Neuerscheinung: Zuflucht in Schattenfall

Buch: "Zuflucht in Schattenfall". Das Cover ist in Violett- und Blautönen gehalten. Im Vordergrund stehen die Silhouette einer schlanken jungen Frau mit langen Haaren und die einer Katze auf schneebestäubten, verwitterten Holzdielen. Im Hintergrund sieht man winterliche Berge und die Silhouette eines Fichtenwaldes. Links über den Bergen fliegt in der Ferne ein Drache. Im oberen Teil des Bildes hängt ein großes Holzschild mit dem Buchtitel - Zuflucht in Schattenfall - in Schreibschrift. Der Name der Autorin - Diandra Linnemann - steht in Großbuchstaben auf einem dunklen, transparenten Streifen unten auf dem Cover.

Siehst du diese Ankündigung gerade zum dritten Mal und bist genervt? Das beweist, dass meine Automatisierung funktioniert. Viel wichtiger jedoch: Mein „Februarbuch“, das du schon vor Monaten hättest lesen können sollen, ist endlich erschienen! Bei Books on Demand kannst du es bereits als Taschenbuch kaufen, die anderen Shops ziehen in den nächsten Tagen nach. Die eBook-Konvertierung dauert immer eine Weile, keine Ahnung warum, aber auch das kommt. Und wenn es kommt, ist es für kurze Zeit sogar günstiger!

So, das war ein wilder Ritt. Die Arbeit ist auch noch nicht vorbei. In den letzten Monaten lag mein Augenmerk darauf, das Buch fertigzukriegen und gleichzeitig möglichst viele Leute darauf hinzuweisen, dass es bald erscheint und sie es unbedingt lesen müssen.

Jetzt ist es raus und es ist mein Job, möglichst viele Leute darauf hinzuweisen, dass es erschienen ist und sie es unbedingt lesen müssen. Gleichzeitig begebe ich mich auf die Jagd nach Rezensionen und hoffe, dass viele Leute das Buch nicht nur lesen, sondern auch auf Social Media in die Kamera halten. Das werde ich selbst natürlich tun, sobald ich meine Druckexemplare in der Hand halte. Einige sind schon verplant, andere kann man bei mir mit Widmung bestellen. (Ich verschicke sie oder bringe sie zu Treffpunkten wie der Krähenfee oder dem BuCon mit, wenn du mich vorwarnst!)

Was muss ich noch machen? Mir dringend ein Lesezeichen-Design überlegen, das hab ich ganz vergessen. Zum Glück bin ich ultraspontan und überschätze meine Bastelfähigkeiten auf das Grandioseste. Bist du auch schon gespannt?

Und dann kommt schon Band drei. Ich habe eine Idee und muss den Plot nur etwas cozy (und sehr spannend!) machen, dann geht es direkt weiter. Als nächstes setzen wir uns mit Bjarne auseinander … ^^

PS: Natürlich kannst du als zahlende*r Unterstützer*in auf Patreon das Buch bereits als eBook lesen, da ist es schon in verschiedenen Formaten erhältlich.

Erfolg = Murks?

Durch eine Diskussion auf Mastodon habe ich mich heute wieder an eine Theorie erinnert, die gerade in der deutschen Literaturszene (und ich verwende „Literatur“ hier bewusst weitgefasst) sehr beliebt und weitverbreitet ist:

Wenn ein Buch kommerziell erfolgreich ist, muss es Murks sein.

Da kann gar nichts Gutes drin stecken.

Und garantiert hat die schreibende Person diesen Schund nicht aus Überzeugung verfasst, sondern mit dem Hintergedanken des „Cash Grabs“ – ohne Gewissen viel Geld kassieren und das Produkt dem Markt überlassen.

Wenn ich mit Autor*innen aus anderen Kulturkreisen kommuniziere, begegnet mir dieser Gedanke seltener. Da werden kommerziell erfolgreiche Bücher eher gehyped und analysiert: Was lieben die Leser*innen an diesem Buch? Ist es inhaltlich gut oder war es vor allem das Marketing? Was hat die schreibende Person getan, um diesen Erfolg zu manifestieren? Wie hat das Buch seine Zielgruppe gefunden?

In anderen Ländern, bilde ich mir ein herauszuhören, ist kommerzieller Erfolg durch Kunst wesentlich weniger verpönt als in Deutschland.

In Deutschland kannst du eigentlich nur Künstler oder erfolgreich sein.

Dein Buch wurde in der Woche nach Veröffentlichung tausendmal gekauft? Du Betrüger*in! Warum hasst du die Kunst so sehr???

Ja gut, ich übertreibe. Aber irgendwie scheint in den Köpfen vieler Schreibender diese Idee festzuhängen, dass „gute Literatur“ etwas ist, das keinen kommerziellen Erfolg hat. Und das zieht einige problematische gedankliche Rattenschwänze nach sich.

Etwa die Annahme, dass die breite Masse keine gute Kunst erkennen könne, weil das alles ungebildete, grobschlächtige Banausen sind. Klar, das Dschungelcamp ist immer noch erschreckend erfolgreich, aber manche Leute können Trash und Entertainment und Kunst parallel genießen. Schließlich haben wir alle nicht nur eine Grundeinstellung. (Ich mag Theodor Storm und Schlefaz, verklagt mich.)

Oder die Annahme, dass Geld etwas Schlechtes sei, denn es gilt als mit der „wahren Kunst“ unvereinbar. Dabei kann ich mir wenig elenderes vorstellen, als unter prekären Umständen in kompletter Unsicherheit Kunst zu schaffen. Deswegen habe ich halt einen Brotjob (eigentlich ist es sogar ein Kuchenjob, ich lebe sehr angenehm), so kann ich mich beim Schreiben auf den Spaß-Aspekt konzentrieren.

Bei „guter Literatur“ gibt es dann übrigens noch Abstufungen, aber das nur als fixer Exkurs, weil ich mich nicht kurz fassen kann. Wenn Leute sich über mehrere Werke an ähnlichen Themen abarbeiten, ist das keine Kunst, sondern eine Masche. Wenn Leute Themen bearbeiten, die marginalisierte Gruppen betreffen, ist das eine Masche für die Quote (denk nur an das „Frauengedöns“). An der Spitze der „guten Literatur“ stehen vergeistigte privilegierte Autoren, die das Banale ins Philosophische erheben. Die wollen nicht unterhalten, sondern … ich weiß nicht, aber irgendwer soll den Driss dennoch lesen? Keine Ahnung, ich sitz hier nur und schreibe.

Anyway.

Insgeheim, denke ich, ist die Aussage „Meine Bücher sind eben zu originell/gut/literarisch anspruchsvoll/…, um kommerziell erfolgreich zu sein!“ auch eine Art von Selbstschutz. Die meisten von uns schreiben nicht so gut, wie sie gerne wollen. Viele scheitern, wenn sie großartige Ideen in großartige Bücher (Serien, Videospiele) verwandeln wollen. Irgendwo hakt es doch immer. Und wenn das Buch noch so toll ist, müssen wir uns danach mit Marketing auseinandersetzen, das ist wieder ein anderes Glücksferkel, von dem viele keine Ahnung haben – ich ja auch nicht. (Apropos, kauft meine Bücher!) Ich könnte mir also einreden, dass „Andrea die Lüsterne“ nur deswegen keinen Bestseller-Sticker hat, weil ich eben ZU GUT bin. ZU KREATIV. Ein ZU GENIALES literarisches Wunderkind. Oder das Buch ist eben gut und lustig mit Schwächen und einer eher kleinen Leserschaft, weil nicht jeder auf sexarmen Tentakelhumor steht.

(Ich prangere das übrigens an.)

Eigentlich möchten Leute, die so etwas sagen, den Spagat schaffen, ein einzigartiges, kauziges Originalbuch zu schaffen, dass auf wundersame Weise und ohne Markt- oder -Marketingkenntnis ein kommerzielles Meisterwerk wird. Wär mir ja auch ganz lieb. Das fällt aber in die Kategorie: „Ich will Prinzessin werden!“-Wunschdenken.

Eigentlich wünsche ich mir in erster Linie eine Welt, in der alle Leute genau die Kunst machen können, die sie machen wollen, ohne materielle Ängste im Rücken. Und dass diese Kunst dann genau die Leute findet, die sie brauchen.

Wahrscheinlich ist Prinzessin-Werden einfacher. ^^

Schreiben ohne Social Media – Zwischenbericht

Zunächst: Die Überschrift ist dramatisiert, denn ich bin ja noch auf einigen Social-Medial-Kanälen zu finden – etwa auf BlueSky, Mastodon und Tumblr. Die großen Plattformen, die man angeblich unbedingt fürs Marketing braucht (Facebook, Instagram, Threads, TikTok) hingegen vermisse ich immer noch nicht.

Jetzt haben mir, seit ich als Aussteigerin lebe, viele Marketing-Experten gesagt, der Abschied sei eine desaströse Entscheidung. Man könne heute leider einfach nicht mehr ohne diese Plattformen Dinge verkaufen, und auch für Verlage etc. seien Followerzahlen ja fast schon mindestens genauso wichtig wie die Manuskriptqualität. Und wenn sie mir schon raten, in die Hölle zurückzukehren, haben sie auch direkt die passenden Marketingpläne für mich parat. Für eine gewisse Gebühr, natürlich.

Ob das mit den Verlagen stimmt, weiß ich nicht. Das muss mir auch egal sein. Ich hab nur Geschichten zu verkaufen, keinen Personenkult. (Huldigt mir!)

Ersteres ist, wie ich allmählich feststelle, gar nicht mal so richtig. Nun hatte ich nie die aufregenden Verkaufszahlen, mit denen man reich und berühmt wird. Aber in den letzten Monaten sind sie auch nicht schlechter geworden – eher im Gegenteil. Ich habe im März/April mehr Bücher verkauft als in den sechs Monaten davor. Obwohl ich kein wirklich neues herausgebracht habe. (Lies den Hirschkönig! Er ist noch schöner als zuvor!) Ich muss mich nur daran erinnern, meine Bücher regelmäßig überall zu erwähnen. (Bücher!)

Außerdem experimentiere ich ein wenig mit bezahlter Werbung auf verschiedenen Kanälen. Ob das einen Effekt hat, kann ich nur indirekt beurteilen – die Platzierung eines eBook-Angebotes in einem themenspezifischen Newsletter hat keine zusätzlichen Verkäufe im Angebotszeitraum gebracht, das kann ich direkt sagen. Wahrscheinlich probiere ich es dennoch mit einem zweiten Buch, um zu schauen, ob es am konkreten Angebot lag oder ob die Newsletter-Reichweite sich für mich einfach nicht in Verkäufe umsetzen lässt. Bezahlte Anzeigen in einschlägigen Magazinen könnten zu Verkäufen geführt haben, aber das ist aufgrund der langsameren Verteilung für mich nur schwer einzuschätzen. Ich bin halt keine Expertin.

Was schließe ich daraus?

Zum einen geb ich den Brotjob nicht so schnell auf. Mit einem festen Gehalt in der Tasche kann ich genau das schreiben, was ich schreiben will – nur eben nicht so schnell, weil die Zeit begrenzt ist. (Bedingungsloses Grundeinkommen, wann???)

Zum anderen gönn ich mir noch ein wenig Budget, um mit anderen Formen bezahlter Werbung zu experimentieren. Wie das genau funktioniert, erzähl ich bei Gelegenheit. Aktuell überlege ich zu Radiowerbung und zur Präsenz auf lokalen Handwerksmärkten, beispielsweise im Weihnachtsgeschäft. Und nächstes Jahr mach ich vielleicht auch wieder mehr Messen etc. mit, wenn die Energie stimmt.

Warum ich 2024 Bücher gekauft habe

Vor einem unscharfen Hintergrund sitzt eine rotgetigerte Katze gähnend auf einem weichen Polster. Sie trägt ein hellblaues Hawaiihemd und sieht sehr zufrieden aus.
Ja, mehr Bücher, bitte! (Foto von Abiwin Krisna, auf Unsplash)

Wie angedroht – aus welchen Gründen habe ich 2024 denn jetzt Bücher gekauft, wenn es so viele peinliche Werbestrategien gab?

Der wichtigste Grund für mich ist immer: Jemand, dessen Buchgeschmack ich vertraue, schwärmt von einem Buch. Ob das jetzt eine bloggende Person ist oder ein befreundeter Mensch oder jemand, den ich nur ab und zu online oder offline über tolle Bücher reden höre – wenn das Begeisterungslevel stimmt, kaufe ich das Buch fast sicher (solange es grob zu meinen Lesegewohnheiten passt).

Alternativ funktioniert auch Werbung von schreibenden Personen, wenn man merkt, dass sie von ihrem Thema richtig begeistert sind. Also nicht „Kauf mein Buch!“, sondern: „Leute sterben! Es gibt Magie! Und winzige Zauberkröten, die Giftgas spucken! Ich will sofort in diese Welt ziehen und dort sterben!“ Ich will nicht nur den Klappentext sehen oder das Cover – das kann ich überall haben. Ich will wissen, warum diese Person dieses Buch geschrieben hat und was sie daran begeistert.

Richtig sympathisches, authentisches Auftreten kann auch dazu führen, dass ich das Buch der auftretenden Person kaufen will. Das funktioniert ebenfalls online und offline, also beispielsweise auf Messen. (Achtung: Es funktioniert NICHT, wenn Leute mit „Kauf mein Buch!“-Vibes auf mich zukommen, das ist mir eher unangenehm.) Aber wenn wir einander begegnen und uns gut unterhalten, steigen die Chancen, dass ich ein Buch mitnehme, auch wenn es nicht meinen üblichen Lesegeschmack trifft. Heck, einmal habe ich ein Buch, dass ich selbst gelesen hatte und nicht mochte, noch einmal gekauft, weil ich es für eine Freundin widmen lassen wollte, der es höchstwahrscheinlich gefällt.

Und ansonsten ist es viel Zufall – hab ich gerade Lust auf ein Buch? Spricht mich der Titel an? Piekst mich das Buchkauf-Stroh?

Also ja. Man kann bei mir als Leserin sehr viel konkret falsch machen und nur so diffus Dinge richtig. Was ist also die Moral von der Geschicht? Hab Spaß mit Werbung, ohne die Lesenden für dumm zu verkaufen. Sei du selbst, auch wenn es dich nervös macht. Deine Weirdos sind irgendwo da draußen. Und wenn du deine Weirdos gefunden hast, pflege sie!

Ein spezieller Recap: Cringe-Werbung im letzten Jahr

Gelber Hintergrund. Im Zentrum des Bildes sitzt ein sandfarbener zottiger Hund in einem blaugelben Pyjama-Oberteil, schaut nach links und streckt die Zunge raus, als wolle er sich über die Nase lecken.
Da sag ich nur bäh! (Foto von Karsten Winegeart, gefunden auf Unsplash)

Als Autor*in treibe ich mich viel in den sozialen Medien herum. Nicht nur, weil ich dort Zeit verbrennen kann, sondern auch aus professionellen Gründen. Nirgends sonst können so viele Leute gleichzeitig meine Bücher ignorieren. Ich schwör, ich hab das mit der Werbung nicht drauf.

Andere Leute aber auch nicht. Manche Posts sind lieblose Massenware, andere belanglos – und einige sind richtig, richtig cringe. Heute teile ich mit euch also einige der unpassendsten, unangenehmsten und möglicherweise einfach nur peinlichsten Werbestrategien, die ich im letzten Jahr gesehen habe. Das ist keinesfalls exklusiv, mein Gedächtnis ist nämlich eher so meh, aber WENN mir etwas im Gedächtnis bleibt, hat das gute Gründe.

Situation 1: Mir fällt ein Facebook-Profil in einer Lesegruppe auf. Egal, was für Spezifikationen die Leute angeben, wenn sie um Lese-Empfehlungen bitten – dieses Profil schreibt immer ein bestimmtes Buch einer bestimmten Autorin darunter. Sonst findet keinerlei soziale Interaktion statt. Jemand will Cowboy History? Hier, lies diese Mafia-Dark-Romance. Wer kennt sonnige Urlaubslektüre? Mafia-Dark-Romance. Ich brauche Fachliteratur zum Thema Hamster-Klonen – versuch’s doch mal mit Mafia-Dark-Romance! (Dass das Buchcover das Profilbild ist und der Name des Profils mit den gleichen Initialen beginnt wie der Name der Autorin – bestimmt alles nur Zufälle, nicht wahr?)

Situation 2: Das Threads-Profil eines Buchpodcasts fragt, was man denn gerne lese. Unter ungefähr jeder Antwort empfehlen sie einen bestimmten High-Fantasy-Roman … auch wenn High Fantasy gar nicht genannt wurde. Das Buch wurde unter Pseudonym veröffentlicht, aber das Pseudonym mitsamt Foto taucht auf einer Homepage auf, und sapperlot: Der Mensch auf dem Foto ist einer der Podcaster. Was für ein grandioser Zufall, nicht wahr?

Situation 3: Eine Person beschreibt in mehreren Posts bei threads ihre Lebenssituation mit hinterhältiger Schwester, fremdgehendem Mann, Jobschwierigkeiten etc. Viele Leute äußern Mitgefühl und bieten Hilfe an. Die Posts generieren RICHTIG viel Aufmerksamkeit. Die Person geht auf die Kommentare ein, antwortet, liefert weitere Informationen. Nach mehreren Tagen(!) löst sie dann auf: Das ist gar nicht ihr echtes Leben, sondern der Plot ihres aktuellen Romans, und wer jetzt so richtig interessiert sei, könne das Buch doch einfach kaufen.

Situation 4: Zwei Autor*innen, die ursprünglich befreundet waren, haben plötzlich Beef. So richtig fies. Mit öffentlichen Posts und Anschuldigungen, eine*r habe der*dem anderen Plot/Cover/… geklaut. Die Fans eilen zur Hilfe. Immer wieder werden in den Posts die Bücher erwähnt, mit Werbefotos und allem. Aufregerposts bringen immer viel Aufmerksamkeit, viele Leute kaufen eines der Bücher (oder beide), um sich überhaupt erst einmal ein Bild machen zu können. Dann ist der Streit plötzlich vergessen, beide vertragen sich öffentlichkeitswirksam und bedanken sich für die Unterstützung der Fans. Natürlich habe es KEINEN Buch-/Ideenklau gegeben. Man kenne einander natürlich schon lange und sei ja richtig fest befreundet, homie-style.

Situation 5: Das habe ich in verschiedenen Varianten gesehen. Die schreibende Person erzählt lang und breit von all den furchtbaren Dingen, die ihr widerfahren sind und werden. Die einzige Möglichkeit, schreckliches Schicksal abzuwenden, sind viele Buchverkäufe. Am besten jetzt sofort, heute, ganz schnell! Sonst stirbt ihr Einhorn! Und wenn ein Drama abgewendet ist („Danke an alle meinen treuen Fans und Lebensretter!“), kommt sofort das nächste. Das Einhorn hat Schnubbelschnupfen! Kauft mein Buch!

Ja, ich bin eine garstige alte Frau. Wenn ich etwas richtig würdelos-falsches sehe, will ich darüber reden. Zum einen, damit andere Leute solche hinterfröbeligen Taktiken ebenfalls schneller erkennen – und zum anderen für andere Schreibende. Tut das nicht. Egal, für wie sneaky ihr euren Marketing-Coup haltet: Leute merken das. Integrität und Glaubwürdigkeit sind wichtiger als dreitausend Klicks und fünf Buchverkäufe.

Demnächst folgt dann auch noch ein Beitrag mit Werbung, die für mich so richtig gut funktioniert hat. Ich bin ein Buchkaufopfer ohne Selbstdisziplin, es ist also gar nicht schwer, mich von einem neuen Buch (oder dreien) zu überzeugen.

Aber vorher bist du noch einmal dran: Hast du im letzten Jahr Buchwerbung gesehen, die so richtig daneben war?

EXTRABLATT! EXTRABLATT!

Marketing ist kacke.

Da, ich hab es gesagt.

Ich mag nicht marketen. Ich mag auch nicht bemarketed werden. Und wer hat Schuld daran? Ausnahmsweise einmal NICHT unser IT-Fachmann im Büro … sondern all die Knallhunzen, die einem konstant erklären, wie Marketing so richtig toll erfolgreich sei, und woran man das misst.

Ein Beispiel: Diese Woche habe ich einen E-Mail von einer Firma bekommen, bei der ich ein Ticket für ein Event gebucht habe. Die Betreffzeile lautete: „Wichtige Information zu deinem Event!“ – und was stand drin? „Deine Freunde und Kollegen können über diesen Link günstig auch Tickets kaufen!“

Joah, meine Lieben, das sind explizit NICHT „wichtige Informationen zu [meinem] Event“.

Das ist Werbung, und zwar die lästigste und ärgerlichste Variante. Sie belügt mich, spielt sich als wichtig auf und stiehlt mir meine Zeit.

Diesmal war ich so genervt, dass ich dem Anbieter eine entsprechende Mail zurückgeschrieben habe. Tenor: Macht das nicht wieder. Bislang sind sie mir die Antwort darauf schuldig geblieben. Merkwürdig, dabei habe ich den gleichen Betreff verwendet!

Okay, aber jetzt sind die Leute, die diesen Newsletter geschrieben haben, ja nicht dumm. Sie versuchen, einen wichtigen Marketing-Meilenstein zu optimieren: Die Klickrate – wie viele Leute öffnen diesen Newsletter tatsächlich? Und bei dem Betreff, rate ich mal, geht die Klickrate durch die Decke.

Was nicht durch die Decke geht – die Kundenzufriedenheit. Auch ein wichtiger Punkt, aber schwieriger zu messen. (Bis die Maschinen unsere Gedanken lesen.)

Gerade im Bereich „Marketing“ gibt es etliche solcher Indikatoren und „Tricks of the trade“: Abkürzungen, wie man sein eigenes Marketing „hackt“ und damit viele Kunden gewinnt, langfristig an sich bindet und dadurch reich und berühmt wird. Beinahe so, als sei Marketing ein Selbstzweck und nicht etwas, was man verwendet, um sein eigenes Produkt zu verkaufen.

Auch als Autorin mache ich so etwas nicht gerne. Ich habe keine ausgefeilte Online-Persönlichkeit, pflege meine „Marke“ nicht mit ausgeklügelten SoMe-Strategien und poste meist querfeldein, wie es mir gerade einfällt. Und das ist KEINE GUTE STRATEGIE, weiß ich selbst. Mein Newsletter kommt in unregelmäßigen Abständen und oft gar nicht oder zu spät, weil ich im Rahmen von Vorbereitungen und Aktionen einfach vergesse, dass das Ding auch noch geschrieben werden könnte.

ABER.

Es ist mir tausendmal lieber, ihr redet von mir als „Die verstreute Suse mit den Katzen und den tollen Büchern, bei der man nie weiß, was sie gerade treibt“, als dass ich „Die Werbeschleuder, die auch Bücher macht“ werde. Wenn ich also keine tollen Klickraten und Interaktionszahlen habe, ist das okay. Hauptsache, wir haben hier alle unseren Spaß.

Und falls euch all das nicht abgeschreckt (fast hätte ich „abgeschleckt“ geschrieben!) hat, könnt ihr hier immer noch meinen Newsletter abonnieren. Vielleicht finde ich irgendwann eine Strategie, bei der alle Seiten gewinnen.

Trends und Tricks und eine alte Lästerzunge

Glücklicherweise hat es sozusagen Tradition, sich über bestimmte Covertrends lustig zu machen. Schon seit Jahren geistern Witze über die „Shirtless Dudes“ auf gewissen historischen Romanen durch die Szene, und die „Bodice Ripper“ sind sogar nach dem für sie typischen Cover benannt.

Einerseits ist es ja praktisch, sich an gewissen Vorgaben zu orientieren – als Leser hat man direkt eine Idee, was man bekommt, und als Autorin findet man einfacher die Leute, denen das eigene Buch gefällt. Daher kommt offenbar der Trend mit den sehr hellen Krimi- und Thrillercovern, auf denen weiße und rote Elemente dominieren, und auch heitere Liebesromane mit allen möglichen Varianten an Nachtisch und Gebäck findet man nicht erst seit gestern in den Regalen. Bestimmte Romane, die sich vor allem an Leserinnen wenden, haben auf dem Cover die Frau von hinten, oft in historischem Gewand und mit eher sanften Farben im Hintergrund.

Über manche Trends kann ich mich allerdings nur wundern. Gehäuft begegnen einem beispielsweise Cover, auf denen ein Paar in inniger Umarmung zu sehen ist – nur der Hintern der Frau ragt wie ein Aussichtspunkt in die Landschaft, denn offenbar dürfen sich ihr Untenrum und sein Untenrum auf keinen Fall berühren. Wahrscheinlich bewahren die da den Heiligen Geist auf oder so – was weiß denn ich? Möglicherweise soll diese Pose besonders sexy wirken, ich denke nur an Rückenschmerzen. Oder umarmt man sich heute so? Mache ich das falsch? Meine Güte, ich habe keine Ahnung von der Erotik des 21. Jahrhunderts!!!

Ja, ich gebe es zu – ich bin eine alte Lästerzunge.

Sind euch lustige, merkwürdige oder geradezu absurde Covertrends aufgefallen? Und gibt es möglicherweise auch Trends, die euch gefallen?

(Ich mag Scherenschnitt-Cover, möglichst in Verbindung mit bunten Aquarell-Effekten, auch wenn die natürlich ebenfalls ziemlich totgeritten sind.)

Mehr Marketing-Kram

Ist sie nicht schön, die neue Internet-Welt? Ich habe euch ja schon vom kleinen Zaubermeister erzählt, den ich online gefunden habe. Und auch sonst ist es doch richtig toll, wie viele Leute man online erreichen kann!

Nur blöd, dass es so viele Plattformen gibt, die man abdecken muss. Twitter, Facebook, Instagram, TikTok – wo verstecken die potenziellen Leser sich heutzutage?

Klar, auf Facebook sind nur alte Leute. Hat man mir gesagt. Gerüchten zufolge lesen die aber auch. Die Twitter-Crowd soll sehr kurzlebig und gehässig sein, und für Instagram braucht man vor allem tolle Fotos. TikTok – dazu kann ich jetzt gar nichts sagen, ich war nur 60 Sekunden dort und war von den Geräuschen und dem Gewackel auf dem Bildschirm direkt überfordert. (Ja, ich bin eher ein Fall für Facebook. Man reiche mir meine Gehhilfe!)

Und die Leute, die einen schon gefunden haben, soll man natürlich auch noch unterhalten – im Blog (winkt) oder per Newsletter!

Und ich denke mir: Denk doch mal nach. Das allein ist ein Ganztagsjob. Wann soll man denn bitte schreiben, Marketing betreiben und vielleicht auch noch mal ein Käsebrot essen? Deswegen stümpere ich fröhlich vor mich hin. Habe keine polierten Auftritte für sämtliche Plattformen, optimiere nicht ständig Fotos und Texte und mich selbst, um noch leichter verdaulich und publikumsmagnetisch zu werden.

Schließlich kann man es mit der Werbung ja auch übertreiben.

Deutschland sucht den Superbuchtitel

Vielleicht auch „Deutschland sucht den Superblogpost“ – aber was soll’s, jetzt seid ihr hier.

Schon seit einiger Zeit gibt es im Romantik-Genre diesen Trend, Essbares und Romantisches miteinander zu mischen: „Pralinenküsse“, „Lebkuchenumarmungen“, „Leichtes Buttercremepetting“. Und so sehr ich diese Art von Assoziationstricks mag (kommt schon, ich habe das schon bei „Allerseelenkinder“ gemacht und die ganze Reihe über gut durchgehalten), finde ich es inzwischen ausgelutscht. Die Titel – meistens mit hellen oder rosalastigen Covern mit etwas Essbarem drauf – werden austauschbar.

Gut, vielleicht bin ich ein wenig voreingenommen. Aber bei Thrillern ist es doch ganz ähnlich. Meterweise weiße Cover mit schwarzen und blutroten Elementen (das ist übrigens gar kein echtes Blutrot!), darauf unheilschwangere Substantive: „Der Kindersammler“. „Zehennagelroulette“. „Die Mopsflechterin“.

Und dann sind da noch diese langen satzartigen Titel: „Als der Onkel Paul letzten Dienstag Lightzigaretten kaufen ging“ oder „Von dem Tag, an dem letztendlich fast gar nichts passierte“ oder „Wie kann ich Ihnen erklären, wie langweilig dieser Buchtitel ist?“

Es ist immer das Gleiche. Ein Titel ist ein Erfolg. Womöglich ein Überraschungserfolg … wobei diese Überraschungen meistens von langer Hand vorbereitet sind. Tut sich gar eine neue Nische auf? Die Leser sind begeistert, sie hätten gerne „mehr“. Was sie wahrscheinlich meinen: Mehr Aufregendes, Neues, Originelles, das sie weiter begeistert. Was sie wahrscheinlich kriegen: Weitere ganz ähnliche Titel, die schnell auf den Markt geworfen kommen, um diesen Trend fix totzureiten.

Das gilt nicht nur für Titel. Das erste Cover mit Aquarell-Effekten und Scherenschnittmotiv fand ich grandios, eben weil es etwas ganz Neues war. Inzwischen kann ich es nicht mehr sehen, denn diese Art Cover (und folglich auch Bücher) ist für mich beliebig und austauschbar geworden. Und ich überlege – gab es so etwas Ähnliches vor einigen Jahren nicht auch schon mit Pseudo-Graffiti?

Menschen sind von Natur aus Nachahmungstäter, und das ist auch gar nicht schlimm. Außerdem sollen Leute schnell erkennen, worum es geht. Wie bei der halb abgewandten Frau vor der Landschaft auf den Historienromanen. Aber ich finde, wir könnten uns schon ein wenig mehr Spaß und Spiel beim Kopieren erlauben. Etwa so:

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Augapfelragout

Oder doch lieber so?

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Photo by Francesco Ungaro on Pexels.com

Augapfelragout

Einmal Liebesroman, einmal Thriller. Oder etwa nicht?