Alles im Fluss

Sommer. Ein schmaler Fluss inmitten üppiger Vegetation. Man sieht einen jungen Mann mit bloßem Oberkörper im Fluss, mit dem Rücken zum Betrachter. Lichtflecken fließen über das Bild.
Foto von Tyler Palmer, gefunden auf Unsplash

Ich habe nachgedachte. Das ist immer sehr gefährlich, denn ich vermute, mein Gehirn cosplayt nur ein sehr kluges Organ. ^^ Und worüber habe ich nachgedacht? Magie hinter den sieben Bergen.

Könnte ich diese Serie heute so noch einmal schreiben?

Ich weiß es nicht, denn alles verändert sich – die Welt, die Autorin, der Zugang zu den Charakteren. In meiner Vorstellung wäre das alles heute viel epischer. Andererseits glaube ich, dass gerade das Ungeschliffene und Rohe die Charaktere und die Geschichten so interessant macht. Die sind alle gewachsen, nicht geplant. Als ich angefangen habe, wusste ich nicht einmal, dass es mehr als eine Geschichte geben würde. Oder insgesamt sogar neun. Und wie es enden würde, war mir auch nicht klar. Ich wusste nichts über Falks Familie oder den Taubenmann oder Helenas Mutter. Immer, wenn ich etwas Neues wusste, stand das auch so in den Büchern. Wahrscheinlich könnten diese Geschichten mich heute noch überraschen.

(Nach wie vor bin ich extrem stolz darauf, wie gut das alles am Ende zusammengepasst hat. Aber ich hab nichts dafür getan, das ist mal sicher. Ich war nur zufällig dabei.)

Manchmal vermisse ich diese Welt. Aber zurückkehren will ich nicht unbedingt. Wir würden einander ganz anders begegnen als for 12 Jahren, als ich mit „Allerseelenkinder“ angefangen habe.

Es gibt Autor*innen, die ihr ganzes Leben damit verbringen, in einer Welt zu schreiben und diese immer weiter auszubauen. Manche überarbeiten auch ihre bereits erschienenen Bücher immer weiter, damit die stets den neuesten Stand ihres Wissens und Könnens und Empfindens wiederspiegeln. Das ist auch nicht schlecht, aber … ich les ja gerade die Scheibenwelt-Romane in chronologischer Reihenfolge. Und ich finde es total spannend zu sehen, wie sich Terry Pratchett als Autor entwickelt hat. Richtig gut war er erst ab Buch vier oder fünf, und auch danach gab es noch gigantische Entwicklungen. Man sieht auch, wie sich sein Blick auf die Welt verändert hat. Später gibt es Bücher, bei denen ich denke: Neue Autor*innen hätten das Manuskript an dieser Stelle gekürzt gekriegt, doch er kam ja mit seiner eigenen Fanbase. Und ich mag diese Entwicklung beobachten.

Wenn ich viel Glück habe, gibt es irgendwann da draußen Leute, die meine Bücher so lesen. Die sehen, was ich wann gelernt und erkannt habe, die sehen, wann ich über mich selbst gestolpert bin oder eine grandiose Schreib-Epiphanie hatte. Und wenn ich richtig viel Glück habe, schauen diese Leute in der Zukunft wohlwollend auf alles, was ich so verbrochen und ausprobiert habe. Aber um das zu erreichen, muss ich natürlich im Wesentlichen die Finger von diesen Dingen lassen.

Mit Ausnahmen. Im Hintergrund bereite ich gerade eine Neuauflage vom „Hirschkönig“ vor. Nichts Großes – im Wesentlichen ein ordentliches Cover und ein paar weniger Tippfehler. Hoffe ich. Immerhin ist das das Buch, das ich schreiben wollte, als ich in der Grundschule war. Und wer weiß? Vielleicht setzt sich irgendwann jemand hin und vergleicht nur aus Freude die alte und die neue Ausgabe und freut sich über die Entwicklung. An der Geschichte selbst rüttle ich nicht. Auch wenn ich sie heute ganz anders schreiben würde.

„… und dann hatten wir einander alle lieb!“

Vor ein paar Tagen habe ich über eine Leseprobe geschimpft. Das Buch sah aus, als sei es total mein Ding – Urban Fantasy, Humor, eine originelle Idee. Weil ich aber im Oktober schon meine Bücherkapazitäten überschritten hatte und es bei UF immer ein gewisses Risiko gibt, dass zuviel Romance/Spice mir das Lesevergnügen verderben (mehr für euch! Aber ich möchte lieber nicht.), hatte ich erst einmal nur eine Leseprobe mitgenommen.

Und was kann ich sagen? Zum Glück! Direkt in der ersten Szene gab es einen Konflikt mit zwei anderen Personen. Kann vorkommen, ist gut für Geschichten, nur: Die Haupt-Charakteristika der Gegnerinnen, wie sie von der Hauptfigur beschrieben wurden, waren: Fett, hässlich und dumm. Klar gibt es solche Leute, aber für mich riecht das hart nach einem billigen Lacher und internalisierter Misogynie. „Schau mal, die dicke Frau ist dick! Und gemein! Haha!“ Hinzu kam, dass die Ich-Erzählerin extrem inkonsistent und inkompetent agierte. Möglicherweise ist das ab dem nächsten Kapitel ein echt tolles Buch, aber nach der Leseprobe habe ich erst einmal, ehrlich gesagt, gar keine Lust, das herauszufinden.

Eine Freundin, mit der ich meinen Unmut über die Leseprobe teilte, meinte, es sei einfach langweilig, wenn man nur über nette und freundliche Charaktere liest.

Ja.

Aber.

Wenn ich dreihundert Seiten mit einer Figur verbringe, das sind für mich alte Frau etliche Lesestunden, muss sie sympathisch sein. Oder wenigstens nachvollziehbar. Interessant reicht auch. Das ist wie mit dem Freundeskreis im echten Leben – meine Freund*innen sind alle toll, aber längst nicht alles Heilige. Und wieso sollte ich über jemanden lesen wollen, mit dem ich mich nicht eine Zugfahrt lang unterhalten wollte?

Andere Leute haben da höchstwahrscheinlich andere Auswahlkriterien. Und wenn das Leben hier draußen in der Realität weniger finster und hässlich und anstrengend ist, starte ich vielleicht noch einen zweiten Versuch mit diesem Buch. Oder einem der vielen anderen hochgelobten Bücher, die ich aus ähnlichen Gründen weggelegt habe, bestimmt hab ich über sowas schon öfter geschimpft.

An dieser Stelle kann man beim Schreiben in der Ich-Perspektive übrigens wirklich viel reißen (oder versemmeln). Die Wortwahl der Figur, was ihr auffällt und wie sie auf die Welt blickt sind alles Charakter-Indizien. Gerade in dieser Perspektive ist es ja, als säße man mit einer Person beim Kaffee, die einem einen Schwank aus ihrer Jugend erzählt. Das kann sehr unterhaltsam sein oder sehr anstrengend.

(Ebenfalls oft übersehen: In der Ich-Perspektive und im Rückblick biegen sich Leute schnell mal die Welt zurecht oder lügen geradeheraus. Das kann man natürlich für eine Geschichte verwenden, muss es dann aber auch gekonnt umsetzen. Für Leute mit dickem Fell ist „Lolita“ da ein gutes Anschauungsbeispiel.)

Worauf will ich hinaus? Ach ja. Ich bin gar nicht darauf aus, dass Protagonist*innen immer gut und lieb und edel sind. Die, die ich schreibe, sind das ja auch nicht. Aber ich möchte sie als nachvollziehbar, in sich logisch/konsequent und interessant erleben. Die meisten Menschen haben Macken – Anwesende ausgeschlossen – aber nicht jede Macke macht einen Charakter lebendig. Manche machen einen nur unsympathisch.

(Off-topic, aber wenn du schöne positive und konstruktive Charakterisierung mit Macken sehen willst, lege ich dir bei Netflix „The Lincoln Lawyer“ ans Herz. Der Mann ist schon ganz genervt von meiner Schwärmerei, doch die Charaktere sind, so weit wir das geguckt haben, wirklich gut geraten. Und jetzt hör ich mal auf zu schwadronieren, wenigstens für heute.)

Diese Vorhersehbarkeit ödet mich an!

CN: Erwähnung von Gewalt, Körperteilen, Blut, sexueller Gewalt; Schimpfwörter

Großaufnahme mehrerer bunter Tarotkarten, die durcheinander mit der Bildseite nach oben auf einer hellen Fläche liegen (Rider-Waite-Tarot).
Foto von Viva Luna Studios, gefunden auf Unsplash

Früher habe ich viele Thriller und Krimis gelesen, doch irgendwann hatte ich das über.

Zum einen wegen der immer absurderen Gewalt-Exzesse: In wie viele Teile können wir die Leiche diesmal schneiden? Findet der Kommissar den Augapfel diesmal im Kaffee oder im Dessert? Wie viel PS braucht die Kettensäge, mit der wir den fiesen Chef der Ehefrau umbringen, und wie weit spritzt das Blut? Es werden Wetten angenommen!

Zum anderen nervt mich diese unglaubliche Vorhersehbarkeit – was die Charaktere angeht (geschiedener Ermittler mit Alkoholproblem und komplizierter Beziehung zu seinem Kind, anyone?) und in Bezug auf die Fälle. Es kann doch nicht sein, dass JEDER bei der Polizei einen Erzfeind aus Kindertagen hat, der jetzt als Psychopath hackstückelnd durch Buxtehude zieht???

Ein besonderes Ärgernis betrifft hierbei die Behandlung von Frauen. Ja, jetzt fängt sie wieder mit DEM Thema an. Aber bleibt mal dran, das ist vielleicht wichtig. Möglicherweise hab ich darüber auch schon geschimpft, ich ärgere mich schon seit längerem.

Also.

Wenn eine Frau – und es ist beinahe egal, ob sie jetzt Protagonistin oder Sidekick ist, Opfer oder Bösewichtin – irgendwie definiert werden soll, wird sie eben fix vergewaltigt. UND DAS ÖDET MICH AN! Nicht, weil das so abwegig wäre (wir alle kennen die Statistiken), sondern weil es so viel mehr gibt, was man Frauen antun kann, um ihren Charakter zu formen! Klar, schon beim Ermittler gibt kaum noch wer sich Mühe, aber die Zahl der Frauen, die sexuelle Übergriffe erlebt haben und das (NUR DAS!) als prägendes Erlebnis haben, quasi als Zentrum ihres Charakters, wie er geschrieben steht, ist lächerlich. GEBT EUCH MÜHE.

(Die nächsten Abschnitte enthalten Spoiler für das Buch „The Sanatorium“ von Sarah Pearse)

Neulich beispielsweise habe ich einen Thriller gelesen: Spannend geschrieben, interessantes Setting, toller Sprachgebrauch. Wirklich eine Lese-Empfehlung … und das trotz der Sache, über die ich jetzt schimpfen werde.

Die Idee ist komplex: Ein ehemaliges Sanatorium für Tuberkulose-Patientinnen in den Schweizer Alpen ist zu einem Hotel umgebaut worden, und durch einen Sturm werden die wenigen Gäste und Mitarbeiter*innen jetzt von der Außenwelt abgeschnitten. Das ist ungünstig, denn irgendwer fängt an, Leute auf grafische Weise zu ermorden. Natürlich ist eine aktuell beurlaubte Polizistin vor Ort, die eine komplizierte Beziehung zu gleich mehreren Leuten im Hotel hat. Die ermittelt und findet heraus, dass in dem Sanatorium damals unethische medizinische Experimente und möglicherweise auch sadistische Praktiken an den Insassinnen durchgeführt wurden, und das hat irgendwie mit den aktuellen Morden zu tun.

Nur LEIDER, LEIDER, LEIDER wird dieser Zweig kaum weiter verfolgt. Also ja, das wird erwähnt und jemand findet explizite Fotos von damals und die Leichen sind hergerichtet wie die Opfer der Ärzte vor hundert Jahren. Aber so richtig wichtig ist das nicht, denn der EIGENTLICHE Trigger für die Taten ist die Tatsache, dass die Person, die die Morde begeht, vor mehr als zehn Jahren von jemandem vergewaltigt wurde, der auch schon lange tot ist. Und das hat die Person jetzt wegen dieser Fotos irgendwie daran erinnert, dass Frauen ja oft Opfer sind, und deswegen wird jetzt gemetzelt.

Echt jetzt?

Es gibt massig historisch belegte „Vorbilder“ für unethische Behandlung und Experimente in einem medizinischen Kontext, über einige davon habe ich in meiner Diplomarbeit geschrieben. Und wer will, kann tonnenweise Literatur zum Thema finden. Es wäre also ein LEICHTES gewesen, aus diesem Erzählzweig eine richtig gute Motivation für die Täterperson zu schreiben, komplett ohne ihr an die Wäsche zu gehen. Also bin ich eh schon empört, dass die Vergewaltigung da quasi eben schnell reingeschrieben wurde, weil „das macht man halt so“ – und dann geht das eigentlich viel relevantere Thema daneben einfach komplett unter und wird mit „die armen Frauen!“ vom Tisch gewischt.

Das Buch ist übrigens dennoch gut. Wirklich. Lest es unbedingt, wenn es euer Ding ist, und rollt an der entsprechenden Exposition am Ende einfach mit den Augen. Und wenn ihr eigene Thriller oder Krimis schreibt, überlegt euch doch mal, was man Frauen alles Schlimmes tun kann, ohne sie dafür auszuziehen.

Wofür man eigentlich schreibt

Halt, zuerst muss man da unterscheiden.

Warum schreibt man?

Und warum veröffentlicht man?

Die erste Frage wird oft in Interviews gestellt, und ich mag sie nicht besonders. Auch nicht die Variationen: Wusstest du immer schon, dass du schreiben wolltest? Seit wann schreibst du? Viel spannender finde ich für alle anderen die Frage: Wann hast du aufgehört, dir Geschichten auszudenken? Denn das menschliche Gehirn ist wie gemacht dafür, alles in Geschichtenform zu gießen. Auf jeden Fall kann man diese Fragen auf unterschiedliche Weisen beantworten, und ich kann natürlich nur meine eigenen Antworten geben.

Ich schreibe, weil ich sonst unausstehlich werde. Wahrscheinlich würde mein Kopf irgendwann platzen. ^^

Und warum veröffentliche ich? Schließlich könnte ich meine Geschichten auch einfach löschen oder in die Schublade legen. Dann käme auch nie jemand an, um „gemeine Dinge“ drüber zu sagen.

Mit meinen Geschichten reich und berühmt zu werden wäre famos. Wir wissen alle, wie gering die Chancen sind, dass das passiert, aber ganz vom Tisch ist das natürlich nie.

Meine eigenen Geschichten als echte Bücher ins Regal zu stellen ist natürlich auch toll. Aber dafür könnte ich sie mir einfach selbst drucken und binden lassen.

Irgendwo tief in mir drin glaube ich tatsächlich, dass (nicht nur meine) Geschichten für andere Menschen wichtig sind. Denk mal eben an die Geschichten, die dich wirklich berührt haben. Von denen du getröstet wurdest, die dir etwas über die Welt und dich selbst beigebracht haben. Die deine Vorstellungen herausgefordert und geändert haben.

Auf den ersten Blick ging es in dem einen Buch vielleicht im Astronauten, die auf einem Planeten voller riesiger Heuschrecken überleben und den geheimen Multidimensionskristall finden müssen, um die Erde vor der Implosion zu retten.

In Wahrheit ging es vielleicht darum, in schwierigen Situationen mit Leuten, die man nicht mag, zusammenzuarbeiten und die eigenen Vorurteile beiseitezuräumen und alles zu riskieren, um Familie und Freunde zu retten – bis man merkt, dass die riesigen Heuschrecken, vor denen man von allen gewarnt wurde, gar nicht das echte Problem sind, denn die Firma(TM) hat gelogen.

Meiner Meinung nach erzählen die besten Geschichten im Kern etwas, was für Menschen zutiefst menschlich und nachvollziehbar ist. Das gilt für alle Kunst – das Bild da zeigt vielleicht einen riesigen Stapel Clowns, aber wichtig ist es wegen der Dinge, die hinter den Clowns versteckt sind. Künstler*innen teilen eigene Erfahrungen und Ideen und Erlebnisse mit anderen Menschen. Sie stellen Fragen, schlagen Lösungen vor, erzählen von dem, was ist und was sein könnte. Ob das ganze unter Schokolade, Ölfarbe oder einer Geschichte über klebrige Zombieschnecken versteckt ist, spielt dabei keine Rolle.

Und deswegen veröffentliche ich. Meine Geschichten haben oft Monster, Geister, mythische Kreaturen und die eine oder andere Körperflüssigkeit (Blut, ja, ich rede von Blut). Viel öfter haben sie aber Leute, die aus schwierigen Situationen in unmögliche Situationen kommen und versuchen, eine Lösung nicht nur für sich, sondern für alle zu finden. Meine Charaktere machen mal Dummheiten und sind leichtsinnig, sie müssen mit den Konsequenzen klarkommen und harte Entscheidungen treffen. Viele von ihnen hatten kein perfektes Leben. Meist wissen sie am Anfang der Geschichte weniger über die Welt als am Ende. Und sie gewinnen auch gar nicht immer, das wäre ja langweilig. Aber sie geben nie auf, und sie riskieren etwas für das, woran sie glauben.

Umso mehr freue ich mich, wenn diese Geschichten, in denen es nur auf den ersten Blick darum geht, wie viele Tentakel so ein Waschzuber entwickeln kann, eine begeisterte Leserschaft finden – auch wenn die klein ist. Das Gruftgeflüster beispielsweise dümpelt immer ein wenig vor sich hin. Klar. Dünne Bücher, schlichte Geschichten, wenig Werbung (komplett mein Fehler!), das ist nicht besonders attraktiv für viele Lesende. Dabei bin ich so stolz auf jede einzelne Geschichte – und auf das Gesamtwerk. In zwölf kurzen Geschichten konnte ich alle Arten von Horror besuchen, die mir Spaß machen: Kryptiden, Monster, Dämonen, Blutmagie, böse Wissenschaftler*innen, Werwölfe, Fae, Geister, unheimliche Dimensionen, Legenden, Hexerei und den schlimmsten Horror – andere Menschen. Zwölf verschiedene Arten, über Menschlichkeit zu schreiben und meinen Leser*innen gleichzeitig den Schreck ihres Lebens einzujagen. ^^

Terminorientiertes Arbeiten

Ein weißes Blatt ist in eine altmodische Schreibmaschine eingespannt. Nahaufnahme. Große Schrift: "Deadline".
Foto von Markus Winkler, gefunden auf Unsplash.

Manche Leute haben all ihre Projekte, Aufgaben und Pläne schön liebevoll sortiert. Die können parallel mehrere Sachen bearbeiten und wissen immer genau, was als nächstes kommt. Das stelle ich mir sehr entspannt vor.

Bei mir sieht das eher so aus: Mein Kalender enthält eine Liste von Aufgaben mit Deadlines. Einige sind Schreibaufgaben, andere organisatorischer Kram. Und die arbeite ich in der Reihenfolge ab, wie die Deadline sich nähert. Es ist auch egal, wie lange im Voraus ich weiß, was gemacht werden muss – fertig werde ich üblicherweise auf den letzten Drücker.

Letzte Woche war es erst wieder so.

Seit Mooooonaten weiß ich, dass wir von der lokalen BVJA-Gruppe Geschichten für die nächste BonnTastik-Ausgabe sammeln. Ich will auch unbedingt mitmachen. Die Bilder, zu denen wir schreiben (vom Bonner Künstler Martin Welzel) sind schon lange zur Verfügung gestellt worden, die Organisation läuft hervorragend. Viele Schreibende haben früh ihre Bilder ausgesucht und angefangen zu schreiben, tauschen sich auch aus.

Ich gucke immer mal wieder in die Galerie, aber es ist noch viel anderes zu tun, das erst fertig werden muss. Beispielsweise war am 06.06. eine Lesung, über die ich euch noch an anderer Stelle erzähle. Auf jeden Fall finde ich erst am 05.06. das Bild, zu dem ich schreiben will. Deadline ist der zehnte. Am 07.06. lege ich los. Schreiben, denken, planen, mehr schreiben, überarbeiten. Liegen lassen. Noch einmal draufschauen. Story ändern, weil sie in eine andere Richtung gewachsen ist. Letztes Mal draufschauen. Abgabe am 09.06., weil ich schon ahne, dass der Montag (der zehnte) voll mit Terminen und Aufgaben ist und ich Abends wahrscheinlich so müde bin, dass ich alles andere vergesse.

Als nächstes steht eine Überraschung an, die ich bastle. Ich bin nicht gut im Basteln, aber bis nächste Woche soll sie fertig sein. Also ist diese Woche nur für Fummeln und Fluchen blockiert. Und danach … wenn keine andere spannende Deadline auftaucht … stürze ich mich wieder voll auf Band 2 der Schattenfall-Serie. Der soll ja auch bis Oktober fertig sein, wird also höchste Zeit. ^^

Bist du eher Typ „Aaaah, die Deadline!“ oder eher so richtig erwachsen und organisiert?

Deutschland sucht das Supercover

Es gibt ja immer so Cover-Trends. Und weißt du, was das bei mir auslöst? Ich kann die Bücher nicht mehr auseinanderhalten.

ALLE Bücher mit Pastell-Aquarell-Effekt und mutiger Schreibschrift sind ein Buch.

ALLE Bücher mit Scherenschnitt sind ein Buch.

ALLE Bücher mit dunklem Cover und botanischen Details sind ein Buch.

Klar, es gibt Genreconventionen und ein gutes Cover hilft, dass man ein Buch direkt einschätzen kann, aber … übertreiben die nicht ein wenig?

Ich sitz dann hier und denke mir: Ich habe ein Buch geschrieben, von dem ich hoffe, dass es sich ein wenig vom Einheitsbrei abhebt. Meine Geschichten sind keine Bestseller, keine Crowd-Pleaser, die verkaufen sich nicht wie warme Semmeln. Warum sollte ich sie in „COVER VORLAGE 23B“ packen, damit sie genau aussehen wie alle anderen Bücher? Würde das die Verkäufe ankurbeln? Oder wären die Leute enttäuscht, wenn sie nicht „GESCHICHTE ZUR COVER VORLAGE 23B“ kriegen, sondern so etwas seltsames mit Gänsen und Kürbissen und vielleicht dem einen oder anderen Tentakel?

Ich weiß es doch auch nicht!

Erschwerend kommt hinzu – der Covertrend, dem man jetzt hinterherjagt, ist in einem Jahr schon dreimal Geschichte. Hast du bestimmt beim Blick ins Bücherregal auch schon festgestellt. Bei manchen Büchern kann man am Cover ziemlich genau sagen, aus welcher Ära sie kommen … und das muss nichts Schlechtes sein. Aber manche Autor*innen, die ich kenne, versenken Unmengen an Zeit darein, ihre Bücher spätestens alle zwei Jahre dem Markt anzupassen. Manchmal wird mit dem Cover auch der Titel direkt geändert. Und klar, das geht heutzutage leichter, auch dank Selfpublishing. Nur … das sind fertige Bücher. Die Welt dreht sich weiter. Es wird neue Bücher geben, auf die man neue Cover packen kann.

Ehrlich gesagt, ich habe schon eine Weile kein Buchcover mehr gesehen, dass diesen WOW-Effekt auf mich hat. Eines, bei dem ich das Buch unbedingt lesen will und das mir im Gedächtnis geblieben ist.

Wie ist das bei dir? Hast du ein aktuelles Lieblingscover?

Faule Schreiber*innen

Hab ich darüber schon einmal geschimpft? Keine Ahnung, wird offenbar mal wieder Zeit.

Für jedes Genre gibt es bekanntermaßen „Tropes“. Das sind Erzählmuster und Konventionen, die sehr häufig vorkommen oder sogar vorausgesetzt werden.

Und dann gibt es Erzählfiguren, die sind nur faul. Eine befreundete Autorin hat darüber geschimpft, dass in historischen Medien Bösewichte oft darüber charakterisiert werden, dass sie Frauen schlecht oder abwertend behandeln oder ihnen gegenüber sogar (sexuell) übergriffig sind. Und sie hat völlig Recht. Für viele schreibende Personen scheint das so eine Art Abkürzung zu sein: „Die Figur ist gemein zu Frauen, da ist sofort klar, dass sie böse ist.“ Und ehrlich gesagt … ich finde das einfallslos.

Zum einen erleben fast alle Frauen regelmäßig übergriffiges Verhalten. Wir wissen, wie das funktioniert. Und in den meisten Fällen funktioniert es definitiv nicht so, wie es geschrieben wird. Ergo haben die schreibenden Personen schlecht recherchiert.

Zum anderen: Dieses Pferd ist totgeritten. Genau so gut könnte man jede*n Schurken*in eben schnell einen Hundewelpen treten lassen, um zu zeigen, wie böse und gemein er*sie ist. Oder Gänseblümchen mit dem Flammenwerfer niedermetzeln.

(In dem Zusammenhang ein kleiner Exkurs: Es macht deinen „guten Kerl“ auch nicht automatisch zu einem guten Kerl, dass er Frauen wie Menschen behandelt. Das ist ja wohl das Mindeste, was wir erwarten können.)

Denk immer daran, die meisten Schurk*innen begreifen sich selbst ja nicht als böse – egal ob in fiktiven Konflikten oder in der realen Welt. Die wissen, dass es schlecht ist, Frauen schlecht zu behandeln. Sogar die RAF-Leute dachten, sie tun der Welt einen Gefallen und nehmen dafür einige notwendige kleinere Übel in Kauf. Und Leute, die wissen, dass sie etwas Schlechtes tun (wie Einbrecher oder Diebe) können abgesehen davon ganz hinreißende Menschen sein. Möglicherweise bringen sie sogar eine subjektiv gute Begründung für ihr schlechtes Handeln mit.

Umgekehrt wird übrigens auch ein Schuh draus: Es gibt Menschen, die sich für das Gute für die Allgemeinheit einsetzen und gleichzeitig toxische Charakterzüge haben. Niemand ist nur gut oder nur böse. Natürlich ist es schwierig, eine Protagonistin mit internalisierter Misogynie sympathisch zu machen (solche lege ich meistens direkt wieder weg) oder zu erklären, warum der Komissar jetzt seine Frau betrügen muss, aber … Menschen sind kompliziert. Auch (und gerade!) die in Geschichten. Sie stattdessen als Ausstechförmchen-Figuren zu erzählen, die man nicht mal mit Details glasiert hat, wird der Geschichte in den meisten Fällen nicht gerecht.

Neues Jahr, neue Bücher

Eine Wiese ist beinahe komplett mit herbstlichem Laub bedeckt, darauf liegen aufgeschlagene Bücher und bilden einen sich schlängelnden Weg. Die Lichtstimmung ist abendlich.
Foto von Laura Kapfer, gefunden auf Unsplash

Ein neues Jahr ist da, und damit ist Zeit, mir zu überlegen, was ich mit den kommenden zwölf Monaten anstellen will.

Zuerst einmal möchte ich den nächsten Band der „Schattenfall“-Serie veröffentlichen. Insgesamt sind vier Geschichten geplant. Im Moment kämpfe ich damit, dass der zweite Band düsterer werden will, als ich es für die Reihe geplant hatte, und ich die Pläne der Charaktere mit meinen eigenen in Einklang bringen muss. Lustigerweise weiß ich bei Band 2 den Plot und kämpfe mit der Stimmung, bei Band 3 kenne ich die Stimmung und habe noch keinen Plot und für Band 4 weiß ich nur, wie es enden soll. Üblicherweise ergeben sich die Details unterwegs und passen am Ende dann so wunderbar zusammen, als hätte ich das alles meisterlich geplant.

(Beispielsweise wusste ich bis fast zuletzt nicht, welche Rolle der Taubenmann in „Magie hinter den sieben Bergen“ spielen würde. Die Autorin wird offenbar immer zuletzt informiert.)

Außerdem muss ich mir überlegen, was ich mit zwei kompletten weiteren Manuskripten machen möchte, die hier liegen. Beide brauchen noch ordentlich Politur und möchten dann hinaus in die Welt, aber wie mache ich das am besten? Selfpublishing oder Verlagssuche? Für die Verlagssuche spricht, dass ich dann viel mehr Expertenunterstützung bei allem habe, womit ich mich nicht auskenne. Allerdings bin ich echt nicht die geduldigste Person der Welt. Als Selfpublisherin kann ich Dinge viel schneller machen, aber es kostet nun einmal Geld, gewisse Dienstleistungen einzukaufen, wenn ich sie nicht selbst lernen will, und seien wir ehrlich – die meisten SP-Autor*innen, die professionell investieren, sehen die paar tausend Euro pro Buch nicht wieder. Wenigstens haben wir so nie Geld für Drogen.

Das Hörbuchprojekt ist auch noch offen. Im Moment bin ich mit meiner Leistung auf hohem Niveau nicht zufrieden, was meist bedeutet, dass ich demnächst einen Lernsprung durchmachen werde. Wenigstens „Allerseelenkinder“ möchte ich wirklich endlich dieses Jahr fertigkriegen, aber auch das braucht seine Zeit. (Als Faustregel habe ich gelesen, dass man pro fertiger Stunde Hörbuch etwa zwei Stunden Material aufnimmt und vier Stunden schneidet. Nach meiner begrenzten Erfahrung könnte das durchaus stimmen.)

Dann möchte ich wieder mehr Kurzgeschichten schreiben. Letztes Jahr konnte ich Geschichten in zwei Projekten unterbringen und habe mich dabei daran erinnert, wieviel Spaß solche Projekte machen können.

Über ein anderes Projekt, das sich in der Schwebe befindet, sag ich an dieser Stelle lieber nichts. Wenn es funktioniert, wird es episch. Und lustig. Und bunt. Und arbeitsintensiv. Aber vor allem episch.

Hatte ich erwähnt, dass das verflixte Jahr nur zwölf Monate hat? Und dass mein Notebook aktuell Zeichen vorangeschrittenen Alters zeigt und DRINGEND ersetzt werden muss? Ich bin jetzt schon gestresst. ^^

Einige Dinge werde ich hingegen wahrscheinlich nicht machen. Dazu gehören etwa bunte Buchschnitte. Darüber, was gute Bücher für mich ausmacht, schreibe ich vielleicht demnächst einmal. Bunte Farbe gehört in den meisten Fällen nicht dazu.

Zum Ausgleich gibt es eine kleine Lesechallenge: Ich möchte alle 41 Scheibenwelt-Romane hintereinander lesen. Nein, mit halben Sachen geben wir uns gar nicht erst ab. Wo kämen wir denn da hin?

Welche (Lese-/Schreib-/Weltherrschafts-)Pläne hast du?

Angst vor großen Projekten? Nicht mit mir!

Auf einer gehäkelten Decke liegt ein schwarzweißer Kater und schaut aufmerksam nach links. Die Decke besteht aus mehrfahrbig-bunten Kreisen, die mit schwarzem Garn warbenartig verbunden sind. Die Farben reichen von cyanblau über grün, gelb, orange bis rot.
Kurt findet, die Decke steht ihm gut.

Manchmal unterhalte ich mich mit Leuten übers Schreiben, und die erzählen mir: „Ich würde ja so gerne einen Roman schreiben, aber das ist so ein riesiges Projekt! Das krieg ich ja nie fertig!“ Und zum einen verstehe ich das, zum anderen … du musst dir einfach kleinere Stücke abbeißen.

Seit einer Weile schon wollte ich mal eine Decke häkeln. Nur um zu gucken, ob ich das kann. Aber so eine Decke ist ja groß, und ich weiß, wie lange ich schon für die Schultertücher brauche. Bestimmt schaffe ich das nie, so ein großes Projekt!

Glücklicherweise hatte die Garnmanufaktur letztes Jahr das perfekte Set für mich – eine Anleitung mitsamt Garn für eine Temperaturdecke. Temperaturdecken (oder Schals, oder …) funktionieren immer nach dem gleichen Prinzip: Für jeden Tag wird ein Abschnitt gestrickt oder gehäkelt, und die Farbe sucht man nach dem Wetter des jeweiligen Tages aus. Dieses Projekt gefiel mir besonders, weil jede Kachel drei Informationen enthält: Wenn es an dem Tag geregnet hat, ist das Zentrum der Kachel schwarz. Die innere Farbe steht für die Mindesttemperatur, die äußere für die Höchsttemperatur – und verbunden wird alles wieder wabenartig mit schwarzem Garn. Und das Schöne – du hast es erraten – man macht jeden Tag nur eine Kachel. Das hat am Anfang bei mir etwa eine halbe Stunde gedauert, die letzte Kachel heute morgen habe ich in 15 Minuten gehäkelt.

(Meine Decke geht von einer Wintersonnenwende zur nächsten, mit schwarzen Kacheln für den Neumond und Kacheln mit silbernem Rand – mit Hilfe von Beilaufgarn – für Vollmondtage, deswegen ist sie heute morgen fertig geworden.)

Rein theoretisch musste ich mich also nur jeden Tag für etwa eine halbe Stunde hinsetzen und die Kachel für den Vortag machen. Klingt völlig realistisch, oder? Also habe ich das Set gekauft und mich drangesetzt. Und natürlich lief es NICHT immer so schön regelmäßig. Manchmal war ich Abends zu müde, um mit mehreren Farben zu häkeln. Manchmal hatte ich keine Zeit. Manchmal musste ein anderes Projekt fertig werden – oder ich war auf Reisen, da nimmt man lieber nur ein Knäuel mit statt einer Box voller Garn.

Karton mit mehreren kleinen Garnknäueln in unterschiedlichen Stadien des Verbrauchs. Von oben links (blau) bis unten rechts (rot-pink) insgesamt 13 Knäuel. Unten links in der Box außerdem zwei Spulen mit Beilaufgarn, eines davon silberfarben, eine Bastelschere und eine schlichte Häkelnadel. Schwarzer Faden ragt zwischen den anderen Knäueln hervor.
Die Reste vom Feste. Reicht wahrscheinlich für drei weitere Tücher.

Und zu guter Letzt – als es im Sommer so warm war, dass die Temperaturtabelle der Garnmanufaktur nicht mehr ausreichte, um das Wetter abzubilden, und ich kupferfarbenes Beilaufgarn für die beiden heißesten Tage hinzugenommen habe, hatte ich längere Zeit einfach keine Lust, dann auch noch schwitzend unter so einem halbfertigen Ding zu sitzen. Also habe ich mir nur fleißig Notizen zu Niederschlag und Temperatur gemacht (dieser Homepage sei Dank!) und mich, als es wieder kühler wurde, ans Werk gemacht, um wieder aufzuholen. War auch gar nicht schlimm, als ich zeitweise 40(!!) Kacheln zurück lag. Ich wusste allerdings, dass ich am 21.12. die letzte Kachel häkeln wollte.

Das habe ich heute morgen auch gemacht. Also ein Jahr lang jeden Tag im Schnitt 25 Minuten Arbeit, und am Ende hat man eine Decke.

Genau das gleiche kannst du mit einem Roman machen. Sagen wir, der soll etwa 80.000 Wörter lang werden. „Carrie“ von Stephen King hat im Original etwa 62.000 Wörter, mit 80.000 bist du also schon wirklich gut dabei. Wenn du das innerhalb eines Jahres schreiben wolltest und würdest dich dafür jeden Tag dransetzen, wie viele Wörter wären das pro Tag?

Ich hab’s für dich ausgerechnet: Etwa 220.

220 Wörter – dieser Blogpost ist schon länger! Das ist etwa eine Normseite. Die schafft man ganz fix! Am besten machst du dich also direkt heute ans Werk. Und wenn du mal an einem Tag nichts schreibst, ist das nicht wild – du kannst aufholen, und an anderen Tagen schreibst du dafür bestimmt mehr, wenn du einmal im Fluss bist. Beiß dir von dem Mammutprojekt „Roman“ also einfach jeden Tag 220 Wörter ab und schau, dass du die fertig kriegst.

(Natürlich ist es gut, wenn man für solche Projekte einen Plan hat. Das muss kein Plot sein, wenn du lieber drauflos schreibst, aber ein Plan wäre gut.)

Und wenn du das durchziehst, hast du am Ende des Jahres eine wunderbare Wortdecke, in die du deine Leser einwickeln kannst.

Aufsicht von oben auf die Decke. An den Rändern erkennt man, dass sie aus Sechsecken besteht, und dass die Farben grob diagonal verteilt sind. Auf der Decke liegt der schwarzweiße Kater und fühlt sich sehr wohl. Am Rand des Bildes herrscht Chaos.
Fertiger Roman (Symbolbild).

Zurück zur Schule – wieder und wieder und wieder und …

Tisch mit Knete in Töpfen, großen Holzbuchstaben, Stiften und Papier. Ein niedriger Holzstuhl mit rosa Lehne steht am Stuhl, im Hintergrund ein Spielzeugklavier.
Von Gautam Arora, auf Unsplash

Es ist ein fauler Tag. Ich hab nicht viel gemacht und ruhe mich jetzt davon aus. Im Hintergrund laufen Failvideos auf Youtube, die Katze schnarcht neben mir und ich scrolle durch Instagram.

Innerhalb von zehn Minuten habe ich vier(!) verschiedene(!) Vorstellungen von Büchern gelesen, die an magischen Internaten spielen.

Warum???

Abklatsch der Serie, die nicht genannt werden wird? Nostalgischer Self-Insert? Oder bauen die Schreibenden darauf, dass alle wohl mal auf einer Schule waren und sich deswegen bestimmt grandios abgeholt fühlen?

Keine Ahnung. Aber gerade im Fantasy-Bereich geht mir der Mangel an Fantasie auf den Zeiger. (Minuspunkte, wenn die Story grundlos in Schottland spielt, das hatte ich diese Woche schon zweimal.) Und auf den ersten Blick ist es auch immer die gleiche Geschichte: X kommt später an die magische Schule als alle anderen, alle finden sie doof, gezwungenermaßen arbeitet sie mit dem mysteriösen Y zusammen, wird versehentlich zur Schulbesten und klärt dabei noch ein finsteres Geheimnis auf.

Laaaaaangweilig!

Stellt die verdammte Schule doch wenigstens mal in den Ruhrpott – und macht ein Finanzamt draus. Nehmt eine*n Protagonisten*in, der*die den Führerschein nicht erst seit zwei Wochen hat. Erspart mir den Love Plot mit dem (wenig) überraschend feinfühligen Bad Boy. Und steckt mehr Überlegung ins Worldbuilding als „… und Magie!“

Gut, möglicherweise bin ich nicht die Zielgruppe für diese Art Romane. Andererseits lese ich YA/NA Fantasy durchaus gern, wenn sie gut gemacht ist – von Frances Hardinge habe ich bestimmt schon das eine oder andere Mal geschwärmt? Oder kennt hier wer „A wizard’s guide to defensive baking“ von T. Kingfisher?

Vielleicht bin ich auch nur alt und grummelig. Ich sollte meinen Tee trinken und ins Bett gehen, wie es sich für eine alte Frau gehört. Nur ein Hoffnungsschimmer bleibt mir: Wenigstens muss ich morgen früh nicht ins Internat, um mit den Mean Girls zu konkurrieren, während Brad mich finster anschmachtet.

(Oh, Brad!)