Zurück zur Schule – wieder und wieder und wieder und …

Tisch mit Knete in Töpfen, großen Holzbuchstaben, Stiften und Papier. Ein niedriger Holzstuhl mit rosa Lehne steht am Stuhl, im Hintergrund ein Spielzeugklavier.
Von Gautam Arora, auf Unsplash

Es ist ein fauler Tag. Ich hab nicht viel gemacht und ruhe mich jetzt davon aus. Im Hintergrund laufen Failvideos auf Youtube, die Katze schnarcht neben mir und ich scrolle durch Instagram.

Innerhalb von zehn Minuten habe ich vier(!) verschiedene(!) Vorstellungen von Büchern gelesen, die an magischen Internaten spielen.

Warum???

Abklatsch der Serie, die nicht genannt werden wird? Nostalgischer Self-Insert? Oder bauen die Schreibenden darauf, dass alle wohl mal auf einer Schule waren und sich deswegen bestimmt grandios abgeholt fühlen?

Keine Ahnung. Aber gerade im Fantasy-Bereich geht mir der Mangel an Fantasie auf den Zeiger. (Minuspunkte, wenn die Story grundlos in Schottland spielt, das hatte ich diese Woche schon zweimal.) Und auf den ersten Blick ist es auch immer die gleiche Geschichte: X kommt später an die magische Schule als alle anderen, alle finden sie doof, gezwungenermaßen arbeitet sie mit dem mysteriösen Y zusammen, wird versehentlich zur Schulbesten und klärt dabei noch ein finsteres Geheimnis auf.

Laaaaaangweilig!

Stellt die verdammte Schule doch wenigstens mal in den Ruhrpott – und macht ein Finanzamt draus. Nehmt eine*n Protagonisten*in, der*die den Führerschein nicht erst seit zwei Wochen hat. Erspart mir den Love Plot mit dem (wenig) überraschend feinfühligen Bad Boy. Und steckt mehr Überlegung ins Worldbuilding als „… und Magie!“

Gut, möglicherweise bin ich nicht die Zielgruppe für diese Art Romane. Andererseits lese ich YA/NA Fantasy durchaus gern, wenn sie gut gemacht ist – von Frances Hardinge habe ich bestimmt schon das eine oder andere Mal geschwärmt? Oder kennt hier wer „A wizard’s guide to defensive baking“ von T. Kingfisher?

Vielleicht bin ich auch nur alt und grummelig. Ich sollte meinen Tee trinken und ins Bett gehen, wie es sich für eine alte Frau gehört. Nur ein Hoffnungsschimmer bleibt mir: Wenigstens muss ich morgen früh nicht ins Internat, um mit den Mean Girls zu konkurrieren, während Brad mich finster anschmachtet.

(Oh, Brad!)

Keine Macht den Drogen! (Aus finanziellen Gründen)

Jeden Monat um den Fünfzehnten herum aktualisiere ich meine Buchhaltung. Da sind nämlich die Vormonats-Berichte von Kindle Direct Publishing verfügbar, und das ist für Selfpublisher*innen wie mich nun einmal eine relevante Einnahmequelle. Und was kann ich sagen? Es könnte schlimmer sein. Es könnte aber auch viel, viel besser sein.

Weißer Hinter- und Untergrund. IM Zentrum des Bildes groß fünf Münzstapel, von links nach rechts: Ein-Cent-Münzen, Zwei-Cent-Münzen, Fünf-Cent-Münzen, Zehn-Cent-Münzen, zwanzig-Cent-Münzen. Der Gesamtwert der Münzen liegt unter vier Euro.
Foto von Ibrahim Rifath, gefunden auf Unsplash.

Bestimmt hast du schon öfter darüber jammern hören, doch meine Stimme fehlt gerade im Chor: Die meisten schreibenden Personen werden durch das Schreiben nicht reich – es sei denn, sie schreiben einen Erpresserbrief, das soll ganz lukrativ sein. Bücher hingegen … na ja. Wir machen das ja nicht für den Mammon, sondern für die Kunst. Oder wenigstens rede ich mir das gerne ein.

Wenn mir Leute erzählen, dass ihre Kinder beruflich Bücher schreiben wollen, bemühe ich mich stets, etwas Ermutigendes zu sagen: „Toll! So hat dein Kind nie Geld für Drogen!“

Natürlich wissen wir alle, dass Leute wie Stephen King im Lauf ihrer Karriere durchaus Geld für Drogen hatten, nur ist das leider eher die Ausnahme als die Regel. Dennoch hegen alle, die Bücher schreiben, diesen heimlichen Traum: Ich will zu den finanziell erfolgreichen zwei Prozent gehören! Wer behauptet, dem sei nicht so, betrügt die anderen und sich selbst nur gründlicher als die meisten.

Auf meinem gemütlichen Bürojob-Polster kann ich es mir natürlich leisten, genau das zu schreiben, was ich schreiben will, in meinem Tempo zu arbeiten und aktuelle Trends zu ignorieren. Anderen Leuten geht es da wesentlich weniger rosig. Welches Genre, welche Art Geschichte wird das nächste große Ding? Ohne den Zauberlehrling, der nicht genannt werden darf, gäbe es aktuell wahrscheinlich sehr viel weniger einförmige Zauberschulenbücher. (Wer für diese lästigen Love Triangles zuständig ist, da bin ich mir noch nicht sicher. Aber wenn ich den*die erwische, dann … ! (Droht mit der Faust.)) Und klaro, alle behaupten, sie schrieben nur Herzensprojekte, denn da das alles hier ja Kunst ist, redet niemand über finanziellen Erfolg oder die Frage, wie man das nächste Lektorat bezahlt.

Ich denke mir: Wenn ich damit schon nicht reich werde, will ich in all den Stunden, die ich am Schreibtisch sitze und tippe, wenigstens Spaß haben. Deswegen gibt es hier keine aktuellen Trends und leider wohl auch nicht „das nächste große Ding!“ (von dem ich natürlich auch träume, siehe oben), dafür aber viele kleine und größere Geschichten, die mir auch bei der dritten Überarbeitungsrunde noch viel Spaß gemacht haben. Natürlich würde ich lieber noch viel mehr Zeit in diese Geschichten stecken, aber da irgendwer das Katzenfutter bezahlen muss, geht das leider nicht.

Und jetzt Butter bei die Fische – was würdest du mit deinem Leben machen, wenn Geld überhaupt keine Rolle spielte?

Vom Gutes-Tun und vom Gutes-Fühlen

Ein Obdachlosenlager. Kartons, eine Matratze, mehrere abgenutzte Decken und Kissen. Auf dem Boden davor ein Schild aus Pappe (nicht lesbar) und ein Becher für Mpnzen. Der Boden ist mit Unrat bedeckt.
Foto von Jon Tyson, gefunden auf Unsplash.

Manchmal wundere ich mich über Menschen.

Seit einiger Zeit geistert ein Text im Internet herum. Ich verlink den nicht – warum, wird gleich hoffentlich klar – aber in Kurz erzählt jemand aus der Ich-Perspektive, wie er*sie vor einem Café saß und beobachtete, wie einige junge Leute zu einem Obdachlosen gemein waren. Dann ging die Person in den nächsten Laden und kaufte Lebensmittel, Socken etc. für den Obdachlosen. Der wollte die Sachspende erst nicht geschenkt nehmen, sondern mit den Spenden des Tages (Centbetrag) bezahlen. Der Text ist garniert mit Ausdrücken echter Empörung und Betroffenheit. Am Ende folgt ein Aufruf, wir sollten doch alle bessere Menschen sein.

Dieser Text wurde mindestens seit Anfang des Jahres im exakten Wortlaut von etlichen Profilen, die nicht zur gleichen Person gehören, kopiert. Ohne Quellenangabe, ohne zeitliche Einordnung. Es klingt immer so, als habe die postende Person das Beschriebene „gestern“ erlebt. Natürlich frage ich mich: Warum tut jemand so etwas? Klar, da soll Aufmerksamkeit generiert werden. Mehr dazu gleich.

Eine Bekannte bei Facebook teilte gestern den nämlichen Text, den ein weiteres Profil kopiert hatte. Das ist erst einmal nicht verwerflich, denn es ist wichtig, auf soziale Missstände wie Obdachlosigkeit aufmerksam zu machen. Als ich sie allerdings darauf aufmerksam machte, dass das Beschriebene nicht authentisch sei, geschah etwas merkwürdiges. Sie war sauer auf _mich_, weil ich nicht betroffen ob der Obdachlosigkeit und der Gemeinheit der jungen Leute war, sondern mich darüber empörte, dass von er postenden Person gelogen wurde. Es sei doch gut, wenn jemand über ernste Themen schreibe, und letztendlich zähle das Gefühl und nicht, ob das da echt sei oder nicht.

Äh, nein.

Zugegeben, ich verbringe einen großen Teil der Zeit damit, mir Geschichten auszudenken und sie Leuten unterzujubeln. Allerdings deute ich niemals auch nur an, dass irgendwas von dem, was ich schreibe, wahr und so tatsächlich gerade eben erst passiert sei.

Was macht dieser Text denn? Wird damit tatsächlich etwas gegen Obdachlosigkeit getan? Werden praktikable Lösungen für ein ernstes Problem aufgezeigt? Oder geht es vielmehr darum, dass die postende Person so tut(!), als habe sie etwas total Selbstloses für jemanden getan, zu dem alle anderen echt voll gemein waren? Ich meine – klar, mit so einem Post kannst du eine Menge Aufmerksamkeit online generieren. Jede Menge Menschen werden dir zustimmen, dich loben, über die gemeinen anderen Leute schimpfen, Obdachlose bedauern und den Quark eben weiter teilen, weil der Text Gefühle in ihnen auslöst.

Wem so ein Text nichts bringt? Logo, den Obdachlosen.

Und ich rede noch nicht einmal davon, wie herablassend es ist, für eine vollkommen fremde erwachsene Person einen Großeinkauf zu tätigen, was da ja angeblich passiert ist. Das ist sowieso so ein Pet Peeve von mir – Leute, die Obdachlosen und anderweitig bittenden Personen aus Prinzip nur Sachspenden geben, weil „sonst versaufen die das ja eh nur“. Bevorzugt gesagt von Leuten, die gerade auf dem Weg in die Kneipe sind, denn wenn du einen festen Wohnsitz hast, darfst du natürlich Nervengifte konsumieren, soviel du magst. Nur bei den Leuten, die wir als sozial schwächer aufgestellt wahrnehmen, ist das ein Problem. Genau wie bei rauchenden Arbeitsuchenden, da wird auch immer der mahnende Zeigefinger erhoben. Es scheint ein menschliches Grundbedürfnis zu sein, andere Leute zu belehren und zu verurteilen.

(Disclaimer: Ja, ich bin judgemental as fuck. Würde nie etwas anderes sagen. Es ist eine meiner besseren Eigenschaften.)

Und warum teilen Leute so etwas? Warum sind sie empört, wenn solche Texte kritisiert werden? Ich vermute, dass diese Texte ihnen ein diffus gutes Gefühl verpassen. Sie lesen, wie jemand (angeblich!) etwas Gutes getan hat, und dann fühlt das Gehirn sich ganz warm und flauschig an. Sie stellen sich vor, dass sie natürlich ähnlich handeln würden, also macht sie das zu besseren Menschen. Das Gehirn unterscheidet nicht notwendigerweise zwischen dem, was wir lesen/hören/sehen und dem, was wir tatsächlich tun.

Einmal mehr: Wem hilft das nicht? Obdachlosen Personen.

Während man sich also total solidarisch und selbstlos fühlt, ist man eigentlich nur auf die eigenen Bedürfnisse konzentriert.

Und wo wir gerade dabei sind – was kann man Obdachlosen denn nun wirklich Gutes tun?

Zuerst einmal sage ich natürlich NICHT, dass du mit den persönlichen Spenden aufhören sollst. Aber Spenden sind eine temporäre Lösung für ein chronisches Problem. Das gilt auch für Spenden an ehrenamtliche Organisationen, die sich um die Bedürfnisse Obdachloser kümmern. Bitte dennoch weitermachen! Schau, ob du dich irgendwo ehrenamtlich engagieren kannst (Bahnhofsmission o. ä.), wenn du die Kapazität hast. Und vor allem: Engagier dich auf politischer Ebene. Obdachlosigkeit ist nämlich nicht gottgegeben, sondern ein Ergebnis dessen, wie unsere Gesellschaft aufgebaut ist. Inzwischen gibt es gute Studien dazu, dass man Obdachlosigkeit viel effizienter (und günstiger!) bekämpfen kann, indem man den obdachlosen Personen Zugang zu einem festen Wohnsitz und einem eigenen Bankkonto verschafft und sie dabei betreut, sich wieder ein geregeltes Leben aufzubauen.

Natürlich eine kleine Sob Story zum Schluss: Als ich noch Studentin war, saß an der Uni immer ein Obdachloser und bettelte. Ich hatte nicht viel (Bafög plus Kindergeld), aber wenn ich etwas übrig hatte, gab ich ihm. Außerdem haben wir uns ab und zu unterhalten, wenn ich zwischen Kursen etwas Zeit hatte. Er hatte angefangen, zu viel zu trinken, nachdem seine Frau gestorben war, hatte Job und Wohnung verloren und musste nun gucken, wie er irgendwie durchkam. Irgendwann saß er nicht mehr an seinem üblichen Fleck. Aber einige Jahre später sah ich ihn zufällig auf dem Weg ins Büro im Bus – und in wirklich präsentablem Zustand. Er hatte es tatsächlich geschafft, wieder Fuß zu fassen, und war selbst auf dem Weg zur Arbeit. Damit hatte ich kein Stück zu tun, und ich weiß auch nicht, wie diese Wendung zustande gekommen ist (ich musste zwei Stationen später wieder aussteigen), aber ich war extrem erleichtert zu sehen, dass er nicht aus traurigen Gründen verschwunden war.

Jetzt können wir uns alle kurz gut fühlen, und dann machen wir bitte weiter damit, die Welt tatsächlich zu verbessern.

Ein Stern, der deinen Namen trägt – auf Amazon!!!

Im Moment wird unter Autor*innen wieder verstärkt über Rezensionen geredet. Gut, ganz weg ist das Thema nie, aber gerade falle ich öfter drüber als in den letzten Wochen. Und das Thema dreht sich natürlich im Kreis.

Natürlich sind unsere Bücher für uns die tollsten, besten, schönsten der Welt. Also wollen wir, dass alle anderen Menschen sie bitte genau so sehr lieben sollen wie wir selbst. Und am besten teilen die das auch allen anderen Menschen durch öffentliche Lobhudeleien mit.

Außerdem sind Rezensionen wichtig fürs Marketing, und damit auch für Ruhm und Ehre. Ein Buch mit vielen guten Rezensionen wirkt auf Käufer*innen vertrauenswürdiger, verheißungsvoller. Und man rechnet sich natürlich aus: Je mehr Rezensionen ein Buch hat, desto mehr Leute haben es gelesen, also kann es nicht ganz furchtbar sein.

Ein Ding vergessen Autor*innen aber leider oft: Rezensionen sind für uns wichtig, aber sie sind nicht für uns geschrieben. In Rezensionen teilen Lesende anderen Lesenden mit, wie sie ein Buch fanden, was gut oder nicht so gut war, was ihnen aufgefallen ist. Wenn man eine Rezension schreibt, tut man am besten so, als sei die Person, die das Buch geschrieben hat, tot. Dann muss man sich mit ihren Gefühlen nicht mehr auseinandersetzen und kann sich auf das konzentrieren, was wichtig ist: Das Buch.

Was man als Autor*in NICHT machen sollte: Sich öffentlich über „schlechte“ Rezensionen auslassen. Über sie schimpfen, sie analysieren, möglicherweise gar die eigenen Fans dazu aufrufen, sie sollten die entsprechende Rezension auf den Plattformen „downvoten“. Großes No-No.

Denkt immer daran: Ihr seid nicht das Zielpublikum. Genau so wenig, wie ich das Zielpublikum für Liebesfilme bin. Deswegen habe ich keine öffentliche Meinung über Liebesfilme. (Spoiler: Ich mag sie nicht.)

Und denkt auch daran: Lesende schulden euch nichts. Sie DÜRFEN euer Buch blöd finden, oder langweilig, oder unlogisch. Nicht jedes Buch ist für jede Person gedacht. Ich finde manche Bücher auch richtig, richtig schlecht – solche in Genres, die ich selten lese, aber auch vielgelobte Bücher in „meinen“ Genres. Und das ist keine wertvollere Meinung, weil ich selbst schreibe. Zwar verkneife ich mir negative Rezensionen meist, damit nicht der Eindruck aufkommt, ich wolle „der Konkurrenz“ schaden, aber im stillen Kämmerlein schimpfe und fluche und lästere ich mit mir selbst schon ausgiebig. Und wenn andere Leute diese Bücher dann total toll finden, haben die nicht automatisch unrecht, denn Geschmack ist subjektiv.

Okay, und was macht man als Autor*in mit einer negativen Rezension?

Zuerst einmal überlegt man sich genau, ob man sie lesen will. Für manche Leute ist der beste Weg, Rezensionen generell zu vermeiden.

Und wenn man sie liest, kann man sie im Stillen auch richtig blöd finden. Jedoch sollte man sich auch die Details genau anschauen – hat die Person vielleicht mit dem einen oder anderen Punkt sogar Recht?

Nur öffentlich drüber aufregen sollte man sich nicht. Das wirkt, finde ich, immer ein wenig traurig. Als sei die Person eigentlich noch nicht bereit, ihr Buch in die große weite Welt zu entlassen. Also lieber Zähne zusammenbeißen. Und dann setzt man sich hin und schreibt das verdammt beste nächste Buch der Welt, um die Fans zu unterhalten und die Kritiker zu überzeugen. (Ob das klappt, wird man natürlich nie wissen, wenn man die Rezensionen nie liest, und auch damit befinden wir uns wieder in einem Teufelskreis. Die nächste Runde geht rückwärts!)

An dieser Stelle natürlich auch noch einmal ein herzliches Dankeschön an alle Leute, die meine Bücher wichtig genug fanden, um eine Rezension zu hinterlassen. Ihr seid großartig!

Dann mach ich mich mal unbeliebt

Immer wieder gibt es Beschwerden in der „Buch-Bubble“, dass deutsche Verlage (oder Verlage generell) ja einfach nur Einheitsbrei veröffentlichen würden. Als Verfasser*in origineller Werke habe man ja sowieso keine Chance. Alles, was bei (bevorzugt „großen“) Verlagen veröffentlicht werden wolle, müsse mit Liebesgeschichte, „starken Frauen“, Happy Ending, … ausgestattet sein.

Und ich schau mir die jüngsten Veröffentlichungen an und denke mir so: Joah, teilweise stimmt das schon. Ein Glück, dass wir das Selfpublishing haben.

Wenn ich dann allerdings gelegentlich ein Werk in Händen halte, bei dem die verfassende Person hoch und heilig verkündet, sie werde von Verlagen ja nur ignoriert, weil ihr Stoff so unglaublich originell und einzigartig und „non-mainstream“ sei, denke ich mir auch schon einmal: „Zum einen das, und zum anderen schreibst du einfach schlecht.“

Das klingt jetzt gemein. Und ich halte mich üblicherweise mit solchen Aussagen zurück, denn a) ich habe den Stil nicht gepachtet, nicht einmal stundenweise; b) Geschmäcker sind verschieden; c) alle schauen irgendwann auf ihre Erstlingswerke zurück und haben dieses nostalgisch aufgewärmte Cringe-Gefühl, weil sie sich inzwischen massiv weiterentwickelt haben. Ich auch. Wenn mir also ein Buch nicht gefällt, muss das nicht an meinem über alle Maßen exquisiten Geschmack oder einem absoluten Mangel an Talent bei der schreibenden Person liegen.

Oft ist es allerdings schon so, dass sich diese aufgrund ihrer Genialität abgelehnten Stoffe lesen wie der goldsternbewehrte Aufsatz in der vierten Klasse. Da kann die Idee noch so toll sein – wenn die schreibende Person die grundlegenden Regeln des Erzählens nicht einhält, landet sie doch flach auf der Nase.

Manche Geschichte strotzt nur so vor Logikfehlern, Haupt- oder Schachtelsätzen (die Mischung macht’s!), üppigen Adjektivgebinden, grammatischen Zeitfehlern, fehlender Motivation bei den Charakteren, komplettem Unverständnis der menschlichen Psyche. Ein gern herbeigezerrtes Beispiel sind die Bösen, die halt böse sind, weil: Sie sind böse, also bösigen sie böse kichern um ihr Bösigtum herum.

Während ich also durchaus der Meinung bin, dass originelle Stoffe es am Buchmarkt schwerer haben können – schließlich finden die schwieriger ihr Publikum, wie soll man sie bloß vermarkten??? – gilt außerdem: Je weniger „Mainstream“ deine Geschichte ist, desto grandioser muss sie geschrieben sein. Nicht nur (aber auch!) auf grammatischer und Rechtschreib-Ebene, sondern auch auf dem Gebiet des Stils.

Und versteh mich nicht falsch – wenn du schlechten Mainstream schreibst, werden die Entscheidermenschen in der Buchbranche dich immer noch ignorieren, denn auf jedes veröffentlichte Manuskript kommen ein paar tausend, die auf den Slushpiles des Vergessens liegenbleiben.

Was kannst du also machen?

Besser schreiben natürlich!

Ärgerlich ist an der Stelle natürlich, dass es wenig gutes Lehrmaterial für so schlecht greifbare Dinge wie „Stil“ gibt, aber behilf dir halt: Lies gute Bücher und analysiere, was sie gut macht. Lies schlechte Bücher und schau dir an, warum sie schlecht sind. Sammle gelungene Sätze und Absätze in einem speziellen Notizbuch. Spiel mit deinen eigenen Texten. Versuch dich am unzuverlässigen Erzähler, an Foreshadowing (dem Andeuten meist finsterer Wendungen), enthalte dem Publikum Informationen vor oder sag ihnen Dinge, die deine Charaktere noch nicht wissen. Experimentier mit Sprachrhythmus, bis der Text rund klingt. Und bleib dir dabei immer im Klaren, dass dein Text nicht perfekt werden wird – aber er wird besser sein, als er es jetzt ist, und irgendwann bist du so gut, dass all die fiesen Verlage und luschigen Lesenden und bösartigen Buchmenschen dich nicht mehr ignorieren KÖNNEN.

Durchs Netz gerauscht

Großaufnahme von verschiedenen Netzen. Links ein großmaschiges, eher ausgefranstes aus einer hellen Faser, dahinter und rechts ein türkisfarbenes Netz aus dünneren Fasern mit kleineren Maschen.
Foto von Waldemar Brandt, gefunden auf Unsplash.

„Vernetzt euch“, sagt man (nicht nur, aber auch) Autor*innen und anderen Kunstschaffenden immer wieder gern. Und das klingt auch wirklich sinnvoll und nützlich. Außerdem macht es Spaß, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und zu schauen, wo man vielleicht aus den Fehlern anderer lernen könnte.

Aber ich wär doch nicht ich, wenn ich nicht ein wenig zu meckern hätte. Meiner Erfahrung nach gibt es nämlich einen Punkt der Vernetzung, an dem es bei vielen Leuten hakt: Das Teilen.

Nicht nur das Nicht-/Teilen von Keksen (auch das prangere ich an!), sondern das Weiterverbreiten von Neuerscheinungen, wichtigen Informationen, Terminen und diesen generellen Werbeschleuderposts, die man als allein schaffende Person kaum in Gang halten kann.

Woran das liegt? Keine Ahnung!

Eventuell glauben die vernetzten Personen, ihre unbedeutende digitale Präsenz wäre für die Verbreitung von solchen Posts nicht „groß“ genug.

Vielleicht wollen sie ihre eigene digitale Marke nicht optisch verwässern, indem sie Beiträge von anderen Leuten teilen.

Möglicherweise haben sie auch Sorge, ihre Abonnent*innen mit zuviel Werbung zu nerven und langfristig zu vergraulen.

Oder denken sie im Fall der Fälle einfach nicht daran?

Ich habe keine Ahnung. Und auch keine gute Lösung. Und letztendlich darf jede*r mit dem eigenen Account natürlich tun und lassen, was man will. Aber ich finde es schon schade – ich teile gern die Bücher meiner Freund*innen. Zum einen, weil ich mich für sie freue. Ich meine: Mehr Bücher! Toller Glitzerkram! Zum anderen, weil das meine mitunter etwas magere Content-Diät aufpolstert. Schließlich habe ich NICHT jede Woche ein neues Buch zu bewerben, und die, die es gibt, kennen meine Follower*innen hoffentlich alle schon. Wenn also über solche geteilte Posts nur ein weiteres Buch verkauft wird, hat sich der „Aufwand“ (ein bis drei Klicks, je nach Plattform) mindestens doppelt gelohnt.

Das ist übrigens eines der Dinge, die ich an Instagram nicht mag – man kann keine Beiträge teilen, oder höchstens mal in der Story. (Ich habe keine Zeit für Stories. Muss Abenteuer erleben!) Ach, Instagram ist eh nicht so mein Ding. Zu viele Bilder, immer dieses lästige Gezappel und Gewimmel und dann die nervige Musik, wenn man aus Versehen auf irgendwas drauftippt … und von Tiktok fange ich besser gar nicht erst an! (Alte Frau, ich weiß.)

Warte, was wollte ich sagen?

Ach ja. Vernetzt euch. Tauscht euch aus. Und wenn ihr seht, dass jemand etwas Neues hat, das der Welt dringend mitgeteilt werden sollte, tut das eure. Denkt dran – es sind nur wenige Klicks!

Social Spam

Eine Wand aus "Spam"-Dosen. (Spam ist Frühstücksfleich in so eckigen Konserven.)
Foto von Hannes Johnson, gefunden auf Unsplash

Wie kann es eigentlich sein, dass einem auf den „sozialen“ Medien soooooo unglaublich viel Spam begegnet? Und nein, ich meine damit nicht die ungelenken „Kauft meine Bücher!“-Posts, von denen ich selbst so gerne welche absetze. Vor allem auf Instagram kriege ich andauernd Nachrichten von Accounts die „sehr beeindruckt“ von meinem „tollen Account“ (mit sagenhaften 500 Followers) sind und unbedingt mit mir kooperieren wollen. Uns allen ist klar: Die wollen an mein Geld. Und das ist schade, denn davon hab ich gar nicht soviel. Fragt das Finanzamt! ^^

Auf jeden Fall habe ich den Eindruck, dass es besonders auf Instagram, aber verstärkt auch bei Twitter und bestimmt spätestens bald bei Facebook immer mehr Accounts gibt, deren Ziel es einzig und allein ist, anderen User*innen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Dafür, dass sie ihren drölfzig Millionen „total echten“ Followers deine Katze oder dein Buch zeigen.

Joah, nee.

Ich meine, sogar wenn man naiv und von der Anfrage zuerst begeistert ist, schaut man sich doch die Followers des entsprechenden Accounts an und merkt schnell, dass das fast ausschließlich Bots und „Ich folge allen, weil ich selbst Gefolgschaft generieren will“-User sind.

Und ich habe den Eindruck, dass die Betreiber der SoMe-Plattformen gar nichts dagegen tun. Warum auch? Es schadet ihnen nicht, es kostet sie kein Geld – und spätestens bei Instagram bin ich sicher, dass den Betreibern der „soziale“ Teil von „Social Media“ total egal ist.

Gnah! Es geht mir auf den Keks. Aber was sind die Alternativen? Ich tausche mich gern mit Leuten aus. Bleibt also nur, die entsprechenden Accounts stumpf jedes Mal als Spam zu melden – vielleicht merken sie es irgendwann.

Welche Strategien habe ich übersehen?

Direkt noch ein Rant – Glas im Wald

Offenbar bin ich jetzt eine schimpfende alte Frau. Ist nicht so schlimm, ich freu mich da drauf.

Auf jeden Fall – es wird seit langem auch von Fachleuten kontrovers diskutiert, unter welchen Umständen man mit Glas einen Brand auslösen könne. Die meisten Versuche zeigen, dass handelsübliche Flaschenscherben wenigstens in dieser Hinsicht harmlos sind. Eine andere Sache ist das bei speziell geschliffenen Gläsern: In diesem Fall hat etwa eine Brille offenbar einen Brand ausgelöst. Einige von uns erinnern sich vielleicht noch an den Physikunterricht und den Brennglas-Effekt (man kann ein Feuer mit einer Lupe oder einem ähnlich konvex geschliffenen Stück Material entzünden). Auf jeden Fall sind sich nicht einmal Fachleute einig, und im Moment ist es draußen ja eher trocken.

Soviel zur Theorie.

Jetzt wechsle ich scheinbar das Thema, aber keine Bange, das kommt später alles zusammen: Ich bin ja eine Hexe. So eine langweilige „Moderne“, die keine Kinder isst (zuviel Fleisch ist schlecht für die Gelenke!) und die Umwelt mag. Die meisten von uns tun das. Und einige von uns führen auch Rituale in der freien Natur durch, das kann eine schöne Sache sein. Oft gehört zu diesen Ritualen, Dinge in der Natur zurückzulassen. Das finde ich weniger schön, wenn es sich nicht um biologisch abbaubare Materialien handelt. Aber jeder so, wie er mag, nicht wahr?

Nun weiß ich auch, dass es bei uns im Wald hinterm Haus noch mindestens eine Person gibt, die dort gelegentlich hext. Getroffen habe ich sie nicht, aber ich finde regelmäßig auf meinen Streifzügen eindeutige Hinweise – zum Beispiel selbst gefaltete Brigidskreuze im Februar. Das ist also eine von diesen „zurücklassenden Hexen“. Alles gut.

Bis Dienstag. Ich war joggen, das passiert gelegentlich mal, als mir an einem der Äste an einem Baum am Waldrand etwas auffiel:

Irgendeine Person, die offenbar nie Cartoons gesehen und im Physikunterricht aufgepasst hat, hat bei diesem trockenen Wetter mit hoher Waldbrandgefahr – wahrscheinlich völlig wohlmeinend – einen Talisman in den Wald gehängt. Einen aus einem Wollfaden, an dem mehrere prismenartige und konkav geschliffene Objekte hängen.

Ich wiederhole: In einen Wald. Bei Waldbrandgefahr. Am Waldrand, wo es noch viel trockenes Gras, Unterholz und vor allem SONNE gibt.

Gnah.

Echt jetzt?

Auf jeden Fall hab ich das Ding erst einmal so um den Ast gewickelt, dass die Glitzerdingsies auf jedne Fall im Schatten sind, denn ich war natürlich unbewaffnet unterwegs. Am nächsten Tag bin ich noch einmal hin, um das Ding mit Hilfe meiner praktischen kleinen Nagelschere aus dem Baum zu holen und angemessen zu entsorgen. Nur zur Sicherheit. Und unter Einhaltung aller mir bekannter magischer Höflichkeiten. Eigentlich ziemt es sich nämlich nicht, mit den magischen Objekten anderer Personen zu interagieren. Aber das hier ist einfach mal so gedankenlos, das geht nicht. Sogar wenn das Risiko eher gering ist – Hexen sind Naturliebhaber*innen und nicht Naturanzünder*innen. Dachte ich. Vielleicht hat sich da seit meiner Jugend ja einiges geändert?

Menschen, ey …

Die „Tricks of the Trade“ (ein kurzer Rant)

Als schreibende Person liebe ich Schreibratgeber. Manchmal lese ich sie sogar. Und natürlich durchforste ich auch das Internet, wenn ich prokrastiniere, gerne nach Tipps dazu, wie ich besser werden kann.

Immer wieder finde ich dabei Tipps oder Tricks, wie man das „unweglegbare“ Buch schreibt und Leser langfristig an sich bindet … und da ich auch gerne lese, kenne ich viele dieser Tricks auch von der anderen Seite. Und weißt du was? Die meisten von ihnen machen mich madig.

An oberster Stelle steht dabei der „Cliffhanger“, über den immer wieder gern diskutiert wird. In geringer Dosis eingesetzt, hat er durchaus seine Berechtigung, denke ich, aber so Tipps wie „Lasse jedes Kapitel mit einem Cliffhanger enden, damit die Lesenden das Buch nicht beiseite legen können!“ sind einfach nur ätzend. Möglicherweise nicht für alle, aber ICH MUSS MORGEN ARBEITEN. Am Ende eines Kapitels werde ich das Buch weglegen, das Licht ausmachen und schlafen. (Oder noch ein wenig mit dem Kater spielen, damit er bis zum Morgen Ruhe gibt.) Wenn ich also das Gefühl habe, das die Kapitel keine Sinneinheiten sind, sonder sozusagen willkürlich an der ungünstigsten Stelle beendet werden, nervt mich das. Außerdem, finde ich, zeigt es einen Mangel an Selbstvertrauen bei der schreibenden Person. Wenn die Geschichte und der Schreibstil gut sind, lese ich nämlich das Buch gerne weiter, auch wenn die Charaktere (angeblich ein „no-go“) am Ende eines jeden Kapitels schlafen gehen.

Ebenfalls unnötig finde ich es, konstant „den Einsatz zu erhöhen“. Klar, die Spannung sollte im Verlauf der Geschichte steigen, aber häufig sieht es so aus, dass Situationen immer noch absurder und noch unrealistischer werden – ein höherer Einsatz um jeden Preis! Dann ist nicht nur das Kind schwer krank und das Auto kaputt, sondern am Krankenhaus, wenn man endlich ankommt (auf einem dreibeinigen Muli), gibt es Bombenalarm und der leitende Arzt in der Notaufnahme ist der fiese Ex, der das Kind nur sterben lassen würde, um der Protagonistin einen reinzuwürgen, ohne zu wissen, dass er der Vater des Kindes und möglicherweise auch Halbbruder der Protagonistin ist. Klar, Manche Daily Soaps funktionieren so, aber es gibt einen Punkt, an dem so eine Geschichte nur noch lächerlich wirkt. Extra-Punktabzug dafür, wenn „gigantische Probleme“ sich mit einem einzigen Anruf aufklären ließen oder Figuren aus völlig vorgeschobenen Gründen nicht miteinander reden und das Missverständnis beinahe die Menschheit auslöscht. „Meine Güte, jetzt hätte ich beinahe den roten Weltvernichtungsknopf gedrückt, weil ich dachte, du hasst mich, dabei hattest du nur dein Telefon in der anderen Handtasche vergessen und konntest mir deswegen nicht Bescheid sagen, dass du dich fünfzehn Minuten verspätest!“

Ein zweischneidiges Schwert sind die „sympathischen Charaktere“. Klar, ich lese am liebsten über Leute, deren Motivation ich nachvollziehen kann und mit denen ich zur Not auch ein Wochenende in einer einsamen Blockhütte verbringen würde. Aber zwei Standardlösungen, um Charaktere sympathisch zu machen, sind:

  1. Der Charakter ist ein „Underdog“ und/oder Ausgestoßener mit einem furchtbaren Geheimnis.
  2. Der Charakter ist etwas Besonderes und von allen anderen missverstanden (ein Klassiker: Das „nicht wie alle anderen Mädchen“-Trope).

Um diese Dinge so richtig klarzumachen, sind alle anderen herablassend bis gemein zu ihnen. Und da denke ich mir als Leserin: Wieso zum Henker sollte ich meine kostbare Lesezeit in einer Welt verbringen, in der alle furchtbar zueinander sind? Sogar Aschenputtel hatte ihre singenden Mäuse (oder einen guten Dealer)!

Ebenfalls zweischneidig der Rat: „Enthalte Informationen vor“. Ja, bitte, dringend, je nach Geschichte mehr oder weniger – sonst wäre es kein Mystery, sondern ein Aufsatz in chronologischer Reihenfolge. Aber wenn dieser Kniff plump angewandt wird und konstant etwas angedeutet wird, das wahrscheinlich alle Leute bis auf die lesende Person wissen, wird es schnell langweilig und man merkt, dass damit nur eigentlich nicht vorhandene Spannung ausgestopft werden soll.

Ach so, noch ein stilistischer „Tipp“, den ich persönlich hasse: Kurze Sätze.

Sind leichter zu verstehen.

Leute mögen das.

Die kann man schneller lesen.

Aber merkt ihr es? Der Rhythmus des Textes geht dadurch kaputt, und das Lesen macht keinen Spaß mehr. Klar, wer nicht (auch) wegen der Sprache da ist, wird sich da nicht dran stören. Für mich ist schön eingesetzte Sprache wichtig. Dazu gehören nicht nur gut gewählte Wörter und Ausdrücke, sondern auch ein ordentlicher Rhythmus. In Action-Szenen sind kurze Sätze nützlich, um das Atemlose im Moment auszudrücken. Ruhige Momente vertragen längere Sätze und weiche Silben. Meistens kommt es darauf an, die richtige Mischung zu finden.

Der Mann hat einen Ratschlag, den er gern wiederholt: „Don’t learn the tricks of the trade – learn the trade“ (in etwa: Anstatt Hacks auf einem Gebiet zu lernen, arbeite dich lieber richtig in das Gebiet ein.) Und das finde ich gut und richtig – auch beim Schreiben. Klar gibt es Dinge, von denen man sagen kann: Die funktionieren, wenn du deinen Text leichter lesbar/unterhaltsamer/spannender/… machen willst. Aber anstatt sich mit Abkürzungen und Tricks aufzuhalten, sollte man sich lieber darauf konzentrieren, erst einmal eine wirklich, wirklich gute Geschichte zu schreiben.

Jetzt bist du dran: Hab ich mich da in etwas verrannt? Oder habe ich vielleicht sogar etwas vergessen? Welche „Schreib-Hacks“ hasst du, welche sind nützlich – oder überflüssig?

Kommt Kunst vielleicht doch von „können“?

Eigentlich finde ich diese Herleitung unpassend, denn Kunstempfinden ist viel zu subjektiv, als das man bestimmen könnte: „Die Person macht Kunst, die kann das!“

Aber in den letzten Tagen dachte ich mir – vielleicht steckt da doch ein Fünkchen Wahrheit drin. Nicht „können“ im Sinn von „in der Lage sein, etwas auf einem professionellen Niveau zu tun“, sondern eher im Sinne von „die Möglichkeit haben/kriegen, etwas zu tun“. Und ich bin da natürlich nicht durch blankes Nachdenken drauf gekommen, denn: Man „lässt“ mich einfach nicht schreiben.

Der Mangel an Blogposts hat es vielleicht schon angedeutet, hier steppt der Bär, und es fallen etliche zusätzliche Arbeiten an. Jetzt ist mein Alltag eigentlich mit spannenden Dingen vollgepackt, und das Schreiben ist fast das spannendste. Es ist aber auch eines der ersten Dinge, die wegfallen, wenn es dringende Aufgaben zu erledigen gibt. Und ich habe jetzt mehrfach erlebt, dass andere Leute mir zusätzliche Aufgaben aufbürden, weil: „Diandra hat ja Zeit, die macht ja nichts neben der Arbeit.“

Äh, hallo????

„Nichts“???

Ich möchte widersprechen.

Die Mitarbeit in der PAN-Stipendiums-Jury ist nicht „nichts“.

Das Sprechtraining für meine eigenen Hörbücher ist nicht „nichts“.

Und die Geschichten, die ich dringend auf euch loslassen muss, sind erst recht nicht „nichts“.

Aber klar, das fällt dann notgedrungen aus, denn andere Leute brauchen Zeit, um für ihren Urlaub zu packen oder weil sie soviel arbeiten. Wenn ich dann ablehne, weil ich noch einen Haufen Leseproben zu lesen habe, der nächste Online-Kurs ansteht oder ich endlich mal wieder meinen anvisierten Wordcount pro Tag schaffen will, gibt es lange Gesichter. „Äh, ja, ähm, dann müssen wir wohl gucken, wie wir das machen.“

Gut, mir ist klar – so richtig hart materialistisch lebenswichtig ist Kunst nicht. Meine nicht, und die anderer Leute auch nicht. Es ist nicht so, als könne ich ein Heilmittel für Krebs erschreiben oder mittels liebevoll aufeinander abgestimmter Sätze den Krieg in der Ukraine beenden. Dennoch möchte ich kurz eine Welt beschwören, in der sämtliche Kunst mangels Zeit fürs Kunstschaffen ausfällt: Keine Musik. Kein Design. Keine mediale Unterhaltung – also natürlich keine Bücher, aber auch keine Serien, Filme, Dokus, keine Computerspiele, Brettspiele. Kein Bastelhobby, keine gemütlichen Einrichtungsgegenstände. Keine witzigen oder verstörenden Werbefilmchen auf YouTube. Überhaupt – kein YouTube.

Braucht man schließlich alles nicht.

Die Kunstschaffenden können dann stattdessen abgestellt werden, um Flugreisende abzufertigen oder so.

Macht doch etwas Sinnvolles mit eurer Zeit.

Sonst macht ihr schließlich „nichts“.

(Merkt man, dass ich ein wenig angefressen bin? ^^ )