Das war nicht meine Buchmesse!

Krass, wie viel Mühe sich so eine vergleichsweise gemütliche Stadt wie Leipzig macht – veranstaltet gleich zwei parallele Buchmessen! Anders kann ich mir nicht erklären, wie sehr sich die Einschätzung von Herrn Otte von meinem Erleben unterscheidet.

Gehen wir das eben der Reihe nach durch.

Überfüllung und Stress am Eingang – ja, irgendwie schon. Bereits um neun (die Messe öffnet erst um zehn) waren die Schlangen an den Eingängen wirklich beeindruckend. Fand ich einerseits schon lästig, andererseits: Hurra, so viele Leute interessieren sich für Bücher! Wenn so viele Leute in die Hallen wollen, wird es natürlich auch voll. Zeitweise war der Zugang zu einigen Hallen beschränkt, damit es eben nicht zu voll wird. Für introvertierte Hamsterbacken wie mich ist das natürlich nicht einfach, aber mehr als üblich hätte ich darüber jetzt nicht gejammert. Es ist halt Messe. Es wird voll.

Rosa Kunstblumen – gut, wo ist das Problem? Die Ausstellenden haben sich um eine angenehme Atmosphäre bemüht. Kann man schlecht finden, aber … warum? Oder ist das Problem, dass die Kunstblumen rosa waren? Ich bin verwirrt.

Verpasste Termine – ja, davon hab ich gehört. Vielleicht kann man die Messe davon überzeugen, zulaufstarke Termine ab dem kommenden Jahr erst eine halbe (oder ganze) Stunde nach Messebeginn zu legen? Ich meine, das ist ja ein Problem, dass sich einfach lösen ließe, wenn etwa das komplette Programm erst um 10:30 h beginnt und die großen Zugpferde auf die Zeit ab elf (oder zwölf) verlegt werden. Ich stelle es mir schwierig vor, so viele Programmpunkte zu koordinieren, aber gewiss lässt sich da etwas verbessern.

Cosplay – vorhanden, auch reichlich. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie viel Mühe sich diese Leute mit ihren Kostümen geben. Also, ich könnte das nicht. Warum Herr Otte das jetzt unbedingt so hart sexualisieren muss, weiß ich nicht. Vielleicht Prägung? Möglicherweise ist er gewohnt, dass jede Schulter und jedes Knie, womöglich gar der Bauchnabel, exklusiv zur Erbauung der männlichen Zuschauer entblößt wird. Das ist aber ein „Ihm-sein-Problem“, keines der Allgemeinheit. (Von einer „Mehrheit“ kann man übrigens kaum sprechen. In den Hallen Drei und Fünf, wo ich die meiste Zeit über war, waren vielleicht 10 % der Besucher*innen aufwändig kostümiert. Ich vermute, dass Herr Otte eine gewisse Matheschwäche hat. Oder er war nur in Halle Eins, da sah es natürlich anders aus.)

Ein Mangel an rechten Verlagen – hurra! Endlich Ruhe vor dem braunen Gesocks! Oder etwa nicht? Einige wenige konnte man auf der Messe erspähen mit ihrer üblichen Rhetorik („Die Woken starten die nächste Buchverbrennung!“##), aber insgesamt war es erstaunlich friedlich. Klar, Diskussionen und Streit gehören zum Alltag, aber: Will man wirklich mit Leuten diskutieren, deren Ideologie klar menschenverachtend und demokratiefeindlich ist? Also, ich nicht unbedingt. Muss jede*r selbst wissen. Angeblich soll es in Halle eine rechte Gegen-Buchmesse geben, da kann Herr Otte sich ja hinstellen und eine friedliche Diskussion unter zivilisierten Leuten abhalten. Ich bin gespannt, wie das ausgeht.

Kuscheln bei Podiumsdiskussionen – dazu kann ich nicht viel sagen, ich habe mir kaum Programmpunkte angeschaut. Möglich, dass es zu harmonisch zuging. Aber es ist ja durchaus möglich, im nächsten Jahr reibungsfähigere Programmpunkte anzumelden: „Buchboxen bis zum Blackout“ oder „Verlagskeilerei de luxe“? Bitte ja!

Romantasy und Co – erstens kann man das alles nicht in einen Topf werfen. Zweitens finde ich die genannten Genres („Romance oder Dark Romance, Romantasy oder New Adult“) selbst nicht soooo prickelnd, doch weißte was? ICH LES DIE EINFACH NICHT. „Softporno im Buchformat“, schön und gut. Erinnert mich hart an die laufende Kritik an Romance Novels, die seien ja nur „female wish fullfilment“ – und all die auf das männliche Publikum ausgerichteten Western, Thriller, … nicht? Ob man sich jetzt mit dem ultimativen Fighting Champion mit Waffenschein identifiziert oder mit der wunderhübschen Bäckerin, die den Witwer um den Finger wickelt, ist doch letzten Endes schnuppe. Ist möglicherweise keine hochwertige Literatur, aber Lesen darf auch schon einfach nur mal Spaß machen.

Alles in allem also: Pusteblume. Es steht allen Besuchenden frei, sich die Messe so schön und harmonisch oder kontrovers und aufregend zu machen, wie sie wollen. Ich finde es gar nicht schlimm, mal vier Tage mit Leuten friedlich-angeregt über Bücher, den Markt und Buchideen zu reden. Streiten können wir das ganze restliche Jahr über immer noch.

Und wer zieht mit mir jetzt das Buchboxen auf?

##Buchverbrennung? Bitte was? Denk doch mal einer an den CO2-Ausstoß! Bücher werden gefälligst kompostiert. Oder geschreddert und als Füllung für vegane Schnitzelalternative verwendet. Tsk!

Spät kommt sie, aber sie kommt – die LBM-Auslese

Heute habe ich leider keine Fotos für euch, denn die Messe war einfach nur … viel. „Überwältigend“ würde dem ganzen nicht gerecht. Die meiste Zeit über bin ich zwischen dem „13 mit Feder“-Stand und der Phantastik-Lounge, die von PAN betreut wird, hin- und hergelaufen. Zum Vergnügen geschaut habe ich nur wenig. Am Ende waren knapp 300.000 Besucher*innen vor Ort, das ist eine Menge – tatsächlich zuviel für Leute, die da etwas empfindlicher sind. Aber ich hab ja immer eine Strategie und such mir Ecken, in denen man dekomprimieren kann.

Abgesehen davon habe ich viele tolle Leute getroffen, manche davon nur im Vorbeilaufen. Die Lesung im Café Gold hat Spaß gemacht und war gut besucht, die Moderation der „13 mit Feder“-Lesung auf der LBM selbst hat auch geklappt. Da war ich etwas nervös, weil ich wirklich nicht viel Bühnenpersönlichkeit habe. War aber gar nicht schlimm, die Lesenden haben gut abgelenkt. ^^

Tatsächlich habe ich (für uns Schreibende ist das ja immer wichtig) auch Bücher verkauft. Die Kosten für den Stand sind nicht wieder reingekommen, aber das ist bei so einer großen (und teuren) Messe halt auch schwierig für so winzige Lichter wie mich. Ich freue mich über jedes Gespräch und jedes Interesse. Und ich habe nur ein einziges Buch gekauft, für mehr war einfach keine Zeit. (Der Mann glaubt, ich sei kaputt.) Irgendwann richte ich mir das mal so ein, dass ich auch Zeit zum Stöbern habe.

Oh,ein Foto gibt es tatsächlich. Das hat der Mann nach meiner Heimkehr gemacht, als ich auf dem Sofa direkt eingepennt bin. Sieh selbst.

Frau mit kurzen blonden Haaren schläft unter mehreren gehäkelten Decken mit einem schwarzweißen Kater im Arm auf dem Sofa.
Ein wohlverdientes Nickerchen.

ANKÜNDIGUNG: „13 mit Feder“-Lesung im Café Gold und auf der LBM

Die Autor*innengruppe 13 mit Feder, mit der ich auf der Leipziger Buchmesse bin, hält während der Buchmesse zwei Lesungen:

Die erste findet am Donnerstag, 27.03.2025, ab 18:30 h im Café Gold in Leipzig statt. Da bin ich dabei und lese aus „Willkommen in Schattenfall“. Es gibt aber auch andere Autor*innen mit schönen neuen Texten, die du genießen kannst!

Die zweite Lesung moderiere ich nur, und zwar am Sonntag, 30-03-3035, ab 14:30 h auf der Messe selbst in Halle 5 am Fachforum + Literatur Halle 5  (Stand G701/H700). Gelesen wird von zwei anderen federbewehrten Personen, und ich bin sicher, es wird interessant!

Wie mich Kleber sozial radikalisiert hat

Auf einem aufgeschlagenen Buch liegt ein Lesezeichen aus dunkelblauem Tonkarton. Aufgeklebt ist eine hellblaue Feder mit vielen kleinen Details. Am oberen Ende des Lesezeichens gibt es ein Bändchen aus blauer Wolle.
Ein Lesezeichen für die „13 mit Feder“. Ist es nicht schön?

Am Wochenende wurde ich durch Klebstoff radikalisiert. Es war ein Versehen.

Möglicherweise hatte ich es noch nicht erwähnt, aber ich bin unter anderem mit dem Autor*innenzusammenschluss 13 mit Feder auf der Leipziger Buchmesse. Und da ich unglaublich enthusiastisch und schlecht mit Zeitmanagement bin, habe ich angeboten, als kleines Goodie Lesezeichen zu basteln. Ich hab nämlich so eine Präge- und Stanzmaschine zuhause und zufälligerweise auch Feder-Schablonen, das passt ganz hevorragend.

Wer mich nicht kennt, dem sei gesagt: Ich bin nicht gut im Basteln. Das wurde mir schon in der Grundschule bestätigt. Beispielsweise hatten meine Werkstücke immer sichtbare Kleberspuren. Gab natürlich schlechte Noten. Tja, dachte ich mir, das findest du jetzt wohl schnell raus, wie man Kleberspuren vermeidet. (Wie gesagt: Enthusiastisch und schlecht mit Zeitmanagement.)

Weißt du, wie man die vermeidet?

Man kauft den GUTEN Kleber. Den teuren, den meine Eltern sich nie leisten konnten. Nicht den für (damals noch) DM 0,99 für die 200 ml-Flasche aus dem Discounter, sondern den für (aktuell) € 6,99 für 50 ml. Ich wollte den einfach mal ausprobieren, und soooo viel Klebstoff brauche ich ja gar nicht. Um ehrlich zu sein, ich war überzeugt, mit dem höheren Preis kauft man in erster Linie ein Marken-Etikett.

Siehst du auf dem Foto oben, ob ich gekleckst habe? Nee, siehste nicht. Und ich schwöre, ich hab gekleckst. Nicht viel, ich war ja vorsichtig. Aber der verdammte teure Kleber, den meine Eltern sich nicht leisten konnten, trocknet tatsächlich einfach unsichtbar. WTF??

Na gut, eine Kunst- oder Werken-Note in der Grundschule ist nicht direkt weltbewegend, wenn man es auf das ganze Leben umrechnet. Trotzdem bin ich empört. Diese Ungerechtigkeit! Meine Mitschüler*innen waren gar nicht alle ordentlicher und sorgfältiger und besser im Basteln als ich – wenigstens nicht alle. Einige von ihnen hatten wahrscheinlich einfach den guten Kleber. Wer also, grob überschlagen, das vierfache (minus Inflation etc., umgerechnet auf den Literpreis) für Klebstoff zahlen kann, kauft sich damit einen Notenvorteil.

Außerdem wissen wir, dass das nicht beim Klebstoff Halt macht. In der Oberstufe hatte ich einen Mitschüler, der einfach in jedem einzelnen verdammten Fach wöchentlich Nachhilfe bekommen hat. Bis zum Abi. Wie teuer ist Nachhilfe aktuell? Sagen wir, der Einfachheit halber, 20 Euro/Stunde? Und wie viele Fächer hat man in der Oberstufe noch? Das Internet behauptet, es seien 12. Variiert wahrscheinlich von Bundesland zu Bundesland. Ich rechne mal großzügig zwei ab, Sport und Kunst. Und behaupten wir, es gibt noch zwei Fächer, die der Schüler vielleicht auch ohne Nachhilfe stemmt. Bleiben noch acht Stunden Nachhilfe pro Woche, à 20 Euro. Also 160 Euro pro Woche – für ein Kind. (Wir waren drei Kinder zuhause.) Wer sich das leisten kann, kriegt auch ein weniger schulisch begnadetes Kind durchs Abi. (Disclaimer: Der Schüler hatte keinen Einser-Schnitt. Auch keinen Zweier-Schnitt. Aber wer schaut, wenn du erst einmal erwachsen und im Beruf angekommen bist, jemals wieder auf die Abi-Note?)

Und so hat mich ein freiwilliges Bastelprojekt für die Leipziger Buchmesse noch ein wenig stärker radikalisiert.

Die kleberspurenfreien Lesezeichen gibt es auf der LBM übrigens am Stand E304 in Halle 5, etwa beim Buchkauf. Ein paar von meinen Büchern sind auch dort.

Wenn wir nicht zur Buchmesse können, kommt die Buchmesse eben zu uns

 

(ACHTUNG, die Links im folgenden Text führen teilweise zu Twitter und FB – wenn ihr da nicht hinwollt, nicht klicken. ^^ )

Als ich anfing, diesen Beitrag zu planen, glaubte ich noch, die LBM würde dieses Jahr ganz normal stattfinden. Inzwischen wissen wir ja alle, dem ist nicht so. Aber davon lassen wir Buchleute uns nicht die Petersilie verhageln. Corona? Wir lachen dir ins Gesicht! In den letzten Tagen sind unzählige Aktionen zum Thema „Online-Buchmesse“ gestartet worden. Ich glaube, die Leute haben mehr Stress, als wenn sie nach Leipzig gefahren wären. Einmal mehr bin ich ganz verliebt in all die Verrückten, die für ein bisschen Papier soviel Arbeit auf sich nehmen – gut, nicht für das Papier, sondern für die Geschichten darauf. Aber das Papier riecht so gut, und man kann es sich signieren lassen!

Tja, alles vorstellen kann ich gar nicht, dazu fehlen mir Zeit und Überblick, aber ich weiß zum Beispiel vom Twitter-Hashtag #bücherhamstern, unter dem Leute lesens- und kaufenswerte Bücher vorstellen (oder Verlage, bei denen man solche bestellen kann). Außerdem gibt es #onlinelbm von Skoutz mit Spielen, Lesungen, Interviews und allem Kram, den man so auf der Messe kriegt (außer Pommes, und das prangere ich an!). Und zu guter Letzt fällt mir spontan noch das Leipziger Buchfieber, zu dem sich diverse Verlage, Verlägchen und Autor*innen zusammengetan haben. Und die Nornen haben sich mit #Nornentwittern noch eine zusätzliche Aktion ausgedacht. Auch wenn ich also traurig bin, dass ich euch nicht auf der Messe sehe (und wahrscheinlich nicht erkenne), so gibt es wenigstens genügend buchzentrierte Aktionen, mit denen wir uns die kommenden Tage vertreiben können.

Und was mache ich jetzt mit den Urlaubstagen? Entweder Netflix oder Frühjahrsputz – es bleibt spannend!

 

 

Schade um die schöne Messe

Die „Buchbubble“ hat es bestimmt schon mitbekommen – die Leipziger Buchmesse 2020 findet nicht statt. Ob man das jetzt für Panikmache hält oder für eine sinnvolle Maßnahme, um die Ausbreitung von Corvid-19 zu verhindern, sei einmal dahingestellt. Ich finde es trotzdem schade, dieses Jahr so viele tolle Leute nicht in Leipzig zu treffen. Andererseits bin ich selber gesundheitlich gerade auch angeschlagen und dankbar, wenn ich mich ein paar Tage auskurieren kann, denn: Urlaub eingereicht habe ich ja schon, und den nehme ich auch. Vielleicht besuche ich statt der Bücher meine Familie, die ist auch toll. Das muss ich alles noch überlegen und planen.

Stattdessen gibt es allerdings, dem Internet sei Dank, viele tolle Aktionen. Als Beispiel sei hier das Hashtag #bücherhamstern genannt, unter dem Leute auf Twitter die Bücher vorstellen, die sie sonst zur Buchmesse mitgenommen hätten. Auch sonst gibt es viele Aktionen auf den üblichen SoMe-Kanälen, mit denen man sich vom 12. bis zum 15. März toll die Zeit vertreiben kann.

Vom Nornennetz stehen wir jetzt natürlich vor einem ordentlichen Haufen Vorbereitungen, die wir gerade nicht brauchen können. Aber die lagern wir für das nächste Jahr ein. Da treffen wir uns nämlich alle in Leipzig wieder, wenn nicht gerade die Welt untergeht.

Upps, jetzt hab ich’s gejinxt.

iMprESSionEn

Oder auch: Wie ich mich an möglichst vielen Leuten gerieben und diverse andere Leute angeleckt habe.

Auf den Fotos sind unter anderem zu sehen:

Anja Bagus

J. S. Hartmann

Thorsten Hoß

Babsi

Eleonore Laubenstein

Timo Koch

Katharina Rauh

Katrin Ils

Anne Zandt

Brida Anderson

Andere Leute habe ich getroffen, aber nicht fotografiert, und ein paar Leute habe ich fotografiert, aber mein Telefon macht Faxen und die Fotos kommen dann später. Es war megaanstrengend und supertoll und überhaupt will ich natürlich wieder hin. Und ihr so?

Verlage Gegen Rechts auf der LBM

Ihr Statement:

Dem Rechtsruck entschlossen entgegentreten

Als sich die Kampagne „Verlage gegen rechts“ gründete, war das der längst überfällige Versuch, die Präsenz rechter und rechtsradikaler Verlage auf den Buchmessen institutionell zu skandalisieren. Mit guter Medienresonanz und einer Fülle stark besuchter Veranstaltungen gelang ein Programm, das die Unangemessenheit der lautstarken Auftritte von rechts zeigte und sachliche Diskussion mit eigenen Inhalten dagegenstellte. Trotz dieses Erfolgs lautet unsere Bilanz: Das reicht uns nicht!

In Deutschland wie europa- und weltweit erleben wir zunehmend beängstigende Ressentiments und menschenfeindlichen Rassismus. In dieser Situation ist es uns unbegreiflich, dass sich so viele, die in unserer Buchbranche arbeiten, weiterhin nicht positionieren, geschweige denn engagieren.

Sich gezielt unpolitisch zu geben oder nach rechts unabgegrenzte Programmarbeit zu machen, stärkt diejenigen, die eine tolerante und demokratische Weltanschauung attackieren und unterminieren. Die deutsche Verlagslandschaft hat sich jahrzehntelang kritisch mit dem Nationalsozialismus, seinen Ursachen und Folgen auseinandergesetzt. Umso unerklärlicher, dass die Gefahr neuer faschistischer Tendenzen unterschätzt wird. Während tausende Menschen im Mittelmeer in den Tod getrieben werden und uns täglich „die Fähigkeit des Menschen zur Unmenschlichkeit“ (Rosa Luxemburg) vor Augen geführt wird, kommt das Humane, was Literatur ausmacht, zu kurz.
Verlagsarbeit heißt in unseren Augen, die Welt zwischen zwei Buchdeckel zu bringen, die Perspektiven von Menschen aus allen möglichen Ländern zu beleuchten und gerade die Stimmen der Unterdrückten und der Andersdenkenden vernehmbar zu machen. Abschottung ist in einer Branche, in der jährlich tausende Titel aus anderen Sprachen übersetzt werden, schlechterdings die Antithese.

Während der Kampagne ist uns allzu oft das Wort Meinungsfreiheit entgegengehalten worden, wie auch die Forderung, mit rechten Demagog*innen und Aufhetzer*innen zu reden. Doch was geschieht, wenn rechte Hetzparolen eine Bühne bekommen, können wir nun beobachten. Sie halten ihre Position für den Mainstream. Wir glauben weder an „Angst“ als Grund für Hass, noch an „Heimat“ als Grund für Gewalt und Empathielosigkeit. Wir sagen: Analyse ja, Verständnis nein! Wir fordern offene Grenzen in den Köpfen und zwischen den Staaten und Solidarität mit allen Schwächeren auf dieser Welt. Wir wollen, dass alle hier Lebenden sozial und politisch gleichgestellt werden. Es sind genug Mittel für ein würdiges Leben für alle da, sie sind nur falsch verteilt. Statt Geld in Infrastruktur zu investieren, werden Milliardengeschäfte mit Waffen gemacht. Die deutsche Wirtschaft und Politik wird dadurch selbst zum Fluchtverursacher. Das muss ein Ende haben.

Und es kann nicht sein, dass wir nur reagieren: Wir sollten den Diskurs bestimmen, da wir Argumente haben und nicht, wie die Rechten, nur Ressentiment. Wir wünschen uns eine andere Welt und wir wünschen uns, dass alle Verlage ihre Aufgabe darin sehen, ihrer Rolle als geistige Inspiratoren auf dem Weg dorthin gerecht werden!

Quelle

Ich finde, das ist eine wichtige und teilenswerte Sache. Wenn die Buchmesse entscheidet, dass sie alle Meinungen gelten lassen – auch solche, die Grundrecht und Menschenrechte so eher kreativ auslegen – sollten wir andere auch Flagge zeigen. Ich mag meine Diskussionen lebendig, mein Miteinander respektvoll und die meisten Menschen bitte sicher, lebend und friedlich. Wenn das schon zuviel verlangt ist …

Nornen auf der Leipziger Buchmesse – Crowdfunding-Aufruf

Gelegentlich hatte ich ja schon über das Nornenabenteuer auf der LBM 2018 berichtet, und auch 2019 wären wir gerne wieder da. Leider ist das ein nicht ganz günstiges Vergnügen, und als Vereinigung von Enthusiastinnen finanzieren wir uns da komplett selbst – ohne die Möglichkeit, durch Verkäufe auf der Buchmesse Einnahmen zu generieren. Jede Norne steuert bei, was sie erübrigen kann, und für die LBM 2019, haben wir uns überlegt, könnt ihr das Nornennetz tatkräftig unterstützen.

Hier ist der Blogartikel, der alles erklärt.

Und hier geht es direkt zur Kickstarter-Kampagne.

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by Ela Schnittke

Messe, Meet und Greet – Eindrücke

Einigen fleißigen Fotografinnen sei Dank, könnt ihr euch selbst davon überzeugen, ob ich überzeugend war. Ein wenig Selbstbeweihräucherung muss ja auch mal sein. Bob kam auf jeden Fall großartig an, und auch meine Liebe zu Tentakeln wurde höchstens mit Verwunderung zur Kenntnis genommen.