Überleben light! (Besser spät als nie)

Buchcover: "The Zombie Survival Guide - Complete Protection from the Living Dead - A bloody-minded, straight laced manual for evading the grasp of the undead (Time Out) - Max Brooks". Das Cover ist rot mit weißer und schwarzer Schrift und collagen-artiger Anordnung von einem Maschinengewehr und einer Machete (in Schwarz-Weiß und körniger Auflösung). Das Buch liegt auf einem Küchenbrett, oben am Rand erkennt man noch ein Brotmesser.
Hat nix mit dem Seminar zu tun, lag gestern im Bücherschrank.

(Ich war komplett davon überzeugt, dass ich diesen Beitrag schon veröffentlicht hätte. Spoiler: Ich habe überlebt. ^^)

Da waren sie wieder, meine selbstgemachten Probleme. In diesem Fall: Ein Survival-Seminar in Baden-Württemberg, organisiert über den BVjA. Der ist ja schon dafür verantwortlich, dass ich mich jetzt mit Kneipenschlägerei, Schwertkampf und Schusswaffen ein bisschen besser auskenne. Und diesmal ging es in die Wildnis – oder doch so wild, wie man es an einem Wochenende mit neun Autorinnen eben schafft.

Weil das Seminar doch ein Stück entfernt stattfand, bin ich die ca. 400 Kilometer schon am Freitag gefahren und habe die ersten Teilnehmerinnen beim Abendessen im Hotel getroffen. (Nein, ich verwende nicht das generische Femininum. Merkwürdigerweise waren wir mal wieder nur Autorinnen. Die Autoren kennen wohl alle Tricks und Tipps schon.) Ich fand die Fahrt ja schon abenteuerlich: Mit 16 % Steigung und einem guten Blick nach unten in die Berge, das ist nicht so mein Ding. Mach ich natürlich trotzdem, aber ich fluche dabei die ganze Zeit. Frag den Mann, so lief das in der Schweiz damals auch.

Am nächsten Morgen gab es noch ein üppiges Frühstück und einen letzten Blick in den gepackten Rucksack, ehe wir uns am Wanderparkplatz gegenüber vom Hotel mit unserer Survival-Coach traffen. Natürlich verquatschten wir uns direkt beim Feuermachen (nur in Theorie! Es war rundum so trocken, dass reale Feuer verboten waren, und das war auch klug so) und gingen erst nach Mittag los. Geplant war eine Wanderung von ca. 17 Kilometern.

Ehrlich gesagt, die Strecke hat mir im Vorfeld die größten Sorgen bereitet. Ich kann tagelang geradeaus wandern und habe keine Probleme mit 12, 13, 14 Kilometern. Aber 17 hatte ich eben noch nicht versucht, erst recht nicht mit Gepäck und in hügeligem Gelände. Aber das Seminar hieß schließlich nicht „Gemütlicher Spaziergang im Park“. Und das Gepäck fürs Lager konnten wir zum Glück am Hotel lassen, denn es war eine Rundwanderung geplant.

Wenn ich für längere Touren packe, plane ich immer für drei imaginäre Katastrophen und einen kleinen Umweg. Also hatte ich gut drei Liter Wasser dabei, ein kleines Päckchen Verbandsmaterial und Blasenpflaster, Regenzeug inklusive Rettungsdecke und eine Kniebandage. Außer dem Wasser habe ich davon nichts gebraucht, aber das ist ja auch der Idealfall. Und bei der Verpflegung plane ich immer auf „Maximale Kalorien bei minimalem Gewicht“ – also viel Studentenfutter und Trail Mix, wenig Gemüse. Einige Expert*innen empfehlen aus dieser Überlegung heraus als Wanderproviant ja Snickers. Das kommt mir persönlich grundsätzlich entgegen, doch verspricht bei 30 Grad eine eher klebrige Angelegenheit zu werden.

Mit einigen kleinen Pausen war die Strecke dann überraschend gut zu meistern. Schattig war es meistens auch, trotzdem war ich sehr froh über meine ultraleichte, nicht aufheizende UV-Schutz-Jacke, die ich garantiert noch öfter verwenden werde. Ja, ich bin eine von diesen hellen teigigen Personen, die nur rot und dann wieder weiß werden, das muss ich nicht andauernd erleben. An einem Punkt gab es eine längere Pause, während einige aus der Gruppe in eine Höhle hinabgestiegen sind. Ich habe lieber auf den Eingang aufgepasst, damit die anderen nicht hinterrücks überfallen werden (Höhenangst!). Von dem Abenteuer habe ich mir lieber erzählen lassen.

Abends gab es Verpflegung vom gut gesicherten Gasgrill (erlaubt), einen unglaublichen Sternenhimmel und eine kleine Lichtshow von unserer Coach, ehe diejenigen, die draußen nächtigen wollten, ihre Lager aufgebaut haben. Ich hatte komplett ohne Ahnung ein Ein-Personen-Zelt gekauft, das sich als Glücksgriff erwiesen hat: Ohne Vorwissen und im Dunkeln war es sogar müde noch in 20 Minuten aufgebaut, und am nächsten Morgen genau so einfach wieder abgebrochen und in der Tasche verstaut. Allerdings wurde es mitten in der Nacht doch etwas frisch. Kurz war ich versucht, aus dem Auto eine zusätzliche Decke zu holen. Dafür hätte ich hoch ins Hotelzimmer, um den Autoschlüssel zu holen, und dann weiter zum Auto und zurück zum … – da bin ich doch direkt lieber ins Hotel. Und hab mitten in der Nacht noch geduscht, denn so staubig und klebrig und verschwitzt hätte ich mich nicht in das schöne weiße Bett legen wollen.

Den Sonntag Morgen haben wir mit weiteren Überlebensfähigkeiten verbracht: Wie improvisiert man einen Unterschlupf? Wie würde man ein Feuer bauen, wenn man eines legen dürfte? Und dann hat unsere Coach noch die Waffen herausgekramt: Pfeil und Bogen, Wurfmesser und ein Blasrohr. Ich bin also schon wieder ein wenig gefährlicher geworden. Natürlich haben wir die Zeit überzogen und uns erst am frühen Nachmittag widerwillig voneinander getrennt, weil die Heimfahrt ja genau so lang dauert wie die Hinfahrt. Auf jeden Fall ist mein Wunschzettel schon wieder länger geworden und ich träume davon, spätestens im nächsten Jahr mal eine mehrtägige Tour durch die Eifel zu unternehmen. Schließlich soll das Zelt nicht nur herumliegen, gell?

(Den Montag habe ich fast komplett verschlafen.)