinungen der letzten fünftausend Jahre wissen, wenn in einem Halbsatz vielleicht mal von einem Klabauterspuk die Rede ist. Man will ja kompetent wirken.
  4. Längere Posts vorbereiten. Ja, zum Beispiel diesen hier. Oder die Beiträge für das heidnische Magazin, in dem ich ab und zu rante.^^ Oder ich stürze mich in diverse Nornennetz-Projekte wie den Kalender.

Kurz gesagt – wenn ich mich vor dem eigentlichen Schreiben drücke, muss ich etwas tun, was mein Autorinnenleben in irgendeiner Form ergänzt. Irgendwann wird mir das auch zu öde, und schon flutscht die Geschichte wieder.

Es gibt übrigens einen wichtigen Unterschied zwischen Prokrastinationsphasen und echten, dringend benötigten Pausen – so wie die, die ich jetzt als nächstes machen werde. Kaffee ruft!

Was sind eure liebsten Prokrastinationsstrategien?

Deutsche Geschichte, deutsche Geschichten

Auf dem Buchmarkt gibt es einige merkwürdige Eigenarten zu beobachten.

Beispielsweise geben viele Schreibende sich englisch klingende Pseudonyme. Ich bin nicht ganz sicher, was sie damit erreichen wollen, aber es ist nun einmal so.

Außerdem neigen Schreibende dazu, ihre Geschichten an Orten spielen zu lassen, die sie nicht kennen – sehr beliebt ist seit einiger Zeit die US-Uni oder Highschool. Leider merkt man schnell, wenn so ein Schauplatz unreflektiert ausgesucht wurde, denn obwohl wir konstant mit US-zentrischer Unterhaltung zugeballert werden, gibt es in der Kultur doch eklatante Unterschiede, die einem oft erst einmal gar nicht bewusst sind, bis man direkt mit ihnen konfrontiert wird. Deswegen mutet es oft putzig an, wenn so komplett urdeutsche Figuren in einer zufällig in die USA teleportierten coolen deutschen Kleinstadt agieren.

Und auch da die Frage – warum? Ist das cool? Soll das eine Weltbürgerlichkeit vortäuschen oder suggerieren, dieses Buch sei megaerfolgreich und aus dem US-Englischen übersetzt?

Ich finde es tatsächlich spannender, Geschichten zu lesen, die in Deutschland spielen und sich aus dem „Alles ist klein und grau und kacke“-Einheitsbrei abheben. Denn so gerne ich auch selbst reise, wenn möglich, finde ich die Orte direkt unter unserer Nase gleichzeitig sehr faszinierend. Und wenn ich für eine neue Geschichte recherchiere, hier vor Ort (ja, ich schreibe Phantastik, aber wenn ihr mir das Phantastische glauben sollt, muss das Alltägliche stimmen!), entdecke ich immer wieder neue Details und Ecken, die ich vorher nicht kannte. Demnächst stehen auch wieder einige Spaziergänge und Entdeckungstouren an …

(Mein Geläster bezieht sich übrigens natürlich nicht auf Menschen, die Geschichten an Orten spielen lassen, die sie tatsächlich selbst kennen. Ich erzähle ja immer wieder gern, dass unser Island-Urlaub anno dazumöme meine geplante Island-Geschichte getötet hat, weil alles so komplett anders war. Auch das kann passieren.)

Und um das ganze positiv gestimmt enden zu lassen – welche deutschen Autor*innen oder in Deutschland spielenden Geschichten haben euch so richtig begeistert?

Wie schnell kann/muss man schreiben?

Ich habe mich gerade über einen angeblichen Schreibratgeber geärgert. Ein US-amerikanischer Autor hat aufgelistet, wie viele Wörter er pro Tag schreibt, und sich gegen Ende indirekt darüber lustig gemacht, dass Leute, die länger als vielleicht 10 Tage für einen Roman brauchen, es als Autor*innen wohl nicht ernst meinen.

Im Ernst?

Bullshit.

Natürlich kann ich 500 Wörter in 10 Minuten schreiben. (In fragwürdiger Rechtschreibung. Aber wir bewerten nicht, wir zählen nur.)

Und natürlich könnte ich wahrscheinlich 10.000 Wörter an einem Tag schreiben.

Aber wären das gute Wörter?

Wäre das die bestmögliche Geschichte, die ich erzählen kann?

Und wer übernimmt all meine anderen Verpflichtungen, während ich diese 10.000 Wörter schreibe?

Vorab: Ich sage nicht, dass Leute, die schnell schreiben, automatisch schlechte Geschichten schreiben. Das keineswegs!

Jedoch sieht die Realität der meisten Schreibenden ein wenig anders aus.

Wir haben Leben. Zu meinem gehören neben dem Schreiben der Brotjob, der Haushalt und der Sport (und in anderen Jahren so etwas wie ein Sozialleben). Zum Schreiben bleibt mir an einem normalen Tag etwa eine Stunde.

Außerdem müssen wir manchmal über das zu Schreibende nachdenken. Oder es überarbeiten. Oder noch einmal ganz von vorn anfangen. Rein rechnerisch habe ich letztes Jahr unter anderem etwa 75.000 Wörter Kinderbuch geschrieben, unglücklicherweisewar das jedoch dreimal der Anfang des gleichen Buches, weil ich beim Schreiben neue Dinge über die Welt gelernt habe, die sich nicht durch einfaches Reparieren einfügen ließen. Normalerweise habe ich diese Schwierigkeiten nicht, aber es ist eine neue Welt UND ein neues Genre, das macht mich etwas schwerfälliger. Und das ist okay, schließlich lerne ich auch aus den nicht-veröffentlichten Dingen. Oder sagt ihr etwa: „Mensch, all diese Tonleitern, die die Cellistin zuhause privat geübt hat, das war mal wirklich Zeitverschwendung!“??

Für Autor*innen scheint die Erwartung zu sein, dass alles, was den Weg auf den Bildschirm resp. aufs Papier findet, auch veröffentlichbar ist. Und im Ernst, das ist doch Unsinn. Wer malt, stellt auch nicht jeden Farbklecks aus, den er*sie produziert.

Rein technisch ist es also durchaus möglich, einen Roman in zehn Tagen zu produzieren, und vielleicht mache ich das irgendwann dieses Jahr auch mal zum Vergnügen – mit Urlaub wird das wohl Essig, was meint ihr? – aber das ist eine Herausforderung für optimale Bedingungen und nicht die Grundlage von: „Wer langsamer schreibt, sitzt nur 15 Minuten pro Tag am Schreibtisch und meint es keineswegs ernst.“

Atmen und sich sammeln – aber bitte nicht zu oft!

Alle Schreibenden, die ich kenne, haben Lieblings-Körperfunktionen. Also Dinge, die sie ihre Charaktere immer, regelmäßig und deutlich im Text lesbar tun lassen. Atmen zum Beispiel. Es wäre überaus leichtsinnig, das Atmen einfach so abzustellen, aber dass ich es andauernd erwähne, geht mir schon selber auf den Zeiger (seufzte sie, hörbar ausatmend … denn sie atmete).

Was meine Charaktere sonst noch tun: Mit den Schultern zucken, oder auch mit den Achseln. Was doppelt ungünstig ist, denn ich bin mir nicht sicher, wie man das sprachlich richtig einsetzt. Ich mag es nur.

Andere Charaktere, denen ich begegnet bin, stemmen konstant die Hände in die Hüften oder stampfen immer auf wie Flamencotänzerinnen oder verschränken die Arme vor der Brust und bestimmt fallen mir gleich noch viel mehr Gesten auf, die so ein bisschen totgeritten sind.

Dabei ist Körpersprache eigentlich spannend. Und lästig, denn wir können sie nicht die ganze Zeit über zu einhundert Prozent kontrollieren. Deswegen fallen uns die Dinge auf, die wir kontrollieren können – wie bewusstes Atmen, Arme-Verschränken, Aufstampfen und so. Ich denke, ihr habt ein ungefähres Bild der Situation.

Wenn wir die Dinge beschreiben wollen, die Leuten nicht auffallen, die sie aber trotzdem verraten, müssen wir unsere Umgebung (und uns selbst) sehr genau beobachten. Wer knibbelt an seinen Nagelhäutchen? Was macht die beste Freundin, wenn sie sich über etwas ärgert? Wann ist Freundlichkeit nur vorgetäuscht und woran merkt man das?

Eine meiner nächsten großen Aufgaben, wenn es an die Überarbeitung geht, ist auf jeden Fall, die Leute nicht andauernd nur atmen zu lassen. Das wird ja langweilig.

Symbole in Geschichten

Geometrisches Muster in Flieder, Lachs und Dunkelrot, in der Mitte eine Türkise Fläche mit einer Neonleuchtschrift: "This must be the place".
Foto von Tim Mossholder, gefunden auf Unsplash

Wenn man überlegt, wie man seinen Geschichten gut Tiefe verleihen könne, stößt man in Ratgebern oder auch im Internet schnell auf einen bestimmten Tipp: Verwende Symbole.

Symbole sind Dinge, die etwas Bestimmtes anderes bedeuten. Schrift besteht aus Symbolen. Das Kreuz im Christentum (oder dieser eine Fisch) sind Symbole. Das Hakenkreuz ist ein Symbol.

Beim Schreiben sollte man vielleicht ein wenig subtiler vorgehen – keine Fische oder Halbmonde auf die Seiten drucken! (Wobei, warum eigentlich nicht … ? Na gut, Buchgestaltung ist ein anderes Thema.) Aber natürlich kann man in seine Geschichten bestimmte Symbole einbauen, die sich dem Leser beim genauen Hinlesen erschließen und der Geschichte zusätzliche Dimensionen verleihen.

Ich erinnere mich noch an meine Schulzeit (damals war alles schwarzweiß!), als wir im Englisch-Unterricht Kurzgeschichten schreiben sollten. Unser Lehrer hatte gewisse literarische Ideen und Ambitionen für uns, wir lasen und besprachen diverse Geschichten und analysierten sie auch, so gut Oberstufenschüler*innen das eben können. Und eine Freundin war sehr überfordert mit der Aufgabe, ihre eigene Geschichte zu schreiben – bis ihr im Unterricht gratuliert wurde dafür, wie schön sie den weißen Schnee als Symbol für Unschuld eingebaut habe. „Wow, ich hatte sogar ein Symbol!“

Jetzt ist es so, dass man als Autor*in eine gewisse Kontrolle über die eigenen Geschichten haben sollte. Man fällt idealerweise nicht zufällig von einem Handwerkstopf in den nächsten. Stattdessen überlegt man sich genau, was man wie sagen will, ob man etwas hier oder lieber erst da andeutet und wie subtil man charakterisieren kann, ohne den Leser komplett im Dunkeln tappen zu lassen.

Allerdings sollte man sich auch nicht der Angst vor der Literaturanalyse komplett ausliefern. Manchmal ist eine blaue Tür nur eine blaue Tür. Manchmal ist die Tür blau, weil das böse Hexen abhalten soll.

Und da kommen wir zu einem weiteren interessanten Punkt: Viele Symbole speisen sich aus der Kultur, in der wir aufgewachsen sind. Ist weiß die Farbe der Unschuld oder des Todes? Ist die Sonne gütig oder vernichtend? Geht von Wasser eine Bedrohung aus oder rettet es Leben? Sind Füchse schlau oder verschlagen? Woran erkennt man Hexen oder Dämonen?

Solcher Unsicherheiten wird man sich oft erst bewusst, wenn man Geschichten liest, die in anderen Kulturen spielen. Ist es wichtig, dass die Figuren in genau dieses Viertel in Tokio gehen? Wenn es heißt, die Hütte hat ein spitzes Dach, soll mir das etwas sagen? Einer guten Geschichte kann man oft auch folgen, ohne jedes Symbol und jede kulturelle Anspielung zu verstehen, aber der Genuss wächst mit dem Verständnis.

Wenn man eine Geschichte dann auch noch in einer phantastischen Welt spielen lässt, wird es noch ein wenig komplizierter. Denn Symbole entstehen aus der Kultur heraus, und wer sich eigene Religionen, Städte, Ständesysteme und Länder ausdenkt, kann dann natürlich nicht plötzlich Kirchtürme als Symbol für drohendes Unheil verwenden oder Weihnachtsbäume in die Häuser stellen. Für eine Seefahrergemeinde haben Möwen eine andere Bedeutung als für den Heiligen Kult der Autowäscher. Und ob eine schwarze Katze Pech bringt …

Und dann gibt es noch die Symbole, die nicht universell gelten, sondern für diese eine Geschichte oder diesen einen Charakter eine Bedeutung haben: Die Melodie des Schlaflieds, das die Großmutter immer gesungen hat, das Lieblingssandwich, das Schmuckstück der bösen Stiefmutter, ein bestimmter Edelstein, dieser unheimliche gelbe Vogel, …

Ihr seht, man kann sich viel den Kopf zerbrechen. Letztendlich sind Symbole aber nur das Sahnehäubchen. In erster Linie sollte man eine gute Geschichte schreiben.