Prolog – ja oder nein?

Prologe gehören zu den größten Dummheiten, die man als Autor*In begehen kann.

Heißt es wenigstens.

Man soll die Geschichte am Anfang beginnen, mit Spannung oder einem Trompetenschlag. Der Leser soll direkt in die Geschichte hineingesogen werden, ohne Chance, sich aus dem Gewirr je wieder zu befreien.

Und ein Prolog macht genau das eben nicht. Der ist ja vor der eigentlichen Geschichte angesiedelt und oft aus einer komplett anderen Perspektive erzählt als die eigentliche Geschichte.

Also sollte man sich beim Schreiben gut überlegen, ob man den Prolog wirklich braucht. Oder kann man die enthaltenen Informationen nicht besser in Rückblenden oder häppchenweise unterbringen?

Jetzt kennt ihr mich natürlich schon eine Weile. Habt vielleicht sogar mal etwas von mir gelesen. Dann könntet ihr wissen, dass jeder einzelne verf***te Band von „Magie hinter den sieben Bergen“ mit einem Prolog anfängt.

Was hat sie sich dabei nur gedacht?

Erst einmal, ehrlich gesagt, nicht so viel. Bei „Allerseelekinder“ fühlte sich das für die Geschichte richtig an, und als mir einige Wochen nach Veröffentlichung aufging, dass da mehr drin steckt, war es nur logisch, diesen Aufbau beizubehalten.

Immerhin habe ich versucht, in den Prologen so viele ungelöste Fragen aufzuwerfen, dass Leser direkt wissen wollen, wie Helena jetzt in diesen Schlamassel passt. Ob das jetzt so gut gelungen ist, kann ich als „Mami“ der Geschichten nicht beantworten – ich finde sie alle wunderschön, auch wenn sie ihre Macken und Schwächen haben.

Bei anderen Geschichten war ein Prolog nicht nötig, und ich habe mich nicht so recht verbrezelt, auf Gedeih und Verderb einen zu schaffen, wo keiner nötig war.

Meine überaus eindeutige Antwort auf den Titel des Beitrages wäre also ein herzliches JEIN. Und ihr? Habt ihr vielleicht sogar einen Lieblingsprolog? Oder einen, der besonders überflüssig war?

Die (halb-)nackte Wahrheit

Schreiben ist ein traumatisches Erlebnis.

Nicht nur für mich als Autorin, sondern auch für meine Katzen (und eventuell durchs Fenster linsende Nachbarn).

Dazu muss man wissen, dass ich meistens morgens direkt nach dem Aufstehen schreibe. Ich greife höchstens, wenn es kalt ist, beliebige Kleidung vom Stapel neben dem Bett. Und ich bin chronische Nacktschläferin (das ist Teil der Verteidigung gegen eventuell einbrechende Bösewichte). Ansonsten wickle ich mich der Hygiene halber vielleicht noch in eine der umherliegenden Decken, und dann geht es an den Schreibtisch.

Nicht der glamouröse Lebensstil, den ihr euch vorgestellt habt?

So ist das aber. Ich lasse nichts zwischen mich und meine Muse kommen. Schon gar nicht so etwas Banales wie die Suche nach Klamotten.

ROMANCE ISN’T DEAD*

Oh nein! Ist sie kaputt?

Tja, vielleicht, aber mit diesem Blogbeitrag hat das nichts zu tun.

Oder möglicherweise doch. Denn mein Unterbewusstsein hat mir ein Problem verpasst: Mein nächstes Manuskript wird ROMANTISCH!

Ich weiß, was ihr jetzt sagt. Man soll nur über das schreiben, womit man sich auskennt. Und an den meisten Tagen beschränkt meine romantische Ader sich darauf, dass ich ohne (lautes) Murren getragene Socken einsammle und Abends trotzdem noch meine Schokolade mit dem Mann teile. Wie soll so jemand in einer Weise über Romantik schreiben, die einen aus den Socken haut?

(Ja, genau nämliche Socken, die man anschließend wieder aufsammeln und waschen muss, für immer und immer und immer … )

Falls es euch tröstet: Ich versuche es gar nicht erst. Oder wenigstens nicht auf die Weise, die ein rosa Cover mit Blütenblättern und aquarell-Scherenschnitten oder mysteriöse Frauenaugen und einen unbekleideten Bad Boy verlangt. Stattdessen schreibe ich – wenigstens ist das so geplant, ich bin erst wenige tausend Worte im Plot drin – über Langzeitbeziehungen und Missverständnisse und darüber, wie man unterschiedliche Lebenspläne miteinander kombiniert, so dass niemand zu kurz kommt.

Und nur, damit es nicht zu langweilig wird, wird der Bonner Personennahverkehr das Tor zur Hölle.

(Wer regelmäßig damit fährt, weiß, dass das noch nicht der fantastische Teil meiner ERzählung wird. Aber mehr möchte ich euch an dieser Stelle noch nicht verraten – nicht weil ich Angst hätte, dass jemand von euch meine grandiosen Plot-Ideen stiehlt, sondern weil eine Geschichte selten so endet, wie ich die Planung begonnen habe, und mein Erfolgsgeheimnis besteht darin, am Ende so zu tun, als sei das alles genau so gelaufen, wie ich wollte.)

 

* Der Titel ist übrigens eine Anspielung auf Oscar Wilde, der einen Feuerwerkskörper in einem Märchen sagen lässt: „Romance is dead“ – ich liebe Oscar Wilde.

Was ich von meiner schlechtesten Rezension gelernt habe

Am 23.06.2014 schrieb eine unzufriedene Amazon-Kundin über „Allerseelenkinder“:

Bin etwas enttäuscht, es ließ sich recht flüssig lesen, aber spannend war anders. Ich empfand das Buch teilweise sogar als billigen Abklatsch von Harry Potter. Hier ist noch reichlich Luft nach oben.

Serviert wurde das ganze mit zwei Sternen. Jetzt könnt ihr euch vielleicht vorstellen, dass Autor*Innen es nicht besonders zu schätzen wissen, wenn man ihr „Baby“ als hässlich bezeichnet. Und nichts anderes ist eine schlechte Rezension für unsere Eitelkeit – ich bin da gar keine Ausnahme.

Seitdem habe ich noch einige andere schlechte Bewertungen für meine Geschichten kassiert, aber das hier war die erste, deswegen ist sie mir im Gedächtnis geblieben. Lange habe ich mich über den Harry-Potter-Vergleich empört: Wenn ich schon ein Abklatsch bin, dann doch bitte einer von richtigen Urban-Fantasy-Romanen und nicht von einer klassischen britischen Internatsgeschichte mit Zauberbesen!

Auf lange Sicht habe ich durch diese Rezension jedoch etwas ziemlich Wichtiges gelernt: Ich kann nicht beeinflussen, von wo ich meine Leser*Innen abhole. Es liegt kein Stück in meiner Macht, was sie vorher gelesen haben, welche Erfahrung sie mit ähnlichen Büchern gemacht haben und vor allem: WIE SIE LESEN, WAS ICH GESCHRIEBEN HABE.

Habe ich meine Arbeit gut gemacht, dann können diejenigen, die meine Geschichten lesen, ungefähr nachvollziehen, was in meinem Kopf vorging. Aber es gibt soooo viele Stolperfallen: Ein Symbol kann aufgrund subjektiver Erfahrungen oder unterschiedlicher kultureller Hintergründe komplett unterschiedlich gelesen werden. Eine Formulierung ist vielleicht missverständlich. Eine Anspielung wird eventuell nicht verstanden, weil der*die Leser*In das Material, auf das Bezug genommen wird, nicht kennt. Ach, das sind nur die Probleme, die mir spontan einfallen. Bestimmt gibt es noch tonnenweise weitere Stolperfallen. Zu subtil geschrieben? Oder vielleicht doch zu viele Andeutungen?

Das einzige, was ich als Autorin leisten kann: Ich kann versuchen, die bestmögliche Geschichte zu erzählen, und konstant daran arbeiten, mein Handwerkszeug zu verbessern. Was die Leser*Innen dann damit machen, wenn die Geschichte erst einmal in der Welt ist, darauf habe ich keinen Einfluss mehr.

Eine neue Geschichte ist wie ein neues Leben

Angeblich gibt es Autor*Innen, die auf Anhieb ihren ultimativen Text nennen können. Den Text, der all ihr „Schreib-Sein“ enthält. Ihr verwöhntes Lieblingskind, sozusagen.

Zu dieser Gruppe gehöre ich definitiv nicht.

Meine Lieblingsgeschichte ist IMMER diejenige, an der ich als nächstes arbeite. Jede neue Idee, für die ich noch keine Zeit habe, ist garantiert der tollste Text der Welt, die grandioseste Geschichte, die es je geben wird, und überhaupt ganz wunderbar.

Die Geschichte, die ich gerade fertig überarbeitet habe, kann ich garantiert nicht mehr sehen. (Und dann noch einen Durchgang!)

Das klingt jetzt ein wenig so, als seien meine fertigen Bücher so etwas wie verflossene fiktive Romanzen, aber so schlimm ist es nicht. Ich brauche nur ein wenig Abstand. Schließlich weiß ich ganz genau, was ich an jeder Geschichte so besonders fand, dass ich sie unbedingt schreiben musste. Ich kenne üblicherweise auch ihre Schwächen und ahne wenigstens, was ich falsch gemacht habe (schielt hinüber zu „Lilienschwester“, das wegen schreiberischer Ungeduld nie eine echte Chance hatte). Wenn ich also nach einer Weile meine eigenen Geschichten noch einmal lese, freue ich mich immer wieder über die gelungenen Momente, und über die weniger gelungenen verdrehe ich eben die Augen – wie eine Mutter angesichts der Eskapaden ihrer erwachsenen Kinder.

Ich weiß, es gibt Autor*Innen, die immer wieder ihre eigenen Geschichten überarbeiten und verbessern. Goethe war so einer, von dem habt ihr bestimmt schon gehört. Allerdings versuche ich, die Überarbeitungen auf ein Minimum zu reduzieren. Tippfehler ausbügeln, fiese Wortwiederholungen oder Fehlformulierungen entfernen. Viel mehr mache ich im Text nicht, auch wenn es möglich wäre. Denn alle Zeit, die ich auf diese Verbesserungen verwenden würde, würde mir für neue Geschichten fehlen.

Wahrscheinlich bin ich ein „Allem Anfang wohnt ein Zauber inne“-Junkie. Meine einzige Hoffnung auf bessere Geschichten sind langfristig wohl bessere erste Entwürfe, aber das kann noch einen Moment dauern. ^^

(Und falls es euch interessiert: Gerade jetzt bin ich verliebt in eine Geschichte, die Romantik und Dämonen enthält. Es wird episch!)

Nach der Geschichte ist vor der Geschichte!

Auf anderen Plattformen habt ihr es vielleicht schon mitbekommen – pünktlich am 30.06.2019, wie geplant, habe ich den ersten Entwurf meines SciFi-Manuskripts beendet.IMG_2615

Es ist noch kein schönes Manuskript, das ist mir klar.

Es ist auch noch nicht besonders scifi-esk.

Und die Charaktere tun noch nicht so richtig, was sie sollen – oder sie tun es aus den falschen Gründen.

Baustellen über Baustellen. Aber wisst ihr was? Ein schlechtes Manuskript kann man überarbeiten – wenn man es erst einmal geschrieben hat.

Auf jeden Fall war feiern angesagt. Da bin ich ganz wild.

Zuerst einmal habe ich das Notebook zugeklappt.

Dann habe ich den restlichen Tag auf dem Sofa gelegen.

Also, nicht nur. Zwischendrin brauchte mein Finanzamt ein paar weitere Unterlagen von mir, das habe ich schnell fertiggemacht. Buchhaltung gehört ja zu meinen großen Lebens-Albträumen.

Aber gefeiert habe ich, so richtig. Und mich belohnt. Mit neuer Buchhaltungssoftware.

(Ihr merkt schon, ihr habt es hier mit einer richtigen Dekadenzmaus zu tun!)

Zugegeben, ein kleines Andenken habe ich mir auch gegönnt – einen Anhänger aus Büffelknochen. Ich mag Schmuck aus nachwachsenden Materialien: Knochen, Holz, Leder, Federn, Garn, Papier.

Wo war ich stehengeblieben? Ach ja, die wilde Feier.

Um ehrlich zu sein, ich war zu müde. Also Sofa, ein wenig Sonne, mehr Sofa.

Und am 01.07. ging es mit dem nächsten Manuskript weiter. Aber da bin ich abends unfreiwillig eskaliert, ich musste nämlich bei einer Freundin einen neuen Gin-Cocktail ausprobieren.

„Aber nur einen!“

Allerdings waren wir mit dem Mischverhältnis nicht ganz so zufrieden, und dann … Sagen wir so, ich habe Richard dann später gebeten, mich abzuholen. Nachdem ich dem Freund dieser Freundin im Detail meine feministischen Ideen und die Grundidee für das feministische Theaterstück, das besagte Freundin und ich auf die Bühne bringen wollen, erklärt habe.

Tja, das war so alles nicht geplant. ^^

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Guter Rat ist teuer – schlechter Rat kann einen teuer zu stehen kommen

Das gilt nicht nur, aber auch für Schreibratschläge. Und von denen gibt es viele! Das Stichwort „Autorenratgeber“ allein hat über hundert Treffer bei Amazon. Für „Schreibratgeber“ sind es mehr als dreihundert. Und in denen steht nicht alles das gleiche – ganz im Gegenteil!

Einige raten dir, du sollst einen detaillierten Szenenplan schreiben.

Andere schwärmen von der „Schneeflockenmethode“.

Manchmal heißt es, man müsse erst komplett ausgearbeitete Charaktere haben, dann folge die Geschichte von ganz alleine.

Dann wiederum soll man am besten einfach blind in eine Szene springen und darauf hoffen, dass das Unterbewusstsein schon wisse, was es tut.

Ich könnte diese Liste fortsetzen, aber ich bin faul. Stattdessen wollte ich den besten und den schlechtesten Schreibratschlag, den ich je bekommen habe, mit euch teilen.

Mein absoluter, unbedingter Favorit:

Butt in chair!

Das heißt nicht unbedingt, dass man nur in einem Stuhl sitzend schreiben kann. Ich hab’s getestet: Sofa, Bett, Balkon, U-Bahn, … – Schreiben geht überall. Aber man muss es auch wirklich tun. Und dazu gehört, dass man auftaucht. Regelmäßig. Am besten jeden Tag. Auch wenn man keine Lust hat. Sonst träumt man sein Leben lang davon, dieses eine wunderbare Buch zu schreiben … sobald die Gelegenheit kommt. Und die kommt nicht, meine Lieben. Die ist schon da und wartet darauf, dass ihr eure Hintern in eure Schreibstühle pflanzt und loslegt.

Wer so starke Gefühle für so scheinbar triviale Ideen hegt, der hat doch bestimmt auch einen Ratschlag, mit dem ihn die Hassliebe verbindet. Und auch da kann ich euch etwas liefern:

Höre nicht auf das, was der Markt sagt!

Oh ja, der böse Markt. Echte Künstler richten sich nie nach dem Markt. Oder? Überlegt mal, was „der Markt“ in diesem Fall ist: Leute, die gerne lesen. Quasi deine Leser, wenn du es richtig machst. Und diese Leser wissen sehr genau, was sie mögen – nämlich Geschichten, die funktionieren. Vielleicht können sie dir nicht sagen, warum eine Geschichte funktioniert, aber man muss auch kein Pyrotechniker sein, um ein hübsches Feuerwerk zu genießen. Also lohnt es sich, zu schauen, was den Lesern gefällt – was euren potenziellen Lesern gefällt. Und wenn ihr wisst, wer diese Leser sind und was sie mögen, könnt ihr euch immer noch daran machen, mit den Erwartungen zu spielen. Aber „der Markt“ ist eben keine finstere, dir feindlich gesonnene Macht, die man nicht versteht. „Der Markt“ besteht aus Lesern, und Leser sind unsere Freunde.

(Das bedeutet natürlich nicht, dass ihr X Abklatsche der Spiegel-Bestsellerliste schreiben sollt. Was für eine langweilige Buchwelt wäre das denn! Aber sogar bei Büchern, die eigentlich nicht eurem Geschmack entsprechen, lässt sich mit ein wenig Ausprobieren leicht herausfinden, was die Leser reizt: Ist es die dramatische Geschichte? Ein brandaktuelles Thema? Interessante Charaktere? Schöne Sprache? … )

Hinter den Kulissen

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Das Autorenleben ist schon schön, nicht wahr? Wenigstens tun viele von uns online so, als sei die Schreiberei eine einzige Reihe aus betippten Seiten und Latte Macchiatos. Ich bin da gar keine große Ausnahme.

Was ich alles nicht erzähle:

  • Die extern ans Notebook angeschlossene ergonomische Tastatur, die gegen Karpaltunnelsyndrom helfen soll, kann ganz schön lästig sein.
  • An manchen Abenden quäle ich mich nach Büro, Sport, Haushalt noch einmal für eine Stunde an den Rechner und starre beim Tippen die ganze Zeit über auf den Wortzähler – sobald mein Minimum aufgebraucht ist, fliehe ich. Die Wörter müssen nicht einmal schön sein, nur zahlreich.
  • Bis man das nicht mehr merkt, braucht es mehrere Überarbeitungsrunden. Und ein Jungfrauenopfer.
  • Ich hasse Überarbeiten, aber es ist absolut notwendig. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich dabei oft erst feststelle, wie sehr mein erster/zweiter/drölfter Entwurf „all over the place“ ist und was man alles noch reparieren muss.
  • Marketing ist übrigens noch schlimmer als Überarbeiten. Hier ist meine Geschichte. Kauft sie. Sie ist gut. Muss ich wirklich noch mehr sagen?

Gut, vielleicht habt ihr mich über diese Dinge schon das eine oder andere Mal jammern hören. Weitere Dinge, die ich noch geheimer halte:

  • Es gibt Tage, da will ich alles einfach löschen und wegwerfen und nie wieder einen kreativen Satz schreiben.
  • Die Vorstellung, dass mir das Manuskript nach zwei Dritteln unter den Händen wegsterben könnte, verursacht mir Albträume.
  • Es macht sehr viel Spaß, in einer Bar zu sitzen, Cocktails zu trinken und darüber zu reden, dass ich ja Autorin sei. Und das funktioniert rein theoretisch sogar, wenn man seit Wochen keinen zusammenhängenden Absatz geschrieben hat.
  • Ich bin überzeugt, mein Leben wäre organisatorisch sehr viel einfacher, wenn ich diese lästige Schreiberei einfach sein lassen könnte.
  • Andererseits bin ich unerträglich, wenn ich drei Tage nicht geschrieben habe.

Tja, das ist die ungeschminkte Wahrheit. Kaffee gibt es natürlich trotzdem. Und nachdem man sich ordentlich ausgejammert hat, macht man genau da weiter, wo man aufgehört hat. Der nächste Entwurf wird dann auf einem höheren Level schlecht.

Smartphones – die Stiefkinder der Kreativität

Manchmal scheint mir, als hätten Autoren seit den Neunzigern nicht viel dazugelernt. Sie setzen Leute in unmöglichen Situationen aus – und das erste, was sie machen: Sie nehmen ihnen auf eine mehr oder weniger dumme Weise das Telefon weg.

Einige ältere Generationen erinnern sich vielleicht noch daran – als ich im Gymnasium war, waren Handys neu und aufregend, SMS waren teuer und längst nicht jeder hatte so ein grandioses Teil.

Inzwischen gilt man als seltsam, wenn man KEIN Handy hat.

Viele Stories sind allerdings ganz leicht zu lösen, wenn die Charaktere ein Telefon haben – glaubt man wenigstens.

Verlaufen? Dein Telefon hat GPS und eine Karten-App.

Jemand bricht in dein Haus ein? Ruf die Polizei.

Du siehst etwas Seltsames? Mach schnell ein Foto davon. Die meisten Smartphone-Kameras sind besser als das, was Hobbyfotografen damals mit sich herumschleppen (und die Fotos dann für teures Geld entwickeln lassen) mussten. Und meine Güte, die Dinger haben ja sogar Videofunktion!

Was macht die findige Autorin also seit den Neunzigern? Sie lässt dem Handy die Batterie auslaufen. Oder ausgerechnet im entscheidenden Moment haben die Charaktere ihre Handys vergessen – im Auto, daheim, im Büro. Oft lassen sie es auch absichtlich liegen, weil sie bestimmten Anrufen aus dem Weg gehen wollen (oder, jüngeren Datums, ein Technik-Sabbatical-Wochenende machen). Ebenfalls beliebt sind kleine Unfälle, bei denen das Telefon dann durch Ungeschicklichkeit gebrauchsunfähig wird. Oder man schickt die Leute eben fix in die Wildnis, wo es kein Netz gibt.

Ich finde das inzwischen ziemlich faul. Smartphones sind inzwischen überall, und sie verschwinden auch nicht eben schnell, weil Autorinnen es sich wünschen. Aufgebrauchtes Datenvolumen kann man aufstocken, in großen Teilen der zivilisierten Welt ist der Empfang flächendeckend und wer Angst um seinen Akku hat, trägt eine Powerbank mit sich. Einmal abgesehen davon, dass man Smartphones fast überall laden kann und die meisten Leute das auch konstant tun.

Und wenn wir einmal ehrlich sind – Smartphones lösen gar nicht alle Probleme. Sogar wenn der Held im entscheidenden Moment die Polizei rufen kann, braucht die trotzdem noch eine Weile, um anzukommen. Falls er überhaupt glaubhaft vermitteln kann, was gerade los ist und wo er sich befindet. Fotos und Videos von merkwürdigen Ereignissen könnten manipuliert sein. Und auch wenn man weiß, wo man sich befindet, kann man trotzdem kilometerweit von Hilfe entfernt sein. Sogar wenn man anderen seinen Standpunkt exakt mitteilen kann.

Ich finde, wir sollten Smartphones stattdessen lieber für unsere Zwecke einsetzen. Sie lösen nicht alle Probleme, sie ruinieren nicht jeden Plot und sie können unser Leben sowohl einfacher als auch gefährlicher machen – je nachdem, wie die Autorin sie einsetzt.

Lese-Themen

Auf dieser Unterseite könnt ihr, falls es euch interessiert, nachverfolgen, was ich so lese. Und wenn ihr genau hinschaut, erkennt ihr für 2019 vielleicht eine Art Lesethema – oder eher eine Challenge. Gut, so genau muss man gar nicht hinschauen. Ich möchte, möglichst innerhalb eines Jahres, sämtliche Scheibenwelt-Romane in chronologischer Reihenfolge lesen.

Die Gründe hierfür sind ziemlich einfach.

  1. Ich finde Terry Pratchetts Beobachtungsgabe unglaublich.
  2. Ich möchte schauen, ob/wie sich sein Schreiben mit der Zeit verändert hat.

Ja, das ist so ein Autorinnen-Ding. Gerade bei anderen Schreibenden, die wir selbst verehren, lohnt es sich, einen Blick auf die Schreibentwicklung zu tun, denn nicht einmal die großen Genies sind fertig aus dem Kreativ-Ei geschlüpft, und wenn sie das von sich selbst glaubten, täten sie die Chance auf Weiterentwicklung verschenken.

Mir geht es beim Schreiben meistens so, dass ich zeitweise ganz verliebt bin in das, was ich da tue. Dann wieder halte ich alles für Mist. Gegen Ende bin ich dann von jeder Geschichte schon eher überzeugt – sonst würde ich sie euch ja nicht zeigen. Und wenn ich nach ein paar Jahren noch einmal reinschaue, fallen mir so typische Anfängerfehler auf – egal, ob es mein erstes oder siebtes Buch ist. Heißt hoffentlich, dass ich ständig dazulerne und besser werde.

(Alternativ: Dass ich die gleichen Fehler immer wieder mache, aber davon gehen wir, bitte, nicht aus.)

Wer selbst schreibt, liest sowieso ganz anders. Einige AutorInnen die ich kenne, sagen, sie läsen gar nicht mehr, denn sie hätten Angst, dass die Schreibweise anderer Leute ihren eigenen Stil verwässere. Andere sagen, das Erlernen des Schreibhandwerkes hätte ihnen das Lesen madig gemacht, weil sie nur noch als AutorInnen lesen und sich nicht mehr einfach an einer Geschichte freuen können. Für mich ist es ein Mittelding: je mehr ich schreibe, desto weniger Geduld habe ich für handwerklich schlechte oder mittelmäßige Bücher – die lege ich schnell wieder beiseite. Gut gemachte Bücher kann ich aber auch viel mehr genießen, weil ich oft nachvollziehen kann, wie bestimmte Effekte im Text erzielt worden sind.

Udn wie sieht es jetzt auf der Scheibenwelt aus? Ich bin gerade erst mit Band 4 fertig, aber ich werde euch über meine Erkenntnisse auf dem Laufenden halten, wenn sie denn (scheiben-)weltbewegend sind.