Der Spaß am Gruseln

Fake-Schreibmaschine, altmodisches Modell. Sie wird von Skeletthänden bedient, das Papier wird über einen Röhrenknochen gewickelt. Auf dem Papier steht der Anfang von Edgar Allan Poes "The Raven": "Once upon a midnight dreay, while I pondered, weak and weary, over many a quaint and curious volume of forgotten lore ..."
Die Autorin am Werk. Symbolbild.

„Wie kannst du nur ganz allein zuhause nachts Horrorfilme gucken?“, fragt eine Kollegin.

„Wie kannst du dich einfach so in eine Achterbahn setzen, ohne zu wissen, wer sie unter welchen Sicherheitsaspekten gebaut hat?“, frage ich zurück.

Es ist eigentlich absurd. Menschen gruseln sich gerne – sei es in der Geisterbahn, auf dem Halloween Horror Fest oder mittels Literatur. Dabei ist das Leben eigentlich unheimlich genug, oder?

Wahrscheinlich liegt es an den Endorphinen. Wir suchen uns gezielt Erlebnisse, die uns in Angst versetzen und eine positive Auflösung haben: Wir haben überlebt!

Und während ich an den meisten Tagen wirklich nicht auf ein Fahrgeschäft steigen will, bei dem ich nicht weiß, wie gut die Technik gewartet ist oder ob das Material die Anforderungen wie versprochen erfüllt, kann ich hervorragend meine Vorstellungskraft in Angst und Schrecken versetzen.

Den ersten Horrorfilm, an den ich mich erinnere, habe ich bei einer Bekannten meiner Eltern im Grundschulalter gesehen und hatte tagelang Albträume. Es ging um monströse Gliedmaßen mit Eigenleben tief unter dem Meeresspiegel. Als der Mann genau diesen Film als „Achtziger-Klassiker“ nach Hause brachte, konnte ich über die schlechten Effekte nur müde lächeln, und so richtig überzeugend war die Story auch nicht. Allerdings verstehe ich genau, was mich als Kind so erschreckt hat. Weniger klar ist mir, warum ich danach alles daran gesetzt habe, weitere Horrorfilme zu gucken. Gremlins, Hobgoblins, ES – das war mein Ding, und die elterliche Kontrolle war ziemlich entspannt.

Mit der Zeit hat sich allerdings verändert, was ich gern gucke und was mir Angst macht. Slasher beispielsweise finde ich gar nicht mehr interessant. Es ist einfach keine Kunst, noch mehr Leute auf noch blutrünstigere Weise in noch kleinere Fitzel zu zerlegen. Meist fehlt die Motivation des Bösewichts, und die Opfer benehmen sich, als hätten sie noch nie auch nur einen einzigen Horrorfilm gesehen. Ab und zu mache ich auf Empfehlung Ausnahmen und schaue mir ausgesuchte Slasher dennoch an, aber in meine Top 10 hat es keiner davon in den letzten Jahren geschafft.

Wenn ich drei subjektiv beeindruckende Horrofilme der letzten Jahre nennen müsste, dann wären das „Wake Wood„, „Smile“ (der erste Teil!) und „The autopsy of Janeo Doe„. Keiner davon hat überragende Bewertungen, aber ich hab mich hervorragend unterhalten gefühlt.

Und welches war jetzt der Film, der mich als Kind so sehr erschreckt resp. beeindruckt hat? „Leviathan“ natürlich.

Damit entlasse ich dich auch schon wieder in ein gruseliges Wochenende. Schau dir einen der Filme an, die ich empfohlen habe, fahr Achterbahn … oder lies doch mal wieder eines meiner „Gruftgeflüster„-Hefte. ^^

Das Auge liest mit

Buhc "Zuflucht in Schattenfall" auf einer von Skeletthänden betriebenen Schreibmaschine (ein Halloween-Prop). In Hintergrund sieht man unscharg Schreibtischchaos.
Danach sind meine gestalterischen Talente erschöpft.

Gestern bin ich um zehn Jahre gealtert. Nur eine leichte Korrektur meines Personalausweises … nein, Quark. Aber wer schon eine Weile mitliest, weiß: Ich hab kein Händchen für Gestaltung. Davon zeugen meine ersten selbstgemachten Cover genau so wie der Buchsatz meiner ersten Bücher. Ich schäme mich nicht, das ist eben nicht mein Ding und ich hab gemacht, was mit begrenztem Budget möglich war.

Auf jeden Fall habe ich inzwischen, weil ich ein argloses Glückskind bin, ganz famose Unterstützung sowohl bei Covergestaltung als auch beim Buchsatz. Ich schwör, die Kooperation begann mit den folgenden Worten: „Ist das dein Buch? Der Stil ist toll, aber dein Buchsatz ist scheiße.“ – „Ich weiß, tut mir leid.“ Und für „Zuflucht in Schattenfall“ bin ich wieder unterstützt worden. Es sieht also aus wie ein richtiges, echtes Buch (das man bei mir auch direkt mit Widmung bestellen kann). Erste Runde Buchsatz, kleine Korrekturen, Kontrolle, Upload bei Books on Demand, finale Kontrolle, Freigabe, Bestellung einer Kleinauflage für zuhause – das war letzte Woche Freitag.

Gestern dann, also vier Tage später, schreibt der Buchsatzmensch mich an: Ihm habe geträumt, im Buchsatz sei ein richtig fetter Bock versteckt, ob ich schon Exemplare hätte und das bitte dringend kontrollieren könne?

Da saß ich im Büro und konnte natürlich nichts tun. Erst Abends zuhause habe ich alles einmal durchgeblättert – und heureka, das Buch sieht wie ein wunderschönes, echtes, ganz normales Buch aus. Wenigstens für so unbedarfte Menschen wie mich. Wir können also beide wieder beruhigt schlafen. Aber Heidewitzka, war das eine Aufregung! ^^

Weil ich so gar keinen Bezug zu optischer Gestaltung habe, gibt es in meinen Büchern übrigens auch keine hübsch gestalteten Szenentrenner oder so. Und wenn ich selbst lese, das muss ich jetzt gestehen, nerven diese Dinger mich, wenn sie zu elaboriert gestaltet sind und vom Text ablenken. Das geschriebene Wort und ich haben eine innige Beziehung, da soll bitte nichts zwischen kommen. Auch Illustrationen werden von mir hingebungsvoll übersehen, wenn ich mir nicht explizit Mühe mache, sie anzuschauen. Mein Herz schlägt für Texttrümmer – so wie diesen hier, und das tut mir nicht leid. Ein schön gestaltetes Buch ist für mich eines, dass sich angenehm und ohne Ablenkung oder Anstrengung lesen lässt: Klar gedruckt, nicht zu eng oder zu klein gesetzt, eine angenehme Schrift (besonders wichtig wegen meiner Lese-Rechtschreibschwäche, die spielt mir manchmal Streiche), keine Ablenkungen. Auch Farbschnitte sind mir egal. Aber ich gönne sie allen, die sich darüber freuen.

Ich glaube, das eine Buch, das mir wegen schöner Gestaltung im Kopf geblieben ist, ist tatsächlich die farbig gedruckte Ausgabe der „Unendlichen Geschichte“.

Welches besonders schöne Buch ist dir in letzter Zeit begegnet? Stehst du auf so niedlich Verzierungen oder sind sie dir schnuppe?

Vorne hui, hinten pfui?

In letzter Zeit ist mir das öfter begegnet, und zwar in Büchern – vor allem Büchern aus dem US-Markt von jungen Autor*innen, also erste oder zweite Bücher. Und gar nicht mal so sehr bei Selfpublishern, sondern auch bei bekannten mittleren oder sogar größeren Verlagshäusern.

Wovon redet die Frau da?

Die ersten zwei oder drei Kapitel des Buches sind Hammer. Alles stimmt: Sprache, Tempo, die Szenerie, die Charaktere. Und danach … entweder bricht es abrupt ab oder es frizzelt allmählich aus. Und ich habe einen Verdacht, wie das passiert.

Für diejenigen unter uns, die sich nicht mit dem traditionellen Buchverlegen auskennen: Meist bewirbt man sich beim Verlag mit einem Exposé – das ist eine komplette Zusammenfassung des Buches – und den ersten zwei bis drei Kapiteln resp. dreißig Seiten, die man geschrieben hat. Aufgrund dieser Materialien entscheiden Verlage, ob sie das ganze Buch sehen wollen.

Natürlich stecken Autor*innen in genau diese ersten dreißig oder so Seiten also die meiste Arbeit. Sie wollen schließlich überzeugen, hinreißen, erstaunen und sich einen Platz im Verlagsprogramm ergattern. Ich weiß, dass viele Autor*innen sich inzwischen, so sie es finanziell stemmen können, für ihre Verlagsbewerbungsunterlagen ein professionelles Lektorat gönnen. Alles soll so gut aussehen, wie es eben geht.

Und da ist nichts Schlimmes dran!

Allerdings habe ich den Verdacht: Wenn ein Verlag sich für dieses herausgeputzte Projekt entscheidet, wird (vor allem von Verlagsseite!) nicht mehr so viel Liebe in das restliche Manuskript gesteckt. Das ist ja auch eine Geld- und Zeitfrage. Auch Verlage müssen ihre Lektor*innen schließlich bezahlen. Einige denken sich vielleicht: Ach, wenn die Lesenden uns bis hierhin gefolgt sind, lesen sie auch das restliche Buch. Und wenn nicht? Egal, gekauft haben sie es ja. (Disclaimer: Nicht alle Verlage, natürlich. Aber einige bestimmt.)

Und gerade junge oder neue Autor*innen haben nicht den Überblick, um mehr von einem Verlag zu erwarten oder zu verlangen. Wenn eine Verlagsperson ihnen sagt: „Dein Buch ist toll, da müssen wir kaum noch etwas dran machen!“, glauben sie das und freuen sich. Erst im Lauf der Jahre kommt die Erkenntnis, dass man immer und an jedem Manuskript mit Hilfe professioneller Dritter noch eine Menge Mist schaufeln kann, ehe da ein wirklich gutes Buch draus wird.

Anders kann ich mir das, ehrlich gesagt, nicht erklären. Mehrmals hatte ich jetzt gehypte und hart umworbene Bücher in der Hand, bei denen die ersten Seiten wirklich mega waren … und dann geht es nur so meh weiter. Ob mich das dazu animiert, weitere Bücher der schreibenden Person zu kaufen? Wohl eher nicht. Vielleicht, wenn sie sich auf den letzten dreißig Seiten genau so viel Mühe gegeben hätten wie auf den ersten dreißig Seiten? Schließlich erinnere ich mich in erster Linie an das Gefühl nach dem Buch.

Und an alle jungen Autor*innen da draußen: Wenn ein Verlag nicht so viel Liebe in das Manuskript stecken will, wie ihr es euch wünscht, überlegt euch gut, ob die Zusammenarbeit der Geschichte gerecht wird. Klar, Selfpublishing kann teuer sein, aber erstens muss es das nicht und zweitens steht da am Ende dann genau die bestmögliche Geschichte auf dem Papier, die ihr erzählen wollt.

Leseflaute

Wer meiner Lesereise folgt, wundert sich gerade eventuell. Letztes Jahr war sie so fleißig, und jetzt? Kein einziges Buch in drei Wochen?

Ich kann dir versichern: Es liegt nicht daran, dass ich nicht lese.

Stattdessen hatte ich einige Flops hintereinander, und die abgebrochenen Bücher zähle ich natürlich nicht mit. Aber so summieren sich die Seiten, ohne dass die Liste wächst.

Ein britischer Krimi klang sprachlich, als hätte der Autor Oxford-Verstopfungen – sprachliches Geschwafel der übelsten Kategorie, nicht mehr als fünfzig Seiten auszuhalten.

Ein amerikanischer Frauenroman aus dem Bücherschrank zerfiel beim Lesen und roch so seltsam, dass ich es nur drei Kapitel ausgehalten habe.

Und bei einem hochgelobten „literarischen Meisterwerk“ geht es um eine egozentrische Künstlerin, die sich in einen Handwerker verliebt. Möglicherweise tatsächlich Literatur, aber ich habe keine emotionale Bindung zu einer der Figuren oder deren unglaublich langweiliger Beziehung aufbauen können.

So geht das dann weiter. Und ich weiß nicht, wie das bei dir ist, aber je länger eine Leseflaute dauert, desto schwerer fällt es mir, mit dem nächsten Buch wieder warm zu werden. Da muss dann schon etwas ganz Besonderes kommen, oder ein geliebter Re-Read aus dem Regal mit den „Keinesfalls verleihen!“-Schätzen.

Immerhin kann ich mich bei dem guten Wetter auch schön anders ablenken. Eigentlich wird es höchste Zeit für die nächste Wandertour. Muss nur mal ein freies Wochenende auftun.

Was ist dein bevorzugtes Allheilmittel für Leseflauten und enttäuschende Lektüre?

Was, bitte, ist „Bookshelf Wealth“???

Vor einer dunkelgrauen Wand stehen vier Bücherregale unterschiedlicher Größe. Die Bretter sind mit vielen dünnen bunten Büchern gut gefüllt, vielleicht 20 Prozent Raum ist noch frei. Auf den drei linken Regalen stehen graue Kästen, aus denen Efeu sich üppig über die Regale rankt und den Inhalt teilweise verdeckt. Die Bücher wirken gelesen.
Foto von Pawel Czerwinski, gefunden auf Unsplash

Manchmal, wenn ich im Tag 20 Minuten übrig habe, schaue ich wahllos Videos auf YouTube und streichle dabei den Kater. Und gestern bin ich dabei über etwas gestolpert, was angeblich 2024 ein Social-Media-Trend war. Ich krieg das ja nicht mit, ich bin über 40. Also, der Trend heißt „Bookshelf Wealth“, übersetzt „Buchregal-Wohlstand“, und worum geht es? Simpel gesagt: Bücherregale als bewusst gewählter Teil des Einrichtungs-Designs.

Jetzt war der Mensch, der diesen (und andere Trends) bewertet hat, nicht so recht angetan von „Bookshelf Wealth“. Sein Haupt-Argument: Niemand würde tatsächlich so viele Bücher lesen, also sei das nur Ramsch, den man teuer kauft, ein paar Mal abstaubt und irgendwann entsorgt.

Bitch, was???

Aus meiner 15-Quadratmeter-Studentenbude haben wir bei meinem Auszug 24 Kubikmeter Bücher mitgenommen (ein ganzes Kellerabteil voll, deswegen weiß ich das – etliche Bananenkartons). In unserer Wohnung gibt es in jedem Raum (außer im Bad – da liegen die Zeitschriften) mindestens ein Bücherregal, und die sind alle überfüllt – und ja, drei Viertel der Bücher habe ich bereits gelesen. Der Rest ist für den Fall, dass ich mal ein Jahr zuhause sitze und mich langweile.

(Bis 2019 hätte man über diesen Witz gelacht.)

In der Küche ächzt eine Kochbuchsammlung in einem 2 x 1-Meter-Regal.

Die Wörterbuch-Sammlung steht im Flur.

Das Schlafzimmer enthält ein Regal mit Nachschlagewerken und eines mit den Büchern, die ich entweder gerade gelesen habe oder als nächstes lesen will.

Mein Büro ist sowieso eine Bücherhalde, doch es gibt tatsächlich eine Wand, die nur aus Buchregal besteht (und eine für Bastelmaterial, weil ich mehr Enthusiasmus als Zeitmanagement betreibe).

Im Wohnzimmer stehen die „hübschen“ Bücher – Bildbände, Sammlerausgaben, Kuriosa etc.

Der Mann versteckt seine Fachbücher in seinem Büro vor meinen gierigen Griffeln.

Und dabei sind die zigtausend eBooks gar nicht erwähnt, die sieht zum Glück niemand.

Übrigens behalten wir längst nicht alle Bücher, die wir je anschleppen. Nur die, die wir mögen. Der Rest landet in Bücherschränken oder bei lesenden Freund*innen.

Ehrlich gesagt, wenn ich in eine Wohnung käme, in der es keine Bücher gäbe, käme ich mir merkwürdig vor. Klar, nicht jeder ist so eigen wie wir und schleppt einfach ALLES an, aber … gar keine Bücher? Kein einziges? Nicht einmal eins mit Bildern?

Apropos, vor einigen Jahren gab es mal die Empfehlung, man solle Bücher nicht mit dem Rücken, sondern mit dem Buchschnitt nach vorn ins Regal stellen, damit es einen harmonischeren Anblick gäbe (das war vor Farbschnitten, ich fühle mich gerade alt ^^ ). Wie, zum Henker, soll man da jemals etwas wiederfinden???

Also: Bücher sind eines der günstigsten Laster, die man haben kann. Viel billiger als Rennwagen und gesünder als Koks. Lass dir also nicht einreden, dass man sich die Wohnung bitte gefälligst NICHT bis unter die Decke und in drei Reihen mit Büchern vollstopfen soll, die einen irgendwann im Schlaf erschlagen. Wir Bücherwürmer haben schließlich Standards.

Rezensionen – zwischen Schadenfreude und Schöpfungshöhe

Als Autorin liebe ich Rezensionen. Also, die guten. Für meine Bücher. (Die schlechten auch, aus anderen, sehr komplizierten Gründen, die ich vielleicht später oder auch nie ansprechen werde.)

Als Leserin liebe ich Rezensionen – oft und vor allem auch die negativen, wenn sie denn gut begründet sind. Und auch negative Rezensionen können mich zum Buchkauf verleiten. Wenn etwa jemand sagt, ihm fehle die Romantik in einem Buch, ist das für mich eher ein Kaufargument. Oder wenn einer sagt, die Geschichte werde nicht mit dem nötigen Ernst behandelt.

Den Umgang mit Rezensent*innen mag ich auch. Bis jetzt hatte ich da immer Glück, der Kontakt war sehr freundlich und am Ende alle mit der Interaktion zufrieden. Und in dem Zusammenhang habe ich auch gelernt, dass Rezensionen durchaus Schöpfungshöhe haben und unter das Urheberrecht fallen. Das heißt, man darf sie nicht ohne weiteres zitieren, kopieren oder anderweitig verwenden. Manchmal geht das Autor*innen im Eifer des Gefechts durch (mir auch schon), doch die meisten Rezensent*innen sehen das nicht so wild, solange sie namentlich genannt werden. Lohnt sich natürlich immer, vorher das Einverständnis einzuholen, ehe man z. B. einen Screenshot von einer Rezension auf eine Werbegrafik bappt.

Warum ich davon erzähle? Nun, ich wundere mich. Ein österreichischer Verlag hat nämlich eine Sammlung von Ein-Stern-Rezensionen zu Werken der Weltliteratur veröffentlicht. (Nein, ich habe keine Sorge, dass man mich in diesem Buch findet – weder als Rezensentin noch als Autorin. ^^ ) Und ich frage mich, inwieweit die Rezensent*innen zu dieser Verwendung ihrer Texte ihre Zustimmung gegeben haben.

Jetzt kann es sein, dass die Rechtsprechung in Österreich eine andere ist, mit der Juristerei kenne ich mich nur rudimentär aus. Und ja, ich bin natürlich neugierig auf das Buch – immerhin sind wir alle mit Schullektüre „belesen worden“, für die wir eigentlich nicht das Zielpublikum waren. („Homo Faber“, anyone?) Aber ich glaube, im Zweifel klicke ich mich doch lieber zu Fuß durch die Bewertung und suche auf eigene Faust nach den Perlen. Woolfe, Shakespeare oder Bachmann wird es wohl weniger jucken, was Lesende heutzutage von ihnen denken.

Und weil ich natürlich neugierig bin – welchem Werk der Weltliteratur würdest DU mit einem Stern bewerten?

Scheibenwelt-Lesechallenge – kurze Unterbrechung

Hatte ich dir schon von meiner Lesechallenge dieses Jahr erzählt? Ich möchte alle Scheibenwelt-Romane in chronologischer Reihenfolge lesen. Das sind 41 Stück, wenn ich mich richtig erinnere, und bis jetzt bin ich ganz gut dabei. Liegt natürlich auch daran, dass ich eine Woche im Urlaub war. Hatte ich dir davon schon ausgiebig erzählt? Ich fürchte fast, nicht. Wie dem auch sei, gerade muss die Challenge pausieren – ich habe ein Buch bekommen, in dem zwanzig Seiten fehlen, und mich dünkt, da war plotrelevante Information enthalten.

Solche Dinge passieren also sogar bei großen Verlagen und wichtigen Autor*innen.

Das da ist die Edition, die ich gerade sammle. Wirklich schöne Hardcover mit hübschen Coverillustrationen. Einige kriegt man gerade nur zu absurd überhöhten Preisen, aber da ich nicht alle auf einmal kaufe, sondern immer nur die nächsten zwei bis drei Ausgaben, ist das überschaubar. Kleine Produktionsfehler stören mich auch nicht, schräge Seitenzuschnitte oder so etwas. Aber ich hätte schon gern das komplette Buch.

Der Verkäufer wird mir jetzt eine hoffentlich vollständige Ausgabe zuschicken, so lange beschäftige ich mich mit etwas anderem. Ist ja nicht so, als hätte ich hier keine Bücher liegen.

Bei „Andrea die Lüsterne und die lustigen Tentakel des Todes“ gab es übrigens mal eine Beschwerde an den Verlag, da würden am Ende bestimmt Kapitel fehlen. Konnten wir aber nicht bestätigen. Offenbar war eine lesende Person darüber gestolpert, dass die Aushandlung der finalen Lösung „off stage“ stattfindet und nur zusammengefasst wird. Meine Verlegerin beim Chaospony Verlag hätte, als sie die Beschwerde bekam, fast zusätzlich noch einen Herzkasper gehabt.

Ist dir so etwas auch schon passiert? Was ist das merkwürdigste Fehlerexemplar, das du je gesehen hast?

Neues Jahr, neue Bücher

Eine Wiese ist beinahe komplett mit herbstlichem Laub bedeckt, darauf liegen aufgeschlagene Bücher und bilden einen sich schlängelnden Weg. Die Lichtstimmung ist abendlich.
Foto von Laura Kapfer, gefunden auf Unsplash

Ein neues Jahr ist da, und damit ist Zeit, mir zu überlegen, was ich mit den kommenden zwölf Monaten anstellen will.

Zuerst einmal möchte ich den nächsten Band der „Schattenfall“-Serie veröffentlichen. Insgesamt sind vier Geschichten geplant. Im Moment kämpfe ich damit, dass der zweite Band düsterer werden will, als ich es für die Reihe geplant hatte, und ich die Pläne der Charaktere mit meinen eigenen in Einklang bringen muss. Lustigerweise weiß ich bei Band 2 den Plot und kämpfe mit der Stimmung, bei Band 3 kenne ich die Stimmung und habe noch keinen Plot und für Band 4 weiß ich nur, wie es enden soll. Üblicherweise ergeben sich die Details unterwegs und passen am Ende dann so wunderbar zusammen, als hätte ich das alles meisterlich geplant.

(Beispielsweise wusste ich bis fast zuletzt nicht, welche Rolle der Taubenmann in „Magie hinter den sieben Bergen“ spielen würde. Die Autorin wird offenbar immer zuletzt informiert.)

Außerdem muss ich mir überlegen, was ich mit zwei kompletten weiteren Manuskripten machen möchte, die hier liegen. Beide brauchen noch ordentlich Politur und möchten dann hinaus in die Welt, aber wie mache ich das am besten? Selfpublishing oder Verlagssuche? Für die Verlagssuche spricht, dass ich dann viel mehr Expertenunterstützung bei allem habe, womit ich mich nicht auskenne. Allerdings bin ich echt nicht die geduldigste Person der Welt. Als Selfpublisherin kann ich Dinge viel schneller machen, aber es kostet nun einmal Geld, gewisse Dienstleistungen einzukaufen, wenn ich sie nicht selbst lernen will, und seien wir ehrlich – die meisten SP-Autor*innen, die professionell investieren, sehen die paar tausend Euro pro Buch nicht wieder. Wenigstens haben wir so nie Geld für Drogen.

Das Hörbuchprojekt ist auch noch offen. Im Moment bin ich mit meiner Leistung auf hohem Niveau nicht zufrieden, was meist bedeutet, dass ich demnächst einen Lernsprung durchmachen werde. Wenigstens „Allerseelenkinder“ möchte ich wirklich endlich dieses Jahr fertigkriegen, aber auch das braucht seine Zeit. (Als Faustregel habe ich gelesen, dass man pro fertiger Stunde Hörbuch etwa zwei Stunden Material aufnimmt und vier Stunden schneidet. Nach meiner begrenzten Erfahrung könnte das durchaus stimmen.)

Dann möchte ich wieder mehr Kurzgeschichten schreiben. Letztes Jahr konnte ich Geschichten in zwei Projekten unterbringen und habe mich dabei daran erinnert, wieviel Spaß solche Projekte machen können.

Über ein anderes Projekt, das sich in der Schwebe befindet, sag ich an dieser Stelle lieber nichts. Wenn es funktioniert, wird es episch. Und lustig. Und bunt. Und arbeitsintensiv. Aber vor allem episch.

Hatte ich erwähnt, dass das verflixte Jahr nur zwölf Monate hat? Und dass mein Notebook aktuell Zeichen vorangeschrittenen Alters zeigt und DRINGEND ersetzt werden muss? Ich bin jetzt schon gestresst. ^^

Einige Dinge werde ich hingegen wahrscheinlich nicht machen. Dazu gehören etwa bunte Buchschnitte. Darüber, was gute Bücher für mich ausmacht, schreibe ich vielleicht demnächst einmal. Bunte Farbe gehört in den meisten Fällen nicht dazu.

Zum Ausgleich gibt es eine kleine Lesechallenge: Ich möchte alle 41 Scheibenwelt-Romane hintereinander lesen. Nein, mit halben Sachen geben wir uns gar nicht erst ab. Wo kämen wir denn da hin?

Welche (Lese-/Schreib-/Weltherrschafts-)Pläne hast du?

Zurück zur Schule – wieder und wieder und wieder und …

Tisch mit Knete in Töpfen, großen Holzbuchstaben, Stiften und Papier. Ein niedriger Holzstuhl mit rosa Lehne steht am Stuhl, im Hintergrund ein Spielzeugklavier.
Von Gautam Arora, auf Unsplash

Es ist ein fauler Tag. Ich hab nicht viel gemacht und ruhe mich jetzt davon aus. Im Hintergrund laufen Failvideos auf Youtube, die Katze schnarcht neben mir und ich scrolle durch Instagram.

Innerhalb von zehn Minuten habe ich vier(!) verschiedene(!) Vorstellungen von Büchern gelesen, die an magischen Internaten spielen.

Warum???

Abklatsch der Serie, die nicht genannt werden wird? Nostalgischer Self-Insert? Oder bauen die Schreibenden darauf, dass alle wohl mal auf einer Schule waren und sich deswegen bestimmt grandios abgeholt fühlen?

Keine Ahnung. Aber gerade im Fantasy-Bereich geht mir der Mangel an Fantasie auf den Zeiger. (Minuspunkte, wenn die Story grundlos in Schottland spielt, das hatte ich diese Woche schon zweimal.) Und auf den ersten Blick ist es auch immer die gleiche Geschichte: X kommt später an die magische Schule als alle anderen, alle finden sie doof, gezwungenermaßen arbeitet sie mit dem mysteriösen Y zusammen, wird versehentlich zur Schulbesten und klärt dabei noch ein finsteres Geheimnis auf.

Laaaaaangweilig!

Stellt die verdammte Schule doch wenigstens mal in den Ruhrpott – und macht ein Finanzamt draus. Nehmt eine*n Protagonisten*in, der*die den Führerschein nicht erst seit zwei Wochen hat. Erspart mir den Love Plot mit dem (wenig) überraschend feinfühligen Bad Boy. Und steckt mehr Überlegung ins Worldbuilding als „… und Magie!“

Gut, möglicherweise bin ich nicht die Zielgruppe für diese Art Romane. Andererseits lese ich YA/NA Fantasy durchaus gern, wenn sie gut gemacht ist – von Frances Hardinge habe ich bestimmt schon das eine oder andere Mal geschwärmt? Oder kennt hier wer „A wizard’s guide to defensive baking“ von T. Kingfisher?

Vielleicht bin ich auch nur alt und grummelig. Ich sollte meinen Tee trinken und ins Bett gehen, wie es sich für eine alte Frau gehört. Nur ein Hoffnungsschimmer bleibt mir: Wenigstens muss ich morgen früh nicht ins Internat, um mit den Mean Girls zu konkurrieren, während Brad mich finster anschmachtet.

(Oh, Brad!)

Werbung und wie man es NICHT machen sollte

Gelegentlich lese ich gerne Thriller und Mysteryromane. Habe ich schon immer gemacht, wird sich wahrscheinlich nicht so schnell ändern. Leider ist auch in dem Bereich viiiiiiiiel Einheitsbrei zu finden, aber ab und zu stolpere ich über ein Buch, das wirklich interessant klingt, und da man ja nie genügend Bücher haben kann …

Auf jeden Fall habe ich diese Woche Das Dorf der toten Seelen von Camilla Sten gelesen. Laut Klappentext geht es (ich bemühe mich, Spoiler zu vermeiden, aber ab hier liest du auf eigene Gefahr weiter!) um eine Gruppe junger Film-Menschen, die in ein verlassenes Dorf fahren, um Vorbereitungen für eine Dokumentation zu treffen. Die Menschen, die in diesem Dorf wohnten, sind vor etwa 60 Jahren auf mysteriöse Weise verschwunden. Die Initiatorin des Projekts, Alice, hat eine persönliche Verbindung zu dem Ort – ihre Großmutter ist wenige Wochen vor dem Verschwinden der Leute aus dem Ort weggezogen.

Also, das könnte ganz spannend sein. Findest du nicht? Und es war auch ein solides Lesevergnügen. Natürlich hatte die Geschichte einige handwerkliche Schwächen. Ich hasse es, wenn die Protagonistin die Hälfte der Zeit inkompetent in der Gegend herumstolpert, aber das scheint ja so eine Mode zu sein, um Figuren menschlicher wirken zu lassen … ehrlich? Wenn ich in der Wildnis mit so jemandem unter Lebensgefahr arbeiten müsste, würde ich die Person fesseln und knebeln und das Kommando an mich reißen. Also, Sympathiepunkte gewinnt die Protagonistin bei mir schon einmal nicht. Auch die anderen Figuren arbeiten häufig nicht am Maximum ihrer Kapazität.

Aber darum soll es heute gar nicht gehen. Stattdessen möchte ich über eine Entscheidung des Verlags reden, die dafür sorgt, dass das Buch bei Lesenden einfach nicht wie erwartet landen KANN.

Ausschnitt der Buchrückseite. In blauer Schrift ist zu lesen: Stranger Things meets Scandinavian Crime.

„Stranger Things“ … kommt dir das irgendwie bekannt vor? Das war doch diese Serie über Kinder, die gegen Monster aus einer anderen Dimension kämpfen, während im Kalten Krieg die USA und Russland parallel versuchen, diese Monster im Rahmen der Aufrüstung für ihre eigenen Zwecke einzusetzen. Läuft seit 2016 und war DAS große Ding bei Netflix. Ich muss sagen, ich habe die Serie sehr gemocht. Und ich verstehe, warum bei einem Buch aus 2020 (deutsche Ausgabe) auf ein kulturelles Massenphänomen Bezug genommen wird.

Es gibt nur ein Problem:

Die Geschichte, die erzählt wird, hat mal so GAR NICHTS mit „Stranger Things“ gemeinsam.

Die Charaktere sind älter als die Protagonist*innen aus „Stranger Things“.

Es gibt keine Regierungsverschwörung, keine andere Dimension und keine Monster.

Niemand stellt einen Bezug her zu popkulturellen Ereignissen, denen man nostalgisch nachtrauern könnte.

Keine einzige Person hat übernatürliche Fähigkeiten – wenn wir mal von übernatürlicher Irrationalität absehen, über die ich oben ja schon ansatzweise geschimpft habe.

Jaaaaaa, irgendwo gegen Ende wird mal erwähnt, wie etwas superunheimlich ist, und ganz am Rand wird eine Verbindung zwischen einer verstorbenen Person und ihrer Nachfahrin angedeutet (ich hatte euch vor Spoilern gewarnt!), aber das kommt so spät im Buch und ist derart unbedeutend für die Geschichte, dass ein vernünftiges Lektorat wenigstens fette Fragezeichen an die entsprechenden Stellen gemacht hätte.

Während also möglicherweise viele Leute aufgrund des im Foto gezeigten Werbeslogans zu diesem Buch gegriffen haben, muss ich vermuten, dass genau diese Leute von der Geschichte unglaublich enttäuscht werden – und das äußert sich dann in Rezensionen und Empfehlungen. Wieso, um alles in der Welt, sollte ein Verlag einer schreibenden Person so einen Bärendienst erweisen?

Stell dir das mal im normalen Supermarkt vor:

„Margarine aus der Abendbrotszene von Stranger Things!“

„Der Demogorgon würde seine Fratze nur mit Clearasil waschen!“

„Haben Sie Untote im Keller? Vertreiben Sie dämonische Gerüche mit Febreze!“