Das Michael-Bay-Rad

Eine rot-orange Feuerwalze vor einem eckigen Gebäudeblock in der Ferne.
Foto von Jeff Kingma, gefunden auf Unsplash

Eigentlich bin ich eine Zugvogel-Frau. Jedes Jahr im Frühjahr und im Herbst überkommt mich der Wunsch, umzuziehen. Da das aber ziemlich teuer und extrem anstrengend wäre, renoviere ich im Frühjahr üblicherweise einen Teil der Wohnung und gestalte um. Wenn es neu aussieht, ist es fast so gut wie richtig neu, nicht wahr?

Dieses Jahr ist die Küche dran. War auch Zeit. Ein Regal entfernen, ein anderes Regal hinzufügen, grundreinigen, die Wände streichen und vor allem den ganzen seltsamen Schland wegwerfen, der sich in unübersichtlichen Ecken gesammelt hat. Der Mann und ich sind halt Rummelhörnchen. Auf jeden Fall habe ich bis jetzt unter anderem entfernt:

  • 10 große Einkaufstüten mit Elektroschrott
  • 2 defekte Deckenfluter
  • einen Stuhl, den man nicht mehr sauberschrubben konnte (ich habs versucht!!!)
  • abgelaufene Lebensmittel aus der hintersten Regalecke
  • diverse spröde, zerbrochene oder sonstwie defekte Plastikcontainer
  • etwa 100 Kochbücher (vier große Einkaufstaschen) – die Hälfte meiner Sammlung

Außerdem hatten wir aus mir nicht bekannten Gründen zwei Flaschen mit Bio-Ethanol, mit dem man Tischkamine befüllt (wahrscheinlich, weil wir mal einen Tischkamin hatten, aber das ist laaaaaaaaaange her) und eine Flasche flüssigen Grillanzünder. Die habe ich mir letzte Woche geschnappt, als ich mit dem Rad zur Arbeit wollte. Auf dem Weg liegt nämlich der Wertstoffhof, und ich will den Schwung nutzen.

Der Mann – der nichts dagegen hat, unsere Wohnung mit leicht brennbaren und möglicherweise explosiven Dingen zu füllen und der schon etliche aufgeblähte Akkus produziert hat – war natürlich besorgt. Immerhin könnte unterwegs etwas passieren, wenn ich durch die Stadt fahre.

Ich bin da leichtsinniger. Wobei mich die Vorstellung schon amüsiert, den ersten Michael-Bay-filmtauglichen Unfall mit einem herkömmlichen Citybike zu produzieren. Einmal leicht mit dem SUV angestupst, und schon verwandelt die Frau auf dem Rad sich in einen Feuerball!

Aber die Nachrichten haben es euch schon gespoilert: Es gab KEINE mysteriöse Verpuffung am schönen Rhein. Das Fahrrad lebt, meine Schrauben sind noch alle genau so fest (oder locker) wie vorher und der Wertstoffhof hat sich unserer Probleme angenommen. Zurück bleiben zwei Erkenntnisse:

  1. Wenn man den ganzen Krempel wegwirft, ist in der Küche richtig viel Platz!
  2. Niemals die hinteren Ecken im Regal ausräumen. Da leben fremde Zivilisationen.

Dieses Wochenende mache ich die Küche fertig (es gab einen regalinduzierten Zwischenfall, der mich ausgebremst hat, und einen Abflussrohr-Eklat), danach nehme ich mir noch den Balkon vor (heute ist Sperrmüll, also haben wir ungefähr ALLES entsorgt) und dann bin ich bereit für den Sommer.

Was für ein Müll!

Im wahrsten Sinne des Wortes.

Du kennst doch die offiziellen Gelben Säcke? Die kann man nur mit einem Wort beschreiben:

GEFÜHLSECHT.

Folglich reißen die, wenn man sie nur ernst anschaut.

So gestern, als ich den Gelben Sack aus der Küche an die Straße stellen wollte für die Abholung. Wir haben so eine große Tonne, in die der Sack perfekt hineinpasst. Leider entwickelt sich manchmal Unterdruck, wenn man den Sack aus der Tonne zieht, weil nicht schnell genug Luft nachströmt. (Meistens dann, wenn man den Sack bis aufs Letzte vollgestopft hat, ich weiß.) Auf jeden Fall riss der Sack dann gestern.

Ich war schon in Sportsachen, denn ich war eigentlich aus erfreulichen Gründen auf dem Weg nach unten – zum Laufen. Meistens passt das Dienstags zwischen Büro und Sprechkurs1, wenn nichts außer der Reihe passiert, und ich bin wirklich ein erträglicherer Mensch, wenn ich laufe.

Wie dem auch sei, aus dem gerissenen Sack entleerte sich dann irgendeine Flüssigkeit und klebte Sack, Müll und das kurze Ende meiner Geduld in der Tonne fest. Umschütten war also nicht. Und so steckte ich mich selbst bis hinauf zur Schulter in den Verpackungsmüll, um das Zeug in einen neuen Sack zu verfrachten.

Ich hab vielleicht geflucht! Die Katzen kennen jetzt neue Schimpfwörter, soviel ist klar.

Die Aktion hat insgesamt eine gute halbe Stunde gedauert, inklusive ausgiebiger Armdusche und Ausspülen der Tonne, damit der nächste Sack nicht direkt wieder anklebt.

Laufen gegangen bin ich natürlich dennoch. Und der Frust hat sich auch gelohnt, ich war 10 Sekunden/Kilometer schneller als sonst dieses Jahr. Als Trainingsmethode würde ich „Müllklebe-Entsorgungsaktion“ jedoch nicht empfehlen. Nur fürs Kochen war keine Zeit, ehe ich in den Kurs musste. Haben wir halt notgedrungen gebratene Nudeln bestellt.

An die Menschen, die diese unpraktischen Säcke erfunden haben – und an die, die sie jedes Jahr noch einen halben Mikrometer dünner machen: Ich wünsche euch Juckreiz, den man in der Öffentlichkeit nicht kratzen kann!!!

  1. Im Sprechkurs habe ich für die Lesung beim Bücherbummel am Samstag, 07.06.2025, von 15:45 h bis 16:15 h aus „Zuflucht in Schattenfall“ lesen werde. Ich bin also vorbereitet! ↩︎