’ships passing in the night …

(Geduldet euch, ich bin krank und rede wirres Zeug.)

Seit ich mich von FB, Twitter, Insta, Threads etc. fernhalte, brauche ich ja neue Prokrastinationshilfen. Eine davon ist Tumblr. Ja, gibt es noch. Macht auch Spaß. Aber mir ist da (unter anderem in FanFiction-Bereich) etwas Merkwürdiges aufgefallen.

Ehe jemand motzt: Kein Shaming welcher Art auch immer! Tut mit euren FanFictions, was auch immer ihr wollt!

Jedenfalls hab ich das auch schon vorher erlebt, etwa rund um den „Captain Marvel“-Film seinerzeit.

Wovon redet die Frau?

Also. Äh. Genau.

Wenn zwei Figuren in einer Serie/Film/… eine enge freundschaftliche Beziehung haben, gehen viele Personen offenbar direkt davon aus, dass da eigentlich eine romantische Beziehung stattfindet. Und ich gucke mir das seit einer Weile an und frage mich: Was für Freundschaften habt ihr, dass Nähe von eurem Gehirn automatisch mit „Romantik“ übersetzt wird?

Egal of Dr. House und Wilson oder eben bei Captain Marvel … – direkt referenziert habe ich das vor ein paar Tagen erst in der Serie „Psych“ gesehen (zwei seit langem befreundete junge Männer führen gemeinsam eine angeblich übersinnlich agierende Detektei – kein großes Kino, aber auch nicht ganz schlimm). Dort wird sogar in der Serie immer wieder von weiteren Figuren darauf angespielt, die beiden wären doch bestimmt ein Paar und es sei doch gar nicht schlimm, sie müssten nur zueinander stehen und bla.

(Der Beziehungsstatus von Dritten geht mich gar nichts an, das einmal ganz am Rande, aber darum geht es gerade nicht.)

Leute, die jede Vertrautheit direkt in einem romantischen Kontext lesen: Haben die keine guten Freunde? Niemanden, den man im eigenen Bett übernachten lassen würde? Niemanden, für den man in der Nacht durch den Sturm fahren würde, wenn die andere Person an einer Haltestelle gestrandet ist und kein Zug mehr fährt? Niemanden, mit dem man eine Vergangenheit hat UND eine Zukunft plant? Niemanden, dessen Schrullen einen auf die Palme bringen, ohne den man jedoch nicht leben wollte?

So merkwürdig kann das doch nicht sein.

Ich meine, wen rufen die mitten in der Nacht an, wenn es eine Katastrophe gibt?

Also ja, im Ernst. Ich mache mir Sorgen um die Freundschaftskultur mancher Leute. Oder wenigstens darum, wie Freundschaften dargestellt und rezipiert werden. Sucht euch gefälligste Gleichgesinnte, denen ihr vertrauen könnt, und lasst mehr Nähe zu!

(Das alles von einer Frau, die mit Hingabe tage- und wochenlang mit niemandem redet, Sprachnachrichten als unhöflich empfindet und sich schon auf den Moment freut, wenn sie endlich in ihr Häuschen im Sumpf ziehen kann.)

Wie mich Kleber sozial radikalisiert hat

Auf einem aufgeschlagenen Buch liegt ein Lesezeichen aus dunkelblauem Tonkarton. Aufgeklebt ist eine hellblaue Feder mit vielen kleinen Details. Am oberen Ende des Lesezeichens gibt es ein Bändchen aus blauer Wolle.
Ein Lesezeichen für die „13 mit Feder“. Ist es nicht schön?

Am Wochenende wurde ich durch Klebstoff radikalisiert. Es war ein Versehen.

Möglicherweise hatte ich es noch nicht erwähnt, aber ich bin unter anderem mit dem Autor*innenzusammenschluss 13 mit Feder auf der Leipziger Buchmesse. Und da ich unglaublich enthusiastisch und schlecht mit Zeitmanagement bin, habe ich angeboten, als kleines Goodie Lesezeichen zu basteln. Ich hab nämlich so eine Präge- und Stanzmaschine zuhause und zufälligerweise auch Feder-Schablonen, das passt ganz hevorragend.

Wer mich nicht kennt, dem sei gesagt: Ich bin nicht gut im Basteln. Das wurde mir schon in der Grundschule bestätigt. Beispielsweise hatten meine Werkstücke immer sichtbare Kleberspuren. Gab natürlich schlechte Noten. Tja, dachte ich mir, das findest du jetzt wohl schnell raus, wie man Kleberspuren vermeidet. (Wie gesagt: Enthusiastisch und schlecht mit Zeitmanagement.)

Weißt du, wie man die vermeidet?

Man kauft den GUTEN Kleber. Den teuren, den meine Eltern sich nie leisten konnten. Nicht den für (damals noch) DM 0,99 für die 200 ml-Flasche aus dem Discounter, sondern den für (aktuell) € 6,99 für 50 ml. Ich wollte den einfach mal ausprobieren, und soooo viel Klebstoff brauche ich ja gar nicht. Um ehrlich zu sein, ich war überzeugt, mit dem höheren Preis kauft man in erster Linie ein Marken-Etikett.

Siehst du auf dem Foto oben, ob ich gekleckst habe? Nee, siehste nicht. Und ich schwöre, ich hab gekleckst. Nicht viel, ich war ja vorsichtig. Aber der verdammte teure Kleber, den meine Eltern sich nicht leisten konnten, trocknet tatsächlich einfach unsichtbar. WTF??

Na gut, eine Kunst- oder Werken-Note in der Grundschule ist nicht direkt weltbewegend, wenn man es auf das ganze Leben umrechnet. Trotzdem bin ich empört. Diese Ungerechtigkeit! Meine Mitschüler*innen waren gar nicht alle ordentlicher und sorgfältiger und besser im Basteln als ich – wenigstens nicht alle. Einige von ihnen hatten wahrscheinlich einfach den guten Kleber. Wer also, grob überschlagen, das vierfache (minus Inflation etc., umgerechnet auf den Literpreis) für Klebstoff zahlen kann, kauft sich damit einen Notenvorteil.

Außerdem wissen wir, dass das nicht beim Klebstoff Halt macht. In der Oberstufe hatte ich einen Mitschüler, der einfach in jedem einzelnen verdammten Fach wöchentlich Nachhilfe bekommen hat. Bis zum Abi. Wie teuer ist Nachhilfe aktuell? Sagen wir, der Einfachheit halber, 20 Euro/Stunde? Und wie viele Fächer hat man in der Oberstufe noch? Das Internet behauptet, es seien 12. Variiert wahrscheinlich von Bundesland zu Bundesland. Ich rechne mal großzügig zwei ab, Sport und Kunst. Und behaupten wir, es gibt noch zwei Fächer, die der Schüler vielleicht auch ohne Nachhilfe stemmt. Bleiben noch acht Stunden Nachhilfe pro Woche, à 20 Euro. Also 160 Euro pro Woche – für ein Kind. (Wir waren drei Kinder zuhause.) Wer sich das leisten kann, kriegt auch ein weniger schulisch begnadetes Kind durchs Abi. (Disclaimer: Der Schüler hatte keinen Einser-Schnitt. Auch keinen Zweier-Schnitt. Aber wer schaut, wenn du erst einmal erwachsen und im Beruf angekommen bist, jemals wieder auf die Abi-Note?)

Und so hat mich ein freiwilliges Bastelprojekt für die Leipziger Buchmesse noch ein wenig stärker radikalisiert.

Die kleberspurenfreien Lesezeichen gibt es auf der LBM übrigens am Stand E304 in Halle 5, etwa beim Buchkauf. Ein paar von meinen Büchern sind auch dort.

Was, bitte, ist „Bookshelf Wealth“???

Vor einer dunkelgrauen Wand stehen vier Bücherregale unterschiedlicher Größe. Die Bretter sind mit vielen dünnen bunten Büchern gut gefüllt, vielleicht 20 Prozent Raum ist noch frei. Auf den drei linken Regalen stehen graue Kästen, aus denen Efeu sich üppig über die Regale rankt und den Inhalt teilweise verdeckt. Die Bücher wirken gelesen.
Foto von Pawel Czerwinski, gefunden auf Unsplash

Manchmal, wenn ich im Tag 20 Minuten übrig habe, schaue ich wahllos Videos auf YouTube und streichle dabei den Kater. Und gestern bin ich dabei über etwas gestolpert, was angeblich 2024 ein Social-Media-Trend war. Ich krieg das ja nicht mit, ich bin über 40. Also, der Trend heißt „Bookshelf Wealth“, übersetzt „Buchregal-Wohlstand“, und worum geht es? Simpel gesagt: Bücherregale als bewusst gewählter Teil des Einrichtungs-Designs.

Jetzt war der Mensch, der diesen (und andere Trends) bewertet hat, nicht so recht angetan von „Bookshelf Wealth“. Sein Haupt-Argument: Niemand würde tatsächlich so viele Bücher lesen, also sei das nur Ramsch, den man teuer kauft, ein paar Mal abstaubt und irgendwann entsorgt.

Bitch, was???

Aus meiner 15-Quadratmeter-Studentenbude haben wir bei meinem Auszug 24 Kubikmeter Bücher mitgenommen (ein ganzes Kellerabteil voll, deswegen weiß ich das – etliche Bananenkartons). In unserer Wohnung gibt es in jedem Raum (außer im Bad – da liegen die Zeitschriften) mindestens ein Bücherregal, und die sind alle überfüllt – und ja, drei Viertel der Bücher habe ich bereits gelesen. Der Rest ist für den Fall, dass ich mal ein Jahr zuhause sitze und mich langweile.

(Bis 2019 hätte man über diesen Witz gelacht.)

In der Küche ächzt eine Kochbuchsammlung in einem 2 x 1-Meter-Regal.

Die Wörterbuch-Sammlung steht im Flur.

Das Schlafzimmer enthält ein Regal mit Nachschlagewerken und eines mit den Büchern, die ich entweder gerade gelesen habe oder als nächstes lesen will.

Mein Büro ist sowieso eine Bücherhalde, doch es gibt tatsächlich eine Wand, die nur aus Buchregal besteht (und eine für Bastelmaterial, weil ich mehr Enthusiasmus als Zeitmanagement betreibe).

Im Wohnzimmer stehen die „hübschen“ Bücher – Bildbände, Sammlerausgaben, Kuriosa etc.

Der Mann versteckt seine Fachbücher in seinem Büro vor meinen gierigen Griffeln.

Und dabei sind die zigtausend eBooks gar nicht erwähnt, die sieht zum Glück niemand.

Übrigens behalten wir längst nicht alle Bücher, die wir je anschleppen. Nur die, die wir mögen. Der Rest landet in Bücherschränken oder bei lesenden Freund*innen.

Ehrlich gesagt, wenn ich in eine Wohnung käme, in der es keine Bücher gäbe, käme ich mir merkwürdig vor. Klar, nicht jeder ist so eigen wie wir und schleppt einfach ALLES an, aber … gar keine Bücher? Kein einziges? Nicht einmal eins mit Bildern?

Apropos, vor einigen Jahren gab es mal die Empfehlung, man solle Bücher nicht mit dem Rücken, sondern mit dem Buchschnitt nach vorn ins Regal stellen, damit es einen harmonischeren Anblick gäbe (das war vor Farbschnitten, ich fühle mich gerade alt ^^ ). Wie, zum Henker, soll man da jemals etwas wiederfinden???

Also: Bücher sind eines der günstigsten Laster, die man haben kann. Viel billiger als Rennwagen und gesünder als Koks. Lass dir also nicht einreden, dass man sich die Wohnung bitte gefälligst NICHT bis unter die Decke und in drei Reihen mit Büchern vollstopfen soll, die einen irgendwann im Schlaf erschlagen. Wir Bücherwürmer haben schließlich Standards.

Hätte ich mir doch nur gemerkt, was ich geschrieben habe!!!

Dann müsste ich in „Zuflucht in Schattenfall“ jetzt nicht andauernd Kommentare an den Rand schreiben, dass ich Beschreibungen, Namen etc. mit Band 1 abgleichen muss. Zum Glück weiß ich, dass das auch anderen Schreibenden so geht. Man braucht eine Weile, bis man in einer selbstgeschaffenen Fantasiewelt fest im Sattel sitzt. Und weiß, wie dieser Sattel aussieht, oder wie das Pferd heißt, auf dem er liegt … und ob das überhaupt ein Pferd ist.

Das war ja bei „Magie hinter den sieben Bergen“ so ein bisschen ein Vorteil – wenigstens die Schauplätze sind real, die musste ich mir nicht ausdenken und merken. Und ab Band 3, meine ich, waren auch die anderen Details in meinem Kopf verankert. Es lohnt sich also nicht, Serien zu schreiben, die weniger als drei Bände haben. Zum Glück ist „Schattenfall“ auf vier Bände ausgelegt, da lohnt sich das wenigstens. (Dieser Satz kann eine Spur Sarkasmus enthalten.)

Ich vermute ja, dass deswegen manche Autor*innen so endlose Serien mit wechselnden Charakteren in derselben Welt schreiben – wenn man sich endlich an Dinge erinnert, will man sie ja auch verwenden!

Irgendwann finde ich eine Geschichte, in der sich ständig ändernde Umgebungen, Haut- und Augenfarben als Bonus und nicht als Hindernis erweisen, dann hab ich gewonnen.

Wie kann das eigentlich sein, dass Leser*innen sich immer direkt an so einen Kleinkram erinnern, und für mich als Autorin ist es so eine Arbeit? Ich prangere das an! ^^

Alles Schweine (und was man damit macht)

Nein, es geht nicht um Politik. Oder höchstens so gaaaaaanz mimi-minimal am Rande.

(Das sollte „mini-minimal“ heißen, aber da ich heute jammern werde, lasse ich das so stehen.)

CN sexuelle Übergriffigkeit, generelles Arschlochverhalten

Grundsatzfrage: Wie gehen wir damit um, wenn eine eigentlich beliebte Person des öffentlichen Lebens plötzlich als absolutes Arschloch dasteht? Bei JKR bin ich nicht persönlich betroffen und kann sie ganz entspannt aus meinem persönlichen Leben verbannen. Kein großes Ding! Und während ich in den letzten Jahren beobachtet habe, wie sie sich immer weiter in die transphobe Ecke manövriert , habe ich parallel überlegt: Wie redest du, wenn es jemanden trifft, den du verehrst? Hier kannst du von deinem hohen Ross aus ja gut predigen, und die Aussicht ist auch schön sonnig.

Tja, jetzt haben wir unsere Antwort. Noch vor wenigen Jahren habe ich ihn in einem Vortrag als Beispiel für positives Verhalten bei öffentlichen Fehltritten verwendet, jetzt sieht das etwas anders aus: Offenbar ist Neil Gaiman ein Arschloch. Und wer mich kennt, kann bestätigen: Ich war ein absolutes Fangirl. Aber nicht länger. Die Bücher wandern auf das hinterste, finsterte Regalbrett. Das Autogramm kommt von der Wand. Die Serien gucke ich mich nicht mehr an. Denn ich bin es leid, leid, leid, Arschlöchern Geld und Aufmerksamkeit hinterherzuwerfen.

Es ist ja eine Sache, wenn man nicht in allen Dingen einer Meinung ist. Ich finde es nicht schlimm, wenn Künstler*innen, die ich gern rezipiere, andere Ansichten zu den meisten Themen haben – solange es nicht ins Menschenfeindliche abgleitet. Als Menschen sind wir nicht so zerbrechlich, dass wir am kleinsten Widerspruch kaputtgehen. Und es ist auch gar nicht möglich, immer ein perfekt guter, weiß strahlender, sauberer Überheld zu sein. Vor allem nicht, wenn man in der Realität existieren muss. Aber bei solchen Übergriffen ziehe ich eine Grenze. Nicht, dass meine winzigen finanziellen Beiträge oder deren Ausbleiben einen Unterschied machen. (Außer für mein Gewissen.)

An der Stelle zwei Dinge:

1. Ja, ich kenne die Idee „Unschuldig, bis das Gegenteil bewiesen ist“ – gilt aber in erster Linie in juristischem Kontext. Ich glaube den Opfern. Und mal im Ernst – wenn ich Leute NDAs unterschreiben lasse, dann ist mir doch klar, dass ich andernfalls schlecht wegkomme bei der Sache.

2. „Trennung von Kunst und Künstler“ liest sich so heroisch. „Hach, ich bin ja kein emotionales Wesen, sondern ein intellektuell getriebener Rezipient von Kunst!“ Bullshit. Also, kannste machen, ist aber nicht beeindruckend. Ausnahmen mache ich manchmal für tote Künstler*innen, die nicht mehr davon profitieren, dass Leute ihr persönliches Vergnügen an ihren Werken über das Leiden der Betroffenen stellen. Aber nicht einmal das muss man. Es gibt hunderte Künstler*innen, über deren finsterste Verfehlungen und Perversionen wir noch nichts wissen. Konsumiere ich doch lieber die.

Und bis jetzt tut es mir nicht leid. Es gibt so viele gute Autor*innen da draußen, die entweder keine kompletten Sackgesichter sind oder bei denen es noch nicht öffentlich bekannt ist. An die halte ich mich. Und ehe jemand fragt – nein, ich möchte auch nicht von meiner Kunst getrennt werden. Lies bitte alle meinen Geschichten in dem Wissen, dass dahinter eine schlechtgelaunte, ungeduldige, manchmal garstige alte Hippiehexe mit Temperamentsschwankungen und Laktoseintoleranz steckt. Ich bemühe mich, ein anständiger Mensch zu sein, versage dabei immer mal wieder und mache es hoffentlich besser, wenn ich es besser weiß. Keine Versprechungen.

(Disclaimer: Der Mann hat kein NDA unterschrieben. Der könnte euch Dinge erzählen! Einmal hab ich ihn im Schlaf geboxt. Und die Katzen verhungern mehrmals täglich. Catnesty International ist schon informiert.)

Was zum Henker, Herr Merz???

Es hätte ja so schön sein können. Egal, wie zerstritten und garstig gegeneinander giftend die deutschen Parteien, in einem sind sie sich einig: Niemand spielt mit den Nazis.

Bis gestern.

Logo "Autor*innen gegen Rechts": Ein roter Kreis auf weißem Grund, darin links eine rote Schreibfeder neben dem Schriftzug "Autor*innen gegen Rechts". Am Fuß des Schriftzugs eine geschwungene Linie.
Da sind wir uns einig, hoffe ich.

Jetzt sind Autor*innen (und Künstler*innen generell) ja durchaus politisch motivierte, freidenkende und streitbare Geschöpfe. Innerhalb weniger Tage hat sich jetzt allerdings, in Reaktion auf all die absurden Dinge, die in der Politik und in der Welt aktuell geschehen, ein Zusammenschluss gefunden: Die Autor*innen gegen Rechts. Egal, was wir uns sonst so denken: Darauf können wir uns einigen.

Jetzt mag man anmerken, nur „gegen“ etwas zu sein, sei noch keine Haltung, doch ich werfe ein: „Kein Rosenkohl“ ist eine genau so valide Haltung wie „keine Nazis“. Ob wir stattdessen eine Basisdemokratie haben wollen, das Königreich der Drachen oder doch lieber ein Matriarchat zur Anbetung des großen Hummergottes, darüber können wir später streiten. Wenn gerade nicht deutsche Politiker*innen mit Kanzlerschaftsanspruch mit der AfD gemeinsam Mehrheiten ergaunern (ich sehe Sie an, Herrn Merz!), Gewalttaten nur zur politischen Stimmungsmache ausgeschlachtet werden und Gedenkveranstaltungen zu den Gräueltaten der 30er und 40er Jahre von irgendwelchen Blitzbirnen gestört werden, für die „nie wieder ist jetzt“ nur gilt, wenn sie über ihre eigene Reflektionsfähigkeit nachdenken sollen – haben wir noch nie gemacht, fangen wir jetzt nicht mit an.

Einige denken jetzt vielleicht: Toll, da stellt sich eine hin und schreibt was, interessiert doch keinen. Möglicherweise ist das wahr. Ich erwarte jedoch, dass sich ganz viele hinstellen und Dinge schreiben, malen, sagen, dichten, herausbrüllen, … – und dass diese einzelnen Handlungen einen kumulativen Effekt entwickeln. Wenn du also kannst: Geh zu Demos. Schreib deinen Abgeordneten. Schreib der CDU im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin. Schreib Blog Posts, SoMe-Beiträge und Forenrants. Positionier dich öffentlich. Sprich mit deinen Mitmenschen – sonst wachst du in nicht allzu ferner Zukunft auf und hast sehr viel weniger von denen, und die alle in der gleichen langweiligen Geschmacksrichtung.

Und sag jetzt nicht, ich sei eine Schwarzseherin. Wir haben all den Käse vor nicht einmal hundert Jahren schon gehabt. Wir sehen in anderen Staaten, wie es ausgeht, wenn faschistische Kräfte plötzlich „Verantwortung“ übernehmen. Das können und (hoffentlich) wollen wir uns nicht noch einmal erlauben.

Genug gerantet. Demnächst wieder Katzen und Blümchen und Zeug.

Ein spezieller Recap: Cringe-Werbung im letzten Jahr

Gelber Hintergrund. Im Zentrum des Bildes sitzt ein sandfarbener zottiger Hund in einem blaugelben Pyjama-Oberteil, schaut nach links und streckt die Zunge raus, als wolle er sich über die Nase lecken.
Da sag ich nur bäh! (Foto von Karsten Winegeart, gefunden auf Unsplash)

Als Autor*in treibe ich mich viel in den sozialen Medien herum. Nicht nur, weil ich dort Zeit verbrennen kann, sondern auch aus professionellen Gründen. Nirgends sonst können so viele Leute gleichzeitig meine Bücher ignorieren. Ich schwör, ich hab das mit der Werbung nicht drauf.

Andere Leute aber auch nicht. Manche Posts sind lieblose Massenware, andere belanglos – und einige sind richtig, richtig cringe. Heute teile ich mit euch also einige der unpassendsten, unangenehmsten und möglicherweise einfach nur peinlichsten Werbestrategien, die ich im letzten Jahr gesehen habe. Das ist keinesfalls exklusiv, mein Gedächtnis ist nämlich eher so meh, aber WENN mir etwas im Gedächtnis bleibt, hat das gute Gründe.

Situation 1: Mir fällt ein Facebook-Profil in einer Lesegruppe auf. Egal, was für Spezifikationen die Leute angeben, wenn sie um Lese-Empfehlungen bitten – dieses Profil schreibt immer ein bestimmtes Buch einer bestimmten Autorin darunter. Sonst findet keinerlei soziale Interaktion statt. Jemand will Cowboy History? Hier, lies diese Mafia-Dark-Romance. Wer kennt sonnige Urlaubslektüre? Mafia-Dark-Romance. Ich brauche Fachliteratur zum Thema Hamster-Klonen – versuch’s doch mal mit Mafia-Dark-Romance! (Dass das Buchcover das Profilbild ist und der Name des Profils mit den gleichen Initialen beginnt wie der Name der Autorin – bestimmt alles nur Zufälle, nicht wahr?)

Situation 2: Das Threads-Profil eines Buchpodcasts fragt, was man denn gerne lese. Unter ungefähr jeder Antwort empfehlen sie einen bestimmten High-Fantasy-Roman … auch wenn High Fantasy gar nicht genannt wurde. Das Buch wurde unter Pseudonym veröffentlicht, aber das Pseudonym mitsamt Foto taucht auf einer Homepage auf, und sapperlot: Der Mensch auf dem Foto ist einer der Podcaster. Was für ein grandioser Zufall, nicht wahr?

Situation 3: Eine Person beschreibt in mehreren Posts bei threads ihre Lebenssituation mit hinterhältiger Schwester, fremdgehendem Mann, Jobschwierigkeiten etc. Viele Leute äußern Mitgefühl und bieten Hilfe an. Die Posts generieren RICHTIG viel Aufmerksamkeit. Die Person geht auf die Kommentare ein, antwortet, liefert weitere Informationen. Nach mehreren Tagen(!) löst sie dann auf: Das ist gar nicht ihr echtes Leben, sondern der Plot ihres aktuellen Romans, und wer jetzt so richtig interessiert sei, könne das Buch doch einfach kaufen.

Situation 4: Zwei Autor*innen, die ursprünglich befreundet waren, haben plötzlich Beef. So richtig fies. Mit öffentlichen Posts und Anschuldigungen, eine*r habe der*dem anderen Plot/Cover/… geklaut. Die Fans eilen zur Hilfe. Immer wieder werden in den Posts die Bücher erwähnt, mit Werbefotos und allem. Aufregerposts bringen immer viel Aufmerksamkeit, viele Leute kaufen eines der Bücher (oder beide), um sich überhaupt erst einmal ein Bild machen zu können. Dann ist der Streit plötzlich vergessen, beide vertragen sich öffentlichkeitswirksam und bedanken sich für die Unterstützung der Fans. Natürlich habe es KEINEN Buch-/Ideenklau gegeben. Man kenne einander natürlich schon lange und sei ja richtig fest befreundet, homie-style.

Situation 5: Das habe ich in verschiedenen Varianten gesehen. Die schreibende Person erzählt lang und breit von all den furchtbaren Dingen, die ihr widerfahren sind und werden. Die einzige Möglichkeit, schreckliches Schicksal abzuwenden, sind viele Buchverkäufe. Am besten jetzt sofort, heute, ganz schnell! Sonst stirbt ihr Einhorn! Und wenn ein Drama abgewendet ist („Danke an alle meinen treuen Fans und Lebensretter!“), kommt sofort das nächste. Das Einhorn hat Schnubbelschnupfen! Kauft mein Buch!

Ja, ich bin eine garstige alte Frau. Wenn ich etwas richtig würdelos-falsches sehe, will ich darüber reden. Zum einen, damit andere Leute solche hinterfröbeligen Taktiken ebenfalls schneller erkennen – und zum anderen für andere Schreibende. Tut das nicht. Egal, für wie sneaky ihr euren Marketing-Coup haltet: Leute merken das. Integrität und Glaubwürdigkeit sind wichtiger als dreitausend Klicks und fünf Buchverkäufe.

Demnächst folgt dann auch noch ein Beitrag mit Werbung, die für mich so richtig gut funktioniert hat. Ich bin ein Buchkaufopfer ohne Selbstdisziplin, es ist also gar nicht schwer, mich von einem neuen Buch (oder dreien) zu überzeugen.

Aber vorher bist du noch einmal dran: Hast du im letzten Jahr Buchwerbung gesehen, die so richtig daneben war?

Die KI-Keks-Vendetta (wie angekündigt)

Pinterest ist mein Anti-Doomscrolling-Zufluchtsort. Wenn ich Abends müde in der Ecke hänge und das Telefon in die Hand nehme, nur um sinnfrei zu scrollen, wechsle ich schnell zu Pinterest. (Das erklärt die etwa 2.400 geplanten Häkelprojekte.) Und weil ich Pinterest sehr gut eingerichtet habe, zeigt es mir Handarbeitsprojekte, niedliche Hüte – und Rezepte.

Screenshot von einem Blog "Recipes by Clare dot com" mit einem Bildausschnitt, der perfekte Spiralkekse mit eingekerbten Spiralen voll mit rotem Gelee zeigt.
Der verlockende Screenshot

Kurz vor den Feiertagen war ein Keksrezept dabei, das genau so schick wie einfach war – wenigstens versprach das das Rezept. Die Rede war von „Spiral-Rollenkeksen“. Ich war direkt verliebt, und ich hatte auch alle Zutaten daheim. Aber ich backe ja nicht erst seit gestern, und die Zutatenliste des Rezepts ließ mich stutzen. Angeblich sollte das Rezept mit Shortbread-Keksen enden, aber das Verhältnis der Zutaten war ganz falsch.

(Das beste Shortbread-Ergebnis bekommt man meiner Erfahrung nach mit einem Teil Zucker, zwei Teilen Butter, und drei Teilen Mehl – also 100 g Zucker, 200 g Butter, 300 g Mehl – plus etwas Salz und was auch immer man zum Aromatisieren nehmen will.)

Ein zweiter Blick auf die Bilder machte mich noch stutziger – und dann sauer. Denn mit dem beschriebenen Rezept bekäme man einfach nie die in den Bildern gezeigten Kekse raus. Und dann waren das auch noch Bilder von zwei unterschiedlichen Sorten Keksen.

Hier folgt ein kleiner Exkurs: Viele Leute, die ein Blog unterhalten, tun das in erster Linie, um damit ein wenig Geld zu verdienen – ich ja auch. Während ich euch ganz naiv davon überzeugen will, dass ich tolle Bücher schreibe, verdienen andere Leute über Affiliate Links Provisionen oder zeigen einem Werbung, bis der Bildschirm schlackert. Und um mit Werbung Geld zu verdienen, muss man viele Leute auf seine Seite kriegen. Dafür sind tolle Bilder von Vorteil. Wenn man mit den Bildern allerdings lügt, hört bei mir der Spaß auf. Und in einer zunehmenden Zahl von Fällen generieren Leute schnell irgendwelchen ästhetisch ansprechenden KI-Müll, um ein Blog mit möglichst wenig Aufwand mit Inhalten zu füllen, anhand derer sie euch Werbung in den Schlund stopfen. Dass das alles gelogen ist und beispielsweise die Rezepte gar nicht funktionieren – geschenkt! Hier geht es nicht darum, eine Community aufzubauen oder Wissen zu teilen. Diese Leute wollen nur möglichst arbeitsarm reich werden, und das auf euren Rücken und mit euren Daten.

Mein Verdacht im Fall der komischen Kekse also auch: Das ist alles KI-generiert. Bilder und Rezept. Aber beweisen konnte ich das nicht ohne weiteres. Also habe ich die Kekse zweimal gebacken – einmal so, wie sie da beschrieben stehen, und einmal so, dass ich wenigstens Kekse wie auf dem einen Bild rausbekomme. Nur das Teigrezept habe ich direkt geändert, denn ich mag nicht, wenn Lebensmittel verschwendet werden.

Screenshot: Spiralkekse, die den ersten Bildern nicht ähneln. Diese Kekse sind gefüllt und anders spiralisiert - eher wie marmoriert und nicht wie eingekerbt.
Genau dieselben Kekse wie oben, nicht wahr? (HUST!)

Die beschriebene Methode war ganz easy: Man mixt den Teig, rollt ihn flach aus, bestreicht ihn mit Himbeermarmelade und hat – voilà – wunderschöne windradähnliche Himbeerspiralkekse.

Nee, hat man nicht.

Sehr hausgemachte Rollenkekse, denen man das Gelee, mit dem der Teig bestrichen wurde, kaum noch ansieht. Sie sind eher oval, das Gelee klebt überall herum oder ist nicht zu sehen.
Das passiert, wenn man dem Rezept folgt.

Ich bin mir bei vielen Dingen nicht sicher, aber backen kann ich. Deswegen war ich auch sicher, dass diese schmackhafte Katastrophe nicht mein Fehler war. Und nachdem diese Version aufgegessen war, hab ich mich an eine zweite Variante gemacht.

Schaut mal, die eine Version KI-Kekse hat eine Himbeerfüllung und einen Himbeerstrudel, der sich komplett durch den Teig zieht, ohne dass die Kekse zerfallen. Keine Ahnung, wie das klappen soll. Experten hier? Schlagt mal was vor!

Die zweite Version hat einen gleichmäßig gefiederten Rand und nur zur Hälfte durch den Teig reichende Rillen, die mit Gelee gefüllt sind. Das kann ich. Am einfachsten ginge es mit einer spiralförmigen Stanze, aber mit etwas Sturheit und einem breiten Messer geht das genau so gut.

Ungebackene Plätzchen. Links rund ausgestochene Kekse mit gezacktem Rand, auf die rote Spiralen mit Gelee gemalt sind. Rechts fröhliche Schnecken, bei denen einige Details rot nachgezogen sind.
Teigrohlinge, eigene Kreation

Ich hab also noch einen Shortbreat-Teig gemacht, kleine Sonnen ausgestochen und mit dem Messer eine Spirale in den Teig geritzt. Das Himbeergelee (gekauftes diesmal, damit die Farbe besser zur Geltung kommt) habe ich in einem Gefrierbeutel durchgeknetet, dass es schon flüssig ist, dann eine winzige Ecke abgeschnitten und die eingekerbte Spirale vorsichtig mit dem Gelee gefüllt. Und weil ich gerade lustig drauf war, hab ich auch Schnecken und Pinguine mit dem Prägestempel gemacht.

Das Ergebnis, wenn man von meinem offensichtlichen Dilettantismus absieht, ähnelt den KI-Keksen doch direkt viel eher.

Gebackene Spiralkekse, leicht gebräunt.: Runde Kekse mit gezacktem Rand und eingesunkener roter Geleespirale
Direkt viel besser, nicht wahr?

Wisst ihr? Es macht mich sauer, dass Leute so einen Kram machen. Und noch saurer, dass man die dafür nicht belangen kann – heck, selbst wenn man könnte, würden die einfach verschwinden und in zwei Wochen mit den gleichen miesen Inhalten und neuem Namen irgendwo auftauchen.

Wenigstens war es eine wohlschmeckende Vendetta. Und im Sommer mache ich dann auf meine Art Spiralkekse mit Orangen- und Zitronengelee.

Ein zerbrochener Spiralkeks auf einem schwarzen Tellerchen. Man sieht im Querschnitt, dass die rote Spirale nicht bis zum Boden des Kekses reicht, sondern nur eingekerbt war.
Es stimmt, Rache ist süß. Und sie krümelt.

Mehr SoMe-Rant: THE DRAMA!!!

Ich bin ja nicht nur Autorin und viel zuviel online, sondern ich übersetze auch medizinische Fachtexte. Da bin ich vor Jahren mehr so aus Versehen hineingeraten, aber mit der Zeit habe ich mir eine Menge gefährliches Halbwissen angeeignet.

Hieraus ergibt sich einer von vielen, vielen Pet Peeves: Leute, die sich eine komplett bizarre medizinische Geschichte ausdenken, um bei ihren Followers wenigstens Mitleid (und im schlimmsten Fall Geld) einzusammeln.

Diese Woche erst hatte ich wieder so jemanden in meinem Feed. Der Account hatte schon eine laaaaaaaaange Krankengeschichte mit Fotos und Kram, sah also nicht unbedingt fake aus. Die Details passten nicht alle 100 % zusammen, aber das lässt sich schnell damit erklären, dass da letzten Endes eine Laienperson schreibt.

Jetzt schrieb allerdings jemand anders in diesem Account, stellte sich mit Namen vor und erklärte, mit der Accountbetreiberperson habe es eine schlimme Wendung genommen. Die Person liege im Koma und sei für hirntot erklärt worden. Man müsse abwarten, ob sie jemals wieder aufwache, nächste Woche wisse man vielleicht mehr.

Das klingt hochdramatisch – und ist kompletter Bullshit. Wenn man sich so umguckt, gewinnt man zwar gelegentlich den Eindruck, dass einige Leute ohne Hirn ein langes und glückliches Leben führen können. Im medizinischen Kontext gibt es von „hirntot“ jedoch kein Zurück. Und kein einziger seriöser Arzt wird der Familie erzählen, dass man jetzt erst einmal abwarten müsse.

Warum man das tut? Klar, häufig für Likes und Unterstützung. Ich denke schon, dass Leute, die so etwas machen, ein ernstzunehmendes Problem haben und mit einem Fachmenschen reden sollten. Aber spätestens, wenn – was in diesem Fall meines Wissens nach (noch?) nicht passiert ist – dann um Spenden für Rollstuhl, Beerdigung oder Medikamente gebeten wird, ist die Absicht klar und nicht mehr gutgläubig wegzuerklären.

Und das Perfide – viele Leute haben nicht das Halbwissen, solche Dinge zu recherchieren. Oder die Zeit. Oder die Energie. Oder die schlechtgelaunte Griesgrämigkeit, die einen auf so etwas Zeit verschwenden lässt. Man glaubt ja immer erst einmal an das Gute im Menschen, auch wenn man diesen Menschen nur über SoMe und flüchtig kennt. Es ist nicht besonders optimismusfördernd, allen immer direkt etwas Böses zu unterstellen. Aber ich bin schon ein großer Fan davon, Geschichten kritisch zu lesen, wenn sie stetig abwegiger werden.

Und mit diesem Rant begebe ich mich jetzt auf mein fußlahmes Einhorn. Demnächst geht es hier auch wieder ums Schreiben und um Dinge, die mich tatsächlich etwas angehen. Für den Moment musst du damit leben, dass ich grummelig bin.

Merkwürdiger Besuch

Stell dir vor, es klingelt an deiner Wohnungstür. Du bist zu Gesellschaft aufgelegt und öffnest. Im Treppenhaus stehen Onkel Herbert und Tante Melanie (es sei denn, du hast einen supernetten Onkel Herbert, dann steht draußen dein imaginärer Onkel Marcel-Fridolin-Bisamratte mit Tante Clementine-Amalia-Windschutzscheibe). Und die haben etwas mitgebracht!

„Hier, schau mal auf diesen Flyer!“

Äh, danke, aber du brauchst kein Kaminholz. Du hast nicht einmal einen Kamin.

„Aber der Flyer!“

Schön?

„Nimm einen! Oder besser noch: Nimm fünf und verteil sie an deine Freunde!“

Noch einmal: Du hast keinen Kamin. Deine Freunde haben auch keinen Kamin. Ob Onkel und Tante jemals eine Wohnung von innen gesehen haben, die nach 1950 gebaut wurde?

„Dann komm eben her!“ Dein Onkel wirft sich dir an den Hals, hält den Flyer hoch und zückt das Telefon für ein Selfie. „Wenn wir dem Holzverkäufer beweisen, dass wir seinen Flyer herumreichen, kriegen wir Rabatt! Sicher, dass du keine Freunde mit Kamin hast?“

Ganz sicher. Du denkst an dein warmes Sofa und unterdrückst einen Seufzer.

„Wenn du auch Flyer verteilst, die du von uns bekommen hast, kriegen wir mehr Rabatt – und wir gewinnen vielleicht eine Kaminholz-Skulptur! Aber immer schön dran denken, ein Beweisfoto zu machen!“

Oh, wie schade! Dir fällt gerade ein, dass du ganz dringend im Keller Kartoffeln zählen musst, die laufen morgen alle ab.

„Du hast einen Kartoffelkeller?“

Also, das ist doch mindestens so wahrscheinlich wie ein eigener Kamin. Nach drei weiteren Selfies zur Sicherheit schiebst du Onkel Schnapüdelo-Kaminski und Tanke Sachertorte-Kanarienvogel ins Treppenhaus, schlägst die Tür zu und schnaufst tief durch. Auf diese Art von Gesellschaft kannst du gut verzichten. Und aus dem Wohnzimmer winkt auch schon dein Sofa. Sofa ist lieb.

(Falls dich diese Geschichte auch nur im Entferntesten an so manches absurde Social-Media-Gewinnspiel erinnert, bist du ein kluger Kopf. KOMMENTIER HIER! TEIL DAS! FOTOGRAFIERE DICH NACKT MIT EINEM AUSDRUCK DIESES POSTS! Leute, es geht mir auf den Sack. Das ist nicht mehr „social“, das ist ein Schneeballsystem.)