Keine Macht den Drogen! (Aus finanziellen Gründen)

Jeden Monat um den Fünfzehnten herum aktualisiere ich meine Buchhaltung. Da sind nämlich die Vormonats-Berichte von Kindle Direct Publishing verfügbar, und das ist für Selfpublisher*innen wie mich nun einmal eine relevante Einnahmequelle. Und was kann ich sagen? Es könnte schlimmer sein. Es könnte aber auch viel, viel besser sein.

Weißer Hinter- und Untergrund. IM Zentrum des Bildes groß fünf Münzstapel, von links nach rechts: Ein-Cent-Münzen, Zwei-Cent-Münzen, Fünf-Cent-Münzen, Zehn-Cent-Münzen, zwanzig-Cent-Münzen. Der Gesamtwert der Münzen liegt unter vier Euro.
Foto von Ibrahim Rifath, gefunden auf Unsplash.

Bestimmt hast du schon öfter darüber jammern hören, doch meine Stimme fehlt gerade im Chor: Die meisten schreibenden Personen werden durch das Schreiben nicht reich – es sei denn, sie schreiben einen Erpresserbrief, das soll ganz lukrativ sein. Bücher hingegen … na ja. Wir machen das ja nicht für den Mammon, sondern für die Kunst. Oder wenigstens rede ich mir das gerne ein.

Wenn mir Leute erzählen, dass ihre Kinder beruflich Bücher schreiben wollen, bemühe ich mich stets, etwas Ermutigendes zu sagen: „Toll! So hat dein Kind nie Geld für Drogen!“

Natürlich wissen wir alle, dass Leute wie Stephen King im Lauf ihrer Karriere durchaus Geld für Drogen hatten, nur ist das leider eher die Ausnahme als die Regel. Dennoch hegen alle, die Bücher schreiben, diesen heimlichen Traum: Ich will zu den finanziell erfolgreichen zwei Prozent gehören! Wer behauptet, dem sei nicht so, betrügt die anderen und sich selbst nur gründlicher als die meisten.

Auf meinem gemütlichen Bürojob-Polster kann ich es mir natürlich leisten, genau das zu schreiben, was ich schreiben will, in meinem Tempo zu arbeiten und aktuelle Trends zu ignorieren. Anderen Leuten geht es da wesentlich weniger rosig. Welches Genre, welche Art Geschichte wird das nächste große Ding? Ohne den Zauberlehrling, der nicht genannt werden darf, gäbe es aktuell wahrscheinlich sehr viel weniger einförmige Zauberschulenbücher. (Wer für diese lästigen Love Triangles zuständig ist, da bin ich mir noch nicht sicher. Aber wenn ich den*die erwische, dann … ! (Droht mit der Faust.)) Und klaro, alle behaupten, sie schrieben nur Herzensprojekte, denn da das alles hier ja Kunst ist, redet niemand über finanziellen Erfolg oder die Frage, wie man das nächste Lektorat bezahlt.

Ich denke mir: Wenn ich damit schon nicht reich werde, will ich in all den Stunden, die ich am Schreibtisch sitze und tippe, wenigstens Spaß haben. Deswegen gibt es hier keine aktuellen Trends und leider wohl auch nicht „das nächste große Ding!“ (von dem ich natürlich auch träume, siehe oben), dafür aber viele kleine und größere Geschichten, die mir auch bei der dritten Überarbeitungsrunde noch viel Spaß gemacht haben. Natürlich würde ich lieber noch viel mehr Zeit in diese Geschichten stecken, aber da irgendwer das Katzenfutter bezahlen muss, geht das leider nicht.

Und jetzt Butter bei die Fische – was würdest du mit deinem Leben machen, wenn Geld überhaupt keine Rolle spielte?

Niemals geht man so ganz

Oft spotte ich über Autor*innen, die ihre Charaktere einfach nicht gehen lassen können. Ihr habt das bestimmt schon einmal gesehen – Serien, die entweder in Belanglosigkeit oder in immer skurrileren Abenteuern versanden, mit Charakteren, die sich irgendwann nicht mehr weiterentwickeln können und nie zur Ruhe kommen.

So eine bin ich nicht. Behaupte ich wenigstens steif und fest.

Und auch wenn immer mal wieder Leute danach fragen: „Magie hinter den sieben Bergen“ ist abgeschlossen. Es war eine schöne Reise mit tollen Charakteren und großartigen Abenteuern, aber jetzt ist Zeit für etwas Neues.

Aber so richtig, echt, wirklich GANZ sind sie ja doch nicht weg.

Aufmerksame Lesende haben den Gastauftritt in „Willkommen in Schattenfall“ bestimmt bemerkt – mein liebster Moment im Buch, glaube ich.

Gelegentlich überlege ich, wie Helenas Leben heute wohl aussehen würde. Seit „Grimmwald“ sind fünf Jahre vergangen. Die Welt hat sich verändert. Helenas Familie hat sich verändert. Und ganz gelegentlich kriege ich Splitter mit – Szenen, kurze Episoden, Minigeschichten.

Nein, ich schreibe kein komplettes neues Buch, oder wenigstens behaupte ich das heute. Aber es kann doch nicht schaden, die eine oder andere winzige Kurzgeschichte … ?

Offenbar ist sie also doch nicht ganz weg. Listige Hexenbiester.

Ein Stern, der deinen Namen trägt – auf Amazon!!!

Im Moment wird unter Autor*innen wieder verstärkt über Rezensionen geredet. Gut, ganz weg ist das Thema nie, aber gerade falle ich öfter drüber als in den letzten Wochen. Und das Thema dreht sich natürlich im Kreis.

Natürlich sind unsere Bücher für uns die tollsten, besten, schönsten der Welt. Also wollen wir, dass alle anderen Menschen sie bitte genau so sehr lieben sollen wie wir selbst. Und am besten teilen die das auch allen anderen Menschen durch öffentliche Lobhudeleien mit.

Außerdem sind Rezensionen wichtig fürs Marketing, und damit auch für Ruhm und Ehre. Ein Buch mit vielen guten Rezensionen wirkt auf Käufer*innen vertrauenswürdiger, verheißungsvoller. Und man rechnet sich natürlich aus: Je mehr Rezensionen ein Buch hat, desto mehr Leute haben es gelesen, also kann es nicht ganz furchtbar sein.

Ein Ding vergessen Autor*innen aber leider oft: Rezensionen sind für uns wichtig, aber sie sind nicht für uns geschrieben. In Rezensionen teilen Lesende anderen Lesenden mit, wie sie ein Buch fanden, was gut oder nicht so gut war, was ihnen aufgefallen ist. Wenn man eine Rezension schreibt, tut man am besten so, als sei die Person, die das Buch geschrieben hat, tot. Dann muss man sich mit ihren Gefühlen nicht mehr auseinandersetzen und kann sich auf das konzentrieren, was wichtig ist: Das Buch.

Was man als Autor*in NICHT machen sollte: Sich öffentlich über „schlechte“ Rezensionen auslassen. Über sie schimpfen, sie analysieren, möglicherweise gar die eigenen Fans dazu aufrufen, sie sollten die entsprechende Rezension auf den Plattformen „downvoten“. Großes No-No.

Denkt immer daran: Ihr seid nicht das Zielpublikum. Genau so wenig, wie ich das Zielpublikum für Liebesfilme bin. Deswegen habe ich keine öffentliche Meinung über Liebesfilme. (Spoiler: Ich mag sie nicht.)

Und denkt auch daran: Lesende schulden euch nichts. Sie DÜRFEN euer Buch blöd finden, oder langweilig, oder unlogisch. Nicht jedes Buch ist für jede Person gedacht. Ich finde manche Bücher auch richtig, richtig schlecht – solche in Genres, die ich selten lese, aber auch vielgelobte Bücher in „meinen“ Genres. Und das ist keine wertvollere Meinung, weil ich selbst schreibe. Zwar verkneife ich mir negative Rezensionen meist, damit nicht der Eindruck aufkommt, ich wolle „der Konkurrenz“ schaden, aber im stillen Kämmerlein schimpfe und fluche und lästere ich mit mir selbst schon ausgiebig. Und wenn andere Leute diese Bücher dann total toll finden, haben die nicht automatisch unrecht, denn Geschmack ist subjektiv.

Okay, und was macht man als Autor*in mit einer negativen Rezension?

Zuerst einmal überlegt man sich genau, ob man sie lesen will. Für manche Leute ist der beste Weg, Rezensionen generell zu vermeiden.

Und wenn man sie liest, kann man sie im Stillen auch richtig blöd finden. Jedoch sollte man sich auch die Details genau anschauen – hat die Person vielleicht mit dem einen oder anderen Punkt sogar Recht?

Nur öffentlich drüber aufregen sollte man sich nicht. Das wirkt, finde ich, immer ein wenig traurig. Als sei die Person eigentlich noch nicht bereit, ihr Buch in die große weite Welt zu entlassen. Also lieber Zähne zusammenbeißen. Und dann setzt man sich hin und schreibt das verdammt beste nächste Buch der Welt, um die Fans zu unterhalten und die Kritiker zu überzeugen. (Ob das klappt, wird man natürlich nie wissen, wenn man die Rezensionen nie liest, und auch damit befinden wir uns wieder in einem Teufelskreis. Die nächste Runde geht rückwärts!)

An dieser Stelle natürlich auch noch einmal ein herzliches Dankeschön an alle Leute, die meine Bücher wichtig genug fanden, um eine Rezension zu hinterlassen. Ihr seid großartig!

Dann mach ich mich mal unbeliebt

Immer wieder gibt es Beschwerden in der „Buch-Bubble“, dass deutsche Verlage (oder Verlage generell) ja einfach nur Einheitsbrei veröffentlichen würden. Als Verfasser*in origineller Werke habe man ja sowieso keine Chance. Alles, was bei (bevorzugt „großen“) Verlagen veröffentlicht werden wolle, müsse mit Liebesgeschichte, „starken Frauen“, Happy Ending, … ausgestattet sein.

Und ich schau mir die jüngsten Veröffentlichungen an und denke mir so: Joah, teilweise stimmt das schon. Ein Glück, dass wir das Selfpublishing haben.

Wenn ich dann allerdings gelegentlich ein Werk in Händen halte, bei dem die verfassende Person hoch und heilig verkündet, sie werde von Verlagen ja nur ignoriert, weil ihr Stoff so unglaublich originell und einzigartig und „non-mainstream“ sei, denke ich mir auch schon einmal: „Zum einen das, und zum anderen schreibst du einfach schlecht.“

Das klingt jetzt gemein. Und ich halte mich üblicherweise mit solchen Aussagen zurück, denn a) ich habe den Stil nicht gepachtet, nicht einmal stundenweise; b) Geschmäcker sind verschieden; c) alle schauen irgendwann auf ihre Erstlingswerke zurück und haben dieses nostalgisch aufgewärmte Cringe-Gefühl, weil sie sich inzwischen massiv weiterentwickelt haben. Ich auch. Wenn mir also ein Buch nicht gefällt, muss das nicht an meinem über alle Maßen exquisiten Geschmack oder einem absoluten Mangel an Talent bei der schreibenden Person liegen.

Oft ist es allerdings schon so, dass sich diese aufgrund ihrer Genialität abgelehnten Stoffe lesen wie der goldsternbewehrte Aufsatz in der vierten Klasse. Da kann die Idee noch so toll sein – wenn die schreibende Person die grundlegenden Regeln des Erzählens nicht einhält, landet sie doch flach auf der Nase.

Manche Geschichte strotzt nur so vor Logikfehlern, Haupt- oder Schachtelsätzen (die Mischung macht’s!), üppigen Adjektivgebinden, grammatischen Zeitfehlern, fehlender Motivation bei den Charakteren, komplettem Unverständnis der menschlichen Psyche. Ein gern herbeigezerrtes Beispiel sind die Bösen, die halt böse sind, weil: Sie sind böse, also bösigen sie böse kichern um ihr Bösigtum herum.

Während ich also durchaus der Meinung bin, dass originelle Stoffe es am Buchmarkt schwerer haben können – schließlich finden die schwieriger ihr Publikum, wie soll man sie bloß vermarkten??? – gilt außerdem: Je weniger „Mainstream“ deine Geschichte ist, desto grandioser muss sie geschrieben sein. Nicht nur (aber auch!) auf grammatischer und Rechtschreib-Ebene, sondern auch auf dem Gebiet des Stils.

Und versteh mich nicht falsch – wenn du schlechten Mainstream schreibst, werden die Entscheidermenschen in der Buchbranche dich immer noch ignorieren, denn auf jedes veröffentlichte Manuskript kommen ein paar tausend, die auf den Slushpiles des Vergessens liegenbleiben.

Was kannst du also machen?

Besser schreiben natürlich!

Ärgerlich ist an der Stelle natürlich, dass es wenig gutes Lehrmaterial für so schlecht greifbare Dinge wie „Stil“ gibt, aber behilf dir halt: Lies gute Bücher und analysiere, was sie gut macht. Lies schlechte Bücher und schau dir an, warum sie schlecht sind. Sammle gelungene Sätze und Absätze in einem speziellen Notizbuch. Spiel mit deinen eigenen Texten. Versuch dich am unzuverlässigen Erzähler, an Foreshadowing (dem Andeuten meist finsterer Wendungen), enthalte dem Publikum Informationen vor oder sag ihnen Dinge, die deine Charaktere noch nicht wissen. Experimentier mit Sprachrhythmus, bis der Text rund klingt. Und bleib dir dabei immer im Klaren, dass dein Text nicht perfekt werden wird – aber er wird besser sein, als er es jetzt ist, und irgendwann bist du so gut, dass all die fiesen Verlage und luschigen Lesenden und bösartigen Buchmenschen dich nicht mehr ignorieren KÖNNEN.

Sollen sie halt Kuchen essen!

Foto von shraga kopstein, gefunden auf Unsplash.

In meinem E-Mail-Postfach landet regelmäßig der Atlas-Obscura-Newsletter, und diesmal kam er mit einem interessanten Artikel über Nahrung in Fantasyromanen. Vielleicht ist dir das auch schon aufgefallen, wenn du regelmäßig Fantasy liest: Es wird erstaunlich oft gegessen, und einige Autor*innen geben sich richtig, richtig, echt viel Mühe mit den Speisen, die sie beschreiben. Dabei könnte man doch genau so gut mit der eigentlichen Geschichte weitermachen!

Alles also nur Platzverschwendung?

Mitnichten!

Essen ist allgegenwärtig, auch wenn es in vielen anderen Genres häufig vernachlässigt wird (wie der Toilettengang) – wenn nicht gerade etwas Aufregendes passiert, gibt es wenig Grund, das Sandwich des Inspektors zu erwähnen.

In einem Fantasy-Setting – je weiter von unserer eigenen Welt entfernt, desto besser – kann man mit Essen hingegen schnell eine Menge über die Gesellschaft, in der wir uns bewegen, sagen. Lebt die Gesellschaft vegetarisch? Gibt es Käse? Werden Obst und Gemüse importiert? Was ist die günstigste Proteinquelle? Gesellschaften, die auf Landwirtschaft basieren, haben wahrscheinlich mehr Backwaren auf dem Speisezettel, denn für Landwirtschaft muss man meist sesshaft sein und kriegt im Gegenteil größere Mengen Getreide, das man dann mithilfe großer unhandlicher Öfen weiterverarbeiten kann. Dann: Je weiter eine Gesellschaft technologisch vorangeschritten ist, desto komplexer werden die Zubereitungsmöglichkeiten. Ohne Kühlkette gibt es in der Wüste keinen frischen Lachs. Werden Insekten verspeist? Wie sieht die Tischkultur aus? Und was sind die teuersten und die günstigsten Lebensmittel? Wie macht man Dinge haltbar? Gibt es saisonale Unterschiede in der phantastischen Küche?

An dieser Stelle, denke ich, vergeuden viele Geschichten ihr Potenzial. Trotz elaboriertem World-Building kommt es schnell vor, dass alles ein Eintopf, eine Pastete oder ein Kuchen ist. Feierlichkeiten werden oft mit pseudomittelalterlichen Festtafeln beschrieben. Und man trinkt Wasser, Bier und Wein. Wieso hat bloß niemand in einer Welt voller Magie und Drachen den Zitronensprudel erfunden?

Wo will ich damit hin? Keine Ahnung. Meist befinde ich mich in der realen Welt, da kochen meine Figuren auch mehr oder weniger reale Dinge (und irgendwann gibt es Diandras phantastisches Kochbuch dazu!). Wenn ich mich allerdings in andere Gefilde begebe, möchte ich das Leben dort mit allen Sinnen erfahrbar machen. Das bedeutet manchmal eben auch, in einen merkwürdigen blauen Käfer zu beißen, ohne zu wissen, ob das jetzt ein Snack oder ein Scherz ist.

Hat dich das Essen in einem Buch oder einer Serie mal so richtig beeindruckt? Oder hast du mal ein ungewöhnlich abwegiges Mahl gelesen?

Thema verfehlt?

Dazu müsste ich erst einmal ein Thema haben!

Wobei, eigentlich habe ich das doch, oder?

Ich schreibe über Magie, Menschen und Monster in der realen Welt. Wer davon jetzt wer ist, ist natürlich nicht immer klar, sonst wäre es langweilig.

Aber das sind nur die Geschichten. Dämonen, Hexen, Bösterhasen, Killerclowns (not from outer space!), Teenager, Zombies, Gänse – darüber schreibe ich, aber eigentlich geht es um etwas anderes.

Denn eigentlich schreibe ich darüber, wie Figuren das Beste aus ihrer Situation machen. Wie sie zu ihren Entscheidungen stehen und ihre Fehler ausbügeln. Wie sie ihre Weltansicht auf den Prüfstand stellen und sich für das einsetzen, was ihnen wichtig ist. Manchmal lernen sie dabei sogar etwas dazu.

Und ich mag das nicht mit dem erhobenen Zeigefinger tun. Einige Autor*innen können das ganz wunderbar, manchmal sogar ohne Oberlehrerton. Ich wäre keine davon. Deswegen schreibe ich auch keine „Literatur“, sondern … Geschichten halt. Fantasy. (Manch wer rümpft die Nase.) Dinge über Dinge, die jemandem passieren, und was dann passiert. Gelegentlich mit Glitzer. Ich hab auch keine Antworten, oder Lösungen für das „happily ever after“. Aber meistens hab ich Hoffnung. Nicht für die Menschheit, aber für einzelne Menschen.

Klingt das kompliziert? Ist es eigentlich nicht. Oder vielleicht auch doch, deswegen muss ich wohl immer und immer und immer wieder darüber schreiben.

Das Gute daran: Niemand muss meine ethischen und moralischen Fragen annehmen. Niemand muss sich damit auseinandersetzen, wie ich die Welt sehe, oder wie ich sie mir wünsche. Es ist völlig legitim, eine spannende Geschichte über eine Hexe und ihre Katze (und den Typen, der neuerdings bei ihr wohnt) zu lesen, ohne daraus irgendwas zu lernen. Andererseits hoffe ich, dass ich mich still und heimlich so in die Köpfe meiner Leser*innen schleichen kann, und plötzlich sind wir alle Hexen.

(Man wird ja noch träumen dürfen.)

Cozy Fantasy à la Diandra

(Enthält Spoiler für „Hexenhaut“ – wenn du das Buch lesen willst, tu das am besten vor dem Blogartikel. Ich warte.)

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*

*

Alle wieder da? Hervorragend.

In 15 Tagen erscheint „Willkommen in Schattenfall“ – so ein richtiges, wollig-warmes, lustiges Cozy-Fantasy-Abenteuer. Stell dir vor, man hätte mir die vollkommene Macht über „Gilmore Girls“ gegeben. Das war wenigstens der Plan – und an den meisten Tagen denke ich, das hat so auch einigermaßen geklappt. Die Charaktere sind schrullig, die Probleme eher klein, es fließt kein Blut … doch, ich hab das gut gemacht.

Aber ich wär ja nicht ich, wenn alles so einfach wäre.

Fangen wir bei Thomas an.

Thomas ist nicht irgendein Thomas, sondern der aus „Hexenhaut“. Erinnerst du dich? Der dritte Band von „Magie hinter den sieben Bergen“. Thomas‘ Eltern trennen sich gerade, und beide haben so richtig Mist gebaut. Richtig echt viel fiesen Mist. Thomas‘ Vater hat Thomas‘ Mutter nämlich entführt und gezwungen, ihn zu heiraten. Und Thomas‘ Mutter Moire hat ihren Kindern nicht nur verheimlicht, dass sie halb Selkie sind, mit dem entsprechenden Potenzial für Magie, sondern sie hat ihren zukünftigen Ex auch beschuldigt, sich den Kindern unangemessen genähert zu haben. Deswegen treffen wir Moire und die Kinder überhaupt, die wohnen nämlich temporär bei Helenas Mutter auf dem Hexenhof.

Natürlich weiß Thomas, dass sein Vater weder ihn noch seine Schwester auf die Art angefasst hat. Und er ist zu dem Zeitpunkt mitten in der Pubertät. Und er hat die Selkiehaut gefunden, die sein Vater vor Moire versteckt. Dann kommt da seine eigene Magie zu, die er am Anfang natürlich gar nicht einordnen kann. Er ist also ein junger Mann ohne gutes Vorbild, ohne Ansprechpartner und mit einer Menge Wut im Bauch. Natürlich tut er da Dinge, die nicht so wirklich gut sind. Eigentlich sind sie sogar ausgesprochen scheiße.

Angesichts der Umstände lassen wir da aber mal fünf gerade sein, nicht wahr?

Auf jeden Fall ist genau der Thomas derjenige, der jetzt nach Schattenfall geht. Sein Leben ist nicht magisch besser geworden. Seine Mutter ist verschwunden, er hält seinen Vater immer noch für einen schlechten Menschen (völlig zurecht, merke ich an). Überhaupt hat er sein Leben bis jetzt nicht so recht auf die Reihe gekriegt. Und zuverlässige, positive Beziehungen zu anderen Menschen sind ihm eher fremd.

Um „Willkommen in Schattenfall“ zu lesen, braucht man diesen Hintergrund nicht zu kennen. Am Ende gibt es ein kleines Osterei, das man nur mit diesem Zusatzwissen versteht (meine absolute Lieblingsszene, die macht mich so glücklich!), aber das Buch funktioniert definitiv auch ohne weitere Lektüre.

Tja, und jetzt plane ich den zweiten Band und frage mich: Wie viel Familiendrama, dysfunktionale soziale Gruppen und Vernachlässigung kann ich in einer Cozy-Fantasy-Roman unterbringen, ehe die Leute mir nicht mehr glauben? Im zweiten Band befassen wir uns nämlich mit Rosalinda, und da liegt einiges im Argen …

Ah well, wir werden sehen. Ich mag es, Leuten mit mieser Vergangenheit ein schöneres Leben zu schreiben. Und vielleicht ist ja gar nicht alles so schlimm, wie ich gerade tue.

(Du kennst mich. Natürlich ist es das. Sonst wären ja nicht am Ende immer alle tot.)

(Ich schwöre, diesmal stirbt niemand!)

(Oder etwa doch?)

Werbung und wie man es NICHT machen sollte

Gelegentlich lese ich gerne Thriller und Mysteryromane. Habe ich schon immer gemacht, wird sich wahrscheinlich nicht so schnell ändern. Leider ist auch in dem Bereich viiiiiiiiel Einheitsbrei zu finden, aber ab und zu stolpere ich über ein Buch, das wirklich interessant klingt, und da man ja nie genügend Bücher haben kann …

Auf jeden Fall habe ich diese Woche Das Dorf der toten Seelen von Camilla Sten gelesen. Laut Klappentext geht es (ich bemühe mich, Spoiler zu vermeiden, aber ab hier liest du auf eigene Gefahr weiter!) um eine Gruppe junger Film-Menschen, die in ein verlassenes Dorf fahren, um Vorbereitungen für eine Dokumentation zu treffen. Die Menschen, die in diesem Dorf wohnten, sind vor etwa 60 Jahren auf mysteriöse Weise verschwunden. Die Initiatorin des Projekts, Alice, hat eine persönliche Verbindung zu dem Ort – ihre Großmutter ist wenige Wochen vor dem Verschwinden der Leute aus dem Ort weggezogen.

Also, das könnte ganz spannend sein. Findest du nicht? Und es war auch ein solides Lesevergnügen. Natürlich hatte die Geschichte einige handwerkliche Schwächen. Ich hasse es, wenn die Protagonistin die Hälfte der Zeit inkompetent in der Gegend herumstolpert, aber das scheint ja so eine Mode zu sein, um Figuren menschlicher wirken zu lassen … ehrlich? Wenn ich in der Wildnis mit so jemandem unter Lebensgefahr arbeiten müsste, würde ich die Person fesseln und knebeln und das Kommando an mich reißen. Also, Sympathiepunkte gewinnt die Protagonistin bei mir schon einmal nicht. Auch die anderen Figuren arbeiten häufig nicht am Maximum ihrer Kapazität.

Aber darum soll es heute gar nicht gehen. Stattdessen möchte ich über eine Entscheidung des Verlags reden, die dafür sorgt, dass das Buch bei Lesenden einfach nicht wie erwartet landen KANN.

Ausschnitt der Buchrückseite. In blauer Schrift ist zu lesen: Stranger Things meets Scandinavian Crime.

„Stranger Things“ … kommt dir das irgendwie bekannt vor? Das war doch diese Serie über Kinder, die gegen Monster aus einer anderen Dimension kämpfen, während im Kalten Krieg die USA und Russland parallel versuchen, diese Monster im Rahmen der Aufrüstung für ihre eigenen Zwecke einzusetzen. Läuft seit 2016 und war DAS große Ding bei Netflix. Ich muss sagen, ich habe die Serie sehr gemocht. Und ich verstehe, warum bei einem Buch aus 2020 (deutsche Ausgabe) auf ein kulturelles Massenphänomen Bezug genommen wird.

Es gibt nur ein Problem:

Die Geschichte, die erzählt wird, hat mal so GAR NICHTS mit „Stranger Things“ gemeinsam.

Die Charaktere sind älter als die Protagonist*innen aus „Stranger Things“.

Es gibt keine Regierungsverschwörung, keine andere Dimension und keine Monster.

Niemand stellt einen Bezug her zu popkulturellen Ereignissen, denen man nostalgisch nachtrauern könnte.

Keine einzige Person hat übernatürliche Fähigkeiten – wenn wir mal von übernatürlicher Irrationalität absehen, über die ich oben ja schon ansatzweise geschimpft habe.

Jaaaaaa, irgendwo gegen Ende wird mal erwähnt, wie etwas superunheimlich ist, und ganz am Rand wird eine Verbindung zwischen einer verstorbenen Person und ihrer Nachfahrin angedeutet (ich hatte euch vor Spoilern gewarnt!), aber das kommt so spät im Buch und ist derart unbedeutend für die Geschichte, dass ein vernünftiges Lektorat wenigstens fette Fragezeichen an die entsprechenden Stellen gemacht hätte.

Während also möglicherweise viele Leute aufgrund des im Foto gezeigten Werbeslogans zu diesem Buch gegriffen haben, muss ich vermuten, dass genau diese Leute von der Geschichte unglaublich enttäuscht werden – und das äußert sich dann in Rezensionen und Empfehlungen. Wieso, um alles in der Welt, sollte ein Verlag einer schreibenden Person so einen Bärendienst erweisen?

Stell dir das mal im normalen Supermarkt vor:

„Margarine aus der Abendbrotszene von Stranger Things!“

„Der Demogorgon würde seine Fratze nur mit Clearasil waschen!“

„Haben Sie Untote im Keller? Vertreiben Sie dämonische Gerüche mit Febreze!“

Durchs Netz gerauscht

Großaufnahme von verschiedenen Netzen. Links ein großmaschiges, eher ausgefranstes aus einer hellen Faser, dahinter und rechts ein türkisfarbenes Netz aus dünneren Fasern mit kleineren Maschen.
Foto von Waldemar Brandt, gefunden auf Unsplash.

„Vernetzt euch“, sagt man (nicht nur, aber auch) Autor*innen und anderen Kunstschaffenden immer wieder gern. Und das klingt auch wirklich sinnvoll und nützlich. Außerdem macht es Spaß, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und zu schauen, wo man vielleicht aus den Fehlern anderer lernen könnte.

Aber ich wär doch nicht ich, wenn ich nicht ein wenig zu meckern hätte. Meiner Erfahrung nach gibt es nämlich einen Punkt der Vernetzung, an dem es bei vielen Leuten hakt: Das Teilen.

Nicht nur das Nicht-/Teilen von Keksen (auch das prangere ich an!), sondern das Weiterverbreiten von Neuerscheinungen, wichtigen Informationen, Terminen und diesen generellen Werbeschleuderposts, die man als allein schaffende Person kaum in Gang halten kann.

Woran das liegt? Keine Ahnung!

Eventuell glauben die vernetzten Personen, ihre unbedeutende digitale Präsenz wäre für die Verbreitung von solchen Posts nicht „groß“ genug.

Vielleicht wollen sie ihre eigene digitale Marke nicht optisch verwässern, indem sie Beiträge von anderen Leuten teilen.

Möglicherweise haben sie auch Sorge, ihre Abonnent*innen mit zuviel Werbung zu nerven und langfristig zu vergraulen.

Oder denken sie im Fall der Fälle einfach nicht daran?

Ich habe keine Ahnung. Und auch keine gute Lösung. Und letztendlich darf jede*r mit dem eigenen Account natürlich tun und lassen, was man will. Aber ich finde es schon schade – ich teile gern die Bücher meiner Freund*innen. Zum einen, weil ich mich für sie freue. Ich meine: Mehr Bücher! Toller Glitzerkram! Zum anderen, weil das meine mitunter etwas magere Content-Diät aufpolstert. Schließlich habe ich NICHT jede Woche ein neues Buch zu bewerben, und die, die es gibt, kennen meine Follower*innen hoffentlich alle schon. Wenn also über solche geteilte Posts nur ein weiteres Buch verkauft wird, hat sich der „Aufwand“ (ein bis drei Klicks, je nach Plattform) mindestens doppelt gelohnt.

Das ist übrigens eines der Dinge, die ich an Instagram nicht mag – man kann keine Beiträge teilen, oder höchstens mal in der Story. (Ich habe keine Zeit für Stories. Muss Abenteuer erleben!) Ach, Instagram ist eh nicht so mein Ding. Zu viele Bilder, immer dieses lästige Gezappel und Gewimmel und dann die nervige Musik, wenn man aus Versehen auf irgendwas drauftippt … und von Tiktok fange ich besser gar nicht erst an! (Alte Frau, ich weiß.)

Warte, was wollte ich sagen?

Ach ja. Vernetzt euch. Tauscht euch aus. Und wenn ihr seht, dass jemand etwas Neues hat, das der Welt dringend mitgeteilt werden sollte, tut das eure. Denkt dran – es sind nur wenige Klicks!

Blogpromptgenerator

Manchmal möchte ich bloggen und mir fällt so recht nichts ein. Also dachte ich mir heute: Such doch mal nach einem Blogpromptgenerator!

Meine Theorie war, dass man vielleicht einen Begriff eingibt und dann ein paar schöne Vorschläge für Ansätze bekommt.

Und das funktioniert auch ganz hervorragend.

Beispiel: Ruinen

Vorschläge:

  • Ruinen: Vor- und Nachteile
  • Neueste Entwicklungen zum Thema Ruinen
  • Werden Ruinen die Welt regieren?

Joah, darüber schreibe ich dann vielleicht nächste Woche. Heute Abend erst einmal ein Foto von einem Schloss, dass sie noch nicht „ruiniert“ haben.

Vor einem abendlichen Himmel sieht man links im Bild, angeschnitten, ein schlossähnliches Gebäude mit glänzenden Fenstern. Links und rechts schwarze Baumsilhouetten, der untere Rand des Bildes ist schwarz.
Für das Alter ziemlich gut erhalten – das Objekt vor UND das Objekt hinter der Kamera.